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Full text of "Ausführliches Lexikon der griechischen und römischen Mythologie. Hrsg. von W.H. Roscher. Bd. II-VII"

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AUSFÜHRLICHES LEXIKON 



DER 



; GRIECHISCHEN UND RÖMISCHEN 

MYTHOLOGIE 

IM VEREIN MIT 

TH. BIRT, 0. CRUSIUS, F. CUMONT, W. DEECKE (f), F. DENEKEN, W. DREXLER, 
R. ENGELMANN, A. FÜRTWÄNGLER, 0. HÖFER, J. ILBERG, 0. IMMISCH, 
A. JEREMIAS, MAX. MAYER, 0. MELTZER, ED. MEYER, R. PETER, A. PREUNER, 
K. PURGOLD, A. RAPP, B. SAUER, TH. SCHREIBER, K. SEELIGER, H. STEUDING, 
' H. W. STOLL(f), L. v. SYBEL, E. THRÄMER, K. TÜMPEL, P. WEIZSÄCEER, 
L. WENIGER, Gf. WISSOWA, E. WÖRNER U. A. 

• 

HERAUSGEGEBEN 

W. H. RÖSCHER. 




ZWEITEß BAND, ZWEITE ABTEILUNG^ 
LAAS— MYTON. 

MIT ZAHLREICHEN ABBILDUNGEN. 



LEIPZIG, 

DRUCK UND VERLAG VON B. G. TEUBNER. 
1894—1897. 



ZWEITER BAND 

ZWEITE ABTEILUNG. 



Laas (Aäag), Sohn der Metis, den Kronos (s. d.) 3, 14 8. Vgl Toepffer, Alt Geneal. 42 über 

statt des Zeus verschlang. Als letzterer zur den Namen Labdakos b. Preller, Gr. MM,. 2, 

Herrschaft gekommen war, nannte er aus 343, 3. [J. G. E. Sterk, De Labdactdarum 

Dankbarkeit gegen seinen Eetter die Menschen historia a tragicis m scena posita. Lugd. üat. 

laoL Euhemerist.-äymol. Legende b. Cram. 1829, Drexler.] [Stoll.] 

Anekd. Oxon. 1, 267, 4ff. Etym. Gud. 362, 26ff. Labe? (Adßr,?), vielleicht korrupter Name 

[Höfer]. einer Lesbierm in dem mit lesbisoner Lofeal- 

Labanes (AocBdvrig), Beiname des Jtfen in mythologie gesättigten Roman des Aulos Longos 

Kula, nach einer Inschrift, welche eine Wid- 3, 16: {AvwCvlov) t% "»*o««J? •• f«<?? «1» 

mung an Men L. und Men Petraeites enthält, 10 yvvc&ut flafav (oder laBsiv) [ti]v], «!» tmwo- 

Z III 'Eros 1/2 p. 158 nr. «/ Jßfffc. A merkungen S. 337) mit Rückacht mfTheokrit 

Barch'. Inst, in Athen 6 p. 273 nr. 23. 14, 24 mit Toup Aaäa Gen. von AaBa« setzt 

[Drexler] (Schäfer Sjj&isv). Als Testimonium' für TÄeo- 

Labaphnesker (AaB a q>vsmr,e) Name einer feriis Labas hat .£/we»w diese Stelle nicht 

mit dem Titel * £ o S W(>u>s versehenen Gott- eitleren mögen. Über die mythische Grund- 

heit im Pap. Mimaut vs. 151. [Drexler.] läge des Romans und das mytilenfosche Pne- 

Labaro 2 Zweifelhafte Überlieferung der stertum des Dichters vgl. Phtlologus JN. X. i, 

spanischen Inschrift C. I. L. 2, 732 (vgl. Suppl. 1889, 115 A. 131 [Tümpel.] 
Index v. 1128). Ob Name einer Gottheit? 20 Labor persomficiert zusammen mit Letum, 

Ein gallischer Soldat Namens Labarus bei Lues, Mors, Tabes und Dolor bei Sm& Oed. 

Sil. Ital. 4, 232. Vgl. übrigens Laburus und 652. [Höfer.] ( _ 

über den in der Ableitung öfter vorkommen- Labrandens (AaßQocvdeys,Aelnn.n.an.l2,dV. 

den Wechsel der Laute a und u Glück, Kelt. Lact. 1, 22, 23) Beiname des in dem karischen 

Namen bei Caesar p. 50. [M. Ihm.] Ort Labranda bei Mylasa verehrten Zeus Ptet 

Labdakos (AÜ8$a*o S ), Sohn des Polydoros, auaest. 45 (hier heifst , er AaBgaSevs). Strabon 

Enkel des Kadmos, Vater des Laios, König von 14, 659 (A a ß Qa v8r,vo S ). InscW. aus Herakleia 

Theben, nach welchem das unglückliche Königs- am Latmos, C I G. t, «M«.»«' **™J?? 

geschlecht von Theben gewöhnlich Labdakiden Aphrodisias, C. I. G. 2, 2760. Nach Flut. a.. a O. 
genannt wird (Soph. 0. C. 221. Antig. 594j. Dies so hatte Zeus diesen Beinamen von dem fischen 

von Kadmos stammende Herrschergeschlecht Wort tefteg =- ««J.»*«e: Herakles hatte das 

wurde in Theben von einem anderen Hause, Schlachtbeil der Hippolyte der Omphale ge- 

dasvonHyrieusabstammte, unterbrochen. Wäh- schenkt und alle ihre Nachfolger bis auf Kan- 

rend der Jugend des Labdakos hatten Nykteus daules, der es einem seiner Genossen schenkte, 

und dann dessen Bruder Lykos, die Söhne des trugen es. Im Kampf des Gyges gegen Kan- 

Hvrieus die Vormundschaft und die Herrschaft, daules erbeutete des Gyges Bundesgenosse, 

und als Labdakos nach kurzer Regierung ge- Arselis aus Mylasa, dieses Beil, brachte es 

sterben, übernahm Lykos wieder über dessen mit nach Karien und stiftete einen Tempel 

Sohn Laios die Vormundschaft, Herodot 5, 59. und eine Bildsäule des Zeus, der er dieses 
Paus 9 5 2. 2, 6, 2. Em. Phoen. 8. Arr. An. 40 Beil in den Arm gab. Plm. htst. nat. öt, lb 

2 16 ' 2.' Hyg f. 76. Müller, 'Orch. 224 ff. Heyne, erwähnt einen Labrayndi Iovis fons mit zahmen 

Apollod. OK«, p. 234. Gerhard, Gr. Myth. 2 Aalen. Über den Tempel des Iuppiter Labran- 

6 738. 742. Stammtfl. p. 230. Die Mutter des dius s. Lactant.de fals. rdtg. 1, 22. — JNacn 

Labdakos war Nyk£el< die Tochter des Nyk- Strato« u.a. 0. (vgl. Herod. 5, 119) ist der Zeus 

teus (Apollod. 3, 5, 5, wo Nykteus Sohn des AaßoccvStvg - Z,ve A,a«o B (s. d); über die 

(Sparten) Chthonios heifst). Labdakos hatte Verehrung de* Gottes s. C I G. 2, 2691 e - 

wegen der Landesgrenze einen Krieg mit Pan- Dittenberger, Sylloge 76 p. 135: iv x 9 i,sq 9 tot; 

diol, dem athenischen König, welchem der Jag tov Aajfyav*™, Wijs ^«3« *" 

Thrakerkönig Tereus zu Hülfe kam, Apollod. navriyvQios ioveris- Kult im karischen Olymos, 



-1777 Labrandos Labyrinthos 1778 

Waddington, Asie min. 331. 338. 323. Athen. wohl auch zwischen dem andern Kuretennamen 

Mitt. 14, 375. 379. 381 ; in Mylasa, Waddington Panamoros (wohl Panamaros) und dem Zeus 

a a. O. 347. 348. 399. Corr. hell. 5, 99. Athen. Panamaros (s. d.), anzunehmen sein; für Pa- 

Mxtt. 15, 261. Die Form Aaßgsvdov findet sich laxos freilich fehlt bis jetzt ein entsprechen- 

A-then Mitt. 15, 259 nr. 10; ohne Zens steht des Zeusepitheton. Höfer.] [Stoll.] 

■ Ai&FoimAaßgavvvScp Athen. Mitt. 15, 259 nr. 11; Labranios, Beiname des Zeus auf Kypros. 

vgl. Cavedoni, Bell' origine del culto di Giove £r besafs beim heutigen Dorfe Phasulla auf 

Ldbraundo, Bull, arch. Napol. 1855 p. 181. einem 10,40 km nördlich von Limassol und 

Lüden, Dionys. Künstler 15; vgl. Georg Meyer, 11,40 km nordwestlich von Amathus gelegenen 

Die Kaner bei Bezzenberger, Beiträge 10, 163; 10 Hügel einen geweihten Bezirk, s. Ohnefalsch- 

s. Kanos und Labrandos. Die ältere Litte- Bichter, Kypros, die Bibel und Homer p 21 

ratur über Zeus Labrandeus auf Münzen bei nr. 46, welcher auf J. H. Hall, A temple of 

Masche, Lexikon 2, 2, 1217. — Auf Kaiser- Zeus im Journal of the American Oriental 

münzen von Mylasa erscheint Zeus L. stehend, Society. Proceedings at New Haven, October 

mit der R. das Doppelbeil, in der L. die Lanze 1883 verweist. [Drexler.] 

haltend, Eckhel, Dbctr. num. vet. 2, 585, so auf Labraundos s. Lambranndos. 

Münzen des Hadrian, Eckhel 6, 514, wo er auf Labrax (?), ein Rofs des Helios, Hyg. f. 183; 

. der R. den Adler, in der L. das Beil hält; vgl. unsichere Konjektur Munckers für das korrupte 

Mionnet 3, 356 1 309; auf Münzen des Geta Abrax. [Nach Bursian, Jahrbb. f. Mass. Phil. 93 

t* w-™* 61 emem Tem P el mit Ast unA20-p.77&ivglJe.ichonnek,DenominibusquaeGraeci 

Lfcnze Mionnet 3, 358, 320ff.; ebenso auf Mün- pecudibus domesticis indiderunt p. 34) sind die 

zen des Heliogabalus , Mionnet 3, 358, 324; Worte bei Hyginus: Item quos Homerustradit: 

auf Münzen des Valenanus und Gallienus, abrax aslo therbeeo. Item quos Ovidius: Eons, 

Sestini, Lettere 9, 42 (mit Lanze und Adler); Aethon, Pyrois, Phlegon eine Interpolation; 

mit Doppelaxt «nd Lanze auf Münzen der kari- abrax aslo therbeeo habe der Interpolator einer 

sehen Könige, so des Hekatomnos, Beaer, Thes. Gemme 'mit der Darstellung des Helios auf dem 

Brandenb. 1, 266. Eckhel 2, 696. Mionnet 3, Viergespann entnommen, welche die Aufschrift 

8 J? 7 »\\ - 8estini > Lettere 8 , 81, des Maussolos ABPAIAH IQTHP BHA IAQ trug. Diese Götter- 

EcMiel 2, 697. Mionnet 3, 398, 2 ff., des Hi- namen habe er für Pferdenamen angesehen und, 

dneus /Idrieus), Eckhel a. a. 0. Mionnet 3, so um mit seiner Gelehrsamkeit zu prunken, Hämsr 

899, 8f£, des Pixodarus, Eckhel a.a.O. Mionnet als Quelle angegeben. Drexler.] [Stoll.] 

8, 399, 12.. Sestini 8, 82 (er trägt die Axt Labros (Adßgog), 1) Name eines Hundes in 

auch auf der Schulter, Mionnet 3, 399, 14ff); der Darstellung der kalydonischen Jagd auf 

des Orthontopates (Orontopates), Eckhel a. a. 0. der Vase des Ergotimos und Klitias (s. z. B. 

Mionnet 3, 400, 17. Auf autonomen Münzen AEM. 12 p. 44), Baeeker, De canum nominibus 

• von Mylasa erscheinen das Beil und der Adler Graecis p. 57 („vehemens, aut veloätate [vgl. la- 

als Insignien des Zeus L. Eckhel 2, 584 vgl. ßgojiöSng] aut voracitate"); Jeschonnek p. 11. 

Sestini 9, 42, ebenso das Beil auf Münzen des [Vgl. Arch. Ztg. 4 (1846), 326f. Höfer] — 

Pixodarus, Mionnet 3, 399, 13 und auf auto- 2) Name eines Hundes des Aktaion, Hygin 

nomen Münzen von Myndos Mionnet -3, 359, 40 fab. 181. Ovid Met. 3, 224. [Drexler.] 

, 829 ff.; vgl. auch die zweischneidige Axt auf Lnbrosyne (Aaßgoaivrj) , die personifizierte 

einem Denkmal aus der karischen Stadt Kys, Gier. Leonidas in Anth. Pal. 6, 305; vgl. La- 

Bull. de corr. hell. 11 (1887), 310, 5. Larfeld phygmos. [Höfer.] 

in Bursians Jahresb. 66 (1891 Suppl.), 53. — Laburus, ein bei Emona (Laibach) verehrter 

t Zeus auf Münzen von Labranda mit Lanze Gott, C. I. L. 3, 3840 (= Orelli 2017) Vgl 

und Blitz (resp. Adler) Mionnet 3, 308, 27. Labaro und Glück, Kelt. Namen p. 50f. [M. Ihm.] 

irh 3 i ! V § 1 ' 31 °' 39- - 41, ~~ das h81zerne Labyrinthos (Aaßvgiv&og), ein Bau mit viel- 

Bild des Zeus L. mit dem Doppelbeil in der fach verschlungenen und in einander greifenden 

Rechten, dessen Stiel bis auf den Boden reicht Gängen und Kammern, aus welchen der Aus- 

und dem gleichfalls bis auf den Boden reichen- 50 gang nicht leicht zu finden ist. Das Wort wird 

den Speerschaft in der Linken (Miliin, Gal. von manchen für ägyptisch gehalten, Hock, 

myth. 10, F. 37) s. G. Bötticher, Arch. Zeit. Kreta 1, 63. - 0. Müller (Handb. d. Archäol. 

• 12 (1857), 72; vgl. auch 0. Muller, Handb. d. % 60, 2) leitet es von dem griechischen Xavga 

Arch. 2 497, 7. — Max. Mayer, Jahrb. d. Kais. ab. Das mythische Labyrinth in Kreta war 

Z>. Arch. Inst .7 (1892), 191 nimmt eine Ver- ein Gebäude beiKnossos, dem Königs sitz des 

• ebrungp des Gottes von Labranda auch auf Minos,von Daidalos dem Minos erbaut zur 

Kreta an, wo er Aaßgvv»iog (vgl. oben läßgvg Aufnahme und Bewahrung des Minotauros. 

— Axt) geheifsen habe, woraus Aaßvqiv&og Biod. 1, 61 und 97 sagt, dafs nach der Be- 

(»• d.) entstanden sei. [Höfer.] hauptung manclier Agyptier Daidalos das ur- 

■ Labrandos (AußgavSog), ein Kurete, der mit 60 alte ägyptische Labyrinth, einen kolossa- 
aen Kureten Panamoros und Palaxos oder Spa- len noch jetzt in seinen Trümmern existieren- 
laxos nach Karien kam, wo von ihnen der Flufs den Reichspalast mit 12 bedeckten Höfen und 
Heudonos seinen Namen erhielt, weil sie in der 3000 Gemächern am Mörissee, bewundert und 
ersten Nacht an seinem Ufer geschlafen (svSsiv), nach seinem Muster das Labyrinth zu Knossos 
fT" ¥' xt 90 ' 1- t Vg1, Kureten S P- 1B " z - 53 ff - erbaut habe; doch sei dies knossische Gebäude 
•Da der Name Läbrandos entschieden mit dem jetzt ganz verschwunden; und Plin. N. H. 36, 
Beinamen des Zeus, Labrandeus, zusammen- 13 behauptet, dafs Daidalos nur den hundert- 
hangt, so wird ein solcher Zusammenhang sten Teil des ägyptischen Labyrinths in Kreta 



1779 Labyrinthos Labyrinthos 1780 

nachgebildet habe. [Vgl. über das ägyptische klopeia genannt (Strab. 8, 369. 373), war wohl 
Labyrinth Wiedemann,Berodots2.BuchS. 522 ff. ein Steinbrach, der später als Grabstätte be- 
tr. Ebers, Ägypten in Bild und Wort 2 S. 173 f. nutzt wurde, Müller, Bandb. d. Arch. § 46, 2. 
mit Abbildung. Preller s. v. Labyrinthus bei 50, 2. Bürsian, Geogr. 2, 60. Curtius, Pelop. 
' Pauly, Bealencykl. B.] Aber das Labyrinth zu 2, 391. Aufzählung der Labyrinthe bei Zoega, 
Knossos hat nie in "Wirklichkeit existiert; es De Obeliscis p. 315 u. 347 [und Preller s. v. 
war eine Fiktion der Phantasie [vgl. jedoch Labyrinthos in Paulys Bealencykl. B.]. [St oll.] 
den Zusatz von K Fabricius], hauptsächlich [Das sog. Labyrinth bei Gortyn auf Kreta 
ausgebildet in der attischen Sage von Theseus, ist ein antiker bergwerkartiger Steinbruch^ 
der den Minotauros im Labyrinth erschlug und 10 von sehr grofser Ausdehnung. Nur durch eine 
die demselben als Opfer bestimmten atheni- enge Öffnung zugänglich, besteht es aus hori- 
schen Jünglinge und Jungfrauen aus dem Laby- zontal laufenden, unregelmäfsig gewundenen^ 
rinth befreite. Apollod. 3, 1, 4. 3, 15, 8. Biod. Gängen von durchschnittlich Manneshöhe bei 
1, 61. 4, 61. 77. Plut. Thes. 15. 16. 19. Paus. ganz verschiedener Breite, die sich vielfach 
1, 27, 9. Verg. Aen. 5, 588 und dazu Serv. verzweigen und zu geräumigen Kammern er- 
Hyg. f. 40. 41. 42; s. Theseus. Diese attischen weitern. Ehemals scheint der Bruch, der sich 
Sagen sind besonders von den Logographen über 300 m tief in den Berg erstreckt, mehrere 
behandelt worden (vgl. Bellanikos fr. 73 bei Zugänge gehabt zu haben, die jetzt verschüttet - 
Müller, Fr. hist. gr. 1 p. 54. Pherekydes fr. sind. Das Ganze ist, wie zahlreiche Arbeits- 
106 Müller 1 p. 97) und knüpften wohl an 20 spuren beweisen, künstlich in den massiven, 
i alten Kultus und Sagen von Kreta an. „In horizontal gelagerten Kalk gebrochen, häufig 
! Kreta waren unterirdische Felsengsotten häufig, sind halbfertige Quadern stehen geblieben, 
welche für religiösen Kultus benutzt wurden; Über das Alter der Anlage, deren Zweck war, 
i eine solche Grotte diente wahrscheinlich in Steine für die Bauten in Gortyn {xeixiöaoau 
■ altkretischer (phönikischer) Zeit dem Beligions- Ilias 2, 646) zu gewinnen, läfst sich nichts 
kreise, dem der Minotauros und Pasiphae an- Bestimmtes feststellen; die Quadern, welche 
gehörten, und aus den halbverschollenen Sagen die alten gortynischen Inschriften tragen, könn- 
von derartigen Kultuslokalen schuf dann der ten sehr wohl aus dem Labyrinth stammen. 
hellenische-Mythus ein Gebäude." Hock, Kreta Gleichartige, nur viel kleinere antike Stein- 
1, 65 f. Preller, Gr. Myth. 2, 124: „Der Grund- 30 bräche sind an den Abhängen des im "Gebiete 
'gedanke war höchst wahrscheinlich ein alle- von Knossos gelegenen Berges Juktas auf- 
! gorischer, das Labyrinth selbst zunächst ein gefunden worden, von denen ich zwei (bei 
Ding des Glaubens und der Phantasie, wel- Kato-Aeharnäs) besucht habe. Die berg- 
ches man, wie gewöhnlich solche symbolische werkäbnliche Anlage empfahl sich wohl wegen 
i Vorstellungen, iu Tänzen und entsprechenden der tiefen Lage der abbaufähigen Gestein- 
Anlagen nur nachbildete; und zwar ist es ver- schichten, doch müssen die engen Zugänge 
mutlich (im Kultus des Sonnengottes Mino- den besonderen Zweck gehabt haben, das 
tauros und der Mondgöttin Pasiphae) ein Bild Werk leicht überwachen zu können. Es kann 
des gestirnten Himmels gewesen mit seinen daher immerhin die Frage aufgeworfen werden, 
ins Unendliche verschlungenen Bahnen, in io ob man nicht in alter Zeit Kriegsgefangene 
denen sich Sonne und Mond doch so sicher be- zur Zwangsarbeit in diesen Latomien zu ver- 
wegen." Vgl.denvcnDaidalosgefertigtenTanz- wenden pflegte, und ob diese Sitte nicht etwa 
platz und Chortanz der Ariadne in Knossos für die Erklärung der kretischen Sage in Be- 
. (II. 18, 590ff.) und den Geranostanz auf Kreta und tracht zu ziehen ist. Über das L. bei Gortyn 
Delos zum Andenken an die verschlungenen vgl. Sieber, Beise nach der Insel Kreta 1, 61 Off. 
Windungen des Labyrinths, Schol. II. 18, 590 f. mit Planskizze, wiederholt bei Bock, Kreta 
Phd. Thes. 21. Kallim. Del. 311. Bock, Kreta 1, 447 ff. und T. II; Thenon Bevue arcMol. 
1, 67f. Preller, Gr. Myth. 2, 296. Häufige, n. s. 18, 200ff. E. Fabricius.] 
aber von einander verschiedene Darstellungen [Das kretische Labyrinth war ein mythischer] 
desLabyrinths auf knossischen Münzen, Pellerin, 50 ([ivd-mcg . . laßvQiv&og, Tlieophyl. Simok. Praef. 
Bec. 3 p. 65. Combe, Mus. Bunt. p. 101 T. 18. 19.' hist. Maur. p. 34 ed. Ingoist.),, durch die 
Eckhel, D. N. 1, 2 p. 308. Mionnet 2 p. 265. Sage vom Minotauros (s. d.) bekannter Wunder- 
Beger, Thes. Brand. 1 p. 377. Mus. Florent. bau des Daidalos (s. d.) bei der kretüchen 
2 T. 35 nr. 1. Bock, Kreta 1 Taf. 2. Wand- Stadt Knossos — (erst ganz späte Schrift- 
gemälde und Mosaik zu Pompeji, Overbeck, steller, Claudian, 6. cons. Bon. Aug. 084. 
Pomp. p. 281. 307. Pashley, Trav. 1, 202 ;u. 208. Cedrenus p. 98 verlegen es nach Gortyn j 
Bock, Kreta 1, 56—68. 2, 60ff. Preller, Gr. vgl. Bock, Kreta 1, 60. 447ff.) — ö iv Kvtoito 
Myth. 2, 124. 296. — Vielfach gewundene Aaßvgiv&og, Paus. 1,27, 10; ^ Kvwaüav tfjxtifl 
unterirdische Gänge uod Kammern im Fels- %a.i rb tov Aaßvgiv&ov enoXiöv, Dio VhrytOlt, 
gestein bei Gortyn in Kreta, die von neueren 60 or. 80 p. 668. Plut. Thes. 19. J'iloMr, Vit. 
Beisenden öfter besucht worden sind, hiefsen Apoll. Tyan. 4, 34; vgl. Pomp. Mein 9, 7 
auch Labyrinth und sind im späten Alter- Grete . . famigerata . . Daedali operihutt. Alld 
tum mit dem knossischen verwechselt worden, Berichte wissen von den gewundenen, durch 
Claudian 6. cons. Bonorii Aug. v. 634. Ce- einander sich verschlingenden und ein Kinder 
drenus p. 98 ed. Venet. Es ist ein alter in des Ausganges unmöglich machendem Irr- 
bergmännischer Weise betriebener Steinbruch, gangen des Baues, aus dem kaum Daidaloi 
Bock 1, 59f. 445ff. Taf. 2. Bursian, Gengr. selbst den Ausweg fand (Ot>. Metam.Ji, 107), 
2, 566. Auch das Labyrinth bei Nauplia, Ky- zu erzählen: yvup,mbv säog cxoltoi J,u|?w- 



1781 Labyrinthos Labyrinthos 1782 

giv&ov, Kallim. hymn. in Bei. (4), 811; fanden, verschmachten mufsten, berichtet P/u/o-t/)^ 

arhiTuitt Kupnaig itoXvnXÖKotg nXavwv choros bei Plut. a. a. 0. 16, dafs die Kreter 

zfjv i^oSov, Apollod. 3, 1, 4; iv w zov sla- diese Erzählung zurückwiesen und behaupteten, 

eX&dvza aävv azov i\v s^t-evai' noXvnXö- Sri aigovgcc fiev » 6 Aaßvgiv&og oväsv 

Koig yäg Kafinaig ztjv äyvoovasvnv £|o- %xo>v kcchov kU' ij zb ftrj äiacpvyslv zoiig 

Sov äitsnXsie, Apollod. 3, 15, 8; ev itoXv- cpvXazzofievovg, äymva de 6 Mlvmg in 

&vq(o «al TtoXvnXoKm olnTjfiazi, o Si] kocI Aa- 'JvSgöyem yvjivixbv ircolsi Kai zovg icaiSag 

«3 ßvgiv&og SKaXsizo,Schol.Eur.Hippol. 887. Nach oM« zoig viköxsiv iäiöov zscog iv zä> Aaßv- 

SEtym.M.5b4,21ff. = Mym.Gud. 35$, HS. war Qivdcp tpvXazzofnivovg; vgl. noch' Apollod. 

das Labyrinth ein in einem Berge befindliches 10 3, 15, 9. Strabo 10 p. 447. Bio Chrysost. or. 

oitrjlatov ävzgwdsg, SvgkoXov nsgl ztjv 71 p. 626. Ael. nat. an. 6, 43. — Darstel- 

Kd&odov, Kai Svexegsg nsgl zr\ v a voäov, lungen des Labyrinths. Auf autonomen Mün- 

vgl. Creuzer, Meletem. p. 85; — Xiyizai duC- zen von Knossos sowie auf Kaisermünzen 

SaXov Kazaansväeai. XaßvQiv&ov zag öti^öSovg (Pellerin, Bec. 3, 65. Combe, Mus. Hunt. 101 

OHoXiag i%ovxu wott Tot.s äiteigoig dvasv- T. 18. 19. Hock, Kreta 1 Taf. 2. Beger, 

4gexovg, Biod. 4, 77. Ähnlich ist die Schil- Thes. Brand. 1, 377. Pashley, Travels 1, 202. 

derung bei Ovid. Metam. 8, 158ff.; er spricht 208. Friedländer und v. Sallet, Berl. Münzkab. 

von multiplex domus und caeca tecta, von va- Taf. 1, 40. Baumeister, Benhnäler 936 nr. 1011) 

riarum ambages viarum und der ianua diffi- ist das Labyrinth teils in Quadrat-, teils in 

• 's cilis; vgl. Verg. Aen. 5, 558 ff.: ut quondam 20 Kreuzform oder in spiralförmigen Windungen 

Greta fertur Labyrinthus in alta Parietibus dargestellt, Basche Lexikon 2, 2, 1403. Eckhel, 
textum caecis iter ancipitemque Mille viis ha- Boctr. num. vet. 2, 308 f. Mionnet 2, 265. 
buisse dolum, qua signa sequendi Falleret in- Auf einem Didrachmon im Berliner Münz- 
deprensus et inremeabilis error; ebend. 6, 27: kabinett (v. Sallet, Zeitschr. f. Numism. 6, 232) 
labor ille domus et inextricabilis error; ebend. ist es nur durch einen maianderartigen Rahmen 
6, 29 f.: dolos teeti ambagesque und caeca vestigia ; angedeutet, Baumeister a. a. 0. 945 nr. 10'69; 
vgl. auch Senec. epist. mor. 5, 3 (44), 7 ; — auf einer Gemme findet sich der Minotauros 
Plin. hist. nat. 36, 85 itinerwn ambages occur- als Kentaur im Labyrinth, Mus. Flor. 2, 36, 1 ; 
susque ac recursus inexplicabiles. Nach Biod. vgl. 0. Müller, Handb. d. Arch. 1 642. Ein 
1, 61, 97, der wohl dem Hekataios von Teos 30 Mosaik aus dem Kanton Vaud zeigt das Laby- 
folgte (Schwarz, Bhein. Mus, 40 (1885), 227, rinth von hohen Mauern mit Türmen um- 
vgl. Plin. a. a. 0.), soll Daidalos das kretische schlössen, innerhalb deren die mannigfach ver- 
Labyrinth nach dem Muster des ägyptischen schränkten Gänge ein im Centrum gelegenes 
erbaut haben ; doch war zu seiner Zeit (vgl. Quadrat einfassen ; hier war der Kampf des 
auch Plin. a. a. 0. 36, 90) keine Spur davon Theseus mit dem Minotauros dargestellt, Arch. 
mehr erhalten. Nach Apollod. epit. Vat. 1,9= Ztg. 6 (1848) 99*. v. Arneth, Silzungsber. d. 
frgm. Sabb. Bhein. Mus. 46 (1891), 184, 1 Wien. Akad. d. Wiss. 1851 Taf. 5; einGraffitto 

• stiefs Theseus auf den Minotauros iv iaxäzcp aus Pompei stellt gleichfalls den durch die 
/jtsgsi zov Aaßvgiv&ov. Pherekydes frgm. Beischrift Labyrinthus bezeichneten Bau dar, 
106 (Schol. Born. Od. 12, 320) spricht von einem 40 Mus. Borben. 14 tav. a. — Die Etymologieen 
pvxög. Ariadne hatte den Daidalos gebeten, der Alten nagu zb fifj Xaßsiv &vgav, Hesych. 
dem Theseus prjvveai zov Aaßvgtv&ov ztjv und Suid. s. v. Xaßvgiv&og oder Etym. Gud. 
l^oäov; Apollod. epit. Vat. 1, 7 = frgm. Sabb. 359, ölff. Xaßvgiv&ög zig ovea,itagazöXiav 
Bhein. Mus. a. a. 0. 183, 34; ebend. 183, 32 yvgsvsa&ai xrrv uvzfjg d'aoSov, Sia zfjv 
heifst es 'AgiäSvrj . . ev(tngäaaeiv inayyiXXezai oxozeivrjv nctl zt\v koxXoslS!] avzrjg öSöv, zgo7cij 
■xgog zr\v Mivmzavgov sloiXtveiv Aaßvgiv&ov; zov y sig ß, sind wohl schwerlich richtig; 
vgl. auch Biod. 4, 61. Plut. Thes. 19. Theseus Weleker, Bie Aeschyl. Triologie p. 212 meint 
betrat das Labyrinth, den ihm von Ariadne 'Labyrinth, Xäßgiv&og, scheint eigentlich mit 
gegebenenFnAen it-äyagzTJg&vqug, Apollod. Xavgeiov, Xavgiov (das attische Silberbergwerk) 
epit. Vat. 1,9; frgm. Sabb. 183, 36. Nach 50 dasselbe Wort zu sein, und Gängewerk zu 
Pherekyd. a^ a. 0. giebt Ariadne dem Theseus bedeuten' ; vgl. Xavga, Xavgn = Reihe, Zeile, 
uya&iäa fiCXzov{filzov Buttmann) und heifst ihn, Abteilung und bei Hesych. Xäßigog = ßo&vvog 
insiSav stesX&g, ztjv ägxnv xrjg äyu&idog (Grube). — Hock a. a. 0. 63ff. erklärt das 
Jttdrjcai negl zov £vybv xrjg aveo frvgccg. Wort für nichthellenisch, sondern für ein 



Von einer Schlacht Iv itvXat-g zov Aaßv 
glv&ov, in welcher Theseus den Denkalion 
den Sohn des Minos, tötete, berichtet Klei 



demos bei Plut. Thes. 19. Aus Sophokles bei sieht an, sieht in dem Namen L. einen Aus- 



Phrynichos in Bekkers Anekd. 1, 20, 27 ä;[ai>£'s 
zb (li) s'xov azsyrjv r) ogoqpov. iitl zov Aaßv 
giv&ov . EocpoKXrg, schlofs Valckenaer ad Theokr. 
Adoniaz. p. 233 (vgl. Creuzer, Symbolik 4, 115) 
dafs das kretische Labyrinth von oben un- 
bedeckt gewesen sei. Während nach Plut. 
Thes. 15 6 zgayiKiözazog pv&og erzählte. 



Lehnwort aus dem Ägyptischen. B. Pietsch- 
mann bei Ersch und Gruber s. v. Labyrinth 
schliefst Bich im wesentlichen Welckers An- 



druck . für weit ausgedehnte regellose Berg- 
60 Werksanlagen und verwirft die Annahme von 
H. Brugsch, der es von dem ägyptischen erpe- 
ro-hunt = 'Tempel der Kanalmündung' ab- 
leitet. Eine andere Deutung giebt M. Mayer, 
Jahrb. d. Kais. Beutsch. Arch. Inst. 7 (1892), 
191: 'die Doppelaxt . . , ist . . . Zeichen des 
dafs die athenischen Jünglinge und Jungfrauen Labraundischen Götzen, der in Kreta stier- 
im Labyrinth entweder dem Minotauros zum köpfig war und — von Xäßgvg Axt — Xa- 
Opfer fielen oder, da sie den Ausgang nicht ßgivfriog geheifsen haben mufs, bevor man 



1783 



Lacavuß 



Lachsantre 



1784 



den Namen seines Hauses zu XaßvQiv&og ent- 
stellte' ; vgl. den Artikel Labrandeus. — Aus- 
führlich hat über das Labyrinth von Knosoa 
Hock a. a. Q. 56—68 gehandelt, der p. 62 
(vgl. 67) zu dem Resultat kommt, dafs das 
kretische Labyrinth als eigentliches 
Gebäude eine blofse Dichterfiktion, in 
"Wahrheit eine natürliche Grotte gewesen 
sei, welche der Mythos zu einem Gebäude 
geschaffen habe. Seine Hauptgründe sind 
folgende: 1) Homer, Hesiod und Herodot 
schweigen von dem kretischen Labyrinth; be- 
sonders würde der letztere bei seiner Be- 
schreibung des ägyptischen Labyrinthes es sich 
nicht haben entgehen lassen, das kretische 
zum Vergleiche heranzuziehen, wenn es wirk- 
lich vorhanden gewesen wäre, Die Schrift- 
steller, die das letztere erwähnen, Diodor, 
Apollodor und Plutarch, geben ■ nicht reine 
Landessage, sondern attische Fabel, die ab- 
sichtlich die ganze Mythenreihe, in welche 
das Labyrinth verknüpft erseheint, entstellte 
(p. 66.ff.). — 2) Die Nachricht, dafs Daidalos 
nach Ägypten gegangen sein und später nach 
dem Muster des dortigen Labyrinths das in 
Kreta ausgeführt habe, ist eine Erfindung 
ägyptischer Priester resp. gr'äcisierender Ägyp- 
ter (p. 60ff.). Vgl. Bd. 1 Sp. 937 Z. 51ff. — 
8) Hätte das Labyrinth als Gebäude existiert, 
so konnte im Zeitalter des Diodor unmöglich 
jede Spur von einem solchen Kolossalbau ver- 
schwunden sein; auch würden die bildlichen 
Darstellungen auf Münzen u. s. w. nicht so 
verschieden ausgefallen sein, p. 62 f. — Die 
Frage: 'Wie bildete sich die Idee vom knosi- 
schen Labyrinth im 'Mythos?' beantwortet 
Hock p. 63 ff.: eine Felsgrotte, ähnlich dem im 
Zeusmythos hochbedeutsamen 'iSalov aj'rpoi', 
diente dem ßeligionskreise, dem der Mino- 
tauros und die Pasiphae angehölen; .dieses 
Kultuslokal erhielt den Namen Labyrinth, 
eine Benennung, mit der man auch andere 
natürliche und künstliche Felsengrotten be- 
zeichnete, und die auswärtige Sage schuf in 
freier Phantasie die uns durch die Berichte 
der „Alten geläufige Bildung des Labyrinths. 
— Über den von Theseus auf Delos gestifte- 
ten heiligen Tanz, pt/infia räv iv rät Aaßv- 
qiv&co niQiöScov Kai Sis^oScav IV nvi Qvftfiw 
naQaXXül-tis Kai aveXC^eig i%ovu (Plut. Thes. 21), 
s. Hock a. a. 0. 67 f. Höfer.] 

Lacavus, Beiname des Mars Augustus auf 
einer im Museum zu Nimes befindlichen In- 
schrift, welche Hirschfeld, G. I. L. 12, 3084 
(= Orelli 2018) in das zweite nachchristliche 
Jahrhundert setzt. Die Gegend, wo die Dedi- 
kanten^dpeniü wohnten, ist unbekannt. Germer 
Durand rät auf eine Gegend an der. Rhone, 
welche im Mittelalter Argence geheifsen. haben 
soll, vgl. Bevue epigr. du midi 2 p. 316. Der 
Anlaut Adg- in keltischen Namen findet sich 
öfter. [M. Ihm.] 

Lacharmarmaraphba ( AccxaQpagiiaQayßa ) 
wird angerufen auf einem roten Jaspis der 
Sammlung Montigny mit der Darstellung des 
Helios anf_dsm. Viergespann, welchem Phos- 
p horns vor a nflißg t: AaxotofiaQifictQatpßa, avv\- 
, xriqriaöv /is a\yf$azov KtxaqiTmiievrjV, QpU. de 



M. de Montigny, Pierres gravees. Paris 1887 
p. 20 nr. 278. Dürften wir annehmen, dafs 
der Name mit der Darstellung in Znsammen- 
hang steht, so hätten wir in L. den Sonnen- 
gott zu .erkennen. [Drexler.] 
Lachesis s. Moirai und Lachis. 
Lache und Lacb.08 {Aäxrj und Adxog, in der 
Handschrift irrig däxr\ nnd daxos), Gottheiten 
der babylonischen Schöpfungssage, Damascius, 

10 Quaest. de prim. princip. c. 125 p. 384 Kopp; 
e. oben Bd. 2 Sp. 1204 f. s. v. Kisar. In dem 
von Hommel, Deutsche Rundschau 68 p. 110 
und Gesch. Babyloniens u. Assyriens p. 397 mit- 
geteilten babylonischen Texte heilst es vs. 10: 
Der Gott Lachmu, die Göttin Lachamu wurden 
hervorgebracht, bis sie aufwuchsen. Hommel 
bemerkt an letzterer Stelle Anm. 3: „Kischar 
iBt einerseits die weibliche Personifikation Anus 
(als Anatu), gemeint ist aber damit die Erde, 

20 bezw. der Gott Ea, von dem dann in der Folge 
die weitere Schöpfung ausgeht. Auch Lachmu 
und Lachamu bedeuten nichts weiter als Anu 
und Anutu, bezw. Himmel und Erde oder Anu 
und Ea." Denselben Text giebt Jensen, Die 
Kosmologie der Bubylonier p. 268 , welcher 
p. 274 f. weitere Stellen, in denen diese Gott- 
heiten vorkommen, verzeichnet. Sayce, Lectures 
on the origin and growth of religion as illustra- 
ted by the religion of the ancient Babylonians. 

80 3 a edit.. 1891 behandelt diesen Schöpfungs- 
bericht p. 384 ff. , Er setzt ihn in verhältnis- 
mäfsig späte Zeit und erklärt ihn für das 
Produkt einer materialistischen Schule, die im 
Gegensatz zu einer pantheistischen stand. Er 
bemerkt p. 388: „In the lists in which the 
views of the pantheistic school find expression, 
Ldkhmu and Lakhamu appear as Lakhma, or 
Lukhma, and Lakhama, an indication that the 
names are of non-Semitic origin. It is pos- 

40 sible that they denote the element of „purity" 
presupposed by the creation of the world out of 
the watery abyss .... Like as many of the Ba~ 
bylonian deities, their names and worship were 
probably carried to Canaan. Lakhtni seems to 
be the name of a Philistine in 1 Chron. 20, 5, 
and Beth-lehem is best explained as the house 
of Lekhem", like Beth-Dagon, „the house of 
Dagon", or Beth-Anoth, „the house of Anat". 

[Drexler.] 

so Lachis (AdxH), Nebenform für Lachesis^ 
Pap. Parihey 2 vs. 100. Doch hält Dilthey, 
Rh. Mus. 1872 p. 418 Anm. 4 diese Form für 
unmöglich. [Drexler.] 

Lachne (Aä% vr i)> Name eines Hundes des 
Aktaion, Hyg. fab. 181. Ovid Met. 3, 222 (hir- 
sutaque corpore Lachne); vgl. Baecker, De canum 
nom. ffr.^p. 51, welcher K. Keils (Anal, epigr. 
p. 190) Änderung Lachno mit Recht für un- 
nötig erklärt, und Jesehonnek p. 23. Der Name 

60 ist hergenommen von dem zottigen Fell. 

[Drexler.] 
Lachnia, AAXNIA neben der dreigestaltigen 
Hekate" auf eine* sog. gnostischen Gemme in 
Berlin wird von* Tölken, Erkl. Verz. p. 452 
9. Kl. 3. Abt. nr. 105 als Beiname dieser Göttin- 
gefafst (vgl. Raspe p. 151 nr. 2050. Soufre äe,^ 
Stosch. Hecateä trois tetes. AINXAA). [Drexler.}; 
Lachsanire, d.i. Alexandros, sitzt auf einem. 



1785 



Lacrimae 



Ladumeda 



1786 



in .Palestrina gefundenen mit etruskischen In- 
schriften versehenen Spiegel neben einem Bett 
mit gelagerter Frau, vor welchem Venus (Turan) 
steht. Brunn vermutet in der Darstellung 
„eine Scene zwischen Paris und Helena in 
Sparta unter Mitwirkung der Göttin", Arth. 
Am. 17, 1869 Sp. 16*. [Drexler.] 

Lacrimae, Personifikation der Thränen, 
Claudian. de nupt. Hon. et Mar. 80. - [Höfer.] 

Lactans s. Indigitamenta Bd. 2 Sp. 201. 10 

Laeturcia(?) s. Bd. 2 Sp. 201. 

Lacturnus's. Indigitamenta Bd. 2 Sp.201. 

Lacns s. Lokalpersonifikationen und Lacus 
Benacus. 

Lacns Benacus als göttlichesWesen erscheint 
in der Inschrift G. I. L. 6, 3998 (am Gardasee 
gef.) f. . c?]lo et lac | Benaco \ Successus . Q 
Samici . Myrini | v s l m \ u. s. w. 

[R. Peter.] 

Ladamas (AaSäfiag), Name eines neben 20 
einem Krieger (litnoTicov) reitenden Jünglings 
auf einem wohl aus Caere stammenden Krater. 
Die Darstellung wiederholt sich dreimal, ein- 
mal ist dem Jüngling. AaSapctio'g (?) beige- 
schrieben. Heydemann, Mut. aus d. Antiken- 
sammlungen in Ober- u. Mittelitalien, 3. Hall. 
Winckelmannsprogr. p. 87 nr. 17. [Höfer.] 

Lades (AäSrjg), Sohn des Imbrasos, Bruder 
des Glaukos, beide in Lykien erwachsen, Be- 
gleiter des Aeneas, von Turnus in der Schlacht so 
erlegt, Verg. Aen. 12, 343. [Stoll.] 

Ladicus, Beiname Iuppiters auf der In- 
schrift C. I. L. 2 , 2525 lovi Ladico M. Ulp. 
Aug. lib. Gracilis ex voto. Da die Inschrift 
gefunden ist 'es la entrada del reyno de 
Leon a Galicia, por lamontana que llaman 
los Codos de Ladoqo, aunqüe vülgarmente pro- 
nuncian Laroco', so kann es nicht zweifelhaft 
sein, dafs Morales (vgl. Monatsber. d. Berl. 
Akad. 1861 S. 814 f. und C. I. L. a. a. 0.) richtig 40 
den Namen mit dem Berge Ladicus in Gallae- 
cia (denn das ist der heutige Codos de Ladoco 
oder Laroco, vgl. z. B.Paulys Realencycl. 4 
S. 721 s. v. Ladicus) in Zusammenhang gebracht 
hat. [R. Peter.] 

Ladogenes (AaSwyevrjg), 1) Beiname der 
Aphrodite, ort snl zw sv 'AgitaSia notaaä Ad- 
dcovi ^yivvrjasv Hesych. : doch will man für 
'AcpQoSCtr] Aätpvr\, und statt sysvvtjaev sysvvrj&rj 
schreiben, v gl. Schmidt 7.. d. St., d. Art. La,dpn so 
n nd T)indnrf im T hesaurus . — 2) bei Hesych. 
EväaXaylvss' ut iXagtrss vermutet Sßhmidt 
[ew] Aaäoysvsig' al XdqiTSg. [Höfer.] 

Ladokos (AdSoxog), Arkader, Sohn des Ecbe- 
mos, nach welchem die örtlichkeit Ladokeia 
nahe bei Megalopolis, früher wohl eine Stadt, 
benannt sein sollte, Paus. 8, 44, 1. Curtius, 
Pelop. 1, 316. 342, 25. Bursian, Geogr. 2, 227. 

[Stoll.] 

Ladon (AäSmv), 1) Stromgott Arkadiens, Sohn 60 
des Okeanos und der Tethys, Gemahl der Stym- 
phalis, Vater der Daphne und Metope, weicht 
mit Asopos, dem Flufsgott in Phlius oder in 
Böotien, TermaBT war, Hesiod. Theoa. 344 . 
A pollod. 3, 12, 6. Diod. 4. 72. Paus. 8, 20, 1 . 
10 , 7, 3 a. E. S chol. Pin ä. Ol. 6, 140. 143 f. Norm. 
Bion. 4-2. 387. Serv. V . Aen. 3. 91. Eccl. 3, 63. 
Diä Daphne er2Mgti~ iFnSt der Erde, Tseiis, 



Lyk. 6. Schol. II. 1 , 14. Eustat h. Bi on. Per. 416. 
B ern. V. Aen. 2, 513. Vater der Nymphe Thel- 
pusa, Paus. 8 . 25 , 2. Steph. B. v. TeXcpovaea . 
Grofsvater . (ies Euandros, Paus. 8. 43, 2. 
[Über derr Zusammenhang dieses Flusses mit 
dem Drachen Ladon ( nr. 2) s. W üamowits, 
Eur. Herakl es 2 S. ...180. Röscher.]" [PMostr. 
vit_Ajpoll. Ty an. i, 16. Pala ep h. de incred . 
bQu_^Liban ! __narrat. 11 p. 1002"""= West er- 
njfäaj t _]jfa{ihogr._ 366^ 19, 1. Nonn. narrat. ad 
2. 1 6 p. 165 ='lVestermann 3"6T, 



tnvec t. 
19, 2. Aph thonius, Progymn. 5. Spengel, Rhet. 
Gtma^%. 28 J2j)7 MiIvgL Ladogenes. Höfer.] 
— 2) Name des Drachen, welcher die goldenen 
Äpfel der Hesperiden bewachte, nach Hes. 
Theog. 333 ff . erzJugf"von Phorkys und Keto. 
Dagegen sagt Schol. Ap. Rh. 4, 1396, Hesiod 
nenne ihn einen Sohn des Typhon; nach PhiXS- 
hydesb, Schol. Ap. Rh,_a,.jL, 0,_war er Sohn des 
Typbon und der Echidna und hatte 100 Köpfe „ 
und mancherlei Stimmen, vgl. Apollod. 2, 6,11. {■ 
Hyg. prdef. p. 32 Bunte und Fab. 30. Peisan- ■> 
dros liefs imr° von der Erde abstammen. Er 
wurde von Herakles erlegt und von Hera unter ' 
die Sterne versetzt, Eratosth. c. 3. Hyg. P. A . ? 
VJIL.^—SsMmann^Qg. ^c, 2^ 187 ff. leitet den 
Namen ab von lä£eoftai (= lupßüvsiv), so 
dafs. XäSatv = laßgog, rapax wäre, wie auch ein 
Flufs heifsen kann; dagegen nehmen Welcher , 
Kret. Ko loni e p. 4 und Yölcker , Myth. Geogr. 
p. 110 AäSwv für Ää&mv , weil er, im Ver- ! 
borgenen liegend, verborgene Orte bewachte. 
Preller, Gr . Myth. 1, 461. 2. 2, 22 1, 2. — Auch 
der Drache des Ares, der das goldene Vliefs ; 
bewachte , ein Sohn des Typhon und der 
Echidna, Hyg praef. p. 31, hiefs wohl Ladon, 
Stoll, Ares p. 39, sowie auch der Aresdrache 
bei Theben, H. B. Müller, Ares p. 25. Stoll, 
Ares p. 5. Tümpel, Ares u. Aphrodite p. 710 
(1 1. Supp l-Bd. d. JahrKf. Mass, JPJiiL^-IIngez, 
Paradoxa Theb. 68. 136 f. 197 etc. — 3) Hund 
des Äktaion, Öv. Me t. 3, 216. Hyg. f. 181. — 
1) Streiter auf Seiten des Aeneas, getötet von! : 
Halesus, dem König der Auranker, Vera. Aen. 1 ■ 
1 0, 413. [Stoll.] 

Ladumeda ist nach B. Garrucci (Sylt, inscr. 
lat. zu nr. 525), H. Jordan (Krit. Beitr. eur 
Geschichte der lat. Spr. Berlin 1879 S. 67 f.) 
und C. I. L. 14, 4108 auf der oben s. v. Istor 
beschriebenen pränestinischen Cista der einer 
auf eine Herme gestützten weiblichen Figur, 
welche einen Hirßch an einem Bande hält, 
beigeschriebene Name zu lesen, nicht Laou- 
meda, wie Corssen (Ausspr. I 2 S. 657 Anm. und 
bei Schöne a. sogleich anzuf. O.), B. Schöne 
(Ann. d. inst. 42, 1870 S. 336) und G. Wilmanns 
(Ephem. epigr. 1 S. 13 nr. 19) lasen. Laoumeda 
wurde von Corssen (bei Schöne a. a. 0.), Schöne 
(S. 339 Anm. 1) und Wilmanns (a. a. 0.) als 
lateinische Umbildung des griechischen Namens 
AaopstSa, Aaofisärj erklärt, und diese Erklärung 
bleibt auch für Ladumeda trotz der Schwierig- 
keiten, welche das d bietet (vgl. Jordan a. a. 0.), 
bestehen. Wer diese Laomeda sei, ist nicht 
zu entscheiden; an Laomedeia, die Tochter 
des Nereus und der Doris (Hesiod. iheog. 257; 
über den Wechsel von Namensformen wie 
^Imcodäftrj und 'innoSäfisuc, AaoSäfir] und Aao- 



1787 LaSrkes Laetitia 1788 

Säfina u. s. w., wonach AaopiSri sehr wohl Sohn des L. genannt wird. Nach Pherekydes 

gleich sein könnte Aotopeäsia, vgl. z. B. A. Mei- fr. 90 (Philostephanos irn Schol. Hom. o 16) wirbt 

neke, Analeeta Alexandrina S. 46. 0. Schneider, L. bei Ikarios um Penelope für seinen Sohn. — 

Nicandrea S. 2), ist, da das Bildwerk eine für Als Vater eines Helden vor Troia ist er in 

uns nicht näher deutbare (s. Istor) Scene aus das Verzeichnis der Argonauten aufgenommen 

dem troischen Sagenkreise darstellt, kaum zu worden: Apollod. 1, 9, 16. Diod. 4,48, unter 

denken; Laomeda erinnert, wie Schöne (ß. 339) die kalydonischen Jäger bei Hyg. fäb. 173 

bemerkt, an den Trojanerkönig Laomedon. p. 28, 16 Seh. — Aaigxrjg war der Titel einer 

[R. Peter.] Tragödie des Ion, von d«r Athen. 267 d ein 

Laerkes (Aasgxrig), 1) Sohn des Aimon, 10 Bruchstück (14 N.) mitteilt. [Seeliger.] 

Vater des Alkimedon, ein Myrmidone, II. 16, Laertiades (Aasgxiädrjg), Patronymikon von 

197. 17, 467. — 2) Ein Künstler in Pylos, der bei den Tragikern für Aaigxrjg üblichen 

Od. 3, 425. [Stoll.] Form Aasgriog; Schol. Bionys. Gramm, bei 

Laertes {AuegxT\g), Vater des Odysseus von Bekker, An. 849, 6. Etym. M. 654, 3. 4. Etym. 

Ithaka. In der Mas findet sich nur das Pa- Qua. 360, 20. 25. Laertius enim pro Laertes 

tronymikon AasgxiäSrjg , T200. £173; vgl. tl9 dicebant, qüomodo et Graeci Aasgxiog pro Aaig- 

u. a. St. (Aasgxov yövog, Soph. Phil. 366; vgl. trjg, Priscian 7, 18 in Grammatici Latini ed. 

Aias 1393. fr. 827 N. Arist. Plut. 312t. Das Keil 2, 302 = Odysseus Hom. II. 3, 200. 

Gedicht von Laertes in »204 ff. (rä iv dygä, 9, 308. 624. 10, 144. Od. 9, 19. 12, 378. 19, 
ra sv Aasgxov bei Ael.v.h. 13, 14; vgl. Theokr. 20 336. 24, 542. Eur. Hek. 133. Polyain. 1, 

16, 56. Citate bei Athen. 25 b . Strab. p. 59. 452), prooem. 6. Quint. Smyrn. 12, 73. Lukian. 

ein jüngerer Teil der Odyssee, vorbereitet durch Tragodopod. 261. Iust. Mart. or. ad gent. 1 

i/;359ff., erzählt, dafs L. in Gram um den ver- (ö '19-av.^aiog A.). Horat. od. 1, 15, 21. sat. 2, 

loren geglaubten Sohn ein einsames und dürf- 6, 59. Ovid. mtt. 13^48. Stat. Achill. 2, 19 

tiges Leben auf dem Lande führt, gepflegt von (dux £.); die Form AagxiäSag bei Eur. Bhes. 

einer Dienerin (yvvij SiksItj ygrjvg, vgl. a 191 ygrjl 907. Alkaios Mil. in Anth.Pal. 7,1. 9,115. 

avv äfiq>nt6l(p), die mit ihrem Manne Dolios und 11, 379. Anth. Plan. 125, 295. Auson. epit. 

ihren Söhnen seine einzige Gesellschaft bildet. Protes 4 p. 16Peiper; er heifst Laertius heros . 

Hier wird er von Odysseus überrascht; von Ovid. Trist. 5, 5, 3. Stat. Achill. 2, 316. Auson. 

Athene im Bade verjüngt kämpft er an der 30 perioch. Od. 7 p. 396. Laertia proles Auson. 

Seite des Sohnes gegen die Verwandten der a. a. 0. 7 p. 395. Laerta satus Ov. Heroid. 

gefallenen Freier und tötet den Eupeithes. Aus 3, 29. Aasgxa (Aagxiov Eur. Troad. 421). 

dem früheren Leben des L. erfahren wir v. 206 f. tokos Soph. Phil. 614. Eur. Iph.Aul. 204; 

von schweren Kämpfen, insbesondere v. 377 von xs-xvov Aagxiov Soph. Aias 380. Aasgxov yövog 

der Eroberung von Nerikos (Neritos bei Strab. Eur. Iph. Taur. 533. Soph. Phil. 366. Soph. 

a. a. 0.). Über das Verhältnis dieses Laertes- im Schol. Theokr. 15, 48 = fr. 784 D., emg/ia 

gedicktes zu mehreren Stellen der Odyssee, in Aasgxov Soph. Aias 1393. Aasgxiov (Aagxiov 

denen auf das ländliche Leben des L. Bezug Soph. Aias 1. Phil. 1286) stafs Soph. Phil. 

genommen wird, a 189 ff. X 187 ff. it 138 ff., ob 87, 1357. Aias 101. ö Auqxiov (Ausgxtov 

diese als Quelle von jenem zu betrachten oder 40 Soph. Phil. 628). Arist. Plut. 312. Soph. Phil. 

von einem Bearbeiter nachträglich eingeschoben 401. vfög Auigtcto Tzetz. Posthorn. 487; vgl. 

sind, gehen die Ansichten auseinander, vgl. Rom. Od. 9, 531. Der Plural AasgziäSai 

v. Wilamowitz (gegen Kirchhoff) in den Home- steht bei Arist. mir. -ausc. 106, der berichtet, 

rischen Untersuchungen S. 69 ff. In Widerspruch dafs ihnen, den Atreiden, Tydeiden und Aiaki- 

mit ea steht, was <? 735 ff. über Dolios gesagt den gemeinschaftlich zu bestimmten Zeiten 

ist, vgl. 9212. ^159. c322, wo Dolios Vater von den Tarentinern Tieropfer (evayigeiv; vgl. 

des Melanthios und der Melantho heifst. Auf Bd. 1 Sp. 2505 Z. 39 ff.) dargebracht worden 

das ländliche Leben des L. beziehen sich Cic. seien. [Höfer.] 

de sen. 15, 54. Cic. bei Plut. Cic. 40 (Aaigtov Laertios 1) = Laertes (s. Laertiades). — 

(Uov tfiv). Ov. Her. 1, 98. 113. — Als Vater 50 2) = Odysseus (s. Laertiades). 

des L. wird Arkeisios genannt, daher L. 'Ag- Laethusa, Gemahlin des thrakischen Königs 

*Eteia<%, Hom. #755. 00 270. 517; vgl. zu der Lynkeus, welchem der Thrakerkönig Tereus die 

Genealogie: Arkeisios, Laertes, Odysseus, Tele- von ihm entehrte Philomela, die Schwestei 

machos n 117 ff. % 173. 182. Ov. Met. 13, 143. seiner Gattin Prokne, zur Verwahrung gegeben 

Apollod. 1, 9, 16. Schol. Hom. B 173 (£oxi de hatte; aber Laethusa, eine Freundin der Prokne, 

Aasgrov xov 'Agneielov xov Kilewg xov Kiqid- führte dieser sogleich ihre Schwester zu, worauf 

Xov xov 'Egfiov. Eust. p. 197, 22: 'OSvaasvg beide an Tereus grausame Bache nahmen, 

6 anb Aasgxov, os Ig 'Egfiov sIkei to yevog. Hyg. f. 45. Welcker, Gr. Trag. 1 p. 387. 

Vgl. auch Töpffer, Axt. Geneal. S. 85). it 118 [Stoll.] 

und Eustath. z. d. St. (p. 1796, 34), wo Chalko- eo Laetitia, die Personifikation der Freude, er- 

medusa Gemahlin des Arkeisios, also Mutter scheint auf römischen Kaisermünzen der Fau- 

des L. heifst (nach den Katalogen bez. Eoien?). • stina jun. stehend mit Kranz und Scepter, 

Des L. Gemahlin ist Antikleia, Tochter des Eekhel, D. N. V. 7 p. 78. Cohen, Mann. imp. 3 S , 

Autolykos, Hom. * 85. 153ff.; vgl. 356; über 148, 146 — 152; auf denen der Lucilla und 

sie und ihr Verhältnis zu Sisyphos s. den Ar- Inlia Domna mit Kranz und (Steuer)ruder, Cöh. 

tikel Antikleia. Eine Tochter aus dieser Ehe, 3, 218, 45. 4, 114, 101, ebenso, nur das Ruder 

Ktimene, nebst anderen Kindern erwähnt Hom. auf einen Globus gelegt auf solchen der Cris- 

o363, während in 31: 119 Odysseus der einzige pina, Cöh. 3, 384, 27. Smyth, Descr. Cot. of a 



1789 Laetitia Laetitia 1790 

cdb. of rom. imp. large - brass medals p. 166 de Witte 100, 34, doch dürfte, da nach de Wittes 

nr. 327, und der Aquilia Severa, Coh. 4, 381, 8. Abbildung PI. 26 das angebliche Scepter nicht 

Die Laetitia fundata ist dargestellt stehend mit über die L. emporragt, auch hier eher ein Anker 

Kranz und (Steuer)rude'r unter Philippus sen., anzunehmen sein; dasselbe gilt von den Münzen 

Coh. 5, 101, 71—76. Hobler, Becords of roman des Tetricus sen., de Witte 136, 47 (LAETITIA 

hist. 2, 739, 1758 (LAET. FVNDATA); Coh. 5, AVG. N.). 137, 48. 49 PI. 34 (LAETITIA AVGG), 

101, 79. 80 (LAETIT. FVNDAT.) und Carinus, vielleicht auch des Tetricus jun., de Witte 186, 

Coh. 6, 387, 47 (LAETITIA FVND.); stehend 26 a . Auf Münzen der beiden Tetricus ist sie 

mit Schale und (Steuer)ruder, den r. Fufs auf auch dargestellt stehend, mit dem Anker, opfernd 
einem Schiffsvorderteil unter Philippus sen., 10 auf einem Altar, bei dem sich eine Schlange 

Coh. 5, 101, 76 — 78 (LAET. FVNDATA). 81 befindet, de Witte 137, fiO PI. 34 (LET1TIA 

(LAETIT. FVNDAT.); stehend, den Fufs auf AVG). 186, 28 PI. 46 (LET1 AVG); auf denen 

einem Schiffsvorderteil, mit Schale und Anker des älteren mit Anker und Schale, de Witte 

unter Philippus sen., Cat. De Moustier 192, 137, 50 a (LET1TIA AVGVST1), oder den In- 

2952 (LAETIT. FVNDAT.); stehend mit Kranz halt eines Füllhorns in ein Gefäfs zu ihren 

und Anker unter Gallienus, Coh. 5, 386, 442, Füfsen giefsend, de Witte 137, 49 b (LAETITIA 

Tacitus, Coh. 6, 226, 52, Florianus, Coh. 6, 244, 38, AVGG.), oder mit Schale und Steuer; zur 

Probus, Coh. 6,285,330; Carinus, Coft.6,387,47, Rechten ein Kind (?), Coh. 6, 99, 76 (LETIT1A 

Diocletian, Cohen 6, 447, 311. 312. In letz- AVG.), auf denen des jüngeren mit Kranz und 
terer Weise wird auch dargestellt die Laetitia 20 Steuer, de Witte 185, 26 PI. 46; auf denen des 

Auglusti, oder bei Kaiserinnen Augfustae)) oder Claudius II. mit Kranz und Füllhorn, Coh. 6, 

Laetitia Aug(u$ti) n(ostri) — die Münzen mit 143, 138. 139. 

letzterer Aufschrift mache ich durch ein Stern- Seltener kommt vor die Laetitia publica, 
chen bemerklich — unter Gordianus Pius, Coli. welche auf Münzen der Faustina jun. mit der 
de M. le Comte de B***. Paris 1889 p. 88 Aufschrift LAETITIA PVB. stehend mit Glo- 
nr. *517 PI. 10, Gallienus, Coh. 5, 385 f., 422 bus und Scepter, Coh. 3, 148, 153, mit der 
— 432,386^*442, Salonina, Coli. 5, 507, 73, Aufschrift LAETlTIAE PVBLICAE stehend 
Victorinus, Coh. 6, 74, 55 — 57. de Witte, Em- mit Kranz und Scepter, Coh. 3, 149, 154—168. 
pereurs des Gaules 100, 32 b . *33 PI. 26 (LA . .- Hobler, Becords of rom. hist. 2 p. 533 nr. 1194, 
T. . .TIAN . VG), Tetricus Pater, Coh. 6, 98f., 67 30 oder mit Ähren und Scepter, Stevenson, Bic- 
(LAETIS AVG). 68 (LAETI. AVG). 69 (LAE- tionary of rom. coins p. 502; auf Münzen doB 
TIT. AVG). 70. de Witte 136, *46 PL 34, *47 a . Elagabal, Coh. 4, 331, 70 und der Maesa, Coh. 
137, 49» (LAETIT AVG.), Tetricus Filius, Coh. 4, 394, 26 mit der Aufschrift LAETITIA l'VBL 
6, 121, 21, Claudius IL, Coh. 6, 143, 140. 141, stehend mitKranz und einem auf einem Globus 
Aurelian, Coh. 6, 188, 118, Severina, Coh. 6, ruhenden Steuer erscheint. 
211, 11*, Tacitus, Coh. 6, 226, 52, Florianus, Die Laetitia temporum ist dargestellt mit 
Coh. 6, 244, 38. Milani, II ripostiglio ddla Kranz und Scepter unter Pertinax, Coh. 8, 892, 
Venera 193, 4557 Tav. 3, 5, Probus, Coh. 6, 18 — 22. Smvth p. 170 nr. 313. Coli, de M. le 
285, 324. 325. *330. Milani 195, *4581 Tav. 3, 7, Comte de B*** p. 73 nr. 435 PI. 9, mit Kranz 
Carinus, Coh. 6, 387, *47, Diocletian, Coh. 6, 40 und Füllhorn unter Tetricus sen., Coh. 6, 226, 58. 
447, *311. *312, Carausius, Coh. 7, 14, 116. Das Attribut des Kranzes, welches Laetitia 
15, 117. 122, auf dessen Münzen sie auch mit besonders charakterisiert, erklärt sich aus der 
Kranz und Scepter, Coh. 7, 18, 156 (LITI. AVG). Sitte, der Festfreude durch Bekränzung Aus- 
19, 159 (LITITT. AV.) und verschiedenen an- druck zu verleihen, Oiselius, Thes. sei. num. 
deren Attributen (vielleicht aus Unkenntnis der p. 336. Eckhel, B. N. V. 7 p. 78. Smyth p. 166. 
Stempelschneider), Coh. 7, 17 f., 150. 153—155. 170f. Hobler 2 p. 533; vgl. für die griechische 
157. 158 vorkommt. Derselbe Typus begegnet Sitte A. Karikoulas, IIsqI ccqxVS * u ^ zpijaeooe 
auf Münzen mit der Aufschrift Laetitia Augg., zov ezecpävov naga toig itulcuotg "ElXrjatv. 
d. i. der beiden Augusti, unter Valerianus sen., Erlangen 1880. Auch Euripides, Bakch. 874 
Coh. 5, 307, 100 — 103. Coli, de B*** 93, 546 50 redet von yiaXlictsyccvoi evcpQoavvui und Oei- 
Pl. 11, Gallienus , jCoh. 5, 385 f., 433 — 441, bei, Gedichte u. Gedenkblätter p. 32 singt: Die 
vgl. 384, 42t! (LAETIA AVGG), Tetricus jun., Freuden, die rosigen Tänzerinnen, mit Kränzen 
de Witte 186, 27 PI. 46, Constantius I. Chlorus, und Fackeln, mit Spiel und Gesang, wie fliehn 
Coh. 7, 72, 165, Galerius Maximinus, Coh. 7, sie aufschimmernden Sohlen von hinnen, C. C. 
114, 129. 130 und auf solchen mit der Auf- Hense, Poet. Personifikation in griech. Bich- 
schrift Laetitia Auggg., d. i. der drei Augusti, tungen p. 138. Für das Attribut des Zweiges 
unter Diocletian, Coh. 6, 447, 310 und Carau- hat man angeführt den herzerfreuenden Kin- 
skis, Coh. 7, 15f., 129. 130. Auf Münzen des druck, welchen das Grün der Blätter macht 
Quintillus, Coh. 6,168,39, und Tacitus, Coh. und die Ausschmückung der Häuser und Strafsen 
6, 226, 49. 50 ruht der Anker der Laetitia 60 damit bei festlichen Gelegenheiten, Rasche, Lex. 
Aug(usti) auf einem Globus. Mit Lorbeerzweig univ. rei num. vet. 2, 2 Sp. 1422. Stevenson p.501 ; 
und Palme erscheint dieselbe unter Commodus, der Anker soll die Freude als dauernd und be- 
Coh. 3, 265, 278, von dem es auch eine Münze gründet charakterisieren, Rasche und Stevenson 
mit der Aufschrift LAETlTIAE AVG und der a. a. 0. 0. 

Darstellung der Laetitia mit zwei Ähren und Sonst wird noch der Begriff der Freude 

auf einen Globus gelegtem Steuer giebt, Coh. ausgedrückt auf 2 Goldmünzen, des Antoninus 

3, 265, 279; mit Kranz und Scepter soll sie Pius mit der Aufschrift LAETITIA ■ COS • IUI 

vorkommen unter Victorinus, Coh. 6,74, 56. durch zwei bekleidete Frauen, die eine mit zwei 



i79 l Lagaria Läginitis " 1792 

ihren m der R., die andere mit einer Frucht Lagaris (Aäyaqig), ein Hirte, nach welchem 

in der L., oder durch den Typus, den Eckhel, die Stadt Lagaria in Lukanien benannt sein 

D. N.V. 7 p. 21 beschreibt als „Mulier stans soll, Et. M. 554, 15 . ygl._Lagaria. [Stoll.] 
•*ei. spieas, s. pomum, cuius gremium puellus Lagbene (Auyßrjvrj), Name einer pisidischen 

amplectitur" , Cohen 2, 316, 479 als „Femme Lokalgöttin [«•sei] Aayßrjvjj ev X nv, WMdinatäa 

debout, tenant deux epis de la m. dr. et serrant Inscr. d'Asie min. 1211; anders Bockh, ö I ß' 

contre eile un jeune enfant". Visconti, Museo 3 , 4318b, vgl, p. 1152 . [Höfer.] ' 

Pio-Clem. 1 p. 95 sieht in der ersteren Dar- Lagesis (Aäysmg), eine sicilische Göttin 

Stellung Ceres mit der wiedergefundenen Pro- Phot. Lex, und Hesyeh. s ._v. [Stoll.] 
serpma. Cohen 2, 316, 476 hat diese Deutung 10 Läginitis (Aayivhig), Beiname der'Hekate 

angenommen. Dagegen erklärt Eckhel a. a.O.: von dem Orte Lagina bei Stratonikeia, Steph 

„procuratam ex omnis genens fruetuum abun- Bye. s. v . 'Exatrjela und Aäytvcc t j. ob, J5jL 1 

dantia laetitiam his typis indicari". Ein an- Sp. 1885. Der dort verzeichneten Htteratnr 

derer Typus, welcher die Aufschrift Laetitia ist hinzuzufügen: Newiam+JEssays onartjmd ' 

begleitet, ist ein Schiff auf Münzen des Postu- archae ology p. 175 f. Diehl et Cousin, Sinatus- 

mus Cohen 6, 34, 164. 165. de Witte 39, 140 Consulte de Lagina de Van 81 avant notre ere 

(LAEITiA). 141»>. 148 und Carausius, Coh. 7, Bull, de Corr, Hell. 9 1885 p. 437 — 474 . JDie- 

15,118 — 121. Dasselbe findet sich mit der s elben, In scriptions de Lagina B C H 11 

Beischrift LAETITIA AVG auf Münzen des 1887 p. 5 — 3 9. 145 — 163 (vgl. ' riieaplImT» 
Postumus, Coh. 6, 34 f., 166 — 186. de Witte 20 Inscriptions du iemple de Zeus Panamaros' 

p. 37 ff. 132-137». 139. 141. 141 a . 142. 146. B^US- 12 1888 £pj 8¥-T04]"^T83ff. nr 9' 

146 a . 149 PL 9. 10 (die dazwischen ausgelasse- &86ff. nr. 10. p. 87f. nr. 11. p: 90 -94. ?p 249 

nenNummern zeigen arg entstellte Aufschriften), — [273] p. 264 nr. 49. p 271 nr 67 • B C7E 15 

Carausius, Coh. 7, 15, 128, Allectus, Coh. 7, 46, 189£[p. 169— 209] p. 170. 185"f. hrVliö. ' r>. 187 

17—22. Auf Münzen des Tetricus jun. mit der nr. 131. j>. 196 nr. 139.- £.199 f nr 141 "~ p *2Ö8 

Aufschrift LAT1TIA AVG, Cohen 6, 121, 23. nr. 149. p. 424f. nr. 5)/ Änastasn^Pamlukas, 

ÄU&? 6 ,, 1 ? 6 ' 29 PL 46 und •• BT1TIA • ■ AV- nsQLTvs^^m^^M^Mm^M^^ävtsoäv 

GVST1, Coh. 6, 121, 25. de Witte 186, 30 PI. 46 qvtfig. Patris 1886 (Jenaer- Dokt -Dias'] I p36 
erblickt man die Opfergeräte. Münzen des Sep- — §L___Aetmlius HeUer^PTCanäe''Zydiaeaue 
timius Severus, Coh. 4, 30, 253. 254, Caracalla, 30 sa cerdotib us, Jahrbb.f. kl Phil Stippl Bd 18 
Coh. 4, 155, 117. 118 und Geta, Coh. 4, 260, 67 1892 [p. 213-264] p. 242— 248 " DiTlJelden 
mit der Aufschrift LAETITIA • TEMPORVM letzteren haben die Ergebnisse, der Inschriften ? 
zeigen den in Form eines Schiffes gebauten für, dje Geschichte des Tempels und die Ein- 
gewaltigen Tierbehälter, welchen Septimius nchtiang des Kultus einge hend verwertet Jen ? 
Severus bei den Spielen nach seiner Rückkehr be1cnWge" c mich ojesf^nur (mitider^ttin 
aus dem Orient im Jahre 202 für den Cirkus seTösi/. Von Beinamen, welche dieselbe* in den, 
errichten hefs (Cass. Bio 76, 1. Eckhel 7 p. 132), Inschriften von Lagina und Panamara erhW"**" 
umgeben von 4 Quadrigen und einer Anzahl fiTSS ' nennen in,i<favng, BJJ Ääp 456 Col 5 
Tiere. Auf einer Münze des Gallienus mit der Figk_L_ JB.JO. M 12 p, 2M nr. 49- eirf in der 
Aufschrift LAETIT.TEMP {Coh. 5,384,421) ist 40 Kaiserzeit verschiedeneiF Gottheiten^ 5 wie der 
dargestellt der kleine Iuppiter auf der Ziege Artemis Hyakynthotrophos (Newton* A hist of 
Mit Recht vermutet Eckhel, D. N. V. 7 p. 21, dmmJnMalic. Cnidus and Branchidae 2 Pl 766. 
dais Laetitia einen öffentlichen Kultus genofs. Waddington, Aß. Min. 1572 bis), Eleuthera 
Darauf deutet schon die Dedikationsaufschrift (Spratt and Farben, Travels -im Lvci a. Müva s 
Laetitiae emiger der oben verzeichneten Münzen. andtheCibyratis_ 2 .p. 272. K. Keil Phüoloqush 
Münzen des Commodus (Eckhel, D. N. V. 7 p. 650. C. I. Gr. add.43ÖSh\ WaddingtonTAs 
?'i 16 , f ••L z S lg ^ n „ ln T , e i ne 1 m Lorbeerkranz die Min, 1286), Hera ( Wa ddinaton. A s. Mi«: 49), 
Aufschrift P.D-S-P.Q.R. LAETITIAE . C • V Thea Matyene (Mitt'Im'B^A^tin 
und außerhalb des Kranzes S • C. Die beiden Athen 12 1887 p. 256), Tyche (Waddinaton 
ersten Buchstaben deutet Eckhel jedenfalls mit 50 As. Min. 369. C. I. Gr. 2693 b) dem Apollon 
Recht: „r-evocant memofiam votorum Primorum Laifmenos (I. H.St.S p. 376f. nr. 1) vielleicht 
Becennalium". Der Rest ist wohl aufzulösen: den Dioskuren (Mitt. d. Ksl.i). A.'lnst. in Ath. 
Senatus Populusgue Momanus Laetitiae coronam 10_1885 JJJJIJ) nr.J>) v dem Häfapii :~(B GH 6 
vodü senatus consulto. [Laetitia, mit dem Epi- p^339f. nr. 45)^ dem Telesphoros auf Münzen 
theton vana, im Gefolge der Fama, bei üv. von Nikaia ( Pick. Ze itschr. f. Num 17 1890 
Met. 12,60. Höfer.] [Drexler.] pJ^m'^^m Epitheton. Noch öfter h1#' 2 

Lagaria? od. -eia2 (AayccQCa od. -sta), vgl. Sie "im Superlativ imipavsatärr] 9sa 'Exdxri, itow 

bchol. II W 665: Ilurom-vg] ax^atsveag avv Newton, A hist^oJLdiSQ, _2+ J__p._792 nr 97- Ä * wS; "" 

ApcpiTQvaivi. *arä Trjleßoiav , ix rmv xoivüv p J9M,_.nr^9_a_Xohne &sd). WaAdingtm'As 

XacpvQcov xexlorpwg EXayaQsiccv, i'axii viov 60 Min. 542. B. C. R. 11 [p. 14fif nr, 47 nacjOr- ? 

Eiteiöv. Meineke[za Steph. Byz.a.Y. Aayaqia- gänzung] p._L49.jir. 52 ; p. 152fl nr 57 £Ö& 

(peovgiov'ltaUag -al^tov 0ovqIo>v, tov'Ensioi 1 2. _p. 83 JOr, li_4l,J9.8 nr. 16. Bcnndorf u Nie- 

■x.ai$a>xea>v xziafia, cog Äpaßoiv (6, 263)] ver- mg,nn t Beisen MJ^ykie» u. Karten p. 155 nr 131 

mutet AayagCav, die er für die Eponyme von (ohne »sd). B. CS. 15 p. 208 nr 149 wie sie ' 

^aya^'o! und Mutter des Epeios hält. Vgl. auch in Sidyma aK ixupartorÜTn »sog 'E»ar« 

d. Art. Lagaris; Klausen, Aeneas u. d. Pen. ( Bjnndorf u Niema nn a. a. 0. p.. .69 nr^^Si) b'e- 

457. 460f. Tropea, Storia dei Lucani. Messina zeichnet whM, und wie sonst mit diesem Bei- 

1894 S. 120. [Röscher.] wort gezieri.vari.ommen_ Aphrodite (C I Gr" 2 - 1 - 



1793 



Laginitis 



Laginitis 



1794 



2811) , Artemis Ortheia (CLUhu 1444), Iamba- 
dule und Theos Zberthurdos ( JRuM. della nnrnmiss. 
a rch. comun. di Borna 8 1880 p.12) . Iais und 
Osiris, Dioä. 1, 17, Apollon Larmenös ( J. H. St . 
8-P.389 nr.1 8), Äpollon Sourios ( Petersen u . 
■n. Luxti han. Beisen in Lykim^MihimJiu-Eäm- 
reti£i l J£rg£.J&), Asklepios und Zeus {G. I, Gr. 
1 3921, Dionysos (O, .£. Ch\ ,1948_jai9 J _512il 
odd. 57 90 b), Zeus Bulaios und Helios ((7, I, ffr. 
1392; vgl. Helios' EJ-ytti-scrraTOg, CLLitCÜäMS), io 
Zeus Panamaros (B^<7. 77. 12 P-P2Tnr^8], 

Als psylcxri &sa 'JEkoJtj) wimsieDezeiohnet 
B.CLH. 11 p. 23 n r. 38: p. 154f. nr. 60: p. 158 f. 
n r. 64; Tgl. Gl. G~r. 2715 (ßsyietcov &säv, j^iog 
■tov n~\avrni*[Qiov «al JSx]aT»js), als fisyt'ciij 
*Kt IstKpai'fetcmj dea 'Exorrj, .B. 0. ff. 11 
p . 146 f. nr. 47 (ergänzt); p . 152 f. nr. 57. 12 
p . 83 nr. 9; p. 98 nr. 16 (ergänzt). 15 p. 199 f . 

"Das Beiwort amtstga erhalt sie: Newton, 20 
T Hxccm. 2.2 p. 793 f. n r. 98. Waddinaton. As . 
Min. 521. B. G. ff 9 P. 456 Co]. 5 Frgt. 1 
('jExäuji Eatslqai EicHpavei). B. C. ff. 1 1 

p. 159 f. nr. 68. _£^0^„ff>,JA_J?^17_l__nx^J 

T n der Inschrift £.{?. ff. 12 p. 100 nr. 18: 
dii | navri(iSQle) jtal \Ep 
9-sots •Kal i jiä\etti.s ' erkrärei 



I. 



die Herausgeber 



oseuuär ejuigg juu<juoi«*utii, o»»« ».»*» »«■., «™u 
gefallen, da diese ZetTe kürzer istaJs&jraÄ- 
deren. Das Wort steht absolut geteaucfit für 
Hekate, wie CQT6IPA auf Münzen Ton Apa- 
meia in Phrygien (.Head^Hüt.. nuaj^ 558). 
Den Beinamen cwtsiqcc l'ührT~Hek~äte auch in 
Kotiaion, s . oben Bd. 1 Sp. 1886; Tg l. für Pro- 
thyraia Orph. hymn. 2, JuJU:. 

In einem Gedichte erhält Hekate den Bei- 
namen ofinvia iivSalipr], B.C. H. 11 V-Xffllß- 
n r.70. AEM. 12 p. 77— 79. Sie teilt emeres 40 
BeiWt mit DemeterTSSwLife AUL, Selene, 
Kmm. Dio n. 5, 488; s. Bescher, Sejene p. 51 



S. 6, 536. 482. 483. Ledke. N. Meli. As. Gr.pAM 
Suppl . p. 95. Head p. 530. 

Ein schönes DJdjac£mojiJn_ Berlin aus dem 
2. Torchristlichen Jahrhundert zeigt auf der mit 
derAufschriftrrPATONtKEQNMEAANGIOZTer- 
sehenenRückseite die Hekate in ganzer Gestalt 
stehend Ton vom, lang bekleidet, auf dem Hagpt 
Kalathos und darüber Halbmond, in dWTT. 
Schale, in cteTt. Fackel, das Ganze umjächtossen 
Ton einem Kranze (Odt. Bei. Haupt des Zeus), 
Zritsrhr. f. Num. 16 1888 p. 5 Taf. 1. 2. 

Auf den Kaisermünzen Ton Stratonikeia er- 
scheint sie 1. h. stehend mit Schale und Fackel 
unter Septimms SeTerus und Iulia Domna, 
C ohen. Cab. Badeigts de Laborde p. 37. nrJkü ; 
Caracalla and Geta, SJBirch, Num. Ghron..J 

1 838 p. 197 nr. 4 („. IACÖNOC • CTPA- 

TON1K6QN A female figure Walking to tlie left, 
her head surmounted by the ealathus and luna- 
ted disk; in her left hand a torch held erect; 
the object held in her right hand obliterated"). 
Der Gegenstand der R. war wohl auch hier 
eine Schale. Letztere hält sie zuweilen über 
einen flammenden Altar. — InAoc^Bhjmer^Gi^ 
Münzen p. 676 f. n r. 4M beschreibtein Stück 
des Caracalla und Geta mit folgendem ReT.: 

„€TT • TTPY ■ €TT1 NIJOC T • (DIAGNOC , 

CTPATONIKCQN. Hekate im Doppelchiton und ; 
Peplos 1. h. stehend, auf dem Kopfe Kalathos 
mit Mondsichel darauf, in der R. eine Schale 
über einen flammenfleneAltar haltend, in der 
L. Fackel." Ähnlich Tautet die Beschreibung 
Borrells . Num . Chrm JL^4jLfür_ejn jniijler j 

Aufschrift Eni TTPY 10YA1A AOMN 

Ol£PC)KÄ€OY CTPATONIKeQN Tersehenes Stück 
dieser Herrscher; und denselbenJTypns jer- ; 



Anm. 203j und den Nymphen, (LJL.fiiU_A54. 
Dasselbe ist gleicjjbadeutend mit xaojroqpooos 
und deife lateinischen almus, r. H. Ste ph. Thes . 

Silbermünzen Ton Stratonikeiajeij 
Obrerg ein weibliches Haupt mit Eoo 
unoMondsTctför uoei- der Stirn, welches Mi. 3, 
3 76. 426. 427 und Imlioof- Blumer+jSrJlIünzetL 50 
p- 674 nr. US s _MB&._4JS_un&_Wi*m, jGrXe£QM£S 
p 315 nr 77. 78 als das der Artemis bezeichnen, 
Vah¥gar^ ffiä5r Hist. num. p^SJ&.es für das der 
Hekate erklärt. Doch läfst &u<ihImhjmfjGrieeh. 
\ Münzen-^. 675 d ie Deutung auf letztere zu und 
; Leake. welcher es Num. Hell. As. Gr. j?,,12A m 
\ derBelSfireibung als das der Artemis bezeich- 
I net, erklärt es im Kommentar für das der „Diva 
I Triformis in the char acter of Diana identified 
\ with the moon". Bei der grofsen Bedeutung go 

des Hekatekultus für Stratonikeia ist wohl die 
f Deutung auf Hekate Torznziehen. Übrigens 
gehen beide Gottheiten, so in einander ü.b_er, 
däfs sie auch inschriftlich identificiert werden, 
h MWr r, Die. GotOie.it derGrieclim als, Natm- 
nuftht.-p.- tS Anm . 3. Ein ähnliches weibliches 
Haupt wje das der Silbermünzen begegnet auch 
auf dem ObT. der Bronzemünzen, Mi. 3,376,428. 

Boschs», Lexikon der gr. n. rBm. Mythol. II. 



zeichnen für Septimius SeTerus und Iulia Domna ' 
MCh, 379, 4 47. Sestini, Mus. H edervar. 2 p. 232 
.urjj _ Ml 'S. 6, 538, 49Ö7 Cat. Whittatt 1884 , 
p. 70 sub nr.i094. 1094*. Stehend, ohne den 
Altar, mit Schale in der R., einen Hund zur 
Seite erscheint sie unter Septimius Severus, 
CqLWhittalllMk.V r JO sub nr.J094; Septi- 
mius SeTerus und Iulia Domna, Sestini^ Muß- 
Hedervar. 2 p. 232 nr. 10 = Mi. S. 6, 538, 49 t. 
Cat.WUtiall 1884 p. TOjir. 1095. 1096, Im- 
hoof, Griech. Münzen p. 676 nr. 463 Taf. 10,J4 
(,7€m TPA -1ACÖNÖC TOV ] KA€ÖB0V • CTPA- 
TONIK|€QN. Hekate im Doppelchiton und Peplos 
1. h. stehend, auf dem Haupte Mondsichel und 
Kalathos, in der R. eine Schale (oder brennende 
Lampe?), in der L. flammende Fackel. Zu inten 
Füfsen ein Lk, stehender Hund, mit rück-j 
gewandtem Kopfe zu der Göttin aufblickend.! 
S la- Waddington" - ) ; ferner unter Caracalla und 
Geta, Sesiwt^T^MS^edercflWi 2 p. 232 n r. 13 
= Mi. S. 6j 540, 500 /„cum flore loU in ca- 
pite"). de Witte, Gat. Greppo p. 1 39 nr L _|036 
(„la tete orne'e d'une fleur de lolus"), Cara- 
calla und Plautilla, CatWMtiaäJS^ p. 70 
n r. 1098. 1039. 

Die Lotosblume, Sestims_-aad de Wittes ist 
natürlich nichts anderes als der Kalathos über 
der Mondsichel! Eine Lotosblume ist für He- / 
kate nicht nachzuÄgiseji. Auch die blattartigej/ 
Zierde über der Mondsichel der mittleren Figurl 
der dreigestaltigen Hekate des Mnseo Capitolino 
(s. oben .BcLl ^p.igfiöyei ist kaum eine Lotos- J 

57 



1795 



Laginitis 



Laginitis 



1796 



Terracottalampe aus demTemenos der Demeter 
Kora und des Pluton Epimachos von Knidos, 
abgebildet bei Newton, A hist. ofdisco v. PL 84. 5 
und besehrieben 2,2 p. 401 : „It represents) 
Hekate attired UJce Artemis, in a chiton reaching 
to (he knees, and buskins. On her rigkt is a 
Itound seated at her feet, looking wjö at ihe goddess. 
On her left is a cylindrical plinth, on which Stands 

_ a small female figure, draped to the feet, to in- 

fundenen Marmorkopf der Sanimlung'Millosicz, 10 distinct to be clearly made out, but apparently 



bhime, wenngleich, seihst noch Heibig, Fuhrer 
d urch d. öffe ntl. Samml ungen klässTAliertilme r 
i re Born 1 p. 480 nr. 615 diese Deutung giebt. 
Über die zahlreichen Pflanzen, welche inBe- 
ziehung zu Hekate stehen, kann man ver- 
gleichen Murr. Die Pfla nzenwelt in der grieöh. 
\ Myth. Register s. v. Hekate p. 292f. 

Die Verbindung von Mondsichel und Kala- 
thos findet sich auch an einem in Aquileia ge- 



weichen ich unHJgSenffich für Hekate in_An 
sprjicJi nehme. Gurlitt, AE M. 1 p . 14 nr. 17 
T afTiT, 1 a. b beschreibt denselb^n_jwie_folgt: 
■„Der Kopf, etwas nach 1. und vorn geneigt, 
ist von sinnendem Ausdruck. Am Haaransatz 
über den Augen, deren Sterne angegeben sind, 
erscheinen zwei kurze Hörner. Das gewellte 
Haar ist in der Mitte gescheitelt, über dem- 



the Aphrodite -Persephone already described. ln\ 
either hand Hekate holds up the spout ofalamp,\ 
here substitued for te two torches which are her 1 
usual symbol. Her left arm rests on the small] 
figure standing at her side. At the back of the \ 
figure is a hole, through which the oil required I 
for the lamp was poured. The Kead hos been\ 
bröken away. The figure stand on a squarel 



selben liegt eine wulstige Tänie, welche nur plinth. The style of the modelling is of thej 
vorn aus dem Schleier heraustritt, der das 20 Boman period." / 



ganze Haupt verhüllt. Über dem Schleier 
lehnt sich eine Mondsichel an einen Modius, 
der oben glatt abgeschnitten ist. L. am Hinter- 
,kopf ein breiter Ansatz; das Hinterhaupt ist 
inicht ausgeführt." Gurlitt denkt p. 15 ver- 
mutungsweise an eine Darstellung der vorder- 
asiatischen^grofsen Göttin". Aber alles spricht 
I raf Hekate: Der Schleier ist für sie schon 
I durch das Beiwort XiitKQOKq^3sfi.vog ( P>ruch- 



Die Fackel, das Attribut der Hekate, findet 
sich neben der Inschrift eines Hekatepriesters 
in den Stein gehauen, B.C.H. 11 p.28 nr. 41, 
und als selbständiger Münztypus auf den Münzen 
von Stratonikeia entweder allein, 3ft.3,376,428, 
oder mit darauf stehenäemMIef , Mi. 3, 37 7, 429. 
S . 536, 479. 480. Mus.S anclement.ii.BelAje, 280. 
Auch der Altar kommt als selbständiger Typus 
der Münzen von Stratonikeia, und zwar zwischen 



mann p. 971 belegt, und Hörner lassen bei ihr 30 zwei aufgepflanzten Fackeln vor, EckhS^D.N.V. { 



vermuten EpitEetä, wie niQÖiooa {Bruchmanp 
p. 97) UnJ.yeeaTOmtg, Pa^P^ns^js^ihiS^ 

Auch der von Quvlitt.v. 14. Anm, 1, Taf. 3 A 2 
zum Vergleich herbeigezogene Kopf mit biumen- 
und blattwerkgeschmückter Binde imHaar, halb- 
mondgeziertem Kalathos, Flügeln, Trauben- 
gehängeD, „gewundenen, an Ammonshömer 
erinnernden Bildungen" über den Schläfen und 
plastischem Nimbus ist möglicherweise der He- 



2 jgj>90. ML A §77* iH, S, 6, 536, ASi.Leake, 
Nurn^dL L As^r J jß J: l.ii_ J&äml: Pil§- 

Der eingestaltige Typus der Hekate tritt . 
hinter dem dreigestaltigen verhäünismäfsig I 
zurück. Zu den oben Bd. 1 Sp. 1900^1g03 
verzeichneten Beispielen kann man fügen eine j 
Münze von Ephesos, flegdj.Jpwto._104', 373, S 
ferner eine Tetradrachme von Lampsakos, welche 
im Rev. den ApÄlon und vor ihm ein kleines 



kate zuzusprechen. Die Trauben, auch sonst » Bild der stehenden Hekate mit dem Kalathos 



bei Hekate bezeugt (. A.Petersen, AEM. 4 p. 169), 
mögen sie als ofinvta charakterisieren, die Flü- 
gel, wenn nicht rein dekorative Verzierung (vgl. 
äet(demafms Besprechung von A. de Ceule neer, 
L estetes ai lees de Satyre x Jroy>pees_ä Angleur, 
Phüol. Bundschau' £§£. 314 ) , von dem Gor- 
gonenhaupt. welches sie bei lMcian 3 Philops. 22 
(s.joben s. v. Kyon) und dessen Schlangen sie 
auf einer Gemme bei Matter, Une e xcursion 



auf dem Haupt und brennender Fackel in jeder 
Hand zeigt, Waddingtqn^Voyage en Aste Min. 
au point de vue numismatique. Paris i853 p»74 
nrJ-^k.Ü Eine Stele von Kyzikos stellt 
sie dar stehend im langen Chiton mit kurzen 
Ärmeln und Mantel, in jeder Hand eine flam- 
mende Fackel, zu ihren Füfsen ein Jagdhund. 
Peiiot^ Explor. arch. de la Galatie et de la.Bi- ] 
thyme^ JBaris 1872 PL 4, 6. p. 8^—83 schwankt, \ 



gnostique en I talic PL 2. 6 im Haare führt, auf 50 ob er diese Figur Demeter oder Artemis oder 
-•'■-'■ ■ ----'- --- ----- i-i-i- Hekate nennen soll, im Register führt er sie 

als Hekate auf. W. Froe hner, Notice de la 
sculpt^ ant.du m^e_ngj^ du_lMmreXj^JS9 
n_r^96 bezeichnet sie als Artemis Phosphoros 
und bemerkt (Anm_jL), dafs eine Terracotta- 
platte des Musee Parent eine ähnliche Dar- 
stellung zeigt , nur dafs bei dieser oben im j 
Feld noch zwei Sterne wahrnehmbar sind. ] 
EUerme _Mi^nj^Grgupes_de_ la. triplß.~Hecate 



Hekate übertragen sein; auch an eine letzte 
Spur der Vorstellung des Fliegens der Mond- 
göttin (Boscher, Selene p. 36) könnte man viel- 
leicht dabei denken. 

Als Hekate ist, beiläufig bemerkt, wohl 
auch das von WMi&tM^er^Ejm§_Terrac^a 
der_Gj)ttinger Sammlung.. Göttingen 1889 für 
Gorgo erklärte Frauenhaupt mit Kuhhörnern, 
Flügeln in den Haaren und dreifacher Blatt 



kranzumrahmung zu deuten, für welches P(aul) 60 aiL.Musee du. Lomire y Ec. fr. de Borne. Mä. 

TTT^-T. Q» TT7-..7. 7... J} 7.7 T>1. *7 lODA C<„ Hfüf ,7>„a.„7. „* J'h.'a* t <9 1 QQO Tv. yil"l7 J.94.1 T\ Afffi 



Wrolters?). Woc henschr. f. kl Phil, 189Q Sp,765f. 
die Deutung auf Selene oder Io -Selene vor- 
schlägt. 

Das bei Imhaof, Gx^M.. TaL.Ji) T -14au ab- 
gebildete Stück scheint die Göttin, wie Im,- 
lnm£J frageweise vermutet, mit einer Lampe in 
der R. darzustellen. Wenigstens zum Vergleich 
kann man anführen eine 8 englische Zoll hohe 



d'arch. et ä"/m£12.1892 [p. 407-424] p. 408 
erkennt Aft Röcht Hekate. Eine kleine Giebel- 
Statue aus Athen zeigt die Göttin sozusagen 
in einer Verdoppelung. Auf der einen Seite 
sieht man eine Göttin stehend, im langen Chi- 
ton und dem Diploidion, auf dem Haupte einen 
hohen, von breitem Schleier bedeckten Polos, 
in~äef einen Hand eine Schale, in der anderen 



l 



1797 



Laginitis 



Laginitis 



1798 



, ein Seepter, zur Seite einen -zu ihr empor- 

I blickfin4en_Hund; auf der anderen Seite eine 
Gottinmit unbedecktem Haupte, in Chiton und 
langem Mantel, in jeder Hand eine Fackel, zur 

/ Seite wieder den Hund mit emporj^mhtetem 
Kopfe, Mielwn p. 402. AKL-fig-X- Auf einem 

I Weihxslief von Krannon erscheint Hekate in 
langem Chiton und Peplos, mit langer Fackel, 
die R. (,n&ch^.FjjMläMsr^Män»isber, d^KgL 



Fackel, auf einem 1. h. liegenden Löwen stehend 
darstellen ( Mi. 4, 101, 553. t etja rd. Gülte de 
V enus P1.3B. 2. Arch, Z. 1854 p.21 5. Imhoof, 
GlJUL&.IWL JBE-JB-Pl J^LlLMk. Die Erschei- 
nung der letzteren Figur in ihrem kurzen 
Doppelchiton weist aber, wie JMläQf_ selbst 
bemerkt, mehr auf Artemis hin. Da nun in 
Philadelphia die Anaitis verehrt wurde ( B.C.H . 
1 884 p. 37fi. Beinach. Ghron, d' Orient p. 158 . 



/ 



Ak. d. W. zu Berlin 187R-¥^AASL mit einem 10 WaMm^n^AsieMmMk^r b.l, frr<-3*l* 

±t'- - : : ■■' ,»"","•• ri f • m...j.. _.-_ 7?^V„^.J. « in? - ! Aa ferner Anaitis öfter mit 



/ 



/ 

/ 



Kranze) l egend auf das Haupt eines Pferdes, ein 
Hund ihr zur Seite, MMm^m_ J ^Anc ! __unedited 

perierjjÖeuvres 2 p.j423. 

'Wie Hekate auf den bekannten Münzen von 
Pherai (Hsad^Hist. mm. ^2m,.CaL,ofJxt,.ü. 
inJteJtei^M&s,, Thessaly PI. 10, ...16) auf einem 
galoppierenden Pferde sitzend dargestellt ist, 
so sieht man sie auf der Rückseite ^autonomer 



= Ednash^jM^ da ferner Anaitis öfter mit 
Artemis identificiert wurde, so in einer In- 
schrift .von Sypaipa ( Beinach p. 154' nr. 1) und 
in mehreren von Kula undTmgebungTC^oüa. 
«ai. gijtt. vns evaj-^ czgjä£ JJJ2-P.--P. 7 - P- *?$ 
= Beinach p. 157. Mova. 1884—85 nr. vis', vis 
= Beinach pjjlp nr.3. £unS~~G.Leemans,Grteh- 
sche^^sSKrißen" mt "fflSwTlH£"~Alnstärdam 



so neu man sie aui aer a uc« e .«, -Mn^. 18J4^JMJjB&k«» nehme ich kei nen 
Münzen Von Stratonikeia 15T deF"Kaiielze7t 20 Anstand, m dem Munzbüd von Philadelphia 
i..i.,.:j.i _.i. u„;j„„ nz„j a y, ^or, ühor ilpm statt Hekate vielmehr Anaitis zu erkennen. 



/ 



bekleidet, mit beiden Händen den über dem 
Haupte^sicX-bogeaförmig bauschenden Peplos 
/ haltend auf einem LJueitenden, sicjiumblicken- 
/den Löwen sitzen, dessenTlaupt zuweilen mit 
/einem Strahlenkranz versehen ist. DleVorder- 
seite dieser Münzen mit~aer Aufschrift CTPA- 
TONIK6QN zeigt eine reitende Figur. Die Rück- 
seite die Aufschrift VeOlCAMeNOY cDAAYBIOY 
AIOMHAOYC, Imhoof, Griech. Münzen jlj575 
nr .45ÖTaf.lO,12, oder efTls«!CIMO|V, Imhoof, 
nr. 451 Taf.l<U& oder €TTI A€ONIAOY, Esml, 
N umi veteres anecd. p. 270 Ta b«H»l? °= MLR 
1 6, 537, 485. Sestini x l<eiM._«wwkCß3*JLEt£2_8i-fi- 
/ Keine Aufschrift bei der Göttin verzeichnet 
Cot. Bollin et Feu ardent 1863 £. 358 nr 5589^ s , 
v gl. Colü lBinöm £. 70 nr, 693. Oder das 
JEthnikon CTPÄTONIKeQN ist der die Göttin 
■ | enthaltenden Seite beigeschrieben, während 
die den Reiter darstellende die Umsdirift 



statt Hekate vielmehr Anaitis zu erkennen. 
Dagegen läfst sich für "die Verbindung von 
Hekate mit dem Löwen anführen ein Magnet- 
stein des Ksl. Museums zu Wien , welcher auf 
der einen Seite Aphrodite Anadyomene, auf 
der anderen die dreigestaltige Hekate über 
einem Löwen zeigt, welcher über einen auf 
dem Erdboden liegenden Mann hinwegschreitet, / 
St eyhani, C. r. p. les ann^l870 et 1871 p. 88 
30 nr. 112, eine"DariFelTnng, welche meine oben 
s. v. Kyon ausgesprochene Deutung der löwen- 
köpfigen Figur auf einem über ein Gerippe 
dahineilenden Löwen auf der Gemme bei 
WieseletTGot t. Ant. nr. 35a als Hekate wesent- 
lich zu stützen imstän3e~ist. Als Hekate haben 
wir vielleicht aucTTzu "tsezeichnen die löwen- 
köpflge und schlangenfüfsige Figur einer Gemme 

GaBähs^sL-Mmtfam&^^'-Axt^emL,3^i 

PL. 154,_8j_welche am r. Ajm einen Schild, in 



die den neuer aarsmueuue uib ^uw^u-^» . ^;"i-a-- „ r, ■ j t j- n„-c...i «iW 
eni A60NTOC trägt, MLSOZLM& Oder im 40 der R. eine Fackel, m der L. die Geifsel fuhrt. 
?,.,,. T>r^tr-,,— j,.J Auiiirv/- „„ „oT,e„ 7.«,nr sU t Prtersen. AEM.5 JlJ[9^das Vor- 



Obv. ist das Brustbild des AHNIOC zu sehen, 
im Rev. die Umschrift CTPjATON|IK€QN, Int 
hogf_ a. a. O. p. 675 nr. 452. Froelich. Notit. ehm . 
p. 113 = Basehe 5, 1 Sp . 146 nr . 4 Eaym, Thes . 
Brit.2 Tab. 21 fig. 7 p.J186~ ^~gre/ , swer, JSIum . 
Po p. Tab. '26 flg. 19 p.323 und Basche a.a . O . 
nr. 4. Auch "derAltar zwischen den beiden 
Fackeln auf der einen Seite und Hekate auf 
dem Löwen auf der anderön kommt vor, Gat. 



Zwar stellt Betasemid . AJELM*.&~»JlSL*Aa& Vor- 
kommen einer schlangenfüfsigen Hekate in 
Bildwerken bestimmt in Abrede , aber die 
schlangenfüfsigen Figuren der dreigestaltigen 
Hekate der bei Montfau.CQn, 2, 2 PL lM t M 
mii_Suspl. 2 PI. öjjjJLabgebildeten Gemmen 
— vgl- auch die von Middletpn, The Lewis G_ms 
P- 79 clas s "ilm. 15 ^s^uThe Abraxas deity as 
a'man withTass's'head', and forked serpent legs, 



dem .Löwen aui aer anueren nuimm, v <jj , >^uj. «• ■■*•*" -»».-»--- , t'i 3 „ 1 „ a „u„; a v>ar,o. 

W hittall 1884 i). 70 nr. 1094. Froelich wollte 50 holdmg a dagger and a slneU beschriebene 



f in dem Typus Europa auf dem Stier erkennen, 

, / die Mehrzahl der sonstigen früherenBeschreiber, 

■ I wie auch Maurv. Bist, d es rel. de laGrece ant . 

3 p.115 Kybele. Der Verfasser des G atal. d'une 

p rec coli, d e me d, gr. ant . et des col. rom. forme e 

fi ar un amateur nutm. Flnrence 1889_IL-3A2. 



7 



n r. 1280 J a Lune" ; Bead, Hist. * um._£ L 530j f. 
schwankt noch zwischen Isis Sothis und He- 
kate". "Für letztere entscheidet sich mit Recht ^ ~— — 

Imhoof, GK M7-V. 676. Für die Verbindung 60 wort li ovtov % oq, Gramer, Anecd. ßp.A P.I81- 
fer u lkte m TWe^Xöwen führt J^SöLan BM^^Bhe^Mvs. 1872 p % 417, die. Beschre> 



Gottheit, welche bei Annahme eines Pferde- 
statt feines Eselskopfes äliHekate, sonst viel- 
leicht als Seth-Typhon (vgl. die Bemerkungen 
\onIHeterichj, Be hymnis. orphicis p. 45f. über 
den Parailelismus zwischen Hekate als f; Tuq- 
xaqov%os und Typhon als u Tuqtciqov%os) zu 
deuten ist — widerlegen seine,Behauptung zur 
Genüge. Sonst'ist noch für die Beziehung 
der Hekate zum Löwen anzuführen das Bei- 



Münzen von Kibyra (WMßiä&kliU-£&.--£V!&-- 
1 851 PI. 7, 10. Loebbecke^ZJUL. 1%JMJJ±$ i 
v gl. Imhoof , Gr. M. j. 674). und Thyateira (Im- 
h oof. Monn. gr. pü äiLgl), welche die Göttin 
in einem mit Löwen bespanntejij^agen, ferner 
solche von Philadelphia Lydiae, welche sie, in 
der R. eine Schale, in der erhobenen L. eine 



bung der Göttin in der £i>j;rj tcqoq 2s1i)»jjv 
(A bel, Orph. p.293 vs. 16ff. = Pap. Par.2808ff.) : 

ofifia äe rot ravQanbv £'%siS, oxvlaKcSdscc cpcovitv, 
.fioQtpag ä' iv xvripaiaiv vjtoaKtnäovoa Isävtair, 
aoocpal liv-wv acpvQOV lati, Kvveg tpllot, oy^io- 

57* 



1799 Lagoos r Lafos 1800 

sowie die schon oben s. v. xvmv angeführten vgl. Ällmer, Revue epigr. du midi 1 p. 170} 

Stellen ans Porphyr, de d bst. 3. 17: ri ä' 'JExoi'rq weihten die Religionsgenossen, consacrani 

ravQog, mcov, leuiva ä«.ovovaa pällov vna- (= consecranei). f_M. Ihm,] 

xovii und Ufii rijv S' 'Endtriv titnov, tavgev, Laiades (Aaiüärie) , Sohn des Laios, d. i. 

iliawccv, xvva (sc. ngocriyÖQSvoav). Zur Er- Qidipus", Ov. Met, 7, 759. [Höfer.] 

läuternng derartiger Stellen kann ein Hämatit Laias (Aatas), Sohn des Hyraios (s. d. nr. 1), 

Ides Museo Borqiano cl. 3 div. 9 nr. 24. Joe . der mit seinen Brüdern Maisis und Europas 

i tled. p. s. attast. defMusei d' ItaUÖJv. ilbt seinen Vorfahren, dem Kadmos, Oiolykos und 

dienen, bei welchem allerdings die Xiaiva nicht Aigeus sowie dem Amphilochos m Sparta je 
berücksichtigt ist: „Figura muliebre vestita 10 ein Heroon errichtete, Paus. 3, 15, 8. 

alla greca, veduta di petto con tre teste, e quattro • [Höfer.] 

braccia spiegate, due di qua e due di lä. Delle laias (Aatas), Sohn des Oxylos und der 

teste quella' di mezzo eumana, eporta sulvertice Pieria, Bruder des Aitolos, der früh starb, 

un globo; quella alla d. e di bue; quella alla s. so dafs Laias die Herrschaft von Elia erhielt; 

di carte o di lupo. In due delle sue mani tiene Paus. 5, 4, 2. 3. [Stell.] 

due torcie, alzate alla d. ed alla s., nella terza Lailaps (Acttla-ip, Sturmwind), 1) der durch 

mano tiene un flagro alzato ddlla parte d, nella seine Schnelligkeit unentrinnbare Hund der 

qitarta alla s. un pugnale parimente alzato. • Prokris, Eyg. f. 189. Serv. V. Aen. 6, 445; siehe 

Soito i suoi piedi: APMHTH (d. i. wohl aSa^n, Prokris und Kephalos. [Stephani, C. r. p. Fa. 
vgl. Pav. Par. 2716, t> = £) ||€AeBIA." Wir so 1872 ,S. 187 Anm. 2. S. 195 Antn. 8. C. P. de 

dürfen übrigens getrost annehmen, dafs es Bosset, Essai sur les me'dailles antiques des lies 

auch Darstellungen *der Göttin gab, welche de Cephalonie et d'Ithaque. Londres 1815. 4°. 

sie aufeer mit Frauen-, Hund- und Kuhkopf p. 10. p.-27 nr. 42—47, PI. 3. 4. Drexler.] — 

auch mit einem Löwenhaupt ausgerüstet zeig- — 2)" Hund des Aktaion, Hyg. f. 181'. Ov. 

ten, da durch eine solche Vermutung ihr Bei- Met. 3, 211. [Stell.] * ' 

name texQuitgöemnos, Pap. Par. 2817. 2560 Laios (Aäiog), V) Sohn des Labdakos, aus dem 

sich am besten erklärt. Tritt uns" doch kaum Geschlechte des Kadmos, König von Theben, 

eine andere Gottheit in so vielen und merk- Vater des Oidipus, den er mit Epikaste oder 

würdigen Gestaltungen (vgl. ihren Beinamen lokaste, der Tochter des Menoikeus, zeugte, 
TzolvpoQcpog, Bruchmann p. 98) entgegen als so Herodot 5, 59. 60. Eurip. Phoen. 9 ff. Hyg. f. 

Hekate. Ich* erinnere beispielsweise an die 66. 76. — Epimenides (b ysvsorXoyos, Diog. Laerl. 

oben s. v. Kyon als hunds- und pferdeEöpfige 1, 115. Müller, Fr. hist. gr. 4 p. 404) bei Schal. 

Hekate erklärte Gemmenfigur bei KinOjJChe Eur. Phoen. 13 nannte nach einer älteren Sage 

Gnostics* PI. G, 3 ; welche allerdings von Easpe Eurykleia, die Tochter des Ekphas, die erste 

p . 151 nr. 2054 nach einem Schwefelabdmck Gemahlin des Laios und Mutter des Oidipus; 

deFSammlung" Stosch als „(Hecate) ä deux als zweite Frau des Laios giebt er Epikaste 

Utes de loup (wohl eher Hundehäupter), et an, und diese Seine Stiefmutter soll Oidipus 

quatre bras, armes de flambeaux et de poig- geheiratet haben, Schneiderin, Die Sage von 

nards" beschrieben»wird, ferner an die merk- Oedipus p. 9 f. In seiner Jugend nach dem 

würdige Gemme bei Mic hon a. a. 0. p. 423 40 frühen Tode seines Vaters Labdakos führte 

' Fig. 6 . auf welcher cGe zwei Seitenhäupter Lykos, der Sohn des Hyrieus, Bruder und Nach- 

der dreigestaltigen Hekate * als gewöhnliche folger des Nykteus, als Herrscher von Theben 

Menschenköpfe gebildet sind, während das die Vormundschaft über ihn, und als Zethos und 

mittelste Haupt nach Michons Beschreibung Amphion, die Söhne der Antiope, Toehter des- 

als „la Ute d'un demon cornu", nach der Nykteus, den Lykos getötet und die Herrschaft 

Abbildung als eine gespenstige Fratze mit von Theben an sich gerissen hatten, floh er vor 

Tierohren uns entgegentritt; endlich an den diesen in die Peloponnes zu Pelops. Nachdem 

grün und roten Jaspis im Catal. of the coli, of aber Amphion kinderlos gestorben, kehrte Laios 

antiquities formed by B. Hertz. London 1851 . auf den Thron seiner Väter zurück, Äpollod. 

| 4» p. 72 nr .1514 mit „A triple figure of ~Ee- &o 3, 5, 5.7. Paus. 9, 5, 2. 3. 5. Hyg. f. 9; vgl. 

| caie,'whose body ends in that of a bird, with Nicol. Bamasc. fr. 14 bei Müller, Htst. gr. 3 

\ a serpent coiled round her necle, holding tri two p. 365 f.; s. Labdakos u. Amphion. Während 

\of her hands a dagger and a torch: äbove is Laios im Peloponnes als Gast des Pelops war, 

\a star, a crescent moon, and an eagle 's head; verfiel er in unnatürliche Liebe zu dem jugend- 

\at the side a thunderbolt and a trophy." . liehen Chrysippos, dem Sohne des Pelops, und 

' [Drexler.] raubte ihn, das erste Beispiel von Kp*Joenliebe 

LagOOS s. Sternbilder. böi den Hellenen, s, Chrysippos. Bei Athen. 

Lahe (dat.). Eine Göttin dieses. Namens 13, 603 a, wo es heifst, dafs nach der sikyoni- 

wurde in der Gegend von Martres -Tolosanes sehen Dichterin Praxilla Chrysippos von Zeus 

(im Gebiet der Convenae) verehrt. Die In- 60 geraubt worden sei, wird man mit Valckenaer 

schriften hat zusammengestellt J. Sacaze, (Biatr. p. 23) vnb z/to's in vn OlS(«oSos_ zu 

Bulletin epigr. 5 p. 186ff. Drei enthalten die verwändein haben, vgl. Welcher, Aesch. Tfil. 

Widmung Lahe deae (Sacaze nr. "l. 4 [= Orelli- 357, so dafs Praxillcf gedichtet zu haben scheint, 

Henzen 5896]. 5); eine Lahe nufmijni (Sacaze „dafs der in Sikyon oder einem anderen Orte 

nr. 3); eine, pro salutae domijiorum von einem des Peloponnes aufgewachsene Oidipus dem 
M. Iulius Geminus gesetzt, das blofse Lahe nicht erkannten Vater Laios durch Entführung 
(Sacaze nr. 2= Orelli 2016). Den im Museum des gemeinsamen Lieblings zuvoraukpmmen 

zu Toulouse befindlichen Stein (Sacaze nr. 1; sucht, Laios aber ihn einholt, um Chrysippos 



1801 Laios ' Lairbenos • 1802 

nach Theben zu entführen, und nun im Hand- Nicol. Barn, fr. 15 b. Müller, Eist. gr. 3 p. 366. 
gemenge vom Sohne erschlagen wird", Schneide- Schneidewin, S. v. Oed. p.l8ff. 25ff. Nach einem 
win, Oedip. p. 16. Auf Praxilla scheint die Dichter, welchem Stat. Theb. 7, 354ff. folgt, war 
Angabe des Schol Eur. Phoen. 66 zu gehen, Laios auf Am Wege zum Orakel (in Delphi?) 
dafs Laios von Oidipus erschlage» ward, weil bei seinem Gastfreunde Naubolos m Phokis ein- 
beide den Chrysippos liebten, vgl. Schol. Eur. gekehrt, und dieser selbst begleitete ihn dann 
Phoen. 26. — Mit Laios beginnt das sich Tort- auf seiner Fahrt, auf welcher beide von Oidipus 
zeugende Unheil in dem Geisohlechte der Lab- erschlagen wurden, Schneidew. p,13f. Leichen- 
dakiden. Man leitet es her au3 dem Fluche, spiele des Laios in ThebS* werden erwähnt 
welchen Pelops über den Räuber seines Sohnes 10 Apollod. 3, 15, 7. Von Orakeln des Laios (als 
aussprach (nach Bositheos b. Plut. Parall. c. 33. Weissagers) spricht Herodot 5, 43; s. Müller, 
Müller, Hut. gr. 4 p. 402 fr.1 verzieh Pelops OrcA.l45f.228. Die rätselgebende Sphinx wurde 
dem Laios, weil er aus Liebe geraubt), oder nach einer pragmatisierenden Erzählung bei 
aus- dem Zorn der Hera über diese unnatür- Paus. 9, 26, 2 für eine Tochter des Laios er- 
liche verbrecherische Liebe, s. das dem Laios klärt, vgl. Schol. Em. Phoen. 26. In dem Namen 
gewordene Orakel' vor Soph. O. R, und den Aüwg sehen manche den AusdruckfrecherWeich- 
Phoenissen des Ewripides. Schol.'Eur. Phoen. lichkeit (vgl. Aatg, läyveeU Welche?, Tril. 355. 
66 1760. Preller über die Mythologie der Gerhard 2 §742,2. G. Vurtms, Grunde. 688 
Kjiabenliebe im N. Rhein. Mus. 4,401. Schneide- leitet ihn ab von Aäfiog d.i. Arglos; vgl. 
win Oed p 28f. ; s. Chrysippos. Nach anderer 20 Welcher in Schwencks Andeutungen 353, 120. — 
Auffassung, die wir in der äschyleischen Tiüogie Müller, Orch. ^24 ff. Stark , Labdacid. Tiistor. 
Laios Oidipus, Sieben g. Theben finden, leitete Schneidewin, Die Sagejo. Oedipus. Preller, Gr. 
man den durch, drei Generationen gehenden Myth. 2, 34*3 ff. Gerhard, Gr. Myth. 2 § 742. 
' Familienfluch her von dem Ungehorsam gegen [Bildw.j Overbeck, Gall. 4ff. Benndorf-Schone, 
Apollon und der Unfrommheit des Laios und B. ant. Bildw. des Lateran. Mus. nr. 387. 
der lokaste welche, tlurch Sinnlichkeit ver- Michaelis, Anc. Marlies in Gr. Britam p. 427. 
führt gegen die Warnung des delphischen („Large Etruscareurn; Oedipjts and Laios?"). 
Orakels den Oidipus zeugten, Schneidewin im Oonestabile, Gista Barberiniana, Ann. d. Inst. 
Philol 3, 348 ff. Sage v. Oedip. p. 16 f. 21 ff. 1866 p. 371ff. Winkler, Aus der Anomia 
Preller, Gr. Myth. 2, 346. Auch Sophokles im 30 p. 156 (?) = Fränkel, A. Z. 1885 p. 71 f. Drexler.] 
Oed R. und die Phoenissen des Ewripides gehen [Nach Sosiphanes beim Schol. Eur. Phoen. 
nicht auf Chryeippos zurück. Über das weitere 1010 tötete Laios den Menoikeus (s &.). Genea- 
Schicksal des Laios, welches mit den von der logie: Epaphos, Libye», Belos Pbomix und 
Tragödie so vielfach behandelten Geschicken Agenor, Kadmos, Polydoros, Labdakos, Laios, 
des Oidipus verknüpft ist, die Erzeugung des Schol. Eur. Phoen. 291; vgl. 168. Tzetz. Byk. 437. 
Oidipus und die Ermordung des Laios durch Bio Chrysost. or. 10 p. 164:.~1&$ Bindorf. Hofer.] 
den Sohn s. Oidipus. Sophokl. Oed. R. Eur. — [2) Nach Pherekydes und Didymos b. Mar- 
Phoen. 9 ff. Apollod. 2, 5, 7. Biod. 4, 64. Paus. kellinos, Vita Thucyd. 3 Nachkomme des 
9, 5, 5. Mnaseas b. Schol' Pind. Ol. 2, 65. Jl. Philaios (Sohnes des Aias), Vater des Aga- 
Schol Od 11 271. Hyg. f. 66. 67. Nicol. 40 mestor, Grofsvater des ath. Archonten lisandros, 
Baniasc fr 15 b. Müller, Hist. gr. 3 p. 366. also wohl eine halbhistorische halbmythische 
Pseudo-Pisander b. Schol. Eur. Phoen. 1760. Person; vgl. Toepffer, AU. Geneal. S. 278f. 
Vgl noch Aber die Geschichte des Laios Ioann. — 3) S. Elpe Bd. 1 S5. 2899. Röscher.] [Stoll.j 
Antioch. fr. 8 b. Müller, Hist. gr. 4 p. 545. Lairbenos (AaiQßrtvög). Bei Badmler in der 
Oidipus den Laios tötend Inghirami, Mon. Ecr. Nähe des alten Dionysopolis (Ortakeui) in 1 der 
1 66 Als der Ort, wo Oidipus den Laios vom Maiander durchströmten fruchtbaren Ebene 
erächiu» wird nach Sophokles (O. R.) gewöhn- Tschal Ova wurden von Ramsay und Hogarth 
lieh die Schiste in Phokis, im Gebiet von die Ruinen eines kleinen Tempels gefunden, 
Daulis angegeben, wo man auch sein Grab welcher nach den Inschriften einem- mit dem 
zeigte, nebst dem seines Herolds oder Wagen- 50 griechischen Apollon identificierten emheimi- 
lenkers Polyphontes (Apollod., oder Polyphetes sehen Gott angehört hat, B. G. Hogarth, Apollo 
oder nach Pherekydes Polyp*oites, Schol. Eur. Lermenos, Journ. of hell. stud. 8 p. 376—400. 
Phoen 39. Schneidewin, Phüol. 4, 752. Sage Ramsay, Artemis-Leto and Apollo -Lairbenos, 
v Oed. p.13). PaMS. 10, 5, 2. Apollod, 3, 5, 7. 8. Journ. of hell. stud. 10 1889 p. 216-230 und 
• Damasistratos, König von Plataia, soll beide The Ohurch in the Roman Empire before A.B. 
begraben haben. Dies weist auf die Gegend von 170. London 1893 p. 137 f. Nach den In- 
Plataia und dem Kithairon hin, mit dem die Schriften wurde dieser Gott verehrt von den 
Geschicke des Oidipus zusammenhängen, auf Einwohnern von Dionysopolis, Hierapohs, Mo- 
eine Schiste bei Potniai, wohin Aischylos nach tella, Atyochorion; letzteren Ort hält Ramsay 
alter Sage das Zusammentreffen des Laios und 60 für den Namen der zum Tempel von Badinler 
Oidipus verlegte, Schol. Soph. O.R. 733, so dafs gehörigen utäpn, American Journ. of Arch. 4 
Pausanias und Apollodor ohne Arg den Dama- 1888 p. 277. Der von einer Ortschaft her- 
sistratos nach der von Plataia entfernten Schiste genommene Beiname wechselt in der bchreio- 
in Phokis übertragen haben. In der Gegend art beträchtlich. Auf den Münzen von Hiera- 
v'on Potniai wird sich wohl auch ein Grab polis lautet er absolut AcuQprjvos ohne Bei- 
des Laios befunden haben, sowie im Gebirge fügung von 'AnöUav oder Hliog; in den 
Laphvstion südlich von Orchomenos, wo Laios Inschriften AaiQ/irivog, J. H. St. 8 p. 376 1. nr. 1. 
ebenfalls erschlagen und begraben sein sollte. J. H. St. 10* p. 217 nr. 1 (hier absolut, ohne 



1803 * Lairbenos Lairbenos 1804 

Apollon); Aagßrjvög, J. H. St. 4 p. 381 nr, 4; Eine Inschrift von Badinler (J. H. St. i p. 383 
Aagunvög, J. H. St. 8 p. 389 nr. 18; AEiprjvög, nr. 5) berichtet, dafs Apollonios, der Sohn 
J.H. St. 8 p. 385 f. nr/15; Aegprivös, J. H. St. 4 des Menophilos und Enkel des Apollonios aus 
p. 380 nr. 3; lA]v[Qfirjvög, J. H. St. 10 p. 218 Atyochoreion, der Meter Leto und dem Helios 
nr. 2; AviQfirivög, J.H.St. 4 p. 383 nr. 5. Der Apollon Lyermenos eine Stoa errichtet habe. 
Wechsel des Vokals zeigt, dafs sich der Laut Nach Bamsays Erklärung wird der Tempel der 
nicht genau im Griechischen wiedergeben Jiefs. beiden zusammen verehrten Gottheiten in einer 
Bamsay, J. H. St. 4 p. 382 nimmt an, dafs er Inschrift aus Badinler, /. H. St. 10 p. 217 nr. 1 
dem deutsehen ff "entsprochen habe und dafs tö eivfimpov genannt. Im A. J. A. 3 p. 349 
die Gottheit den Beinamen führte entweder io bemerkt Bamsay über dieselben: „The pair 
von einer Örtlichkeit Avgßr] in der Nähe des of deities, mother and son, Leto and Lairbenos 
Fundorts der Inschriften oder von der Stadt Apollon, becomcin Urne the triad Leto, Artemis 
AvQßTj an der Grenze von Isaurien und Pam- and Apollon, mother and daughter in the divine 
phylien. In letzterem Falle, den ich für den nature being distinguished. The Kybele and 
weniger wahrscheinlichen halte , würde der Atys of northern Asia Minor are pröbably in 
Kultus der Gottheit in den phrygischen Städten origin the same pair as the' Leto and Lermenos 
Hierapolis etc. in ähnlicher Weise aus der Ferne of the south'etc." und J. H. St. 10 p. 229 § 31 
eingeführt sein, wie* der der Artemis Pergaia erklärt er bei Besprechung der Priesterfamilie 
in Halikamass, 0. L. Gr. 2656. Bamsay a. a. 0. dieses Kultus : , „ The priests call themselves, 
Die Inschriften nennen ihn vor dem Ethnikon, 20 sometimes at least, priests of Savious Ashkpios; 
welches auch zuweilen wegbleibt,- entweder and they mähe dedications to Zeus Nonouleus 
Apollon, J.H. St. 4 p»381 nr.4._ J. H. St. 8 and to Leto with Apollo Lyermenos: there can 
p. 376 f. nr. 1. p. 378 nr. 5. p. 385 f. nr. 15. be Utile doubt that here the various masculine , 
p. 389 nr. 18. p. 390 nr. 20 (sehr verstümmelt, names denote merely varying aspects of the same 
nur 'Ana vom Namen erhalten). J. H. St. 10 deity, who is closely ahm to the Sozon Tlieos 
p. 223 nr. 9 (nach Bamsays Ergänzung zu of Antiocheia ad Maeandrum, Themissonion, 
'An6X(X)m\vi Ae^rivä statt Hogarths \J. H. St. and the Ormeleis, and to the Men Karou of 
8 p. 389 f. nr. 19] ' Lesung 'An6Xm\vi 'HUm). Attouda, who was a healing god with a medical 
J.H. St. 10p. 223 nr. 11, seltener HeliosApol- school attached to his temple etc.". 
Ion, J.H.St. 4 p. 383 nr. 5. J.H. St. 10 p. 220f. 30 Von den Inschriften des Tempels von Ba- 
nr. 6 (nach Bamsays Ergänzung des Anfangs dinier enthalten die ersten 8 (J.H.St. 8 p. 37? 
ueyi&og] 'HXiovl 'AnöXXUov^ov? statt Hogarths —379. J.H.St. 10 p. 225 § 16) ebenso wie zwei 
[ J. H. St. 8 p. 384 nr.n] Lesung . . . At>Q~\(rj)- aus Sazak (J. H. St. 4 p. 380 — 382 nr. 3. 4) 
liov 'AxoXX\mv£](ov). Bei dem äufeerst ver- Freilassungen von Sklaven durch Weihung 
derbten Griechisch ctieser Inschriften kann die derselben an die Gottheit, ein Brauch, den 
Form 'AnöXlmvov sfatt 'AnöXXwvog nicht allzu- wir besonders in Phokis und Boiotien ver- 
sehr auffallen.). Von Beinamen erhält er das breitet finden, s. oben Bd. 2 Sp. 388. In den 
in der Kaiserzeit häufige Epitheton iniqicivrjg, Personen, welche als fegös oder [eqd bezeichnet 
J. H. St. 8 p. 376f. nr. 1 (Jn6Xlmv[u | Auu>- werden (J. H. St. 8 nr. 12. 15. 18. 20) erkennt 
y,f]vbv &i[ov | tici<pa.vfi %. x. X.) und imcpaveara- 40 Bamsay, J. H. St. 10 p. 224f. § 15 Angehörige 
tog, J.H.St. 8 p. 389 nr. 18 (v\icb zov sni(p\a- der echt asiatischen Bevölkerung, welche für 
vsat]ccTov &tov | 'An6X]Xa>vog AuQ\iirjvov x.z.X.); immer oder auf eine gewisse Zeit im Dienste 
ferner vtyieiog, J.H.St. 10 p. 223 nr. 11 ('Anal]- der Gottheit standen („the same persons who 
Xmvi Ä\ai(jß\r\v\S> \ &eä'v]ipiarq>) und usyug, in the original Anatolian System were hiero- 
J. H. St. 8 p. 386 nr. 15 = J. H. St. 10 p. 222 douloi were now under theGraeco-Boman social 
nr. 7 (Miyag AnöXXm Aei^nvög), vgl. Bamsay, System hieroi"). Eine Anzahl der Inschriften 
The Church in the Boman Empire p. 135ff. ist geschrieben auf Stelen, welche zum ab- 
nr. 8. „Great Artemis". schreckenden Beispiel für einen Frevel seitens 
Zugleich mit ihm wurde die mütterliche der an den Dienst der Gottheit gebundenen 
Göttin Leto verehrt, über deren im Süden und 50 Personen gegen dieselbe in dem heiligen Be- 
Centrum des westlichen Kleinasiens weit ver- zirke errichtet sind, vgl. die allgemeine Cha- 
breiteten Kultus Bamsay vorzüglich, wie immer, rakteristik bei Bamsay, The Church in the Born. 
im American Journal of Archaeology 3 1887 JSmp. p. 137. Die Art der für das Vergehen 
p. 348. 349 gehandelt hat. Apollon Lairbenos verhängten Heimsuchung wird nicht angegeben, 
ist nach Bamsay, J.H.St. 10 p. 217. 228 und nach Hogarths Vermutung (J.-H. St. 8 p. 380) 
The Church in the Born. Emp. p. 137 als ihr erkrankten die Frevler am Malariafieber, wel- 
Sohn aufzufassen. Auf sie bezieht Bamsay, ches in jenem Thale heimisch ist. Die Ver- 
J. H. St. 4 p. 375 nr. 1 und Am. Journ. of Arch. gehen werden auf den Stelen verzeichnet. Da 
3 p. 348 die Inschrift einer Höhle im Gebiet hat die Frau des Agathemeros, während sie 
von Hierapolis <PXaßiavog | 6 aal Movo[ys]- 60 vegä des Gottes war, mit ihrem M&hne die 
v[rj]g svxagiatä rrj &sm, wie sie auch in Dio- Freuden der Liebe genossen, J. H. St. 8 p.381f. 
nysopolis mit dieser Formel: sv%aqi6tm MtjTqI nr. 12 = 10 p. 219f. nr. 4. Ape[lläs], der Sohn 
Arpä, J. H. St. 4 p. 385 = Am. Journ. of Arch. des [Apollo]nios aus- Motella, bezeichnet als 
3 p.' 348 verehr^ wird. Eine von Bamsay, Grund seiner Bestrafung: sitsl ri&iXrjoa intvs 
J. H. St. 4 p. 376 und A. J. A. 3 p. 348 an- usra yvvexog, J.H. St. 8 p. 382/3 nr. 13 = 10 
gezogene Münze von Hierapolis ( Mi. S. 7, 568, p. 220 nr. 5, womit, wie ich vermute, derselbe 
373) nennt die zu Ehren der Leto und des Frevel angedeutet wird, während Hogarih er- ■_ 
Apollon gefeierten Feste AHTC0€IA • TTY0IA. klärt, Apellas habe seine Frau nicht zur Zeit, 



1805 Lairbenos Lairbenos 1806 

wo sie als iiqü auf dem Tempelgebiet wohnen Rh. Mus. 43 p. 669—682, bes. p. 670 Anm. 1. 
sollte, dorthin ziehen lassen. Andere Personen ß. Schubert, Herodots Darstellung der Cyrus- 
haben im Zustand der Unreinheit das heilige sage. Breslau 1890] in vielen Sagen vorkommt); 
Tempelgebiet betreten , J. H. St. 8 p. 383 f. Mi. 4, 297, 687. Cat. BoUin et Feuardent 2, 398, 
nr. 14 = 10 p. 220 ff. nr. 6; 8 p. 387 f. nr. 16 6102; Kgl. Münzkabinett in Berlin; die Auf- 
= 10 p. 222 f. nr. 8. Wieder ein anderer hat schrift AKTIA nebst Stern in einem Lorbeer* 
das Fleisch einer nur zum Reinigungsopfer kränz, Mi. 4, 298, 591; zwei verschlungene 
bestimmten Ziege genossen, J.H.St.8 p. 387 ff. Hände, Symbol der Homonoia von Hierapohs 
nr. 17 = 10 p. 229 § 30. Sosandros aus Hiera- und Smyrna, JBev. num. 3° ser. tom. 2_ 1884 
polis hat falsch geschworen und trotz seiner 10 p. 15 nr. 4. Auf einigen Münzen verzeichnet 
dadurch verursachten Unreinheit den Tempel Mionnet statt der Beischrift AAIPBHNOC bei 
betreten J. E St 10 p. 217 nr. 1. Im Zustande dem Haupte des Gottes die Beischrift APXH- 
der Unreinheit den Tempel zu betreten war T6THC, Mi. 4, 297, 585. S. 7, 569, 380. 570, 381. 
auch verboten in dem von dem Lykier Xan- Zuweilen erscheint das Strahlenhaupt auch ohne 
thos in Attika eingerichteten Kultus des Men Beischrift, Combe, Veterum populorum et regum 
Tyrannos, Foucart, Assoc. relig. p. 219 f. nr. 38 numi qui in mus. Brit. conservantur p. 196 nr. 2 
Z. 5— 7, p. 122ff. Weitere inschriftliche Bei- Tab. 11 fig. 18. Dumersan, Cab. Ällier de Hau- 
spiele , 'in welchen kleinasiatische Gottheiten, teroche p. 102. Imhoof, Monn. gr. p. 401 nr. 109. 
wie Sabazios, Apollon Theos Bozenos, Anaitis, Mi. S. 7, 569, 379. _ 
Meter Phileis Strafen für Vergehen verhangen, 20 Ramsay, J. H. St. 10 p. 219 erkennt den 
hat Ramsay, J. H. St. 10 p. 225 ff. § 17 ff. zu- Gott auf einem kleinen Relief ohne Inschrift 
sammengestellt. • in Develar in einer reitenden Figur mit der 
Das strahlenbekränzte Haupt des Gottes Bipennis über der Schulter. Ebenso ist dar- 
kommt mit der Beischrift AAIPBHNOC auf gestellt Apollon Lairbenos zu Rofs mit der 
dem Obv. zahlreicher Münzen von Hierapolis Bipennis auf der Rückseite von Münzen von 
vor deren Rev. verschiedene Typen zeigt: Hierapolis, deren Vorderseite bald die Büste 
Apollon Kitharödos mit Lyra und Plektron, der BOVAH, Berlin, Kgl. Münzkabinett, Mi. S. 
hinter ihm Lorbeerbaum, Imhoof - Blumer, 7,568,374. Ramus , Cat. n. v. regis Baniae 1 
Monn. gr. p. 401 nr. 108. Mi. 4, 298, 590 (ohne p. 286 nr. 2. Cat. Rollin et Feuardent 2 p. 398 
Baum); eine auch auf anderen Münzen der 30 nr, 6101 , bald die der TGPOVCIA, Berlin, Kgl. 
Stadt häufig erscheinende weibliche Gottheit, Münzkabinett, Combe, Mus. Brit. p. 196 nr.l. 
sitzend auf einem Stuhl, die L. auf einen Mi. 4,298,592. Cat. Greppo p. 161 nr. 1159. 
mnden Gegenstand aufgestützt, mit der R. L. Müller, Musee Thorvaldsen p. 220 nr. 1658. 
eine vor ihr aufgerichtete Schlange fütternd, Cat. Rollin et Feuardent 2 p. 398 nr. 6104, bald 
auf dem Haupt eine Art Kalathos, hinter ihr die des S6YC • BOSIOC, Imhoof, Monn. gr. 
das Bild des Telesphoros, Eaym, Thes. Brit. p. 401 nr. 106a. Mi. S. 7, 569, 375. Cat. Ivanoff 
2 p. 131 nr. 1 Tab. 14, 5. Sestini.D. N.V. p. 465 nr. 588. Millingen, Recueil PI. 4,11 zeigt. Auch 
nr. i = Rasche S. 2 p. 1392, 14. Mus. Sandern. auf den Kaisermünzen (vgl. Mi. S. 7, 571, 386, 
n. s. 1 p. 200. Sestini, Mus. Hedervar. 2 p. 346 so unter Nero, Berlin, Kgl. Münzkab., Imhoof, 
nr. 6. Mi. 4, 298, 588. 589. Tristan, Comment, io Monn. gr. p. 403 nr. 112. Gr. Münzen p. 739 
hist'z p. 333 = Gefsner, Num. Impp. 158, 9 nr. 698. Cat. de Moustier p. 33 nr. 518 und M. 
und Num. Gr. Pop. 25, 27, sowie Rasche 2, 2 Aurel, Mi. 4, 303, 622) erscheint dieser Typus, 
p. 273 nr. 13, in welcher die meisten, z. B. Die Numismatiker bezeichnen die reitende 
Vaillant, N. Gr. p. 127. 162. 165. Montfaucon, Gottheit mit der Bipennis fast immer als Ama- 
L'ant expl. 1, 2 PL 191, 2. Haym, Sanclemente, zone. Dagegen erhebt mit Recht Einspruch 
Waddington, Rev. num. 1851 p.172 nr.l PI. 9,2. Ramsay, J. H. St. 10 p.219 und erkennt den 
Panofka, Asklepios u, die Asklepiaden p. 323. lydo-phrygischen Sonnengott, welcher in dieser 
356 Taf. 2, 10.* Wieseler, DenJcm. d. a. Kunst Gestalt auf den Münzen zahlreicher Städte Ly- 
2 5. p. 5 Taf. 61, 791 Hygieia, andere wie diens und Phrygiens, z. B. auf denen der Mo- 
Sestini, Fr.Lenormant, Cat. Behr p. 129 nr.729. 50 stener (Lajard, Rech, sur le cuXte du cypres 
Mionnet u. Cavedoni, Spie. num. p.238 Anm. 207 pyramidale PL 4, 2. 3) abgebildet ist. Dafs 
(letztere beiden aber auch Hygieia zulassend) die vermeintliche Amazone eine männliche 
Kybele erkennen, welche als Heilgöttin mehr- Gottheit sei, erkannte schon Gerhard, Arch. 
fach bezeugt ist, und deren Priester allein es Zeit. 12 Sp. 212, welcher Taf. 65, 2 auch eine 
wagen konnten, die unter dem Apollontempel Münze von Hierapolis mit dem reitenden He- 
in Hierapolis befindliche mit todbringenden lios Lairbenos abbildet; nur hielt er den 
Gasen erfüllte Orakelgrotte im JIXovzcoviov Gott für Men. Vor kurzem hat Pick {Zwei 
zu betreten (Rohde, Psyche p. 198 Anm. 2) ; ferner neue Medaillons von Thyatira (S.- A. aus Num. 
die geflügelte Nemesis mit Wage, Geifsel (?) Zeitschr. 1891) Taf. 4, 1. 2] in der Gott- 
undRad, Num. Zeitschr. 41872 p.238 Taf.10,3; 60 heit mit Strahlenkranz und Doppelbeil (auf 
Selene mit einer Fackel in jeder Hand auf nr. 1 auf einem Viergespann, auf nr. 2 an einem 
einem Zweigespann, Imhoof, Monn. gr. p. 401 flammenden Altar stehend) auf Münzen von 
nr. 107. Coli. F. Bompois p. 139 nr. 1687 („Ar- Thyatira nicht eine Amazone, sondern den 
timis"}\ Wölfin, ein Zwillingspaar säugend, nqonärmq &s6? "Hkwg üvd-iog 'AitoXXatv Tv- 
( welches ich absichtlich nicht Romulus und Qifivaiog oder TYPIMNOC erkannt. Reitend, 
Remus nenne, da die Ernährung eines aus- mit dem Doppelbeil erscheint auch der 'AnöX- 
gesetzten Kindes oder Kinderpaares durch ein Xav &eog Bofrvög auf einer Votivstele von 
weibliches Tier [Trieber, Die Romulussage, Kula, Kgl. Museen, Beschr. d. ant. Skulpt. 



kim&ww^™****®^ 



*y "HlPtf " ' ^ js^wimm *™»^ 



1807 



Lairbenos 



Lairbenos 



1808 



p. 252 ni. 680, und als Abzeichen den. 'AnöX- 
liov TctQßsvg schmückt eine gleichfalls ans 
Kula stammende Votivstele (ebenda p. 252 
nr. 681) das Doppelbeil gerade so wie als Ab- 



dem Haupte der I6PA • CYNKAHTOC, Mi. i, 
299, 601, und des Augustus, Mi. 4, 300, 607 
dargestellt. Das merkwürdigste Denkmal aber, 
welches diesen Gott in Verbindung mit dem 




zeichen des Apollon Lyrmenos eine Stele ni 
Ortakeui, Bamsay, J. H. St. 10 p. 218 nr. 2. 
Auch stehend, in kurzem Gewände, eine Schale 
in der E., das Doppelbeil in der L. wird Apol- 
lon Lairbenos auf Münzen von Hierapolis "mit 



Doppelbeil zeigt, ist eine Münze des Augustes 
von Hierapolis mit der Reversaufschrift MA- 
TPO | ATTOAAQ | lEPATTOAlTßN. Hier ist die 
Bipennis von einer Schlange umwunden auf 
eine Art Basis gestellt und läuft oben in das 






1809 Laispodias Laistrygones 1810 

Strahlenhaupt des Helios aus, Prokesch- Osten, ersten Bild treffen die Gesandten, inschriftlich. 

Arch. Zeitung 1845 Taf. 32, 61. Panofka, As- als Antilochos, Anchialos, Eurybates bezeichnet, 

klepios u. die Asklepiaden Taf. 7, 13 p. 340. 358. mit der Königstochter zusammen, auf dem 

Zur Erklärung der Schlange dient vielleicht zweiten ruft Antiphates die Laistrygonen 

Bamsays oben angeführte Bemerkung über die herbei und der Kampf beginnt; daB dritte 

nahe Verwandtschaft des Apollon Lairbenos mit zeigt das grause Morden und Zerstören der 

Asklepios und Men als Heilgott. Ohne den Kopf Schiffe, das vierte die Flucht des Odysseus. — 

erscheint die schlangenumwundene Bipennis Ansätze zur Weiterbildung des Überkommenen 

auch auf einer Münze des Nero mit der Auf- finden sich nur gelegentlich, wenn z. B. die 

schrift IYIAAIOX • ANTIÖXOY • IEPATTOAITON, 10 Laistrygonen Söhne des Poseidon heifsen 

Mi. 4, 302, 616 und als Beizeichen auf einer (Gell. Noct. AU. 15, 21. Cornut. c. 22 p. 131 

Münze desselben Kaisers links im Felde neben Osann), .wenn ein Stammvater Laistrygon 

einem Füllhorn mit Früchten und Band, Kenner, erwähnt wird, dessen Tochter Telepatra oder 

Num. Zeitschr. 4 p. 239 Taf. 10, 4. Imhoof, Gr. Telepora mit Aiolos vermählt ist (Schol. Od. 

Münzen p. 739 nr. 697. [Drexler.'J 10, 6. Apostol. 1, 83; vgl. SU. Ital. 14, 126. 

Laispodias (AaianoSCag), evioi Si zov 'AI*.- Biet. Cret. 6, 5), oder wenn Herakles im Ver- 

fiseava <ari&rjeuv lsyeo&ai,Hesych. Hängt hier- lauf des Geryoneusabenteuers auch mit den 

mit die Glosse - des Hesych. Avxojcotieg (vgl. Laistrygonen siegreioh gekämpft haben soll 

Arist. Lys. 664) oi 'Ai.K[iai(aviäai zusammen? (Lykophr. 662 nebst Paraphr., Schol. — auch 

[Höfer.] 20 zu 659 — und Tzetz.). — Als .Heimat des 

Laistrygon s. Laistrygones. wilden Volkes betrachtete man im Altertum 

Laistrygones (Aaiatgvyiveg), das homerische zumeist Sicilien (Thukyd. 6,2. Steph. Byz. 

Volk der Riesen und Menschenfresser, Odyss. AaiazQvyovsg. Lykophr. 662 ff. u. 956),, und 

10,81 — 132.199; 23, 318fi. Von der Aiolos- zwar speziell die Gegend von Leontinoi, Theo- 

Insel gelangt Odysseus nach sechstägiger Fahrt pomp. fr. 249 (Polyb. 8, 11, 13). Strabon 1, 20 

zur Stadt des Lamos, zum laistrygonischen (vgl. 22.40). Schol. Od.10,86. ii'tts/atft.p. 1649,15. 

Telepylos (nach Schol. Od. 10, 81—82. Schol. Paraphr. u. Schol. Lyk. 669. 950. Hesych. Sil. 

Arist. Poe. 758. Suid. und Hesych. s. Aäfiog Ital. 14, 33. 125; hier lag auch daa laiatrygo- 

schwankten einige", ob Laistrygonie, Telepylos nische Gefilde, Polyaen. 5, 6 (ntS(ov AuiatQv- 
oder gar Lamos der Name der Stadt sei). Es ist 30 yäviov). Plin. 3, 89 (Latstrygonii campt). Solin. 

eine [nordische ?] Wundergegend, in der Tag und 2,26. Die Kömer suchten die Stadt des Lamos 

Nacht so eng verschmelzen, dafs der abends in Italien, in Formiae, Cic. ad Attic. 2, 13, 2. 

heimkehrende Hirt bereits den des Morgens aus- Horaz, Carm. 3, 17 und 3, 16, 84. Plin. 8, 69 

ziehenden Hirten unterwegs trifft: wer keines (7,9). Solin. 2,22. Sil. Kai. 7, 276, 410; 8,631; 

Schlafs bedürfte, könnte hier doppelten Lohn vgl. Ovid Met. 14, 233. Daneben aber gab es 

verdienen. In dem geräumigen Hafen , einer noch weit abweichende Meinungen je nach dem 

Felsenbucht mit enger Einfahrt, gehen die Gesamturteil über die umstrittene Frage der 

Schiffe der Gefährten vor Anker, Odysseus homerischen Geographie, worüber in dem Arti- 

allein landet außerhalb und schickt alsbald kel Odysseus das Nähere erörtert werden _ 
zwei Genossen mit einem Herold vom menschen- 40 wird; die einen leugneten die reale Existenz 

leeren Gestade zur Stadt. Ihnen begegnet, im der homerischen Fabelvölkor. andere wiesen sie 

Begriff von der Quelle Artakia Wasser zu holen, in das äufsere Meer, zum Okeanos u.a. Für 

die Tochter des Laistrygonen Antiphates und sich allein betrachtet, bietet die homerische 

geleitet sie, nach dem König des Landes be- Schilderung des Laistrygonenabenteuers zwei 

fragt, in das Haus ihres Vaters. Sofort wird feste Punkte einstiger Orientierung. Die Quelle 

Antiphates herbeigeholt, er ergreift ohne Zögern Artakia führt nach K y z i k o s , dessen rrjysrtin 

einen der Griechen, schlachtet ihn und ruft (Ap. Rh. 1, 942ff. Schol. Ap. 1, 948. 989. 996 

die Laistrygonen zur Verfolgung der Fremden nach Herodor, Polygnostos, BeÜQchos) oben- 

zusammen. Den Giganten an Gröf Begleichend, drein die beste Parallele bilden, Kirchhoff, 
stürmen diese zum Hafen, morden die Griechen, 50 Monatsber. d. Berl. Akad. 1861 p. 676. Odyssee* 

schleudern gewaltige Steine aufdieSchiffe p. 288. [Klausen, Aeneas u. d. Pen. 99. Maxim. 

und vernichten die ganze Flotte. Odysseus Mayer, Giganten und Titanen 40. 126. R'.*)] 
allein entkommt mit seinem Schiff. — Homers n Beachtenswert erscheint »..oh die Thatsaohe, dah 

Schilderung ist SO eingehend, dafs weder die bil- die Laistrygonen in mehreren Boiieaungen auffallend 

dende Kunst noch die Poesie wesentliche Züge mit den homer. Kykionou (s. d.) ubsreinitimmen. Wie 

hinzufügen konnte. Wo das Abenteuer des diese sind auch sie Menschenfresser, Bleien, Söhne des 

Odysseus zusammenhängend erzählt wird (z B Poseidon und schleudern gewaltige Steine, auoh sie wer- 

bei Ovid Met. 14, 233ff. Hyqin fao. 125), wo , den bei ^»"t™ 1 °°« formiae lokalisiert. Wie die 

«,,j J4„„«„ „j« z ry ~~ . . u • i kurzen Nächte der LaiBtrygonen, bo scheiut auch die 

auf diesen oder jenen Zug angespielt wird Einäugigkeit der Ky kio P en,di e .ich sonst nur bei den 
(z. B. Herodtk. b. Athen. 5, 192 b. Paus. 8, 29, 2; co Arimaapen flndet) , uf den mmt don muesischen Kolo- 

10,22,7. Tibull 4, 1, 59. Ovid ex Pont. 2, 9, 41. nisten bekannt gewordenen hohen Norden hinzu- 

Ib. 390. luven. 15, 18), weist alles auf die allen deuten. Ihr Unterschied von den Kyklopen besteht nur 

bekannte Quelle. Dasselbe gilt für die vier darin, dafs sie nioht wlo diese einäugig sind und eine 

prächtigen Laistrygonenbilder vom Esquilin stadt bewohnen, wahrend die homer. Kyklopen ein reines 

K.Woermann, Die antiken Odyssee - Land- Hirtenleben führen ( 8 . Kyklopen) Wie die Kyklopen- 

schaften Taf. 1-4. Engelmann, Bilder-Atlas ^^^^^^^'^ £ 

Zum Homer, Odyss. 7—8 (zwei auch bei Ger- Laistrygonenmythus ionisch zu sein, da er deutliche Be- 
lara, Arch. Zeitg. 1852 Taf. 45 — 46): auf dem Ziehungen zu Leontinoi, Formiae, (Kyme)«nthält. Koscher.] 



1811 Lakaina Lakios 1812 

Die Erzählung von der Verschmelzung von mahl der Sparte (Schol. Eur. Or. 615), der 
Tag und Nacht (die verschiedenen Erklä- Tochter des Eurotas, Vater des Amyklas 
rangen bei Martin, Annuaire de l'assoc. p. (Paus. 7, 18, 4. Schol. Find. P. 3, 14. Eustath. 
l'encouragement des etud. gr. 1878 p. 22 ff. Dion. Per. 418), der Eurydike (Apollod. 2, 2, 2. 
und Hergt, Quam vere de Ulixis erroribus Paus. 3, 13, 6. Pherekydes b. Schol. Ap. Eh. 
Eratosth. iudieaverit, Erlang. Dissert. 1887 4, 1091), der Gemahlin des Akrisios, und der 
p. 20 ff.) weist auf die Gegend der kurzen Asine (Steph. B. v. 'Aaivrj) ; König von Lake- 
Nächte, auf den hohen Norden, wie bereits daimon, das nach ihm benannt war, Apollod. 
Kraus erkannt hat {Schol. Od. 10, 86. Eustath. 3, 10, 3. Paus. 3, 1, 2. 3. Hyg. f. 155. Hellanikos 
1649, 33. Schol. Arat. Pfiain. 62. Gemin. elem. lo b. Schol. II. 18, 486. Schol. Od. 6, 103. Tzetz. 
astron.h. Nitzsch, Erklär. Anw,, zu Hom. Od.3, Lyk. 219 p. 489 Müll. Nonn. Dion. 32, 66. 
100 ff. Lauer, Litterar. Nachlaß 1, 293ff.); Steph. B. v. AaKsSaificov. Er sollte das Heilig- 
ohne Kritik sind die beidenLokalisierungen ver- tum der Chariten Kleta und Phaenna zwischen 
einigt, vgl. von Wilamowitz, Homer. Untersuch. Sparta und Amyklai gegründet haben, Paus. 
S. 168. Über die sonstigen Annahmen neuerer 3, 18, 4. 9, 35, 1. Sein Heroon bei Therapne, 
Gelehrter vgl. den Artikel Odysseus. S. auch Paus. 3. 20, 2. Curtius, Pelop. 2, 249. 319, 
Maafs, Gott. Gel. Anz. 1890, 347. Eine alle- 49. Wide, Lakonische Kulte 355. Nach Plut. 
gorische Erklärung des Laistrygonenabenteuers de fluv. 17 hiefs ein Sohn des Lakedaimon 
giebt der Anonym, de Ulix. erroribus 4 Wester- und der Taygete Himeros, der sich aus Reue 
mann, Mythogr. p. 333 f. Der Name wird er- 20 über einen Frevel gegen seine Schwester in 
klärt als 6 äätjcpäyog von Xittv atvynv (Etym. den Flufs Marathon stürzte, welcher nach 
Gud. 361, 6), als die „Starkverzehrenden" von ihm Himeros und später Eurotas genannt ward. 
Xa, Hat. — tqvxsiv, zqvysiv (Ameis, Hom. Od. Curtius, Pelop. 2, 216. Gerhard, Gr. Myth. 2 
10, 82 und 86 Anhang), als „Starkbrummer" § 834, Stammtfl. p. 239. Deimling , Leleger 
von Xa-tgv^t.v (vgl. Lauer a. a. 0. 298), als p. 118. 225. [Dictys 1, 9. Eust. ad Hom. IL 
„Räubersöhne" = XrjiarriQoyovoi (Doederlein, 1155,52. Höfer.] — 2) In Sparta wurden Zeus 
Hom. Glossar, nr. 2262). Vgl. Lamos u. Lamia. Actus dctinwv und zugleich Zeus OvQclviog ver- 
[G. Fehleisen, Korrespondenzblatt für die Gel. ehrt, deren Priester die beiden Könige waren, 
und Realschulen Württembergs 1893, 3/4, 158ff., Herodot 6, 56. Preller, Gr. Myth. 1, 119. 
vgl. Wochenschr. f. Mass. Philol. 10 (1893) 30 fStoll.] 
nr. 48, 1323, will Hom. Od. 10, 116f. und 124 Lakeites (?), Beiname des Apollon in einer 
streichen, da die Laistrygonen nach der vor- Inschrift von Pyla auf Kypern, Cesnola, Cypem 
hergehenden Schilderung unmöglich auf der p. 372 nr. 11. Bei Colonna- Ceccaldi, Bev. arch. 
niedrigsten Stufe der Kultur, die durch das n. s. 27 1874 p. 92 nr. 4 zeigen die Majuskeln 
Mensehenfressertum angezeigt werde, stehen ATTOAAQNI AAKCTTHI. [Drexler.] 
könnten, —.wohl schwerlich richtig! Die Lakestades (Aaxeazüdrig), Sohn des von Aga- 
homerische Erzählung geben ferner wieder memnon zum Vasallen gemachten sikyonischen 
Apollod. fr gm. Sabb. Rhein. Mus. 46 (1891), Königs Hippolytos. Nachdem Phalkes, der 
177, 21 ff. Schol. Ov. Ibis 388; vgl. Auson. Sohn des Herakliden Temenos, Sikyon ein- 
Perioch. Odyss. 10 p. 397 Peiper. Tzetz. Lyk. 40 genommen hatte, regierte Lakestades gemein- 
664. 818 p. 804. Höfer.] [Jessen.] sam mit diesem, Paus. 2, 6, 4. Gerhard, Gr. 

Lakaina (Aäitaiva) heifst Helena bei Eur. Myth. 2 p. 239. fStoll.] 
Andr. 486; vgl. Hek. 441. Troad. 34. Orest. Lakinios (Aa%iviog; auch Adxivog b. Schol. 
1438. Diog. Laert. 1, 1, 8, 32. Hör. ca. 3, 3, Theokr. und Serv.), krotonischer Heros und 
25. 4, 9, 16. Propert. 3, 7 (15), 13. Senec. König, der dem Vorgebirge Lakinion den 
Agam. 704. Val. Flacc. 7, 160. Auson. p. 77 Namen gab und daselbst der Hera Lakinia 
ed. Peiper; bei Eur. Iph. Taur. 806 wird einen Tempel baute, Steph. B. v. Aaniviov. 
Klytaimestra Aä-naiva Tvvdagig genannt Tzetz. Lyk. 856. — Serv. V. Aen. 3, 552. Et. M. 
(vgl. Senec. Ag. 736), und Andr. 29 führt Her- 555, 17. Seine Tochter Laure, nach welcher 
mione, die Tochter der Helena, den Bei- 50 die Stadt Laure im Gebiet von Kroton den 
namen Aunuiva, vgl. Ariüag rjjs Auxui'vrig, Schol. Namen hatte, war Gemahlin des Kroton, Tzetz. 
Lucian. p. 64. — [2) Name eines Hundes des Lyk. 1006. — Schol. Theokr. 4, 33 nennt ihn einen 
Aktaion, Hyg. fab. 181. K. Keil, Anal, epigr. Kerkyräer, der den flüchtigen Kroton (s. d.) 
et onomatol. p. 187 f. will auch den Schol. II. 22, aufnahm. Er wird ein Räuber genannt (Sohn 
29 als Namen eines Hundes des Aktaion über- derKyrene?), der von dem aus Erytheia zurück- 
lieferten Hundenamen "Alnaivu in Aäv.uivu kehrenden Herakles getötet ward, weil er ihm 
ändern, und Jeschonnek, De nominibus quae Rinder gestohlen oder ihm die Aufnahme ver- 
Graeci pecudibus domesticis indiderunt p. 5 f. sagt und ihn zurückgeschlagen hatte. Herakles 
stimmt ihm bei. Dagegen verwirft Bergk, Z. f. gründete, nachdem der Ort des Mordes ge- 
d. A.-W. 1850 Sp. 403 Anm.* diese Änderung 60 sühnt war, hier einen Tempel der Hera La- 
Keils und nimmt mit Unger, Paradoxa Theb. kinia, Diod. 4, 24. Serv. a. a. 0. Klausen, 
1 p. 378 an, dals hier derselbe Hund gemeint Aeneas u. d. Pen. 460 ff. Preller , Gr. Myth. 
sei, welchen Ovid, Met. 3, 217 und Hyg. fab. 1, 130. 2, 215. ^{lamblich. vit. Pythag.\ 50 
181 Alce nennen. Baecker, De canum nom. p. 35 ed. Nauck. Höfer.] [Stoll.] 
Gr. p. 31 erklärt Bich gleichfalls gegen Keils Lakios (Aäuiog), 1) ein attischer Heros, nach 
Vorschlag. Drexler.] [Höfer.] welchem der attische Demos Lakiadai benannt 

Lakedaimon (Aaiisäaifuav), 1) Sohn des Zeus war; sein Heroon befand sich an der heiligen 

und der Taygete, der Tochter des Atlas, Ge^ Strafse nach Eleusis, Paus. 1, 37, 1. Toepffer, 



1813 Lakon Lamaveha 1814 

AU. Gental. 248. \K. 0. Müller, Prolegomena göttin auf einem Bronzespiegel unbekannten 

p. 138 f. Welcher, Der ep. Cyclus p. 209. Fr. Ursprungs und Verbleibs, neben dem Sonnen- 

Lenormant, Monographie de la voie sacree gotte (aplun = 'AnölAmv, s. d.). Beide Gott- 

eleusinienne ehap. 3. Le deme des Laciades heiten sind als Büsten roh skizziert, über ihren 

p. 197 — 226,T>es. 200 ff. Drexler.] — 2) Gründer der Häuptern Halbmond und Stern, zwischen ihnen 

Stadt Phaseiis auf der Grenze von Pamphylien der Brdnabel (?); s. Inghir., Mon. etr. 2, 370 

und Lykien. Als er mit seinem Bruder Anti- t. 33. Lajard, Ann. 13 =1841 p. 234. Gerhard, 

phemos ' das delphische Orakel befragte, er- Etr. Sp. 3, 33 t. 45, 1. Über d. Gotth. d. Etr. 

hielt er den Befehl, nach Sonnenaufgang zu p. 575 nt. 91; t. 2, 2. Gerhard, Ges. Ak. Abh. 

fahren, der Bruder nach dem Untergang, und 10 Taf. 35, 1. Boscher, Selene u Verw. S. 15. 

so gründete Lakios Phaseiis, Antiphemos Gela Fabr. C. I. I. 2473 Gl. 1 col. 993 — 994 (mit 

in Sicilien, Aristainetos b. Steph. B. v. Ttla; Abbildung). Bugge, Etr. Fo. u. St. 4, 227 

vgl. Et. M. p. 225. Ähnliches bei Steph. B. (s. auch p. 112) deutet den Namen als l'Iana 

v. ralsärcu. Er erkaufte der Grund und Boden (V = Artikel). Mit Ovid's Nymphe Lala 

für seine Gründung mit Salzfischen, Heropythos (Fast. 2, 585 ff.) hat er kaum etwas zu thun 

b. Athen. 7, 297 e; s. Kylabras. Philostephanos (s. Lara). — 2) *= Lara (s. d.). [Deecke.] 

b. Athen. 7, 297 f nennt ihn einen Argiver Lalan (lalan), etruskischer Göttername, s. 

(andere einen Lindier aus Rhodos), der auf Laran. [Deecke.] 

Weisung der Manto, der Mutter des Mopsos, Lalos (AdXoe), ein Troer, von dem Ätoler 
von diesem zur Gründung der Kolonie aus- 20 Thoas erlegt, Quint. Sm. 11, 90. [Stoll.] 

gesandt ward. Lakios ist kretischer Name Lamache (Aap,ü%rj), Lemnierin, welche mit 

für Rhakios (Hesych. Xüktj, qäKrj, Kgrixeg), und dem Argonauten Euphemos den Leukophanes 

er ist identisch mit dem Kreter Rhakios (der Zer- zeugte, den Ahnen des Battos, des Gründers 

lumpte), welcher zu Kolophon, wo das klarische von Kyrene, Schol. Pind. P. 4,455 (wo Mu- 

Orakel war, die von Delphi dorthin geschickte lajpj steht), Boechh p. 371 n. 4. Tzetz. L. 886 

Thebanerin Manto heiratete. Lakios ist in (p. 859 Mull.). [Vgl. Maaß, Gott. Gel. Ans. 

Wirklichkeit weder für einen Lindier zu nehmen 1890 S. 353. 358. R.] [Stoll.] 

noch für einen Argiver (Rhodos war von Do- Lamas (Aäfiag), einer der Freier der Pene- 

riern aus Argos kolonisiert); sondern „er ist lope aus Dulichion, Apollod. fr gm. Sabba.it. 
ein ideales Wesen, und wahrscheinlich eine 30 121a. Bhein. Mus. 46 (1891), 179, 24. [Höfer.] 

Personifikation des klarischen Orakels, welches Lamaveha J oder Lamavehae? In der In- 

bei der durch Rhodier ausgeführten Gründung schrift Brambach, C. I. Bhen. 408 (Köln) La- 

von Phaseiis mitgewirkt haben mochte", Müller, mave | rus leg . .i \m .. .in | v | v s l m 

Dor. 1,113. 226. [Immisch, Klaros § 4 p. 141 ff. ist allem Anscheine nach in der ersten Zeile 

Drexler.] [Stoll.] der Name der Gottheit oder der Gottheiten, 

Lakon (Aä-nmv), 1) Sohn des hellenischen an welche die Dedikation gerichtet ist, enthalten. 

Königs Lapathos, Bruder des Achaios, denen DeWaal (Myth. sept. mon. epigr. lat. Trajecti 

der Vater vor seinem Tode seine Herrschaft ad Rh. 1847 S. 95 zu nr. 134) vermutete in Lamave 

teilte, worauf der eine sein Teil Lakonike, der eine weitere Spur des in der Inschrift Bramb. 
andere Achaia nannte. Einige Geschlechternach 40 2028 (S. XXVII) genannten Gottes Halamardus 

Lakon kam Thestios zur Herrschaft, der Vater (s. d. Bd. 1 Sp. 1817f.; er nahm also an, dafs 

der Leda, Ioann. Antioch. fr. 20 b. MülTer, Fr. die Inschrift am Anfange verstümmelt sei, und 

hist. gr. 4 p. 549. — 2) Ein Hund des Aktaion, verband die Silbe ve mit rus der folgenden 

Syg. f. 181 — [3) Beiname des Ares, Anth. Zeile). J. Becher (Jahrbücher des Vereins v. 

app. ep. add. II 198 c, 1 Cougny. Drexler.] Alterth.- Freund, im BheM. 15, 1850 S. 85 f.) 

[Stoll.] meinte, dafs in dem Lamave nichts anderes 

Lakos (Aäxos, unsichere Lesart, Graefe: angedeutet liege als die Matronae Hamavehae 

Avxog), Sohn des Hermes und der Iphthime, (vgl. über diese Bd. 1 Sp. 4 827 und unten d. Art. 

einer Tochter des Doros, Herold unter den Matronae); c es steht demnach Lamave für Ha- 
Satyrn, Norm. JDion. 14, 112. [Stoll.] 50 mave(his)'. Es liegt auf der Hand, dafs eine 

Lakydon, Personifikation des Hafens ^ von solche Annahme unstatthaft ist; an einen Zu- 

Massilia. Obolen dieser Stadt zeigen ein Jugend- sammenhang mit den Hamavehae liefse sich 

liches Haupt mit Stierhorn über der Stirn, be- nur unter der Bedingung, dafs die Inschrift 

gleitet von der Beischrift AAKYAQN. Mionnet falsch gelesen worden ist (L für H), denken 

beschreibt dasselbe 1, 73, 144 als „Tete de (Brambach hat die Inschrift selbst nicht ge- 

femme", Suppl. 1,137,59 Anm. a, PI. 1, 10 er- sehen, er giebt sie nach Lersch, Centralmus. 

kennt er darin den Rhodanos. Die Deutung rheinländ. Inschriften 1 S. 23 nr. 17). Ist die 

auf den Hafen Lakydon fand Baoul-BocheUe, Lesung Lamave aber richtig, so kann man im 

Essai sur la numismatique terentine, Mim. de Hinblick auf ähnlich gebildete Götternamen 
VAc. des Inscr. et B.-L. tom. 14b 1840 p. 399 60 in der Inschrift eine Göttin Lamaveha oder 

Anm. 1. Sie wird gebilligt von Babelon, Bev. mit Brambach (C. I. Bhen. Indices S. 381) 

num. 3« se"r. 6, 1888 p. 496 in der Anzeige Lamavehae, diese letzteren vielleicht zu den 

des Werkes von J. Laugier, Les monnaies mos- Matronen gehörig, vermuten (ähnliche Namens- 

saliotes du Cab. des med. de Marseille, während bildungen: vor allem Hamavehae; ferner Bil- 

letzterer, wie ich aus Babelons Worten sehliefse, düngen wie Aserecinehae, Atufrafinehae , Ax- 

das Haupt des Apollon zu erkennen glaubt. singinehae, Cuchinehae, Guinehae, Mahlinehae, 

[Drexler.] Octocanehae u. s. w. ; Mediotautehae, vgl. M.Ihm, 

Lala (lala), 1) etruskischer Name der Mond- Der Mütter- oder Matronenkultus u. seine Denk- 



1815 Lumbimudo. L.mbr.indos 1816 

Zeusgestalt, welche indem von Mylasa etwa Scepter so unter Antomnus ^Mu b 
60 Stadien entfernten Labranda einen alten 10 511, 372, ^P™ s SST 6 ^ 512 ^ 77 Häufig . 
Tempel hatte welcher mit der Stadt durch Su>pl p. 70 Geta^f ».-& 6 512, 37J ^g 
eine für die Prozessionen bestimmte heilige ist er in ^««J Bind weldl / zuers t 
Strafse verbunden und vermutlich der Mittel- g e ! M1 .^' u j™ ' ^f. 1Rg „ g' 28 4 richtig als- 

p. 659. Newton A hrst.of discovenes at Hah- b s ™™ ™ e ls an die Gottheit aus- 
eamassus, Cnidus and Branchida « «. 1 P- £• ^Lken vgl Lieferet, am- FoBtofaMute p, 305 
15. 33; 2, 2 p. 611-619. Perrot, Jfe*. de lart dm ™ e %Zf^ l ™ de Fc ^ m <, p . sl0 - wenn nicht 
dansl'ant. 5 p 312. PapaUk ^^^jo- 2 o -«O^ZtoJgj«* dadurch gehindert werden 

Iswg SxQarovniiias y. 24— f\- , ™, ' ., ^ , on n ^,'o Stadt ihrer Verehrer zu verlassen, 
Lydiae q uesacerdotibus,Jahrbb.f.M.Pbü.Su PP l. s^oll, ^ Stadt Arer^Vereh ^^ g ^ ^ 

B 'DieC Lambraundos ist die älteste, da Der Tempel ist &^f M *gf% l j£ 

s. die Inschriften von Mylasa, B. 0. M. ° V- Vi Mr .//-f s .. Schreiber a a Sp. 283 nr. 1. 
nr.2 - Waddington, As Min US 1 11 (an 30 jx 52f . PL , 11. e ^ c ~ n r \87lT ganz ent- 

4,1 p. 791. nr. au4, aeraiiieia * , e . sopra a z CMn< > medaghom ant. p.211 

C. I. Gr. 2896 ; ymos ; Waid ,323 324 » ^l'^oV afijjfa.. Wieseler, Benkm. d. 

d. B. A. Inst, m Athen U p. 374f. nr 3; p 878t £Y * Y 9 ' p 15 . Owrft«*, Zeus p. 8 Fig. 2. 

nr.5. 6 ergänzt); Peiraieus 0. J A 2 ,613- «: f \£ 1 *l/" P ' Labryg Scepterund Binden 

0ante, Ges. ^6Ä. p. 213-215 Mo „ aon 1« f884 nr 94 Taf 5, 9 auf einer Münze von 

Die Münzen der karischen Satrapen Mausso- lb 1884 nr^a* , i' ,1 j „ f , Taf 2 

sä««« SI'jBääSä 

SÄSi^Ä SÄTeÄÄSSr S iünl des Äro und des Domitian von 



1817 Lambraundos Lamia 1818 

Eumeneia vor, Rev. num. 3 e ser. 9 1891 p. 5 1852 p. 27 sub nr. 228; als Obverstypus auf 
nr. 17 PI. 2, 17. Imhoof, Griech. Münzen p. 735 Bronzemünzen von Mylasa mit dem Dreizack 
nr. 683 Taf. 12, 21. Imhoof, Monn. grecques des Osogos im Rev., Mi. 3, 355, 298. Gat.Whit- 
p. 400 nr. 104. Auf den Münzen dieser Stadt tall 1867 p. 42 sub nr. 516. Imhoof, Monn.gr. 
. erscheint diese Gottheit auch (unter Marc Anrel) p. 312 nr. 70 a. Finder p. 628. Zuweilen er- 
stehend, einen Zweig in der R., die Bipennis scheint auf Bronzemünzen dieser Stadt die Bi- 
in der L. , welche gestützt ist auf einen von pennis und der Dreizack zu einer Figur ver- 
einer Schlange umwundenen Dreifnfs, auf wel- einigt, so auf dem Rev. autonomer mit dem 
chem ein Vogel, von Mionnet als Rabe be- Typus des Pferdes im Obv. , Müller, Muse'e 
zeichnet, sitzt, Mi. S. 7, 564, 356 („Apollon"); 10 Thorvaldsen p. 211 nr. 1597. Leake, Num. Hell. 
ferner (gleichfalls unter Marc Aurel) reitend, As. Gr. p. 84 (auf letzterer im Feld noch vier 
die Bipennis ȟber der 1. Schulter, Mi. 4, 294, Delphine) und unter Augustus, Cat. Greppo 
671 („Amazone"); endlich (auf dem Obv. einer p. 139 nr. 1029. Sestini; Lett. num. cont. 6 p. 54 
autonomen) stehend mit Doppelbeil und Scepter, nr. 6 = Mi. S. 6, 510, 367; vgl. Mi. S. 6, 511, 
dahinter ein Hirsch, Sestini, Lett. Num. 4 p. 125 368 = Sestini, Lett. num. 9 p. 42 , wo diese 
nr. 1 und nach ihm Mi.S. 7, 562, 345. Auf der Figur von einer Schlange umgeben ist. Als 
zuletzt angeführten Münze wollen Sestini und Beizeichen findet sich diese Verbindung von 
Mionnet offenbar nur wegen des Doppelbeils Bipennis und Dreizack auf Tetradrachmen 
den Zeus Lambraundos erkennen. Ich zweifele Alexanders des Grofsen, welche man wegen 
nicht, dafs wir es auf allen diesen Münzen 20 dieses Symbols in Mylasa geschlagen sein 
von Eumeneia mit dem lydo - phrygischen läfst, L. Müller, Numümatique d' Alexandre le 
Sonnengott zu thun haben und vermute, dafs grand p. 256 f. PI. 16, 1141—1143. Head, Hist. 
dieser auch auf dem von Wieseler und Jahn num. p. 529. Auch die Verbindung von Bi- 
auf Zeus L. bezogenen Silbermedaillon bei pennis, Dreizack und Seekrebs erscheint auf 
Finder Taf. 7, 3 zu erkennen ist. Letzteres Münzen von Mylasa, so unter Domitian, Mi. 
würde alsdann nicht in Mylasa, sondern in 3, 356, 308, Septimius Severus, Mi. S. 6, 512, 
einer Stadt Lydiens oder Phrygiens, vielleicht 374. Sestini, Mus. Hedervar. 2 p. 227 nr. 9 
gerade in Eumeneia geprägt sein. Meine Ver- Tab. 20, 8 (alles von einem Lorbeerkranz um- 
mutung als bestimmt sicher auszusprechen hin- geben) und Geta, Mi. 3, 358, 323. — Sestini, 
dert mich der Umstand, dafs nach Finders Ab so Lett. num. cont. 6 p. 54 bezieht die Vereinigung 
bildung die Figur bärtig zu sein scheint. Doch von Dreizack und Bipennis auf Osogos und 
würde selbst die Bärtigkeit bei einem asia- Zeus Lambraundos. L. Müller, Num. d'Alex. 
tischen Sonnengott nicht besonders auffallen. le gr. p. 256 note 11 erkennt in der Bipennis, 
Mit Unrecht schliefst ferner Waddington, Asie sowohl wenn sie allein , als wenn sie in Ver- 
Min. 641 aus der Bipennis an einer Votivstele bindung mit anderen Symbolen auftritt, eine 
von Pbiladelpheia in Lydien, dafs diese dem Andeutung des letzteren. Wieseler, De vario 
Zeus Lambraundos geweiht war. Auch hier usu tridentis apud populos veteres p. 6. 7 sieht 
ist die Bipennis offenbar das Symbol einer sowohl in der Verbindung von Doppelaxt und 
einheimischen Gottheit, vielleicht wieder des Dreizack als in derjenigen beider Symbole mit 
lydischen Sonnengottes, wenigstens zeigt eine 40 dem Seekrebs , mit Ausschlufs des Zeus Lam- 
Münze dieser Stadt bei Leake, Num. Hell. As. braundos, einzig ein Symbol des Osogos. New- 
Gr. p. 99 im Rev. in einem Lorbeerkranz eine ton, Ahist. ofdiscov. 2,1 p.33 Anm.e schwankt, 
Lyra und darunter die Doppelaxt. ob er die Verbindung der drei Symbole als 
Dagegen bezieht sich sicher auf Zeus L. eine Andeutung des Osogos erklären soll oder 
die Labrys auf Altären dieses Gottes mit der als den Ausdruck von „the fusion of the two 
Aufschrift zltbg AußqavvSov oder Aaßqevdov, types of Zeus Stratios and Zeus Osogo into one, 
GL Gr. 2896. Mut. d. D. A. Inst, in Athen 15 aecording, to a System of amalgamation com- 
p.259 nr. 10. Sie bezeichnet hier als Wappen mon in the Roman period". 
der Gottheit (vgl. E. Curtius, Über Wappen- Besser dem Zeus Lambraundos als dem 
gebrauch und Wappenstil im griech. Altertum 50 Sarapis werden wir zusprechen das mit dem 
p. 84) ebenso wie der Name derselben im Modius geschmückte Haupt verschiedener von 
Genetiv (vgl. G. Hirschfeld a. a. 0.) diese Altäre mir in der Num. Zeitschr. 1889 p. 133 ange- 
als Eigentum des Zeus L. Die Thore von My- führten Münzen von Mylasa. Im übrigen siehe 
lasa waren durch die auf dem Keilstein ein- über Zeus L. die von Höfer s. v. Labrandeus 
gemeilselte Doppelaxt unter den Schutz des und von mir zu Kariös nr. 2 ob. Bd. 2 Sp. 958 
Zeus L. gestellt, Curtius a. a. 0. p. 86. New- verzeichnete Litteratur, auch Abeken, Ann. 
ton, A hist. of discov. 2, 2 p. 616 Anm. s: d. Inst. 1839 p. 69. [Drexler.] 
Jonian Antiquities 2 Vl.2. Fellows,Lycia p.75. Lamedon (Aapsäwv) , Sohn des Koronos, 
Die Labrys findet sich auch als Reverstypus König von Sikyon, Nachfolger des Epopeus. 
auf Goldmünzen des Pixodaros, Babelon a. a. 0. 60 Mit der Athenerin Pheno, Tochter des Klytios, 
p. 61 nr. 411— 413 PL 10, 12. 13; auf Bronze- zeugte er die Zeuxippe, welche er dem aus 
münzen von Mylasa mit dem Bild des Zeus Athen gegen die Achäer zu Hülfe gerufenen 
Lambraundos im Obv., Sestini, Lett. num. cont. Sikyon vermählte, Paus. 2, 5, 6. 2, 6, 2. Ger- 
6 p. 63 nr. 3 = Mi. S. 6, 609, 858; ferner, mit hard, Gr. Myth. 2 § 830 f. Stammtfl. p. 238. 
einem Kranz versehen, auf Bronzemünzen dieser [Stoll.] 
Stadt mit dem Typus des Rosses im Obv., Fei- Lamia (Aanict), 1) Tochter des Poseidon, 
Urin, Reo. de med. 2 PI. 67 nr. 40. Mi. 3, 356, von Zeus Mutter der Sibylla Herophile, Paus. 
296. Leake, Num. Hell. Suppl. p.70. Cat.Borrell 10, 12, 1. Flut, de Pyth. or. 9. [Bei Giern. 



1819 



Lamia 



Lamia 



1820 



Alex. Stromat. 1 p. 304 c Votier, der mit Plu- 
tareh sonst wörtlich übereinstimmt, heifst es 
zuletzt SiftvXXav . . . Aauiaq oveav &vyar£Qce 
tfjg Siämvog. Man wird wohl IIoGsiäävog 
zu lesen haben; vgl. auch den der Sibylle in 
den Mund gelegten Vers IloasiS&v, [irjrqdg 
ifirjs Aa/iCag ysvsTaiQ, Pseudo- Dio Chrys. 
or. 37 p. 296 Bindorf. Höfer.] — 2) Eine 
Königin der Trachinier, von welcher die 



raubendes Ungeheuer (Qtiqiov), Lamia oder Sy- 
baris genannt, in einer Höhle des Gebirges 
Kirphisin der Nähe vonKrissa erwähnt AntJLibt. 
c^JL [Vgl .. Bohde, Psyche p, l80_Anm. 3. 
Drexler.] — Schol. Theokr. 15, 40 sagt, Lamia, 
eine Königin der Laistrygonen, welche nach Ver- 
lust der eigenen Kinder auch die anderen 
Kinder mordete, werde auch Gelo genannt. 
Diese kinderraubende Gelo oder Gello galt für 



malische Stadt Lamia ihren Namen hatte, 10 eine lesbische Jungfrau, die auch von Sapphq 



Steph. B. v. Aä/iux. Et. M. p. 555, 52. [Da 
Haupt der Lamia erkennt Gardner, Cat. of 
Gr. G. in the Brit. Mus. Thessaly p. 22 nr. 8. 9 
PI. 4, 1. 2 in einem Frauenhaupt mit Diadem und 
Ohrring auf Silbermünzen der gleichnamigen 
Stadt. Dresjerjl — SJ^in^K^uTSticjies^weib,-^ 
liches" Unj^neuer, sc^ureckiiäftes Gesp¥ns|^das' 
die Kinder räufbtfe und den Ammen einlSchreck- 
i mittel für Kinder" war, wie Empusa, Gello, 



(fr. 47 Bergk) erwähnt wurde, Zenöb. 3, 3. 
Hesych. v. TsiXcä u. riXXcog. Suid. v. riXlqvs 
ncadoyiXcoTSQtt. Preller, Grieeli. Myth. 1, 508. 
[Vgl. auch M. Mayer, Arch. Ztg. 1885 & 119ff., 
der ein ebenda Taf. 7, 2 abgeb. Vasengemälde 
auf Lamia und Sphinx deutet. Röscher.] 
[Gleichfalls als Lamia erklärt M. Mayer, Mut. 
d. K. B. A. Inst. Athen. Abt. 16 1891 p. 300 
-312 Taf. 9 ein häfsliches nacktes an einen 



- Alphito? Gorgo, Ephialtes, Mormolyke.J)er 20 Palmbaum gebundenes und von Satyrn auf 
Name i^t^abzuleijgn von Xäjiog, latfiö?, ScTtfunc^ mannigfache Art gepeinigtes Weib auf einer 
aHo 1 Verscnlingerrn'. Ein libysches Mäjchen schwarzfigurigen Lekythos ans Eretria. Drexler.] 
erzählte, "sie' s^i eine königliche Jungfrau" ge- [Vgl. auch M. Mayer, Jahrb. d. Kais. B. arch. 
wesen, Tochter, des Behps und der Libye,^mit Inst. 7 (1892), 201. Höfer.] [S^ auch Ber- 
wejcher Zeus Umgang pffegte. ' Aber die r ener- nardus ten Brink, Specimen Uterarium inau- 
sücntige Hera brächte sie dahin,, d^fs sie die gurale continens disputatiuneulam de Lupo, 
Kinder, welche sie" gebar, umbrachte; oder Ldimiis et Mormone. Groningae 1828 und 
Hera selbst brachte ihre Kinder 1 um , worauf Pgnofka, Ann. d. Inst. 1833 p. 287_— 291, 
sie sich in eine einsame Grotte im tiefen Ab- welcher seine Ausführungen über die verschie- 
grand düsterer Felsen zurückzog und dort zu so denen Gestalten Namens Lamia zusammenfallt 
einem tückischen und gefräfsigen Ungeheuer in dem Satze: „II re'sulte de tout ce gut pre- 



verwilderte, das aus Neid und Verzweiflung 
glücklicheren Müttern die Kinder raubte und 
tötete. Hera hatte sie schlaflos gemacht, 
damit sie Tag und Nacht vom Schmerz ge- 
quält werde, bis Zeus ihr die Gabe verlieh, 
ihre Augen aus dem Kopfe zu nehmen und 
danach wieder einzusetzen. Wenn sie, von 
vielem Weine angefüllt, schlief und ihre Augen 



cede que le personnage mythique appele Lamia, 
figure comme une veritable Venus Libitina." 
Will man auseinanderhalten, so kann man als 
— nr. 4 noch anführen die Mutter des Achilleus 
vom Zeus, Ptölem. Hephaistion L. 6: xul Jiog 
Kai Aajiiag 'A%tlX£cc ysvia&ai tpaal xb v.äXXog 
ä^rixavov, Pjmofka p. 289 Anm. 6 ; ferner (s. nt.1) 
die Mutter der Ery thräischen Sibylle von Apollon, 



in einem Gefäfse verborgen hatte, war sie nicht 40 Maafs, BeSibyllarum indicibus p. 28 u. 55 nach 



zu fürchten; ging sie aber auf Raub aus, so 
setzte sie sich die Augen wieder ein. Auch 
soll sie von Zeus die Gabe erhalten haben, 
sich in beliebige Gestalten zu verwandeln, 
ScJwl. Aristoph. Pac. 758. Vesp. 1035. Equ. 693. 
Suid., Phot. u. Hesych. s. v. Biod. 20, 41. Plut. 
decurios. c. 2. Strab. 1, 19. Leutsch,Paroemiogr. 
2, 498. Schol. Aristid. p. 19 ed. Fromm. Horat. 
A. poet. SiO. Weitere Stellen s. bei Pape- 



Suidas und Eudocia; schliefslich auch erwäh- 
nen, dafs — 5) die Geliebte des Demetrios Po- 
liorketes als Aphrodite Lamia Verehrung er- 
hielt, Panofka p. 289. K. Keil, Specimen ono- 
matologi Graeci p. 8. 11. Beurlier, Be divinis 
honoribus quos acceperunt Alexander et succes- 
sores eins p. 44. 

Unter der im C. I. Gr. 5430 Z. 41. 47 er- 
wähnten Ortlichkeit Aajiiag pae&ol in Akrai 



Benseier, Wb. v. Aüpia. Friedländer, Möm. bo hat man sich jedenfalls zwei Hügel vorzustellen, 



Säteng.1, 433f. Preller, Gr. Myth. l^SOL 
iMaafs^jGgfin^Gel^ Anzeig. 1890 S. 347 f. 
Laisfner, Mäfsild. Sphinx 1, 64f. 2, 33f. 54. 
OTCrusiüs im Philologuslü. F. 4 S. 9 9 ff. ßpscher.] 
Zeus hatte sie, als er sie liebgewann, von Libyen 
nach Italien gebracht, wo die Stadt Lamia 
von ihr benannt war, Schal, Aristoph. Pac. 758. 
| Sie wurde Mutte'r" der Skyllä" genannt 1 , Sie- 
sichoros b. Schol. Apoll. ~Rh. 4, 828. Eustath. 
pTTfU, 33. jCramer, An. Par. 3^479, li 



welche man wegen ihrer Gestalt mit den ge- 
waltigen Brüsten der Lamia verglich, vgl. 
M. Mayer, Arch. Zeit. 1885 Sp. 127. 130. Die 
Lamien haben im neugriechischen Volksmär- 
chen so grofse Brüste, dafs sie dieselben zur 
Reinigung des Backofens ver wenden, B.Schmidt, 
Das Volksleben der Neugriechen p. 134. Das 
Andenken der Lamia hat sich auf Sicilien 
lange erhalten. Judica, Le antichitä di Acre 
p. 72 führt aus Fazello, Prioris Becad._ lib. 10 



Endak. 37,7. Verg. Cir. 66. — Später verstand^ p. 451 an, dafs bei Mineo eine jetzt Dafrone 



man unTäSr" den Lamien schöne gespenstische 
Frauen, welche durch allerlei wollüstiges Blend- 
werk die Jünglinge an sich lockten, um, gleich 
den Vampyrn der modernen Sage, deren jugend- 
liches Blut und Fleisch zu geniefsen, PbMostr. 
V. Apoll. .4^ 25; vgl B. Schmidt, Volksleben 
d, Neugr. l,J,31ff. — Ein ähnliches kinder- 



genannte Höhle an einem Orte mit Namen 
Lamia sich befindet, „in cui, dicono i Menini, 
che nacque, e fu nutrita Lamia incantatrice, 
e maga". Zu dem, was B. Schmidt über die 
Lami?n des neugriechischen Volksglaubens 
mitteilt, kommt der interessante Zug eines 
alten Volksliedes aus Syra, dafs die Lamia 



1821 



Lamiae 



Lampetia 



1822 



vor Hunger die Strahlen der Sonne frifst (wo- 
durch natürlich eine Verfinsterung der Sonne 
eintritt), Politis bei Bosclier, Seltne p. 189. 
Aus Martin von Bracaras Schrift De correc- 
tione rusticorum herausgeg. von C. P. Caspari. 
Christiania 1883 p. 10 c. 8 erfahren wir, dafs 
man im frühen Mittelalter in Westeuropa die 
Lamien in den Flüssen wohnen liefs: „Et in 
mari quidem Neptunum appellant, in flumini- 



für die Stadt, wie Od. 1,_2 Tqoirjg itTolit&QOv, 
so dafs rrjXinvXog und Aaiete. Adjektiva wären, 
Schol. Od. 10, 81f. Eustath. p. 1649, 10. Schol. 
Aristoph. Pac. 758. Hesych. u. Suidas v. Adpog. 
Nitesch Anm. zu Od. a. a. 0. Von diesem König 
Lamos (in Formiae, s. Laistrygonen) leiteten 
sich die römischen Lamiae, eine Familie der 
gens Aelia, her, Hör. Carm. 3, 17. Lamos heifst 
Schlund, Abgrund, d.i. Menschenfresser, Preller, 



bus Lamias, in fontibus Nymphas, in siluis 10 Gr. Myth. 1, 507, 4. 2, 457, 2. [Maafs, Gott. Gel. 



Dianas, quae omnia maligni daemones et Spi- 
ritus nequam sunt, qui homines infideles, qui 
signaculo crucis nesciunt se munire, nocent et 
uexant." Caspari möchte, da ihm nur die 
Vorstellung der Lamien als gespenstiger, das 
Blut junger Männer aussaugender Weiber ge- 
läufig ist, statt Lamias : Amnes schreiben oder 
die Notiz aus mangelnder Sachkenntnis Mar- 
tins erklären. Aus Wachsmuth, Das alte Griechen- 



Anz. 1890 S. 348 deutet A. viel wahrschein- 
licher als Kurzform für Ad(ia%og. R.] — 2) Sohn 
des Herakles und der Omphale, nach welchem die 
malische Stadt Lamia benannt war, Steph. B. 
v. BÜQyaea und Adfiia. Ov. Her. 9, 54; bei 
Diod. 4, 31 heifst er Aafiäg, dagegen Adfiiog 
(s. d.) b. Et. M. v. Adjiia. [v. Wilamowitz-Mö'Uen- 
dorf, Euripides Herakles 1 p. 315 f. Wemicke, 
Zur Gesch. der Heraklessage. Aus der Anomia 



land im neuen p. 56 hätte er ersehen können, 20 p. 72. Dibbelt , Quaestiones Coae mythohgae 



dafs schon im alten Hellas Lamia auch als 
Meergottheit aufgefafst wurde, wenn Stesicho- 
ros sie Mutter der Skylla nennt (vgl. Lamia 
als Name eines Fisches, Vinet, Le mythe de 
Glaucus et de Scylla p. 36); aus B. Schmidt 
p. 131. 132, dafs sie bei den Neugriechen viel- 
fach als eine „dämonische Macht des Meeres" 
aufgefafst wird, und in der Mehrzahl sich mit 
den Nereiden (welche ihrerseits häufiger als Na- 



p. 24. Drexler.] — 3) Flufsgott, dessen Töch- 
tern, Flufsnymphen, Hyaden genannt, Her- 
mes das Kind Dionysos zur Erziehung über- 
brachte; sie wurden von Hera rasend gemacht, 
Norm. Dion. 9, 28 ff. 14, 147. 47, 678. Unter 
Lamos ist wahrscheinlich der Flufs am Helikon 
(Paus. 9, 31, 6) zu verstehen, wo das alte Nysa 
gewesen sein soll, Steph. B. v. Nvea. [Vgl. 
.iß. Köhler, Über die Dionysiaka des Nonnos 



jaden denn als Meernymphen gedacht werden) so v. Panopolis p. 18. 19. M. Mayer, Giganten 



nahe berührt. Bei Hincmar sind nach Grimm, 
Deutsche Myth. 2 4 p. 882 die lamiae sive geni- 
ciales feminae die Nachtfrauen, dominae noc- 
turna^. Über die Berichte der Schriftsteller 
des späteren Mittelalters, eines Joannes Sares- 
beriensis, Polier. 2, 17. Guilielmus Alvernus 
p. 1066. Gervasius Tilberiensis 3, 85. 86. 93 
über die Lamiae s. Grimm, D. M. 2* p. 884 
—886. Liebrecht in seiner Ausgabe der Otia 
imperialia des Gervasius von Tilbury p. 143 — 
146 Anm. 61. Ducange, Gloss. med. et inf. lat. 
s. v. Lama nr. 2. Vgl. auch Colin de Plancy, 
Dict. des sciences oecultes 1 Sp. 927f. s. v. La- 
mies und Pique, Dizlonario infernale p. 314 
s. v. Lamie. Drexler.] [Stoll.] 

Lamiae tres. C. 1. L. 7, 507 (Benwell in 
der Grafschaft Northumberland) Lamiis. tribus. 
Es ist bemerkenswert, dafs die Lamiae (vgl. La- 
mia), wie z. B. die Fata (Bd. 1 Sp. 1449 f.), 



u. Titanen p. 248. Drexler.] — 4) Ein Krieger 
im Lager des Turnus, von Nisus getötet, Verg. 
Aen. 9, 334. [Stoll.] 

Lamnas (Aafinäg), Name eines Hundes des 
Daphnis, A el. n. a. 11, 13; die anderen heifsen 
Sannos, Podargos, Alkimos, Theon. — vanLennep 
bei Baecker, D e canum no m. Gr . PxJiSL ver- 
mutet, dafs die Namen von Alisu einem Ge- 
dichte des Sfesichoros^ über Daphnis entlehnt 
40 sind. Über Daphnis vergl. jetzt besonders" 
Beiteenstein, Epigramm m. Shilion jn Cap. 4 . 
Die Bukölik j±. 193—263 passim und Exkursjk 
(zu S^247Xj). 279^284^ worin „Das Verzeich- 
nis der Beptßcen 'u. Herstellung des Originals 
der Pan -Daphnis- Gruppe" '. [Drexler.] 

Lampedo (AuurcsScä). Auf einem Malachit 
der kais. Sammlung in Paris steht unter dem 
von zwei Sternen eingerahmten Planetenzeichen 
des Mars die Inschrift AAMTTEAß BAXIAIIIAI 



Fatae (Bd. 1 Sp. 1453, 4 ff.), Makes, Matronae 50 AMA (£6vcov), ChabovMet^JM. L J2eWraZ_p^_307 



(s. d.) in der Dreizahl auftreten. [R. Peter.] 

Lamios (Adpiog), 1) Sohn des Herakles, Epo- 
nymos der thessalischen Stadt Lamia, Etym. 
M. 565, 51 ; s. Lamos 2. [— 2) Kentaur, Plol. 
Heph. 3 a. E. R.] [Höfer.] 

Lamippe, Tochter der Niobe (s. d.). 

Lamis, Satyr; Nonn. D. 14, 110. 

Lamos (Adfiog), 1) alter König der Laistry- 
gonen (s. d.), Sohn des Poseidon, Od. 10, 81 



n ^_ 2247, abgeb. Du Molinet^ CaMnet.jie 
S.-Geneviive pl. 28,6 >j>. 12L_SJJamjDeto. [Höfer.] 
Lampetia (Aa[i7C8tirj), 1) Tochter cles Helios 
und der Nymphe Neaira, welche mit ihrer 
Schwester Phaethusa auf der Insel Thrinakia, 
die^fiSiaer des Helios weidete; sie raeidete^"^ 
dem Helios, dafs die Gefährten des Odysseus 
seine Binder geMilacfitet, QiL_JiUa32, 37j5. 
Ap. B h. 4, 973 . Nonn. Dion. 27. 198. 38, 170. 



u. Schol. Eustath. 1649, 10. Ov. Met. 14, 233. co ZM&illO., Nach Herrn ipposb.ßcM, ÄxMäph. 



Hör. Carm. 3, 17. In den Worten der home- 
rischen Stelle: UoaiG&a Adpov alav ntolts- 
&Qov,TijUnvXov AaiaTQvyovinv sahen die meisten 
der Alten den Lamos als König oder Gründer 
der Stadt an, so dafs die Stadt Telepylos 
(Od. 23, 318) hiefs mit dem Adjektiv Aaiarqv- 
yov6j, oder umgekehrt Laistrygonia mit dem 
Adj. Trjlinvlos; manche aber erklärten Lamos 



PluL.101. wa * sie von Asklepios Mutter des 




pmLNatmaMSdLAjß. 212 Ajiro. 2 p.269. Drexler.] 
[Eust. ad Hom. Od ± 1717, .27, M^ Hesych. s. v. 
Höfe r.] — 2) Eine der Heliaden (=_nr J JJ'), der 
Schwestern des Phaethon, welche, in Pappeln 



1823 



Lampetides 



Lampter 



1824 



verwandelt, Thränen vergossen, die zu Bern- 
ateur gerannen , Hesio ä. b. Hyg. f. 154. 156. 
Qu. Met. 2, 349; s. Phaethon. Nach Sehol. O d- 
17, 208 war sie Schwester von Phaethon, Phae- 
thusa und Aigle, Tochter des Helios und der 
Rhode, einer Tochter des Asopos. Vgl. Lam - 
43 petnsa und Heliades . — [3) Beiname der Selene 
Orph.Ji. p . 9, 9. Drexler.] [Stoll.] 

Lampetides (AaimstiSTjg), Sohn des Lampos 
= Dolops, Hom. IL 15. 526 . """" 
Lampos nr, 1. [Höfer.] 

Lampeto(^lo!fMt£ra>), Amazonenkönigin, lustin. 
2, 4. Orosius 1, 15; vgl. das Siegel in der Pariser 
Nationalbibliothek (Chabouillet, Cot. nr. 2247. 
Petit, De Amazon, p. 218) mit der Aufschrift 
Aajin&Scö (s. d.), die der Schreibweise der ge- 
ringeren Mss. Justins entspricht. [Klügmann.] 

Lampetos (Aäpnstog oder Aafiitstös) , nach 
Steph. Byz. Aa(inhBiov ein lesbischer Held, 






L. 17. Posthorn. 138; [Eust. ad Hom. IL 826, 
26. Höfer.] [Vgl. de Witte, Cat. Durand 
p. 71 nr. 231 = Cat. Hertz p. 117 nr. 61. Bei- 
läufig sei nachgetragen zu den Darstellungen 
der Eos in der Kunst (oben 1 Sp. 1270 ff.) die 
interessante Münze des L. Verus von Alexan- 
dreia, Poole, Cat. of the coins of Alexandria 
p. 169 nr. 1372 PI. 3 „HQ£ Eos L, looking back, 
clad in chiton with diplois, which has fallen 
Näh eres siehp, 10 off l. Shoulder and is blown behind her; holds 
torch and bridle of one of the horses of Helios 
(es ist wohl eher ihr eigenes Rofs, vgl. ihren 
Beinamen iiovöxtaXog, Eur. Or. 1005) prancing 
r., head turnedback." Drexler.] — b) des Hektor, 
IL 8, 185. — c) des thrakischen Königs Dio- 
medes, Hyg. f. 30. — 5) Hund des Aktaion, Hyg. 
f. 181. [Stoll.] 

Lampros (AäpitQog), in der Tempellegende 
der Leto ®vxir\ im kretischen Phaistos, welche 



Eponyraos des A-tiov a/jjicc, Sohn des Iros, der 20 die Stiftung des Festes 'ExSvaia erklärt, ein 



als Eponymos der lesbischen Stadt 'Iqcc {Steph. 
Byz. s. v.) = Hiera (Plin. N. H. 5, 39, 139) 
= Hierapolis {Dietys 2, 16; Fleckeisens Jahrb. 
17, 1888, 829) angehört; vgl. Philologus N. F. 
3, 1890, 726ff. Er wurde zusammen mit den 
beiden Lepetymnossöhnen Hiketaon und Hyp- 
sipylos von Acbilleus bei der Belagerung von 
Methymna getötet nach der anonymen Aseßov 
v.Ti6iq bei Parthen. 21 (Müller, Fr. hist. gr. 4 



edelgeborener aber verarmter Phaistier, Sohn 
des Pandion, Gatte der vom Sparton- Sohne 
Eurytios erzengten Galateia, Vater des Leu- 
kippos (nr. 11). Er hoffte von seiner schwangeren 
Gattin die Geburt eines Sohnes und befahl 
ihr, eine Tochter sofort nach der Geburt zu 
äcpavtaai: Antonin. Lib. 17,. laut Glosse = 
Nikandros Heteroiumena II. Über seine Täu- 
schung durch Galateia und die Verwandlung 



p. 314). Meineke, Anal. Alex. p. 324f. Vgl. 80 seiner Tochter Leukippe in einenSohnLeukippos 



Lampos 1. [Tümpel.] 
ü Lampetusa und Phaethusa, Töchter des He- 
lios, Schwestern des Phaethon, in Bäume ver- 
wandelt, Serv. V. Aen. 10, 189. Vgl. Lampetia 
u nd Heliades. [Stoll.] 

Lamphthenonöthf. Als Namen des Hermes 
d. i. Thoth in den vier Ecken des Himmels 
werden im Pap. 122 des Brit. Mm, Z, 7 
(Oreek Pap yri in the Brit. Mus. 18*3. 4°. p. 116) 



s. d. Art. Leukippos 11 und Leto. [Tümpel.] 
Lampsake (AufiipäxT}) , die jungfräuliche 
Tochter des Mandron, Königs der Bebryker 
zu Lampsakos, das früher Pityusa oder Pityeia 
hiefs. Als die Phokäer, welche Mandron in 
seine Stadt als Kolonisten eingeladen hatte, 
in dessen Abwesenheit in Gefahr waren, von 
den Bebrykern überfallen und getötet zu werden, 
rettete sie Lampsake durch heimliche Warnung. 



aufgezählt: XaiMp&svova&i, ovuc&evovoifti, 40 Die Phokäer töteten nun die Bebryker und 



octfi£vm&, sv9o\tov%. [Drexler.] 

Lampon (Aäpntov) , 1) Freund des Priamos, 
Dares 6, wohl identisch mit Lampos (s J .d,_nr J jQ, 
dem Sohne des Laomedon, Dietys 4. 22. — [2) 
Lampon und Phaethon Rosse des Helios, §c]iol. 
Eur. Phoen. 3. Vgl. Lampos 4. StollJ [Höfer.] 

Lampos (Aäfinog), 1) nach i7.~0~526. T238 
= r 147: Sohn des Laomedon, nach 526 
Vater des Dolops, der daselbst AujiitST(drig 
genannt ist, nach dem auf Aristarehos zurück- 50 
gehenden Scholion A (= Eustath. p. 1030, 22) 
pleonastisch statt des metrisch unbrauchbaren 
AapittSrig (_u_), wofür Aa(inel$rig wegen irre- 
führender metronymischer Bedeutung nicht ein- 
gesetzt werden durfte (Lobeck, Pathol. p. 373). 
L. ist nach E. Maafs (Hermes 24 1889 S. 645 f.) 
Eponymos der troischen Stadt ActiMmvsia 
(Hekataios, F. H. G. 1. 14, 210); mit Lampetos, 
dem Eponymos des lesbischen Lampeteion, wird 
er nur von dem Schol. L zu O 526 (= Eustath. 60 
p. 1030, 21) zweifelnd identificiert. Christodorus 
Ep. Anth. 2, 248 nennt diesen troischen Lao- 
medonsohtt AäyLitmv. [K. Tümpel.] — 2) Sohn 
des Aigyptos, vermählt mit der Danaide Oky- 
pete, Apollod. 2, 1, 5. — 3) Einer der Thebaner, 
Sie dem aus Theben zurückkehrenden Tydeus 
einen Hinterhalt legten, Stat. Theb. 2, 623. 
— 4) Rosse: a) der Eos, Od. 23, 246. Tzetz. 



machten sich zu Herrn der Stadt, und als bald 
nachher Lampsake starb, bestatteten sie die- 
selbe in der Stadt aufs ehrenvollste und nannten 
die Stadt nach ihr Lampsakos. Sie erteilten der 
Lampsake heroische Ehren und opfertenihr in der 
Folge als einer Göttin. Steph. B. v. Adfitpatiog. 
Charon aus Lampsakos b. Plut. de virt. mulier. 
p.255a— e(T.2p.216ff.ed.Tauchn.). Polyaen.8, 
37. Müller, Fr. hist. gr. 1 p. 33, 6. [Stoll.] 

Lampsakenos (AainjiuKrjvög), Beiname des 
Priapos in einer metrischen Weihinschrift von 
Thera, C. I. Gr. add. 2465. Kaibel, Epigr. 
Gr. 807b, von der Stadt Lampsakos, einer 
seiner Hauptverehrungsstätten, fl. 0. Jahn, 
Ber. üb. d. Verh. d. Kgl. S. Ges. d. W. i. Leipzig 
1855 p. 235 f. Wroth, Cat. of the gr. c. of 
Mysia p. 86 nr. 68—70 PI. 20, 6. 7. 9 p. 87ff. 
nr. 77—80 PI. 20, 13, 16 nr. 84 PI. 20, 15 nr. 85 
nr. 88 PI. 20, 12 nr. 92. [Drexler.] 

Lampsos (Adpipog), Sohn eines (im Text aus- 
gefallenen) Kodriden (HS. KaäglSov corr. 
Meineke), nach welchem ein Teil des klazome- 
niachen Gebietes Lampsos benannt war, Ephoros 
Frg. 35 aus Steph. B. s. v. F. H. G. 1, 243. 

[Tümpel.] 

Lampter v (ylafiwT7je), Beiname des Di«jjsos 
in Pellene, Paus. 7, 27, 3: Tov Se aloovg'~trjg 
2a>xsiQug [egov a.mxvtiXQV diovveov Aaybnxfi- 



1825 Lampusa Laodameia 1826 

gog saziv tuMrjaiv xovxm %a\ Aatinx-q^ia der in Landina- einen Beinamen der Athene ver- 

Soqttjv ayovm, xal SäSäg rs ig rb isqov xopl- mutet; vgl. auch Eckhel a. a. 0. 4, 164. [Die 

tovaiv iv vv%%l, y.al oi'vov Kgaz^oag lazägtv Göttin heilst Pandina (s. d.). Drexler.] [Höfer.] 

dvd zrjv nöXiv mäaav. Auf Münzen des Sep- Lanehiae, topischer Beiname der Matronae 

timius Severus von Pellene erscheint Dionysos auf der rheinländischen Inschrift Brambach, 

nackt, nur Kothurne an den Füfsen, in der B. Corp. inscr. Rhenan. 664 (Fundort Lechenich) ; 

einen Weinkrug, in der L. einen langen Thyr- Bonn.Jahrbb. 83 p. 24. Eine Beziehung auf den 

so.s mit Binde, Mus. Sanclement. num. sei. 2 Namen des Fundorts liegt nahe, ist aber nicht 

p. 289 Tab. 25, 222. C. Gr. C. Peloponnesus p. 32 sicher (s. Matronae). [-M. Ihm.] • 

nr. 15 PI. 6, 15. Itnhoof and Gardner, Num. 10 Lanoia (Aavota), Beiname der Hera auf 

comm. onPausanias p. 92 nr. 2 PI. S, 11. Head, einer Münze von Nikomedeia, auf der das 

Hist. num. p. 350. — Gerhard, Gr. M..1 p. 490 Brustbild der Hera sichtbar ist, mit einem 

§ 499, 3 a leitet den Beinamen her von dem Ziegenfell bedeckt, dessen Hörner über der 

Ursprung des Gottes im Feuer, Welcher, Griech. Stirn emporragen (abg. Abhandl. d. phüos.- 

Götterl. 2 p. 610 von den Fackeln des Festes, philol. Klasse der K. Bayr. Akad. d. Wiss. 

[Drexler.] "18 (1890), Taf. 6 nr. 12. Imhoof- Blumer &. a. 0. 

t Lampnsa {Adpizovoa) , Sibylle zu Klaros, p. 604 nr. 134 erklärt den Beinamen Lanoia 

äiz6yovog KäX%avxog, Suidas _s, y^JSißvXXa. für identisch mit Lanuvina = Sospita oder 

B ouche -Leclercq, Eist, de la div. dans l'ant/% Caprotina (luno), deren Haupt, ebenfalls mit 

p. 45. 155. 175. Immisch, Klaros p. 144. [Drexler.] 20 dem Ziegenfell, häufig auf Geprägen der römi- 

La(m)pythos {Aä(fi)7cv&og). Auf einem Gefäfs sehen Republik vorkommt; vgl. Boscher, luno 
aus Aigina, auf dem des Herakles Kampf mit und Hera 48; u. oben Bd. 2 Sp. 588 Z. 82 ff. 
der Hydra dargestellt ist, trägt ein Wagen- Sp. 605 Z. 66 ff. Sp. 609 Z. 44. [Höfer.] 
lenker obige Umschrift; aufser dieser Figur Lanovalus, Gallischer Gott auf einer In- 
sind durch Beischrift kenntlich fiöXafog, schrift aus Cadenet (Vaucluse) Lanovalo Q. 
'HgauXr/g, 'A&äva, eine fünfte Gestalt ist un- Gorn(elius) Smertullus v. s. I. m. pro Plaeido 
sicher, Kretschmer, Die korinthischen Vasen- fratre. So die Lesart, von Babiet, Memoires 
inschriften, Zeitschr. f. vgl. Sprachforsch. 29. de la Societe des antiquaires de France 1887 
152 nr. 39; vgl. Welcher, Annali 1842 S. 103ff. p. 338, welche der früheren (0. I. L. 12, 1065) 
Monum. delV Inst. 3, 46. Alte Benkm". 3, 257ff. so vorzuziehen ist, vgl. Bevue e'pigr. du midi 2 
T.6. Konitzer, Herakles u.d. Hydra 31. Friedr. p. 408 nr. 758. Die Namensähnlichkeit mit 
Blaß b. Collitz, Samml. d. griech. Dial.-Inschr. dem von Babiet herangezogenen Ort Laval ist 
3, 3132. Vgl. Lapythos. [Höfer.] . ' doch nur eine entfernte. [M. Ihm.] 

LamlffiB_(lamtun), etruskisch'er Name eines Laobie {Auoßin), Gemahlin des Arrhetos, 

Heroen auf einem Bronzespiegel im Museum eines Bundesgenossen des indischen Königs 

von Perugia, in der Nähe der Stadt gefunden. Deriades; sie gebar fünf stumme Söhne, denen 

Er steht neben* elinei (= ' EXivg, s. d.) , beide Dionysos später die Sprache gab, Nonn. Dion. 

eingerahmWon den Dioskuren, links pul tu ke 26, 256 ff. [Stoll.] 

(=JZoi£ÖsSKa£jSiä.),rechtskastur(=g«£rs5j8, Laocoon = Laokoon (s. d.). 

BjjL). Man deutet auf Auopedav, doch ist wohl 40 Laodamas (AaoSäpug), 1) Sohn des Eteokles, 

sicher „Paris" gemeint; s. Conest. Gazz. d. ümbr. anfangs unter der Vormundschaft des Kreon, 

10 m-J 49 i t8 ®D'- Bu 11 - !869 jj. 47ff. Mpn. d. dann König von Theben zur Zeit des Epigonen- 

PmäioLixMS,m,Mli = 1Ö23J. ?6 + i._. JIÄ krieges; in der Schlacht bei Glisas von Alk- 

C. I. I. Pr. Spl. 252, De. in Bezz. Beitr. 2, 168 maion erschlagen, nachdem er selbst den Aigia- 

nr. 68. Corssen, Spr. d.Etr. 1,31?.. [VglLje- leus, Sohn des Adrastos,' getötet, Apollod. 3, 7, 3. 

doch auch Heydemana, Mitteilungen aus -den Paus. 1, 39, 2. 9, 5, 6. Oder er floh nach dem 

Antikensammlungen in 06er- und Mittelitalien, Verlust der Schlacht mit einem Teil seines 

3. Hallisches Winckelmannsprogr. 116, 2.4: Volkes nach Illyrien, Paus. 9, 5, 7. 9, 9, 2; vgl. 

'Tyndareos' ist benannt 'Lamtun', nach Herodot 5, 61. Ein angeblich von ihm er- 

Gonestabile Xaopeämv, nicht als Nomen pro- 50 richteter Dreifufs mit kadmeischer Schrift stand 

prium, sondern adjektivisch der c Volksbe- im Tempel des ismenischen Apollon, Herodot 

herrschende', wie Herakles auf Spiegeln einige 5, 61. Preller, Gr. Myth. 2, 363, 2. 367. Gerhard, 

Male 'Calanice' (%uXXCvi%og) genannt wird. Gr. Myth. 2 § 748. — 2) Sohn des Atitenor, 

Ebenso möglich und wahrscheinlich ist aber Troer, fällt durch Aias, II. 15, 516. — 8) Ein 

auch, dafs ein lapsus memoriae des etruski- Lykier, am Xanthos geboren, von Neoptolemos 

sehen Künstlers vorliegt, und derselbe den vor Troia erlegt, Quint. Sm. 11, 20. — 4) Sohn 

spartanischen König Tyndareos mit dem troi- des Phaiakenkönigs Alkinoos und der Arete, 

schenKönigLaomedonverwechselthat; vgl, auch ein guter Faustkämpfer, Od. 7, 170. 8, 119. 130ff. 

KUgmann, Bull, 1870, 12fi. Höfer..] [Deecke.] — [5) Sohn der Andromache und des Hektor, 

Lander (Terrae) s. Lokalpersonifikationen. 60 Bruder des Astyanax, Dictys 3, 20. 6, 12. 

'La.ni.ia&1(AaväCvaf). Auf Münzen von Hippo- Dederich zu Dictys 3, 20 hat die Überliefe- 

nium in Bruttium erscheint das Bild der Athene, rung der späteren Schriftsteller über die Namen 

die mit dem Helm bedeckt, aufrecht stehend der Söhne der Andromache zusammengestellt; 

in der R. einen Kranz, in der L. die Lanze hält; zur Etymologie vgl. Eust. ad Hom. II. 637, 

die Legende lautet 'Iitmviiwv Aaväiva Eckhel, 21. Höfer.] [Stoll.] 

Doctr. num. vet. 1, 174; eine andere Münze mit Laodame (Aaoääprt), Gemahlin des Thyestes, 

der Darstellung eines weiblichen Kopfes trägt Sehol. Em. Or. 5. Vgl. Laodameia^ [Stoll.] 

die Legende Aaväiva ... og ; s. Eckhel a. a.O., Laodameia (Aaoäajieia), 1) Tochter des 

Bosoexb, Lexikon der gr. u. löm. Mythol. II. 58 



1827 Laodameia Laodameia 1828 

Bellerophontes, von Zeus Mutter des Sarpedon, der Anfang dieser Erzählung findet sich bis 
in iuneen Jahren von der erzürnten Artemis itQoemp.CXsv auch bei Apollod. frgm. Sabb. 
getötet II. 6, 197 ff. u. Schol. z. d. St. Apollod. Bhein. Mus. 46 (1891), 169, lff. -Wagner, 
3 1 1 Serv. Vera. A. 1,100. Nonn.Bion.7, 127. Cur. mythogr, 199 ff. sieht in dieser Erzählung 
Preller, Gr. Myth. 2, 131. Bei Diod. 5, 79 die Spuren des Euripideischen Protesilaos und 
heifst sie Deidameia. Vgl. Töpffer, AU. Geneal. versucht, zum Teil sich an Max. Mayer, Hermes 
194 \Arnob. adv. not. 5, 22 p. 109b. Bei 20, 101 ff. anschliefsend, eine Rekonstruktion 
Bictusl, 11 (vgl. 35) heifst Sarpedon Sohn dieser Tragödie: Laodameia habe nicht an 
der Laodameia und des Xanthos; s. auch Eust. den ihr gemeldeten Tod des Gatten geglaubt 
ad II 894 38 Höfer.] — 2) Tochter des 10 daher alle Bewerbungen zurückgewiesen und 
des Akastos', Königs in Iolkos (des Alkathoos bei als Protesilaos aus der Unterwelt erschienen 
Euripides? Suid.Y.Ttsv&iqä. Phot.Lex.p.ilO,9), sei, gemeint, er sei wirklich noch am Leben; 
Gemahlin des Protesilaos in Phylake. IhrVer- das frgm. 657 des Euripides ovx av nqoSotrjv 
hältnis zu Protesilaos war ein Beispiel rührender Kaiitfq atyv%ov yilov bezieht Wagner a. a. U. 
Gattenliebe. Eben erst mit ihr vermählt, mufste 200 mit Mayer a. a. O. 109 nicht auf Prote- 
Protesilaos mit gen Troja ziehen, und war silaos, sondern auf das von L. gefertigte Bild, 
der erste, der bei der Landung an der troischen welches sie gleich bei der Abfahrt des 
Küste fiel. Als die Gattin die Kunde von seinem Gatten (vgl. Ov. Her. 13, 152) habe fertigen 
Tode vernahm, flehte sie in ihrem Schmerz und lassen. Gegen diese Ansicht lassen sich aber 
ihrer Sehnsucht die Götter an, dafs er nur auf 20 nicht unbedenkliche Einwendungen erheben: 
einen Tag, auf dr'ei Stunden zu ihr zurück- die Worte AaoSap.ua x«l (•"« »avarov 
kehre, und Protesilaos hatte denselben Wunsch. %Qa kuI «ofqeaaa ktI. lassen doch nur die 
Es. geschah, und als Protesilaos nach der be- Deutung zu, dafs L. den Tod des Gatten er- 
dungenen Zeit wieder hinabmufste, tötete sie fahren — ganz ähnlich sagt Apollod. Epit. 
sich sogleich, um mit ihm vereinigt zu bleiben, Vat. 19, 1 'AxiUevs . . pezu davazov e Q a- 
oder sie machte sich aus Wachs ein Bild des od eis 'A/ia^vos (Penthesileia) — , ihn geglaubt 
Gatten und erwies diesem dieselbe zärtliche und jetzt erst das Bild habe fertigen lassen. 
Liebe wie dem Lebenden. Als der Vater, um Wenn sie bei dem plötzlichen Erscheinen des 
ihre Aufregung zu beschwichtigen, das Bild Protesilaos für einen Augenblick (bis zur Er- 
verbrannte, stürzte sie sich in das Feuer und 30 Zählung des Gatten!) glaubt, er sei nicht ge- 
starb, Hyg. f. 103. 104. 243. 251. 256. Ov. sterben, er komme aus Troia zurück, so ist 
Heroid. 13. A.A. 3,17. Trist. 1, 6, 20. Ep. dies psychologisch leicht erklärbar. Allerdmgs 
ex Pont. 3, 1, 110. Bern. A. 723. Schol. Aristid. müssen wir mit Wagner p. 200 dann anneh- 
p. 671. Lukian. B. M. 23. Salt. 33. Eustath. men, dafs Protesilaos, nicht Laodomeia {Hyg. 
p. 325, 24. Philostr. Her. 2. Tzetz. Antehom. f. 103), es war, der von Hades die Erlaubnis 
227 246 Chil. 2, 52. Nonn. Dion. 24, 194. zur Rückkehr erwirkte, wie auch Eust. 325, 
Serv. V. Aen. 6, 447. Mythogr. 1, 158. 2, 215. 24ff. Schol. Arist. 671 berichten. So treten 
Propert. 1, 19, 7. Schon Homer weifs von dem entschieden die tragischen Konflikte noch stär- 
frühen Tod des Protesilaos und dem Schmerz ker hervor; ich glaube auch nicht, dafs bei 
seiner jungen Gattin in Phylake, II. 2, 698 ff. 40 Euripides Akastos das Bild wirklich verbrannte, 
In den kyprischen Gedichten hiefs sie Poly- vielleicht dafs er nur damit drohte, und die 
dora, Tochter des Meleagros, Paus. 4, 2, 5. Erzählung bei Hygin. f. 104 eine weitere Aus- 
Euripides dichtete eine Laodameia, Welcher, führung ist. Vielleicht kam bei Euripuks 
Gr. Trag. 2, 494 ff. Nauck, Fr. trag. gr. p. 443 ff. Protesilaos gerade in dem Augenblick auf die 
tüer Mythus ist mehrfach dargestellt auf Sarko- Bühne, als Akastos der Tochter das Bild ent- 
phagen, z. B. auf einem vatikanischen, Mus. reifsen wollte: svqsv Jue&'jjv äyüXp.uxi auro» 
Pioclement. 5, 18. 19. Miliin, Gal. mythol. 56, nsQiKsisiivrjv Eust. a. a. 0. Dafs L nach dem 
561. Gerhard, Beschr. Borns 2, 2, 255ff.; auf Verschwinden des Gatten nicht dem Bilde 
einem Sarkophag in S. Chiara zu Neapel, Mon. wieder ihre Liebe zugewendet, wie Mayer 
d Inst, archeol. T. 3 tav. 40 A. Welcher, A. B. 50 wollte, sondern sofort sich getötet habe, ist 
3, 553 ff. u. sonst. Heyne zu Philostr. 2. Opusc. Wagner p. 201 ohne weiteres zuzugeben. — Der . 
5, 111. Müller, Handb. d. Arch. § 413, 1. Sarkophag in St. Chiara ist auch abgebildet 
Overbeck, Gall. heroischer Bildwerke 1 S. 327ff. bei Baumeister, Benkm. 1574 p. 1422, woselbst 1 
Brunn, Eünstl.-Gesch. 2, 248. \Bohde, B. gr. p. 1423 weitere Litteraturangaben. Höfer.] 
Boman p. 33 Anm. 5 p. 105 Anm. 1. Sogliano, — 3) Tochter des Alkmaion, Gemahlin des Pe- 
Pitt. mur. camp. p. 111 nr. 575. Cat. of engr. leus, dem sie die Polydora gebar, Schol. II. 16, 
gems in the Brit. Mus. p. 67 nr. 327 = Bull. 175. — 4) Tochter des Amyklas, Gemahlin des 
d. Inst. 1839 p. 102 nr. 34. Overbeck, Über Arkas, Mutter des Triphylos, Paus. 10, 9, 3; 
eine Statue im Palast Barberini . . welche Lao- sonst auch Leaneira genannt, Apollod. 3, 9, 1. — 
damia . . darstellt, Ber. d. S. Ges. 1861 p. 251 60 5) Tochter des Ikarios und der Asterodia, 
—289. Drexler.] — [Tovtov (Protesilai) yvvr\ Schwester der Penelope, Schol. Od. 4, 797. [Creu- 
AaoSäpi-iu xui psza früvazov ^qa xal jioijj- eer, Meletemata p. 49. Höfer.] — 6) Amme des 
oaou stömlov nomtseiläm naQunXrioiov, tovza Orestes, deren Sohn von Aigisthos für Orestes 
jtgocrafiflst. '.EpftJjs Ss lUr\aävtwv 9imv avrjyay's gehalten und getötet wurde, Pherekydes b. Schol. 
Hqoatsaaaov l| "Aiäov. Aaoöäaua äh ISovaa Pind. P. 11, 25. Schol. Aeschyl. Choeph. 731; 
jtai vopiaaeu avxbv ex. Tgoiag naoiivoct, to'ts sonst Arsinoe genannt. — 7) Gemahlin des 
uev näon, naliv äh inuvazdsvtos eis "AiSov Antiklos, eines der im hölzernen Pferd befind- 
favTT)v i<p6vev0sv, Apollod. Epit. Vat. 17, 16 f.; liehen Griechen {Od. 4, 286), Thryphiod. 476. 



1829 Laodike Laodikeia 1830 

[Zu den oben Bd. 1 s. v. Antiklos citierten Drexler.] [Die Erzählung, dafs sie von der 
Stellen ist nachzutragen Apollod. fr gm. Sabb. Erde verschlungen sei, findet sich auch bei 
Bhein. Mus. 46 (1891), 173, 11 ff. = Apollod. Apollod. Epit. Vat. 21, 23 =- Apollod. frgm. 
Epit. Vat. 21, 17; vgl. Wagner, Cur. mythogr. Sabb. Rhein. Mus. 46 (1891), 173, 29ff. Nico- 
lai f. Höfer.J — [8) Braut des Peirithoos, laos Progymn. 2, 1 p. 269 = Mythogr. Wester- 
sonst Hippodameia genannt, Fröhner, Cat. mann p. 376, 44; vgl. auch ltionysios Chal- 
d'une coli, d'ant. Fans 1868 p. 61ff. nr. 92. kideus im Schol. Eur. Androm. 10. Höfer.] 
Drexler.] [Krater, früher der Sammlung Fitti- — 7) Tochter des Aloeus, von Aiolos Mutter 
paldi in Anzi, später der Sammlung des Prinzen des Salmoneus und Kretheus, Schol. Od. 11, 237. 
Napoleon angehörig. Vgl. G. 1. Gr. 8442 b . 10 — 8) Schwester der Penelope, Tochter des 
Arch. Ztg. 29, 159. 41, 62. Boscher.] [Monum. Ikarios und der Asterodia, Schod. Od. 1, 275. 
ined. 1854, 16. Braun, Annali 1854, 85 ff.; vgl. 277. [Cramer, Anecd. Graec. Paris. 3, 422, 15. 
Ballett. 1853 166. S. auch Bd. 1 Sp. 2671 Höfer.J — 9) Tochter des Kyknos, Beischläferin 
Z. 19 ff.; Bd. 2 Sp. 1036 Z. 58 ff. Höfer.] Vgl. des Odysseus vor Troia, Schol. II. 1, 138. 
Laodame. [Stoll.J ■ [Cramer, Anecd. Graec. Paris. 3, 125, 10. Höfer.] 
Laodike -(Aaoäfari), 1) Nymphe, Gemahlin — 10) Geliebte des Poseidon, Ov. Her. 19,135. 
des Phoroneus in Argos, Mutter des Apis und [— 11) Tochter des Iphis, des Sohnes des 
der Niobe, Apollod. 2,1,1; doch ist die Lesart Alektor, Gemahlin des Hipponoos und Mutter 
TrjlidCurj vorzuziehen, Stark, Niobe 339 f. — des Kapaneus, Schol. Eur. Phoen. 180. Bei 

2) Laodike und Hyperocke, zwei hyperboreische 20 Hygin. f. 70 heifst sie Astynome, Tochter des 
Jungfrauen, welche aus dem Lande der Hyper- Talaos. Höfer.] [Stoll.] 

boreer (s. d.) heilige Gaben nach Delos brachten, Laodikeia {AaoSUua). 1) Das Haupt der 

wo man ihre Gräber ehrte, Herod. 4, 33 ff. ; s.Hy-* Stadtgöttin von Laodikeia Phrygiae erscheint 

peroche u. Hyperboreer. [Bd. 1 Sp. 2811 Z. 13 ff. mit der Beiachrift AAOAIK6IA oder AAOAIKHA 

• und Arnop. adv. gent. 6, 6 p. 123 b. Höfer.] — mit der Mauerkrone und zuweilen auch dem 

3) Tochter des Kinyras, Königs von Kypros, Schleier auf dem Obv. zahlreicher Münzen der 
vermählt mit Elatos, Sohn des Arkas, dem Stadt, Mi. 4, 314, 682. 683. S. 7, 580, 422. 423; 
sie den Stymphalos und Pereus gebar, Apollod. 581, 430. 431. Cohen, Cat. Greau p. 176 nr. 1997. 
3, 9, 1; s. Kinyras. — 4) Tochter des Ar- Leake, Num. Hell. As. Gr. p. 73. Cat. Mollin et 
kaders Agapenor, der, auf seiner Heimfahrt 30 Feuardent 2 1863 p. 399, 6124 (AAOAIKEA). 6125. 
von Troia nach Kypros verschlagen, dort Neu- Imhoof,- Gr. Münzen p. 743 nr. 715; ohne Bei- 
Paphos gründete. Sie schickte von Kypros schritt z. B. Leake, N. H Sttppl. p. 62. Imhoof, 
aus der Athena Alea nach dem heimischen Monn. gr. p. 406 nr. 126. Die Münzen, welche 
Tegea einen Peplos. In Tegea gründete sie die Laodikeia in ganzer Gestalt stehend oder 
einen-Tempel der paphischen Aphrodite, Paus. sitzend zusammen mit Kapros und Lykos dar- 
8, 6, 2. 8, 53, 3. Engel, Kypros 1, 225 ff. — stellen, s. oben Bd. 2 Sp. 955 f. s. v. Kapros. 
5) Tochter des Agamemnon und der Klytaim- Den daselbst unter c verzeichneten Typus giebt 
nestra, II. 9, 145. 387; an ihre Stelle trat bei auch Leake, N.H.As. Gr. p. 74. Sitzend, mit 
den Tragikern Elektro, ScftoJ. 2 f. 9, 145. Eustath. der Mauerkrone, ein Füllhorn im 1. Arm, auf 
p. 742, 62. Ael. V. H. 4, 26; s. Iphianassa nr. 2. 40 der R. das Kultusbild des laodikenischen Zeus, 
[Hesych. s. v. AaoSUrjv ol vccötiqoi 'HXEY.rqav vor ihr die <t>PYriA, stehend, mit Füllhorn und 
li yOvow. Etym. M. 426, 5. Robert, Bild u. zwei Ähren, hinter ihr die KAPIA, stehend, mit 
Lied 173. Zur Etymologie s. Etym. M. 556, Füllhorn und Zweig, ist sie abgebildet auf einem 
24. Etym. Gud. 362, 19. Eust. ad Hom. II. Medaillon des Caracalla, s. v. Schlosser, Num. 
742, 47. Anecd. Graec. Oxon. 1, 259, 15. Zeitschr. 23 1891 p. lf. nr. 1 Taf. 1, 1, welcher 
Anecd. Paris. 3, 54, 18. 20. 32. Höfer.] weitere Nachweise für diesen Typus giebt und 
— 6) Tochter des Priamos und der Hekabe, über das häufige Vorkommen des Kultusbildes 
Gemahlin des Helikaon, IL 3, 124. 6, 252. des Zeus von Laodikeia, einer einheimischen 
Hyg. f. 90. Apollod. 3, 12, 6. Gemahlin des phrygischen Gottheit, auf den Münzen phry- 
Telephos heifst sie bei Hyg. f. 101 ; andere 50 gischer Städte handelt. Letzterer, dargestellt 
jedoch nennen diese Astyoche, Schwester des stehend mit Adler und Scepter, wird verzeich- 
Priamos, Schol. Od. 11, 220. Nach späterer net von Imhoof, Monn. gr. aufser auf Münzen 
Sage soll sie als Jungfrau mit Akamas, dem von Laodikeia (p. 404. 408), auf solchen von 
Sohne des Theseus, oder mit dessen Bruder Baris (p. 316), fciardeis (p. 388), Traianopolis 
Demophon, als er mit Diomedes wegen Zurück- (p. 414), von demselben in Griech. Münz, aufser 
forderung der Helena nach Troia kam, den auf denen von Sardeis (p. 722) auf Münzen 
Munitos (Munichos) gezeugt haben, Parthen. 16. von Apollonia Salbake (p. 669), Philadelpheia 
Tzetz. L. 314. 447. 495. Plut. Thes. 34; s. De- (p, 721), Kolossai (p. 733), Hierapolis (p. 739), 
mophon nr. 2 und Akamas. Nach Troias Er- Sala (p. 746). Head, Hist. num. fügt noch 
oberung folgte sie dem Akamas ; in derLesche zu 60 hinzu die von Grimenothyrai (p. 564), Temeno- 
Delphi war sie unter den gefangenen Troerinnen thyrai (p. 669) , Tiberiopolis (p. 590) , Tripolis 
dargestellt, Tzetz. L. 495 (p. 651 Müll). Paus. (p. 670), 

10, 26, %. Plut. Kim. 4. Oder sie wurde bei der 2) Das Haupt der Stadtgöttin von Laodikeia 

Eroberung der Stadt auf ihr Flehen von der ad Mare findet sich mit der Mauerkrone oder mit 

sich öffnenden Erde verschlungen, Quint. Sm. dieser und Schleier häufig auf autonomen und 

13, 545 ff. Tryphiod. 66. Tzetz. Posthorn. 736. Kaisermünzen dieser Stadt, Mi. 6 p. 241. 242. 

Lyk. 314. 447. Bei Tzetz. Hom. 443 heifst sie 246—254. 257. S.S p. 167. 168. 171—173. Eug. 

Laodikeia. [Meineke, Anal. Alex. p. 97 f. Chaix, Description de onze cents monnaies imp. 

68* 



1831 Laodikeia Laodokos 1832 

grecq. et col. lat. Paris 1889 p. 129 f. Zuweilen ständiger Typus vorkommt auf Münzen des 
ist dieses Haupt in einem zweisäuligen Tempel Blagabal, Mi. 5, 260,795; Philippus sen., Mi. 6, 
dargestellt, so unter Marc Aurel, Mi. 5, 253, 755 ; 262, 806 ; Trebonianus Gallus , Mi. 5, 263, 810 
Commodus, Mi. 5, 254,760. 761. S. 8, 175, 243; und hier beschrieben wird als „Figure tour- 
Septimius Severus, Mi. 5, 255,768; Elagabal, relee (oder „le modius sur la tete"),vetue de 
Mi. 5, 259, 788. 789. S. 8, 178, 253. 254. Cat. de la stola la m. dr. levee armee d'une hache et 
Mousiier p. 163 nr. 2530. Ghaix p. 131 nr. 905. la g. d'un bouclier rond; ä ses pieds, deux cerfs". 
Letzterer hält es für das Haupt der Provinz. Auf — [3) Hinsichtlieh der von Mi. 5, 306, 145. 307, 
Münzen des Septimius Severus und der Iulia 148 und 307, 150 nach Vaillant verzeichneten 
Domna soll dieses Haupt der Stadtgöttin im Tem- io Münzen des Antoninus Pins, der Iulia Domna 
pel durch das der Iulia Domna ersetzt sein, Mi. und des Decius von Laodikeia am Libanon 
S. 8, 246. 247. Cat.deJfoMsMerp.137nr.2160; und mit dem Haupte der Stadtgöttin vermutet 
diese Münzen sollen die Aufschrift AYI" • AOM- de Saulcy, Numismatigue de la Terre Samte 
NA-TYXH-MHTPOTTOAEQC, IOYAIA • AOMNA • p. 4 f., dafs sie vielmehr nach Kaisareia am 
AAOAIK6QN • MHTPOTTOA6QC und . . . AOMNA Libanon gehören. Desgleichen zweifelt er an 
TYXH AEG)A zeigen. Stehend mit Mauerkrone, der Zugehörigkeit zu Laodikeia ad Libanon 
SteuerundÄhrenerscheintdieseunterAntoninus bei den von Mi. 5, 306, 146 und S. 8, 213, 
Pius, Mi.S. 8, 178, 232; ebenso mit Steuerruder 87.88 verzeichneten Münzen des Commodus 
und Füllhorn unter Elagabal, Mi. S. 8, 173, 256; und des Caracalla, von denen die erstere eine 
ebenso mit Steuer in der R., die L. erhoben 20 Frau mit Mauerkrone, in der R. ein Feldzeichen, 
unter Trebonianus Gallus, Mi. 5, 263, 811; in der L. ein menschliches Haupt, tretend auf 
stehend, mit Mauerkrone, Steuer in der R., .eine kleine Figur (Flüfsgott), mit der Beischrift 
auf der L. eine kleine Figur, von Ghaix als TYXH • AAOAIK6QN • AIBAN , die letztere eine 
Siegesgöttin bezeichnet (welche auf einer von auf einem Felsen sitzende Frau mit Mauerkröne, ^ 
Ghaix p. 132 nr. 906 unter Laodikeia verzeich- bekränzt durch Nike, zu Füfsen je £in Flufs- 
neten Münze des Trebonianus Gallus mit der gott , mit . der Beischrift AAOAIK • AIBANOY 
Reversaufschrift .... APOLLOS auf einem ' zeigen soll.] [Drexler.] — 4) S. Läodike. 
Globus steht), unter Trajan, Mi. 5, 250, 732 Laodikos (Aaödixog) , 1) s. Laodokos nr. 2. 
—734; M. Aurel, Mi. S. 8, 174, 238 (hier wird — 2) Vater der Theognete, welche dem Aison 
die Meine Figur nach Sestinis Vorgang auch so den Iason gebar, Andron b. Schal. Ap. Bh. 
von Mionnet als Nike bezeichnet). 175, 241; 1, 45. Müller, Fr. hist. gr. 2 p. 352, 15. — 
L. Verus, Mi. S. 8, 175, 242; Elagabal, Mi. 5, [3), einer der Freier der Penelope aus Zakyn- 
261, 797. Chaix p. 131 nr. 899. 900; Philip- thos, ApoTlod. frgm. Sabbait. Bhein. Mus. 46 
pus sen., Mi. 5, 262, 805, auf dessen Münzen (1891), 180,. 4. Höfer.] [Stoll.] 
die Stadtgöttin- auch zuweilen zwei kleine Fi- Lno&obe (Aaoäöxri), Amazone auf einerTotfig. 
guren auf der L. trägt (Mi. 5, 262, 804. S. 8, Vase bei Fiorelli, Bacc. Cumana tav. 8. 
179, 261), während auf einem Stück des Phi- [Klügmann.] 
lippus jun. die Figur durch einen Adler ersetzt Laodokos (Aaööoxog,aach'As(äSoxog), 1) Sohn 
ist, Mi. S. 8, 180, 263. Sitzend, mit der Mauer- des Apollon und der Phthia, der mit seinen 
kröne, ein Steuer in der R., ein Füllhorn in 40 Brüdern Doros und Polypoites im kuretischen 
der L., zu ihren Füfsen ein Flüfsgott, darüber Lande durch den aus Elis geflüchteten und 
ein Altar, unter dem Sitz ein Fisch, ist sie von ihnen aufgenommenen Aitolos getötet Ward, 
dargestellt auf einer Münze des Septimius Se- worauf dieser das Land in Besitz nahm und 
verus, Mi. 5, 255, 769; ebenso sitzend, mit Schale nach sich benannte, Apollod. 1, 7, 6. — 2) Zwei 
und Füllhorn, umgeben von zwei stehenden hyperboreische Heroen, Laodokos und Hyper- 
Frauengestalten mit Ähren und Füllhorn unter ochos, verteidigten das delphische Heiligtum 
Caracalla, Mi. 5, 257, 776; sitzend, umgeben gegen den Angriff der Gallier, Paus. 10,23,3. 
von vier stehenden Frauen mit Mauerkrone 1, 4, 4. In der letzteren Stelle heifsen sie Ama- 
(Städtepersonifikationen), zu Füfsen ein Flufs- dokos oder Hamadokos und Hyperochos. Müller, ■ 
gott unter Elagabal, Mi. 5, 260, 794; Philip- 50 Bor. 1, 268 schreibt an beiden Stellen Laodikos 
pus sen., Mi. 5, 263, 809; Valerianus sen., Mi. wegen der Hyperboreerin Laodike neben Hyper- 
5, 264, 815; sitzend, vor ihr das Kolonial- oche bei Herodot 4, 33. S. Hyperboreer, 
zeichen, der stehende Silenus mit erhobener [Bd. 1 Sp. 2809 Z. 50ff. Höfer.] — 3) Argi- 
R. und Schlauch auf 1. Schulter unter Cara- ver, Sohn des Bias und der Pero, Bruder des 
calla, Mi. 5, 258, 178; ebenso, mit Steuer und Talaos und Arei'os, mit denen er an der Argo- 
Füllhorn, auf einem Felsen sitzend, zu ihren nautenfahrt teilnahm, Ap. Bh. 1, 119 (AecöäoKog). 
Füfsen ein Flüfsgott, vor ihr Silen, im Felde Orph. Arg. 146. Vol. Fl. 1,358 (Leodocus). Als 
ein Stern, unter Elagabal, Mi. 5, 260, 792. Cßt. Teilnehmer an dem Zug der Sieben gegen Tb eben 
De Mousiier p. 164 nr. 2531 (wo der Stern nicht siegte er bei den Leichenspielen des Arche- 
erwähnt wird); vgl. nr. 793 und Chaix p. 131 60 moros im Speerwurf, Apollod. 3, 6, 4. — 
nr.'902, wo der Silen fehlt; ebenso, nur statt des 4) Genosse des Antilochos vor Troia, II. 17, 
Silen vor ihr eine Figur, welche Mi. S. 8, 177, 699. — 5) Sohn des Antenor, Troer, II. 4, 87. 
252 nach Sestini beschreibt als „Diane tutulee et [Eust. ad Hom. II. 447 , 29 = Aao86%og. 
vetue de la stola debout entre deux petita cerfs Höfer.] — 6) Sohn des Priamos, Apollod. 3, 
prenant de la m. dr. une fliehe dans so» carquois 12, 5 [von Agamemnon getötet, Dictys 3, 7. 
suspendu derrierele dos et tenantun bouclier de la Höfer.] — 7) Ein nicht näher bezeichneter 
gauche", unter Elagabal. Letztere Gestalt ist Troer, von Diomedes getötet, Quint. Sm. 11, 
aber offenbar dieselbe Figur, welche als selb- 85. [Stoll.] 



1833 Laogonos Laokoon (b. Arttinos u. Sophokles) 1834 

Laogonos (Aaöyovog) , 1) Sohn des Zeus- dem Vater, durch die Schlangen den Tod 

priesters Onetor in Troia, fällt durch Meriones, finden. Vgl. Dion. Hol. 1,48 p. 121: Aineias 
II. 16, 604. — 2) Sohn des Bias in Troia, fällt . wandert nach dem Ida aus auf Mahnung des 

durch Achilleus, II. 20, 460. — 3) Grieche, vor Anchises, wegen Erfüllung der Vorzeichen vom 

Troia von der Amazone Derione erlegt, Quint. Untergange der Stadt, *at änb xäv vsmexl 

Sm. 1, 230. [Stoll.] yivöpsvmv nsql toüs Äaottooavzidas <f»)ftsiW 

Laogoras (Aaoyögag), ein übermütiger König xbv psllovta oXs&qov i% näXsmg ovvziKpriQU- 

der Dryoper, der in dem Haine des Apollon psvov. Dafs unter den Auonocovxiäai. nicht 

Schmause hielt, Bundesgenosse der Lapithen (s. blofs die Söhne des Laokoon, sondern Laokoon 
d.); mit seinen Kindern von Herakles erschlagen, 10 selbst zugleich mit zu verstehen sei, ist eine 

Apollod. 2, 7, 7. Müller, Bor. 1, 257. Bretter, Vermutung B. Förster's, die viel Wahrschein- 

Gr. Myth. 2, 262. Gerhard, Gr. Myth. 1 § 326, 3. lichkeit für sich hat ( Verh. d. 40. Philologen- 

2 § 675. 926. [Stoll.] Versammlung zu Görlitz 1889 S. 428, gegen 

Laogore (AaoyÖQti), Tochter des Kinyras, K. Robert, Bild u. Lied S. 192). Dann ist 

Königs in Kypros, und der Metharme, Apollod. aber auch die Erzählung Hygins (f. 135) wahr- 

3, 14, 3. Engel, Kypros 2, 127. Movers, Phö- scheinlich aus Sophokles geflossen, nach der 

nizier 1, 239. 242; s. Kinyras. [Stoll.] Laokoon, Priester des Apollon (Thymbraei 

Laoitas (Aaolxag), Beiname' des Zeus und Apollinis; Myth. lat. 2,207) den Unwillen seines 
des Poseidon, wie Laoitis Beiname der Hera Gottes erregt hatte, weil er gegen dessen 
und der Athena. Beide Götterpaare hatten 20 Willen geheiratet und Kinder erzeugt hatte, 
je einen gemeinsamen Altar in der Altis von Als er an Stelle des Poseidonpriesters — der 
Olympia nach der corrupten Stelle bei Paus. eigentliche Poseidonpriester war (ut Euphorion 
6, 14, 5, welche Belcker mit Hilfe von Paus. dicit, Serv. Verg. Aen. 2, 201. Myth.lat.ed.Bode 
5, 24 t 1 und Schol. Pind. Ol. 5, 5 und 3, 19 2, 207), bei Ankunft der Griechen gesteinigt 
so herstellt: xoha äs siil svbg ßcopov Kgöva worden, weil er nicht durch Opfer die An- , 
»vovai Kai 'Pia- situ Aaoixa. du xat Iloesi- kunft der Griechen verhindert hatte — durch 
ämvi Aaoha- 'iiil äs svbg '$m(tov xai avxrj das Los bestimmt dem Poseidon ein Opfer 
■xa9sar7jii£v ' r\ »vaia- nsfinxa "Hga. Aaoixiäi am Gestade darbringt, sendet Apollon occa- 
»vovai xal Aaoixiäi 'Adr\vä, s. A. de Molin, sione data von Tenedos aus über das Meer 
De ara apud Graecos p. 36'Anm. 32 p. 38, 39, 30 zwei Schlangen gui filios eius Antiphaten et 
welcher &\ii E. Curtius, Die Altäre von Olympia, Thymbraeum necarent. Bei dem Versuch, den 
Abh. d. Berl. AM. 1881 verweist. [Pott, Zahlen Söhnen beizustehen, findet Laokoon selbst unter 
von kosmischer Bedeutung, Zeitschr. f. Völker- den Windungen der Schlangen seinen Tod. Die 
Psychologie u. Sprachwiss. 14' (1883), 38 be- Troer aber, denen der eigentliche Grund ver- 
zeichnet den Zeus Auokris als 'Lenker der borgen ist, glauben, dafs er deshalb getötet 
Geschichte von Völkern wie Einzelmenschen'. sei, weil er gegen das hölzerne Pferd die Lanze 
Höfer.] [Drexler,] geschleudert hatte. Das Schuldmotiv, die Liebe 

Laokoon (Aaowmv, -avxog), 1) S. des Par- des Laokoon zu seiner Gattin, hat Sophokles 

thaon oder Partheus, Bruder des Oinens wahrscheinlich dem Bakchylides entnommen, 
(ov psv iijg ys lirjrigog, äXXä s &fjeau yvvri xsxs) 40 Schol. Fuld. zu Verg. Aen. 2, 201 Sane Bacchy- 

a,usKa\ydon(Eyg.f.U. Schol. Apoll. Rh. 1,191), lides de Laocoonte et uxore eius vel de serpen- 

wird von Oineus als Begleiter des Meleagros tibus a Calydnis insulis venientibus atque in 

(y gl." Phoinix und Achilleus) zur Argonauten- homines conversis dicit; darüber geht Eupho- 

fahrt mitgesandt {xbv psv ao' Olvsvg rjäri yrj- rion hinaus, indem er Laokoon ein piaculum 

Qaliov KO0iifiTOQu naiäbg laXXsv); Ap. Rh. 1, begehen liefs, ante simularum numinis cum 

191 ff (Antiopa sua) uxore rem habendo {Serv. Verg. 

2) S. des Kapys (Konj. für Acoetes), Bruder Aen. 2, 201. Myth. lat. ed. Bode 2, 207). Dafs 

des Anchises, Hyg. f. 135, oder des Antenor, Sophokles die Namen der Schlangen angegeben 

Tzetz. Lyk. 347; seine Gattin heifst Antiope habe, sagt deutlich Serv. Aen. 2, 204: horum 
nach Serv. Verg. Aen. 2, 201, seine Söhne sind 50 sane draconum nomina Sophocles in Laocoonte 

Ethron und Melanthus, Serv. Verg. Aen. 2, 211 dicit, so wenig wahrscheinlich dies an sich ist. 

nach Thessandros 1. Pisandros, oder Antiphas DieselbenSc7»oKe»bemerkenzu2,2117josdracones 

und Thymbraios nach Hyg. f. 135. Die früheste Lysimachus curifin et periboeam dicit, Worte, die 

Erwähnung des Laokoon findet sich bei ArUinos nach Schol. zu Lykophr. 347" nöq*ng xai XagC- 

(KinJcel,Ep. Gr. frg. 49) f als die Troer das hol- ßoia ovöfiata- o't uXevaavxsg h xmv KaXväväv 

zerne Pferd umstehen, unschlüssig, was sie zu vriaatv f)X9ov sig Tgoiav^ %ul äiscp&eiQttv^ xoyg 

thun haben, und beraten, ob sie es herabstürzen Tcaiäag Aaonöwvxog iv xä xov Sv^ßgaütv^ AitöX- 

oder verbrennen oder der Athena weihen sollen, Xmvog vsä' b äs Auoriecov vtog r\v Avxrjvogog- 

trägt schliefslieh die letzte Meinung den Sieg toüto äs yiyovs ai}ft,siov tjjs 'iXioy aXäesmg 
davon; in der Überzeugung, jeder Gefahr jetzt eo in Forcen et Ghariboeam verbessert sind. Diese, 

ledig zu sein, feiern sie die Befreiung mit meint Robert S. 144, seien Personen gewesen, 

frohem Mahl. 'Ev avtm äs xovxm ävo ägä- die von den kalydnischen Inseln herüber- 

Kovxsg smyavtvxsg xov 'xs Aaoxöat'vxa mal xbv kommen, sich aber plötzlich in Schlangen ver- 

tiseov xäv maiäcov Siay&slQovciv; durch dieses wandeln, also umgekehrt wie bei Bakchylides, 

Vorzeichen geschreckt wandert Aineias mit den bei dem die Schlangen in Menschen verwandelt 

Seinen aus. Während bei ArUinos der Vater werden. Das Lykophronscholion stimmt übrigens 

mit einem Sohn umkommt, läfst Sophokles vielfach so genau mit Sophokles überein, dafs 
beide Söhne, wahrscheinlich zugleich mit man geneigt sein könnte,. es auf das sophokle- 



1835 Laokoon (b. Quint. Smyrn. u. Vergil) Laokoon (Bildwerke) 1836 

isehe Stück zurückzuführen und, wie Robert erst recht ins Verderben geraten. Die Verqil- 

thut, die Katastrophe bei dem Tragiker in ische Erzählung soll nach Macrob. Sat. 5; 2, 4 

das Apollonheiligtum zu verlegen, doch spricht auf Pisander zurückgehen; das kann nicht der 

dagegen fr. 342 bei Nauclc, Fr. tr., wo der alte, sondern nur Pisander von Laranda sein, 

Chor den Poseidon anruft. Dafs bei Lykophr. der unter Alexander Severns schrieb, so dafs 

Alex. 347 IIoQWve ituiSoßeäs genannt wird, diese Nachricht für die Quelle Verpils ohne 

berechtigt noch nicht anzunehmen, dafs damit Bedeutung ist (B. Förster, Görl. Philologenvers. 

der Dichter auf den Untergang der Kinder 1889 S. 431). Auf denselben Pisander geht 

ohne den Vater habe hinweisen wollen, oder wohl auch die Benennung der Söhne des Lao- 
dafs er auf Sophokles zurückgegangen sei 10 koon als Ethro und Melanthus zurück, die bei 

(Teetzes zu v. 347 u. Posthorn. 713 spricht nur Servius dem Thessandrus zugeschrieben wird, 

von einem Sohn des Laokoon). Quintus Smyrn. Dafs Laokoon sorte ductus Priester des Po- 

allerdings läfst nicht den Vater, sondern nur seidon ist, scheint für Vergil durchaus unnötig 

die Kinder von den Schlangen töten, aber ob und unerklärbar, wenn man nicht annehmen 

er sich darin auf eine ältere Quelle stützt, will, dafs der Dichter darin nur einem Zuge 

ist sehr zweifelhaft. Bei ihm warnt Laokoon folgte, den er in seiner Quelle vorfand. Damit 

(12, 391) vor dem hölzernen Rosse und rät es werden wir aber auf die bei der Besprechung 

zu verbrennen, weshalb Athena die Erde er- des Sophokles angeführte Wendung der Sage 

beben läfst und den Laokoon mit Blindheit zurückgewiesen. 

schlägt; durch die über ihn verhängte Strafe 20 An Vergil lehnt sich ziemlich eng an Peiro». 

werden die Troer genötigt, an die Wahrheit Sat. 89. Laokoon heifst ohne weiteres Nep- 

der Worte Sinons zu glauben, sie ziehen das tuno saeer, in Mifsdeutung des Vergilianischen 

Rofs und damit für sich das Verderben in die ductus Neptuno sorte sacerdos; — er tritt mit 

Stadt. Aber Laokoon hört auch so noch nicht gelöstem Haar, crinem solutus, auf; die Täu- 

auf, zur Verbrennung des Rosses aufzufordern. schung ahnend schleudert er eine Lanze gegen 

Da schickt Athena von der Kalydna- Insel das Pferd, ohne Erfolg; darauf ergreift er ein 

zwei Schlangen, vor denen die Troer in wilder Beil, um von neuem das Pferd zu untersuchen, 

Flucht davonstürzen; nur Laokoon mit seinen als zwei Schlangen vonTenedos über das Meer 

Söhnen bleibt stehen, von starrem Entsetzen herbeikommen; infulis stdbant sacri Phrygioque 
gepackt, und während die Kinder flehend die 30 cultu gemina nati pignora Läocoonte, diese 

Hände nach dem Vater ausstrecken, werden werden von den Schlangen umschlungen und, 

sie von den Schlangen aufgefressen; diese ver- während jeder seinem Bruder Hülfe zu bringen 

schwinden darauf im Heiligtum des Apollon' sucht, von den Schlangen getötet; darauf 

auf der Burg, von den Troern aber wird zu stürzen sie sich auf den Vater, der mit schwacher 

Ehren der Laokoonsöhne ein Kenotaph er- Hand seinen Kindern Hülfe zu bringen sucht, 

richtet, bei dem Laokoon und seine Gattin und reifsen ihn nieder: invadunt virum iam 

ihre Söhne beweinen; das Schicksal des Lao- morte pasti membraque ad .terram trahunt. 

koon wird v. 560 als warnendes Beispiel der iacet sacerdos inter aras victima terramque 

Kassandra vorgehalten. plangit. Über den Verbleib der Schlangen 

Die Hauptstelle für Laokoon sind die be- 40 wird nichts gesagt, 

kannten Vergil- Verse Aen. 2, 40. 201. Laokoon D .,,.. . „ ... 

warnt vor dem hölzernen Pferd als einer ver- Bildliche Darstellungen, 

derblichen Gabe und schleudert seine Lanze Plin. n. h. 36, 37 Nee deinde multo plurium 

in den Bauch desselben, so dafs beinahe das fama est, quorundam elaritati in operibus ex- 

Geheimnis der darin versteckten Griechen ans imiis obstante numero artificum, quoniawnec 

Tageslicht gekommen wäre. Als die Troer unus oecupat gloriam nee plures pariter nun- 

der Erzählung des Sinon gelauscht haben und cupari possunt, sicut in Läocoonte qui est in 

noch unentschieden sind, wird Laokoon ductus Titi imperatoris domo, opus Omnibus et picturae 

Neptuno sorte sacerdos, als er im Begriff et statuariae artis praeferendum. ex uno lapide 
steht einen riesigen Stier dem Gotte zu opfern, 50 eum ac liberos draconumque mirabilis nexus de 

von zwei von Tenedos herbeischwimmenden consilii sententia fecere summi artifices Hage- 

Schlangen samt seinen Kindern angegriffen: sander et Polydorus et Athenodorus Bhodii. 

et primum parva duorum \ corpora natorum ser- Dafs die hier beschriebene Statuengruppe mit 

pens amplexus uterque \ implicat, et miseros morsu der 1506 unter Papst Julius II. in der Nähe 

depascitur artus ; \ post ipsum, auxilio subeuntem des Esquilin entdeckten und im Vatikan auf- 

et tela ferentem, | conripiunt spirisque ligant in- gestellten Gruppe identisch ist, darüber herrscht 

gentibus, et iam \ bis medium amplexi, bis collo kein Zweifel, obgleich sich herausgestellt hat," 

sguamea circum | terga dati, superant capite et dafs die Gruppe nicht, wie Plinius angiebt, 

cervieibus altis. Laokoon sucht sich von der aus einem Block, sondern aus mehrerenStücken 
Umschlingung zu befreien und läfst einen 60 gefertigt worden ist. Wohl aber ist streitig, 

furchtbaren Schrei ertönen. Nach Vollendung welcher Zeit die Gruppe angehört. Während 

ihres grausigen Werkes entfernen sich die die einen mit Lessing die Gruppe erst unter 

Schlangen zum Tempel der Athena auf der und für Titus entstehen lassen, weil sie in 

Burg und verbergen sich sub pedibus deae, den Worten des Plinius de consilii sententia 

clipeique sub orbe teguntur. Die furchtbare eine Hindeutung auf den Staatsrat .des Titus 

Begebenheit wird als Strafe für die Verletzung oder eine Art artistischer Kommission dieses 

des hölzernen Pferdes angesehen, so dafs die Kaisers sehen zu müssen glauben, setzen andere 

Troer das Pferd hineinziehen und dadurch die Künstler in das zweite vorchristliche Jahr- 



1837 



Laokoon (Bildwerke) 



Laokoon (Bildwerke) 



1838 



hundert, etwas früher oder später, je nachdem 
sie die Künstler des Laokoon von den Künst- 
lern des Pergamenischen Gigantenfries, oder 
diese von jenen abhängig glauben. Die frühere 
Litteratur ist in der zweiten Auflage von 
Blümner's „Lessing's Laokoon" Berlin 1880 



sind. Während Eobert an dem Ursprung der 
Laokoongruppe unter Titas glaubt festhalten 
zu müssen, weist M. Förster die dafür vor- 
gebrachten Gründe, die in 1. grammatisch- 
exegetische (angeschlossen an die Stelle des 
Plinius 36, 37), 2. mythog'raphisch - litterar- 




1) Die Laokoongruppe (nach Originalphotograpliie). 



S.722 angegeben; seitdem ist aufser Blümner's 
Abhandlung selbst ebd. S. 704 besonders die 
oben angeführte Abhandlung von G. Robert 
in „Bild und Lied" S. 4. 192 und die von 
M. Förster, Verh. d. 40. Philologenversammlumj 
in Görlitz Leipzig 1890 S. 74. 298. 428 zu er- 
wähnen, wo auch andere Besprechungen und 
kürzere wie längere Ausführungen erwähnt 



historische (angeschlossen an das Verhältnis 
der Gruppe zur Schilderung Vergil's) und 
3. paläographisch-epigraphische (angeschlossen 
an die Künstlerinschriften, welche die Namen 
der Künstler der Gruppe aufweisen) zerfallen, 
mit grofser Entschiedenheit zurück und sucht 
als Entstehungszeit des Laokoon die Mitte des 
zweiten Jahrhunderts v. Chr. nachzuweisen, 



1839 



Laokoon (Bildwerke) 



.d. h. er setzt den Laokoon an das Ende der 
rhodischen Kunstblüte, läfst ihn später als 
den Faraesischen Stier und später als den 
Pergamenischen Gigantenfries entstehen. 

S. 298 ff. führt er aus, dafs die sämtlichen 
vom Laokoonmytbus vorhandenen Darstellungen 
auf die Gruppe des Agesandros und seiner Mit- 
arbeiter zurückgehen r Versuche, -die gemacht 
sin,d, unabhängige, von der Gruppe verschie- 



Laokoon (in d. neuen Frgm. d. Apollod.) 1 840 

in allen Punkten das Richtige getroffen haben. 
Ergänzt ist der rechte Arm des Vaters und 
des jüngstens Sohnes, sowie die rechte Hand' 
des älteren Sohnes; der Arm des Vaters war 
„in unwillkürlicher Bewegung gekrümmt, so 
dafs sich die Hand nahe am Eopfe befand. 
Der Arm des jüngsten Sohnes kann auch 
nicht, wie ihn die Gruppe jetzt zeigt, auf- 
wärts gestreckt gewesen sein, er sank viel- 
dene Kompositionen nachzuweisen, sind bis io mehr kraftlos zusammen, so dafs die Hand 
jetzt noch nie von Erfolg gekrönt worden. den Kopf berührte. Die Gruppe gewinnt'da- 

durch ungemein, indem sie dann pyra- 
midalisch zuläuft und im Kopfe des 
Vaters ihre Spitze findet" (Friede- 
richs -Wolters, Bildw. 1422). 

[Bei Apoll, frg. Säbb. Bh. Mus. 46 
(1891), 173, 4ff. heifst es bei der Er* 
Zählung vom hölzernen Pferde: Ka- 
aävSQas ds \syovar\g evoitlov iv avxm 
dvvapiv stvai, v.alnqoßEzi Auox&wv- 

TOS TOV ßUVTSCOS , iioig [LSV tSOY.fl 

-A.atay.ahiv, zoiq Sh Katä ßaqdd'gtov 
cupiivtti. äo^av äs roig noXXoig ivct 
ceiiTov idamai 4rsiov ävä&Efrfijiu, tga- 
mivrsg sal ftvaiav tvm%ovvzo. Hier- 
mit stimmt wörtlich überein Apollod. 
Epit. Vat. 21, 15; doch heifst «s hier 
(21, 16) weiter: 'Anollmv 8\ avxolg 
arjiisiov sTtmi^nsi' ävo yug 
äQccxovteg Siavrjt,d fizvoi &iü 
trjg S'aläaarjg Jjt rmv nXrjaiov 
vi\6mv tovg Aaoytöcovxog ofovg 
xaTeo&iovoiv. Diese Apollodor- 
stellen sind von höchster Wichtigkeit. 
'Zuerst erfahren wir, dafs Laokoon 
Seher (pävzig) war; dies weist auf 
die in den älteren Quellen erzählte 
Thatsache hin, dafs Laokoon Priester 
des Apollon war — darf man hier- 
mit auch den Bericht des Prisäan 
6, 69 bei Keil, Grammat. Lat. 2, 253 f. 
in Zusammenhang bringen, dafs in 
Byzanz auf einem Dreifufs des 
Apollon, der auf dem Platz Xero- 
lophos stand, ein epigramma vetu- 
stissimum litteris antiqnissimis 
scriptum sich befand, auf dem der 
Name Laokoon AAFOKOFUN ge- 
schrieben war? — Die Scene mit dem 
hölzernen Pferd spielt bei Apollodor 
in der Stadt, of Tgäsg . ... xcqi- 
XaQevteg ellxov xbv tnnov xai Ttaqa 
tofs ngidpov ßäattsioig azrjoav- 
tsg ißovlsvovto, ti %Qrj nmslv. Kce- 
advSgag ntl. (s. o.), Apollod. Epit. 
Vat. 21, 14 (im fr. Sabb. fehlen die 
Worte von nagä zoig Tlgiäfiov -— noistv). Die 
Vorschläge, die von den Trojanern gemacht wer- 




2) Xjaokoon und seine Söhne, pompejanisches Wandgemälde 
(nach Blümner, Lessings Laokoon). 



Namentlich gilt von dem im Frühjahr 1875 
in Pompeji gefundenen Bilde, auf dessen Über- 
einstimmung mit Vergil ich zuerst aufmerksam den, 1) v.axav.aUiv, 2) xarä (Sagä&Qmv aquivai, 
gemacht habe (Jen. Litteraturseitung 1878 60 3) iäv 9s?ov dvä&rnia (denn dafs dieser Vor 
nr. 52), dafs es nur auf Grund der Kenntnis schlag auch gemacht wurde, folgt notwendi- 



der Gruppe entworfen sein kann, ein Umstand, 
durch den die Entstehung der Gruppe unter 
Titus unmöglich gemacht wird. 

Was die Marmorgruppe des Laokoon selbst 
anbetrifft, so ist allgemein bekannt, dafs die 
nur in Stuck ausgeführten Ergänzungen, über 
deren Urheber die Angaben schwanken, nicht 



gerweise aus der endgültigen Entscheidung), 
sind genau — nur der Reihenfolge nach ver- 
schieden — dieselben wie bei Arktinos: 
t) Y.azuHQrjfLvt'oai, 2) ■x.uta.cp't.iytiv, 3) isgov . . 
■cij 'A&rjvü avaTe&rjvai (bei Hom. Od. 8, 507 
tritt an Stelle des Vorschlages, das hölzerne 
Pferd zu verbrennen, der Rat: äianlfj^at nö'Clov 



1841 Laokoon (in d. neuen Frgm. d. Apollod.) Laokoon (in d. neuen Frgm. d. Apollod.) 1842 

Sögv vrjXs'C xaliuß). Überhaupt zeigt der Be- drücken soll, erklärt sich einerseits und haupt- 
richt des Apöllodor, soweit er auch im frgm. sächlich aus der ganzen Stellung des Apollon 
Sabb. mit erhalten ist, aufser der schon er- 'als des energischsten göttlichen Schützers 
wähnten Gleichheit der Vorschläge auch sonst Troias' ; andererseits aber war es, als Apollon 
eine auffallende Übereinstimmung mit der In- die Schlangen schickte, nach ApöUodors Be- 
haltsangabe des Proklos aus Arktinos: ßov- rieht bereits beschlossene Sache, das hölzerne 
Xsvovxai, o xi %gr\ noisiv = Apollod.: ißov- Pferd als Weihgeschenk aufzustellen. ApoUodor 
Xsvovzo, zi XQV noisiv. — Proklos: zgansvzsg ist also im ersten Teile seiner Erzählung dem 
Ss slg ev(pQoavvrjv svwxovvxai = Apollod.: ArJctinos gefolgt, und hat, als ihm hier der 
zgansvzsg inl &voi<xv svm%ovvto. Ohne Zweifel 10 Name Laokoon begegnete, das Schicksal der 
geht also ApoUodor im ersten Teil seiner Er- Laokoonsöhne nach einer anderen Quelle, 
Zählung auf ArMinos zurück. Ganz anders höchst wahrscheinlich nach Sophokles, erzählt; 
aber steht es mit dem Folgenden, von den allerdings unterliefs er es dabei, die Schuld 
Worten 'A itö XXmv Ss a«iots etjiiiiov im- des Laokoon (s. oben) gegen Apollon anzugeben. 
icifinsi. Diese Erzählung kann unmöglich — Die Betrachtung unserer Apollodorfrag- 
auf Arktinos zurückgehen, der ja den Lao- mente hat im wesentlichen die Resultate, die 
koon selbst und einen seiner Söhne* durch Robert a. a. 0. 192ff. gewonnen hat, bestätigt; 
die Schlangen umkommen liefs. Wir müssen nur in dem einem Punkt widersprechen sie 
also annehmen, dafs Apöllodor diesen Teil seiner Ansicht (p. 199 f.), dafs die „Schlangen" 
seiner Erzählung einer anderen Quelle ent- 20 als Personen von den kalydnischen Inseln 
nommen hat, und zwar einer Quelle, die 1) be- herübergekommen wären und sich plötzlich in 
richtete, dafs Apollon ein Zeichen, erjfisiov, Schlangen verwandelt hätten; Robert stützt 
gesendet habe; 2) die nur die beiden Söhne seine Ansicht darauf, dafs die Schlangen bei 
des Laokoon — denn den Tod des Laokoon Sophokles Namen tragen und auf den Aus- 
hätte ApoUodor, wenn etwas davon in seiner druck nXsveccvxsg in xwv KaXvSväv vfjewv 
Quelle stand, sicher nicht verschwiegen — fy&ov, Schol. vet. Lyk. a. a. 0. Letztere Stelle 
sterben liefs. Nun vergleiche man die Er- ist, mag auch der Ausdruck itXsvaavxsg von 
Zählung aus des Sophokles Laokoon bei Bionys. Schlangen etwas ungewöhnlich sein, meiner 
Mal. Arch. 1, 48 : Aineias verläfst Troia und Ansicht nach nicht beweiskräftig und Apollo- 
zmv vsmazi ysvo^isvtov jtspl zotig Aao- 30 dor sagt ausdrücklich Svo SgccKovxsg Sia- 
xoiovziSug orjfieiwv zbv fisXXovzu bXr.&gov vr\^ä(isvoi öiä trjg &aXcco/st}g. Geht also 
zrjg icöXscog ewreKfirtgäfievog und Schal, vet. ApoUodor, wie es nach der Übereinstimmung 
Lykopin: 347: die Schlangen discp&sigav rois seiner Erzählung mit Dionysios sicher scheint, 
naiäag Aao-AÖmvzog sv zm zov Sv/ißgaiov auf die Gestaltung des Mythos durch Sopho- 
'AitöXXwvog vtä> . . zovzo Ss yiyovs erifietov kies zurück, so kamen bei diesem die Unge- 
r?js 'iXiov äXm'asoag. Wir sehen: bei ApoUodor heuer als Schlangen über das Meer ge- 
sowohl als in dem Bericht des Dionysios über schwömmen und verwandelten sich 
des Sophokles Laokoon und in dem Lykophron- dann erst in Menschen, eben in jenen 
scholion, das, wie Robert, Bild und Lied 198 Porkes und jene Chariboia (s. oben), ein 
nachgewiesen hat, auf Lysimachos oder Sopho- <io Motiv, das Sophokles dem Bakchylides ent- 
kles zurückgeht, findet sich der Ausdruck nommen .hat; s. Bakchyl. fr. 32. Bergk, Poet, 
aijiisiov — vgl. auch Serv. Verg. Aen. 2, 201 Lyr. 3\ 581: Seme Bacchylides de Laoeoonte 
quod autem ad arcem ierunt serpentes, id est et uxore eius et de serpentibus a Calydnis 
ad templum Minervae (factum est), aut quod insulis venientibus atqueinhominescon- 
et ipsa inimica Troianis fuit, aut Signum fuit versis dicit. — Auf die spätere Vergilische 
periturae civitatis. — Wem Apollon das Zeichen Form der Sage spielt Ovid. Ib. 483f. an: 
geben wollte (AicöXXmv avxoig cripstov sni- neve venenato levius feriaris ab angue . . quam 
■nifijcsi), giebt Dionys. a. a. 0. und die In- qui Cava primus acuta Guspide suspecti robora 
haltsangabe des Proklos aus ArMinos an: sml fixitequi, wozu das Schol. Askeuian. 483 bemerkt: 
Ss zm xiQctti (= ajjfisico) Svaipog^aavxsg oi 50 Laconta signifieat, qui primus equum percussit 
itsgl zov Alvslav vnet-riX&ov slg xr\v "IStjv • Palladis ligneum, in quo inclusi erant Graeci, 
wir haben also unter den avxoig bei ApoUodor unde dilaceratus est a serpentibus eodem die, 
den Aineias, den besonderen Schützling des ut dicit Virgilius. — Aus Tzets. ad Lyc. 344 
Apollon (Mom. II. 5, 437ff. 512. 17, 322ff. 20, Svo Sgdnovxsg . . xbv maiSa xov Aaonönv- 
79; vgl. Quint. Smyrn. 11, 129), und seine Um- tos ävstXov psoov navxbg zov Xctov, ozi xm 
gebung zu verstehen, mit einem Wort: Apollo- Sogazi ßaXslv xbv Sovgsiov Jitnov ixöX- 
dor nimmt von den Worten 'AnöXXmv Ss avzoig jmjgs (vgl. ebenda 347 zov Aao%ocavzog nociSa 
kzX. an bis nuzsa&iovaiv auf das Sophokleische ävstXov) kann man noch eine andere Form der 
Stück Bezug. In den Worten Sgdxovzsg . . . Sage erschliefsen, dafs nämlich nicht Lao- 
xovg Aaoxöcovxog viovg iiitzse&tovaiv liegt 60 koon, sondern sein Sohn mit der Lanze das 
ein neuer Beweis für die Richtigkeit der An- hölzerne Pferd durchbohrt habe. Diese Ver- 
sieht von Robert a. a. 0. 197, dafs unter den mutung wird bestätigt durch Schol. Galean. 
AocoKocavxiäai bei Dionys nur die Söhne ad Ovid. Ib. a. a. 0. tangit . . de Lacoonte 
des Laokoon gemeint seien. Dafs das ar\- vel Terone (Therone schreibt Ellis ed. Ibidis 
pstov, das Apollon gab, nur die Warnung des p. 85), qui lancea fixit equum Paüadis. Sehr 
Aineias bezweckt, nicht etwa aber eine Mifs- wahrs cheinlich ist die Vermutung von Ellis 
billigung über das Verhalten des Laokoon bei a. a. 0. 84, dafs dieser Tero (Thero) identisch 
den Beratungen über das hölzerne Pferd aus- ist mit dem von Serv. ad Verg. Aen. 2, 211 



1843 Laokoosa Laomedon 1844 

erwähnten Sohne des Laokoon Ethro und dafs Opfer fallen, bis L ' . J^*^ *!£<£Ä 

man bei Serv zu schreiben habe filios Lao- zum Fräße ausgesetzt wnd (s diesen ArtiKel). 

7ontl Theronern et Melanthum? - Eine Als diese an die ^Jen |eschmiedet ist, er ; 

Geschichte der Auffindung und der Schicksale scheint Herakles und beireit sie gegen aas 

de ^ LaokoongCpe 1 owie eine Zusammen- Versprechen L.'s, ihm die Rosse zu überlassen 

stellun- der S„i ss e über die Auffindung die Zeus dem Tros für den geraubten Ganymed 

t^mTaeUs^GescMchte des Statuenhofes geschenkt hatte, IL 6 265 • Laomedo, iha Usern 

^Vatikanischen Belvedere, Jahrb. d. Kais. Wort nicht. Deshalb k ^rt Herakles spater 

D arch Inst 5 (1890), 15. 16 und bes. Anm. 36. mit 6 Schiffen, und „gefolgt von wenigen 
17 2 6 1 ''•«TBB 67 ™S. 16; vgl. -ArÄÄTm^-io Männern" (II. 5, 641) wieder und zerstört 

bei Ersch und Gr lber s v Laokoon. Die Troia. ApollodorJ, 6, 4 spricht von einem 

^okoongruppe n dem Zustande des ersten Zug von 18 Schiffen, an dem sich ein Heer 

Befundes ist u a abgebildet bei Baumeister, der besten Männer, darunter Telamon und 

I1£lrk nr 26.U die Sage, wie Bobert Oikles, fre ^8 beteiligt habe Laomedon 

a a O vermutet sich den Namen Laokoon wird getötet, seine T Hesione eine beute der 

aus den Namen der beiden Antenoriden Koon Sieger, seine Söhne bis auf Podarkes -Priamos 

und Laodokos oder nnr aus dem ersten gleichfalls getötet, dieser aber durch seine 

Äldethab , Veibe dahingestellt. Höfer.l Schwester losgekauft. per Kampf des Hera- 

gemmet naoe, uieiu D , ann ^ - kleg mit Laome don und seinen Leuten ist be- 

Laokoosa (Accowwea), Gemahlin des Apha- 20 kanntlich im Ostgiebel des aigmetischen Athena- 
reu^ Sr des Was und Lynkeus , Theohr. tempels dargestellt, doch ,„t es nicht gelungen, 
22 ™ 06 Tsllwl Ap. EhA, 152. - Apollod. 3, 10, 3 in einer der Figuren den L. zu erkennen Vgl. 
nennt sie welÄto, Are/e, Peisandros auch C. I. Gr. 5984B: MopiSovn [^ßoa- 

SiSi«.), einer der Freier der ixo] «i™|ö| fi ««1 «ä»[««Z»» ^?.™\ Wj 
Penelope aus Zakynthos. Apollod, frgm. Sabb. vnb WJovroc «fe ^yos ««^*[j>- &\ 
Bhein^Mus. 46 (1891), 179, 33. Doch ist viel- t&psvos ff iv ^^ Jf^J, ^ggL^ 

XoMaeJieUVW eine Amazone, Hfr. , so £«-1 ^~KÄrÄK 
LBOmedeii(^o^««), 1) Nereide, Ä, 27, lieh, c 49 bringt er sie in Je^ung mit 
257 Schoemann Op. Ac. 2, 172 (Poplicura). dem Argonautenzug und fugt eine weitere 
Braun Gr GöUerl § 86. - 2) Vgl Ladumeda. Treulosigkeit des Laomedon hinzu. Herakles 
Maun, üt. wnen. S bo. j g babe den Ipnik i os und Telamon zu L ge- 

Laomedes (4«°^ S ), D einer der Freier schickt um die von diesem versprochenen 
der Penelope aus Zakynthos, Apollod. frgm. Gegenstande zu fordern K habe ' «lese Ge 
«£m,»7 f 191a 7?Ä«in Mus 46 (1891), 179, sandten im Einverständnis mit seinen boünen 
f 3 - 2) Sohn des HeSleTund der Omphale ins Gefängnis geworfen. Nur Priamos habe 
Palaephdeincred. 45 p. 307 Westermann Vgl. 40 sich dieser Ungerechtigke,t widersetzt und den 
raiaepn. ae mtreu. *>>v = Gefangenen zur Freiheit verholfen. Der Aus- 
L Ta^diMZ, It -l-o S ), m., „Volks- gaTgTefnun folgenden Kampfes ist derselbe; 
beherTcher» 1) SohTdes Ilos und der Eury- dem Priamos aber habe Herakles wegen seiner 
dfk Vater" des Tithonos, Lampos, Hike- Gerechtigkeit die Herrschaft übergeben; vgl. 
SS,' Podarkes (= Priamos)' und L Hesione, Strabon p. 574. 596. Das Grabmal des L. ver- 
Külä und Astvoche, sowie von der Nymphe setzt die Sage an das Skansche Thor und 
lalvbe des Ckolioü Als seine rechtmäßige knüpft daran die Prophezeiung solange es 
SÄlm wrrd k °s1rymo oder Rhoio, Tochter „nzerstört bleibe werde auch Troia .eher 
des Skamandros, Plakia, T. des Atreus, Thoosa, sein, Serv. Verg. AenJ, 241. Ov. Met 11 696 
T rlp*. Tenkros Zeuximie Leukippe genannt, 50 Wenn die Vermutung richtig ist aalsaer 
ÄvoZdS l7' 3 8 * Hom Il\%. 20,237! Name llos auf den Herdenreichtum dieses 
Laomedon' war nach TloT König über Troia, ländlichen Herrschers hindeutet , der nach 
«teffite "ä m Q y«,iov, d. i die Burg von göttlichem Orakel die Stadt Ilios gründet, _so 
lliosm 4 508 5 4l e 6 y 6 f 51 ' 2 . 7)20 f.), mitHüife repräsentiert sein Sohn Laomedon „Volka- 
dripoHÖn und Poseidon (IL V, 452 , oder des beherrscher», eme weitere fflg« > in dei 
Poseidon allein wobei dann dem Apollon die Kultivierung dieser Gegend, er befestigt die 
lufgabe zufieT; Ä Rinderherde/ auf dem Stadt (die jedoch immer »«*"«*. f£f t 
Ida zu hüten II 21 446. Die beiden Götter, gewesen sein mufs, wenn Herakles sie mit 
von Zeus zur'strafe 'für eine Empörung gegen wenigen Männern eroberr .konnte), e^ „nd seine 
ihn in den Dienst des Laomedon gestellt, nach 60 Familie sind schon St »*{^ohner, nw d«r 
Avollodor freiwillig ihren Dienst anbietend, um Name seines außerehelichen Sohnes ^olion 
den ^ Übermutes L. auf die Probe zu stellen, deutet noch auf die l^dliehe Beschaft gung 
errichteten die Mauern von Pergamon, nach des >mderhütens hin; sein Erbfolger Prl amos 
einer Wendung der Sage mit Hülfe des Aiakos endlich erscheint in seinem gereifteren Alter 
TpZoii^.SMv.lUBoeem, erhalten als König . eines »^^*f «^g^t, 
aber von ihm den bedungenen Lohn nicht. in Klemasien; vgl. Strabon ^ a. O Preller 2 
Zur Stmfe sendet Apollon eine Pest, Poseidon S. 375. In der bildenden' Kunst ™d dar- 
ein Meeresungeheuer, dem viele Menschen zum Stellungen des Laomedon selten. Phmus 35, 



1845 Laomedon Laonytos 1846 

139 erwähnt einige Gemälde von Artemon verfolgt,- etruskische Bronzearbeit, Inghir. 3, 

in der Porticus der Octavia, darunter des 17". 0. Müller, Handbuch* 417, 1 p. 663. 

Laomedon Geschichte mit Herakles und Po- Höfer.] — 2) Sohn des Herakles und der Meline, 

seidon, vgl. Brunn, Künstler (fesch. 2, 284 u. Apollod. 2, 7, 8, 2. — [3) Auf dem Gemälde 

297. Ein pompejanisches Wandgemälde (Giorn. des Polygnotos in der Lesche zu Delphi waren 

d. scavi 1862 T. 5. Engelmann, Homeratlas nach Paus. 10, 27, 3 dargestellt: AaofisSov- 

Ilias T. 8 nr. 44) zeigt Apollon und Poseidon tos ää zbv vsm.gov Slvtov zs szaigog'OSvaasmg 

beim Mauerbau von Troja. Laomedon ist KcuAy%Culögsieivs'y.%ofi.{£ovzsg. ysyganzcuSs Kai 

darauf nicht zu erkennen. [Vgl. Bonner Jahrbb. aXXog zsS-vsmg, ovofid ofEgsaog. za Ss ig Egsaöv 

1 p. 50 ff. (?) Heibig, Wandgemälde p, 60 f. 10 zs Mai AaoiisSovza, ooa ys r^slg sitiexä- 

nr. 220—223 (?). B. Schöne, Ciste prenestine, fis&u, rjasv ovSsi'g. Es ist dem Zusammen- 

Ann. d. Inst. 1866 p. 191, Append. C nr. 1. hang nach selbstverständlich, dafs dieser Lao- 

Bethe, Quaestiones Diodoreae mythographae medon mit dem troischen Könige nicht iden- 

p. 69—71. Drexler.] — [Nach dem Dichter tisch sein kann — vielleicht aber mit dem 

der kleinen Utas und Antiphanes (im Schol. bei Quint. Smyrn. 2, 293 erwähnten? Höfer.] 

Eur. Troad. 822; vgl. Schol. Eur. Or. 1391. [Weizsäcker.] 

Tzetz. Jjyk. 34. 523. Cic. Tuscul. 1, 26, 65 und Laomedontiades (AaopsSovTiüSrig), Patro- 

Eur. Troad. 822) war Laomedon Vater des nymikon von Laomedon, Hesych. Etym. M. 

Ganymedes und erhielt von Zeus für dessen 556, 26. 31. Etym. Gud. 362, 37. 42. Gramer, 

Raub entweder den goldenen Weinstock oder 20 Anecd. Oxon. 1, 261,2.8. So heifst l)Priamos, 

die unsterblichen Rosse. Als weitere Kinder. Hom. H. 3, 250 = Gramer, Anecd. Paris. 3, 

nennt Diod. Sic. 3, 67 den Thymoites, vgl. 308. 30; vgl. ebend. 159, 16. Quint. Smyrn. 

Bictys 4, 22, wo aufser Thymoites noch Hike- 2, 107. Orph. Lap. 383. Verg. Aen. 8, 158. 

taon, Klytios, Lampos, Bukolion und Priamos Iuvenal. 6, 326. — 2) Lampos (s. d. nr. 1) 

erwähnt werden; Apollodor (bei Tzetz. Lyk. Hom. II. 15, 527. — 3) Aaousäovztääcu = 
921 ; vgl. 1075) die Aithylla, Astyoche und Mede- ..Trojaner, Verg. Aen. 3, 248. — Etym. M. 

sikaste, in der Epit. Vatic. 17, 10 (vgl. Schol. 556, 28 und Etym. Gud. 362, 40. Anecd. Oxon. 

Marc, und Tzetz. ad Lyk. 232) die Prokleia a. a. 0. 261, 6 führen auch die Form Acco- 

Cnach Paus. 10, 14, 2, Tochter des Klytios, des fisSovziSng an. [Höfer.] 

Bruders des Laomedon); Bares 3 nennt als 30 Laomenes (Auofi£vr\g), Sohn des Herakles 
Söhne des Laomedon den Hypsipylos, Vol-' von der Thespiade üreia, Apollod. 2, 7, 8. 
contis(?) und Anyritos. Nach Tzetz. Lyk. 18 [Stoll.] 
zeugte er den Priamos (Pherekydes im Schol. Laonike {Aaovi'xr)), 1) Weib des Lebados 
Eur. Hek. 3) mit der Leukippe, nach Alkman (s. d.), Paus. 9, 39, 1. — [2) Da die auf Münzen 
im Schol. Hom. IL 3, 250 = fr. 113 Bergk* von Kerkyra abgebildeten Schiffsvorderteile 
mit der Zeuxippe, nach Hellanikos im Schol. (llooTolÜHCtq, KazäX. zmv äg%. vo^iofi. Ksgxvgccg 
Hom. IL a. a. 0. mit der Strymo; letztere, k. t. X. p. 18. 19. C. Gr. C. Brit. Mus. Thessaly 
oder auch die Rhoio, die Tochter des Skaman- to Aetolia p. 129—131) den Namen von Gott- 
dros, gebar ihm den Tithonos, Tzetz. Lyk. 18. heiten und Personifikationen zu fuhren pflegen, 
Aus Rache, dafs Phoinodamas den Trojanern « dürfteauchdiedaruntervorkommendeAAONIKA, 
geraten hatte, des Laomedon Tochter dem C. Gr. C. Br. M. Thess. p. 131 nr. 265 PI. 23, 
M^eresungeheuer auszusetzen, liefs dieser die 10 eine Erwähnung verdienen. Drexler.] 
drei Töchter des Phoinodamas nach Sicilien [Stoll.] 
schaffen, Tzetz. Lyk. 471. 953; Näheres in Laonome.(;f ao»^), 1) Tochter des Guneus 
dem Artikel Akestes. Nach Bares a. a. 0. von Pheneos, Gemahlin des Perseiden Alkaios, 
unternahm Herakles mit fünfzehn Schiffen den dem sie den Amphitryon gebar, Paus. 8, 14, 2. 
Zug gegen Laomedon, weil dieser den Iason, Apollod. 2, 4, 5. Schol. II. 19, 116. — 2) Tochter 
der auf seiner Fahrt nach Kolchis an der des Amphitryon und der Alkmene, Schwester 
troischen Küste gelandet war, zur Weiterfahrt des Herakles , vermählt mit dem Argonauten 
gezwungen hatte, Baresl. — Nach Tzetz. Lyk. 50 Euphemos, der sich in Tainaron niedergelassen, 
1341 erstreckte sich die Herrschaft des Lao- dem Ahnen des Battos, Gründers von Kyrene, 
medon bis zum Peneios. S. ferner Pind. Nem. Schol. Pind. P. 4,76. Tzetz. L. 886 (p.858 Mull). 
3, 36 (61). Eur. Troad. 814. Soph. Aiax 1302. Studniczka, Kyrene 111. — Schol. Ap. Rh. 1, 
Tzetz. Lyk. 1232. 1306. Biog. Laert. 8, 4, 81. 1241 nennt den Argonauten Polyphemos, Sohn 
Isokr. 9, 16. Paus. 7, 20, 2. 8, 36, 6. Luc. de des Elatos, als ihren Gemahl. — 3) Gemahlin 
• sacr. 4. lupp. Confut. 8. Bidymos im Schol. des Odoidokos, Mutter des Kalliaros, nach 
Hom. IL 1, 312. Cramer, An. Par. 3, 5, 29. welchem die lokrische Stadt Kalliaros be- 
Biod. Sic. 4," 32. 42. 75. Bio Chrys. or. 11 nannt war, Steph. B. v. KaUCagog. TStoll.] 
p. 181. 187 Bindorf. Flut. Nie. 1. Sertor. 1. Laonytos (Jacwzog), Sohn des Oidipus und 
An. Par. a. a. 0. 230, 9. Ov. Met. 6, 96. 11, 60 seiner Mutter lokaste, Bruder des Phrastor; 
200. 757. Hör. Od. 3, 3, 22. Propert. 3, 6 beide Brüder fielen im Krieg der Thebaner 
(14), 2. Arnob. adv. nat. 4, 26. Cyprian. gegen Erginos und die Minyer. Die zweite 
. Quod dei idol. 2. S. Prosper, Aquit. Chronic. Gattin des Oidipus war Euryganeia, Tochter 
p. 690 = p. 540 Migne, Patrol. Lat. 51. — Eine des Periphas, die ihm Eteokles und Poly- 
Deutung der Dienstbarkeit des Apollon bei neikes, Antigone und Ismene gebar, die dritte 
Laomedon versucht H. B. Müller, Ares 51. 61. Astymedusa, Tochter des Sthenelos, PJvere- 
— Vgl. auch die Artikel Lamtun und Herakles kydes b. Schol. Eur. Phoen. 63. Schneidewin, 
Sp. 2248 Z. 30 ff. — „Laomedon von Poseidon Bie Sage v. Oedipus p. 8 f. [Stoll.] 



1847 



Laophonte 



Laphria 



1848 



Laophonte (Aaoipövzri), Tochter des. Reuron 
und der Xanthippe, einer Tochter des Doros, 
Gemahlin des Thestios, welchem sie die Leda 
und Althaia gebar, Apollod. 1, 7, 7. Pherekyd. 
b. Schol. Ap. Eh. 1, 146. [Stoll.] • 

Laophoon (Aaoyömv, -&v), Sohn des Paion, 
den ihm Kleomede an der Strömung deB Axios 
gebar; zog mit Asteropaios den Troern zu Hülfe 
und ward von Meriones getötet, Quint. Stlt. 6, 549. 

[Stoll.] 

Laos? (AAOZ), die Personifikation des "Volkes, 
wollten Welcher, Die Aeschyleische Trüogie Pro- 
metheus p. 412 f. Anm. 892 und Baoul-Bochette, 
Oresteide PI. 26 , 1 p. 130 und Observation^ sur 
le type des monnaies de Gaulonia, Mem. de 
l'Inst. de Fr. Ac. d. I. et B.-L. 14, 2 p. 209 
Anm. 2 in der Gestalt eines nackten jungen 
Mannes mit der Beischrift AAOX auf dem die 



Bedeutung ist phne Zweifel 'die erstere „zum 
Kampfe antreibend"; denn, wie schon Eust. 
11. 1111, 61. 1195, 17 richtig bemerkt, passt 
nur diese Bezeichnung für Ares und Eris; aber 
mit demselben Rechte konnte sie auch dem 
Apollon (Bd. 1 Sp. 437) und der Athene (Bd. 1 
Sp.-679) und den oben erwähnten kriegeri- 
schen Heroen (s. die einzelnen Artikel) bei- 
gelegt werden; erst später wird sich, anlehnend 
10 an den 'Anollwv ZooziJq und die 'Afrrjvä Sä- 
teiQct, die zweite Bedeutung gebildet haben; 
vgl. Eust. II. 1195, 21 älXtog toivvv Xaoaaöoi 
slalv "Eqig *al "Aqrjg, r.ctl äXXmg 'AitöXXmv Kai 
'A9rjvä. [Höfer.] 

Laotnoe (Aaoftöri), 1) eine Tochter des 
Thespios, welche von Herakles den Antiphos 
gebar, Apollod. 2, 7, 8. Nach anderer Lesart 
dieser Stelle war Laothoes der Sohn der Antis. 
2) Gemahlin des Sehers Idmon, Mutter des 



Opferung-der Iphigeneia darstellenden Altar -- Grofsmutter des Kalchas, Pherekyd. 

%Zll^T^?Z^Tl 7l™t b. Schal Ap. Eh, i; 139. - 3) Tochter des 



Overbeck, Gal. her. Bildw. p. 318f. nr.3 Anm. 13 
(Taf. 14 nr. 7) „die mehrfach wiederkehrenden 
Buchstaben AA OT 'bedeutungsloses Gekritzel"; 
nur als „einfachen Repräsentanten des Heeres 
und Volkes" erkennt Overbeck p. 319 die be- 
treffende Person an. Vgl. auch Dütschke, Ant. 
Bildw. in Oberital. 3, 165. [Drexler.] 

LaosoeO-laocor)). Schol. Od. 11, 235 sagt, Tyro, 
die Tochter des Salmoneus, sei Tyro (von zv- 
qög) genannt worden wegen ihrer Xivxozrig, ihr 
wahrer Name aber sei Ossa oder Sylo oder 
Rhaane [?] oder Laosoe gewesen. [Steil.] 

Laossoos (Aaoaaöog). Für die Bedeutung 
dieses Epithetons, das verschiedenen Göttern 
und Heroen beigelegt wird, giebt es eine 
doppelte Erklärung. Es heifsen so 1) Ares, 
Hom. II. 17, 398. Norm. Dionys. 32, 173. 
34, 125. — 2) Eris, Hom. II. 20, 48. — 3) 
Apollon, Hom.Il 20,79. — 4) Athene, Hom. 40 
II. 13, 128. Od. 22, 210; vgl. Eust. ad Hom. 
IL 1112, 2. 62, 44. Creuzer, Meletemata p. 23. 
— 5) Elektryorf, Hes'. "Beut. 3. — 6) Am- 
phitryon, Hes. a. a. O. 37. — Nach Apoll, 
lex. Hom. bedeutet es r\ zovg laovg ao- 
ovaa, o eati aoßovaa, (vgl. Etym. M. 292, 
41 ovzio [von fforä = eoßä] xal zb Soqva- 
aoog *.cä Xaoaaöog ziveg ezvjioXoyovai} xal 
sitl Ttölefiov oQfimaa- vgl. Hesych. s. v. ao 



Lelegerkönigs Altes, von Priamos Mutter des 
Lykaon und Polydoros, II. 21, 35ff. 85 ff. 22, 48. ' 
[Eust. ad Hom. II. 1256. 34. 38. Höfer.] 
— 4) Gemahlin des Troers Klytios,- Tzeiz. Hom. 
438. — 5) Tochter des Meretos, von Hermes 
Mutter des Echion und Erytos, Orph. Arg. 134. 
Ap. Rh. 1, 56 nennt die Mutter beider Argo- 
nauten Antianeira, Tochter des Meretos. [Stoll.] 

Laothoes s. Laothoe nr. 1. 
■ Lapathos (Aänu&og), s. Lakon nr. 1. loann. 
Antioch. fr. 20 (Müller. Fr. hist. gr. 4 p. 549). 

[Stoll.] 
Lapeon {Aanstöv), der Vater des_ Pataros 
(s. d.) und des Xanthos (s. d.), die sich nach 
einem Räuberleben später in Lykien nieder- 
liefsen; nach Pataros wurde die Stadt Patara, 
nach Xanthos der Plufs benannt, Eust. ad 

Dion. Perieg. 129. [Höfer.] 

Lapersai (Aaitsqaai), s. Dioskuren Bd. 1 

Sp. 1165 Z. 28ff. und Sophokles bei Strabo 8, 

364 und im Schol. ebend. Didymos bei Hesych. 

s. v. Steph. Byz. s. v. Aä. Bekker zu Harpokr. 

104. Lobeck, Paralipomena 78. Meineke, Philol. 

13, 512. — Bei Lyk. 611 heifsen sie AanBqaioi. 

Zu der Bd. 1 Sp. 1174 angeführten Gemme 

kommen hinzu die von Chabouillet, Cat. gen. 

des camees 1786 ff. p. 240 aufgezählten Gemmen: 

les Dioscures Gastor et Pollux debout, d'ancien 



ovoa zovzsgzl itaqoqfiäaa slg zbv itoXefiov. 50 siyte; zur Darstellung des Raubes der Leukippi 



Cornut. de nat. deor. 20 p. 108 Osann Xaoaaöog 
... Sia zb aöav £v zuig fid%ais zovg Xaovg, 
mg Xrfizig Ixlr/fri] dnb trjg Was" Prooim. 
Schol. Hes. Scut. p. 609 f. ed. Gaisford änb zov 
Xabg Kai aico zb bqpw' vgl. ferner -Eust. II. 
1111, 61ff. 1195, 16ff. Daneben findet sich 
auch die Erklärung laoaaoog . . mg Xabv aoov 
zr\qovaa, Eust. II. 1111, 65 rj zovg Xaovg ew- 
iovoa (vgl. Etym. M. 461, 16: Eust. II. 



den s. ebd. 2808 p. 436. Vgl. Lapersios. [Höfer.] 
Lapersios (Aaniqaiog) , Beiname des Zeus, 
Lykophr. 1369 und dazu Schol. 2 p. 1016. Wide, 
Lakon. Kulte p. 6. Wentzel, 'Em.KX^6sig 9säv 
5 p. 31 f.; vgl. 7 p. 4. Vgl. Lapersai. [Drexler.] 

Lapethos (Aänr\&og), Anführer der Kyprier« 
im Gefolge des Dionysos gegenlndien, Eponymos 
v. Lapethos; Norm. Dion. 13,433.24,237. [Stoll.] 
Laphria (AaqpqCa), 1) Beiname der Artemis, 



°Apion bei Apoll, lex. Hom. a. a. O. 60 Suid. s.v. ßafrsia «6(irj und ßa&vitXovzog; vgl. 




M. 556, 32 laoaaoog, zbv 'Aiupidqaov zbv äia yund ,Name dieser Artemis stammte aus Kaly 
tiavzmriv o<A£ovza zovg dv^qmnovg; vgl. Eust. don, wo Laphrios, der Sohn desKastaliosuHd 
Od. 1780, 48 'Aficfiaqaov Xaoaaoov, ö Je« Xaovg 
aoovza, rjrot Sicöxovra naz avSqCav, 7j aco- 
£ovzu diu (iavziKr{V. — Die ursprüngliche 



Enkel des Delphos ihren Dienst gestiftet hatte, 
um die wegen des Frevels des Oineus zürnende 
Göttin zu versöhnen, Paus. 7, 18, 9^ 4, 31, 7. Ihr 



1849 • Laphrios Laphystios 1850 

Bild.das sie alsJägerin darstellte und einWerk der Paus. 7, 18, 9. Schal. Eur. Or. 1094. — 2) Bei- 

Naupaktier Menaichmos und Soidas war (Paus. name des Apollon, der in Kalydon einen Tempel 

7, 18, 10), kam unter Augustus nach Patrai, besafs, Strabjm 10, 459. Dieser Beiname des 

das die Hauptstätte des Kultus der Artemis Apollon ist zu erklären aus seiner Kultus- 

Laphria wurde, -Paus. 7, 18, 8; vgl. die In- gemeinschaft mit der Artemis Laphria, vgl. 

Schriften aus dieser Stadt Dianae Laphriae, Bd. 1 Sp. 582 Z. 54ff. Auf autonomen Münzen 

C. I. L. 3, 499. Dianae Augustae Laphriae, von Kalydon ist Apollon die Leier spielend 

C. I. L. 3, 610. Kaisermünzen von Patrai mit dargestellt, Eckhel, Doct. num. 2, 189; Ein Monat 

der Legende Diana Laphria (Eckhel, D. N. Laphrios in Erineos, Bischoff,' De fastis 
2, 257) oder DEAN A/G LAPHP (Gardner, Catdl. 10 Graecorum antiquissimis 365, in Gytheion, 

of Greek coins in (he Brit. Mus. Peloponnesus ebenda 367, 1, in Phokis, ebda 355; ähnlich 

p. 26 nr. 28 ßl. 5, 17) stellen die Göttin in der ein Monat AacpQtceiog bei den Aitolern, ebd. 363. 

obenerwähnten Haltung dar , an ihrer Seite — 3) Beiname des Hermes, Lyk. 835. Von Tzetz. 

einen zu ihr aufblickenden Hund, Eead, Eist. und Schol. a. a. 0. wird Aäcpqwg durch (piX6£i vog 

num. 349. Gardner' a. a. 0. p. 27 nr. 37 pl. 6, 1. erklärt. — 4> Vielleicht Beiname des Zeus bei 

p". 28 nr. 40 pl. 6, 3 ; vgl. auch.O. Müller, Hand- Lactant. 'de fals. rel. 1,22, wo es heifst con- 

buch der Archäologie* 528, 4. Über das in Patrai stituta sunt templa . . . Iovi Laprio, Iovi 

gefeierte Fest, xa Aäcpqia, bei welchem die Molioni, Iovi Casio. Ist statt des meines 

Priesterin der Aftentis auf einem mit Hirschen Wissens sonst nicht bezeugten Laprius viel- 
bespannten Wagen (Darstellung dieser Pompe 20 leicht Laphrius zu lesen? Dafs Apollon und 

aufMünzen, s.b. Gardner ai.Bk.0. p.27 nr.33pl.5, Zeus oft dieselben Beinamen führen, dürften 

21) fuhr, und der Göttin lebende Tiere verbrannt Beispiele wie Lykoreios, Phyxios, Lydios etc. 

wurden, s. Paus.1, 18, 11 ff. Von den Kaly- hinlänglich beweisen. Vgl. Sp. 1606. [Höfer.] 

doniern hatten auch die Messenier auf dem Laphygmos (Aacpvyfiög), die personiflcierte 

Wege über, Naupaktos den Kultus der Ar- Schlemmerei; Leonidas in Anth. Pal. 6, 305; 

temis Laphria angenommen; ihre Bildsäule in vgl. Arist. nub. 52. [Höfer.] • 

Messene war ein Werk des Damophon, Paus. Laphystios (Acupvoxwg), 1) Beiname des 

4,31,7. Gegen die 'Ansicht von 8. Meinach, Zeus a) in Orchomenos, Paus. 1, 24, 2, in 

der in dem von Le Bas (Revue archeol. 1844 dessen Nähe, 20 Stadien von Koroneia ent- 
25ff. Le Bas- Beinach,Voyage archeol. 18,134ff.) so fernt, der Laphystische Berg und das Heilig - 

im Jahre 1843 beim Dorfe Mavromati auf- tum des Gottes lag, — b) in Halos in der 

gedeckten Tempel rflen der Artemis Laphria Phthiotis , wo er gleichfalls ein Heiligtum 

erkennen wollte und die in den Ruinen auf- besafs, Herodot 7, 197; vgl. Schol. Apoll. Bh. 

gefundenen Bruchstücke einer Kolossalstatue Arg. 2, 653. Auf den Münzen dieser Stadt er- 

für Beste der Laphria des Damophon erklärte, seheint das Haupt des Zeus L. im Obv., bald 

s. Ad. Wilhelm, Athen. Mitteil. 16 (1891), 350 ohne Zier, C. Gr. C. Brit. Mus. Thessaly p. 13 

Anm. 2, der in der Göttin die Artemis Lim- nr. 1 PI. 31, 1; nr. 3, bald mit der Tänie, Ca- 

natis (s. d.) erblickt. Endlich werden auch dalv&ne, Bec. de med. gr. ined. PI. 3, 8. C. Gr. 

auf einer Inschrift aus Hyampolis in Phokis C. Thess. p. 13 nr. 2 PI. 2, 6, bald mit dem 
lieyüXcc 'EXcuprjßoXid xs Mal AätpQia erwähnt, 40 Lorbeerkranz, Millingen, Syll. p. 51f. PI. 2, 25. 

Athen. Mitteil. 4 (1879), 223 nr. 5; vielleicht Dumersan, Gab. Allier de Eauteroche PI. 4, 1. 

ist in cUjm Epigramm des Leonidas, Anth. Pal. G. Gr. C. Thess. p. 13 nr. 4. Den Revers nimmt 

6, 300 der Göttername Aa&QiTj (= Venus ein gewöhnlich Phrixos, seltener (C. Gr. G. 

furtiva?) mit Toup, Emend. in Suid. 3 p. 526 Thess. p. 13 nr. 1) Helle auf dem Widder, 

ed. Lips. Aa$Qi'rj zu lesen; — vgl. auch Bd. 1 S. auch G. Görres, Studien zur griechischen 

Sp. 564 Z. 8. Sp, 582 Z. 54f. Sp. 594 Z. 24. Mythologie 1. Folge 1889 (= Berliner Studien 

[Wentzel, 'Eni>iXrj<ssi.g 9süv 6 p. 8—13. Wide, f. kl. Phil. u. Arch. Bd. 10 Heft 1). II. Zeus 

Lakonische Kulte p. 119. E. Curtius, Stud. z. Laphystios und die Athamassage p. 72 — 120. — 

Gesch. d. Artemis p. 10. A. Claus, De Dianae 2)^ Beiname des Dionysos, Et. M. 557, 51 Aa- 
antiquissimaapudGraecosnaturap.S&. Drexler.] 50 cpvaxiog 6 Amvveog änb iov iv Boimxia Aa- 

— 2) Aus der Beziehung der Britomartis zu yvaxiov oQovg; vgl. Schol. zu Lykophr. vs.l237f. 

Artemis, resp. aus der Gleichsetzung beider (*al Auopvaxiag iisgaacpÖQOvg yvvuiKug) 2 p.977: 

Göttinnen, erklärt sich Laphria als Beiname Aacpvaxiag, b diovvaog anb Aayvaxiov oqovg 

der Britomartis bei den Kephalleniern, Anton. BoimxCag' Z&sv Actcpvoxuu Isyovxai ui iv Mcrxe- 

Lib. 40; vgl.- Bd. 1 Sp. 827 Z. 57 f. — 3) Bei- Sovia Büy.%cu. Über die Verbindung des La- 

name der Athene, vgl. IlaXXag Aaq>gia, Lykophr. phystios mit dem Athamasmythos s. Buttmann, 

356;Au(pQiaKÖQri,6X>eyiA.985;AacpQ{aMa(i,sQ<scc, Mythol. 2 p. 230. K. O. Müller, Orchomenos 

ebend. 1416. Tzetzes zu 356 erklärt den Namen p. 156—171. Creuzer u. Bahr in ihrer Herodot- 

= Accq>vQi'a rj ayovoa xa J»t xov noXiiiov Ausgabe Bd. 3 2 p. 745 ff. Seeliger ob. Bd. 1 s.v. 
Xätpvqa Kai iv avyxonfj Aarpqia, also gleich 60 Athamas. — K. O. Müller, Orchomenos^. 159 iden- 

'AyeXeh (Hom. II. 4, 128. 5, 765), oder Arflxig ^nert den Zeus L. anläfslich der Flucht des 

(Rom. II. 10, 460. Paus. 5, 14, 6); vgl. Bd. 1 Phrixos mit dem Zeus Phyxios, in der Erklä- 

Sp.679 Z.21ff. - Siehe den Artikel Laphrios. run g ?? f« s <*- Eu <»- P- 139 hält er ihn als 

[Höfer.] einen Rache- und Todesgott für verwandt mit 

Zeus Meilichios; Seeliger oben Bd. 1 Sp. 674 

Laphrios (AäyQiog) , 1) Sohn des Kastalios, sieht in ihm ein6 Personifikation der verzeh- 

* Enkel des Delphos, Vater des Nutios, Phoker renden Glut der Hundstage, vgl. Maury, Eist. 

und Stifter des Kultus der Artemis Laphria (s. d.), d. rel. de.la Gr. ant. 2 p. 216 Anm. 2 , W.Schwartz, 



1851 Lapis manalis Lapithen (Wohnsitze) 1852 

Die poet. Naturanschauungen 2 p. 54 ßinen (vgl. Strabon 442) und des Phlegyas (Hes. fr. 
Sturmgott, ebenso Read, Rist. num. p. 251 76 G. Rymn. Rom. 16, 3), Larissa, wo lxion 
„the dark god of storm and winter". Auf (Palaeph. 1. Apostol. 9, .73) und Polyphemos, 
Menschenopfer, die ihm ehemals* dargebracht der Sohn des Elatos und Bruder des Kai- 
wurden (layveonv verschlingen), beziehen den neus, herrschten {Apoll. Rh. 1, 40f.), die so- 
Namen Buttmann, Myth. 2 p. 230, der an den genannte Pelasgiotis (vgl. Simonides bei 
kinderfressenden Kronos und Moloch erinnert, Strabon 441) und Magnetis (mit den Städten 
Bähr,Rerod % Bd. 3 a p. 745, welcher den Dio- Larissa, Gyrton, Pherai, Mopsion, dem See 
nysos'QfMjörjysuiidilftadiosmit ihm vergleicht, Boibeis, dem üssa, Homole und Pelion), aus 
Welcher, Gr. Götterl. 1 p. 205f. Preller, Gr. M. 10 welchen Landschaften die Pelasger von den 
l 4 p. 128. [Zur Deutung s. auch Fr. Back in Lapithen vertrieben wurden (Rieronymos bei 
Bursians Jahresber. 66 (Supplementbd. 1892), /Straft. 443), das Thal des Peneios, des Stamm - 
346. Höfer.] [Drexler.] vaters mehrerer Lapithen, wo Lapithes, der 
Lapis manalis s. Manalis. Sohn des Apollon und der Stube, herrschte 
Lapithen (Aunidoci), ein be«ßhmter, halb (Diod. 4,69), die Gegend um den Olympos, 
dem Mythus, halb der Geschichte angehöriger wo Koronos herrschte (Diod. 4, 37), Pelfa 
Stamm Thessaliens (AaniȊv iiatega 0eeaa- (Pele?), eine Stadt in Thessalien (Steph. Byz. 
liav, Antip. bei Pseudoplut. de v. et p. Romeri s. v. TJeXXa und IliXfj), der Sitz des Lapithen 
4,6), dessen zahlreiche Vertreter in vielen nord- Pelates (Ov. Met. 12, 255),«A.trax, die Stamm- 
griechischen Sagen, namentlich in denen vom 20 bürg des Kaineus (daher Atracides bei Ov. Met. 
Kentaurenkampfe, von der Kalydonischen Eber- 12, 209; vgl. Ant. Lib. 17), Elateia bei Gyrton, 
jagd (vgl. Apollod. 1, 8, 2. Ov.-Met. 8, 303 f. wohl der Sitz des Elatos (Müller, Orchomenos 
Rygin. fab. 173), vom Argonautenzuge, von 195,7), wahrscheinlich auch Trikk*a (Müller, 
den Kampfspielen zu Ehren des Pelias, endlich IJorier 2, 26. Ore/j.199). Über weitere lapithische 
im Heraklesmythus und in der Ilias*) eine Eponymoi thessaliscner Ortschaften s. unten 
Äolle spielen, und in dessen Sagen folgende Sp. 1865 Anm. *. Als aufserthessalische Lapi- 
Hauptgötter bedeutsam hervortreten: Zeus thensitze werden genannt: Olenos und Elis 
und Hera (s. Ixion und Peirithoos), Peneios, wohin Phorbas, der Sohn des Lapithes, wanderte 
Apollon (als Stammväter), Asklepios und (Diod. 4, 69; vgl. auch Eust. zu IL 303, 9 und 
Herakles, letzterer als Feind der Lapithen. 30 Tectaphos Olenides bei Ov. Met. 12, 433), wäh- 
I. Lokal der Sage und Wohnsitze rend er nach Diod. 5, 58 nach Rhodos zog, 
der Lapithen. Schon Romer (II. 2, 738 f.) endlich Knidos und Bhados, die Sitze des 
nennt als Sitze des Lapithen Polypoites, Sohnes aus dem Dotischen Gefilde ' ausgewanderten 
des Peirithoos und der Hippodameia (oder nach (Kallim. hymn. 6, 24. Steph. Byz." s. v. dwxiov) 
Schol. zu 2, 740 der Melanippe), und des Leon- Triopas, den einige für den Sohn des Lapithes 
teus, Sohnes des Koronos und Enkels des Kai- hielten (Diod. 5, 61). Ferner sollen nach einem 
neus (vgl. auch II. 12, 128f. 181; 6,29; 23,836f.), freilich etwas verdächtigen Berichte des Diod. 
die thessalischen Städte Argissa, Gyrtone 4,70 einige Lapithen vor den Kentauren nach 
(in Perrhaibia nach Strabon 329 fr. 14; 439), Pheneos und Malea geflohen sein (vgl. den 
Orthe,Elone,01oosson, also lauter Städte 40 Artikel Kentauren und unter Elatos). — Aristo- 
des nördlichen Teiles von Thessalien, welcher teles Pepl. 27 (Bergk) u. Eustath. zu II. 334, 29 
auch Perrhaibia und Hestiaiotis genannt wurde. (vgl. Rerod. 7, 91. Strabon 668. Tzetzes zu Ly- 
Ferner sind als Lapithensitze bezeugt der Pe- kophron 487. 980) berichten endlich (nach den 
lion, von welchem die Kentauren vertrieben Nostoi? vgl. Epici gr. ed. Kinkel 1 p. 53), dafs 
wurden (II. 2, 744; vgl. Polyb. 8, 11. Strabon Polypoites und Leonteus nach llions Fall As- 
439), der Ossa (Lapithes O. b. Tai. Fl. 7, pendos in Pamphylien gegründet hätten (vgl. 
606), der Pindos, in dessen Schluchten die auch C. Müller, Geogr. gr. min. 2 p. 156. Eust. u. 
Najade Kreusa dem Flufsgott Peneios den Schol. zu Dion. Per. 850 u. 852 f. Immisch, Jahrb. 
Lapithenfürsten Hypseus gebar (Pind. Pyth. f. kl. Phil. Suppl. 17 S. 168. Wagner, Epit. 
9, 25 und Schol.; vgl. Diod. 4, 69), der Othrys 50 Vat. ex Apollod. bibl. p. 70 u. 259). Schon aus 
(Pindus et Othrys Lapitharum sedes, Plin. hist. dieser Übersicht der ausdrücklich als Lapithen- 
nat. 4, 30. Solin. p. 68ilfo.), das Dotische Ge- städte genannten uralten Sitze griechischer 
filde **), der Sitz des Koronos ***) nach Sopho- Kultur dürfte auf das deutlichste erhellen, dafs 
kies bei Steph. Byz. s. v. Jcöziov = fr. 353 Nauck die Lapithen nicht etwa als mythische Personi- 
fikationen gewisser Naturmächte (so Mann- 
*) Wie schon Theocrit. id. 15, 1« richtig hervorhebt, hardt, E.R.Meyer) oder als märchenhafte 

sSXE / l3 ° • di V I T te rTT Lapitll ^ s ?f n der ältesten ßiesen oder Hün e n (Preller), sondern vielmehr 

bchicht des griechischen [Heroen-]Mythus an. , ■. n n -., ..„ . \ . / ' „ , „ ... 

*«) Das Dotische Gefilde war ursprünglich die Heimat < mlt £ °- -Muß«-) als fm halb der Sage, halb 

der Ainianen, welche daraus von den Lapithen in das der Geschichte angehöriger altthessalischer 

Gebiet der Aithiker verdrängt wurden nach Flut. Q. Gr. 13; 6« Stamm aufzufassen sind. Noch in historischer 

vgl. 26. Nach steph. Byz. s.v. Ahia (noht üi^QaißiZv, Zeit leiteten sich die Kypseliden in Korinth 

xal jihiävt; ol ülxoZrtes x. t. X.) saisen die Ainianen (Herod. 5, 92), sowie die Philaiden und 

freilich auch in Perrhaibien. Als Eponymen des Do- Perithoiden in Attika (Rarpokrat. Suid. 

T^»^Z%Z i e "T? I ?°T>' äie *,7 ht ? I ? eä y*K s - v - nsqdfoacui Steph. Byz. s.v. «*- 

f, TjJtZ). ' U (Steph - B ' JZ - •'i«»«; yg\.Eu\tath. z.H. 100, 45^ Preller, Gr. 

***) Sehr wahrscheinlich war Koronos auch der Epo- Myth. 2, 14, 1. Töpffer,Att. Geneal. 276) VOn den . 

nymos der phthiotischen Stadt Koroneia (s. Bursian, Lapithen (Kaineus und Peirithoos) ab. Eine 

Geogr. v. Gr. l, 79). thessalische Stadt Lapithe, von der sich Münzen 



1853 Lapithen (Einzelnamen) Lapithen (Einzelnamen) 1854 

(m. Beischr. AATTTTlOßN) erhalten haben sollen 5)Andraimon (vgl. Haimonia = Thessalia 

(?Eckhel 2, 139. Müller, Orchom. 198), erwähnt und den Männernamen Euaimon), nach Biod. 

Epaphroditos bei Steph. Byz. s. v. (vgl. Anth. P. 4, 53 Bruder des Leonteus (also Sohn des Ko- 

6, 307). Sie soll nach diesem ihren Namen ronos), der schon in der Bios als Lapithe ge- 

von Lapithes, dem Sohne des Periphas, er- nannt ist. 

halten haben. 6) Andreus (?), nach Paus. 9, 34, 6 Sohn 

II. Namen der einzelnen Lapithen in des Peneios, also Bruder des bei Pind. Pyth. 

alphabetischer Folge. Noch Porphyrios 9, 25 und Schol. ausdrücklich als Aam.»äv 

kannte nach Schol. II. 1, 266 nicht weniger als ßaodevg bezeichneten Hypseus (vgl. Müller, 
60 Namen hervorragender Lapithen; wir haben 10 Orchom. 133), wohl Eponymos von Andreis 

deren im ganzen nur ungefähr 45 sichere zu- (= Orchomenos, der Minyerstadt in Boiotien, 

sammenbringen können (die meisten bei Ov. die aber auch eine ebenfalls minysche Namens- 

Met. 12, 250 f.; über die vermutliche sehr gute Schwester im nördlichen Thessalien hatte; Bur- 

Quelle des Ovid s. Bethe, Q. Diod. S. 97 f.; vgl. sian, Geogr. 1, 51). 

auch II. 1, 263f.; 12, 128 f.; 2,740.745. Bes. 7) *Antimachos (= Antion?), Name 

sc. Berc. 178 f. und die Francois vase, C.I.Gr. eines Lapithen auf der Francoisvase (C.I.Gr. 

8185). Die Teilnehmer am Kentaurenkampfe 8185), vielleicht derselbe, der auch an der 

sind mit einem* bezeichnet, die nur vermutete Kalydonischen Jagd teilnimmt (ebenda). Ovid 

lapithische Abstammung ist mit einem ? an- (Met. 12, 460) hat, wie es scheint, aus ihm einen 
gedeutet. Theseus, Nestor und Peleus (Eur. 20 Kentauren gemacht (vgl. Eurynomos und Orios). 

Andr. 791. Ov. Met. 12, 365), die sich als 8) Antion (= Antimachos?), ältester Sohn 

Bundesgenossen der Lapithen am Kentauren- des Periphas, Enkel des Lapithes, Vater des 

kämpfe beteiligt haben sollen, sind natürlich Ixion nach Aesch. bei Schol. Find. Pyth. 2, 39. 

in dem folgenden Verzeichnisse weggelassen:*) Diod. 4, 69; vgl. Schol. Ap. Mh. 3, 62. 

1) Aigeus (Augeus? = Augeias; s. Bethe, 9) Asklepios aus Trikka, vgl. Ilias 2,731. 
Quoest. Diodor. 53 ff.), Sohn des Phorbas, Enkel Eust. zu v. 729 (p. 330, 20). Strabon p. 437 u. 
des Lapithes und der Orsinome, König in 647, auch den Hymnus des Epidauners Isyllos, 
Elis, Biod. 4,69. Vgl. Apoll. 2,5, 5. Schol. Ap. Ephem. arch. 1885 S. 69 f. Fleckeisens Jahrb. 
Bh. 1, 172. Pausan. 5, 1, 11. Io. Pedias. 5. f. Philol. 1885 S. 824, nach Eymn. Hom. 16, 3 
Eust. zu 11. 303, 11. 30 daziia iv nsSCm geboren, ein Nachkomme des 

2) Aktor, Bruder des vorigen, König in Lapithes oder 'des Phlegyas, oder Sohn des 
Elis, Biod. 4, 69; s. auch die zu Aigeus an- Ischys und Enkel des Elatos (Bd. 1 Sp. 616). 
geführten Citate. Er soll sich auch nach einigen (Bd. 1 Sp. 508) 

3) Alkon (?), Vater des bei Bes. sc. Herc. am Argonautenzuge und an der Kalydonischen 
180 ausdrücklich unter den Lapithen genannten Jagd (Byg. fab. 173) beteiligt haben. — Natür- 
Phaleros (s.d.), welch letzterer auch unter lieh können auch die AsklepiadenPodaleirios 
den Argonauten genannt wird (Apoll. Eh. 1,97 und Machaon (IL 2, 731. 11, 614) als Lapi- 
u. Schol.). Bei Orpheus, Arg. 146 wird näm- then betrachtet werden. 

lieh Phaleros, Sohn des Alkon, Gründer der 10) Asterion (?) oder Asterios (Apollod. 
Lapithenstadt Gyrton genannt; vgl. 0. Müller, 40 1, 9, 16), Sohn des Kometes aus der thessa- 
Orchom. 197, 2. Nach Apoll. Bh. 1, 95 und Scliol. lischen Stadt Peiresiai, Argonaut (Apoll. Bh. 
zu 97 war Alkon freilich ein Sohn des attischen 1, 35. Paus. 5, 17, 9. Orph. Arg. 164), Vater 
Erechtheus, sodafs die Möglichkeit nicht aus- des Dotis (Plierek. fr. 8 b. Steph. Byz. s. v. zu- 
geschlossen ist, den Phaleros als Begleiter des ziov). Vgl. den Lapithen Kometes bei Ov. Met. 
Theseus und, ebenso wie diesen, als atti- 12, 284 und den Ort Asterion in Magnetis, 
sehen Bundesgenossen der Lapithen im Ken- als dessen Eponymos offenbar Ast. anzusehen 
taurenkampfe aufzufassen. Vielleicht ist er ist: IL 2, 735 u. Schol. Strabon 438. 
identisch mit dem Sohne des Ares, welcher an 11) Atrax, Vater des Kaineus nach Anton. 
der Kalydonischen Jagd teilnahm, Byg. fab. Lib. 17 (vgl. Od. Md. 12, 209 Caeneus Atra- 
173. Vgl. Phaleros. 50 eides) und der Hippodameia (Ov. Ber. 17, 248. 

4) *Ampyx (oder Ampykos, Schol. Apoll. Mythogr.Vat. 1,170), Sohn des Peneios und 
Eh. 1, 65. Byg. fab. 14. 128. 131. Tzetz. zu Lyk. der Bura, Gründer und Eponymos von Atrax 
881), Vater des bei Hes. sc. Berc. 181 (vgl. auch in Thessalien nach Steph. Byg. Vielleicht ab- 
Ov. Met. 12, 456. Ap. Bh. 1, 1083. Paus. 5, gebildet auf der Arch. Ztg. 41 (1883) S. 349 
17, 10. Byg. fab. 14. 128. Orph. Arg. 129. 948. besprochenen rotfig. Vase. 

Tzetz. zu Lyk. 881. 980) genannten Lapithen ll b ) Augeias, s. Aigeus. 

Mopsos (Mörpov z 'Aiiitvxidriv), nach Ov. Met. 12) Autolykos (?) von Trikka, Sohn des 

12, 450 selbst am Kentaurenkampfe beteiligt. Deimachos (vgl. Bd. 1 Sp. 508. 736), Teilnehmer 

Des Ampyx Vater war nach Schol. Apoll. Bh. an der Argofahrt. 

1,65 Titüqwv; vgl. Mötpoe Tna^r t aios bei 60 13) Azoros (?), wohl Eponymos von Azoros, 

Bes. a.a.O. Tzttz. zu Lyk. 881 sagt: 6 äi"Aii- einer Stadt unweit des Olympos im perrhai- 

jiukos vibg fiv Tizaiqävog, ütp' ov Kai nölig, bischen oder pelagonis'chen Gebiete Thessa- 

d. i. Titaron (Lykophr. 904 u. Schol. Steph. liens, nach Eesych. s. v. Steuermann der Argo 

Byz. TizclqÜv. Byg. fab. 14: Titarensis). (vgl. Bd. 1 Sp. 608). 

*) Ebenso auch die Namen der Lapithinnon Alkaia, 14) *BrOteaS, Ov. Met. 12, 262. 

Astyagyia, Kyrene, Themisto, der 4 Töolitor des Hypseus lö) *CharaX0S, Ov. Met. 12, 266, wohl 
[s.d.]; der Hippodameia, Tochtor des Atrax; dor Orsi- Eponymos des thessalischen CharaX (Bursian, 

nome, T. d. Eurynomos; der Dia, T. d. Eioneus; Dotia, , ■ n . i ri\ 

T. d. Elatos; Koronis, T. d. Phlegyas u. s. w. UeOgi . V. <Jl. 1, Dl). 



1855 Lapithen (Einzelnamen) Lapithen (Einzelnamen) 1856 

16) Deileon (?) aus Trikka, Sohn des Dei- 25) Gyrton (?), Bruder des Phlegyas nach 
machos, Teilnehmer an der Argofabrt (Bd. 1 Steph. Byz. s. v. Fv^rtöv. Dieser Phlegyas war 
Sp. 508 u. 978). nach Eur. bei Schol. Apoll. Eh. 3, 62 und 

17) Deimachos (?) aus Trikka, Vater des Schol. II. 1, 268 (vgl. Serv. zu Verg. A. 6, 601. 
Autolykos, Deileon, Phlogios, sowie der Ena- Schol. Find. Pyth. 2, 39) Vater, nach Strabon 442 
rete, der Gattin des Aiolos und Mutter des Bruder des Ixion. Dafs Gyrton, der Sitz des 
Magnes,- Apollod. 1, 7, 3. Peirithoos und Ixion, eine Stadt der Phlegyer 

18) Dotis (?), Sohn des Asterios und der (= Lapithen, vgl. Müller, Orchom. 195) war, 
Amphiktyone nach Pherek. (fr. 8) bei Steph. Byz. erfahren wir aus Strabon 329 fr. 14 und 16. 
s. v. Amuov, Eponymos des Aäziov nsSiov 10 Steph. Byz. s. v. Kqaväv und Schol. II. N 301 
(vgl. Dotia). (vgl. Müller a. a. 0. 194, 3). 

19) *Dryas (s. Töpffer, A. d. Anornia 41f.), 26) *Halesos, Ov. Met. 12, 462[?]. 

als Bek'ämpfer der Kentauren genannt II. 1,263. 27) Hippios(?), Sohn des Eurynomos (Pi- 

Hes.sc.n9; ferner auf der Francoisvase (C /. 6rr. sander bei Schol. Eur. Phoen. 1760). 

8185) und bei Ov. Met. 12, 290. Nach Apollod. 28) *Hopleus, Hes. sc. 180 (vgl. Hoplon 

1, 8, 2 (vgl. Ov. Met. 8, 307 und Hyg. fab. 173) und die Bezeichnung der Aaittöai als vitsqo- 

ist ein dgvctg "Ageog ev. KaXvSävog Teilnehmer nXoi bei Pindaf). 

an der Kalydonischen Jagd. Vielleicht hat 29) *Hoplon auf der Francoisvase, wohl 

man in ihm den Eponymen von Dryopis zu identisch mit Hopleus (s. d.). 

erblicken. 20 30) Hypseus nach Pind. Pyth. 9 (14), 26 

20) Eioneus (?) (= Deioneus, Töpffer, A. d. (vgl. Pherekydes beim Schol. z. d. St. und Diod. 
Anornia 39. 44), Sohn des Magnes, Freier der 4,69), Aani&äv v7CSQdnXa>v ßaeilsvg und Bruder 
Hippodameia (Paus. 6, 21, 11. Schol. Eur. Plwen. des Andreus (s. d.), Sohn des Peneios und der 
1760), Bruder des Eurynomos (s. d.) Vater der Nais Kreusa, Bruder der Stilbe; vgl. Diodor. 
Dia, Gemahlin des Ixion (Diod. 4, 69. Pherek. 4, 69, Gatte der Trikke, T. d. Peneios (Steph. 
bei Schol. Apoll. Eh. 3, 62), wohl Eponymos Byz. TpiKxjj. Emt. zu II. 330, 26), oder der 
von Eion an der Grenze von Pierien (Steph. Chlidanope (Schol. Pind. P. 9, 31), Vater der 
Byz. b. v.). Seine Tochter Dia war viel- Kyrene u. s. w. (s. Studniczka, Kyrene 146 ff. u. 
leicht die Eponyme von Dion in Thessalien d. Art. Hypseus). Nach Akesandros beim Schol. 
oder Pierien (Steph. Byz. s. v. ^iiov). Über die 30 zu Pindar a. a. 0. war Hypseus ein Sohn der 
Schreibung des Namens s. Bethe, Q. Diod. Phillyra (Tochter des Asopos) und des Peneios. 
mythogr. p. 54 Anm. 65. Weiteres s. in Bd. 1 unter Hypseus und bei 

21) Elatos, Vater des nach II. 1, 264 am Studniczka a. a. 0. Letzterer macht seine 
Kentaurenkampfe beteiligten Polyphemos (Ap. Identität mit Zeus Hypatos wahrscheinlich. 
Eh. 1, 40 f. Orph. Arg. 169) und Kaineus (Di- Ich vermute aufserdem in ihm den Eponymos 
caearch. Mess. fr. 30 = 2 p. 244 ed. Muller. der thessalischen (ainianischen) Stadt Hypata. 
Ov. Met. 12, 189 u. 497. PMegon Troll, fr. 34 31) Ischys, Sohn des Elatos (s. d.), vpn 
= 3 p. 618 ed. Müller. Wagner, Epit. Vat. Cic. de natdeor. 3,22, 56 Valens, von Ant.Lib. 
ex Apollod. bibl. p. 151), sowie des Ischys 20 Alkyoneus genannt, also vielleicht Epo- 
(Hymn. in Ap. Pyth. 32. Hesiod. fr. 125 6r. 40 nymos der von Kiepert nach Phthia versetzten 
Pind. Pyth. 3, 31) und der Dotia (Steph. Byz. Stadt Alkyone, Bruder des Kaineus (Apollod. 3, 
s.v. Aäzwv), ursprünglich wohl Eponymos von 10, 3), Geliebter der Koronis, der Mutter des 
Elateia zwischen Gyrton und Gonnos (Müller, Lapithen oder Phlegyers Asklepios (s. d.). Über 
Orchom. 195 f. Töpffer, AU. Gen. 103, 2). Mit den Namen s. auch Crusius, Philol. N. F. 3, 
den Thessalern wanderte dieser Elatos wohl 120. Er bedeutet wohl entweder = 'Ia%vmv 
nach Phokis und Pheneos in Arkadien, Immer- oder = 'iazöpaxos; vgl. 'l6%opä%ri = Hippo- 
wahr,Arkad. Kulte 1 S. 39f. 154. 116f. 252f. dameia (s. d.). 

22) *Euagros, Ov. Met. 12, 290. 32) Ixion, Sohn oder Bruder des Phlegyas 

23) *Eurynomos (?), Sohn des Aioliden (s. oben Gyrton), oder Sohn des Antion (Aeschyl. 
Magnes und der Phylodike, Bruder des Eio- 50 bei Schol. Pind. Pyth. 2, 39; vgl. Pherek. bei 
neus, Vater des Hippios, kämpfte mit den Schol. Ap. Eh. 3, 62), oder Sohn des Peision 
Kentauren nach (Pisanderl bei) Schol. zu Eur. oder Peison oder Aiton (Antion?) (Pherekyd. 
Phoen. 1760; vgl. Diod. 4, 69 (Vater der Orsi- b. Schol. Pind. a. a. 0. und bei Schol. Ap. 
nome). Ov. Met. 12, 310 hat, wie es scheint, Eh. 3, 62. Diod. 4, 69. Wagner, Epit. Vat. 
einen Kentauren daraus gemacht (vgl. Anti- ex Apollod. bibl. 149. Töpffer, A. d. Anornia 
machos und Orios). Ist dieser Eurynomos 34), oder des Ares (a. a. 0.), oder des Leonteus 
etwa identisch mit dem an der Boibeis, am (Eioneus? Hyg. fab. 62; vgl. Bethe a. a. 0. 
Peneios und bei Meliboia heimischen Eury- S. 55 Anm. 2), Vater des Lapithen Peirithoos 
damas, dem Sohn des Ktimenos? Vgl. Ap. von Larissa (Apollod. 1, 8, 2). Auch nach Diod. 
Eh. 1, 67 u. Schol. Hyg. fab. 14. Orph. Arg. 167 f. 60 4, 69 war er Sohn des Antion und der Perimela. 

24) *Exadios (Xadios), Rom. II. 1, 264 Ausdrücklich Lapithe genannt bei Auson. 
u. Schol. Hes. sc. Herc. 180. Ov. Met. 12, 266. Techn. 72 u. Schol. Luciani ed. Jacobitz 4, 56.*) 
Nach Et. M. s. v. Bovqu war er ein Kentaur 33) * Kaineus, Sohn des Elatos (s. d.), 
(? vgl. Eurynomos etc.) und Gründer von Bura / II, 1, 264 u. Schol. Hes. sc. 179; Francoisvase, 
in Achaja. Vgl. jedoch Schol. in Cällim. hy. in *■,„.„.,.»... v T • „ ,1 .. ■■=. 

7-» t -* t\ci i. ii j in ti / i \ ) Vielleicht ist auch Ixion ursprünglich Eponymos 

Del 102, wo statt des E. Dexamenos (s. d.) einer ; amhesBall!chen stadt odel Bur £ ge ; esen . vgL z . B . 

genannt wird. Vielleicht ist an beiden Stellen die ortachaften 'if<f s und '/!,'«[«] auf Bhodoa, wo auch 

xevTCCVQOXTOVOS statt %SVXUVQOS ZU lesen. die 'Lapithen' Phorbas und Triopas heimisch waren, 



1857 Lapithen (Einzelnamen) Lapithen (Einzelnamen) 1858 

Dikaiarch. fr. 30 bei Phlegon Mir. 5 u. 8. w., in Thessalien (Schol. Ap. Rh. 1, 583 f.), Sohn 

oder Sohn des Atrax (s. d.), nach II. 2, 74), des Aiolos, Enkel des Deimaehos (Apollod. 

Vater des Eoronos (Sohn desselben nach Hyg. 1, 7, 3), Vater des Eioneus (Paus. 6, 21, 11), 

fab. 14 p. 43 vgl. p. 39 JS.) und Grofsvater Pieros (Apollod. 1, f, 3), wohl des Eponymos 

des Leonteus , auch als Teilnehmer an der von Pierion zwischen der Boibeis und Nessonis, 

Kalydonischen Jagd (Ov. Met. 8, 305. Hyg. und des Eurynomos (s. d.). Vgl. die Münze von 

fab. 173) und am Argonautehznge genannt (s. Magnesia (Thess.) bei Imhoof - Blumer und 

ob. unter Kaineus und Bd. 1 Sp. 509), Ahnherr Keller, Tier- und Pflanzenbilder Taf. 11, 43. 

des Kypselos von Korinth (Herod- 5, 92). 44) *Makareus, Ov. Met. 12, 452, viel- 

34) *Keladon, Ov. Met. 12, 250. to leicht Eponymos von iWan|V]a<)ar zaga vhIq 

35) *Kometes, Ov. Met. 12, 284, wohl Qäeocdov (Steph. Byz.). 

Vater des Argonauten Asterion (Paus. 5, 17, 9: 45) *Mopsos CAiuivxiSrje Tnagtjoios ofos 

Kypseloslade). ^eW), Bes. sc. 181. Ov. Met. 12, 456, Teil- 

36) Koronos (vgl. Koronis, Mutter des nehmer am Argonautenzuge (Apoll. Rh. 1, 65 
Asklepios), Sohn des Kaineus, Beherrscher und Schol. Strdbon 443. Orph. Arg. 129) und 
des Aätiov itsSiov (II. 2, 746. Soph. fr. 353 N.), an der Kalydoniachen Jagd (C. I. Gr. 8139. 
Vater des Leonteus, auch Argonaut {Ap. Bh. 7382. Ov. Met. 8, 316. Hyg. fab. 173), Epo- 
1, 57. Apd. 3, 10, 8. Orph. Arg. 139), Ahnherr nymos von Mopsion in Thessalia Pelasgiotis 
der attischen Philaiden (Steph. Byz. s. v. <Pi- nach Hieronymos bei Strdbon 443. Abgebildet 
latäai), Eponymos des thessalischen und wohl 20 auf der Bronzemünze von Mopsion in Thessa- 
auch des boiotischen Koroneia (Bursian, Geogr. lien bei Imhoof -Blumer und Keller, Tier- u. 
1, 79; vgk Thersandros), nach Ap. Bh. a. a. 0. Pflanzenbilder Taf. 11, 42. 

aus Gyrton stammend. Vgl. Töpffer,Att. Genta- 46) Olenos (?), vielleicht Vater des Tekta- 

logie 276 f. phos (Tectaphos Olenides, Ov. Met. 12, 433), wohl 

37) *Korythos, Ov. Met. 12, 290. Eponymos der Stadt Olenos, wohin nach Diod. 

38) *Krantor? (Eponymos von Krannon?) 4, 69 der Lapithe Phorb'as gewandert sein 
nach. Ovid kein Lapith sondern ein Doloper, sollte. Vgl. Soph. fr. 279 N. 'iMvov yijg (poq- 
armiger Pelei, Sohn des Amyntor, Ov. Met. ßaäog. 

12, 361f. Vgl. Hygin. fab.praef.: ex Saturno 47) *Orios, Sohn der Thessalerin Mykale 

et Philyra Chiron, Dolop^ und den Tvußos 30 nach Ov. Met. 12, 262 f. (vgl. Sen. Herc. Oet. 

doloTtrjlog an der Küste von Magnesia (Ap. 528 f.). Beruht dieser Lapithenname bei Ovid 

Rh. 1, 585 u. Schol. z. v. 587). vielleicht auf einer Verwechselung mit dem 

39) *Kymelos, Ov. Met. 12, 454 (vgl. Kentauren Oreios? Vgl. Antimachos und Eury- 
Sp. 1866 Anm. *). nomos. 

40) Lapithes, nach Diod. 4, 69 und 5, 61. 48) Peirasos (?), wohl Eponymos des tb.es- 
Sehol. Apoll. Rh. 1, 40. Schol. Hom. II. 1, 266 ; Balischen Peiresia (Peiresiafi] = Asterion, Steph. 
12, 128 Sohn des Apollon und der Stilbe, Bruder Byz. s. v. TleigaeCa und Aategiov. Schol. Ap. 
des Kentauros (nach Epaphroditos bei Steph. Rh. 1, 683. Usener, Rh. Mus. 23, 347, 92 f.), 
Byz. s.v. Aantöri Sohn des Periphas, nach Bruder des Phorbas (s. d.), vielleicht = Priasos 
Hesych. s. v. Aani&ai Sohn des Ares, nach 40 (s. d.). 

Diod. 6, 81 des Aiolos, also Bruder des Magnes), 49) *Peirithoos, Sohn des in ein Kofs 

Gemahl der Orsinome, Vater des Phorbas und verwandelten Zeus oder des Ixion und der 

Periphas (Diod. 4, 58; 69), nach einigen auch Dia (Rom. II. 1, 263 u. Schol. [Töpffer, Aus 

des Triopas (Diod. 5, 61) und des Lesbos d. Anomia Berl. 1890 S. 32 f.]; 2, 741; 14, 317. 

(Diod. 5, 81). Er war Stammvater der Lapithen Hes. sc. Herc. 179. Diod. 4 , 69. JEphor. bei 

und Eponymos der Stadt Lapithe (Diod. und Phot. s. v. IlsQi&oidai; vgl. Apollod. 1, 8, 2), 

Steph. Byz.), doch scheint er ein erBt verhält- Vater des Polypoites (II. 2, 741; 12, 129; 

nismäfsig spät entstandener Eponymos zu sein, vgl. Od. 21, 296). Er nimmt nach Apollod. 1, 

da er, wie es.scheint, im älteren Mythus nicht 8, 2. Hyg. fab. 14. 173. Ov. Met. 8, 303. 404 

.vorkommt. Übrigens läfst der Umstand, dafs 50 auch an der Argofahrt und an der Kalydo- 

Apollon im Westgiebel des olympischen Zeus- nischen Jagd teil (vgl. jedoch Apoll. Rh. 1, 103). 

tempels und auf dem Fries von Phigaleia den 49i>) Peis[i]on, Vater des Ixion (s. d.). 

Lapithen gegen die Kentauren beisteht, mit Vgl. mcos = wasserreiche Niederung [des 

Wahrscheinlichkeit auf die Existenz jenes Peneios?] und die [thessalischen?} Ortsnamen 

Mythus von. der apollinischen Herkunft der Illaa (Ilsiaa) und Iliaai (Itsiaai), sowie das 

Lapithen in der Zeit der Erbauung jener Hiaaiov ogos in Boiotien. 

Tempel schliefsen. 50) *Pelates, Pellaeus, Ov. Met. 12, 955, 

41) Leonteus, Sohn des Koronos, Enkel wahrscheinlich Eponymos von Pella oder Pele 
des Kaineas (Hom. II. 2, 746; vgl. 12, 130; in Thessalien (Steph. Byz. s. v. Ilslt] u. JJiXXa; 
23, 837. Apd. 3, 10, 8), mit Polypoites zusammen eo Monimi fr gm. Fr. Hist. Gr. 4 p. 454; vgl. 
Führer der Lapithen vor Ilion. Wir haben in Tümpel im Philol. N. F. 3 S..714f.). 

ihm wohl den Eponymos von Leontinoi 51) Pelethronius (?), nach Verg.Geo.3, 115 

(Leontion?) = "ÄQyovga in Thessalien (Steph. und Lucan. 6, 399 wohl ein Lapithe, Erfinder 

JB. s. v^'jQyovQu) zu erblicken. des Reitens nach Hyg. fab. 274; vgl. Philarg. 

42) Lesbos, Sohn des Lapithes, Enkel des zu Verg. a. a. 0. und Plin.h. n. 7, 202, wahr- 
Aiolos; Diod. 6, 81. Vgl. über die thessal. scheinlich eine spätere Fiktion alexandrinischer 
PelasgerinLesboB Tümpel, Philol. N. F.3, USff. oder römischer Dichter, zugleich Eponymos 

43) Magnes (?), Eponymos von Magnesia des TleXt&QÖviov am Pelion. 

Soschib, Lexikon der gr. n, röm. Mjthol. II. 59 



1859 Lapithen (Einzelnamen) Lapithen (Gesamtname) 1860 

52) *Periphas, Ov.Mei. 12, 449, n&chDiod. 12, 129; vgl. C. I. Gr. 6126 B. Quint. Smyrn. 

4, 69 Sohn, nach Steph. Byz. s. v. Auntön Vater 12, 318 u. oft. Welcher, Ep. Cykl 2, 246. 

des Lapithes, Bruder des Phorbas, Gemahl der 61) Priasos (= Peirasos?), „Caenei filius 

Astyagyia, Tochter des"Hypseus, Vater des ex Magnesia", Argonaut, Hyg. fdb. 14 p. 43 B. 

Antion, zugleich attischer Autochthon, Töpffer, 62) *Pr61ochos, Hes. sc. Herc. 180. 

A. d. Anomia 34, 3. Von Pherekydes (fr. 48 63) *Tektaphos, Olenides, Ov. Met. 12, 433 

bei Schal. Eur. Phoen. 53) wird Periphas Vater (vgl. Tektaphos oder -amos, S. d. Doros). 

der Euryganeia , Gemahlin des Oidipus , genannt ; 64) * T h e r [s] a n d r o s , Teilnehmer am Ken- 

bei Paus. 9, 5, 11 heifst er Hyperphas (s. d.). taurenkampfe nach einer jetzt verwischten In- 

B3) *Phaleros (?), Hes. sc. 180, nach 10 schritt der Francoisvase (6. I. Gr. 8185 p. 193), 

Schol. Apoll. Eh. 1, 96 Sohn des Alkon, Enkel Vater des Koronos (Steph. Byz. s. v. Kogäveiu). 

des Erechtheus, nach Orph. Arg. 145 Gründer 65) Titaron (?), nach Schol. Ap. Rh. 1, 65 

von Gyrton, Teilnehmer am Argonautenzuge Vater des Ampyx (Ampykos), Grofsvater des 

(vgl. Müller, Orehom. 197), vgl. G. I. Gr. 4 Mopsos (vgl. Tivaq^aiog, Hes. sc. 181), Epo- 

p. XVIII nr. 7731. Wahrscheinlich war er der nymos von Tiraqdv (Steph. Byz.) oder Thttfov 

Eponymos von Phalara ($äXriQOV b. Steph. Byz. in Thessalien (s. ob. unter Ampyx). 

s.v.) in Thessalien, agbg ry 0&r\ (Bursian, 66) Triopas, Sohn oder Vater des Phor- 

Geogr. v. Gr. 1, 83). Könnte sich nicht die bas (s. d.), oder Sohn des Lapithes (Diod. 6, 61). 

Identificierung des attischen Eponymos Phale- Vgl. auch den Perrhaiberfürsten Triopas 

ros mit dem Lapithen Phaleros ebenso er- 20 beim Schol. und Eust. zu II. 4, 88, dessen Sohn 

klären, wie die des attischen Koronos mit dem Xägiiaßog oder KaQvüßccg Zeleia in Lykien 

lapithischen Koronos? Vgl. Töpffer, Att.Geneal. gründete. — Wenn Nestor, Theseus*) (II. 1, 

276 f. Vielleicht identisch mit dem an den 265. Hes. sc. Herc. 182 n. s. w.) und Peleus 

Kampfspielen des Pelias beteiligten Phalareus (Ov.Met. 12,365) als Teilnehmer am Kentauren- 

(Paus. 5, 17, 10). Vgl. noch .Hyflr. fdb. 14 p. 41 2J. kämpfe genannt sind, so dürfen sie natürlich, 

Tzetz. Lyk. 175. Vol. Fl. 1, 398 u. ö. Steph. Byz. wie schon oben bemerkt, deshalb noch nicht 

s.v. $ülriQOV. Töpffer, A.d. Anomia 39f.Anm. 3. als Lapithen angesehen werden. Übrigens er- 

54) Phlegyas (?), nach Eurip. bei Schol. b.ellt auch aus den Einzelnamen der Lapithen 

Apoll. Rh. 3, 62 und Schol. II. 1, 268. Schol. und deren Beziehungen (namentlich zu be- 

Pind. Pyth. 2, 39 Vater, nach Strab. 442 Bruder 30 stimmten Ortschaften, deren Eponymoi _ sie 

des Ixion, auch Bruder des Gyrton (Steph. Byz. sind), auf das deutlichste, dafs wir es nicht 

s.v. rvQzcöv), Grofsvater des Asklepios; nach etwa mit Personifikationen von Naturmachten 

dem Hymnus des Epidauriers Isyllos (s. oben) zu thun haben (s. Sp. 1865 Anm. *). Die Namen 

ein Epidaurier, Gemahl der Kleophema (welche der Kentauren (s. d.) gehören gröfstenteils ganz 

ihm die Aigla oder Koronis gebar), Eponymos anderen Vorstellungsbereichen an als die La- 

von $Xeyva, 116X1.9 Boimziag (Steph. Byz. s. v.), pithennamen. (Jahrb. f. cl. Phil. 1872, 421 ff.), 

vgl. L. Havet, Rev. de philol. 1888 p. 164; III. Was den Gesamtnamen Aanlbai 

Sohn des Ares und der Dotis (Apd. 3, 5, 5) betrifft, so sind darüber viele unsichere Ver- 

oder des Ares und der Chryse (Steph. B. a. a. 0.). mutungen ausgesprochen worden. Gewöhnlich 

Er wohnte nach Hymn. Hom. 16, 3 dmztcp kv 40 bringt man den Namen unter Hinweis auf den 

mi Sia>. ' Charakter einiger Lapithen, z. B. des Kaineus 

66) Phlogios (?), Sohn des Deimachos aus und Ixion, mit den bei den alten Lexikographen, 

Trikka Teilnehmer am Argonautenzuge (Apoll, namentlich Hesychius überlieferten Glossen Xa- 

Rh. 2 956). wi&r yavgovzai, vgl. Soph. fr. 954 N.; Xam- 

56) Phokos, „Caenei filius ex Magnesia", uz-^v %uv%t\zr\v\ Xa.niezi\g . . . tpXvaqog, tqv- 
Argonaut, Hyg. fab. 14 p. 43 B. ynkög, jiij e%<ov tpQOvziäa; Xttm'azQia- fopßo- 

57) *Phorbas (s.d.), Ov.Met. 12,322, nach liivrj, fiezioogitopivri zusammen und erinnert 
Diod. 4, 69 und 6, 58. Paus. 5, 1, 11 Sohn des zugleich an tpXeyväv, was bei den Phokern die 
Lapithes, nach Hymn. in Ap. Pyth. 33. Hyg. Bedeutung von vßgt&iv gehabt haben (vgl. 
P. Astr. 2, 14. Paus. 7, 26, 12 Sohn des La- 50 Eust. II. 13, 301 p. 933, 15) und von den my- 
pithessohnes (Diod. 5, 61) Triopas, auch Bruder thischen Doppelgängern der Lapithen, den 
des Peirasos und Vater des Triopas genannt $Xeyvai, abgeleitet sein soll, obwohl Herodian. 
(Paus. 2, 1£, 1; 4, 1, 1. Schol. Eur. Or. 920; m. pov. *e£. 44, 33 das Wort einfach =• ifXiym 
vgl. Wide, Lakon. Kulte 234, 1 und Töpffer, A. setzt (so Müller, Orehom. 195. Preller, Gr. M. 
d. Anomia 34). Wahrscheinlich war er auch 2,11; vgl. auch Unger, Paradoxa Theb. p. 247 f.). 
Eponymos von &oeßäg- nöXig rar sv &saaaXia Wäre dies richtig, so müfste jedenfalls Xan(j;<a 
'A%aimv (Steph. Byz. s. v.). ' ganz unabhängig von Aani9ijg von einer (neuer- 

58) P i e r s (?), Sohn des Magnes (Apd. 1,3,3), dings nachgewiesenen) gemeinsamen Wurzel Xa« 
Bruder des Eurynomos, wohl Eponymos von = vßqifciv (vgl. Yanieek, Griech.-Lat. Etym. 
Pierion in Thessalien (Bursian, Geogr. v. Gr. 60 Wörterb. S. 841) abgeleitet sein, da eine Bildung 
l 73 i 3). des Verbums vom Eigennamen AanC&rjs not- 

59) *Polyphemos, Hom. II. 1, 264, nach wendig die Form Xumfti£w fordern würde. 
Apoll. Rh. 1, 40 Sohn des Elatos, Kentauren- Doch scheint es bedenklich, einen Charakter- 
bekämpfer und Argonaut (vgl. Apd. 1, 9, 16. / zug, den nur einige wenige Angehörige des 
Orph. Arg 169 faeiog Kmviiog), von Lariasa t) Naoh m Meyer im JowJ ljm s m , cheint der 
stammend. ^ ^ Y0XL Theseua handelnde Vers des Homer und HesioU später 

60) Polypoites, Sohn des Peirithoos, TOn den Athenern im Interesse ihres Lleblingihelden 

Führer der Lapithen vor Troja, II. 2, 740 f.; eingeschoben. 



1861 Lapithen (Gesamtname) 

Namens, wie z. B. Kaineus und Ixion, keines- 
wegs aber alle Lapithen haben, zum Ausgangs- 
punkt der Etymologie zu machen. Viel glaub- 
licher ist es dagegen, den Namen mit dem 
Gebirge Aäni&og in Triphylien, wo nach Paus. 
6, 5, 8 — 10 (vgl. Steph. B. 'Aonülm v; mehr 
b. Lobeck, Pathol. prol. 364 ff.) die Sage vom 
Kentaurenkampfe des Herakles heimisch war 
(vgl. auch die oben angeführte Sage von der 
Wanderung des Lapithen Phorbas nach Olenos 
und Elis), sowie mit dem von Paus. 3, 20, 7 und 
Steph. Byg. s. v. Aani&ri erwähnten und nach 
einem Heros Acnitfrag benannten Ort oder Berg 
Aani&aiov am Taygetos zusammenzustellen 
und zugleich, mit diesen Namen auf eine noch 
in lap-is und lin-ag (Fels, Klippe) erhaltene 
gemeinsame Wurzel zurückzuführen, sodafs dann 
der Name die in steinernen oder auf Felsen 
erbauten Burgen Hausenden bezeichnen würde, 
was, wie man sieht, ganz gut auf die Lapithen 
als Bewohner und Gründer der uralten thessa- 
lischen Akropolen*) passen würde (vgl. Curtius, 
Graz. d. gr. Et} S. 637. Kuhn's Zeitschr. 7,93 
und Preller, Gr. Myth. 2, 10; sehr kühn 
Laistner, Bätsei d. Sphinx 1, 316). Neuerdings 
haben -'Mannhardt {Antike Wald- und Feld- 
kulte 90) und Meyer (Gandharven 190), welche 
in den Lapithen kein wirkliches halb historisches 
Volk, sondern ebenso wie in ihren Gegnern, 
den Kentauren, ursprünglich Personifikationen 
von Naturerscheinungen erblicken (wogegen 
nicht blofs der Gesamtmythus, sondern auch 
die «chon homerische ausdrückliche Gegenüber- 
stellung der &vSqss [jfctofs] und yrjqeg, II. 1, 
262 f.; 2, 740 f. Od. 21, 299; vgl. Eymn. in 
Mercwr. 222 f. und das Auftreten vieler La- 
pithen als Eponymoi thessalischer Städte 
streitet), dieser Deutung entsprechend , den 
Namen mit laiXaij), Xanägto, älancc'Qm zu- 
sammenzubringen versucht und den 'I^itav als 
ä£(oTQO(pog (vgl. Kuhn, Herabkunft des Feuers 
69), den Hnqi&oog (= der sehr Schnelle) als 
Ringeumläufer (d. i. Wirbelwind) gedeutet, 
wofür es jedoch an jedem Anhalte fehlt (vgl. 
dagegen Boscher in Fleckeisens Jahrb. 1877 
S. 405 f. und die Artikel Ixion und Kentauren). 
[Eine andere Deutung s. bei Pott, Zahlen von 
kosmischer Bedeutung, Zeitschr. f. Völkerpsych. u. 
Sprachwiss. 14 (1883), 15 ff., der Lapithen mit 
Xd^naiv und der in i&aqög (heiter, klar, rein) 
und färafow enthaltenen Wurzel oder mit 
Sanskr. idh (entzünden) zusammenbringt. Höfer.] 

IV. Die Mythen von den Lapithen. 
Indem wir die Mythen der einzelnen hervor- 
ragenden Lapithen (z. B. des Ixion, Kaineus, 
Mopsos, Peirithoos u. s. w.) den betreffenden 
Einzelartikeln überlassen, wollen wir hier nur 
den Gesamtmythus derselben kurz darzustellen 
versuchen. 

a) Abstammung. Einen einheitlichen 
Stammbaum der oben (Abschnitt H) aufge- 
führten Lapithen zu entwerfen ist unmöglich, 

*) Vgl. Neumann - Partsch, Phys. Geogr. ». Griech. S. 187 : 
„Steti behauptete der Adel [Thessaliens] von den festen 
Schlössern aus, welche die rereinzelten Felsknollen 
mitten in dem reichen Flachland krönten, die Herr- 
schaft über das in grofse Güter geteilte Gebiet, auf 
dessen Triften seine Kofsherden grasten." 



Lapithen (Mythen) 



1862 



da die einzelnen Lapithengeschlechter ganz 
verschiedene Ursprünge haben. Als die ältesten 
vom Mythus genannten stellen sich dar: Hyp- 
seus und Andreus, die Söhne des Peneios und 
der Nais Kreusa (aucb Atrax wird ein Sohn 
des Peneios genannt), Phlegyas, der Sohn des 
Ares und der Chryse (Tochter des Halmos, 
Enkelin des Sisyphos), Lapithes,. der Sohn des 
Apollon und der Stilbe (Tochter des Peneios 
10 und der Kreusa), ferner Elatos, Deimachos und 
Titaron (Vater des Ampyx), deren Abstam- 
mung wir nicht kennen. Von Lapithes, dem 
eigentlichen Eponymos und Archegetes des 
Geschlechts, ist schon oben gesagt, dafs sein 
Mythus ziemlich jung zu sein scheine. Vgl. 
die Stammbäume bei Gerhard, Gr. Myth. 2 
S. 227 und Müller, Orchom. 1, 465. 

b) Der Kentaurenkampf der Lapithen 
ist schon im Artikel Kentauren ausführlich 

20 behandelt worden , daher hier darauf ver- 
wiesen werden mufs (vgl. auch die Artikel 
Peirithoos, Theseus). Nachzutragen habe ich 
jetzt dazu nur noch die von Laistner, Bätsei 
d. Sphinx 1, 315 aus der slavischen Mytho- 
logie beigebrachte Parallele, wonach „Nixe 
auf den Tanzplatz der wendischen Jugend 
kommen und mit den jungen Burschen Händel 
anfangen". — Ael. var. hist. 11, 2 erwähnt eine 
Schrift Accai&äv xal KevzavQiav ftß^jj von einem 

30 sonstunbekanntenMilesier Namens Melesandros. 

c) Einige Lapithen nahmen auch an der 
Kalydonischen Eberjagd teil nach Apoll. 
1, 8, 2. Ov. Met. 8, 303 f. und Hyg. fab. 173. 
Genannt werden Peirithoos (Apollod., Ov.), Kai- 
neus (Ov., Hygin.), Dryas (Lapithe? Apollod., 
Ov., Hygin.), Mopsos (Münchener Vase nr. 125, 
Ov., Hygin.), Asklepios (Hygin.J, Alkon (La- 
pithe? Hygin.). 

d) Ebenso wird von einer Beteiligung ein- 
40 zelner Lapithen an dem lange nach dem Ken- 
taurenkampfe (Ap. Eh. 1, 41) unternommenen 
Argonautenzuge erzählt (s. ob. die Belege im 
Verzeichnisse der Lapithen und Bd. 1 Sp.508f.). 
Besonders gilt das von Kaineus, Koronos, Mop- 
sos, Peirithoos, Asterion, Polyphemos und Pha- 
leros, sowie von den Söhnen des Kaineus, 
Phocus (?) und Priasus (?) bei Hygin. 

e) An den auf dem Kasten des Kypselos 
dargestellten Kampfspielen des Pelias 

50 sollen teilgenommen haben: Asterion, Mopsos, 
Phalareus (== Phaleros?), Paus. 5, 17, 9ff. 

f) Kampf mit Herakles und den 
Dorern unter Aigimios u. s\ w. (vgl. Müller, 
Darier 1, 28f. 214. 411f. Welcker, Ep. Cyklus 
1, 246 f. Dibbelt, Q. Coae mytholog. p. 47 ff.). 
Die älteste Quelle dieses Mythus ist un- 
zweifelhaft das dem Hesiod oder dem Ker- 
kops von Milet zugeschriebene Epos Aigimios 
gewesen, woraus Apollodor (2,7,7), Diodor 

60 (4, 37) und die Inschrift G. I. Gr. 5984 C. 47 f. 
folgendes erzählen. Die Lapithen unter Ko- 
ronos, dem Sohne des Kaineus und Verbün- 
deten des Laogoras, Königs der Dryoper, be- 
kriegten den Aigimios, den König der noch in 
Hestiaiotis wohnenden Dörfer*), und belagerten 

*) Hinsichtlich des Gegensatzes des (dcrischen?) 
Apollon und der Phlegyer - Lapithen s. Müller, Orcho- 
menos 1 188 f. Dotier 1, 214. 

69* 



1863 Lapithen (Mythen) • Lapithen (Bedeutung) 1864 

ihn; da nef dieser den Herakles zu Hülfe unter sein, entweder eine Übertragung von den eu- 
dem Versprechen eines Drittels vom dorischen hemeristisch als erste Reiter gedachten Ken- 
Gebiete. Herakles kam auch wirklich mit den tauren (vgl. Biod, 4, 70. Plin. 7, 202; mehr bei 
Arkadern den Doriern zu Hülfe, tötete den Welcker a.a.O.) oder eine Abstraktion von 
Koronos "und Laogoras (nach Apollodor samt- den historischen Thessalern, die von jeher 
liehe Lapithen, nach Biodor die meisten) und durch ihre Bossezucht und Reiterei berühmt 
zwang die Lapithen, das streitige Gebiet auf- waren. 

zugeben, oder nahm ihnen ihr ganzes Gebiet h) Hinsichtlich der lapithischen Abkunft der 

und gab es d*em Aigimios nach Apollodor.*) Kypseliden in Korinth, der Philaiden und 
Vielleicht beziehen sich auf diese Vernichtung 10 Perithoiden in Attika s. oben Abschnitt I. 

der Lapithen die Worte Vergib Aen. 7, 304: Nach SJtyrnnos v. 616f. leiteten auch die Ai- 

„Mars perdere gentem immanent Lapithum va- nianen ihre Abkunft von den Lapithen ab. 

luit", welche gewöhnlich auf die . nur bei Nach Hesychius s. v. KsvravQor XyataC. mal 

Biodor 4, 70 (vgl. Schol. Find. Pyth. 2, 85 und of Atviävss*) scheint man in späterer Zeit die 

Serv. zu Aen. a. a. 0.) berichtete Besiegung der von den Lapithen ebenfalls in das Gebiet der 

Lapithen durch die Kentauren bezogen werden. Aithiker (ßÜQßaQoi. und Xrjezui, wie die Ken- 

— Nach Strabon 442 und Plut. Q. Gr. 13 u. 26 tauren [s. d.], nach Steph. Byz. s. v. Aldt*iu) 

sollen die Ainianen aus dem Dotischen Gefilde, verdrängten Ainianen (s. oben) mit den eben- 

nach Hieronymos bei Strabon 443 die Pelasger dorthin verjagten (als Reitervolk gedachten) 
aus Thessalien (nach Aitolien), nach Simonides 20 Kentauren identificiert zu Jiaben. Vgl. auch 

bei Strabon 440 f. die Perrhaiber aus ihren Sitzen Steph. Byz. s. v. "Aftvqop vatsqov Ss AHsytg 

von den Lapithen verdrängt worden sein. oi kotoI [of Apv^aZoi, EooöV] %cc\ Ksvzavqoi 

g) Die Lapithensage bei Biodor (4, 69; *al 'ijrsroiceVravooi [haXovvxo']. ib. EvnoUg Sa 

5, 58 und 5, 61; vgl. auch 4, 37). Nach Biod. 'Apvgovs avrovg Xiyei, nlnmoxmQovs xrjg Mo- 

4, 69 war Lapithes der erste Lapithenkönig im Xovtiag. Auf diese Weise begreift man die Ab- 

Peneiosthale, ein Sohn des Apollon und der leitung der Ainianen von den Lapithen, da ja 

Stilbe und Bruder des Kentanros. Mit der auch die Kentauren von dem Lapithen Ixion 

Orsinome, der Tochter des Eurynomos, zeugte abstammen sollten. 

'er zwei Söhne, den Phorbas und Periphas. ,V. Deutung und Litteratur. Aus der 

Phorbas zog nach Olenos, von wo ihn Alektor, 30 vorstehend mitgeteilten Übersicht über die 

König von Elis, aus Furcht vor der Übermacht sämtlichen Lapithensagen dürfte so viel als 

des Pelops- zu sich berief, um mit ihm die unumstöfsliches Resultat hervorgehen , dafs 

Königsherrschaft zu teilen. Seine beiden Söhne die Lapithen (ebenso wie die Myrmidonen, 

Aigeus (= Augeias) und Aktor waren seine Dorer, Ainianen, Dryoper, Doloper) als ein halb- 

Nachfolger. Vgl. Bethe, Q. Biod. myth. 53 ff. mythischer, halbhistorischer Stamm Thessaliens 

Nach Zenon v. Rhodos fr. 2 bei 'Biod. 5, 58 anzusehen sind, wofür sie namentlich schön 

(vgl. auch Polyzelos v. Bhodos bei Hygin, P. 0. Müller, Orehomenos 195 (vgl. auch Gerhard, 

Astr.2, 14) soll Phorbas, Sohn des Lapithes, Gr. Myth. § 669 — 672. Bursian, Geogr. v. Gr. 

von den Rhodiern, als grofse Schlangen ihr 1, 50 f., Voigt in Ersch u. Grubers EncyU. unter 

Land verheerten, auf den Rat des Apollon aus 40 Kentauren Sekt. II Tl. 35 S. 223. Boscher da- 

Thessalien nach ihrer Insel berufen, dieselbe selbst unter Lapithen) erklärt hat. Müller hat 

von der Plage befreit haben und. später da- zugleich darauf aufmerksam gemacht, dafs der 

selbst als Heros verehrt worden sein, während Stamm der Phlegyer, deren Wohnsitz durchaus 

5,61 von Triopas (dessen Sohn nach Hymn. mit dem der Lapithen zusammenfällt**), so viel- 

in Ap. Pyth. 33- Phorbas war) , nach einigen fach in den ältesten Sagen mit den Lapithen 

dem Sohne des Lapithes, erzählt wird, er habe vermischt ist, dafs er mit ihnen fast identisch zu 

Triopion im knidisehen Gebiete gegründet. sein scheint So wird Ixion, der Vater des La- 

Periphas dagegen heiratete die. Tochter des pithenPeirithoos, ein Sohn des Phlegyas;Gyrton, 

Hypseus, Astyagyia, und zeugte mit dieser der Eponymos der Lapithen- und Phlegyerstadt 

acht Söhne,* von denen der älteste, Antion, 50 Gyrtone (II. 2,738; vgl. die bei Müller a.a.O. 

derGemahlderPerimela(TochterdesAmythaon), 194, 3 angeführten Stellen), ein Bruder des 

den Ixion zeugte (4, 69). Das Weitere s. unter Phlegyas; Asklepios ein Nachkomme bald des 

Ixion. Nach Biod. 4, 70 wurden schließlich Lapithes, bald des Ischys, bald des Phlegyas 

die Lapithen von den Kentauren besiegt und *) Als Stammvater der Ainianen haben wir wohl 

nach Pheneos und Malea vertrieben (s. Ken- Alnens, den Sohn des Apollon und der Stilbe, also 

tauren): (Hinsichtlich der sonstigen Bezie- Bruder des Lapithes, Gemahl der Ainete und Vater 

hungen de) Lapithen und Kentauren zu Phe- %S£Z^^wJ£££&£Z 

neos und dem übrigen Peloponnes vgl Immer- d J thegialiIolien jelasger (das Dotion gehörte 

wahr, Ar Kad. Kulte 39 B. 116 fl. etc. Kirchner, v auch •„ Pelasgiotis!) direkt zum Sohne des Apollon. 

Att. et Pelop. 6,1 ff.). Wenn nach Verg. Georg. 60 vgl. anc h Plut. Q. Gr. IS u. 26, wonach die Ainianen ur- 

3, 115 (vgl. Serv. z. d. St. Hyg. fdb. 274; Vgl. sprfinglieh im Dotion wohnten und daraus Ton den La- 

Plin. 7, 202. Luean. 6, 399) die Lapithen das pithen nach Aithikia vertrieben wurden. Nach alledem 

Reiten erfunden haben sollen (vgl. WelcJfer, ha ° en wir «" «• Ainianen, ebenso wie die Phlegyer 

Ep. CyU. 2, 217), SO scheint das ein erst ver- für Doppelgänger der Lapithen zu halten. Tgl. auch ob. 

hältnismäfsig spät erfundenes Mythologem zu "" £ } v^'T'b. Schot, pm Pyth. 3, 8 (U). Apd. s, ö, 5. 

*) Daher nach Seneca, Herc. für. 782 die von Herakles Schol. II. 13, 301, nach welchen Stellen die Phlegyer bald 

besiegten "Kentauren und Lapithen im Orcus vor ihm in die Gegend von Gyrton, bald in die des Dotischen 

erzittern. Gefildes verlegt werden, Preller, Gr. M. 2, II, 3. 



1865 Lapithen (Litteratur) 



Larari 1 866 



genannt (vgl. Bd. 1 Sp.616); Ischys, der Sohn Lapithes (Aanförig), 1) Sohn des Apollon 

des EMos, heiratet die Phlegyastochter Koronis (nach Eesych. s. v. Aanföai des Ares, nach 

(Res fr. 125 Oöttl.); Phlegyas ist ein Sohn der Steph. Byz. s. v. Aani^n des Penphas) und 

Dotis (Apd. 3, 5, 5), d. L des Dotischen Gefildes, der Stilbe, Stammvater der Lapithen (s. d). — 

wo auch die Lapithen wohnen, u.s. w. Hinsicht- 2) Sohn des Aiolos, Enkel des Hippotes, Vater 

lieh des Verhältnisses der Lapithen zu den des Besbos, wohl identisch mit nr. 1; Diod. 

Kentauren s. diesen Artikel. Wir wiederholen 5, 81. — 3) Spartanischer Heros , Vater der 

hier nur, dafs in diesem schon homerischen Diomede, Grofsvater des Kynortes und Hya- 

Mythus die Lapithen durchaus als Menschen kinthos, nach welchem der Ort Aaxi&aiovaia 
lavSpie; vgl- die Bezeichnung alxfirirai bei 10 Taygetos benannt war, Patts. 3, 20,7. ApoUod. 

Hes sc Herc. 178), den als g^s gedachten 3,10,3. Weiteres siehe bei Wide, Lok. Kulte 

Personifikationen der gerade für Thessalien so 234. 357. — [4) Lapitha penurus heifstlxion 

charakteristischen Wildbäche (zsipäQQOi) gegen- bei Auson. Technopaign. 10, 72 p. 162 Peiper. 

überstehen und mit hoher Wahrscheinlichkeit Höfer.] [Röscher.] 

(analog dem Herakles der elisch- arkadischen Laprius s. Laphrios 4. 

Kentanrensage) als die Repräsentanten der äl- Jj&vylhos {Aänv&og), Wagenlenker des Iolaos 

testen städtischen Kultur Thessaliens, deren auf einem korinthischen Salbgefäfs, das Sie 

Hauptaufgabe es sein mufste, die durch Über- Darstellung des Kampfes des Herakles mit der 

schwemmungen schädlichen (Orac. Sib. 5, 133 ff. Hydra enthält (abg. Bofsbaeh, Gnech. Antiken 
Eust zu II. 357, 42; mehr unter Kentauren 20 des'arch. Mus. in Breslau [Breslau 1880] p. 5) 

Sp 1058 ff) Wildbäche Thessaliens zubekämpfen s. Bofsbachj,. a. 0. 15. 17; auf der Vase selbst 

und zu besiegen (vgl. Isoer. 10, 26), anzusehen steht AAUT&OM. S. auch Lampythos. [Hofer.] 

sind (Boscher in Gott. gel. Am. 1884 S. 144. Lar s. Lares. 

Berliner philol. Wochemchr. 1885 S. lff; 1887 Lara, nur bei Ovid (Fast. 2, 599, daraus 

S 1506 ff. Ders. in Jahrb. f. Mass. Philol. 1872 Lactant. inst. div.. 1, 20, 35) vorkommender 

S 421 ff und in der Allg.EncyUop.d.Wiss.u. K. Name für die sonst Larunda (s. d.) genannte 

2 42 "96 ff) Wenn Preller, Gr. Myth. 2, 9-^ »14 Göttin, die angebliche Mutter der Laren. Ovid 

(vgl auch Buttmann, Mythol. 2, 220f.) die La- scheint den Namen willkürlickgebildet zu haben 

pithen für kein wirkliches Volk, sondern nur zu Gunsten einer Ableitung desselben von Lala 
für Vertreter des Riesen- und Hünentums der so = Xaln (v. 599 ff.: forte fuit Nais, Lara nomine, 

Vorzeit erklärt, so widersprechen dem die . prima sed Uli dieta bis antiquum syllaba nomen 

oben dargelegten Merkmale eines an der Grenze erat, ex vitio positum) ; denn er Brzählt (v. 585 ff. 

des Mythus und der Geschichte stehenden wirk- wahrscheinlich in freier Übertragung einer grie- 

lichen Volksstammes. Der unhaltbaren, die chischen Sage; vgl. Wissowa, Philol. Abhandl. 

historischen und lokalen Beziehungen der La- M. Hertz dargebracht. Berlin 1888 S. 165 f.), 

pithen ignorierenden Ansicht Mannhardts (An- date diese Nymphe .durch Schwatzhaftigkeit 

tike Wald- u. Feldkulte 89) und E. H. Meyers einen Liebesanschlag des Iuppiter auf Iuturna 

(Gandharven- Kentauren S. 190 u. 198), welche vereitelt habe und darum zur Abführung in 

die Lapithen für Sturmdämonen erklären, ist - die Unterwelt dem Mercurius übergeben worden 

schon oben gedacht worden. Diese Deutung 40 sei, der ihr unterwegs Gewalt anthat und sie 

wird schon durch den Hinweis auf die That- zur Mutter der Laren machte. Mit dem Kultus 

sache, dafs so viele Lapithen Eponymoi be- hat diese frei erfundene Figur nichts zu thun. 

kannter thessalischer Ortschaften sind, . [Wissowa.] 

hinreichend widerlegt. *) Laran (laran), etruskischer Name eines 

, VI. Hinsichtlich der Bildwerke ist auf Götterjünglings, 9mal auf etruskischen Spie- 
die Artikel Kaineus, Kentauren, Ixion, Peiri- 

thoOS U. S. W. ZU verweisen. In betreff des itqbgtfillieqia, Steph.Byz.) — '/frorst); (vgl. Pieros, Sohn des 

später sprichwörtlich gewordenen Charakters Magnes, Bruder des Eioneus bei ApoUod.); «Soo/Ms (äiMi; 

der Lapithen vgl. Unger, Paradoxa Theb. p. 247 f. **v h toaoaXla Xx<*tf, step^Byz.) - «(M^f 

, . v 6 " ' rRoscherl 50 (= Orchomenos) — 'Avfysiig ; üieQiov — miqog; Maxaqai 

<- '-! _ MaxaQsüg u. a. w. Könnte nicht vielleicht Dryas Ver- 

*) Wir geben hier noch eine kurze Zusammenstellung treter der Dryoper oder Dorer und Krantor der Eponymos 

aller Ortschaften Thessaliens, für welche sich eponyme von Krannoi sein? Vgl. auch Tqiöntov, Torgebirge bei 

Lapithen nachweisen oder mit Wahrscheinlichkeit ver- Knidos und Tgio-ip, Tqiiitiov (-La) eine Stadt daselbst — 

muten lassen, nebst ihren Eponymoi: lAatcQtor (Bursian, Tgiortag; Htqi9olSai (att. Demos) — mioLSoog; Evqv- 

Gaogr. v. Griechenl. 1,74) — 'Aatiqtmv; 'Aiibqiov CA&qog, /uvai — EiQÜronogtf];"AXog — Halesus [?]; Iliqaoog — 

'A&oeia u. s. w, Bursian a. a. 0. 61; 57) — 'Jfoqog; 'Atqai Priasus [?]; Cymlne (Bursian 1, 74) - Cymelus (Cymi- 

(Bursian 66) — "AtoaS; 'EXuttta (.Bursian 61) — "Elatos; nus?) [?]; nqoxXiviov (Besych.) — 27 ?< Mo/o; [?]. — Zum 

rvotthv(rv(>lJ>vn) — rvot6r;"rita1a(Bursian89)—rytis; Schlüsse mache ich noch aufmerksam auf die von Topfer, 
Xogänm - KAoaros; Jaitl&ti - Aajti»r,g; Mayvrioia -MAA Änomia S. 33 ff. 42. 45 nachgewiesene Thatsache, d«fe 

Mäymg ■ M&xagai — Maxamig; Miifnov (Bursian 62) — mehrere Lapithen (Peirithoos, Periphas, Phorbas, Phale- 

MAxpoq; HiXXa (IUXij) — Pelates (Ovid); HeXe »gdrtov — ros, Deioneus [Eioneus], Mopsos) auch in Attika (und 

Pelethronius; <PäXaou (Bursian 88 ; nach Steph. Byz. aucli der Peleponnes) lokaUsiert sind, was nach Topffer mit 
fr&Xmov, Töpfer 40 Am) — *<U W o;; lleiMoiat (IleiQa-. der Wanderung der thessalischen Dryoper, die ebenso 

ala)-niigaoos; XäqaZ (Burtian 61) - XagaÜog (Ovid); wie die Lapithen Feinde des Herakles waren (Dübelt, 

Tttaothv, Stadt Thessaliens (auch Titaoov, vgl. Benseier, Q. Com mythol. 47 ff.) zusammenhängt. S. auch oben 

Wörterbuch der griech. Eigennamen 2, 15S6) - T.täocor, Sp. 1087 f. Übrigens lassen sich ähnliche Beziehungen 

Grofsvater des Mopsos; Movtlroi (= Aoyovqatoi; Steph. der Lapithen (Phlegyer) auch zu Boiotien, Phokis u . s. w 

Byz. s. v. lAoyovoa) - Aeovtitig; 'AXxvöv; (Stadt Thessa- nachweisen (vgl. Koronos, Thersandros Andreus, E>tos, 

liens am Malischen Busen nach Kieperts grofsem Atlas) 70 Phokos u. s. w.). Tgl. auch den Artikel Kentauren 

— 'AXxvorevs ="lo/us (Lapith; s. d.); 'Htav (rtcWis ... Sp. 1080 ff. 



1867 Larasios Lares 1868 

geln, nackt, mit hinten herabhängender Chla- Die Münze des Nero von Tralleis mit der Re- 

mys, mit Schuhen oder Schnürstiefeln, fast versaufschrift AAPACIOC • KAICAPEQN (Mi. S. 

immer bewaffnet, mit Speer, Schwert, Schild, 7, 468, 701), welche Zeua L. sitzend 1. h., auf 

oder Sohwert und Helm, oder Speer, Schwert der R. eine Nike, die L. oben am aufgestütz- 

und Helm, bisweilen neben oder gegenüber ten Scepter zeigt, ist abgebildet bei Ray et et 

der Auran (='ArpQoältri, s. d.), in Gegenwart Thomas, Milet et le golfe latmique. Paris 1877. 

der verschiedensten Gottheiten, meist als 4° p. 104 Fig. 23. Eine andere mit dem Haupt 

jugendlicher „Ares" gedeutet und so von des Demos im Obv. zeigt dieselbe Zeusfigur, 

Bugge, Etr. Fo. u. St. 4, 225 aus V "Jqtjv welche auch ohne Beischrift auf den Münzen 

(V = Artikel) erklärt; s. Fabr., Gl. I. col. 10 von Tralleis vorkommt, begleitet von der Bei- 

1003 u. 2084. 0. 1. I. Pr. Spl. 395. See. Spl. 93. schritt Z6YC AAPACIOC KAICAP6QN nach Leake, 

Corssen, Spr. d. Etr. 1, 252. O. Müller, Etr. 2 2, Num. Hell As. Gr. p. 135, AAPACIOC ■ KAICA- 

57 nt. 66. DeecJce, Etr. Fo. 4, 37. Bei Gerhard, P€QN nach Sestini, Mus. Hedervar."2 p. 405 

Etr. Spr. 4, 13 t. 284 (Fabr. C. I. I. 2478) ist nr. 17 Taf. 25, 8 und Mi. S. 7, 465, 684. Den 

laran statt Man zu lesen; 3, 328 t. 257 B Tempel des Gottes (vgl. B. C. H. 3 p. 468 

(Fabr. C. I. I. 2094) ist [IJaran zu ergänzen. Zeile 12. MM. d. K. B. A. Inst, in Athen 13 

[Deecke.] p. 411 nr. 2 Z. 8 iv rät [egal roü z/ios tov 
Larasios (Aagdaiog), Beiname des in Tralles *>*<**») «l*»bt Bayet ; p. 54f. Fig. 9 auf 
verehrten Zeus auf dort gefundenen Inschriften: G . rund de , 8 ,4 d }? rs lm , Glebel . zn erkennen in 
s. Corr. hell. 3, 468. 10, 456 und die von ^o einem achtsauligen Tempel emer Münze des 
Kontoleon a. a. O. 10, 457 angeführten In- *\ nachchristlichen Jahrhunderts. Die Stadt 
Schriften und Münzen; Mitteilungen d. deutsch. ™ d a }?. ^T/T fi- ™ e !f° ^15«^ 9 r ' 
arch. Inst. 8 (1883), 331. 332. 11 (1886), 204. | 92 . 6 - L^ot, Apostohc Fathers Part. 2 Vol 2. 
13 (1888), 411. Waddington, Asie min. p. 203 b ec «\ „ p : b- / „ ,- , ,. D . , .,, 
zu nr. 604. Bei Strabon 14-, 649 heifst er Au- M A ,nV £ a pTr.nr 8 * T' denn dl6 Beischrift 
etootfog, ebenda 5, 440 AugCaawg. Auch auf F* 10 ^ n£' £ ^ e . che das g»»* des He- 
der Akropolis von Ärgos, der Larisa, befand l } 0? .tf^ Ä ^^V^^-T^ %*■ 
sich ein Tempel des Zeus Larisaios, Paus. 2, 4 ' 18 , ' 104 .° ™ d & 7 ' iu > 6 J s .™g* U . G^e 
24, 3; vgl. Steph. Byz. Afaccu, der einen Zeus a ™ <iem mcht immer zuverlässigen Sestini) ist 
Aa^csvs erwähnt. _ wJdinqton a. a. O. stellt 30 *"& 7 7 0n1 ' ™. auch »• ™> f e f ^ £ -^!»; 
den pelasgischen Ursprung des Zeus Larasios *2£ *\ Za^r' ?*■ ch 4 nal °pe derBeischnft 
(- von Larisa abgeleitet -) in Abrede und f 6 ^ / ^« CI ? C ^Tr ^ ^»j? ™ (Mi 
führt den Namen auf einen karischen, bei 4 ' "* -p 1 . .?. '-Leake, Num. Hell As Gr. p 135) 
Tralles gelegenen Ort Larasa zurück. Münzen zu AAPACIOC zu emendieren trotz Cavedonu 
von Tralles zeigen das Haupt des Zeus mit (^««- «^-P; 228) Erklärungsversuchs des Bei- 
der Legende Aocqäatog T Qa Ui«v&v, Eckhel, nam T ^ aat ? s /"^f* 8 «W™/e prmd« 
Do««r. nw». tut. 3, 124. 125, vielleicht ge- * MCe r ? a Pausama (8,38) ehe raeconta come 
hören hierher auch die Münzen von Kaisareia "? iwswa di Arcadia . . era un sito detto 
in Bithynien mit der Darstellung des stehen- ' fff' W 5 fTnAToi^ontSv*? 
den Zeus und der Legende kLu^v Au- 40 % l ^ sco **> ATTOAAANOI TTAPPACIOY. I 
gdaiog, Eckhel a. a. 2, 410. rZu den In- Tralliam, che vantavans% di Gwve natonelle 
Schriften kommt noch die von Sitlingtm ^rocontrade,avrannoamtoaltresttlloro Apollo 
Sterrett (der auch die B. C. H. 1886 p. 456 ° SoU . Pa £ r ™ w - >-, Gewifsheit kann naturlich 
und Mitteü. d. D. A. I. i. Ath. 1886 p. 203 Mr e^e Prüfung der betreffenden Münzen er- 
veröffentlichte verzeichnet, p. 325 nr. 379) in ST*?: Heb -? 8 i lst haufl £ anf den M™ z en von 
An Epigraphical Tour in Asia Minor p.326f. ™bna vertreten; stehend, das Haupt mit 
nr. 381 mitgeteilte: M AagocaCco 2, Lata I S* ra " en bekränzt, die Chlamys um den Hals, 

K [0 r ' ' die R. erhoben, m der L. einen Globus er- 
Ev/nivst Klav\äi(o)g MtXi\za>v 6 tsqsvg \ aito- scheint er z. B. auf einer Münze des Valerian, 
■nats\arrjaev. Sterrett bemerkt dazu: „Light- 50 Imhoof, Monn. gr. p. 391 nr. 46; auf dem Vier- 
Zoo*, Apostolic Fathers, Part. 2 Vol. 1 p. 619 gespann auf autonomen, Mi. 4, 181, 1051 nach 
note, points out that the Emperor Hadrian is Eckhel, Cat. Mus. Caes.Vindob. 1 p.194. Mi. S. 
here identified with Zeus Larasios the patron 7, 465, 683 = Sestini, Mus. Hedervar. 2 p. 328 
God of Tralleis", vgl. die Bemerkung von nr. 18. Leake, Num. Hell. As. Gr. p. 136, und 
Bamsay, The Church in the Boman Empire auf solchen des Commodus, Mi. 4, 187, 1089 
before'A. B. 170 p. 191: „The Emperor re- nach Mus. Theupoli p. 789. 930, und des Gor- 
presented the majesty, the wisdom and the bene- dianus Pius, Mi. 4, 192, 1117. Tov itgbv äymva. 
ficent power of Borne: he was in many cases ztöv 'Alsttov erwähnt eine Inschrift von Tral- 
attually represented in different parts of the leis, Pap. of the amer. school 1 p. 332 nr. 12 
empire as an incarnation of the god worship- 69 — Mitt. d. K. D. A. Inst, in Athen 8 p. 332 
ped in that district, the Zeus Larasios of Tralles, nr. 12. Drexler.] [Höfer.] 
the Men of Juliopolis, the Zeus Olympios of the Lares. 
Greeks in general." Priester des Gottes (isQsvg 

81a ßlov tov zliog toü AaQctd'ov) nennen aufs4r I - Name u&d Bedeutung. 

den oben verzeichneten die von Sterrett, Papers Die ältere Form Loses findet sich noch 

of the american school of class. stud. at Athens 1 im Liede der Arvalbrüder und wird (wahr- 

p.lKS.Tir.ll.l2 = Mitt.d.K.D.A.Inst.inAth.S scheinlich nur aus dieser Urkunde) mehr- 

p. 330ff. nr. 11. 12 veröffentlichten Inschriften, fach von alten Grammatikern bezeugt (Varro 



1869 Lares (Name und Bedeutung) Lares (ältester Staatskult) 1870 

de 11 6 2. Paul. p. 264. Quinta, inst. 1, sei, gesucht, da die naheliegende Beziehung 

4 13 Terent. Scaur. 7, 13, 14 K. Placid. auf die Verehrung des Gunius Augusti zwischen 

p' 51 16 Dauert u.a.). Die Erklärung den Laren (s. unten) zur Erklärung vollig^aus- 

des Namens ist bisher noch nicht in über- reicht. Die Gleichsetzung von Lares und ngmeg 

zeugender. Weise gelungen. Ein Zusammen- gehört erst der augusteischen Zeit an qder 

hang mit der auf etruskischen Spiegeln häufig erlangte doch erst damals allgemeine Geltung, 

vorkommenden Lasa, einer dienenden Gottheit da noch Cicero auf eigene Paust eine andere 

aus dem Kreise der Aphrodite (vgl. E.Sehippke, Übersetzung, Lares = Sctipavig , versucht 

De speeulis Etruseis quaestiomm particula I, (Tim. 38: quos Graeci Smjxovus appellant, 

Diss Vratisl 1881 p. 4 ff.), wie ihn noch 10 nostri opinor Lares, si modo hoc recte con- 

W. Corssen (Sprache d. Etrusk. 1, 246; vgl. versum videri potest). Plutarch , ^der einmal 

Ausspr. 2, 309) annahm, liegt auf keinen Fall (De fort. Born. 10) den Ausdruck ^ras (olwv- 

vor, ebensowenig wie der etruskische Vorname pog) aus seiner griechischen quelle (Dion Mal. 

Larth (lat. Lars oder Lar; vgl. Auct.de praen. 4: 4, 2) übernimmt, hat an einer anderen Stelle 

Lartis praenomen sumptum est a Laribus, Tuscum (Qu. Born. 51), wo er einem römischen Gewahrs- 

autem esse creditum, fuitque consul Lar Hermi- manne (Varro) folgt, die singulare und m- 

nius cum T. Yerginio Tricosto. Charis. p. 136, 13: korrekte Form AuQTjies. 

Lar, si familiaris erit, genetivo Laris faciet, si D g^g^ Staatskult der Laren. 

Tolumni Porsennae, Lartis. Müller - Deecke, ..„..,. , T 
EtrusJcer 1, 462 ff. Corssen in Kuhns Ztschr. f. 20 Das älteste Zeugnis der öffentlichen Laren- 

vernl Sprach f 2, 13) von Lases gebildet sein Verehrung bietet das uralte Lied der "atres 

kann Die gemeinhin recipierte Herleitung von A r v al e s , die an ihrem Maifeste noch vor Mars 

skr Wz lash „begehren" (Grafsmann, Ztschr. die Lases zum Beistande anrufen (enos Loses 

f vql Sprach} 16, 173 f. vergleicht XilaCofiai, iuvate; Text und Literaturverzeichnis jetzt 

Lust, Lottner ebend. 7, 185 altn. laeri „Woh- am bequemsten bei Engelb. Schneider, Dialecto- 

nung" und ahd. läri z. B. in Gozläri, Jordan, rum Itdlicarum aevi vetustioris exempla selecta 

Krit Beitr. S. 135 las-ciims) hat in dem, was 1, 1 Lipsiae 1886 nr. 392); sie erscheinen hier 

uns von Wesen und Bedeutung dieser Gott- in der Mehrzahl, wie ausnahmslos im btaats- 

heiten bekannt ist, gar keine Stütze. Sicher kulte, und in Verbindung mit Mars, zugleich 
steht nur, dafs Lases (der Plural wahrscheinlich so aber mit Beziehung auf das Gedeihen der 

das Ursprüngliche) als wirkliches Nomen pro- römischen Felder, dem ja die Feier der Ar- 

prium nicht als Gattungsname (wie penates, valen gilt; dieselben Laren sind es jedenfalls, 

manes, indigetes) zu fassen ist; denn die älteren denen die Arvalen bei den Piacularopfern im 

und' genauer redenden Zeugen geben ebenso J. 183 und 224 verbeces duos opfern (Mengen, 

konsequent die Bezeichnung di penates, di manes, Acta fr. Arv. p. 145). Auf verwandten An-- 

di indigetes, wie das blofse Lares (oder Lar); schauungen scheint die Verbindung des i-rnte- 

vgl z B Plaut. Merc. 834: Di penates meum gottes Consus mit Mars und den Laren zu 

parentum, familiai Lar pater. Cic. de rep. 5,7: beruhen, die Tertull.de spect. 5 bezeugt: et 

sanctis penatium deorum Larumque familiarium nunc ara Conso tili m Circo demersa est ad 
sedibus; de domo 108: ista tua pulchra Libertas 40 primas metassub terra cum *^ C "P*^* f"*- 

deos penates et familiäres meos Lares expulit; modi: CONSVS CONSILIO MARS DVELLO 

pro Quinct. 83: a suis dis penatibus praeceps LARES tCOILLO POTENTES, wenn auch die 

eiectus verglichen mit 85: manus adlatas esse Inschrift in dieser Form schon wegen der Ab- 

ante suos Lares familiäres (s. auch Jordan zu leitung des Consus von consdmm nicht alt 

Preller Böm. Myth. 2, 158 Anm.). Im Griechi- sein kann (Ps.-Ascon. zu Cic. Verr. p. 142 Vrelli 

sehen wird der Name Lares regelmäßig durch hat hiermit wohl nichts zu thun). In der De- 

womsg wiedergegeben, so im Monum. Ancyr. votionsformel des P. Decius Mus (Iw. 8,9,6) 

gr 10 11 und 18 23 = lat. 4, 7 und 6, 33 (die erscheinen neben den grofsen Hauptgottern 

Penaten heifsen 'ebenda »10I tiaxomlSioi oder Ianus, Iuppiter, Mars pater, Quirmus, Vesta 



'tfaoi nätowi). Dion.Eal. 3,70. 4,2 (b mar' 50 und den allgemeinen Anrufungen di 

oluav vecoe = Lar famüiaris). 4, 14 (t^ooss di novensides Bellona und Lares; hier legt es 

n:QovtÖ7ii.oi = Lares compitales). Corp. gloss. 2, die Gruppierung der angerufenen Gottheiten 

121 14- Lares familiäres rferass *aroi%lSun. (vgl. G. Wissowa, De du Bomanorum indtge- 

Auc'h in der poetischen Inschrift von Acerrae, tibus et novensidibus , Ind. lect. Marpurg. 

CIL 10, 3757 (= Buecheler, Anthol. epigr. Winter 1892/93 p. VIII) nahe, an die Lares 

spec 1 nr 2) faßt Mommsen die heroes qui militares zu denken, denen die Arvalbruder 

Augusti nomen gerunt gewifs richtig als Lares im Jahre 213 ob salute(m) victoriamque Ger- 

Auqusti, und die Worte des Prudentius adv. manicam imp(eratons) Caes(aris) M. Aurelli 

Symm. 1, 190 tot templa deum Bomae, quot in Antonini (d. h. des Caracalla) einen weiften 
urbe sepulcra heroum numerare licet, quos 60 Stier opfern (Hennen, Acta fr. Arval. p. 86) 

fabula manes nobilitat, noster populus veneratus und deren Kult wir wegen des Vorkommens 

adorat beziehen sich nach der evidenten Deu- im Ritual der Arvalbrüder für alt halten dürfen, 

tuüg Prellers (Böm. Myth. 2, 112, 1) auf die obwohl die sonstigen Zeugnisse erst spater 

Heiligtümer der Lares compitales; dagegen Zeit angehören (CLL. 3,3460. 3463; vgl. Mart. 

ist Buechelers Annahme (Coniectanea, Ind. lect. Cap. 1, 46. 48). Abermals m Kriegsnöten finden 

von Bonn, Winter 1888/89 p. 19), dafs bei wir die Laren erwähnt zur Zeit der Kampfe 

Horaz c 4,5,34 et Laribus tuum miscet numen mit Antiochos; in der Schlacht bei Myonesos 

umgekehrt Lares im Sinne von "i<><oeg gesetzt 564 = 190 gelobt der Praetor L. Aemilms Re- 



1871 Lares (ältester Staatskult) 

gillus den Lares permarini einen Tempel, wel- 
chen elf Jahre spätei* 575 = 179 M. Aemilius 
Lepidus als Censor einweihte; der Tempel lag 
im Marsfelde und trug eine von Livius (40, - 
52, -4 ff. ; vgl. Baehrens, Fragm. poet. Born. 
p. 54 f.) mitgeteilte Weihinschrift in Satur- 
niern; der Stiftnngstag war, der 22. Dezember 
{Fast. Praen. C. I. L. 1 p. 409. Macr. S. 1, 
10, 10; vgl. über den Tempel E. Aust, De 
aedibus sacris pop. Born, p. 25 nr. 62. 0. Gil- 10 
bert, Gesch. u. Topogr. d. Stadt Born 3, 149 f.). 
Dies ist aber auf keinen Fall die älteste aedes 
publica der Laren in Rom gewesen, denn wenn 
auch das von Varro (de l.l. 5 , 49) auf dem 
Esquilin erwähnte Larum Querquetulanum sa- 
cellum sehr wohl eine Privatkapelle gewesen 
sein kann und sicher keine wirkliche aedes 
Sacra war, so können wir doch dem auf dem 
höchsten Punkte der Sacra via gelegenen 
Larentempel, welchen Augustus wiederher- 20 
stellte (Mon. Anc. 4,7: aedem Larum in summa 
Sacra via; vgl. Solin. 1, 23 in summa sacra via, 
ubi aedes Larum est; fanum Orbonae ad aedem 
Larum, Cic. de n. d. 3, 63 = Plin. n. h. 2, 16; 
sacellum Larum, Tac.ann. 12,24; über den 
Tempel vgl. Aust, De aedib. sacr. p. 28 nr. 73. 
0. Gilbert, Philologus 45, 449 ff.), unbedenklich 
ein sehr hohes Alter zusprechen. Seine erste 
ausdrückliche Erwähnung fällt allerdings erst 
in das Jahr 648 = 106 (Obseq. 41), aber schon so 
die Lage im Herzen der Altstadt weist auf 
sehr frühen Ursprung des Heiligtumes hin 
(richtig hervorgehoben von E. Aust a. a. 0. 
p. 50), und 'feine nahezu sichere Kombination 
führt uns erheblich weiter zurück. Ovid näm- 
lich, der Fast. 6, 791 f. (Lucifero subeunte Lares 
delubra tulerunt hie, ubi fit doeta multa corona 
manu) den Stiftungstag dieses Tempels unter 
dem 27. Juni verzeichnet, erwähnt 5, 129 ff. 
zum 1. Mai die Stiftung eines anderen Laren- 40 
heiligtums, des Altars der Lares praestites 
(über den Text der Stelle s. Haupt, Opusc. 
3, 356), welchem er übereinstimmend mit Varro 
de l. I. 5, 74 (der die Laren unter denjenigen 
Göttern aufzahlt, denen T. Tatius in Rom 
Altäre weiht) sabinischen Ursprung zuschreibt. 
Er erörtert dabei die Bedeutung des Namens 
praestites und beschreibt die Bilder der Götter, 
die er aber nach seiner eigenen Angabe (v. 143) 
nicht mehr selbst gesehen hat; er entnimmt 50 
also seine Ausführungen einer gelehrten Quelle 
und zwar, wie die genaue Übereinstimmung 
mit Plutarch, Qu. Born. 51 zur Evidenz zeigt, 
aus Varro. Es steht unter diesen Umständen 
nichts der Annahme entgegen, dafs das Heilig- 
tum der Lares praestites mit der aedes Laruiff 
in der Weise identisch ist, dafs der einfache 
offene Altar später durch ein Tempelhaus er- 
setzt und dieses dann mit Götterbildern nach 
griechischem Muster versehen wurde (vgl. den fco 
ganz analogen Hergang beim Tempel der Pe- 
naten auf der Velia; s. Wissowa im Hermes 
22, 30 f.); der Stiftungstag dieses republika- 
nischen Larentempels war der 1. Mai (darum 
verzeichnen auch die fasti Vennsini zum 1. Mai 
Lar(ibus), d. h. T«mpelopfer zur Feier der 
Stiftung eines Larenheiligtums) , der des au- 
gusteischen Neubaues der 27. Juni; Ovid hat 



Lares (Dienst a. d. Compita) 1872 

aus verschiedenen Quellen beide Angaben über- 
nommen, ohne zu bemerken, dafs sie sich auf 
dasselbe Heiligtum bezogen (über einen genau 
entsprechenden Fall s. Wissowa im Hermes 26, 
138ff.). Der nur noch dem Varro bekannte Bei- 
name praestites, für welchen man den Iuppiter 
praestes von Praeneste (C. I. L. 14, 3555; vgl. 
Hist. aug. Max. et Balb. 5, 3) und die Prestota 
der iguvinischen Tafeln (Buecheler, Umbrica 
p. 98) vergleichen kann, kam später in Ver- 
gessenheit. Die bildliche Darstellung der Laren 
(durch die Beischrift A 3R, d. h. Lare(s) ge- 
sichert) nach Art der Dioskuren als Jünglinge 
mit Speeren in den Händen und mit Hunds- 
fellen bekleidet, einen Hund 
zu Füfsen, begegnet uns ganz 
übereinstimmend mit dervarro- 
nischen Beschreibung auf De- 
naren des L. Caesins aus dem 
7. Jahrh. d. St. (Babelon, Descr. 
d. monn. de la republ. rom. 1, 281, 
danach Abbildung 1); der Ty- « Laren mlt 

pus zeigt grofse Ähnlichkeit *? aA ™ ^ 
r -, j ° j j. -, ■ Füfsen, Denar des 

mit dem der verwandten an L „,£,„ (nach 

pewatespw&Z«« (.Hermes 22, 31f), ßabelon, Descr. etc. 

der Hund ist ihnen als Symbol 1, 281). . 

der Wachsamkeit in ähnlichem 

Sinne beigegeben wie dem Silvanus (vgl. 

A. Beifferschetd, Annali d. Inst. 1866, 217). 




ITC. Der Larendienst an den Compita. 

Obwohl nach dem soeben Ausgeführten an 
einer öffentlichen Verehrung der Laren seit 
unvordenklicher Zeit nicht zu zweifeln ist, 
wird doch ihr Name in der ältesten römischen 
Festtafel nicht genannt und zwar deshalb, weil 
diese nur die ständigen und pro populo be- 
gangenen Feste aufführt, während die Fest- 
feier der Laren eine verschiebbare war und 
nicht vom Volke als Gesamtheit, sondern ge- 
trennt nach Bezirken begangen wurde. An 
der Zugehörigkeit dieses Festes, der Cömpi- 
talia (oder auch Laralia, da Fest, p, 253 popu- 
laria Sacra sunt, ut ait Labeo, quae omnes 
cives faciunt nee certis familiis attributa sunt, 
Fornacalia Parilia Laralia porca praeeidanea 
kaum auf ein anderes Fest gehen kann), zum 
ältesten Festkreise kann nicht gezweifelt werden ; 
die alte Überlieferung schreibt seine Einsetzung 
dem Servius Tullius zu (Dion. Hai. 4, 14. Plin. 
n. h. 36, 204), spricht auch wohl von einer 
Erneuerung und Reform durch Tarquinius Su- 
perbus und Iunius Brutus (Macr. S. 1, 7, 34f); 
es waren feriae coneeptivae (Varro de 1. 1. 6, 25 
vgl. 29. Paul. p. 62. Macr. S. 1, 16, 6. Auson. 
5, 16, 17 f. Schenkl), deren Ansetzung durch 
den Prätor erfolgte (Gell. 10, 24, 3 [= Macr. 
S. 1, 4, 27]: verba sollemnia praetoris, quibus 
more maiorum ferias coneipere solet, quae ap- 
pellantur Compitalia. ea verba haec sunt: die- 
noni populo Bomano Quiritibus Compitalia 
erunt; quando coneepta fuerint nefas) und zwar 
nicht lange nach den Saturnalien (Dion. Hai. 
4, 14; vgl. Cic. ad Att. 2, 3, 3 und inter Com- 
pitalia et Saturnalia bei Plin. n. h. 19, 114). 
Aus Ciceros Zeit sind uns Fälle bekannt, wo 
das Fest auf den 1. (Cic. in Pison. 8 vom 
J. 696 = 58) oder 2. Januar (Cic. ad Att. 7,7, 3 



1873 Lares (Dienst a. d. Compita) 

vom J. 704 = 50) fiel, die Kaiendarien der 
späteren Kaiserzeit (C. I. L. 1 p. 382) ver- 
zeichnen ludi compitales am 3. — 5. Januar. 
Das Fest hat seinen Namen daher, dafa es 
von den Anwohnern eines compitum, d. h. einer 
Wegkreuzung, an dieser bezw. an dem dort an- 
gelegten saeellum begangen wird (ubi viae com- 
petunt tum in eompetis saerificatur, Varro de 1. I. 
6, 25), und ist ursprünglich ohne Frage eine 
spezifisch ländliche Feier, wie die verwandten 10 
Wandelfeste der feriae Sementivae und Paga- 
nalia. Cicero (de leg. 2, 19, vgl. 27) stellt den 
delubra der Götter in den Städten ausdrück- 
lich die Haine und Larum sedes auf dem 
flachen Lande (in agris) gegenüber, und die 
an den compita gelegenen Larenheiligtümer, 
die selbst ebenfalls compita heifsen, mögen 
auf dem Lande oft die einzigen Stätten der 
Götterverehrung gewesen sein; die antiken 
Definitionen des Wortes compitum heben daher so 
mit Recht den ländlichen Charakter dieser 
Heiligtümer hervor r Schol. Pers. 4, 28: compita 
sunt loca in quadriviis quasi turres, ubi sacri- 
ficia finita agricultura rustici celebrant. Philarg. 
zu Verg. Georg. 2, 382: (compita) ubi pagani 
agrestes buccina convocati solent certa inire 
consilia. Isid. orig. 15, 2, 15: compita sunt, 
ubi est usus conventus fieri rusticorum, et dicta 
compita, quod loca multa in agris eodem com- 
petant, et quo convenitur a rusticis; vgl. auch so 
G. I. L. 9, 1618, wo den pagani eines pagus 
von Benevent porticus cum apparatorio et com- 
pitum übergeben wird, und Graft. Fal. cyn. 483 : 
idcirco äeriis molimur compita lucis. Verg. Georg. 
2, 382 : pagos et compita circum. In den Gro- 
mat. lat. p. 302, 20 ff. werden diese Heiligtümer, 
allerdings ohne Nennung des Wortes compi- 
tum, beschrieben als an der Grenzscheide ver- 
schiedener Besitzungen liegende Tempelchen 
mit so vielen Eingängen (daher Pers. 4, 28 40 
pertusa compita; vgl. Mommsen, Unterital. t)ial. 
p. 141) und Altären, als dort Besitzungen zu- 
sammenstofsen; vor jedem Eingang steht in 
der Entfernung von 15 Fufs ein Altar, so dafs 
jeder Anlieger angesichts des compitum, doch 
auf seinem eigenen Grund und Boden opfern 
kann. Darum gedenkt auch Gato in der Schrift 
vom Landbau der Compitalia mehrfach: es war 
insbesondere ein Fest der dienenden Klasse, 
der Sklaven (Dion. Hai. 4, 14; vgl. Gic. de leg. 50 
2, 27 neque ea quae a maioribus prodita est 
cum dominis tum famulis .. religio Larum re- 
pudianda est), die daher an diesem Tage, wie 
an den Satnrnalien, volle Freiheit genossen 
(Dion. Hai. a. a. 0.) und eine Extraration Wein 
erhielten (Gato de agric. 57), überhaupt sich's 
wohl sein liefsen (uncta Compitalia, Verg. Catal. 
5, 27), und von denen der vilicus bei dieser 
einzigen Gelegenheit im Namen des Haus- 
standes das Opfer darbringen durfte (Gato so 
de agric. 5, 3: rem divinam nisi Compitalibus 
in compito aut in foco ne faciat; ob man auf 
Grund von Prop. 5, 1, 23 parva saginati lustra- 
bant compita porei ein Ferkelopfer an den 
Compitalia anzunehmen hat, ist zweifelhaft; 
die Stelle scheint mehr eine allgemeine Be- 
zeichnung ländlicher Opfer zu enthalten). Zum 
Opfer steuerte jedes Haus der Anlieger einen 



Lares (Dienst a. d. Compita) 1874 

Opferkuchen (itslavog, Dion. Hai. a. a. 0!) bei, 
und aufserdem erfahren wir, dafs man an 
diesem Tage Puppen (maniae) und Bälle (pilae) 
aus Wolle an den compita oder vor den Thüren 
der Häuser aufhing (Varro, Sat. Menipp. fr. 
463 Buech. = Non. p. 538. Macr. & 1, 7, 34 ff. 
Paul. p. 121. 239), ein Brauch, den man als 
Ablösung eines ehemaligen Menschenopfers 
erklärte und dem man eine unheilabwehrende 
Kraft zuschrieb; alte und neue Mythologen 
haben darin eine Stütze für die Annahme 
finden wollen, dafs die Verehrung der Laren 
aus dem Seelenkult hervorgegangen sei und 
die Compitalia die Versöhnung der abgeschie- 
denen Geister zum Zweck gehabt hätten (Paul. 
p. 239 ut vivis parcerent et essent his pilis et 
simulacris contenti), aber ohne Grund, da der 
gleiche Brauch des Aufhängens von oscilla 
(Verg. Georg. 2, 389 oscilla ex alta suspendunt 
mollia pinu und dazu Servius) auch an anderen 
Festen vorkommt, z. B. an den Sementivae 
(Prob, zu Verg. Georg. 2, 385; verwandt ist die 
oscillatio an den Feriae latinae, Fest. p. 194. 
Schol. Bobb. Cic. p. 256 Or., oben Sp. 691, 30 ff.), 
die mit dem Totenkult nichts zu thun haben 
(über den ganzen Brauch s. Lobeck, Aglaoph. 
1, 585. Bö'tticher, Baumkultus S. 80 ff.). In der 
Hauptsache war es ein heiteres, ausgelassenes 
Fest, welches sich in seiner Fröhlichkeit von 
Feiern wie den Sementivae, Terminalia, Pari- 
lia u. a. kaum unterschieden haben wird und 
in nichts an das charakteristische Ritual der 
Totenfeste (wie Parentalia, Lemuria u. a.) er- 
innert: als man daher, etwa um die Zeit des 
zweiten panischen Krieges, das Bedürfnis fühlte, 
die an den compita. verehrten Laren im Bilde 
darzustellen, wählte man aus dem reichen Vor- 
rate griechischer Typen für sie eine Darstel- 
lungsform, die der Festfreude der Compitalia 
entsprach, und stellte sie tanzend mit Trink- 
horn und Schale ausgerüstet dar (s. unten). 
In der Stadt Rom hat die Einrichtung der 
compita und eine Organisation der Compitalien- 
feier, wie es scheint, zunächst nur für die 
aufserhalb der alten Begrenzung des Septi- 
montium liegenden pagi (über die noch in 
ciceronischer Zeit bestehende Scheidung von 
montani^xmd pagani vgl. Cic. de domo 74. 
Mommsen, C. I. L. 1 p. 205; Staatsrecht 3, 1 
p. 112ff. u. p.VIII) Eingang gefunden, da die 
Gemeinden der montani ihre eigenen sakralen 
Mittelpunkte besafsen. Genauere Nachrichten 
besitzen wir erst aus den letzten Jahrzehnten 
der Republik, wo sich in der Stadt private 
Genossenschaften (cöllegia compitalicia; vgl. 
den collegius compitalicius einer Grabschrift 
aus Faesulae, C. I. L. 11, 1550) um die ein- 
zelnen compita gruppierten und durch ihre 
magistri die ludi compitalicii ausrichten liefsen. 
Diese Vorsteher der Bezirksvereine heifsen ma- 
gistri vici und sind keine Staatsbeamte, haben 
aber als Spielgeber an der Compitalienfeier 
das Recht, die Toga praetexta zu tragen 
(IAv. 34,7, 2: magistratibus in coloniis muni- 
cipiisque, hie Bomae infimo generi, magistris 
vicorum, togae praetextae habendae ius per- 
mittemus. Cic. in Pison. 8. Ascon. p. 6 K.-S.: 
solebant autem magistri collegiorum ludos fa- 



1875 Lares (Dienst a. d. Compita) Lares (häusl. Kult z. Zeit d. Republik) 1876 

cere, sicut magistri vicorum faciebant, compita- und der zugehörigen Häuser (Bruchstück eines 
Udos praetextati). Mehrere stadtrömische In- alten Dichters, wahrscheinlich des Ennius 
Schriften bezeugen das Amt des magister vici ffr. 311 Baehrj, bei Charis. p. 267, 7: vosque 
bereits für die voraugusteische Zeit, so 0. 1. L. Lares tectum nostrum qui funditus curant). 
6, 1324 (vor dem J. 731 = 23 gesetzt), wo die Daraus entwickelt sich dann in jedem Haus- 
Namen von vier Freigelassenen als mag(istri) stände ein eigener Kult des Hauslaren (der 
veici erscheinen, ferner C.L.L. 6, 2221 = 1,804, Ausdruck Lares domestici findet sich nur in 
wo ein mag(ister) (oder zwei mag(istri)l) de der pannonischen Inschrift C. 1. L. 3, 4160). 
duobus pageis et vicei Sulpicei angeführt werden, Dies ist der Lar familiaris, der vor der au- 
endlich 6, 335 = 1, 1538, die Mommsen mit Recht 10 gusteischen Reform ebenso regelmäfsig in der 
hierherzieht, obwohl der Spielgeber, von dem Einzahl (für jedes Haus) erscheint, wie die 
in der Inschrift die Rede ist, nur als mag(ister) Staats- und Compitallaren in der Mehrzahl; 
schlechthin (vgl. auch die neugefundene In- so bei Gato, Plautus (mit Ausnahme einer 
schrift, MM. d. röm. Lnst. 4, 262) bezeichnet Stelle), Pomponius (Lar familiaris Titel einer 
ist (ebenso aufserhalb Roms in Pompeii in den Atellane, Bibbech, Frgm. com. 1 p. 234), Cic. 
Jahren 707 und 708 = 47 und 46 magistri vici de leg. 2, 55. Tibull. 1, 3, 34. Verg. Arn. 5, 744. 
et compiti, C. I. L. 4, 60, und in Capua, C. 1. L. 9; 258 f. Hör. serm. 2, 5, 14. 2, 6, 65. Plin. n. h. 
10, 3789 = 1,570 aus dem J. 656 = 98: hisce 28,27. 36, 204. Colum. 11, 1, 19 u. a.; schein- 
ministris Laribus faciendum coe[raverunt, folgen bar dagegen sprechende Stellen 'älterer Autoren, 
die Namen von einem Freigelassenen und acht 20 wo von Lares familiäres im Plural geredet 
Sklaven]; auch die Weihung von 19 Sklaven wird, erledigen sich entweder dadurch, dafs an 
an die Laren aus Betriacum vom J. 695 = 59, ihnen kollektivisch von dem Gesamtkult der 
C. L. L. 5, 4087 = 1, 602, dürfte so aufzufassen Lares familiäres , nicht von_ dem Gotte eines 
sein). Wie die magistri vicorum 'überwiegend einzelnen Hauses die Rede ist (so Varro bei 
dem Freigelassenen- und Sklavenstande ange- Non. p. 531: infocoLarum familiärem ponere. 
hören, so rekrutierten sich die collegia compi- Cic. de rep. 5, 7 : iustis nuptiis, legitimis liberis, 
talicia aus den untersten Volksschichten (Cic. sanctis penatium deorum Larumque familiarium 
in Pison. 9: ex omni faece urbis ac servitio sedibus), oder durch eine naheliegende Un- 
concitata; vgl. de domo 54: servos ex omnibus genauigkeit des Ausdrucks, indem man unter 
vicis concitatos; De harusp. resp. 22: vis in- 30 Lares familiäres aufser dem Lar auch die mit 
numerabilis incitata ex omnibus vicis collecta diesem zusammen am Herde verehrten son- 
servorum); sie wurden daher in den heftigen stigen Hausgötter mit inbegriff (Plaut. Bud. 
Parteikämpfen der untergehenden Republik 1206: 0*31« adorna, ut rem divinam faciam, 
vielfach zu politischen und demagogischen quom intra advenero, Laribus familiaribus, 
Zwecken mifsbraucht (vgl. namentlich Q. Cicero quom auxerunt nostram familiam. Cic. de leg. 
dcpeiit. consul. 30: deinde habeto rationetri urbis 2,42; De dorn. 108; Pro Quinctio 85 manus 
totius: collegiorum omnium, pagorum, vicini- adlatas esse ante suos Lares familiäres, ver- 
tatum; ex iis principes ad amicitiam tuam si glichen mit § 83 a suis dis penatibus praeceps 
adiunxeris, per eos reliquam multitudinem facile eiectus. Prop. 3, 30, 21 f. 5, 3, 53 f. Horaz 
tenebis) und darum durch einen Senatsbeschlufs 40 wiederholt z. B. epod. 2, 65 f. positosque vernas 
des J. 690 = 64 aufgelöst, dann aber, nach- ditis examen domus, circa renidentes Lares 
dem bereits im J. 693 = 61 ein Versuch zu neben serm. 2, 6, 64 f. ipse meique ante Larem 
ihrer Wiederherstellung gemacht worden war, proprium vescor vernasque procaces pasco li- 
im J. 696 = 68 durch ein Gesetz des P. Clodius batis dapibus. Tal. Max. 2, 4, 5). Manche 
wieder freigegeben (Cic. in Pison. 8 f. Äscon. Stellen, die man hierher gerechnet hat, sind 
p. 6 — SK.-S. Mommsen, De collegiis et sodalic. ganz auszuschliefsen, weil sie sich nicht auf 
p. 74 ff.); die allgemeinen Mafsregeln Cäsars die Haus-, sondern auf die Acker- und Com- 
gegen die colleg ia (Suet. Caes. 42 cuncta collegia pitallaren beziehen (z.B. Tibull 1,1, 19 ff. 
praeter antiquitus constituta distraxit) haben 1, 10, 15 ff. 2, 1,59 f. Was für Laren es waren, 
dann diesen Compitalvereinen definitiv ein 50 von denen Äfranius die Göttin der Verzögerung, 
Ende gemacht, bis sie durch die augusteische Remeligo, ausgesandt werden liefs/"/r. 277 Bibb. 
Reform des Larenkultes in anderer Form von Bemeligo a Laribus missa sum hunc quae cursum 
neuem ins Leben traten. Ihren sakralen Cha- cohibeamj, ist nicht zu ermitteln, aber für eine 
rakter hatten diese Vereine jedenfalls in der Mehrheit der Lares familiäres kann der Vers 
letzten Zeit ihres Bestehens völlig verloren; unter keinen Umständen angeführt werden), 
dafs sie aber eine beliebte Form der Vereins- Der Name Lar familiaris bezeichnet den Gott 
Organisation für Leute der niederen Bevöl-f als den Beschützer der familia im weitesten 
kerungsklassen geworden waren, zeigt die Sinne, d. h. (dies im Gegensatz zu Vesta und 
Thatsache, dafs im J. 97 v. Chr. die auf Delos den Penaten, deren Kult nur dem Hausherrn 
wohnenden Römer als %opKsta\iaexul organi- tfo bezw. der Hausfrau obliegt) des ganzen Haus- 
siert waren (Bull, de corr. hellen. 7, 12ff.). Standes mit Einschlufs des unfreien Gesindes; 

das letztere unterhält daher besonders enge 

IV. Der häusliche Larenkult der republi- Beziehungen zum Larendienste. Die einzige 

kanisehen. Zeit. gottesdienstliche Handlung, zu welcher der 

Im ländlichen Gottesdienste gelten die an unfreie vilicus berechtigt ist, ist das Laren- 

den compita verehrten Laren als die göttlichen opfer am compitum oder am Hausherde (Cato 

Beschützer und Wächter aller anliegenden de agr. 5, 3), die Schaffnerin (vilica), ebenfalls 

Grundstücke (agri custodes, Tibull. 1, 1, 20) Sklavin, hat an den dazu bestimmten Tagen 



1877 Lares (häusl. Kult z. Zeit d. Republik) Lares (häusl. Kult z. Zeit d. Republik) 1878 

(s. unten) den Herd zu bekränzen und ein sich wohl auch die Erzählung des Dion. Hai. 

Gebet für den Wohlstand des Hauses an den 4, 15, 4); ja nach einer vereinzelten, aber 

Lar familiaris zu richten (Cato de agr. 143), durchaus unanfechtbaren Nachricht gehört zu 

der Herd, an dem der Lar seinen Sitz hat, den Ceremonieen , durch welche nach einem 

ist der Versammlungsort für die familia (Plin. Todesfall« die familia funesta gereinigt wird, 

n. h. 28, 267), vor allem nimmt das Gesinde auch ein Hammelopfer an den Lar familiaris 

unter Aufsicht des Vogtes hier am langen (Cic. de leg. 2, 55: neque necesse est edisseri a 

Tische angesichts des Lar familiaris seine nobis, quae finis funestae familiae, quod genus 

Mahlzeiten ein (Colum. 11, 1, 19: consuescatque sacrijicii Lari verbeeibus fiat, quemadmodum os 
[vüicusj rusticos circa Laretn domini foeumque 10 resectum terra optegatur u. s. w. ; dasselbe Opfer 

familiärem semper epulari atque ipse in con- Laribus verbeces duos bringen die Arvalbrüder 

spectu eorum similiter epuletur sitque frugali- bei piacula in den J. 183 und 224, Kernen, 

tatis exemplum. Hör. epod. 2, 65 f.; Serm. 2, Acta fr. Arv. p. 145). Sonst bestehen die Opfer- 

5, 12ff. 2, 6, 64f.; vgl. Ovid. fast. 6, 305f.: ante gaben an den Lar meist aus Weihrauch (Plaut, 

focos olim scamnis comidere longis mos etat et Aul. 24. 385. Tibull 1, 3, 34. Hör. c. 3, 23, 3. 

mensae credere adesse deos), von denen der luven. 9, 137. 12,89) und namentlich aus Kränzen 

Gott auch, seinen Anteil erhält {Ovid. fast. (Plaut, a. a. 0. und Trin. 39. Cato de agr. 143. 

2, 634: nutriat incinctos missa patella Lares. Tibull 2, 1, 59 f. Paul. p. 69. Plin. 21, 11. 
Plin. n. h. 28, 27: [cibus e manu prolapsus] in luven. 9, 138. 12, 86 ff.), zuweilen auch aus 
mensa utique id reponi adolerique ad Laretn ao Wein (Plaut. Aul. 24) und Früchten (Hör. c. 3, 
piatio est; mehr bei Marquardt, Staatsverw. 23, 3; Serm. 2, 5, 12ff. ; vgl. Tibull 1, 10, 15ff. 

3, 126). Der Sitz am Herde kommt dem Lar luven. 9, 138), seltener und offenbar nur aus- 
familiaris nicht anf Grund seines Wesens zu, nahmsweise werden die im Hausgottesdienste 
sondern er ist jedenfalls erst später zu den aus naheliegenden Gründen zurücktretenden 
eigentlichen Herdgottheiten, vor allem Vesta, Tieropfer erwähnt (Plaut. Bud. 1208 agni et 
dann den Penaten, hinzugetreten. Als Be- porci. Hör. earm. 3, 23, 4; Serm. 2, 3, 165. 
Schützer der gesamten familia wird der Lar Tibull 1, 10, 26 porcus. Tibull 1,1, 22 f. agna); 
familiaris bei allen geeigneten Anlässen Gegen- auch hing man zuweilen Votivgegenstände in 
Btand besonderer Verehrung. Wenn der Pater- der Nähe des Herdes dem Lar auf, z. B. der 
familias sein Gut besucht, so gilt sein erster 30 ausgediente Soldat seine Waffen (Ovid. trist. 4, 
Gang der Begrüfsung des Lar familiaris (Cato 8,22; vgl. Prop. 3, 30, 21 f. Hör. serm. 1,5, 65 f.). 
de agr. 2 pater familias, ubi ad villam venit, Indem sich alle das Wohl und Wehe des Hauses 
ubi Larem familiärem salutavit, fundum eodem berührenden Ereignisse in Kulthandlungen vor 
die si potest circumeat), ihm opfert man, dem Lar familiaris äufsern, betrachtet man 
wenn man ein neues Haus 1)ezieht (Plaut. Trin. ihn wie einen mit den Schicksalen der Familie 
39 ff.) und zu ihm betet man, wenn man die eng verbundenen Hausgeist (familiai Lar pater, 
Heimat verläfst, um in die Fremde zu gehen Plaut. Merc. 834; in einer metrischen Grab- 
(Plaut. Merc. 834 ff.; Mil. glor. 1339); täglich inschrift aus Moesien, C. I. L. 3, 754 v. 14 
(Plaut. Aulul. 23 f.), besonders aber an den heifst es von der verstorbenen Gattin Lar mihi 
Kalendae Nonae Idus und allen Festtagen 40 haec quondam, haec spes haec unica vitae). Im 
(Cato de agr. 143; die Kalendae allein nennt Prolog der plautinischen Aulularia führt sich 
Prop. 5, 3, 53 f. und meint Tibull 1, 3, 34 red- der Lar familiaris mit den Worten ein: ego 
dereque antiquo menstrua tura Lari) bedenkt Lar sum familiaris ex hac familia, unde ex- 
man ihn mit Gaben, ebenso bei allen Familien- euntem me adspexistis; hanc domum iam multos 
ereignissen, bei der Hochzeit eines Hauskindes annos est quom possideo et colo, patrique avoque 

, (Plaut. Aulul. 385 ff.), der Rückkehr eines ver- iam huius qui nunc hie habet und zeigt sich 

schollenen Familienmitgliedes (Plaut. Bud. mit allen Geheimnissen des Hauses aufs ge- 

1206 ff.; vgl. CLL. 9,725), bei der Anlegung naueste vertraut; an ihn wendet man sich in 

der Toga virilis durch einen Sohn des Hauses, allen Anliegen der Familie (z. B. Ovid. trist. 1, 
wobei nach altem Brauch die bulla, das nun- 50 3, 43 ff.), er wandert mit der Familie, wenn 

mehr abgelegte Kinderabzeichen, dem Bilde diese ihre alten Sitze verläfst (z. B. Ovid. fast. 

des Lar familiaris um den Hals gehängt wird 4, 802 transferri iussos in nova teeta Lares. 

(Pers. 5, 31; vgl. Prop. 5, 1, 131 f. Petron. 60); Tibull 2, 5, 42 u. s.). Notgedrungener Verkauf 

die in das Haus ihres Gatten eintretende Neu- oder Verlust der Larenbilder ist ein besonders 

vermählte legt nach alter Sitte einen As vor schmerzliches Ereignis (Tibull 2, 4, 53 f. Luven. 

dem Lar familiaris auf dem Hausherde nieder, 8, 110 f.; vgl. Tertull. apol. 13 = ad not. 1, 10), 

während sie einen zweiten dem Gatten über- die Aufserung der höchsten und verzweifeltsten 

giebt und einen dritten am nächsten compitum Trauer ist es daher, wenn man die Larenbilder 

darbringt (Varro de vita p. B. B. 1 bei Non. auf die Strafse wirft, ein Zeichen, dafs man die 
p. 531: nubentes veteri lege Bomana asses III sn Zukunft des Hauses als vernichtet ansieht (so 

ad maritum venientes solitae provehere, atque beim Tode des Germanicus: quo defunetus est 

uwwm, quem in manu tenerent, tarn quam emendi die, lapidata sunt templa, subversae deum arae, 

causa marito dare, älium, quem in pede. habe- Lares a quibusdam familiäres in publicum db- 

rent, in foco Lamm familiarium ponere, ter- iecti, partus coniugum expositi, Suet. Calig. 5). 

tium, quem in saeeiperione condidissent, compito Der Begriff der Heimstätte ist derartig im 

vicinali solere sacrare; auf denselben Brauch, Lar familiaris verkörpert, dafs seit dem letzten 

der für den Zusammenhang der Compital- und Jahrhundert der Republik Lar, später auch 

Hauslaren ein wichtiges Zeugnis bietet, bezieht der Plural Lares in weitester Ausdehnung 



1879 Lares (Kult der Kaiserzeit) Lares (Kult der Kaiserzeit) 1880 

metonymisch für „Haus, Wohnung" gebraucht und für bestimmte Anlässe das Recht besafsen, 
wird (z B Trag. ine. fr. ine. 199 Bibb. expu- die Toga praetexta anzulegen und zwei Lic- 
lüti saucios patrio Lare. Laber. fr. 110 eques toren zu führen (Cass. Dw 55 8) hatten _ als 
Romanus e Lare egressus meo. Sali. Cat. 20, 11 Hauptobliegenheit die Unterhaltung dieser 
illos binos aut amplius domos continuare, nobis Heiligtümer (unter Trajan aediculas Larum 
Larem familiärem nusquam ullum esse. Prop. restituerunt magistri vicorum urbis reg. -X-tUI, 
5 10 18, oui tulü aprico frigiäa castra Lare. Bull, arch. com. 15, 1887, 33) und die Ausrüstung 
Hör. epist. 1, 1, 13 quo me duce, quo Lare tuter; der ludi compitalicii zu besorgen. Die zahl- 
Carm. 1, 12, 43 avitus aptö cum Lare ftmdus. reichen stadtromischen Inschriften dxeser ma- 
Ovid. fast. 1, 136 haec [d.i. die eine Seite der 10 gistri vicorum (CLL. 6 445-454 Ep^m. 
Thür] populum spectat, at illa Larem; 6, 95 et epigr. 4, 746 747 Bulh arch. c™-}^™*»' 6 ™-' 
Larecommuni soceros generosque reeeptos; trist. weitere Aufzahlung bei G. Gatti, Bull. arch. 
3, 12, 52 iamque suum mihi dat pro Lare terra com. 16, 1888, 328, 1) zeigen uns, dafs ihrer vier 
locum; ex Ponto 1, 1, 10 latere sub Lare pri- in jedem vicus waren (noch m Hadrians Zeit, 
vato tutius esse putani; 1, 7, 58 vestro sub Lare wie Ol. L 6, 975 die.sog. Basis Carolina 
semper eram. Senec. Med. 20f. exul pavens in- beweist), dafs sie überwiegend dem Stande der 
Visus incerti Laris. Martial. 11,82,2 conduetum Freigelassenen angehörten, (Ms innen Tier 
repetens noete iubente Larem. Stat, silv. 3, 1, 65 ministri aus dem Sklave ns tande , ^ ame ] n 
faeundique Larem Polli non hospes habebam; {0.1. L. 6, 446. 447 und dafs sie iteAmtm 
3 1,83 ■ feasaj magnum Aleiden humili Lare so 1 . August antraten (vgl dazu A v. Premerstem, 
parva premebat; - der Plural in dieser meto- Arch. epigr. Mittetl. aus Osterr. -Ungarn 15, 831.), 
nymischen Anwendung unzweifelhaft zuerst dafs also die Neuordnung mit diesem Tage in 
Prop. 5, 1, 128 in tenues cogeris ipse Lares; Kraft getreten ist; dieser Tag ist sicher auch 
5 8,50 et ievia ad primos murmura facta Lares. einer von den beiden des Jahres gewesen, an 
Lucan. 5, 528 angusti Lares. Martial. 9, 18, 2 denen regelmäßig eine Bekranzung der Com- 
rus minimum, parvi sunt et in urbe Lares. pitallaren stattfand (Gompitales Lares oman 
Stat silv 2, 3, 15 f. aperti stant sine fraude bis anno institmt vernis flortbus et aestivis, 
Lares. luven. 15, 153f. aedificare domos, Lari- Suet._ Aug. 31; unter dem l August beab- 
6ms coniungere nostris tectum aliud. Claud. sichtigte auch Ovid m den Fasten ,[vgl. 5, 147 J 
nupt. Hon et Mar. 256 f. ne ■ vilior ultra pri- 30 ihren Kult zu behandeln), wahrend der andere 
vatos paterere Lares u. s.), eine Übertragung, nicht sicher steht; dafs es der 1 Mai war, 
die sich so einbürgert, dafs man es nicht wie man gewöhnlich annimmt, ist möglich, 
nur wagt die Werkstätte Vulcans Lar Vulcani aber keineswegs notwendig, da sich die An- 
zu nennen (Claudian.Gigantom. 85f. Lemnumque gäbe Larfibus) der fast. Venusini zu diesem 
calentem cum Lare Vulcani spumantibus eruit Tage auf d.e Stiftung der aetoia™m^«mma 
undis), sondern selbst die Wohnung der Bienen Sacra via bezieht (s. ob. bp 1871, 63 it.). w as aas 
und Vögel auf dieselbe Weise bezeichnet (von Jahr der Neuordnung anlangt, so erwähnt sie 
den Bienen Vera. Georg. 4, 42 f. saepe etiam Oass. Bio 55, 8 unter dem J. 747 = 7 v. Ohr. 
effossis, si vera est fama, latebris sub terra fo- und von diesem zahlen auch die meisten ma- 
uere Larem. Vol. Flacc. 4, 45 cum rapit hol- *> gistri vicorum (Material bei Marguardt.btaats- 
evones miserae fetumque Laremque). verw. 3, 205), in einigen vici geht aber die 

ty ' % * Zählung bis auf 745 = 9 und 742 = 12 zurück 

"V. Die augusteische Beform und der ^ j _£. 6, 449. 452 ; die Inschrift des auf dem 

Larenkult der Kaiserzeit. Esquilin ausgegrabenen Compitalsacellnm [s. u.] 

In der Hauptstadt war am Ausgange der stammt vom J. 744 — 10) und man mufs mit 
Republik die Verehrung der Lares compitales Mommsen (Hermes 15, 109) den Schlufs daraus 
in Verfall geraten, und der Unfug, der mit ziehen, dafs die im J. 747 - 7 zum Abschlüsse 
der Organisation der collegia compitalicia ge- gelangte Reorganisation schon eine Reihe von 
trieben worden war, hatte zur gänzlichen Auf- Jahren vorher angeordnet und mit ihrer Durch- 
hebung der letzteren und damit auch der Compi- 50 führung begonnen worden sei. Mit «echt halt 
talienfeiergeführt(s.ob.S P .1875,24ff.). Augustus daher Mommsen an der Bez lehung der Worte 
unternahm eine völlige Neuordnung des Kultes des Horaz, Garm 4, 5, 35 et Laribus tuum 
der Compitallaren, welchen er zur sakralen miscet numen auf diese Neuordnung lest, ob- 
Grundlage seiner neuen Organisation des Stadt- wohl die Abfassung dieser Ode bereits ins iJ 740 
körpers machte. Während sich bisher die sieben = 14, jedenfalls vor die im Juli 741 = 13 erfolgte 
alten Gemeinden der montani jede um das Rückkehr des Augustus aus Spanien und Gallien 
Heiligtum ihres mons, die der einzelnen pagi fällt. In den Worten des Horaz wird ein 
um ihre compita gruppiert hatten, gab Au- wesentlicher ^Zug der Neuordnung berührt, ih- 
gustus bei seiner Einteilung der Stadt in sofern durch diese die Larenheihgtumer zu- 
14 Regionen und mehrere Hundert vici (265 60 gleich Stätten des Kaiserkultes geworden sind, 
nennt Plin. n. h. 3, 66 nach der Aufnahme indem überall an den Compita zwischen den 
Vespasians) jedem der letzteren ein compitum Bildern der beiden Lares compitales der fcrenms 
Lamm zum sakralen Mittelpunkte (Plin. a. a. 0. des Kaisers verehrt wird (Ovid. fast 5, 145 1. : 
furbsl dividitur in regiones quattuordeeim, com- mille Lares Gemumque ducis qui tradtdtt Mos, 
mta Larum CCLXV); die Vorsteher dieser urbs habet et via numma tnna colunt). in- 
Bezirke, niedere Beamte, die alljährlich aus schriftliche Zeugnisse in nicht geringer /.ant 
der Bewohnerschaft des vicus gewählt wurden geben uns weitere Auskunft: Altere die von 
fSuet Aug. 30 e plebe cuiusque viciniae lecti) den magistri einzelner via geweiht sind, tragen 



% 1881 Lares (Kult der Kaiserzeit) Lares (Kult der Kaiserzeit) 1882 

t die Aufschrift Laribus Augustis et Genio Gae- der magistri beträgt in Aquileia 6 (C. I. L. 

I san's bezw. Gents Caesarum (CLL. 6,445 5, 792), in Verona sind es 3 magistri und 

| vom J. 747 = 7; Btdlarch.com. 17, 1889, 69 ff. 3 ministri(C.I.L. 5,3257 vom J. 763 = 1 v.Chr.), 

I vom J. 752 = 2; CLL. 6,449 vom J.83 n.Chr.; 3 magistri in Massilia (CLL. 12,406 vom 

§ 451 vom J. 100 n. Chr.; 452 vom J. 109 n. Chr.; J. 18/19 n. Chr.), in Italien wird die Vierzahl 

Ig Ephem. epigr. 4,746 vom J. 223; nur Laribus nach römischem Vorbilde die Regel gebildet 

§ augustis, C. I. L. 6, 444. 448. 450. 453. 454. haben; sicher steht sie für Caudium (C I. L. 
ft : Eph. ep. 7, 1277) und teilweise die DarsteL- 9, 6293, nur drei Namen erhalten), Puteoli 
iji lung des opfernden Genius Augusti zwischen (C. I. L. 10, 1582 vom J.U Chr.) und Pom- 
den beiden Laren (G. I. L. 6, 445; vgl. 448). 10 peii, von wo zwar Inschriften fehlen, aber 
Augustus selbst hat für die Ausstattung dieser mehrere an den Strafsenkreuzungen angebrachte 
Compitalheiligtümer insofern Sorge getragen, Gemälde ein Larenopfer von vier Togati zeigen, 
als er aus dem Neujahrsgeschenk, welches ihm in denen die Vicomagistri mit Sicherheit zu 
alljährlich vom römischen Volke geboten wurde, erkennen sind (Helbig, Wandgem. nr. 41 ff.). 
| kostbare Statuen anschaffte, welche bei den Die Verbindung des Larendienstes mit dem 
j| Compita aufgestellt wurden und teilweise den Kaiserkulte tritt deutlich hervor nicht nur in 
*.' vici den Namen gaben; Sueton erzählt (Aug. 57) Widmungen wie Genio Aug. et Laribus (C 1. L. 
■f : omnes ordines . . . Kai. Ian. strenam in Capi- 3, 5158; auch die Veroneser Inschrift, C. I. L. 
tolio etiam absenti (conferebant) , ex qua summa 5, 3259 Laribus Agustorum dominorum nostro- 
i pretiosissima deorum simulacra mercatus vica- 20 rum et Casarum ist so aufzufassen), sondern 
>• tim dedicabat, ut Apollinem sanddliarium et in Verbindungen wie cives Bomani cultores 
Iovem tragoedum aliaque, und Inschriftenfunde Lamm et imaginum aug. (Eph. ep. 6, 813 aus 
haben dies bestätigt: wir besitzen aus den Numidien vom J. 128 n. Chr.; ebenso C. L L. 
J. 744 = 10, 745 = 9, 746 = 8 und 750 = 4 6, 307) oder collegium magnum Larum et ima- 
Inschriftbasen, die von Augustus ex stipe quam ginum domini nostri Caesaris (C I. L. 3, 4038 
populus Bomanus E. Ianuariis (apsenti) ei con- aus Poetovio; vgl. imaginibus et Laribus, 
tulit geweihte Statuen verschiedener Gottheiten 9, 3887), oder wenn die cultores domus divinae 
(Mereurio, Bull. arch. com. 16, 1888, 228; Vol- et Fortunae aug. in Tibur den Lares aug. eine 
cano, G. I. L. 6, 457; Laribus publicis, G. I. L. Weihung machen (C I. L. 14, 3561); auch die 
s . 6, 456; unsicher 6, 458) trugen, und deren Zu- 30 Verbindung der Seyiri augustales mit dem 
£ gehörigkeit zu den Compitalheiligtümern durch Larenkult (in Ostia, C I. L. 14, 367 sevir Au- 
i, die neuerdings erfolgte Aufdeckung eines sol- gustalis idem quinquennalis et immunis Larum 
•i chen (auf dem Esquilin) mit der zugehörigen Augusti ex s. c. und ständig in Tarraco sevir 
* Basis des Mercurius völlig sichergestellt worden mag. Lar(um) augustalis [so G. I. L. 2 , 4304, 
: , ?~~ ist (s. G. Gatti, Bull. arch. com. 16, 1888, 221 ff., sonst aug. oder august., 4293. 4297], oder auch 
• ' . der eine früher ausgesprochene abweichende VI vir aug. mag. Lar(wm), 4307). Die an ver- 
Ansicht Mommsens, Bes gest. D. Aug} 82 mit schiedenen Orten nachweisbaren collegia Larum 
Recht zurückweist). (in Brixia, G. I. L. 5, 4440 collegium Larum, 
Die augusteische Neuordnung des Dienstes 4432 cultores collegii Larum; collegium Larum 
der Compitallaren hat den gesamten öffentlichen 40 in Virunum, C. I. L. 3, 4792; cultores Larum 
-" . . und häuslichen Larenkult aufserordentlich stark aug. in Alba Fucens, G. I. L. 9, 3960; cultores 
beeinflufst. Die Verehrung der Lares augusti ist Larum publicoru7nmLusitw\ien,C.I.L.2,SlGf.) 
durch zahllose Inschriften aus allen Teilen Ita- mögen teilweise wenigstens dem Kaiserkulte 
liens und des Reiches bezeugt (Rom, abgesehen gedient haben , wenn wir auch in einzelnen 
von den erwähnten Weinungen der Vicomagistri: Fällen cultores Larum eines Privatmannes 
C I. L. 6, 441 — 443. 3701. Ephem. ep. 4, 745; kennen (C I. L. 5, 4340 aus Brixia; wahr- 
Ostia, G. I. L. 14, 26. 367; Vicus Augustanus, scheinlich so aufzufassen, wie sonst die Ver- 
14,2041; Asculum Piceni, 9,5180; Alba Fucens, ehrung der Laren und des Genius eines Privat- 

9, 3960; Puteoli, 10, 1581; Cumae, 10, 3691; mannes, s. unten Sp. 1883, 4ff.). 

Cales, 10, 4634; Oberitalien, 5, 4865. 7689.50 Die Scheidung der Denkmäler des öffent- 

8234; Gallien, 12, 2807. 3074—77. 4319; Dal- liehen und des häuslichen Larenkultes in der 

matten, 3, 1950; Afrika, 8, 10589 u. s.w.), und Kaiserzeit ist darum so schwierig und zuweilen 

zwar sind offenbar auch die Formen des römi- 'unmöglich, weil die von Augustus für den 

" sehen Compitaldienstes an vielen Orten einfach Dienst an den Compita eingeführte Ver- 

reeipiert worden (Laribus d. d. Bomano morc ehrungsform auch auf den Hauskult über- 

dedicata heifst es in einer Inschrift von Ami- tragen worden ist. An Stelle des einen 

ternum, C I. L. 9, 4185): magistri bezw. Lar familiaris (nur selten kommt jetzt in- 

ministri Larum oder Larum augustorum lassen schriftlich Lar in der Einzahl vor: C I. L. 

1:': sich in grofser Zahl nachweisen (Viterbo, 6, 440. 10, 7555 aus Carales; vicus Laris in 
C. I. L. 11, 2998; Venusia, 9, 423; Marsi Mar- 60 Luceria, 9, 808; Lar victor in Clusium, 11, 2096; 

ruvium, 9, 3657; Caudium, 9, 6293; Potentia, Lar vialis s. unten) treten nunmehr auch im 

10, 187; Grumentum, 10, 205; Nola, 10, 1269; häuslichen Dienste die beiden Lares der Com- 
Puteoli, 10,1584; Casinum, 10, 5161 f.; Veli- pita, und zwischen ihnen wird, wie an den 
trae, 10, 6556; Sardinien, 10,7953; Aquileia, Compita der Genius des Kaisers, 80 im Hause 
5,792; Verona, 5, 3257; Massilia, 12, 406; in der Genius des Hausherrn verehrt. Die pom- 
Spanien mehrfach in Baetica, 2, 2013. 2181. peianischen Häuser bieten zahlreiche Beispiele 
2233, namentlich aber in Tarraco, 2, 3113. dafür: Gemälde, die meist in der Küche oder 
4293. 4297. 4304. 430G. 4307. 6100); die Zahl im Pistrinum angebracht sind (Helbig, Wand- 



1883 Lares (Kult der Kaiserzeit) 

gemälde nr. 46 ff. Sogliano, Pitture murali Cam- 
pane nr. 16 ff.), zeigen zwischen den beiden 
Laren, die denen der Compitalaltäre völlig 
gleichen, den opfernden Genius; dafs dieser 
als Genius des Hausherrn (nicht des Kaisers) 
aufzufassen ist, beweisen Inschriften wie Genio 
M(arci) n(ostri) et Laribus duo Diadumeni U- 
berti (0. I. L. 10, 861 aus Pompeii = Selbig, 
Wandgem. nr. 59 b ), oder Laribus et Tutelae 
Genio L(ucii) n(ostri) Telesphor(us) et Plate 
donum dederunt (C. I. L. 2, 4082 aus Tarraco ; 
vgl. auch G. I. L. 11, 1324: Iunoni Iustae 




2) Aedicula der Laren m Pompeji (nach Schreiber, 
Kulturhistor. Bilderatlas 18, 6). 



n(ostrae) voto suseepto pro Salute eius Clean- 
thus l(ibertus) Prixus Helle Larßbus) dfono) 
d(ant)); danach werden auch die schlechthin 
Genio et Laribus lautenden Inschriften (C._I. L. 
10, 1235, Nola; 2, 1980) zu deuten sein. Über- 
einstimmend damit l'äfst bei Petron. 60 Tri- 
malchio drei Statuen hereinbringen, die der 
beiden Laren und seines eigenen Genius (die 
Stelle ist lückenhaft, doch ist über den Sinn 
kein Zweifel; vgl. Friedländer, Cena Trimalch. 
p. 284), und in pompeianischen Wandinschriften 
begegnet uns neben dem geläufigen Lares pro- 



Lares (Kult der Kaiserzeit) 1884 

pitios (C. I. L. 4, 844) die Wendung habeas 
propiteos deos tuos tres (4, 1679). Auch jetzt 
noch ist es in erster Linie das Gesinde (vilici 
z. B. G. I. L. 9, 3908 aus Alba Fucens; 4053 
aus Carsioli; 5, 7739 aus der Gegend von 
Genua), das durch Weihungen an Genius und 
die Laren oder an letztere allein seine An- 
hänglichkeit an das Haus bethätigt: zu Ab- 
dera in Hispania Baetica heifst es von einem 

io Freigelassenen und einem vilicus (C.I.L.2, 1980) 
Lar(es) et Genium cum aedicula prim(i) in fa- 
milia d(e) s(uo) d(onum) d(ant) , in Rom von 
einem Freigelassenen {Eph. ep. 4, 744) Laribus 
[quasj vovit sefrvus imagines] aureas . . . Über 
sfolvitj; der Larenaltar von Salona (0. I. L. 
3, 1950, s. unten) ist von einem Sklaven pro 
salute seines Herrn den Lares aug. geweiht, 
der Larenaltar von Caere (CLL. 11, . 3616, 
s. unten) stellt eine Widmung der Klienten 

20 des C. Manlius an ihren Patron dar. Als be- 
sonders vom Hausgesinde verehrte Gottheiten 
sind darum die Laren in Pompeii vorwiegend 
in den Wirtschaftsräumen, Küche und Pistri- 
num, angemalt. Daneben besafsen die besseren 
Häuser kleine aediculae der Laren (Petron. 29: 
praeter ea grande armarium in angulo vidi, in 
cuius aedicula erant Lares argentei positi Vene- 
risque Signum marmoreum. Luven. 8, 111: si 
quis in aedicula deus unicus; der Ausdruck 

30 lararium findet Bich erst bei den Scriptores 
historiae augustae), gewöhnlich im Atrium, 
zuweilen aber auch im Schlafzimmer ' (ara 
Lamm cubiculi, Suet. Domit. 17, vgl. Aug. 7; 
im kaiserlichen Haushalte begegnet ein eigener 
custos Lamm, C. L. L. 8 Suppl. 12918 = Eph. 
ep. 5, 429: Felix Caesaris nost(ri) ser(vus) custos 
Lamm min.[?]), in denen Statuetten der Laren 
sowie der Penaten aufgestellt waren (Material 
bei Marquardt-Mau, Privatl. d. Römer 1,240; 

40 Beispiel aus Pompeii Abbildung 2); diese 
Statuetten waren gewöhnlich aus Bronze 
(über die zahlreichen erhaltenen Larenstatu- 
etten b. unten) und wurden mit Wachs blank 
poliert (daher luven. 12, 88 simulacra nitentia 
cera; auch die renidentes Lares des Horas, 
Epod. 2, 66 werden besser so erklärt, als von 
der behaglichen Heiterkeit des Hausstandes). 
Besonders loyale Bürger pflegten wohl das 
Bild des regierenden Kaisers bezw. seines 

50 Genius oder früherer Kaiser zwischen den 
Laren aufzustellen und auch sonst nach eigener 
Wahl Bilder von ihnen besonders verehrter 
Personen der Vergangenheit und Gegenwart 
hinzuzufügen {ßuet. Aug. 7 von einer kleinen 
Bronzestatuette des Augustus: quae dono a 
me principi data inter cubiculi Lares colitur. 
Suet. Vitell. 2: Narcissi quoque et Pallantis 
imagines aureas inter Lares coluit. Hist. aug. 
M. Ant. phil. 3, 5: tantum autem honoris ma- 

60 gistris suis detulit, ut imagines eorum aureas 
in larario hdberet; Alex. Sever. 29, 2.: in larario 
suo, in quo et divos principes sed opiimos electos 
et animas sanctiores, in quis Apollonium et, 
quantum scriptor suorum temporum diät, 
Christum Abraham et Orfeum et huiuscemodi 
ceteros habebat ac maiorum effigies). — Vor 
diesen Larenbildern brachte der Hausvater, 
wenn er auf Frömmigkeit hielt, ein Morgen- 



1885 Lares (besondere Kultformen) 

opfer (Suet. Nero 46; ~Dom.it. 17. Hist. Aug. 
Alex. Sever. 29, 2; Pertin. 14, 3) und bei der 
Mahlzeit wurden wohl die Larenbilder auf den 
Tisch gesetzt und erhielten eine Weinspende 
. (Petron. 60 und dazu Friedländer, Cena Trimalch. 
p. 284 f.); dafs bei dieser Gelegenheit aufser 
den Laren (und dem Genius des Hausherrn) 
auch dem Genius des Kaisers gespendet werden 
mufste, war unter Augustus durch ein Senats- 
konsult angeordnet worden (Cass. Bio 51, 19; 
vgl. Hör. carm. 4, 5, 32 et älteris te mensis ad- 
hibet deum. Petron. 60). Naturgemäfs sind, die 
Zeugnisse für diesen innerhalb der Grenzen 
des Hauses und im Rahmen der täglichen Ver- 
richtungen sich abspielenden Larendienst sehr 
spärlich; dafs er sich aber mit grofser Zähig- 
keit auch noch in den Zeiten des sinkenden 
Heidentums erhalten hat, in denen der öffent- 
liche Kult- bereits stark verfallen war, läfst 
sich noch aus den Angriffen der christlichen 
Litteratur gerade auf den Hauskult erkennen: 
Hieronymus (in Esai. 57, tom. 3 p. 418 Bened.) 
klagt bitter darüber, dafs die Einwohner Roms 
und der Provinzen jwst fores domorum idolapone- 
rent, quos domesticos appellant Lares, und im 
J. 392 verordnet ein Reskript des Kaisers Theo- 
dosius: Nullus omnino . . . secretiore piaculo 
Larem igne, mero G'enium, Penates odore vene- 
ratus accendat lumina, aecendat tum, serta 
suspendat (Cod. Theod. 16, 10, 12). 

"VT. Besondere Formen der Jiaren- 
verehrung. 

Wir geben hier eine kurze Übersicht über 
die wichtigeren Kultbeinamen der Laren, wo- 
bei jedoch die namentlich in Spanien häufigen 
lokalen Epitheta (z. B. Lares Turolici, C. I. L. 
2, 431; Lares Cerenaeci, 2, 2384; Lares Cusi- 
celenses, 2, 2469; andere 2, 2470 — 2472; vgl. 
auch 2, 804 litis Laribus Gapeticorum gentüi- 
tatis) weggelassen sind. 
• Lares alites. Ein vicus Larum alitum in 
der 13. Region begegnet auf der capitolinischen 
Basis (CLL. 6,975); der Name stammt viel- 
leicht von einem Denkmale, dessen geflügelte 
Figuren (z. B. Eroten) willkürlich im Volks- 
munde als Lares alites bezeichnet wurden. 
Vgl. Wissowa, Philol. Abhandl. M. Hertz dar- 
gebracht (1888) 160. 

Lares augusti, s. oben Sp. 1881, lff.; die 
Form Lares augustales in Spanien, G. I. L. 2 
Suppl. 5929. 

Lares casaniei, nur einmal in einer In- 
schrift von Larinum, C. I. L. 9, 725: Lar(ibus) 
cas(anicis) ob redit(um) Rectinae n(ostrae); vgl. 
den Süvanus casanicus, G. I. L. 9, 2100 (ager 
Beneventanus). 

Lares compitales (compitalicii, Philarg. 
zu Verg. Georg. 2, 382 ; fams s iiQOvoinioi, Dion. 
Hol. 4, 14, 3). Varro de l. I. 6, 25: Compüalia 
dies attributus Laribus compitalibus (so O.Müller; 
ut alibi Hss.); ideo ubi viae competunt tum in 
competis sacrificatur. Suet. Aug. 31. Inschrift- 
lich C. I. L. 11, 3079 (Falerii): Laribus compi- 
talibus vialibus [sjemitalibus. C. I. Eh. 1139 
(Zahlbach): Laribus competalibus sive quadrivi 
(vgl. dazu M. Ihm, Jahrb. d. Vereins der Alter- 



Laxes (besondere Kultformen) 1886 

tumsfreunde im Bheinl. 83, 89 und 174 zu 
nr. 462). 

Lar omnium cunctalis (Lesung nicht 
sicher), nur in der abstrusen Götterordnung 
bei Mart. Cap. 1, 54 (wohl aus Nigidius 
Figulus p. 90, 7 Swoboda) in der 10. Region 
genannt. 

Lares domestici, CLL. 3,4160 (Pannon.). 
Hieron. in Esai. 57, tom. 3 p. 418 Bened. (s. 
10 oben Sp. 1885, 25); vgl. [Süvajno domestico et 
LarpbusJ, C. I. L. 3, 3491. 

Lares familiäres, ursprünglich nur in 
der Einzahl, s. oben Sp. 1876, 9 ff. Inscbriftlich 
C. I. L. 9, 2996 (Epistylinschrift von Anxanum 
aus republikanischer Zeit): Braco magfister) 
aediculam, sigilla ornamentaque omnia Lar(ibus) 
fam(üiaribus) [oder Lar(i) fam(iliari)?] d(e) 
s(ua) p(ecunia) f(acienda) cfuravit) eidemque 
dedicavit; unsicher C. I. L. 9,3424 (Peltuinum): 
20 mag(istri) l(arum?) f(amiliarium?) und 10,773 
(Stabiae) : Larib(us) et famü(iae), wonach wohl 
auch die pompeiani sehen Gewichtsteine, CLL. 
10, 8067, 12 (L(aribus?) fam(iliae) d. d.) und 
8068,3. 4 (Lfaribus?) et f(amiliae?)) zu deuten 
sind. Es liegen hier wahrscheinlich Zeugnisse 
für einen von dem stadtrömischen abweichen- 
den unteritalischen Larenkult vor. 

Lares grundules oder grundulii (so 
Arnob. 1, 28). Der Beiname war schon den 
so Alten dunkel und wurde vermutungsweise mit 
grunnire „grunzen" zusammengebracht, wes- 
halb Cassius Hemina die Verehrung der Lares 
grundules von dem Wunderzeichen der lavi- 
nischen Muttersau herleitete (Cass. Hern. fr. 
11 Pet. = Biom. 1, 384: pastorum yulgus sine 
contentione consentiendo praefecerunt aequaliter 
imperio Bemum et Romulum, ita ut de regno 
pararent inter se; monstrum fit: sus parit por- 
cos triginta, cuius rei fanum fecerunt Lari- 1 
40 6ms Grundulibus; vgl. Non. p. 114). Die Glosse " 
suggrundaria des Fälschers Fulgentius, Expos. 
p. 560 Merc. (vgl. Lersch, Fab. Planciad. Ful- 
gentius de abstr. serm. p. 37) ist mit Unrecht 
von /. G. Vossius u. a. zur Erklärung heran- 
gezogen worden. Vgl. Preller- Jordan, Rom. 
Myth. 2, 114, 1. 

Lares hostilii. Paul. p. 102: hosüliis 
Laribus immolabant, quod ab his hostes arceri 
putabant, kaum zutreffend. 
50 Lares magni et viatorii, C. I. L. 12. 
4320 (Narbo). 

Lares militares, s. ob. Sp. 1870, 55ff.; im 
Singular bei Mart. Cap. 1, 46. 48. 

Lares permarini, s. oben Sp. 1871, lff. 

Lares praestites (itgaierheis, Plut. Qu. 
R. 51), s. oben Sp. 1871, 41 ff. 

Lares privati, nur bei Plin. n. h. 21, 11, 
nicht eigentlicher Kultbeiname, sondern als 
Gegensatz zu Lares publici gebildet. 
60 Lares publici, Plin. n. h. 21, 11. In- 
schriftlich bezeugt für Rom, C. I. L. 6, 456 
(s. oben Sp. 1881, 29), Bononia, C. I. L. 11, 697, 
Patavium, 5, 2795, Capera in Lusitanien, 
2, 816 f. 

Lares quadrivii, C. I. Rh. 1139; s. oben 
Sp. 1886, 67. 

Lares rurale8(1): Ein vicus Larum ru- 
ralium (so las Smetius, Lesung unsicher nach 



1887 Lares (Mythen) Lares (Deutungen) 1888 

Jordan, Born. Topogr. 2, 586) in der 14. Re- Gr. Litt.- Gesch. d. AUxandr. Zeit 2, 356, 39), 

gion wird genannt auf der eapitolinisehen zurückgeführt wird. Freie Erfindung des Ovid 

Basis (C. I. L. 6, 975). {Fast. 2, 571 ff.) ist die Erzählung von der Er- 

Lares salutares, C. I. L. 6, 459. zeugung der Laren durch Mercurius, der die 

Lares semitales, C. I. L. 11, 3079 (Fa- ihm zur Abführung in die Unterwelt über- 

lerii, s. ob. Sp. 1885, 66); vgl. Verg. catal. 8, 20: gebene Lara (s. d.) vergewaltigt (vgl. Wissowa, 

neque ulla vota semitalibus deis sibi esse facta. Philol. Abhandl. M.Hertz dargebracht S.165f.). 

Lares viales (viatorii, C. 1. L. 12, 4320). Wenn in der Erzählung von Valesius. dem 

Plaut. Merc. 865: vos, Lares viales, (invoco) Entdecker der ara Ditis, die Lares familiäres 
ut me bene iuvetis. Serv. Äen. 3, 302 (vgl. 168) : 10 als diejenigen Götter genannt werden, auf 

manes piorum, qui Lares viales sunt. C. I. L. deren Anweisung jener handelt (Valer. Max. 2, 

11, 3079 (Falerii): Laribus conpitalibus viali- 4, 5; Vesta nennt statt der Laren Zosim. 2, 1), 

6ms semitalibus. Weihungen an die Lares viales so ist das ebenso bedeutungsloses Beiwerk der 

häufig im nördlichen Spanien (G.I.L. 2, 2417. Erzählung, wie wenn Attus Navius, um die 

2518. 2572. 2987; Suppl. 5634. 5734), auch wohl verlorenen Tiere seiner Herde wiederzugewin- 
0. I. L. 8, 9755. Dem Lar vialis in der Ein- • nen, sich hqos xijv *ccliäSa zr\v iv zä %caQicp 

zahl opfern im J. 214 die Arvalen t(aurum) xa&iäQvuivriv rj^axav (Dtow. Hai. 3, 70, 2; deus 

afuratum), weil Caracalla salvus . . felicissitne schlechthin Cic. de divin. 1, 31) wendet. 
ad hibernia Nicomediae ingressus sit {Henzen, 

Act. fr. Arv. p. 122) , und ebenso lesen wir in 20 VIII. Deutungen, 
einer Weihinschrift vom J. 238 n. Chr. C. I. L. 

3, 1422 (Sarmazigetusa): Fortunae reduci, Lari Die alten Gelehrten haben sich in der 

viali, Bomae aetemae u. s. w. Mehrzahl mit der Auffassung der Laren als 

Lar victor, C. I. L. 11, 2096 (Clusium), vicorum atque itinerum dei oder tectorum do- 

vielleicht ähnlich aufzufassen, wie Martis et muumque custodes {Arnob. 3, 41) nicht zufrieden 

pacis Lari, C. I. Eh. 484, Lar agrestis (= Sil- gegeben, sondern die tiefere Bedeutung dieser 

vanus), C. I. L. 6, 646. Gottheiten zu ergründen gesucht. Die Deutungs- 
versuche haben sich im wesentlichen in zwei 

VII. Mythen. " Eichtungen bewegt, von denen die eine durch 

30 Gleichsetzung der Laren mit vermeintlich ent- 

Volkstümliche italische Larensagen hat es sprechenden griechischen Gottheiten ihr Wesen 

nie gegeben, und auch die frei schaffende zu bestimmen suchte, während die andere mehr 

Phantasie der Dichter hat mit diesen abstrakten ihre Einordnung in den Kreis verwandter Vor- 

Gestalten, für deren mythologische Verknüpfung Stellungen der römischen Religion erstrebte, 

mit anderen Gottheiten das griechische Vor- In der erstgenannten Richtung hat Cicero 

bild fehlte , nicht viel anzufangen gewufsfc. {Tim. 38) die Laren mit dem griechischen Be- 

Volkstümlicher Überlieferung am nächsten steht griffe ialaoves gleichgesetzt, und etwas ähn- 

die Erzählung von der Herdgeburt des Servius liches liegt zu Grunde, wenn Oeid (Ibis 81f. 

Tullius: In der Asche des Herdes, an welchem vos quoque, plebs superum, Fauni Satyrique 
* Oerisia, die Sklavin der Tanaquil, waltet, er- 40 Laresque Fluminaque et Nymphae semideumque 

seheint ein männliches Glied; Tanaquil schliefst genus) sie zur plebs superum und zu den halb- 

die Oerisia, bräutlich geschmückt, mit dem- göttlichen Wesen rechnet. Genaueres ver- 

selben ein, und diese wird so auf wunderbare suchte Nigidius Figulus festzustellen, indem • 

Weise Mutter des Servius Tullius. Als den er die Laren mit den unter einander gleich- 

Vater bezeichneten die einen den Lar familiaris gesetzten Kureten, Korybanten und idäischen 

(Plin. n. h. 36, 204), die anderen den Vulcanus Daktylen identificierte [Arnob. 3, 41 = Nigid. 

{Ovid. fast. 6, 627; beide Versionen neben ein- Figul. fragm. ed. Swöboda p. 84, 13 ff. Diomed. 

ander bei Dion. Hai. 4,2 = Plut. de fort. 1 p. 478 K. Hygin. fab. 139 p. 17, 12 Schm. 

Born. 10); der Name des letzteren ist sicher = Schol. Stat. Theb. 3, 785). Im Gegensatze 
erst durch hellenisierende Umdeutung hinein- 50 dazu leiteten andere die Larenverehrung aus 

gebracht {Schwegler, Böm. Gesch. 1,715. Wis- dem Seelenkulte ab, und während Granius 

sowa, De feriis anni Born, vetust. p. XV), aber Flaecus in seiner an Cäsar gerichteten Schrift 

auch die ursprüngliche Form der Erzählung He indigitamentis den Lar (familiaris) für iden- 

darf nicht als italische Volkssage gelten, da tisch mit dem Genius erklärte {Censorin. 3,2), 

einerseits der Phallos in derselben eine dem stellte insbesondere Varro die Theorie auf, 

italischen Vorstellungskreise fremde Rolle spielt, dafs in den Laren eine Vergöttlichung der 

andererseits der Lar von Haus aus durchaus Seelen Abgeschiedener zu erkennen und sie 

nicht Herdgottheit ist, sondern erst durch darum mit den di manes gleichzusetzen seien, 

seine Verbindung mit der Herdgöttin Vesta weshalb auch die Göttin Mania von der Laren-, 
diesen Platz erhält (s. oben Sp. 1877, 22 ff.). Auf6omutter nicht verschieden sei {Arnob. 3, 41: 

den Kreis, in welchem diese Erzählung ent- Varro . . . nunc esse ülos manes et ideo Maniam 

stand, weist die Thatsache .hin, dafs eine in matrem esse cognominatam Larum, nunc aerios 

der Hauptsache identische Überlieferung über rursus deos et heroas pronuntiat appellari, nunc 

die Geburt des Romulus {Plut. Born. 2; über antiquorum sententias sequens Laruas esse dicit 

die ähnliche Erzählung von der Geburt des Lares, quasi quosdam Genios et funetorum ani- 

pränestinischen Caeculus vgl. Bd. 1 Sp. 843 mos; vgl. Varro de l. I. 9, 61. Macr. 1,7, 35); 

Z. lOff.) auf einen Griechen Promathion, Ver- an Varro schlofs sich in diesem Punkte Verrius 

fasser einer 'Iaxoqlu 'ZiaiUjMj (vgl. Susemihl, Flaecus an (Paul. p. 121 Lares .. animae esse 



1889 Lares (Deutungen) Lares (Deutungen) 1890 

putabardur hominum redactae in numerum deo- stehenden wiedergegebenen Ausführungen der 
rv/m; p. 239 deorum inferorum, quos vocant alten Gelehrten nicht Überlieferung, sondern 
Lares; vgl. Serv. Aen. 3 , 302 [s. auch 1 , 441. subjektive Deutungsversuche enthalten, die für 
3,168] manes piorum, qui Lares viales sunt). uns nicht mehr zu bedeuten haben, als un- 
Für diese Autfassung, auf welche sich die zählige antike Konstruktionen ähnlicher Art; 
Gleichsetzung der Laren mit den griechischen andererseits aber erweist sich dieser antike 
fatoeg (s. oben Sp. 1869, 45 ff.) gründete, glaubte Deutungsversuch schon darum als unzureichend, 
man eine Bestätigung darin zu finden, dafs an- weil er, nur auf die Erklärung des häuslichen 
geblich (s. Lübbert, Commentat. pontijical. p. 71. Larenkultes ausgehend, wesentliche Züge der 
Jordan, Topogr. 1, 1, 171) ursprünglich die 10 ganzen Larenreligion unerklärt läfst oder mit 
Leichen im Hause bestattet worden seien und ihnen geradezu im Widerspruche steht: die 
daher der Hauskult der Laren direkt an die Anrufung der Laren in den ältesten uns be- 
Gräber der Verstorbenen geknüpft gewesen kannten Urkunden, dem Arvalliede und der 
sei (Serv. Aen. 5, 64. 6, 152). Den Wohnsitz Devotionstafel (s. oben Sp. 1870, 20 ff.), die Ver- 
dieser abgeschiedenen Seelen setzte Yarro nach ehrung der Lares militares und permarini 
stoischem Vorbilde (vgl. A. Schmekel, Die Philo- (Sp. 1870, 56 ff.), das Hervortreten des Gesindes 
sophie der mittl. Stoa S. 256) in den unterhalb im häuslichen Larendienste (Sp. 1873, 48ff. 1876, 
des von den Göttern bewohnten Äthers sich 62 ff.) und vieles andere bleiben bei dieser Auf- 
ausdehnenden Luftraum (Augustin. de civ. d. 7, 6 fassung völlig unverständlich. Bei derBrklärung 
aus Varro, Antiqu. divin. B. 16: inter lunae vero 20 der dem Larendienste zu Grunde liegenden Vor- 
gyrum et nimborum ae ventorum cacumina aerias Stellung wird man vor allem darauf ausgehen 
esse animas [vgl. Arnob. 3, 41 aerios deos], sed müssen, den Begriff der Laren gegenüber dem 
eas animo non oculis videri et vocari heroas et der verwandten und im Hause mit ihnen zu- 
Lares et Genios; vgl. Mart. Cap. 2, 155: hie sammen verehrten Gottheiten Genius, Vesta, 
igitur Lares, hie post membrorum nexum de- Penaten abzugrenzen, im Gegensatze zu Beiffer- 
gunt animae puriores, quae plerumque si meri- scheid, der im Anschlüsse an Granius Flaccus 
torum excellentia sublimantur etiam circulum Lar familiaris und Genius identificieren möchte. 
solis ae flammantia saepta transiliunt). Die Während Vesta deutlich und unverkennbar die 
spätere Spekulation hat dann diese varronische göttliche Verkörperung der Herdflamme dar- 
Anschauung zur Grundlage eines willkürlich so stellt, die Penaten, wie ihr Name sagt, die in 
aufgebauten Systems gemacht, in welches die der Vorratskammer waltenden Gottheiten, also 
Begriffe Genius, Lares, Lemures, Larvae, die Schützer des häuslichen Wohlstandes sind, 
Manes so eingeordnet wurden, dafs man Lares, der Genius in erster Linie die zeugende Kraft 
Larvae und Manes zu Unterabteilungen der des Mannes darstellt und im Hause insbeson- 
Lemures machte und diese als Verkörperung dere als Genius des Hausherrn und Erhalter 
der abgeschiedenen Seelen dem Genius, der und Fortpflanzer der Familie verehrt wird, hat 
noch dem Leibe innewohnenden göttlichen der Larendienst seine Wurzeln _aufserhalb 
.Kraft, gegenüberstellte. Apuf. de deo Socrat. des Hauses und ist in den Kreis der Herd- 
15 p. 15, 15 ff. Liitjoh. (= Serv. Aen. 3, 63. kulte erst relativ spät eingetreten. Der 
August, c. d. 9, 11): eum (Saifiova) nostra lin- 40 Wahrheit am nächsten kommt Jordan, wenn 
gua, ut ego interpretor, haud sciam an bono, er die Laren als Flurgötter erklärt, nur fafst 
eerte quidem meo periculo, poteris Genium vo- er den Begriff zu eng. Für das Verständnis 
care, quod is deus, qui est animus sui cuique, des Genius ist es von wesentlicher Bedeutung, 
quamquam Sit immortalis, tarnen quodammodo dafs wir Genii ursprünglich nur von Personen 
cum homine gignitur . . . est et seeundo signi- und von Personalverbänden (collegia, enriae, 
ficatu species daemonum animus humanus eme- legiones, colonia u. s. w.), erst spät auch Genii 
ritis stipendiis vitae corpori suo abiurans. hunc locorum kennen; im Gegensatze dazu 1 tritt bei 
vetere latina lingua reperio Lemurum (nomine} den Laren mit noch gröfserer Bestimmtheit 
dictitatum. ex hisce ergo Lemuribus qui poste- die Thatsache hervor, dafs es Laren von Per- 
rorum suorum cur am sortitus placato et quieto 50 soneh und Personengruppen nicht giebt, son- 
■ numine domum possidet, Lar dieitur familiaris ; dem dafs die Larenvorstellung immer am 
qui vero ob adversa vitae merita nullis [bonis] Orte hängt: die Stadt, der Gau (pagus), die 
sedibits incerta vagatione ceu quodam exüio Strafse (vicus), das einzelne Grundstück haben 
poenitur, inane terriculamentum bonis homini- . ihre Laren, die Lares militares beschützen den 
6ws, ceterum mdlis noxium, id genus plerique Einzelnen im Gebiete müitiae ebenso, wie die 
Larvas perhibent. cum vero incertum est, quae Lares permarini auf der See und die allge- 
cuique eorum soriitio evenerit, utrum Lar sit meiner gefafsten Lares viales überhaupt auf 
an Larva, nomine Manium deum nuneupant der Reise (vgl. Fronto ad M. Caes. 3, 9 p. 47 
(ähnlich Mart. Cap. 2, 162 f.). • Nab.: deosque viales et permarinos /cod. pro- 
Wenn diese Auffassung der Laren als der 60 marinos] volis imploro, uti mihi omne' iter tua 
im Hause weiter wirkenden Seelen der Vor- praesentia comitatum sit); für die Lares hostilii 
fahren bei den Neueren weitgehenden Beifall (ob. Sp. 1886, 43 ff.) kann man wenigstens ver- 
gefunden hat (vgl. aufser der unten anzufüh- muten, dafs sie mit dem agerhosticus (Varro de 
renden Litteratur namentlich Fustel de Cou- l. I. 5, 33) in Beziehung stehen. Als Götter der 
langes, La cite antique pY20. Nissen, Templum römischen Feldmark werden sie von den fratres 
p. 148. E. JRohde, Psyche S. 232), so ist dabei Arvales angerufen, als Götter des ländlichen 
nicht genügend der Thatsache Rechnung ge- Gaues an den compita verehrt, als Götter des 
tragen worden, dafs einerseits die im Vor- einzelnen Anwesens auf jedem Acker (vgl. 

Röscher, Lexikon der gr. u, röm. Mythol. II. 60 



1891 



Lares (Bildwerke) 



Lares (Bildwerke) 



1892 



Lares praediorum, G. I. L^Q, 455. Lares Volu- 
siani, d. h. Lares domus Volusianae, C. I. L. 
6, 10266 f.), und nachher bei überwiegend 
städtischer Ansiedelung in jedem Hause. 

IX. Larenbilder. 

Die von Varro beschriebenen und auf den 
Denaren des L. Caesius wiedergegebenen Bilder 
der Lares praestites (s. ob. Sp. 187*2, 11 ff.) Bind 
offenbar früh in Vergessenheit geraten und 




det mit einer hochgegürteten Tunica (succinctis 
Lariius, Vers. 5, 31, wo die Schölten eine 
falsche Erklärung geben; incinctos . . . Lares, 
Ovid. fast. 2, 634) , die häufig einen vorn lang 
herabfallenden und unter dem Gürtel durch- 
gezogenen Zipfel zeigt, und Stiefeln, im Tanz- 
schritt ausschreitend und mit der erhobenen 
Rechten aus einem Trinkhorn in die mit der 
linken Hand gehaltene Schale (oder Eimer) 
10 einschenkend (besonders schönes Exemplar aus 
einem Hause vom Viminal in Rom im Kon- 
servatorenpalast, Heibig, Führer durch die 
ö'ffentl. Samml. Mass. Altert, in Born 1, 426 
nr. 547 = Jordan, Annali d. Instit. 1882, 71 f. 




3) Lar im Tanzschritt ans einem römischen Hause 
(nach Annali d. I. 1882 Tav. N"). 

haben in dem erhaltenen Denkmälervorrat wei- 
tere Spuren niehthinterlassen. Um so zahlreicher 
sind die auf uns gekommenen Darstellungen der 
Haus- und Compitallaren in Altarreliefs, "Wand- 
bildern und zahllosen Bronzestatuetten, deren 
jedes Antikenmuseum eine gröfsere Anzahl be- 
sitzt. Die Deutung auf die Laren ist mehrfach 
durqh Inschriften völlig sichergestellt und findet 
ihre Bestätigung durch gelegentliche Hinweisun- 
gen der Schriftsteller. Es sind jugendliche Ge- 
stalten mit lockigem Haare (oft auch bekränzt), 
zuweilen mit einer Bulla um den Hals (Lares 
oullatos;Petron.60;$. ob. Sp. 1877, 50 ff.), beklei- 



4) Bronzestatnette eines Laren in Dresden 
(nach Originalzeichnung). 

tav. N, s. Abbildung 3). Die Darstellung ist 
_ völlig diagleiche sp wohl für die Laren des Privat- 
'kultes, wie für die Götter des Compitum : das fin- 
det seine Erklärung darin, dafs alle erhaltenen 
Denkmäler aus der Zeit nach der augusteischen 
Reform des Larenkultes stammen, durch welche 
der Unterschied zwischen Haus- und Compital- 
60 laren beseitigt wurde (s. oben Sp. 1882, 50ff.). 
Die Darstellungsform der Götter ist aber nicht 
etwa erst durch Augustus geschaffen, sondern 
für die Compitallaren schon seit der Zeit des 
2. punischen Krieges im Gebrauch gewesen, 
da bereits JVae»*«s (fr. 9 9 ff. Theodotum, com- 
piles, qui aras Compitalibus sedens in cella 
circumteetus tegetibus Lares ludentes peni pinxit 
bubulo) von Bildern der Laren an den Altären 



1893 



Larea (Bildwerke) 



Lares (Bildwerke) 



1894 



der Compita spricht, an denen er' gerade den 
charakteristischen Tanzschritt (Lares ludentes) 
hervorhebt; dieser und die Handlung des Ein- 
schenkens bezeichnen die Laren als Führer bei 
der ausgelassenen Fröhlichkeit des Compitalien- 
feBtes(s.ob.Sp. 1874,27ff.). ZumVorbildefürden 
ganzen Typus der Darstellung, dessen Fixierung 
nicht allzulange vor der Zeit des Naevius statt- 
gefunden haben wird, haben bakchische Dar- 
stellungen der griechischen Kunst gedient, 
deren Kenntnis die unteritalischen Städte den 
Römern vermittelten (vgl. namentlich das 
Terracottarelief Campana, Opere in plastica 
Taf. 31 und Wissowa, Annali däl' Inst. 1883, 
156 ff.)- Indem durch den Einflufs der auguste- 
ischen Reform des Compitalkultes die Dar- 
stellungsform der Lares compitales auch in 
die häusliche Verehrung übertragen und die 
Lares familiäres nunmehr ebenfalls in der 
Zweizahl und im Typus der Compitallaren 
gebildet wurden, mute eine ältere Darstel- 
lungsform des Lar familiaris ganz oder über- 



Larentypus evident ist und die Attribute von 
Füllhorn und Schale die des mit dem Lar fami- 
liaris sich im Hauskulte nahe berührenden 
Genius sind, so liegt die Vermutung nahe, 
dafs wir hier das Bild des Lar familiaris in 
seiner voraugusteischen Gestalt vor uns haben. 
Die grofse Anzahl von Denkmälern dieses Typus 
würde, vorausgesetzt dafs die Erklärung richtig 
ist, zu der Annahme nöfigen, dafs im Haus- 

10 kulte die ältere Darstellung des Lar familiaris 
durch die der augusteischen Compitallaren nicht 
völlig beseitigt, sondern nur zurückgedrängt 
worden sei und beide zeitweise neben einander 
bestanden haben, eine Annahme., die um so 
weniger bedenklich ist, als sich vereinzelte 
Beispiele für die Verehrung eines Lar in der 
Kaiserzeit auch auf Inschriften nachweisen 
lassen (s. oben Sp. 1882, 57 ff.). 

Während die zahlreichen Larenbronzen 

20 durchweg aus den aediculae römischer Privat- 
häuser stammen, gehören die Wandgemälde 
und Reliefs wenigstens zum Teil auch dem 




5) Pompeianisches Wandgemälde (Selbig nr. 61) nach Jordan, Vesta und die Laren auf einem pomp. 

Wandgemälde, Berlin 1885). 



wiegend verdrängt worden sein: denn alles, 
was wir vom häuslichen Larenkult der repu- 
blikanischen Zeit wissen, hat das Vorhanden- 
sein ton Bildern des Lar familiaris zur Vor- 
aussetzung, und diese müssen in jener Zeit 50 
von denen der Compitallaren schon darum 
unbedingt verschieden gewesen sein, weil die 
letzteren nur für paarweise Gruppierung kom- 
poniert sind, während der Lar familiaris der 
republikanischen Zeit einer ist. Nun finden 
sich in dem Bronzenbestande unserer Museen,. 
wenn auch nicht so häufig wie die Laren des 
augusteischen Typus, so doch in recht ansehn- 
licher Zahl (vgl. namentlich G. Friederichs, 
Kleinere Kunst und Industrie im Altertum 60 
S. 438ff.) Statuetten von göttlichen Figuren, 
die nach Aussehen und Kleidung mit denen 
der Laren völlig übereinstimmen und sich von 
ihnen nur durch &}e ruhige Stellung (anstatt 
des Tanzes) und die Attribute (Schale in der 
rechten Hand, Füllhorn im linken Arm) unter- 
scheiden (Beispiel Abb. 4 Brönzestatuette aus 
Dresden) : da die ' Übereinstimmung mit dem 



öffentlichen Kultus an. Auf den Larenbildern 
innerhalb der Häuser Pompeiis (s. ob. Sp. 1882, 
65ff.).sind die Laren (stets in der Zweizahl) ent- 
weder allein (Heibig, Wandgem. nr. 35 — 40. 
Sogliano, Pitture murali Campane nr. 12 — 15), 
oder mit dem Genius (Heibig nr. 46 — 59. 
Sogliano nr. 16 — 30), oder mit Vesta (Heibig 
nr. 61. 62. 65, s. ob. Abb. 5; mit Vesta und Ge- 
nius, Sogliano nr. 34), oder auch mit anderen 
Gottheiten, die als die Penaten des betreffenden 
Hauses zufassen sind (Heibig nr. 63 ff. Sogliano 
nr. 3lff.; vgl. auch das capuanische Wandgemälde 
Minervini,Bull.Napol.8, 1859 Taf. 5 S. 172 ff.), 
dargestellt; davon zu trennen sind einige an 
den Aufsenwänden der Häuser, speziell an 
Strafsenkreuzungen, angebrachte Bilder, auf 
denen das Opfer der 4 vicomagistri (von 
Beifferscheid richtig als solche erkannt) vor 
den Lares (compitales) dargestellt ist' (Heibig 
nr. 41 ff.). Unter den Reliefs stehen obenan 
drei römische Altäre, die von den magistri 
einzelner vici den Lares augusti (und dem 
Genius des Kaisers) geweiht sind: A) Altar 

60* 



189B 



Lares (Bildwerke) 



Lares (Bildwerke) 



1896 




; i« 






») Altar, auf dem Marsfeld gefunden (nach Mitteil. d. arch. Inst. 
Köm. Abt. 4 S. 266f.): Yorderseite. 




6 b) Rechte Nebenseite des obigen Altars. 



im Vatikan (0. I. L. 6, 445; ab- 
gebildet bei Visconti, Museo Pio- 
Clementino 4 Taf. 45. 45 ab ), ge- 
weiht von den magistri (eines un- 
bekannten vicus) qui K(al.) Augustis 
primi mag[isterium inijerunt, also 
jedenfalls vom Jahre 747 = 7. B) 
Altar in den Uffizien in Florenz 
(C. I. L. 6, 448. Dätschke, Antike 
Bildw. in Oberital. 3 nr. 218; abge- 
bildet bei Zannoni, Galleria di 
Firenze 4, 3, 142 — 144), Weihung 
der mag(idri) vici sandaliari vom 
J. 752 = 2. C) Ein neuerdings im 
Marsfeld gefundener Altar (Bull. arch. 
com. 17, 1889, 69 ff. Taf. 3 ; vgl. Hülsen, 
Rom. Mitteil. 4, 265 ff., danach Abb. 
6 a. b), geweiht von den [ma]g[i]stri 
vici Aescleti anni Villi, wahr- 
scheinlich also (s. ob. Sp. 1880, 36 ff.) 
im J. 752 = 2 ; die Reliefdavstellung 
•zeigt, in verschiedener Anordnung 
und Ausstattung, aufser den beiden 
Laren auf A und C das Opfer der 
vicomagistri (auf A auch den Genius 
Augusti), auf B die Gestalten von 
Augastus, Livia und L. Caesar. Eine 
Verherrlichung der augusteischen 
Reform des Larendienstes enthalten 
einige von öffentlichen Denkmälern 
der Stadt Rom stammende Reliefs, . 
auf denen zwar nicht die Laren selbst 
erscheinen, aber kleine Larenstatuet- 
ten von einzelnen Personen getragen 
werden: D) Relief in Villa Medici, 
von der Ära Pacis Augustae stam- 
mend, (Matz-v.Duhn, Antike Bild- 
werke in Born 3 nr. 3505; abgebildet 
Monum. d. Instit. 11 Taf. 34/35 
nr. 5 = Schreiber, Bilderatlas 
Taf. 19, 1; vgl. v. TDuhn, Annali 
d. Instit. 1881, 302 ff.): vor einer 
Prozession von Togati trägt ein 
Camillus die Statuette eines Lar 
(ein gleicher Camillus mit einer 
zweiten Statuette ist wahrscheinlich 
weggebrochen); obwohl die Ära 
Pacis bereits 741 = 13 gelobt und 745 
= 9 geweiht worden ist (Mommsen, 
Bes gestae d. Aug. p. 49. Marquardt, 
Staatsverw. 3, 569), ist doch die Be- 
ziehung der Darstellung auf die au- 
gusteische Reform des Larendienstes 
zweifellos und damit ein neuer Beweis 
dafür geliefert (s. ob. Sp. 1880, 45 ff.), 
dafs das J. 747 = 7, unter dem Cas- 
sius Dio der Sache gedenkt und von 
welchem die meisten magistri vico- 
rum zu zählen beginnen, nur den 
Abschlufs einer geraume Zeit vor- 
her begonnenen Reorganisation be- 
deutet. E) Relief bruchstück im 
Lateran (Benndorf-Schoene, Die ant. 
Bildwerke d. lateran. Mus. nt. 486 
Taf. 13, 1) aus einer ganz ähnlichen 
Prozessionsdarstellung stammend: 
vor einem Togatus geht ein Camillus, 
der eine Larenstatuette trägt, vor 



1897 Lares (Litteratur) Larissa 1898 

diesem ein zweiter Camillus, dessen Anne weg- und sie gut nährte. Von diesen stammte die 

gebrochen sind, der aber offenbar das Gleiche starke und treffliche Kasse der ßösg AaqwoC 

that. F) Altar im Vatikan (G. I. L. 6, 876; in Epirus, welche nach jenem Hirten benannt 

abgebildet bei B. Bochette, Mon. ined. Taf. 69), sein sollte. Eichtiger leitet man den Namen 

dem Augustus vom römischen Senate und von iagos und laqivsvsiv = oizevsiv ab, so 

Volke geweiht, nach 742 = 12: auf der dafs er gleich ist p,iyag,XiiiaQ6g, svzqacpTtg. Das 

rechten Nebenseite sind Augustus und Livia, epirotische Rindvieh war überhaupt berühmt und 

stehend, jedes eine Larenstatuette in der wurde von denRindern des Geryones hergeleitet; 

Hand haltend, dargestellt. Unter den aus dem Herakles soll einen Teil derselben^ dem Dodo- 
Privatkulte herstammenden Larenaltären steht 10 näischen Zeus geweiht haben. Süid. u. Phot. 

obenan G) Altar aus Caere, jetzt im Lateran, v. Aagivol ßösg. Athen. 9, 376 b.c. Schol Find. 

(C I. L 11, 3616. Benndorf- Schoene, Lateran. New. 4, 82. Schol. Aristoph. Pac. 925. Av. 465. 

Museum nr. 216. Heibig, Fuhrer 2, 505 nr. 654; Eustath. p. 1383, 1. Tzetz. CM. 8, 270 u. Schol. 

abgeb. Monum. d. Instit. 6, 13), dem Censor in Cramer, An. Ox. 3, 362. Apoetol. 10, 45. 

perpetuus C. Manlius von seinen Klienten ge- Jahrb. f. kl. Ph. 1892, 465, 3. Bursian, Geogr. 

widmet: Opferscene zwischen zwei Laren. Der 1, 17. [Stoll.] 

Genius zwischen den beiden Laren, wie oft Larisaia (AaqiGaia) , Beiname der Athena 

auf den pompeianischen Bildern, erscheint auf vom Flusse Aägiaog, der Grenze von Achsia 

den Altären H) in Villa Medici zu Rom (Matz- und Elis, woselbst sie ein Heiligtum hatte, 
v. Buhn, Borns ant. Bildw. 3 nr. 3650; abgeb. 20 Paus. 7, 17, 5. Panofka, Arch. Komm, zu Paus. 

Ännali d. Instit. 1862 tav. R 4, ohne Inschrift), B. 2 Kap. 24, 5 u. 6. Zeus Larissaios und Athena 

J) vom Palatin (Matz- v. Buhn a. a. 0. 3 nr. 3649, Larissaia, Abh. d. Kgl. Pr. Ah. d. W. Ph.-S. Kl. 

ohne Inschrift); die Laren allein auf K) Altar 1854 p. 572 -577. E.Curtius, Pelop. 1 p. 427; 

aus Spalato (C. I. L. 3, 1950; vgl. B. Schneider, p. 450 Anm. 5. [Drexler.] 

Arch. epigr. Mitteil, aus Österr. 9, 1885 p. 72), Larisaios (AaQiaaiog), Beiname des Zeus in 

von einem Sklaven Eufrosinus für das Wohl- Argos, wo er auf der Akropolis Larisa einen 

ergehen seines Herrn Titus Valerianus geweiht, Tempel hatte, Paus. 2 c. 24. Curtius, Pelop. 2 

und mehr dekorativ L) auf dem Berliner Altar p. 362. Panofka in der s. v. Larisaia ange- 

bei E. Gerhard, Berlins antike Bildw. Taf. 64 fährten Abhandlung. [Drexler.] 
(Baumeister, Benkm. des Mass. Altert. 1 , 57 30 Larisenos (Aagionvög), Beiname des Apollon, 

nr. 61); verloren ist ein im Codex Pighianus Strabon 13, 3, 2 p ; 530 (Bidot): zqtzr\ S' iezl 

gezeichneter Altar (M), der auf der einen Seite Aägiea. «oJfnj trjg 'Etpsalag sv zm KavazQiavm 

die Laren, auf zwei anderen Mercurius und icsSlcp, r[v yam noliv vTtaoifti nqöziqov t%ov- 

Hercules zeigte (vgl. 0. Jahn, Ber. d. sächs. aav v.al isqov 'AnöUmvog AccQWrjvov, 7tlt]ei.ä- 

Gesellsch. d. Wissensch. 1868, 195 nr. 85). Aus tovaav zm TfuaXm p&XXov r\ tri 'Eyeocp, vgl. 

den Larenbildern auf Thoulampen (siehe z. B. Stark, Niobe p. 417. A. de Longperier, Oeuvres 

Archäol. Zeug. 10, 1852, 425 Taf. 39, 3) ergiebt 2 p. 412 f. erkennt das lorbeerbekränzte Haupt 

sich nichts Neues. des Apollon L. auf dem Obv. einer von ihm 

dem ephesischen Larisa zugewiesenen Bronze- 

X. Litteratur. 40 munzei indessen Imhoof, Monn. gr. p. 289 hält 

Guil. A. B. Hertzberg, Be diis Bomanorum diese Münze für thessalisch, dagegen teilt er 

patriis sive de Lamm atque Penatium tarn zwei andere Bronzemünzen nr. 65 u. 65 a (s. 

publicorum quam privatorum religione et eultu, auch Head, Cot. of the gr. coins of Ionia 

Halae 1840. G. F. Schoemann, Bissertatio de p. 153 nr. 1. 2 PI. 17, 6) mit dem belorbeerten 

diis Manibus, Laribus et Geniis, Univers.- Haupte des Apollon im Obv. auf Grund ihrer 

Programm, Gryphiswaldiae 1840 = Opuscula vollständigen Ähnlichkeit mit Bronzemünzen 

academica 1, 350 ff. B. Scharbe, Be Geniis von Kolophon dem ephesischen Larisa zu. 

Manibus et Laribus dissertatio, Casani 1854 [Drexler.] 

(insbesondere S. 81 ff.). H. Jordan, Be Lamm Larissa (Aüqiaaa, Aagiau), 1) eine argivische 

imaginibus atque eultu, Annalid. Instit. 1862, so oder thessalische Heroine, nach welcher die 

300 ff. ; Vesta und die Laren auf einem pom- in jenen Ländern gelegenen altpelasgischen 

phänischen Wandgemälde, 25. Berliner Winckel- Städte und Steinburgen dieses Namens be- 

mannsprogramm 1865; de Genii et Eponae pic- nannt waren. Daher heifst sie eine Tochter 

M Pompeianis nuper detectis, Annali dell' des Pelasgos, von welcher die Burg zu Argos 

Instit. 1872, 19 ff.; Lamm imagines ineditae, sowie zwei Städte in Thessalien ihre Namen 

Annali d. Instit. 1882, 70 ff. A. Beifferscheid, hatten, Paus. 2, 24, 1. Hellanikos bei Schol. 

Be Larum picturis Pompeianis, Annali d. Ap. Bh. 1 , 40. Oder Pelasgos ist ihr Sohn 

Instit. 1863, 121 ff. A. Preuner, Hestia-Vesta von Zeus (Serv. Verg. A. 1, 624), oder von Po- 

(Tübingen 1864) S. 232ff.; Über Vesta, Laren seidon, Schol. Ap. Bh. 1, 580. Die Nymphe, 

und Genien, Philologus 24 (1865), 243 ff.; Bur- 60 nach welcher das thessalische Larissa benannt 

sians Jahresbericht 7, 1876, 144» ff. J. Mar- war, gebar dem Poseidon den Pelasgos und 

quardt, Böm. Staatsverwaltung 2 3, 121ff. 203ff. Phthios, Serv. V. A. 2, 197. Steph. B. v. 09ia. 

253 f. Preller -Jordan, Bömische Mythologie 3 Die Argiverm war von Poseidon Mutter des 

2, 101 ff. [Wissowa.] Achaios, Phthios und Pelasgos, welche aus 

' Larinos (Aagivog), ein Rinderhirt in Epirus, der Peloponnes nach Haimonia (Thessalien) 

der von den Rindern des Geryones, als He- zogen, Bion. Hai. A. B. 1, 17. Sie gebar von 

rakles sie durch Epirus trieb, eine Anzahl Haimon den Pelasgos, Eustath. 321, 26. Ger- 

stahl oder von Herakles zum Geschenk erhielt hard, Griech. Myth. 2 § 647, 3. Die Thessa- 



1899 Larissa • Larissa 1900 

lierin Larissa stürzte beim Ballspiel in den r. h., die Sandale befestigend, vor ihr Hydria, 
Peneios, Eustath. 15B4, 34, was Volcker, Japet. Br. M. Thess. p. 28 nr. 44 PI. 5, 8. LeaJce a.a.O. 
Geschl. 342 auf die Erdrevolutionen und Über- p. 59. Anch eine ballspielende Figur der Silber- 
schwemmungenThessaliens bezieht. NachScJioi. münzen von Larisa wird von Head und Gardner 
Ap. Bh. 2 , 498 war sie eine Schwester der als Larisa, von Friedländer p. 452 allgemeiner 
von Apollon aus Thessalien entführten Kyrene. als Nymphe bezeichnet. Auch diese Gestalt 
[Beziehen sich auf diese Larissa die Worte des . kommt mannigfach variiert vor: stehend 1. h., 
Plinius (n. h. 34, 68. Brunn, Kiinstlergesch. 1, Ball spielend, Br. M. Thess. p. 28 nr. 41; eilend 
298): 'Laudani eins (d. i. des Phokäers oder 1. h., mit der inneren Handfläche der erhobenen 
Phokers Telephanes, der in Thessalien lebte) lo R. den elastisch vom Boden aufspringenden Ball 
Larissam ... et Apollinem' ? Koscher.] zurückwerfend, Friedländer p. 452 Taf. 2, 21 (in 
[Das Haupt der Larisa erkennen Head, Hist. der L. nach Friedländer einen Reifen, der aber 
num. p. 255 und Gardner, Cot. of Gr. C. in the auf der Abbildung nicht sichtbar ist), Br. M. 
Brit. Mus., Inessaly p. 24 nr. 3 PI. 4, 6; p. 28ff. Thess. p. 26 nr. 24 PL 4, 16. Head, Hist. num. 
nr. 47 — 52. 55—97 in einem auf dem Obv. von p. 254; sitzend r. h. auf Stuhl mit Lehne, in 
Silber- und Bronzemünzen von Larisa teils en der L. Reifen oder Kranz, mit der erhobenen 
profil, teils en face abgebildeten Frauenkopf. R. den emporschnellenden Ball zurückwerfend, 
Auch J. Friedländer, Thessalische Kunst, Monats- Friedländer p. 452 Taf. 2, 20; sitzend 1. h. auf 
berichte d. Kgl. Pr. Ah. d. Wiss. z. Berlin 1878 Hydria, den Ball in die Höhe werfend, Br. M. 
[p. 448 — 455] p. 451 Taf. 1, 19 (ebenso Fried- 20 Thess. p. 26 nr. 23 PI. 4, 15. Leake a. a. 0. p. 59. 
länder u. v. Sollet, Bas Kgl. Münzkabinett p. 68 Sehr anmutig ist das Brunnen- und Ballmotiv 
nr. 135. 136 Taf. 3) deutet wenigstens das en vereinigt auf einer Münze, deren Prägort leider 
face dargestellte Haupt auf Larisa und hebt von Friedländer (p. 452) nicht angegeben und 
den „fast sinnlichen Ausdruck" desselben her- aus dem von ihm allein (Taf. 2, 25) abgebil- 
vor, „welcher durch die breiten Formen und deten aufschriftlosen Revers nicht ersichtbar 
etwas gesenkten äufseren Augenwinkel und die ist. Sie zeigt eine 1. h. auf dem Krug sitzende 
nicht schmalen Lippen entsteht" und es „weit Frau, welche den vorgestreckten r. Fufs, um • 
menschlicher, ungöttlicher" erscheinen läfst, ihn abzuspülen, unter den Löwenrachen des 
als das ihm äufserlich ähnliche der Arethusa. Brunnens hält und mit der L. das Gewand, 
Andere, wie L.Müller, Musee Thorvaldsen p. 88 30 um es vor der Nässe zu schützen, etwas vom 
nr. 428 — 430 und E. Muret, Bull, de Corr. hell. Fufse zurückzieht, während der Ball neben ihr 
5 p. 292 sehen in dem Haupt en face das der am Boden liegt. Auch knieend ist die ball- 
Messeis, einer Quellnymphe von Larisa. Born- spielende Figur auf einer Silbermünze von La- 
pois, Coli. Bompois p. 74 nr. 931—934 bezeich- risa dargestellt und sowohl von Mittingen, Syll. 
net es unbestimmt als Nymphen-, Mionnet 2 of ahc. uned. coins p. 53 PI. 1,26 als auch von 
p. 15fl. nr. 111 — 121. 123 — 130. S. 3 p. 291ff. Panofka, Arch. Komm, zu Paus. B. 2 Kap. 24 
nr. 179-^-199. 201 — 211. Leake, Num. Hell. p. 576 Taf. 3, 13 als Larisa gedeutet worden. 
Europ. Greece p. 58 ff. Collen, Cat.Greau p. 105 f. Sonst kommen knieend, aber Würfel statt Ball 
nr. 1259 — 1265 noch unbestimmter als Frauen- spielend vor Arne auf Münzen von Kierion, 
haupt. Am weitesten irrte Eckhel, B. N. V. 2 40 Friedländer p. 452 Taf. 2, 23. Curtius, Plastik 
p. 140 ab, welcher es für das Haupt der Me- der Hellenen an Quellen und Brunnen p. 162. 
dusa erklärte. Head und Gardner sehen Larisa Mittingen, Ane. Coins p. 49 und eine noch un- 
ferner in einer Wasser holenden Frauengestalt gedeutete weibliche Figur auf einem Silber- 
auf Silbermünzen von Larisa, während Fried- stater von Tarsos, Imhoof, Gr. Münzen in d. 
länder p. 452 in solchen Figuren nur sterbliche Grofshzgl. Badischen Sammlung in Karlsruhe. 
Frauen in genrehafter Darstellung erkennen Berlin 1879 p. 13 — 16 Taf. 1, 7. 
will. Dieselbe erscheint" in vielfachen Varia- Ferner ist Larisa auf den Silbermünzen der 
tionen: stehend, auf dem einen etwas vor- gleichnamigen Stadt nach Gardner noch dar- 
gestreckten Knie die gefüllte Hydria haltend, gestellt sitzend r. h. auf einem Stuhl mit Lehne, 
um sie von da aufs Haupt zu heben, dahinter 50 in der R. eine Schale, die L. erhoben, Br. M. 
das Löwenmaul des Brunnens, Friedländer Thess. p. 25 nr. 11 PI. 4, 10; nr. 12. 13; sitzend 
p. 452 Taf. 2, 24. C. Gr. C. Br. M. Thess. p. 25 r. h. auf einem Stuhl mit Lehne, die R. er- 
nr. 14. 15 PI. 4, 11; vgl. Leake, N. H. Europ. hoben, in der L. Kranz, p. 26 nr. 22 PI. 4, 14; 
Gr. p. 59 und Muret, B. C. H. 5 p. 292; stehend sitzend r. h. auf einem Stuhl, in der L. Kranz, 
r. h., das Gefäfs an dem Löwenrachen füllend, p. 27 nr. 38; sitzend r. h., die R. erhoben hinter 
Leake, N. H. Eur. Gr. 69, von ihm auf Andro- das Haupt, in der L. Spiegel, p. 28 nr. 39 PI. 5, 5 ; 
mache an der Quelle Messeis gedeutet, wie nr. 40; vgl. Muret, B. C. H. 5 p. 292 „Femme 
man ähnlich die Frauengestalt am Brunnen assise ä dr. s'ajustant devant un miroir queäle 
(die Nymphe Hypereia, Head, Hist. num. p. 262) tient ä la main", PI. 2, 5; und mannigfache 
auf Münzen von Pherai hat für Andromache 60 Varietäten dieses sitzenden Typus verzeichnen 
erklären wollen, s. Friedländer p. 452; ferner noch Mi. 2, 15, 110. S. 3, 288, 158. 291, 177. 
stehend 1. h., die r. Hand erhoben, hinter ihr Coli. Subhy Pacha 1874 p. 80 nr. 1700. Cohen, 
die Hydria, C. Gr. C. Br. M. Thess. p. 28 nr. 42 Cot. Greau p. 105 nr. 1257. Coli. Bompois p. 74 
PL 5, 6; stehend r. h., beide Hände erhoben, nr. 929. Auch auf dem Rev. einer Bronzermünze 
vor ihr die Hydria, Br. M Thess. p. 28 nr. 43 erkennt Head, Hist. num. p. 255 Larisa in der 
PI. 5, 7. Muret, B. C. H. 5 p. 292 PI. 2, 6; vgl. stehenden, die Hand zur Stirn erhebenden 
Leake, N. H. Eur. Gr. p. 59 „Female . . . lifting Frauengestalt, vgl. Friedländer, Berl. Bl. f. 
wpher veil; before her, large monota"; stehend Münzkunde 1, 1863 p. 130f. Taf. 6, 2 und 



1901 Larmenos Lasa 1902 

Capedom, Spie. num. p. 60. Drexler.] [Vgl. cum mortuis non nüi larvas luctqri, Plin.n.h. 

Etym. M. 5S7, 2 Aagießa icöXig anb Aagiearis praef. 31) und auch auf der Erde die Menschen 

tu-os v.lrj9slea. Höfer.] — 2) Larissa war eine erschrecken {Plaut. Aul. 642; Capt. 698. Apul. 

Tochter des Pelasgerfürsten Piasoa in Larissa metam. 9, 29. Ammian. Marc. 14, 11, 17 u. a. m.), 

Phrikonis am Hermos und wurde die Braut oder daher larvatus = besessen. Paul. p. 119. 

Gemahlin des Königs Kyzikos (s. d.), Euphorien Non. p. 44; Tgl. Plaut. Amphitr. 776 f. und 

bei Schol. Ap. Bh. 1, 1063. Parthen. c. 28. frg. 12; Menaeehm. 890). Man ldentificierte 

[Meüieke, Anal. Alex. p. 41 f. Drexler.] — sie mit den mamae und weiter mit den 

Der eigene Vater hatte ihr Gewalt angethan di manes {Fest. p. 129), später aber wurden 
und wurde deswegen von ihr in ein Weinfafs 10 sie mit Lemures, Lares und Manes derartig 

gestürzt, in welchem er umkam, Strdb. 13, 621. verknüpft, dafe man die Geister der Abge- 

Nikol Barn. fr. 19b. Müller, Fr. hist. gr. 3, schiedenen (Lemures) m gute (Lares), böse 

368 [EusL s 11. p. 357, 43 ff. R.] Müller, (Larvae) und solche einteilte, bei denen die 

Ore'h. 126. VSlcker, Japet. Geschl. 366. [Stoll.] Zugehörigkeit unentschieden war (Manes): 

Larmenos s. Lairbenos. s. Apul. de deo Socr. 15 p. 15, 15 ff. Lutjoh. 

Larnakios {Aagväxiog), Beiname 1) des Po- (= Sern. Aen. 3,$3. Angust.c.d.9,11). Marttan. 

seidon auf Kypros, Waddington, Asiemin. 2779; Gapell. 2, 162; vgl. ob. Sp. 1889, 28 ff. Mit den 

gegen Eogarth, Devia Cypria p. 113, der für Lares haben die laru-ae nichts zu thun, wohl 

Aagvaxi'ov liest Nagvaitiov ; s. Beinach, Bevue aber ist Zusammenhang mit Laru-nda wahr- 
archeol 15 (1890) p. 288. — 2) Wahrschein- 20 scheinlich. [Wissowa.] 

lieh Beiname des Zeus auf einer gleichfalls ky- Larymna {Aäevpva), Tochter des Kynos, 

prischen Inschrift 4i.bg Aag[vu%Cov'>~]; Wad- nach welcher die böotische Stadt Larymna 

dington a. a. 0, 2836 a. [Höfer.] benannt war, Paus. 9, 23, 4. [Stoll.] 

Laros (Aägog), TsQipiiÖQTig Ss ^ ATeXaropi- Larymnos {Aägvpvog) , Vater der Euboia, 

ims %al Alvov to5 'AicöUmvog, ij v-utä -ewag welche mit Pojybos, dem Sohn des Hermes, 

Adgov, MiXnog {iysvcvo), Schol. He&iod. op. den Meerdämon Glaukos zeugte, Promamdas 

' 1 p i 28 Gaisford, [Höfer.] aus Heraklea bei Athen. 7, 296 b. [Schwende, 

Larraso, keltische Gottheit, durch einige Etym.-Myth, Andeutungen p. 183. Vinet, Le 

bei Moux (zwischen Carcassonne und Narbonne) mythe de Glaucus et de Scylla p. 11 Anm. 3. 
gefundene Inschriften bezeugt, darunter eine 30 Drexler.] [Stoll.] 

griechische mit AAPPACCONI AWPON, Sacaze, Larynttaios {Aagvv&iog), Beiname des Zeus, 

Bevue de Comminges 1 p. 221 (Anciens dieux Schol. zu Lykophr. 1092 vol. 2 p. 926: KsgSv- 

desPyrenees, Octobre 1886, untern. 75). CLL. Xas xod Aagvv&usg, sxcavvna to« ^tog. 

12, 5369 (= Orelli-Henzen 5893) und 5370; die jL Dr exler.] 

• letztere besonders bemerkenswert : magistri pagi Las (Aäg), ein alter Heros an der Ustkuste 

ex reditu fani Larrasoni cellas faeiund(as) cura- der Taygetoshalbinsel , wo er in dem kleinen 

verunt idemque probaverunt. Einer der- darin Orte Arainon oder Ara'inos sein Grab hatte, 

genannten magütri pagi könnte Freigelassener Er galt jedenfalls für den Oikistes der in der 

des Usulenus Veiento in C. I. L. 12, 4426 (Nar- Nähe gelegenen, früh verödeten Stadt Las. 
bonne) sein. [M. Ihm.] 40 Nach der Erzählung der Einwohner dieser 

Larunda, von Varro de l. I. 6, 74 unter den Gegend wurde er von Achilleus getötet, als 

Gottheiten sabinischen Ursprunges genannt, dieser hier landete, um den Tyndareos um die 

deren Altäre König T. Tatius in Kom errichtet Hand seiner Tochter Helena zu bitten. Pau- 

- haben sollte. In späterer Zeit wurde sie mit sanias meint, Las sei nicht von Achilleus, 

der im Ritual (s. Semen, Acta fratr. Arval. sondern von Patroklos getötet worden; denn 

p 145) als mater Larum angerufenen Göttin dieser sei unter den Freiern der Helena ge- 

' identifiziert (Lact. 1, 20, 35. Auson. 27, 7, 9 wesen. Paus. 3,24,7. Curtius, Peloponnesos 2, 

Schenkl; vgl. Placid. p. 60,25 Deuerl: Larunda, 274 f. Bursian, Geogr. 2, 147. [Wide, Lakon. 

.quam quidam lamiam [so Papias; viam Hss.; Kulte 234 f. 355. B,.] [Stoll.] 
laniam Cod. Vercell.; aviam Preller] dieunt). 50 Lasa (lasa), etruskischer Name einer Gattung 

Jedoch wird jeder Zusammenhang mit den Lares jugendlicher dienender Göttinnen auf 9 Spiegeln 

durch die durch Ausonius a. a. O. (nee genius und einem GoldBiegel {Bull. 1 = 1886 p. 231), 

domuum Larunda progenitus Lar) gesicherte mit verschiedenen Beinamen {vecuvia oder vecu, 

Quantität Larunda ausgeschlossen, welche den »imrae, raeuneta, sitmica, s. d.), meist geflügelt, 

Namen vielmehr mit Lärenta, der Göttin der mehr oder weniger nackt, mit Stirnband oder 

Lärentalia (Lärentia, Ableitung von Lärenta, Haube, Ohrgehängen, Halsband, Schuhen oder 

und Lärentalia mifst Ovid. fast. 3, 56. 67), zu Halbstiefeln, in den Händen einen Spiegel, oder 

verbinden zwingt. Da die Lärentalia sicher Salbgefäfs und Haarstift, resp. Schminktöpfchen 

ein Totenfest sind ( Mommsen, Mm. Forsch. und -stäbchen, oder Griffel, Schreibgefäfs und 
2, 3 f.; über die zufällig auf denselben Tag 60 -rolle, mitunter einen grünen Zweig oder 

fallenden feriae Iovis s. Wissowa, De feriis Blumenkelch; mit den verschiedensten Gott- 

anni Born, vetust. p. XI), so ist damit auch heiten gepaart, s. Fabr. Gl. I. col. 1020. CLL. 

der nur lautlich von ihr verschiedenen Larunda See. Spl. 130. Gamurrini, App. 832. Corssen,Spr. 

ihr Platz angewiesen. [Wissowa.] d. Etr. 1, 245 ff. t. 7. O. Müller, Etr.* 2, 97 

Larvae, nicht Gottheiten, sondern Gestalten nt. 60. Beecke, Etr. Fo. 4, 43ff. Bugge, Etr. Fo. 

des italischen Volksaberglaubens, die in der u. St. 4, 227, der lasa als l'asa deutet, worin 

Unterwelt die Seelen der Sünder plagen {Senec. V der Artikel ist, asa Femininum zu ats- 

apocol 9; vgl. die sprichwörtliche Redensart „Gott". Sonst hat man gewöhnlich lasa als 



1903 



Lasios 



Femininum zu *las = lat. Lar (alt Loses 
= Lares) aufgefafst, also wesentlich = lat. 
Larva (alt lärua, auB *las-uä). Herzustellen 
ist lafsja auf dem Spiegel Fabr. C. I. I. 
2513 bis; Genitiv ist vielleicht lasl (— *lasal) 
auf der Bronzeleber von Piacenza (Deecke-, Etr. 
Fo. 4, 43). [Deecke.] 

Lasios (Aüeiog), 1) ein Freier der Hippoda- 
meia, von^Oinomaos getötet, Paus. 6,21, 7. 
Schol. Find. Ol. 1, 114. 127. [— 2) Name eines 
Satyrs auf einer Trinkschale in München 
(nr. 1104; vgl. G. I. Gr. 7455 b ); Heydemann, 
Satyr- u. Bdkchennamen. Halle 1880 S. 37 ver- 
gleicht zum Verständnis des Satyrnamens 
Norm. D. 13, 44: läaioi Zäxvqoi und Ael. 
nat. an. 16, 21 fcma SaxvQOig Jpqpfpf) xäg fiop- 
q>äg, xo itäv ßäua Xäaia. Koscher.] [ — 3) Auf 
dem Obv. von Bronzemünzen von Katana ist 
dem epheubekränzten Haupte des jugendlichen 
Dionysos beigeschrieben AAXI oder AAZIo, A 
Cat. of the gr. c. in the Brit. Mus. Sicüy p. 52 
nr. 70—73. Coll.Bompoisp. 30 nr. 393. — Gardner 
fafst p. 283 den Namen als Beamtennamen auf. 
Da solche aber auf den Münzen von Katana 
ungewöhnlich sind, dürfte die .Vermutung ge- 
wagt werden, dafs Casios als ein Beiname des 
Dionysos, etwa hergenommen von der Be- 
kleidung mit der Nebris, anzusehen ist. 
Drexler.] [Stoll.] 

Lassos (Aäaaog), ein Paphlagonier, Sohn der 
Nymphe Pronoe, der vor Troia von Podalei- 
rios getötet ward, Quint. Sm. 6, 469. [Stoll.] 

Lateranns s. Indigitamenta. 

Lath . . . (la&), abgekürzter etruskischer 
Göttername im Genitiv auf der Bronzeleber von 
Piacenza; s. Deecke, Etr. Fo. 4, 80. [Deecke.] 

Lathon oder Lethon (Aä&av, Aföiov), Flufs- 
gott auf Münzen von Euesperides, welche sein 
jugendliches gehörntes Haupt mit Tänie bald 
ohne Beischrift, bald mit der Beischrift AKTC2N 
oder AH0QN zeigen, Read, Bist. num. p. 734. 
L. Müller, Numism. de l'ane. Afrique l p. 89 
nr. 334, wo jedoch nur das Ethnikon EZTTEPI 
steht: dagegen tragen zwei andere Münzen 
die Legende AHTJ2N bez. AH0QN, Müller 
a. a. 0. 1 p. 89 nr. 335. 336. [Weitere Litte- 
raturangaben sowie frühere falsche Deutungs- 
versuche findet man bei Müller a. a. 0. p. 89. 
91 f. und bei Lenormant, Ben. archeol. 5 (1848), 
240 f., wo auf pl. 93 nr. 3 gleichfalls eine 
Bronzemünze mit der Legende AHT . . abge- 
bildet ist. Der Flufs selbst triefst in Kyrenaika 
an der Stadt Euhesperides vorbei und mündet 
in die lifivrj 'EansgCSmv {Strdbo 17 p. 836; vgl. 
14. 647, wo er Arj&atog heifst; Ptolem. bei 
Athen. 2, 71b. Plin. hist. nat. 5, 5, 31); sein 
einheimischer Name war'EitKEtds, Skylaxp. 108 
nnd Müller z. d. St. Grusius, Philol. 52, 705. 
Höfer.] [Drexler.] 

Lathria (Aa&qfa), Tochter des Herakliden 
Thersandros; sie hatte mit ihrer Zwillings- 
schwester Anaxandra zu Sparta einen Altar. 
Beide Zwillingsschwestern waren vermählt mit 
den Zwillingsbrüdern Prokies und Eurysthenes, 
den Söhnen des Aristodemos, Paus. 3, 16. 5. 
Wide, Lakon. Kulte 119. 356. 358. [Stoll.] 

Latiaris, Beiname des Iuppiter; s. Bd. 2 
Sp. 686ff. Wenn jedoch Sp. 688 Z. 62 ff. die Er- 



Latinus (b. Hesiod n. Kallias) 1904 

Zählung von den Menschenopfern, die dem 
Iuppiter Latiaris dargebracht wurden, als nur 
bei Kirchenvätern vorkommend und als eine 
tendenziöse Erfindung der Christen bezeichnet 
wird, so beruht dies wohl auf einem Irrtum. 
Gerade der christenfeindliche Porphyrius 
erwähnt diese Opfer (de abstin. 2, 56) &l£ Ixt 
ys vvv xCg dyvost xaxa xr\v ftsyaljjv -xoliv xrj 
xov Accxiagiov diog £OQzfj ctp kJ Ofttror 

10 av&Qmnov; nnd Fuseb. praep. ev. 4, 16, 9 
hat dies wörtlich ausgeschrieben. [Höfer.] 

Latinus ist der Eponym des latinischen 
Stammes. Sein Name taucht in der Über- 
lieferung zum ersten Male auf in der Theo- 
gonie Hesiods v. 1011 ff.: KtQxri S' 'Htli'ov 
&vydxr]Q 'T7iSQiovCäao \ ycCvax' 'OSvaarjog xa- 
laaicpQOVog iv yilöxrjxi | "Aygiov rjöi Auxivov 
apvfiovu xs xquxsqov xs. | oi S' r\xoi [idXa irjjiU 
av%m vr\acav tsgämv \ näai Tvgarjvoißiv äyuxl&i- 

20 xotaiv avaaeov (citiert bei Schol. Apoll. Bhod. 
3, 200. Eustath. zu II. p. 1796. Lyd. de mens. 1, 4 
p. 7 Bekker). Um das Jahr 600 also (vgl. über 
das Alter dieser Verse Schümann in s. Ausg. 
S. 284. Müllenhoff, Deutsehe Altertumskunde 1 
S. 54) war die Kunde von einem latinischen 
Volksstamme, verkörpert in dem Eponym La- 
tinus, bereits zu den Osthellenen gelangt, 
wahrscheinlich durch Vermittelung der Cumäer. 
Da die etruskische Macht sich damals südlich 

30 noch über Latium hinaus erstreckte, so wurde 
er zum Könige der Tyrsener, und da die grie- 
chische Sagenbildung das Abenteuer des Odys- 
seus bei Kirke an der campanischen Küste lo- 
kalisiert hatte, so waren auch seine Eltern 
gefunden. Die gleiche Abstammung geben ihm 
Ps.-Skymn. 227. Serv. ad Aen. 12, 164. Solin. 
2,9.' Steph. Byz. s. v. Ilqalveaxog. Wie ge- 
wöhnlich dehnt sich die genealogische Reihe, 
und aus dem Sohne des Odysseus wird sein 

40 Enkel; seine Eltern sind Telemach und Kirke 
(Kleinias (?) bei Fest. p. 269 s. v. Romam. 
Hygin. fdb. 127. Flut. Born. 2). Nach der 
ersten Nennung verschwindet der Name des 
Latinus für längere Zeit aus der uns bekannten 
Tradition. In den älteren griechischen Be- 
richten, die die Gründung der Stadt Rom mit 
dem scheinbar griechisch klingenden Namen 
auf verschiedene nach der Zerstörung Troias 
an die italische Küste verschlagene griechische- 

50 oder troische Helden, zumeist auf Aeneas oder 
Odysseus zurückführen, geschieht des Lati- 
nus keine Erwähnung. Soweit wir es beurteilen 
können, hat ihn zuerst Kallias, der Zeitgenosse 
und Geschichtsschreiber des Agathokles, in die 
überkommene Fabel von dem troischen Ur- 
sprünge Roms hineingezogen. Er berichtet, 
Rome, eine Trojanerin, sei mit anderen -flüch- 
tigen Trojanern in Italien gelandet, habe den 
Aboriginerkönig Latinus geheiratet und ihm 

60 3 Söhne geboren, Romus, Romulus und Tele- 
gonus; diese hätten" eine Stadt gegründet und 
ihr den Namen ihrer Mutter Rome beigelegt 
(Kall, bei Dion. 1, 72. Euseb. Chron. 1, 45, 3 
p. 208. Syncell. p. 363 Bindorf; über das Fehlen 
des Telegonus in den Handschriften von Dionys 
vgl. Schwegler, Böm. Gesch. 1 S. 402 A. 22). 
Eine ähnliche Fassung lag wohl auch bei Festus 
vor (a. a. 0.), in dessen gekürztem Bericht 



1905 Latinus (bei Timaios etc.) Latinus (bei Cato) 1906 

wir lesen, dafs nach des Aeneas Tode Latinus Troerfabel und Roms Gründung noch nichts 
die Herrschaft übernommen und mit der Rome zu wissen scheint, liegt vor bei Servius ad Aen. 
den Romus und Romulus. gezeugt habe (vgl. 1, 2; 6, 84; 7, 659. 678: danach gab Lavinus 
Plut. Born. 2). Es läfst sich kaum entscheiden, -Lavinium den Namen; nach seinem Tode folgte 
ob Kallias bei seiner Version durch die Be- ihm in der Herrschaft sein Bruder Latinus. 
kanntschaft mit dem einheimischen latinischen Nach Cauer (Bie Aeneassage S. 121 A. 32) 
Sagenkreise beeinflufst war. Als unmittelbarer haben wir hier vielleicht eine von griechi- 
Gründer Roms, das er nach seiner verstorbenen schem Einflufs unberührte, ursprünglich lavi- 
Schwester Rome benennt, erscheint Latinus bei nische Sage zu erkennen — doch s. unten. In 
einem Gewährsmann des Servius ad Aen. 1, 27-3, jo der römischen Litteratur begegnen wir dem 
dessen Name in den Handschriften ausgefallen Namen des Latinus zuerst in alten priester- 
ist, jedenfalls war es nicht Cato, vgl. Sehwegler liehen Aufzeichnungen (Bion. 1,73 i« xcdaimv 
a. a. 0. S. 403 A. 28. Nach einem anderenvAutor, löymv £v isgois äsltoig eo> Jojisiw) : Latinus, 
der uns gleichfalls nicht genannt wird (Bion. 1, König der Aboriginer, erhält die Enkel des 
72), verdankt Rom seinen Ursprung einem Enkel Aeneas als Geiseln, zum Unterpfand "der fried- 
des Latinus, Romus, dem Sohne seiner Tochter liehen Beziehungen zwischen den Ankömm- 
Leucaria (vgl. Sehwegler S. 400 A. 1) und des lingen und der einheimischen Bevölkerung; 
Italus. Zwar lassen sich diese Berichte zeit- da er ohne männliche Nachkommen bleibt, 
lieh nicht genau fixieren, doch sind sie der setzt er sie bei seinem Tode in einem Teile 
älteren Litteratur zuzurechnen, denn das Streben 20 seines Reiches als Erben ein. Im Gegensatz 
nach einem Ausgleich der chronologischen Un- zu den Dichtern hat die ältere Annalistik in 
genauigkeiten tritt in ihnen noch nicht hervor, die Aeneasfabel auch die Gestalt des Latinus 
während es sich schon in der Darstellung des hineingezogen, sei es 'dafs sie die Verbindung in 
Fabius Picfor bemerklich macht (vgl. Cauer, griechischen Quellen vorfand, sei es dafs sie die- 
Bie römische Aeneassage von Naevius bis Ver- selbe direkt den latinischen Sagen entlehnte. 
gilius, Jahrbuch f. Philol. Supplbd. 15 (1887) Von Fabius Victor ist die Notiz erhalten, dafs 
S. 104 ff.). Timaeus beruft sich in seiner Er- Amita, des Latinus Gattin, durch Hunger sich 
Zählung von den Anfängen Roms auf Erkun- getötet habe (Servius ad 4-en. 11, 603 Daniel: 
digungen, die er bei Einheimischen eingezogen Fabius Pictor diät; vgl. Cauer a. a. 0. S. 108 
habe (Bion. 1; 67; vgl. Polyb. 12, 4). In den 30 A. 11). Zieht man nicht die Lesart (dieunt) 
aus ihm geschöpften Zusammenstellungen in der rein servianisehen Handschrift vor, so geht 
der Alexandra des Lykophron (v. 1226 ff.; vgl. zur Genüge daraus hervor, dafs der Sagenkreis 
Klausen, Aeneas und die Penaten S. 579 ff.; um Latinus, Lavinia und Turnus in seine Dar- 
dagegen Cauer, Be fabulis Graecis ad Romam Stellung verwoben war. Ein wenig mehr erfahren 
pertinentibus , Diss. Berol. 1884 p. 29 f.) sind wir über die Erzählung des Cassius Semina 
Reste latinischer Sagen erkennbar. Wenn iuich Solinu« (2, 14): Aeneas habe im Laurenter- 
also in den wenigen Angaben, die wir von gebiet sein Lager aufgeschlagen und von La- 
ihm besitzen, der Name des Latinus nicht tinus für seine 600 Genossen 500 iugera er- 
genannt wird, so liegt der Gruijd hierfür jeden- halten (Zahl verderbt, s. unten); anfangs hätten 
falls nur in der Ungunst der Überlieferung, und 40 beide gemeinsam geherrscht (ätiologische Deu- 
es ist nicht unwahrscheinlich, dafs die feste tung des Zusammenhanges von Laurentum und 
Verbindung des Latinus mit Aeneas zum ersten Lavinium, vgl. Cauer S. 111), nach dem Ableben 
Male von Timaeus in die Litteratur eingeführt des Latinus Aeneas allein, 
ist, um so weniger, da er ja in Lavinium eine Die älteste Form der römischen Über- 
troische Gründung sieht (Dion. a.a.O.). Dabei lieferung, in deren Resten noch ein genaue- 
bleibt die Möglichkeit offen, dafs er die neue rer Zusammenhang der Ereignisse nach des 
Kombination bereits fertig von den Laviniern Aeneas Landung erkennbar ist, geben Catos Ori- 
übernommen hat. Die ursprünglich römische gines in den bei Servius erhaltenen Fragmenten. 
Sage, die von den Zwillingen Romulus und Den allgemeinen Umrissen der Sage entnehmen 
Remus ihren Ausgang nimmt, kennt keine 50 wir, soweit sie sich auf Latinus bezieht, etwa 
Beziehung zu Latinus. Ebensowenig fand er folgendes: Die erste Begegnung mit den ein- 
eine Stätte in der älteren römischen Poesie, wandernden Troern war eine freundliche. La- 
soweit die spärlichen Fragmente darüber ur- tinus, König der Aboriginer (Serv. ad Aen. 1, 6 
teilen lassen. Wollte man auch mit VaKkn = Jordan, Frg. Cat. orig. 1, 5*= Peter, Hist. 
die einzig hierher gehörige Stelle des Naevius Born. rell. Cat. orig. 1,5), räumt den Fremd- 
(Lib. 2 frg. 1) iamque eius mentem fortuna lingen eine Strecke Landes ein, inter Lauren- 
fecerat quietam auf die Zufriedenheit des Ae- tum et castra Troiana (Serv. ad Aen. 1, 5 ; 7, 158) 
neas über glücklich beendete Kämpfe mit den gelegen, im Umfange von 2700 iugera (Serv. 
Einwohnern des Landes deuten, so wäre für ad Aen. 11, 316 frg. 8 Jordan; frg. 8 Peter; 
die Persönlichkeit des Latinus damit nichts 60 IIDCC die rein servianische Handschriftengruppe, 
gewonnen. Nach Ennius besteht der Name DCC Daniel; 500 iugera nach Cassius Hemina, 
der Latiner schon vor der Ankunft des Aeneas-, s.oben, 40*Stadien ins Geviert bei Bion. 1, 59; 
dieser begiebt sich nach seiner Landung am 400 Stadien nennt Appian im Auszuge des 
Laurentischen Gestade (frg. 21 — 23 VaMen) Photius, Beg. 1, 1; Erklärungsversuche der ver- 
zum Könige von Alba (frg. 31). Der Sagen- derbten Zahl bei Jordan, 'Proleg. Cat. p. 28ff. 
kreis aber, dem Latinus angehört, hat Lavi- Bubino, Beitr. s. Vorgesch. Ital. S. 158 ff.); er 
nium zum Mittelpunkte. Ein Bericht, der von willigt in die Vermählung seiner Tochter La- 
dern Zusammenhange des Latinus mit der vinia mit Aeneas (Serv. ad Aen. 6,760. Mythogr, 



1907 Latinus (b. Dionys. Hai.) Latinus (b. Dionys. Hai.) 1908 

Vaiic. fab. 202 bei Mai, Glass. auet. 3 p. 70 kündet ihm, er werde zu seinem eigenen Vor- 
frg. 9 Jordan; frg. 5 Peter: Aeneas utCato dicit, teil handeln, wenn er die Griechen in sein 
simulac venu in Italiam, Laviniam aceepit uxo- Land aufnehme. Da auch Aeneas von seinen 
rem; die folgenden Worte propfer. quod Turnus vaterländischen Götlern vor einem Kampfe ge- 
iratus tarn in Latinum quam in Aeneam bella warnt wird (vgl. Yarro bei Serv. ad Aen. 3,146), 
suscepit . . . sind ein Zusatz des Servius oder so kommt es am nächsten Tage zu- Verband: 
eines Abschreibers, vgl. Cauer a. a. 0. S. 115 lungen, deren Ergebnis ein feierliches Bündnis 
A. 26). Da die Trojaner aber latinisches Ge- der beiden Völker unter folgenden Bedingungen 
biet plündern, so ist der 'Vertrag gebrochen, ist: die Aboriginer überlassen den Troern das 
und Latinus verbündet sieh .mit dem Rutuler- io die neue.Gründung umschliefsende Land, etwa 
forsten Turnus. In einer Schlacht bei Lauro- 40 Stadien ins Geviert (über andere Angaben 
lavinium werden beide geschlagen. Die Stadt vgl. oben den Bericht des Cato), die Troer 
selbst wird erstürmt und Latinus fällt auf dem verpflichten sich, ihren Bundesgenossen im 
Burghügel (Serv. ad Aen. 1,267; 4,620; 9,745 Kampfe gegen die Rutuler beizustehen. Beide 
frg. 10. 11 Jordan; fr. 9. 10 Peter), hier war Völker stellen Geiseln. Mit troischer Hülfe 
nach PreUers Vermutung (B. M. 1 S. 328 A. 1) werden die Rutuler unterworfen. * Aeneas 
sein Grab zu sehen Die Herrschaft über die vollendet den Bau der neuen Stadt und giebt 
Aboriginer geht an Aeneas über; die Einwohner ihr den Namen Lavinium, des Latinus Tochjer 
des Landes und die Troer verschmelzen zu einem Lavinia (Aavva) zu Ehren (vgl. Yarro l.l. 5, 
Volke, das nach dem gefallenen Könige den 20 144. Isid. orig. 15, 1, 52. Juba bei Steph. Byz. 
Namen Latiner führt (Serv. ad Aen. 1, 6 frg. 5 s.v. Aaßivi'ov), «äs 'Pcoitftfot leyovei fügt Dionys 
Jordan; frg. 5 Peter). Vertrag und Kampf sind hinzu im Gegensatz zu abweichenden Berichten 
übereinstimmend mit den Notizen bei Fabius einiger griechischen Mythographen (1, 57 — 
Pictor (?) und Oassius Hemina. Über Gatos 59). Die Heirat mit Lavinia besiegelt den 
Benutzung und Ausgleichung verschiedener sich neuen Bund und führt zu vollständiger Ver- 
widersprechender Nächrichten s. Cauer S. 117 ff. Schmelzung der Troer und Aboriginer (von 
Catos Darstellung bildet einen Abschlufs in Dionys willkürlich vor den Tod des Latinus 
der älteren Entwickelüng der Sage. Mit dem gesetzt), die sich von nun an mit gemeinsamem 
Schwinden des politischen Interesses an dem Namennach dem Könige Latinus Latiner nennen 
troischen Ursprünge Roms (Nissen, Zur Kritik 30 (c 60; vgl. Strabon-5, 229. Juba bei Steph.Bys. 
der ■ Aeneassage, Jatyrbüch. f. Philol. 1865 S. 387) s. v. 'Aßapiyivtg) , andererseits aber wird die 
macht siflh auch in der Litteratur eine fluch- Vermählung wieder Anlafs zu neuem Kämpfen, 
tigere Behandlung des einschlägigen Stoffes Turnus (Tvqqjjvös), ein Vetter von des Königs 
bemerkbar. Die Erinnerung an die mythische Gattin Am ata ('Ap,tza), kein Rutuler, wie Zo* 
Vergangenheit findet zwar weitere Pflege in naras (s. unten) ausdrücklich hervorhebt, fühlt 
den adligen Privatkreisen Roms und den Lokal- sich beleidigt, dafs die zuvor ihm zugesicherte 
kulten der einzelnen Gemeinden (CWer S.142ff.), Braut einem Fremdling gegeben sei (ßzi «ab- 
gewinnt aber für das öffentliche Leben erst mit elftav to avyysvss ö&vetoig enrjäevee , klar 
dem Hervortreten des Julischen Geschlechtes ausgesprochen bei Zonaras) und greift, auf- 
wieder allgemeinere Bedeutung. Aus dieser 40 gestachelt von*Amata, im Bunde mit den Ru- 
Zeit besitzen wir denn auch die beiden ausführ- tulern zu den Waffen gegen Latinus und dessen 
lichsten Beatbeitungen der Sage durch Dionys neuen Eidam. Sein Heer wird in einer schweren 
und Vergil. Die Erzählung des ersteren, Schlacht geschlagen, er selbst fällt, aber auch 
hauptsächlich auf Kastor und Varro beruhend Latinus findet in dem Kampfe seinen Tod, und 
(Gauer S. I54ff.), fafst abschliefsend all die zwar 3 Jahre nach der Zerstörung Troias 
Umwandlungen zusammen, welche die durch (c. 63. 64; vgl. c. 43. 44). Als Gatte der La- 
Gato geschaffene Gestalt der Sage in der spä- vinia übernimmt Aeneas die .Gesamtherrschaft 
teren republikanischen Zeit durch griechische (vgl. Diod. bei JEuseb. Chron. 1, 46, 1 p. 213 
Geschichtsschreiber und Mythographen, durch = Sync. p. 366. Aug. c. d. 18, 19). Die Grund- 
die römische Annalistik und antiquarische For- so züge dieser. Darstellung^ finden sich in kürzerer 
schung erlitten hat: Im zweiten Jahre nach Fassung mit geringfügigen Abweichungen* bei 
der Zerstörung Troias (c. 63; Cassius Hemina Livius (1, 1, 6ff.), Justin (43, 1, 10ff.), Gassius 
bei Solin. 2, 14) landet Aeneas an der Küste Dio (aus Diodor; frg. 4, 7 = Tzetz. zu Lylcophr. 
Latiums und »beginnt sofort den Bau einer 1232. Zonar. 7, 1 p. 313a.b) und' Appian (im 
Stadt an der ihm vom Orakel bezeichneten Auszuge des PhoUus, Beg. 1, 1 und eines un- 
Stelle (über die verschiedenen Angaben der genannten Byzantiners /»Vi, 1. 2). ' Bei Dio 
Landungsstelle vgl. Sclmegler 1 S. 291-ff.). Der schliefst Latinus den Bund mit Aeneas eist 
König des Landes, Latinus, damals gerade in nach einer Niederlage, Livius kennt beide 
einem Kriege mit* den Rutulern Gegriffen, eilt Überlieferungen; während er nur den Tod des 
auf die Kunde von der neuen Ansiedlung so- 60 Latinus erwähnt, faHen bei Dio Latinus und 
gleich mit einem starken Heere herbei, um Turnus im Zweikampf. Bei Justin wird Lavi- 
den Weiterbau derselben zu verhifidern. Der nium erst nach des Latinus Tode gegründet. 
Anblick der feindlichen .Schar, die nach Von einer Flüchtigkeit Appians rührt es her, 
Griechenart bewaffnet und aufgestellt, uner- wenn der Ausdruck Latiner nur auf die Abori-. 
schrocken dem Kampfe entgegensieht, bestimmt giner Anwendung findet und_ wenn Latinus 
ihn jedoch, den Angriff bis zum nächsten Morgen (Beg. 1 fr. 1, 1) eines "natürlichen Todes zu 
zu verschieben. Noch in derselben Nacht er- sterben scheint; irrtümlich steht bei Photius, 
scheint* ihm ein einheimischer Gott und ver- App. Beg. 1 Faunus statt Latinus (vgl. Cauer 






V 

> 












1909 Latinus (b. Dionys. Hai.) 

S. 137). Gegen die ältereSage zeigt diese Dar- 
stellung folgende Unterschiede : 1) Aeneas grün- 
det Lavinium nicht auf Grnnd eines Vertrages 
mit Latinus, sondern sogleich nach der Landung. 
— 2) Nicht die Plünderung latinischen Gebietes, 
sondern der Bau Laviniums giebt Anlafs zum 
ersten Züsammenstofs. — 3) Die Kämpfe des La- 
tinus sowie der verbündeten Aboriginer und 
Troer gegen die Rutuler vor der Vollendung 
Laviniums kommen neu hinzu. — 4) Turnus er- 
scheint nicht mehr als Rutuler. — 5) Latinus 
steht nicht auf Seiten der Rutuler, sondern 
der Troer. — 6) In derselben Schlacht wie La- 
tinus fällt auch Turnus. — In der Genealogie 
macht sich, hervorgerufen durch die antiqua- 
rische Forschung, der Einflufs latinischer Sagen 
geltend. Das Elternpaar Odysseus und Kirke 
verschwindet, an ihre Stelle tritt der latinische 
Faunus und eine einheimische Göttin (Dion. 
1, 43. 44. Vergil. Aen. 7, 47. C. I. L. 1 , 175. 
Ovid. metam. 14, 449. Serv. ad Aen. 10, 76. 
Aug. c. d. 18, 16. Zonar. 7, 1 p. 313 a), es bildet 
sich eine laurentische Königsreihe, die mit 
Latinus abschliefst (Arnob. 2, 71. Lactant. inst, 
1, 22, 9; vgl. über die anderen Herrscher 
Schwegler a. a. 0. S. 214ff.). Die Genealogie- 
bildung selbst verrät Abhängigkeit von den 
Griechen; die Verbindung aber mit nationalen 
Gottheiten erweist ihren italischen Ursprung. 
Es sei hier sogleich hinzugefügt, dafs in der 
späteren griechischen Tradition dem Faunus 
wieder ein Konkurrent in Hercules erwächst 
(Teets. zu Lykophr. 1254. Sync. p. 365), doch 
läfst das neue Gewand der Fabel die ursprüng- 
lich nationale Färbung, die Beziehung auf Fau- 
nus, deutlich hindurchschimmern: Latinus ist 
das Kind einer hyperboreischen Jungfrau, die 
Hercules von ihrem Vater als Geisel empfangen 
und mit sich nach Italien geführt hat; im Be- 
griff nach Argos zurückzukehren, läfst er sie 
schwanger dem Könige der Aboriginer Faunus 
als Gattin zurück (Dion. 1, 43). Den Namen 
dieser Jungfrau, Palanto, erfahren wir von 
Festus (p. 220 s. v. Palatium; vgl. Solin. 1, 15); 
Gattin des Latinus heifst sie bei Varro (l. I. 
5, 53). Herakles zeugt den Latinus mit der 
Gattin des Faunus (Cassius Dio frg. 4, 3 Din- 
dorf = Tzttz. zu Lykophr. 1232), mit der 
Tochter des Faunus ( Just. .43, 1, 9). Mit Recht 
sieht Preller (Rom. Myth. 2 S. 283 A. 1) unter 
den wechselnden Bezeichnungen der Mutter ein 
und dieselbe Person, die dem Faunus zuge- 
hörige italische Göttin Fauna. Wie Odysseus 
dem Telemach(s. oben), weicht Hercules seinem 
Sohne Telephos (Matal. Ghron. 6 p. 162, 4 Din- 
dorf); schliefslich wird Latinus mit Telephos 
identificiert, da beide als Söhne des Hercules 
gelten (Suid. s. v. Aativoi). 

Unter Benutzung der vorhandenen Litteratur 
und im Anschlufs an das griechische Epos hat 
Vergil in seiner Aeneis der Fabel eine neue, 
eigenartige Gestalt gegeben, geleitet durch die 
Rücksichten, die die Schöpf trog eines Kunst- 
werkes und die Tendenz der Dichtung ihm 
auferlegten (Gauer S. 168 ff.). Als" Aeneas im 
7. Jahre Beiner Irrfahrten an der Tibermündung 
anlangt, herrscht in Frieden über das Land 
König Latinus, der Sohn des Faunus und der 



Latinus (b. Vergil) 



1910 



Laurentischen Nymphe Marica. Sein Sitz ist 
die mit Ahnenbildern und Trophäen reich ge- 
schmückte Burg von Laurentum. Einen männ- 
lichen Sprofs hatte ihm das Geschick nicht 
gegeben, nur eine Tochter, Lavinia, damals 
zur herrlichen Jungfrau herangeblüht. Viele 
Freier werben um ihre Hand; des Königs 
Gattin, Amata, begünstigt den Rutulerfürsten 
Turnus. Durch schlimme Vorzeichen geschreckt 

10 fragt Latinus das Orakel seines Vaters Faunus 
(vgl. Ovid. fast. 4, 644 ff.) um Rat und erhält 
den Bescheid, er solle die Tochter einem Fremd- 
linge vermählen, aus dieser Verbindung werde 
ein ruhmreiches Geschlecht hervorgehen. Als 
daher eine Gesandtschaft der Troer ankommt 
mit der Bitte um einen Sitz für ihre heimat- 
lichen Götter, wird ihnen nicht nur diese Bitte 
gewährt, sondern Latinus bietet selbst mit 
Berufung auf den erwähnten Orakelspruch seine 

go Tochter dem Aeneas als Gattin an und entläfst 
die Boten mit reichen Geschenken. Ehe indes 
der neue Bund durch feierliche Eide bekräftigt 
werden kann, kommt es gelegentlich einer Jagd 
durch einen unglücklichen Zufall zum Kampfe 
zwischen den Begleitern des Ascanius und la- 
tinischen Hirten; die Getöteten werden zur 
Königsburg getragen; die Königin und die 
Bevölkerung fordern den Krieg gegen die 
Fremdlinge; Turnus der Rutulerfürst(7,783ff.), 

so der sich durch die Bevorzugung des Phrygiers 
als Bräutigam zurückgesetzt fühlt, und andere 
drängen gleichfalls zum Kampfe. Latinus zieht 
sich vor dem Tumult in das Innere des Palastes 
zurück und weigert sich standhaft seinen neuen 
Gastfreunden den Krieg zu erklären. Iuno selbst 
öffnet die Pforten des Ianustempels , und die 
Latiner rüsten sich, um an der Seite des Tur- 
nus und seiner Verbündeten gegen die Ein- 
dringlinge zu streiten (Buch 7). Dem nun be- 

40 ginnenden Kampfe hält sich Latinus fern; 
nicht er, sondern Turnus ruft durch das Auf- 
stecken der Fahne auf der Burg von Laurentum 
die Latiner zu den Waffen. Als die blutigen 
Kämpfe (Buch 9. 10) entmutigend auf die La- 
tiner wirken, und als die an Diomedes um 
Hülfe abgesandten Boten (8, 9 — 17) unverrich- 
teter Sache zurückkehren, da hält Latinus 
weiteren Streit für einen Frevel gegen die 
göttliche Vorsehung; er beruft eine Versamm- 

50 lung der Ersten des Staates und rät zum 
friedlichen Vergleich mit den Troern. Turnus 
aber besteht auf der Fortsetzung des Krieges 
(11, 225 ff.). Als jedoch in einer zweiten 
Schlacht (11, 597 ff.) das Glück abermals zu 
Gunsten der Troer sich entscheidet, da er- 
bietet sich Turnus um den Besitz der Lavinia 
zum Zweikampf mit dem feindlichen Führer, 
trotz der Abmahnungen des Latinus und seiner 
Gattin (12. lff.). Im Angesicht beider Heere 

60 schliefsen Latinus und Aeneas einen feierlichen 
Vertrag. Siegt der Troerheld, so will Latinus 
ihm das erbetene Land abtreten (vgl. 11, 816), 
beide Völker sollen durch einen ewigen Bund 
in der Weise vereinigt sein, dafs dem Latinus 
der Oberbefehl im Kriege und die richterliche 
Gewalt, dem Aeneas die Ausübung der sakralen 
Funktionen überlassen wird; durch die Ver- 
mählung des Aeneas mit der Tochter des 



1911 Latinus (bei Vergil) Latinus (Eponymos d. Latiner) 1912 

Königs, die der neu zu gründenden Stadt den lisohen Göttern Ianus, Saturnus und Faunus, 
Namen giebt, soll der Bestand des Bundes die der fromme Glaube zu milden und ge- 
verbürgt werden. Unterliegt Aeneas, so sollen rechten Königen der Vorzeit machte. Wie 
die Troer nach Pallanteum zurückkehren. Kaum konnte er sonst seine ursprüngliche Benennung 
sind die Eide gesprochen, da beginnen Vertrags- verändern, während jene auch als irdische 
brüchig die Rutuler den Kampf. In dem all- Herrscher ihre Götternamen behielten. Seine 
gemeinen Tumult entflieht Latinus zur Stadt. Existenz verdankt er, wie die meisten Eponyme 
Anfangs unglücklich kämpfend, drängen die italischer Städte,' griechischem Einflufs, wahr- 
Troer bald vor und bestürmen Laurentum; scheinlich den Cumäern, den südlichen Nach- 
die erschreckten Bürger ziehen den König auf 10 barn der Latiner. Durch ihre Vermittelung 
die Mauer, um ihn zu einer Erneuerung des gelangt er zu den Osthellenen, wobei die 
Bündnisses zu veranlassen; hier erreicht ihn Kunde von dem Volksstamme, von dessen 
die Kunde von dem Selbstmorde seiner ver- Namen 8r abgeleitet war, bei dem Vorwiegen 
zweifelten Gattin. Von hier sieht er dem des mythographischen Interesses vor dem 
Entscheidungskampfe zwischen Aeneas und ethnographischen verloren geht. Die älteren 
Turnus zu (Buch 12). Die folgenden Ereignisse Nachrichten griechischen Ursprungs sind frei 
sind mehrfach angedeutet: Der Bund der beiden von sakralen Beziehungen irgend welcher Art. 
Völker mit dem gemeinsamen Namen der La- Indem sie Latinus zum Könige der Tyrsener 
tiner (1,6; 12,837; anders 8, 322; 12,823), und zum Gründer oder Ahnherrn Roms machen, 
die Vermählung der Lavinia (6, 764; 7, 256; 20 spiegeln sie nur die geschichtlichen Verhält- 
12, 937), Laviniums Gründung (1, 258. 270; nisse der Zeit, aus der sie stammen, wieder: 
12,194). Vergil folgt im wesentlichen der die Ausdehnung der etruskischen Macht und die 
Darstellung Catos, das Verhalten des Latinus für die griechische Welt steigende Bedeutung 
wird von beiden in gleicherweise geschildert; Roms. Für die Latiner selbst war ihr Heros 
wenn Vergil ihn den Kampf überleben läfst, ein farbloser Begriff; er gewinnt individuelles 
so ist er dabei durch künstlerische Rück- Leben erst in der römischen Litteratur durch 
sichten geleitet, insofern die Erfüllung der seine Verbindung mit der Aeneassage. 
Vertragsbestimmungen aus dem Rahmen seiner Von dem Bestehen einer einheimischen Latinus- 
Dichtung herausfällt. Nach Vergil hat die legende in früherer Zeit besitzen wir jeden- 
Aeneasfabel, _soweit sie auf Latinus sich be- so falls keine überzeugenden Beweise; infolge des 
zieht, keine Änderungen mehr erfahren, vgl. römischen Übergewichts fehlt zu ihrer Ent- 
den letzten zusammenhängenden Bericht der faltung auch der Hintergrund eines macht- 
Origo gentis Bomanae c. 12 — 14, in der Haupt- vollen latinischen Bundes. Die Angaben des 
sache einer Kompilation ans den Vergilkommen- Servius ad Aen. 1,2; 6, 84. 7, 659. 678 (s. oben) 
taren (Jordan, Herrn. 3 (1868) S. 410ff. Cauer weisen eher auf griechischen Ursprung. In der 
S. 147ff.). einheimischen Überlieferung erscheint Latinus 
Wie die Tradition, abgesehen von Hesiod, bereits an eine bestimmte Lokalität gebunden, 
übereinstimmend berichtet, ist Latinus König an die Städtezweiheit Lavinium - Laurentum. 
der Aboriginer. Nachdem er in den durch die Diese besondere Beziehung erklärt sich aus 
Ankunft der Troer hervorgerufenen Kämpfen 40 der bei Beginn der Litteratur bestehenden Kult- 
gefallen ist, übernimmt Aeneas die Gesamtherr- gemeinschaft Roms mit jenen Orten (Schwegler 
schaft und benennt das vereinigte Volk nach S. 317 ff. Marquardt, Hörn. Staatsaltert. 3 S. 252. 
dem Namen des gefallenen Königs Latiner. 477. Cauer S. 130ff), die den Anlafs gab La- 
Die Entstehung des Volkes wird also an den vinium als die Metropole ganz Latiums zu be- 
Stifter der Vereinigung, Aeneas, geknüpft; den trachten. Der Vorstellung eines allgemeinen 
Namen erhält der neue Bund von dem ein- latinischen Stammheros, die man aus dem 
heimischen Könige (Cato b. Serv. ad Aen. 1, 6 Namen gewonnen hatte, war also Rechnung 
frg. 5 Jordan; frg. 5 Peter. Varro l.l. 5, 32. getragen, wenn Latinus zum Könige der lati- 
Liv. 1, 2, 4. Vergil Aen. 1, 6; 12, 837. Dion. nischen Mutterstadt wurde, bezw. Laurentums, 
1, 9. 45. 60; 2, 2. Strdb. 5 p. 229. Juba bei 50 dem die Verwaltung der Lavinischen sacra 
Steph. Byz. s. v. 'AßoQiyive g. Appian. Beg. 1 oblag. Da der Vestakult zu Lavinium in hohem 
fr. 1, 1. Oassius Bio frg. 4, 3 = Tzetz. zu Ansehen stand {Serv. ad Aen. 2, 296; 3, 12. 
Lylc. 1232. Hygin. fab. 127. Sync. p. 365. Serv. Macrob. Sat. 3, 4, 12), so hiefs des Königs 
ad Aen. 8, 322. Isid. orig. 9, 2, 84. Tzetz. zu Lylc. Gattin Amata, ein Name, mit dem jede Vestalin 
1254; vgl. Oassius Semina bei Solin. 2, 14. in der Pontifikalsprache bei der Captio genannt 
Just. 43, 1, 11. Aug. c. d. 18, 19; andere Etymo- wurde (Gell. 1, 12, 14. 19). Wenn wir der An- 
logieen bei Schwegler 1 S. 197 ff.). Selbst- gäbe des Servius (ad Aen. 11, 603), die aller- 
verständlich ergiebt sich das wahre Verhältnis dings nur durch die DamWsche Handschriften- 
von Latinus und Latinern , wenn man die Er- gruppe überliefert wird, Glauben schenken, so 
Zählung der Alten umkehrt, d. h. der König 60 war des Latinus Verbindung mit Amata bereits 
des Landes ist von dem betreffenden Volks- dem Fabius Victor bekannt; sie sieht indes 
namen abgeleitet. Latinus ist der Heros epo- eher aus wie ein Produkt der antiquarischen 
nymos des latinischen Stammes in dem- Forschung. Nach der Tradition haben wir 
selben Sinne, wie Romulus der mythische Ahn- kein Recht zu der Annahme, dafs Latinus als 
herr Roms, und ist ebensowenig der mensch- einheimischer Bundesheros von Aeneas in den 
gewordene Iuppiter Latiaris oder Indiges, wie Schatten gedrängt wurde; im Gegenteil, der 
Romulus der menschgewordene Quirinus. Er Glanz, der den Ahnherrn Roms umstrahlte, 
steht also nicht auf einer Stufe mit den ita- gab auch ihm eine hellere Beleuchtung. Die 



p 



äV 1913 Latinus (in der Kunst) Latinus öd der Kunst) 1914 

t 1 " Apotheose des Aeneas geht zeitlich voran. weißt, da wir das Charakteristikum des greisen 

Cato (b. Serv. ad Aen. 4, 620; 9, 745) berichtet Königs, den Bart, vermissen;, es ist wahrsehein- 

§ [ nur von dem Verschwinden des troischen Helden, lieh Turnus (Robert a. a. 0. p. 255. Cauer S. 139). 

fj während er den Latinus auf der Burg von La- Die Anfangsscenen der Westseite sind verloren- 
vinium fallen läfst. Die Betonung der troischen gegangen ; die erhaltenen Bilder beginnen mit 
Herkunft, auf die man damals aus politischen der Erbauung von Lavinium. Es hatten also 
Rücksichten Wert legte, macht die Bevorzugung die verlorenen die der Gründung vorausgehen- 
des Aeneas verständlich. Spätere Schriftsteller den Ereignisse zum Gegenstande, die Ankunft 
bezeichnen uns als den Ort, wo er der Erde des Aeneas an der latinischen Küste oder seine 
entrückt wurde, das Ufer des Numieius in der 10 erste Begegnung mit Latinus und seine Ver- 

INähe eines alten Iuppiterheiligtums, und legen mähluDg mit Lavinia (Robert p. 267 ff.). So 

■> ihm den Kultnamen des dort verehrten Gottes, fehlt uns durch die Ungunst des Geschickes 

Indiges, bei (vgl. Bd. 1 Sp. 179; Bd. 2 Sp. 133), gerade der Teil der Gemälde, in dem Latinus 

■*j- ohne dafs natürlich der Kult selbst dadurch voraussichtlich am ehesten zu finden war. 

I beeinflufst wurde. Von der Entrückung und Von besonderem Interesse sind die Dar- 

» Vergötterung des Latinus besitzen wir nur Stellungen auf einer praenestinischen Cista, die 

zwei Zeugnisse, Fest. p. 194 Latinus rex qui ihrer Technik nach in das 6. Jahrhundert der 

f- proelio quod ei fuit adversus Mezentium Caeri- Stadt, etwa in die Zeit des hannibalischen 

* tum regem, nusquam apparuerit iudicatusque Krieges oder doch nicht viel später gesetzt 
\ sit luppiter factus Latiaris. Schal. Hob. Cie. so werden mufs (Brunn, Ann. d. inst. 36 (1864) 
!; pro Plane. 9, 23 p. 256 post obitum.Latini regis S. 356ff. mon. 8 t. 7. 8). Während auf dem um 

,, et Aeneae quod nusquam comparuerunt .... die Hälfte verkürzten Körper der Cista eine 
Offenbar diente die Apotheose des Aeneas Reihe wechselnder Kampfesbilder sichtbar 
zum Vorbild, als man dem Latinus die gleiche werden, zeigt der vollständig erhaltene Deckel 
Ehre erweisen wollte. Da die Gleichsetzung den dem Kampfe folgenden Friedensschlufs. 
des ersteren mit luppiter Indiges bereits voll- Die unten streitenden Helden , von denen der 
zogen war, so mufste man sich anders zu helfen eine soeben den Todesstofs empfängt, tragen 
suchen. Ein Ausweg bot sich leicht. Es gab dieselbe Rüstung, wie oben der Sieger und der 
in Latium noch einen zweiten hochangesehenen Besiegte. Die Zusammengehörigkeit beider 
Iuppiterkult, den des luppiter Latiaris auf dem 80 Darstellungen steht also aufser Frage. Ver- 
Albanerberge. Die Ähnlichkeit der Namen geblich suchte Brunn in der griechischen 
schien eine Identificierung geradezu heraus- Mythologie nach einem entsprechenden My- 
zufordern. Liefs man nun noch den störenden thos, dagegen bot sich eine ganz ungezwungene 
Schauplatz der Kämpfe um Laurentum weg, Erklärung, wenn man der küntlerischen Kom- 
so waren alle Hindernisse für die Gleich- position eine Schilderung von der Nieder- 
setzung aus dem Wege geräumt. Die Gestalt lassung der Troer in Latium zu Grunde legte, 
des Latinus ist nicht herausgewachsen aus wie sie in der zweiten Hälfte von Vergils 
dem latinischen Volksglauben und nationalen Aeneis gegeben wird. Die Scenen auf dem 
Kulte, sie ist ein künstliches Erzeugnis zertrümmerten Körper der Cista veranschau- 
der Reflexion griechischer und römischer 40 liehen die letzten Kämpfe des Aeneas in La- 
Sagenschreiber und Antiquare. tium. Die Jungfrau zu Rofs auf dem unteren 
In der darstellenden Kunst glaubt man Streifen ist Camilla (Verg. Aen. 7, 803 ff.. 11, 
den Latinus zu erkennen auf einer dem An- 432. 648 ff.). Die symmetrische Anordnung der 
fang der Kaiserzeit angehörigen ara der lares Deckelfiguren zeigt auf der einen Seite einen 
Augüsti im Belvedere. Ein bärtiger beklei- gefallenen Helden, der mit seinen Waffen und 
deter Mann sitzt an einen Baum gelehnt und einem Kranze (auf die Hochzeit deutend) von 
hält eine Rolle in der Hand; ihm gegenüber 2 Kriegern herbeigetragen wird (Turnus), da- 
steht Aeneas, deutlich gekennzeichnet durch neben ein Todesgenius mit der Fackel, auf 
die zu seinen Füfsen liegende Sau mit den der anderen Seite eine in höchster Erregung 
Ferkeln (Mus. Chiaram. 3 1. 19; doch s. andere 50 fortstürzende Frau (Amata), begleitet von einem 
Deutungen Arch. Zeug. 30 (1872) S. 122). schlafenden Genius. In der Mitte des Bildes 
Wandgemälde eines Grabdenkmals auf dem steht ein alter, bärtiger König, einen Kranz 
Esquilin aus der augusteischen Zeit (Brizio, auf dem Haupte, mit einem weiten Mantel 
,' Pitture e sepolcri scoperti sull' Esquilino. Rom bekleidet (Latinus); er fafst mit der Rechten 
.'-.;. 1876 t. 2a. Robert, Ann.d.inst. 50 (1878) S.234ff. die Hand des vor ihm stehenden Siegers im 
r mon. 10 t. 60. Cauera,. a. 0. S.137ff.) behandeln Helmschmuck (Aeneas) und beschwört, auf den 
die mythische Vorgeschichte Roms unabhängig abgelegten Waffen stehend, mit erhobener Linken 
,; von Vergil (Latiner und Rutuler sind Feinde). den Frieden. Von den beiden neben ihm stehen- 
I Unter den erhaltenen Scenen der West- und den Frauen scheint die eine ihm zuzureden 

* Südseite, die von der Gründung Laviniums bis 60 (Sibylle oder Nymphe), während die andere 
> zu der von Alba Longa reichen, suchen wir sich von der fortstürmenden Frau abwendet 
f: die Gestalt des Latinus vergebens. Da nach (Lavinia). Zur Kennzeichnung der Örtlichkeit 
*f der allgemeinen Überlieferung der Historiker dienen ein Silen, ein Flufsgott (Numicins, vgl. 
%i Latinus in der ersten Schlacht gefallen ist, so Verg. Aen. 7, 150. Ovid. metam. 14, 598. Fast. 
x y könnte man ihn in dem Toten vermuten, der 3, 648) und eine Nymphe (Iuturna, die Schwester 
J in der die Südseite beginnenden Scene zu den des Turnus, vgl. Vergil. Aen. 12, 138; dazu 
S Füfsen eines bekränzten Siegers liegt, eine Serv. 885. Ovid. fast. 1, 463). Die Überein- 

Vermutung indes, die sich als hinfällig er- Stimmung der Scenen auf der Gista mit der 



1915 



Latinüs Silvios 



Latva 



1916 



etwa zwei Jahrhunderte jüngeren Bearbeitung 
der Sage durch Vergil sucht Brunn dadurch 
zu erklären, dafs in der ältesten, am besten 
beglaubigten Überlieferung, welcher der Dichter 
gefolgt sei, die auf der Cista hervortretenden 
Eigentümlichkeiten seiner Darstellung bereits 
enthalten waren. Das Ansprechende der Deu- 
tung in archäologischer Beziehung durchaus 
anerkennend, macht Nissen (a. a. 0. S. 378 ff.) 
nach einer Prüfung der überkommenen Nach- 
richten vom historischen Gesichtspunkt aus 
folgendes dagegen geltend: In der Zeit, der 
die Cista angehöre, habe die Aeneasfabel in 
Latium keine Ausbildung und Verbreitung in 
dem Mafse gehabt, dafs sie auf die bildende 
Kunst hätte beeinflussend wirken können, viel- 
mehr sei die Gestalt der Sage, die dem Künstler 
als Vorwurf dienen konnte, erst das Werk 
Varros und Vergils, und werde irrtümlich von 
der augusteischen Zeit auf die des hannibali- 
schen Krieges übertragen. Er läfst dann die 
Wahl, ob man auf der Cista einen abgelegenen 
griechischen Mythos oder eine verschollene 
italische Sage erkennen wolle. Nachdem be- 
reits Heydemann (Arch. Zeug. 30 (1872) S. 122) 
gegen die Echtheit der Zeichnung Zweifel ge- 
äufsert, entschied sich auch Mobert (Ann. d. inst. 
50 (1878) S. 271 A. 1) dafür, dafs man nur mit 
zwei Möglichkeiten rechnen könne, entweder 
sei die Cista jüngeren Datums, oder sie be- 
ziehe sich nicht auf die Aeneassage. Nach 
Gauers gründlichen Forschungen über die Ent- 
wickelung der Aeneassage unterliegt es keinem 
Zweifel mehr, dafs eine mit so viel indivi- 
duellen Zügen ausgestattete Schilderung, wie 
sie die Cista voraussetzt, vor Vergil nicht be- 
standen hat, und dafs demnach der Einspruch 
Nissens gegen Brunns Hypothese durchaus 
gerechtfertigt war. [Aust.] 

Latinas Silvias, in der albanischen Königs- 
reihe (Mommsen, Ohronol. S. 151 ff. Gauer, Die 
röm. Aeneassage von Naevius bis Vergilius, 
N. Jahrb. f. Phil Suppl. Bd. 15 (1887) S. 153 ff. 
159 ff.) von Ascanius an gerechnet der vierte 
König, Sohn des Aeneas Silvius (nach Ovid. 
metam. 14, 611. fast. 4, 41ff. der dritte König, 
Sohn des Postumus Silvius), regiert 50 Jahre 
(51 bei Dion. 1, 71) und ist der Begründer der 
alten latinischen Bundesstädte, von denen bei 
Eusebius (1, 46, 5 p. 215) aus Diodors 7. Buch 
achtzehn, in der Origo gentis Bomanae (c. 17) 
zehn aufgezählt werden (Livius 1, 3, 7. Appian. 
Beg. 1 fr. 1, 2. Biod. b. Sync. p. 194. Cassius 
Bio frg. 4 Bindorf = Tzetz. zu LyTcophr. 1232. 
Zonar. 7, 1. Serv. ad Aen. 6, 767). [Aust.] 

Latis oder Lati? G. I. L. 7, 983 (Altar; 
Kirkbampton in der Grafschaft Cumberland) 
deae Lati Lucius Ursei; vgl. 1348 (S. 310; 
Birdoswald) dae (?) Lati. [R. Peter.] 

Latmos (Aätpos), 1) Auf einem Sarkophage 
des Palazzo Rospigliosi (s. Zoega, Bassir. 2, 206, 
14, 209, 25. Handschriftlicher Apparat zu den 
Bassirilievi 138 d. Matz-Buhn, Antike Bild- 
werke in Born 2 nr. 2727 p. 195f. und die dort 
verzeichnete Litteratur) mit der Darstellung 
des Besuches der Selene bei Endymion sieht 
Zoega a. a. 0. in der auf einem Felsstück 
sitzenden jugendlichen Gestalt, die mit der R. 



ein aufgestütztes Füllhorn hält, mit der L. in 
einen Baum fafst, den Berggott Latmoe. Der- 
selbe ist ebenfalls sitzend dargestellt auf einer 
Graburne, TofaneUi, Bescrizione delle sculture 
e pitture . . dl Campidoglio (1820) p. 91 und 
auf dem Bruchstück eines Sarkophagreliefs, 
langbärtig, langhaarig, den Mantel auf der 
linken Schulter und um die Beine geschlagen 
und in der Linken einen z. T. abgebrochenen 
10 Eichenzweig haltend, (Gonze), Beschreibimg d. 
antik. Skulpturen im K. Museum zu Berlin 
p. 343 nr. 846. — Endymion selbst heifst Aäz- 
[iws Nonn. Bionys. 48, 668; Latmius venator, 
Vol. Flacc. 8, 28. [Siehe auch O. Jahn, Arch. 
Beitr. p. 61—64. Wieseler, Einige Bemerkungen 
über die Barstellung der Berggottheiten in der 
Mass. Kunst, Gott. Nachr. 1876 p. 62 u. Anm. 1 
d. 71. Drexler.l — 2) ein Heros, Hesych. 
F [Höfer.] 

so Lato s. Leto. 

Latobius, einer der zahlreichen Beinamen 
des Mars, der in Noricum heimisch gewesen 
zu sein scheint. Die Widmung einer Inschrift 
aus Seckau, C. I. L. 3, 5320, lautet Marti La- 
tobioHarmogio Tioutati (Bulletin epigr. 1 p. 123); 
vgl. 3, 5321 ; auf zwei anderen, bei S. Paul im 
Thal der Lavant (beim alten Noreia) gefundenen 
heifst es nur Latobio Aug(usto) sac(rum), CLL. 
3, 5097. 5098 (die letztere von einer Vindonia 
so Vera gewidmet pro salute ihrer Töchter). 

[M. Ihm.] 
Latoides n. s. w. s. Leto und Apollon. 
Latomenos (Aazoiinvog), Beiname des Apol- 
lon in Thrakien, Bumont, Inscr. de la Thrace 78. 
Beinach, Gorr. hell. 5, 129 hält das Epitheton 
für ein lokales; vgl. auch Frankfurter, Arch. 
epigr. Mitt. a. Österr. 14 (1891), 154, 36. [Höfer.] 
JLatona s. Leto. 

Latopolites s. Lokalpersonifikationen. 
40 Latoreia (Acermgsia) , Amazone, Eponyme 
eines Bergdorfes bei Ephesos, Athen. 1, 57. 
Eustath. ad II. 11 p. 871, 25. [Klügmann.] 



Latra, auf Dalmatinischen Inschriften ge- 
nannte Göttin, G.'I.L. 3, 2816. 2857—59. Suppl. 
9970. 9971 (= Bullettino Balmato 1885 p. 97; 
1889 p. 177). Unter den Dedikanten ein evo- 
catus Aug. (2816). Die in 2857 Calpurnia Ceuna 
erscheint auch in 2891 und 2892. [M. Ihm.] 

Latramys (Adtgcctivg) , Sohn des Dionysos 
50 und der Aiiadne, auf Naxos erzeugt, Schol. 
Ap. Bh. 3, 997. [Stoll.} 

Latreus, einer der Kentauren (s. d.), auf 
der Hochzeit des Peirithoos von Kaineus er- 
legt, Ov. Met. 12, 463ff. 490ff. [Stoll.] 

Latva (latva), etruskischer Name der Aqäa 
(== Aüäfa?) auf einem Bronzespiegel von Po- 
rano zwischen Orvieto und Bolsena, links neben 
tuntle (viell. tuntre = Twäägetog, s. d.), dem 
von rechts her castur (Käetcog, s. d.) ein ge- 
60 platztes Ei darreicht, während an ihn sich 
wieder pultuce (== Iloivdevnrig, s. d.) «ad turan 
(='A<pQoäitri, s. d.) anschliefsen ; oben erhebt 
sich der Sonnengott auf seinem Wagen mit 
Viergespann; s. Fior., Not. d. Sc. 1876 p. 53 
(nebst Abbildung); Fabr., C. 1. 1. Trz.Spl. 308, 
t. 5 (das angebliche i in latvai ist, wie in pul- 
tucei, nur Einrahmungsstrich); Be. in Bezz. 
Beitr. 2, 168 nr. 69. Vgl. Leda. [Deecke.] 



1917 Laure , Lavis 1918 

Lamce .(Awvqri), Tochter derLakinios (s.d.), Thonschale(über die ganze Gattung vgl. Jordan, 

Gemahlin des Kroton, nach welcher die Stadt Annali dell' Inst. 1884, 6 ff.) etwa aus der Zeit 

Laure im Gebiet von Kroton benannt war,, des 1. punischen Krieges besitzen, welche die 

Tgetz. L. 1006. [Stoll.] * Inschrift Lavernai poeolom (neben der Dar- 

Lanrenteg, Beiname der Nymphae auf einer Stellung eines Amor mit Schale und Blflten- 
in Gonsenheim bei Mainz gefundenen Inschrift zweig) trägt (G. I.L. 1,47). Bei den Dichtern 
(Bonn. Jahrb. 69 p. 118, besser Zangemeister, seit Plautus gilt Bie als- die Schutzgöttin der 
Korresp.-Bl. d. Westd. Zeitschr. 0,1887 p. 189 f. Spitzbuben und Betrüger, Plaut. Aulul. 445: 
Keller, Zeitschr. d. Vereins f. Gesch. u. Altert. ita me bene amet Lavertia; Comic, fr. bi Winter 
in Mains 3, 1887 p. 618 nr. 87»; auch Bonn. 10 = Non. p. 134: ita mihi Laverna in fwtis 
Jahrb. 84 p. 187). Die 4 ersten Zeilen sind celerassit manus; Frivol, fr. 66 Winkr = Fest. 
von Zangemeister richtig ergänzt: [Nyjmphis p. 301: sequimmi me hoc sultis omnes, legiones 
Laurenftibjus pro salitte [imp(eratoris) CJae- Laverniae; Lucü. fr. 389 Baehr. = Non._\>. 134: 
s(aris) M(arci) A(ureli) Sevferi Alejxandri. non semissis facies Musas, si vendis Lavernae; 
Die Inschrift stammt also aus der Zeit des Nov. fr. 105 = Non. p. 483: per deam sanctam 
Severus Alexander '(222—235). In Lauren- Lavernam, quae mei cultrtx guaestuist; Hör. 
tibua ist ein topischer Beinamen der Nymphen <epist. 1, 16, 60 ff.: pulchra Laverna, da mihi 
zu erkennen, ob aber an das italische Lauren- •/ 'allere, da iusto sanctoque videri, no€tem pee- 
tum gedacht werden darf, bleibt doch etwas cutis et fraudibus obice nvibem (die letzten Worte 
zweifelhaft. Nicht unnütz scheint ein Hin- 20 zeigen den Weg, auf dem die Göttin "der Unter- 
weis auf die Laurentes Nymphae bei Verg. weit zur Schätzerin aller lichtscheuen Thätig- 
Aen. 8, 71 Nymphae, Laurentes Nymphae, keit werden konnte, vgl. Acron z. d. St.); vgl. 
genus amnibus unde est (vgl. 7,'47 nympha Arnob. 3, 26. 4, 24. Prudent. c. Symm. 2, 869. 
gentium Laurente Marica). Gefunden wurde Das Wort lavernio = fur(Paul. p. 117: laver- 
die Inschrift bei der Untersuchung der römi- niones fwes' antigui dicebant, quod sub tutela 
sehen Wasserleitung «wischen Zahlbach und deae Lavernae essent, in cuius luco obscuro ab- 
Finthen; die Sandsteinplatta war, wie es düoque solitos furta praedamque inter se luere) 
scheint, in die Quaderverkleidung eines Pfeilers gehört wohl auch der Komödie an, während 
des Aquäduktes eingelassen (Keller a. a. O. Ausonius (Epist. 4, 103 f. : Hie est ille Theon, 
p. 519). [M. Ihm.] so poeta fahus, bonorum mala carminum Laverna) 

Laurentia? = Acca Larentia (s. d.) und den Namen Laverna selbst gleichbedeutend mit 

\g\. Bährens in Jahrb. f. M. Philol. 1886 S. 777 ff. für gebraucht. [WissowaJ 

und Wissowa bei Fcutty-, Bediene.* 1 unter Lavlnla, Tochter des Aboriginerkönigs La- 

Acca. [Koscher.] • - tinus. (des Faunus, App. reg. 1) in Latium, Ge- 

Laus. Das jugendliche Haupt des Gottes mahlin des Aeneas, Mutter des Ascanius oder 

des unteritalischen Grenzflusses (zwischen Silvius. Nach ihr benannte Aeneas die von 

Lukanien and tiruttium) Laus ersoheint ge- ihm gegründete Stadt Lavinium, Liv. 1, 1, 3. 

hörnt auf Mausen der gleichnamigen Stadt, Dion. Hai. A. B. 1, 69. 60. 70 (Aavva). Strab. 

' Cot. of greek coins Brit. Mus., Italy 287, 17; 6, 229. B. Gass. frg. 4, 7. Ael. n. an. 11, 16. 
vgl. Lehnerdt, Arch. Zeit. 48 (1886), Ulf. 40 Verg. Arn. 6, 764. 7, 62ff. 12,194. Ov. Met. 14, 

Anm. 10. [Höfer.] 449. 670. Tzetz. L. 1232 p. 973 Müll. Steph. B. 

Lansus, 1) Sohn des Mezentius, des tuski- v. AaßCviov. Serv.V.Aen. 1,2. 259. 270. 6,760. 

sehen Königs in Caere, schön und tapfer, von 7, 61. 484. Nach Plut. Born. 2 zeugte_ Lavinia 

Aeneas getötet, Verg. Aen. 7, 649. 10, 426. 790 ff. mit Aeneas die Aemilia, die von Mars Mutter 

Von den Latinern im Kampfe gegen seinen des Romulus ward. Nach griechischen Mytho- 

Vater getötet, Dion. Hai. A.B. 1, 65. A. Postum. graphen war Lavinia die Tochter des delischen 

Alb. fr. 1. Müller, Fr. hist. gr. 3 *p. 174. — Priesterkönigs Anios, welche als Seherin dem 

2) Sohn des Numitor, von Amulius getötet, Aeneas nach Italien folgte und an der Stelle 

Ov. Fast. 4, 54. [Stoll.] starb, wo Aeneas die Stadt Lavinium baute, 

"Lararatas? wie es scheint, Name einer 50 Dion. Hai. 1,59. [Vgl. Klausen, Aeneas u.d. Pen. 

Gottheit auf der im Museum zu St. Germain 572ff. 588. 775. Schwegler, Bö'm. G. 1, 287ff. 

befindlichen Inschrift, CLL. 12, 6702 (=5*); S. auch Latinus u. Aineias. Röscher.] [Stoll.] 

Fundort Carros (See-Alpen). [M. Ihm.] Lavinns (-ins), Bruder des Latinus, Königs 

Laverna, altrömische Göttin, die am Aventin der Aboriginer in Latium, nach welchem die 

in der Nähe der danach benannten porta La- Stadt Lavinium benannt war, Serv.V. Aen. 1, 2. 

vernalis einen Altar besafs (Varrodel.l. 6,163), 7, 678. Vgl. Latinus ob. Sp. 1906, 3ff. [Stoll.] 

aufserdem einen Hain (lucus obscurus et ab- Lavis lautet auf der oben s. v. Istor be- 

ditus, Paul. p. 117), den eine nicht ganz un- schriebenen praenestinischen Cista der einer 

verdächtige Angabe (Acro zu Horaz epist. 1, weiblichen Figur beigeschriebene Name. 'Lavis 

16, 60) in die ganz entgegengesetzte Stadt- 60 e la forma piü antica di Lais col digamma 

gegend, an die via Salaria, versetzt. Dafs sie conservato, come lafog per laöq', Corssen 

dem Kreise der Unterweltsgottheiten angehörte (bei B. Schöne in Ann. d. inst. 42 1870 S. 339). 

(vgl. Septim. Seren, frg. 6 Baehr. = Schol. Stat. Wer die hier genannte Lais sei, mufs nnent- 

Theb. 4, 502; inferis manu sinistrfi immolamus . schieden bleiben; Schöne (a. a. 0.) bemerkt, 

pocula; laeva quae vides Lavernae, Palladi dafs dieser Name weder in dem troischen 

sunt deostera\ ist wahrscheinlich, doch wissen Sagenkreise, dem die für uns nicht näher 

wir von ihrem Suite nichts, aufser dafs wir deutbare Darstellung (s. Istor) angehört, noch 

eine ans einem etrurischen Grabe stammende überhaupt in den griechischen Sagen vorkommt. 



1919 



Leades 



Leaneira 



1920 



[Vielleicht Kurzname für Laodameia u. dgl. 
Röscher.] [R. Peter.] 

Leades (Asä3r]g), ein tapferer Thebaner, 
Sohn des Astakos, der in dem Kampf an den 
Mauern von Theben gegen die Sieben den 
Eteoklos erschlug, ApoUod. 3, 6, 8. [Stoll.] 

Leagros (Asay^og), ein Freund des Herakliden 
Temenos, der mit Ergiaios, einem Nachkommen 
des Diömedes, auf Anstiften des Temenos das 
Palladion aus Argos stahL .Als er später mit 
Temenos in Feindschaft kam, ging er mit dem 
Palladion nach Lakedämon, wo die Könige 
dasselbe gern annahmen und in der Nähe des 
Heiligtums der Leukippiden aufstellten. Auf 
Geheifs des delphischen Orakels, einen von 
denen, die das PallaÄion geraubt, zum Wächter 
desselben zu machen, errichteten sie an der* 
Stelle ein Heroon des Odysseus, zumal da dieser 
durch seine Gemahlin. Penelope zu ihrer Stadt 
in naher Beziehung stand, Plut. Qu,. Gr. 48. 

[Stoll.] 
Leaina (Ascuva), 1) Exarr] rccvQog, kviov, 
Isceiva äxovovGcc pccllov vjicckovii,, Porp hyr. 
de_absL3+lli vgl, eb enda 4, 16 itqoBiqynqFnnav 
. . . ^EnävrjV üinov, tuvqov, Xiaivav, xvva. 
— 2) Hund des Aktaion, Hyg. f. 181. [Höfer.] 
Leandros (Aiavägog), ein Jüngling aus Aby- 
dos, verliebte sich bei einem Fest der Aphro- 
dite in dem gegenüberliegenden Sestos in die 
Priesterin der Aphrodite, Hero, und besuchte 
seine Geliebte nächtlich, Indem er den Helles- 
pont durchschwamm, geleitet durch die von 
flero auf ihrem Turm" am Strande aufgestellte 
Leuchte, ccvtog i<av sps'tjjg uvröaroXog avro- 
liäzrj vrivg {Mus. v. 255), idem navigium, na- 
vita, vector (fiv. Her. 17, 148). Oft gelang das 
gefährliche Unternehmen. Einst wagte er sich 
auch in stürmischer Nacht hinaus, aber die 
Lampe der Geliebten war im Sturm erloschen, 
und am anderen Morgen spülten die Wellen 

seinen Leichnam 
an Heros Turm; 
sie stürzte sich 
hinab , um auch 
im Tode mit ihm 
vereinigt zu sein. 
Die Sage mit 
ihrem romanti- 
schen Charakter 
hat erst in der 
späten Litteratur 
häufigere Bearbei- 
tung gefunden, be- 
sonders von Ovid 
in denHeroiden 17 
u. 18, u. Musaios, 
ra xafr' 'Hq<x> aal 
AeavdQov, 343 Verse, ferner Nicet. Eugen., 
Narr. am. 6, 471. Anthol. 5, 231 uod 263; 9, 
215 u. 381. Stat. Theb. 6, 542; vgl. auch Verg. 
Georg. 3, 258. — Sträbon erwähnt den Turm der 
i Hero in Sestos, ohne auf die Sage einzugehen, 13, 
591. Bildliche Darstellungen finden sich auf 
Kaisermünzen von Sestos und von Abydos, so auf 
einer Abydener Kupfermünze mit dem Brustbild 
des Severus, s. Abb. nach Baumeister, Derikm. d. 
kl. Alt. 2 S\ 962. [Vgl. auch das auf Hero und 
Leandros bezogene spätrömische aus Venedig 




Münze der Abydener (nach 

Baumeister, Denkm. S. 962 

Fig. 1155). 



stammende Marmorrelief*) im Besitze des Geh. 
Legationsrates Böhm in, München, publiciert 
in der Zeitschrift des Münchener Altertums- 
Vereins N. F. 5, 1893 (vgl. S. 5 ff,), sowie die 
pompejanischen Wandgemälde: Heibig, Wand- 
gemälde etc. nr. 13 74 f. und Sogliano, Pompei etc. 
nr. 597 f. Eine Marmorfigur des Leandros in 
Rom erwähnt.rMartiaZts epigr. 14, 181; vgl. 
Friedländer z. d. St. Röscher.] [Contorniaten : 

10 J. Sabotier, Descr. gen. des medaillons contom. 
p. 94 f. PI. 14, 12. Cohen, Med. imp. 8 2 p. 297 
nr. 198. Gemmen: Tölken, Erkl. Verz. 2. Kl. 
2. Abth. nr. 161 p. 161. King, Ant. gems and 
rings vol. 2: Greek gems from tlie Mertens- 
Schaaffhausen Coli. PI. 2 nr. 9 p. 78, vgl. Bonn. 
Jahrbb. 20 p. 180. Bull. d. Inst* 1868 p. 158 

■ nr. 23. Über die Sage: Bohde, 'Der griech. 

- Roman p. 133—137. Cl. F. Meyer, Der Mythus 
von Hero und Leander. St. Petersburg 1858. 

20 Drexler.] [Auf Gemmen der Sammlung B. Hertz 
nr. 782 ff. findet sich viermal der schwimmende 
Leandros, Arch. Zeit. 9 (185-1), 102*. Eine 
Münze des Caracalla von Sestos zeigt den 
Leandros mitten in den Wellen, auf einen 
Turm zuschwimmend, auf dem Hero steht, in 
der Rechten eine Lampe haltend, abgebildet 
bei Poole, Cät. of greek coins Brit.'Mus. Thrace 
200, 18; vgl. Head, Hist. num. 225. Eckhel, 
Doctr. num. 2, 51. Auf Kaisermünzen von 

30 Abydos finden sich auch die Namen HPQ und 
A€ANAPOC oder AHANAPOC beigeschrieben; 
über Hero fliegt . der Liebesgott mit einer 
Fackel, Eckhel a. »• O. 2, 479; ein anderes 
Medaillon zeigt aufser Hero und Leandros noch 
einen angelnden Fischer, Eckhel a. a. 0. 8, 288; 
vgl. auch Friedländer, Bepertorium z. antiken 
Numism. 33 und die dort angeführte Littera- 
tur; ferner Friedländer, Arch. Zeit. 31 (1874), 
103. — Nach der Vermutung von L. Ehren- 

40 ihal, Quaestiones Frontonianae, Diss. Königs- 
berg 1881, 51 soll Fronto ein Drama 'Hero 
und Leander' geschrieben haben, vgl. Bursian, 
Jahresber. 16 (1888),- 2, 240. Joh. Klemm, De 
fabulae, quae est de Herus et Leandri amoribus 
fönte et auctore, Diss. Lips. 1889 giebt eine 
Zusammenstellung der litterarischen Quellen 
und führt p. 43 tf. die Sage auf KalUmachos 
zurück. Eine vergleichende Zusammenstellung 
der dichterischen Bearbeitungen der Sage ver- 

50 sucht M . H. Jellinek, Die Sage von Hero und 
Leander in der Dichtung, Berlin 1890, wozu 
man die zahlreiche Nachträge bietende Re- 
cension von C. Müller, Litteraturblatt f. germ. 
u. roman. Philologie 1891 nr. 1 vergleiche. — 
Sprichwörtlich scheint man Leandrici natatus 
gebraucht zu haben; Fulgent. 1 p. 4 Muncker; 
ebenders. 3, 4 p. 108 versucht eine allegorische 
Deutung der Sage zu geben. Über eine früher 
auf Leandros bezogene Gemme s. d. Artikel 

60 Leukothea 1) a. E. Höfer.] [Weizsäcker.] J 
Leaneira (AeävuQa), Tochter des Amyklas, 
Gemahlin des Arkas (s. d.), dem sie den Elatos 
und Apheidas gebar, Apollod. 3, 9, 1. [Stoll.] 

*) Im Hintergrunde erscheint ein von einem Jüng- 
ling oder Knaben am Zügel gehaltenes gesatteltes Hofs, 
dessen Beziehung zu Hero und Ijeandros nicht ganz 
klar ist. Soll es vielleicht das Bofs, des lieandros sein, 
das diesen an den Strand des Meeres getragen hat und 
seine Bückkehr erwartet? Boscher. 



1921 



Learchos 



Leda (Mythen) 



1922 



Learchos (Asagxog; man findet auch hier 
und da Kliagxog; s. d.), Sohn des Athamas und 
der Ino, älterer Bruder des Melikertes, Apollod. 
1, 9, 1. Schol. Ap. Rh, 2, 1144. Tzetz. L. 21 
p. 308. 312 Müll. Hyg. fab. 1. Norm. Dion. 
5, 558. Athamas, durch Hera rasend gemacht, 
verfolgte den Learchos jagend wie einen Hirsch 
und tötete ihn (er hielt ihn für einen jungen 
Löwen und zerschmetterte ihn an einem Felsen, 
Ov. Met. 4, 516), während Ino mit Melikertes 10 
ins Meer sprang, Apollod. 1, 9, 2. 3, 4, 3. Hyg. 
fab. 2. 4 (Inhalt der Ino des Euripides). Paus. 
1, 44, 11. 9, 34, 5. Argum. Pind. Isthm. Schol. 
Od. 5, 334. Tzetz. L. 21 p. 310. Zenob. 4, 38. 
Serv. V. Aen. 5, 241. Et. M. v. 'A&audvriov. 
Nonn. Dion. 9, 243 — 10, 74. Athamas wollte, 
nachdem er der Ino boshafte Bänke gegen 
Phrixos und Helle erfahren, im Zoito sie und 
ihre Kinder töten, und tötete auch wirklich 



und Kenchreai (Legende: LECH CENCH) er- 
scheinen als Nymphen, sich einander mit dem 
einen Arm an der Schulter fassend, während 
sie in der freien Hand jede ein Ruder halten, 
auf einer korinthischen Münze des Kaisers 
Hadrian, Poole, Gat. of greek eoins Brit. Mus. 
Corinth 75, 594 pl. 19, 15. Mead, Hist. num. 
340. Vgl. Lokalpersonifikationen und Ken- 
chreios 2. [Höfer.] 

Lechaios (Asxaiog), Beinamen des Poseidon 
von dem korinthischen Hafen Lechaipn, Kallim. 
4, 271, wo sich sein Tempel und eine eherne 
Bildsäule befand, Paus. 2, 2, 3. [Höfer.] 

Lecheates (Aextäiys) , „Kindbetter", Bei- 
name des Zeus in Aliphera, wo er die Athena 
zur Welt gebracht haben sollte, Paus. 8, 26, 6. 
Immerwahr, Ark. Kult. p. 24. 48. 67. Maaß, 
De Aeschyli Supplicibus p. 38. [Drexler.] 

Leches (Asxtjg), Sohn des Poseidon und der 



den Learchos, Philostephanos b. Schol. II. 7, 86. 20 Peirene, der Tochter des Achelooa; nach ihm 



Welcher, Gr. Trag. 1, 320 f. Nach Schol. Eur. 
Med. 1274 hatte Euripides gedichtet, dafs Ino, 
von Hera rasend gemacht, ihre beiden Kinder 
tötete und dann ins Meer sprang; danach Natal. 
Com. Myth. .8, 4; s. Müller, Fr. hist. gr. 2 
p. 377, 8. Über die Bedeutung des Namens 
Learchos s. Gerhard, Gr. Myth. 2 § 686, 2. 
„Learchos ist wohl nur griechischer Name 
für den phönikischen Melikertes", Preller, Gr. 



und seinem Bruder Kenchrias waren die Hafen- 
städte Korinths Lechaion und Kenchreai be- 
nannt, Paus. 2, 2, 3. Völcker, Japet.-Geschl. 
120. [Stoll.] 

Lecho (Ae%ta), bekannt durch eine Inschrift 
aus Parori {Athen. Mut. 2, 1877 p. 435 nr. 5. 
Roehl, I. G. A. 52. Gauer, Del. 2 3) und eine aus 
Sparta, Ath. MM. 1877 p. 440 nr. 20. — Marx, 
Ath. Mut. 10, 1885 p. 193 Anm. 2 hält die 



Myth. 2, 313, 2. — Welcher, Gr. Tr. 1, 323. 30 Göttin für Eileithyia, Wide, Lak. Kult. p. 201 



2, 615. 624. Preller, Gr. M. 1, 494. Gerhard, 
Gr. M. 688, 2. 701, 2. 703, 1. [G. I. G. 3, 6126 
= Kaibel, Inscr. Graec. Sic. 1285, 2 p. 336. 
G. I. G. 3, 6129 = Kaibel 1292, 1, 4 p. 341. 
Pseudo - Kallisth. 1, 45. Luc. deor. conc. 7. 
Schol. Eur. Phoen. 4. Hygin. fab. 273- Stat. 
Theb. 3, 187. Ov. Fast. 6, 490 f. Mythogr. Dat. 
1, 204 p. 64, .5 Bode. 2, 78 p. 101, 27. 79 
p. 102, 21. Über die Form KlsaQxog statt 



läfst sie dieser wenigstens sehr nahe stehen. 

[Drexler.] 
Leda {Af/äa, ep. Arjdri), Tochter des The- 
stios, Königs in Aitolien, und der Eurythemis, 
Schwester der Althaia u. Hypermnestra, Apollod. 
1, 7, 10. Asios b. Paus. 3, 13, 5. Serv. V. Aen. 
8, 130 (wo Thestios zu sehr, für Thyestes). — 
loann. Antioch. fr. 20 bei Müller, Fr. hist. gr. 4 
p. 549 nennt als Töchter des Thestios, Königs 



AiuQ%og s. Meineke, Anal. Alex. 81 Anm. 1. 40 in Lakonien: Leda, Klytia, Melanippe. Bei 



Höfer.] S. Klearchos. [Stoll.] 

Lebados (AißaSog), ein Athener, der nach 
der Behauptung der Lebadeer in Böotien die 
Einwohner von der Bergstadt Mideia hinab- 
führte in die Ebene, worauf die Stadt Leba- 
deia genannt ward. Man kannte nicht den 
Vater des Lebados noch den Grund, warum 
er nach Lebadeia kam, sondern wufste blofs, 
dafs sein Weib Laodike hiefs, Paus. 9, 39, 1. 



Schol. Eur. Or. 447 ist Dei'aneira, Gemahlin des 
Herakles, eine Schwester der Leda. Die Mutter 
der Leda hiefs nach Schol. Ap. Rh. 1, 146 De'i- 
dameia; Pherekydes nannte sie Laophonte, 
Tochter der Pleuron; Eumelos erzählte, dafs 
Glaukos, 'der Sohn des Sisyphos, seine ver- 
lorenen Pferde suchend, nach Lakedämon ge- 
kommen sei und dort mit Panteidyia, welche 
bald darauf den Thestios heiratete, die Leda 



Müller, Orch. 157. Bursian, Geographie 1, 209. 50 gezeugt habe, die dann für eine Tochter des 



Vgl. Lebeados. [Stoll.] 

Lebeados {AsßsäSog). Eleuther und Lebea- 
dos (Müller, Fr. hist. gr. 4 p. 317 schreibt 
Asßädog), Söhne des Lykaon, beide allein der 
Schandthat an Zeus nicht teilhaftig, flohen 
nach Böotien. Daher hatten die Lebadeer mit 
den Arkadern. Isopolitie; nach Eleutherai aber 
sandten die Arkader diejenigen, welche, ohne 
es zu wissen, das unbetretbare Heiligtum des 



Thestios galt, Schol. Ap. Rh. a. a. 0. — Nach 
der gewöhnlichen Sage vermählte Thestios, 
König in Aitolien, seine Tochter Leda mit 
Tyndareos, der, von Hippokoon aus Lake- 
dämon vertrieben, nach Aitolien geflohen war, 
später aber, nachdem Herakles den Hippokoon 
erschlagen hatte, nach Lakedämon in die Herr- 
schaft zurückkehrte, Apollod. 3, 10, 5. Strab. 
10 , 461. Nach lakonischer Sage' war Tynda- 



ZeLS Lykaios betreten hatten, Plut. Quaest. 60 reos vor Hippokoon nach der lakonischen Stadt 



gr. c. 39. Müller, Orch. 157. Vgl. Lebados. 

[Stoll.] 
Lebes (Aißrjg), ein Mykenäer, Vater des 
Rhakios, welchen Manto in Kleinasien heira- 
tete, Schol. Ap. Rh. 1, 308. Nach Paus. 7, 3, 1 
war Rhakios ein Kreter. [Stoll.] 

Lechaion (/terato»). Die Personifikationen 
der beiden korinthischen Hafenplätze Lechaion 
Kosghkb, Lexikon der gr. u. röm. Mythol. II. 



Pellana geflohen, nach der messenischen nach 
Aphareus in Messenien, Paus. 3, 1, 4. 3, 21, 2. 
„Der Name Thestios (oder Thespios) und das 
Andenken seiner Töchter wird mit besserem 
Rechte für ein altes Erbteil der lakonischen 
Sage als für eine Entlehnung aus der ätolischen 
gelten können", Preller, Gr. Myth. 2, 91, 5. — 
Leda gebar dem Tyndareos Timandra, welehe 

61 



1923 . Leda (Mythen) Leda (Mythen) 1924 

Echemos heiratete, und Klytaimnestra, die Ge- zählte", Preller, Gr. Myth. 2, 92. 1, 439. Vgl. 

mahlin des Agamemnon (vgl. Tzetz. L. 511 Wüllner, De cyclo ep. p. 67 — 78. Henrichsen, 

p. 659 f. Müll, wo Helena, Kastor und Poly- De carminibus Cypriis, Havn. 1828. Ahrens, 

deukes zugefügt sind; Sehol. Eur. Or. 447. Bec. dieser Schrift in Jahns Jahrb. Bd. 13 

Serv. V. Aen. 8, 130: Klytaimnestra, Helena, S. 183 — 202. Welcher, Ep. Cykl. 2, 130ff. und 

Timandra; Eurip. Iph. A, 49ff.: Phoibe, Kly- Bec. v. Henrichsens Buch in Zeitschr. f. Altert. 

taimnestra, Helena) und Philonoe, welche Ar- 1834 nr. 3ff. Engel, Kypros 2, 261 und 1, 612. 

temis unsterblich machte; Zeus aber in der Deimling, Leleger 154. Auch Lehrs, Aufsätze 

Gestalt eines Schwans zeugte mit Leda den S. 57 Anm. [Posnansky, Nemesis u. Adrasteia. 

Polydeukes und Helena, und. infolge der Um- 10 Breslau 1890 S. 7 ff. und dazu Berl. Phüol. 

armung des Tyndareos in derselben Nucht Wochenschr. 1891, 501. Boscher.] Sappho 

gebar Leda den Kastor (und Klytaimnestra?), (fr. 5b Bergk) hatte von dem Ei der Nemesis 

Apollod. 3, 10, 6. 7. Hyg.fab.11. Bei Homer, gesungen, das Leda fand, Athen. 2, 67 d. 

Od. 11, 298ff. sind Kastor und Polydeukes die Eustath. 1686, 49. Et. M. p. 822, 40. Nach 

wirklichen Söhne des Tyndareos, die Tynda- der Komödie Nemesis von Kratinos brütete 

riden; Helena aber (II. 3, 426. Od. 4, 184. 219. Leda das Ei aus, Athen. 9, 373 e. Meineke, 

569) Tochter des Zeus, während sie sich II. 3, Com. Gr. 2, 1, 80 ff. Oder sie gebar es selbst, 

236 ff. als die Schwester derselben bekennt, von Zeus(> dem Schwan, befruchtet, welches 

von derselben Mutter geboren. Klytaimnestra Motiv, soviel wir wissen, sich zuerst bei 
(s. d.) heilst Od. 24, 199 Tochter des Tyndareos. 20 Euripidea findet, Eur. Sei. 17 — 21. 214. 

In nachhomerischer Zeit kam für Kastor und 257. 1144. Or. 1387. Iph. A. 794; vgl. den 

Polydeukes der Name Dioskuren (s. d.) auf und Komiker Eriphos b. Athen. 2, 58 b. Eustath. 

die Vorstellung, dafs beide Söhne des Zeus und 1686 , 44. — Im Heiligtum der Leukippiden 

der Leda seien, Hesiodh. Schol. Pind. .2^.10,1 50 zu Sparta hing ein Ei, das Leda gebaren, 

(wo es heifst, dafs Hesiod die Helena weder an Tänien von der Decke herab, Paus. 3, 16, 

Tochter der Leda noch der Nemesis nenne, 2. Beide Erzählungen von dem Ei der Ne- 

sondern Töchter des Okeanos und der Tethys). mesis und dem der Leda suchte man in ver- 

Hom. Hymn. 17 u. 33 heifsen Kastor und Poly- schiedener Weise, namentlich dadurch aus- 

deukes Tyndariden und Söhne des Zeus und zugleichen, dafs man Leda sich in Nemesis 
der Leda. Vgl. Ap. Bh. 1, 146. Eyg. fab. 14 30 verwandeln liefs, oder dafs man Nemesis und 

p. 4,1 BunU. 155. 224. 251. Tzetz. L. 511 p.660. Leda identifizierte , Schol. Eur. Or. 1371. 

Man unterschied dann weiter zwischen der Laetant. 1, 21, 23. Clem. Bo. Homil. 5, 13; 

unsterblichen Natur des Polydeukes, des Sohnes vgl. Isokrates Hei. 59. Hyg. P. A. 2, 8. Preller, 

des Zeus, und der sterblichen des Kastor, Sohnes Gr. Myth. 2, 93, 3. Neokles von Kroton sagte, 

des Tyndareos: so Stasinos in den Kyprien, dafs das Ei, aus welchem Helena geboren ward, 

Giern. Alex. Protr. p. 26. P. Pind. Nem, 10,80 vom Mond herabgefallen sei, Athen. 2, 57 f. 

(150). Schol. Eur. Or. 453. Schol. Od. 11, 299. Eustath. p. 1686, 42. Helena hiefs auch eine 

JSustath. p. 1686, 23. Schol. Ap. Bh. 1, 146. Tochter des Helios und der Leda, Ptol. Heph. 

Tzetz. L. 88. Ebenso werden Helena, die 4 p. 23. Die spätere Sage liefs auch die Dios- 
Tochter des Zeus, und Klytaimnestra, die 40 knren aus einem Ei gQboren werden (wie Iby- 

Tochter des Tyndareos, einander entgegen- kos die Molioniden, Athen. 2, 58. Eustath. 

gesetzt, Serv. V. Aen. 2, 601. Hyg. f. 240 (wo 1686, 45), so dafs zuletzt alle drei, Kastor, 

Klytaimnestra fälschlich Tochter des Thestios Polydeukes und Helena aus einem Ei, oder 

heifst). Tzetz. L. 88. Schol. Pind. N 10, 150; aus zwei Eiern hervorgehen, Schol. Od. 11, 

doch heifsen sie auch öfter noch Töchter des 298. Tzetz. L. 88. 511 p. 662. Schol. Eur. 

Tyndareos und der Leda, Hyg. fdb. 78. — Or. 453. Schol. Kallim. Dian. 232. Horat. 

Manche sagten, Helena sei Tochter der Nemesis A. P. 147. Serv. V. Aen. 3, 328. Auson. ep. 66. 

(s. d.) und des Zeus. Diese, von der Liebe des Oder Zeus zeugte als Stern mit Leda die 

Zeus verfolgt, habe sich in eine Gans ver- Dioskuren, Helena aber ging später aus dem 
wandelt und sei von Zeus in der Gestalt eines 50 Ei hervor, Tzetz. L. 88. 511 p. 663. Eine en- 

Schwanes überwältigt worden; das nach dieser hemeristische Erklärung der Erzählung von dem 

Umarmung von ihr geborene Ei habe ein Hirte Schwan und dem Ei der Leda bei Tzetz. L. 88. 

gefunden und der Leda übergeben, die es in 508. Ioann. Antioch. fr. 20 b. Müller, Fr. Wsfc 

einer Kiste aufbewahrte und, als nach der be- gr. 4 p. 549. Klearchos bei Athen. 2, 67 e. 

stimmten Zeit Helena aus dem Ei hervorging, Eustath. p. 1686, 40. Leda führte den Bei-. 

diese wie ihre Tochter aufzog, Apollod. 3, 10, 7; namen Mnesinoe, Plut. de Pyth. or. c. 14. 

vgl. Paus. 1, 33, 6. 7. Tzetz. L. 88. Die Dich- Welcher, Zeitschr. f. Altert. 1834 nr. 4 p. 34 

4ung, dafs Nemesis, nicht Leda, die Mutter der Anm. 2. Griech. Götterl. 1, 608, 5. Preller, Gr. 

Helena .war, stammt aus den Kyprien des Myth. 2, 98. Vielleicht hiefs sie so mit Bezug 
Stasinos. (s. das Fragment bei Athen. 8, 334 c, 60 auf die mit ihr vermengte Nemesis. — Der 

wonach Nemesis auf der Flucht vor Zeus sich Name Leda wird gewöhnlich mit Leto zu- 

in mancherlei Tiergestalten verwandelte), und sammengestellt und erklärt als die Nacht, die 

wahrscheinlich erwähnte Stasinos auch das Ei, Mutter von Lichtgöttern , Buttmann, Sehr. d. 

„sei es nun, dafs dem kyprischen Dichter ge- Berl. Akad. 1830 S.244. Schwenck, Andeutungen 

wisse Anschauungen des Kultus der Aphrodite 192. Gerhard, Gr. Myth. 1 § 210, 1. 670, 2. 

vorachweBten, oder dafs ihn die Überlieferungen Deimling, Leleger 167. — Preller 2, 90 möchte 

des attischen Nemesisdienstes zu Rhamnus be- es erklären durch ein in lykischen Inschriften 

stimmten, wo man auch von der Helena er- wiederholt gebrauchtos Wort Lada, d. i. Frau 



1925 



Leda in der Kunst 



Leda in der Kunst 



1926 



oder Weib (Herrin), ein Wort karisch -lelegi- 
schen Sprachstammes. Vgl. Welcher, Gr. Götterl. 
1, 608, 5. Vgl. Latva. [Stoll.] 

Leda in der Kunst. 

Zeus' und Ledas Liebesabenteuer ist in 
zwiefacher Art von den Künstlern aufgefafst 
worden. Die einen wollten den Mythus 
so darstellen, wie ihn Euripides Hei. 
17 ff. überliefert hat, nach welcher Ver- 
sion Zeus zu der Verwandlung und der 
List seine Zuflucht nehmen mufs, um 
bti Leda zum Ziele zu gelangen, wäh- 
rend den anderen der Mythus nur die 
Gelegenheit bot, einen erotisch -pikan- 
ten, dankbaren Stoff für Liebhaber zu 
behandeln. Fast alle Monumente der 
ersten Klasse gehen darum auf ein 
statuarisches Vorbild zurück, welches 
unzweifelhaft eine sakrale Bestimmung 
hatte; die der zweiten zeigen hingegen 
eine reiche Entfaltung der Phantasie 
in Stellungen und Motiven, die meist 
den pikanten Reiz des Stoffes nach 
Kräften auszunutzen trachten. 

Unter den Monumenten der ersten 
Klasse sind zunächst eine Anzahl statua- 
rischer Gruppen zu betrachten, welche 
zuletzt Overbeck, Kunstmythologie, Zeus 
S. 491 ff. 1 — 9 zusammengestellt hat; 
eine kleinere hierhergehörige Replik 
erwähnt noch Milchhöfer, Befreiung des 
Prometheus S. 22. [Vgl. auch Heydemann, 
Antihensamml. Ober- und Mittelitaliens 
S. 52, 1208. Höfer.] Abbildungen in 
gröfserer Zahl vereinigt findet man bei 
Overbeck a. a. 0. Attas Taf. 8. Clarac 
Taf: 410— 411. Das beste Exemplar ist 
unbedingt das des capitolinischen Mu- 
seums, Overbeck, Atlas Taf. 8, 2; vgl. 
Welcher, Neuest. Zuwaehsd. ak. Kunstmus: 
S. l;*Nuova descrizione del Mus. capit. 
S.183; Heibig, Führer d. d. rö'm. Samml. 
nr. 454. Der Schwan hat sich vor dem 
verfolgenden (selbstverständlich nicht 
dargestellten) Adler in Ledas Schofs ge- 
flüchtet. Leda ist von ihrem Felsensitze 
aufgesprungen, den linken Fufs hat sie 
auf einen niedrigen Schemel gesetzt. Den 
Schwan drückt sie mit der gesenkten 
rechten Hand an sich, während sie mit 
der linken einen Zipfel des Peplos schir- 
mend dem Verfolger entgegenhält. Unter 
dem Peplos trägt sie einen feinen dorischen 
Chiton, dessen Spange auf der rechten 
Schulter sich gelöst hat, so dafs die 
Brust auf dieser Seite völlig entblöfst 
ist. Der Ausdruck der Angst in dem 
nach oben (dem Adler zu) gekehrten 
Blicke ist in dem besten Exemplare 
sehr mafsvoll, in einigen anderen wird er 



in einer „böotischen" Terracotte des Berliner 
Museums (Invent. nr. 6861) eine Vorstufe dieser 
Darstellung zu erkennen; nach seiner Be- 
schreibung macht diese Terracotte — die Figur 
tritt mit einem Fufse auf ein ionisches 
Kapital! — jedoch hinsichtlich ihres antiken 
oder gar archaischen Ursprunges einen recht 




1) Ledastatue dos oapitol. Museums. Nach Photographie. 



erheblich gesteigert; ein leiser Anflug von Sinn- 
lichkeit ist nicht zu verkennen. Charakteristisch 
für diese Reihe ist auch, dafs der Schwan in 
natürlichen Gröfsenverhältnissen gehalten ist. 
Das Original dieses Typus gehörte ohne Zweifel 
der attischen Kunst an. Furtwängler, Samml. 
Sabouroffl, Einl. z. d. Vasen S. 9 f. behauptet 



fragwürdigen Eindruck. Heibig a. a. 0. setzt das 
Original ziemlich richtig an das Ende des 
fünften Jahrhunderts. 

Unter den Wiederholungen bietet eine der 
Uffizien (Dütschhe nr. 228. Overbeck a. a. 0. S. 493 
nr. 8. Glarac Taf. 411, 713) eine Besonderheit. 
An der rechten Seite ist ein Delphin sichtbar, 

61* 



1927 



Leda in der Kunst 



Leda in der Kunst 



1928 



der eine Lokalisierung der Scene am Meere 
andeutet. Ebenso sind auf einer andersartigen 
Darstellung dieses Mythus, einem Statuetten- 
fragmente (beschrieben von Heibig, Bull. d. Inst. 
1866 S. 12), Eroten und Delphine angebracht an 
dem Felsen, auf welchem Leda sitzt und den 
ihr entgegenschnäbelnden Schwan streichelt. 

Den Typus der Statuen hewahren im ganzen 
noch ein Relief ans Thessalonike , jetzt im 



in Mantua (Overbeck, Atlas nr. 16. Clarae 410 B. 
1715B) zeigt Leda an ihrem Felsensitze ganz 
nackt; nur den 1. Oberschenkel bedeckt ein 
Gewandzipfel. Vom Schwane ist nur ein Fufs 
auf Ledas r. Oberschenkel sichtbar, doch ge- 
stattet dieser einen sicheren Schlufs auf die Gröfse 
des Tieres. Sehr nahe stehen dieser Gruppe 
— man beachte besonders die Haartracht — 
die Ledafiguren zweier Wandgemälde {Heibig 



Louvre (Overbeck, Atlas Taf. 8, 7. Denkm. d. 10 144, abgebildet bei Zahn, Die schönsten Orna- 

— - • " ' " mente 2 Taf. 20 =» Overbeck, Atlas nr. 8 und das 

von Mau,Bull.d. Inst. 1886 S. 161 beschriebene), 



a. Kunst 2 Taf. 3, 43), und ein pompejanisches 
Wandgemälde (Heibig, Wandgemälde Campa- 
niens nr. 145; abgeb. Museo Borb. 11 Taf. 21; 
vgl. Overbeck S. 498 nr. 17) ; nur fehlt der Chi- 
ton, so dafs Ledas Oberkörper nackt erscheint. 
— Dieselbe Auffassung, aber in anderem Typus, 
zeigt eine Terracottastatuette des Berliner Mu- 
seums, abgeb. bei Jahn, Ber. d. sächs. Ges. 1852 
Taf. 3 und Overbeck, Atlas Taf. 8 nr. 23. Leda 



während die Stellung des Sohwanes erheblich 
verschieden ist. 

Auf ein Vorbild gehen eine Gruppe in 
Venedig (Overbeck, Atlas l'&f. $,11; vgl. O.Jahn, 
Arch. Beitr. S. 6 f.) und mehrere Reliefe und 
Gemmen zurück. Die wichtigsten von diesen 
sind a) Relief, einst bei dem Bildhauer Wolff, 



ist nur mit dem Peplos bekleidet, welcher den 20 abgeb. Overbeck, Atlas laf. 8, 18; b) Relief 
Oberkörper frei läfst. Der r. Arm hebt einen des Berliner Museums nr. 928, aus Klein-Asien 

stammend; abgeb. (aufser im Kataloge) Ber. 
d. sächs. Ges. 1853 Taf. 8; 0) Relief von einer 
knidischenVase aus grauem Thon, im Britischen 
Museum befindlich, unpubliciert, hier, leider 
nicht ganz genau, abgebildet; d) Relief aus Enns 
im Museum von Linz, in manchen Punkten abwei- 
chend, abgebildet Arch. epigr. Mitteil. a. Österr. 
2 Taf. 9; e) Relieffragment aus Stubenberg, 
30 jetzt in Graz, beschrieben von Majonica, Arch. 
epigr. Mitt. 2 S. 104 f.; f) Schmalseite eines 
Sarkophages aus Kophisia, abgebildet Robert, 
Sarkophagreliefs Taf. 8, 9 a. Urlichs, Beiträge 
z. Kunstg. Taf. 17; vgl. Robert a. a. 0. S. 10. 
Urlichs a. a. 0. S. 82 f. Benndorf, Archäol. 
Zeit. 1868 S. 38 f.; für die Gemmen genügt es, 
auf das bei Jahn, Ber. d. s. Ges. a. a. 0. abge- 
bildete Exemplar hinzuweisen. Auoh eine Yer- 
silberteThonlampe aus Carnuntum gehört diesem 
40 Typus an nach der Beschreibung Majonicas 
a. a. 0. S. 166. Charakteristisch für diese 
Klasse ist das gleichsam menschlich^ Ge- 
baren des mächtigen Schwanes. Mit einem 
Flügel umarmt er die Geliebte, welche in Grauen 
und Wollust zusammenschauernd den letzten 
ersterbenden Widerstand leistet. Den langen 
Hals hat der Schwan zurückgebogen, und mit 
dem Schnabel sucht er Ledas Lippen. Dieser 
ist der Peplos hinabgeglitten; sie halt ihn nur 




2) Thonrelief aas Knidos in London, unediert (nach 

Photogr.; im Original ist Ledas 1. Aim ebenso gehalten 

wie in Fig. 3). 



Peploszipfel gegen den Adler. Unter dem linken 
Arme, vom Gewände meist verhüllt, hält sie 

den sehr kleinen, gansähnlichen Schwan. Wieder ^ _ 

anders, aber immer in gleicher Auffassung, ist 50 noch eben mit den zusammengeprefsten Kmeen 
der Vorgang dargestellt in mehreren Statuen, und sucht ihn — aufser in f — mit einer Hand 
- - - ■ - — •• " - • - "" wieder hinaufzuziehen, wahrend die andere — 

in der Gruppe sind die Teile ergänzt, aber die 
Gemme und die Reliefe c, d und f zeigen es 
deutlich — nach dem Halse des Schwanes greift, 
gewifs zuerst in der besten Absieht, ihn ab- 
zuwehren. Aber bald Biegt die Wollust nid 
unwillkürlich beginnt sie ihn an sich zu ziehen. 
Der Sieg dieser Empfindung kommt besonders 



s. 0. Jahn, Arch. Beitr. S. 4 Anm. 7. Clarae 
Taf. 411, 714; 412, 717. 

Die Monumente der zweiten Klasse sind weit 
zahlreicher und mannigfaltiger. Fast allen ge- 
meinsam ist, dafs Ledas Körper nackt etscheint, 
und dasHimation nur als Hintergrund, bisweilen 
auch nur zur Verdeckung der Scham dient. 
Ledas Gestalt ist vollkommen im Aphroditetypus 



gebildet. Eine Statuette in Parma (Overbeck, 60 in dem hier abgebildeten Roliefe c zum Aus- 

AtlasT&f. 8, 3) [s. Heydemann, Antiken». Ob.- u. 

Mittelital. S. 46, 14. Höfer.] steht darin der 

ersten Klasse näher, dafs der Schwan noch in 

denselben Verhältnissen gehalten ist, wie dort. 

Die anderen statuarischen Gruppen und eine 

grofse j«ahl von Reliefen suchen aber schon 

in den mächtigen Formen des Schwanes den 

verwandelten Gott zu verkünden. Eine Statue 



drucke, ebenso in f, wo Leda den Schwan 
mit einer Hand abwehrt und mit der anderen 
sanft streichelt. — Die venezianische Gruppe 
ist jedenfalls keine originale Erfindung. Erstens 
stehen sowohl Leda als der Schwan im Profil, 
was für eine statuarische Gruppe unerhört 
wäre; mindestens war sie auf einen Hintergrund 
berechnet. Ferner zeigen die anderen Mo- 



1929 



Leda ia der Kunst 



Leda in der Kunst 



1930 



numente in den Erweiterungen soviel Gleich- 
artiges, dafs man auch dieses einer gemein- 
samen Quelle zuweisen "rnufs. Die Reliefe a 
bis d sowie die Gemme bieten Bros, meist 
den Schwan vorwärts stofsend; nur auf d steht 
er mit Blitz und Scepter ruhig daneben; bei f 
geriet er auf die andere Schmalseite des Sarko- 
phages und wurde zum Bogenschützen ausge- 
staltet. Den vollständigen Reliefen a, b und d 



cc — y gegen S ansehen, wo der Hals nicht gerade 
aufsteigt, um in paralleler Richtung um zukehren, 
sondern schräg nach Leda hinüberstrebt und 
auch in schräger Richtung sich zurückwendet. 
In • der Auffassung schliefsen sich diesen 
Klassen mehrere Sarkophagreliefe an, in wel- 
chen sich Leda gelagert dem Gotte hingiebt 
{(herbeck a. a. 0. S. 510 f. nr. 34—37; Robert, 
Die antiken Sarkophagreliefs 2 Taf. 2, 3- 



ist ferner die landschaftliche Staffage mit 10 vgl. S. 7 ff.). Das ausführlichste Exemplar (nr. 34) 



ihren Fruchtbäumen gemeinsam; an Stelle der 
Altäre — je zwei in a und b — setzt d jedoch 
ein Thor. — Das Original ist vielleicht ein 
Relief oder ein Gemälde gewesen, man wird 
seinen Entstehungsort wohl nicht allzuweit 
von Knidos ansetzen dürfen, wo 
man es auf täglich gebrauchten, 
nicht einmal besonders fein gearbei- 
teten Thongefäfsen nachbildete. 
Entstellt kehrt die Gruppe auch 
in einem Relief von Bordeaux wieder 
(Miliin, Voyage dans le Midi Taf. 77, 
3; vgl. Bevue archeol. 1853 S. 271). 
Eine Weiterbildung erfuhr diese 
Gruppe in einer anderen Serie von 
Reliefen, welche uns — abgesehen 
von Gemmen, vgl. 0. Jahn, Arch. 
Zeitung 1865 S-l. 50 f. — in mehre- 
ren Exemplaren, darunter zweien 
griechischen Fundortes, vorliegt. Es 
sind dies a) Relief aus Argos in 
London; abgeb. bei 0. Jahn, Anh. 
Beitr. Taf. 1 (danach hier wieder- 
holt); Overbeck, Atlas Taf. 8, 22; 
(3) genaue, aber weniger gut ge- 
arbeitete Replik aus Brauron in 
Athen, v. Sybel, Ath. Skulpt. nr.3755; 
vgl. Urlichs, Beiträge z. Kunstg. 
S. 83, unpubliciert; y) Relief in 
Madrid, Sammlung Medinaceli, 
Hübner, Bildw. in Span. nr. 558; 
abgeb. Archäol. Zeit. 1865 Taf. 198, 
1; 8) Fragment ehemals im Besitze 
Joseph Kopfs, jetzt in dem Franz 
v. Lenbachs, ungenau beschrieben 
von Klügmann, Bull. d. Inst. 1880 
S. 67 f.; unediert. Der Schwan ist 
weniger edel aufgefafst. An Mäch- 
tigkeit und Schönheit der Formen 



(Ber. d. sächs. Ges. 1852 Taf. 1. Overbeck, Atlas 
8, 24; Bobert nr. 3), fügt eine breitere land- 
schaftliche Staffage und Eros hinzu. In Over- 
beck 37, Bobert a. a. 0. nr. 5 versucht Leda noch 
den letzten Widerstand zu leisten; vgl. Benn- 




3) Belief des Brit. Museums (nach Jahn, Arch. Beiträge Taf. I). 



steht er zwar den Denkmälern der vorigen Klasse 50 dorf,Arch.Anz.l86bS.19. Gemmen undLampen 



gleich; aber seine Leidenschaft äüfsert er tieri 
scher, indem er in a, ß und S Leda vor Brunst in 
den Nacken beifst; y schwächt dieses Motiv zu 
einem Anpressen des Schnabels ab. Das Auf- 
setzen der Füfse und das Umarmen mit einem 
Flügel stimmt wieder mit der venezianischen 
Gruppe überein. Ledas Stellung ist gleichfalls 
sehr ähnlich ihrer Erscheinung in der genannten 
Gruppe. Nur den Kopf mufs sie ziemlich tief 



wiederholen diese Gruppe, vgl. Overbeck S. 512. 
Ein weiterer Typus wird durch drei Denk- 
mäler vertreten, zwei campanische Wand- 
gemälde {Heibig 148 und 149, abgeb. Mtiseo 
Borb. 10 Taf. 3 und Pitture d'Ercol. 3 Taf. 9; 
vgl. Overbeck a. a. 0. S. 507 nr. 29 u. 30> und 
das Relief eines bei Barcelona gefundenen sil- 
bernen Gefäfses (abgeb. Frohner, Musees de 
France Taf. 5; vgl. Heibig, Bull. d. Inst. 1865 



senken und dadurch auch den Rücken etwas 60 S. 120 f.). Heibig hat für diese Wandgemälde 



krümmen. Der L Arm sucht auch hier den 
herabgeglittenen Peplos hinaufzuziehen; den 
r. sieht man nicht. Vielleicht erwidert er die 
Umarmung des Schwanes, denn hier giebt sich 
Leda schon völlig dem Gotte hin. Einen be- 
sonderen Reiz erhielt diese Komposition durch 
die wundervolle Biegung des Schwanenhalses. 
Man muls dies als einenbewufstenFortschritt von 



mit Recht — irrtümlich aber noch für ein 
drittes nr. 147 — ein statuarisches Vorbild an- 
genommen. Noch näher steht diesem aber das 
Silberrelief. Der Schwan, immer noch von 
mächtigen Formen, tritt hier passiver auf; am 
bezeichnendsten ist, dafs er sich nicht selbst 
in seiner Stellung hält, sondern durch Leda 
gehalten werden mufs. In dem Reliefe steht 



1931 Leda in der Kunst • Leherennus 1932 

diese aufrecht da, den linken Fufs etwas vor- welchem neben dem Ei ein Vogel sichtbar ist; 
setzend. Der Schwan steht auf ihrem 1. Ober- an der anderen Seite des Altares stehen Tyn- 
schenkel; sie hält ihn mit der 1. Hand fest, dareos und Klytaimestra. Robert, Archäol. 
während sie mit der rechten sein Brustgefieder Anz. 1889 S. 143 will diese Vasenbilder auf 
streichelt (die Wandgemälde weichen mferheb- ein Wandgemälde der polygnotischen Schule 
lieh ab). Der Schwan schnäbelt ihr zutraulich zurückführen. — Endlich ibt ein Sarkophag 
entgegen, aber ohne den bestimmten Ausdruck aus Bordeaux, jetzt im Museum von Aix, zu 
sinnlicher Glut. Die Obseönität der anderen erwähnen (abgeb. Laborde, Mon. de France 
Darstellungen wird auch dadurch erheblich ge- 1 Taf. 82. Mülin, Gal. mythol. Taf. 144, 522 ; 
mildert, dafs Leda unterwärts mit dem Himation 10 am besten bei Robert, Sarkophage 8 Taf. 2, 2 
bekleidet ist, welches sich über ihren Rücken vgl. S. 6), der auf seiner Vorderseite zwei 
hinaufzieht, um in einem über ihre linke Scenen des Mythus wiedergiebt. Links hat 
Schulter hinabfallenden Zipfel zu enden. sich Leda am Eurotas — durch den Elufegott 
Die anderen hierher gehörigen Darstellungen und Schilf dargestellt — zum Bade entkleidet; 
sind minder interessant. In ihnen verschwindet .der Schwan kommt herangeflogen, h*t sie aber 
jede Spur mythologischen Gehaltes, und es noch nicht erreicht. Hechts sitzt Leda auf 
bleibt nur noch ein schönes Weib übrig, welches einer Kline; von den vier Nebenfiguren- Ist .die 
mit einem schönen Vogel etwas mehr oder eine als TyndareOB zu bezeiohnen, in einer 
etwas weniger zärtlich spielt. Die erste An- zweiten kann man die Amme sehen; die ande- 
näherungdesaufeinemErosstehendenSchwanes 20 ren nennt Robert Thestioi und Iuno Lucina. 
an die reich geschmückte, sieh entblöfsende Am Boden im aufgebrochenen Ei sieht* man 
Leda sehen wir auf einem silbernen Eimer Helena und die Dioskuren, vgl. Jahn, Arch. 
der Ermitage (Antiquites du Bosph. Citnmer. Beitr. S. 7. Ovcrbeck a. a. 0. 8. 496f, [S. 
Taf. 39 ; vgl. Overbeck a. a. 0. S. 506 nr. 28 ; auch die lehrreiche Abhandlung Ton E. Brizio, 
Reinach, Monum. figur. 3 S. 92, der die wei- Vovo di Leda sopra un vaso dipinto tromto 
teren Abbildungen und Erwähnungen angiebt). in sepolcro etrusco presso Bologna, Estt. dagli 
[Kähne, Silbergef. der Ermitage = Me'm. de Atii e Memorie dtlla R. Deputatione di Storia 
laSoc.d'archeol.deSt.Petersb. Drexler.]— Leda, Patria per le Provincie diRomagna III. Serie 
sitzend, den schnäbelnden Schwan in ihrem Vol. V Fase. 1 e 2, Tav. 8) ferner J. Ftied- 
Schofse, während Eros daneben steht, auf einem 30 länder, Neue Erwerbungen dt» K. Münikab., 
späten Ruveser Vasengemälde (beschrieben von Arch. Zeit. 1869 p. 100 Taf. 88 nr. 14, Mfinze 
Heydemann, Bull. d. Inst. 1868 S. 158), wenn des Severus Alexander von Nicomedia: „Eine 
nicht vielmehr Aphrodite gemeint ist. An der Frau von einem Schwan verfolgt fliehend, den 
Bedeutung lassen pompejanische Wandgemälde Kopf zurückwendend, im Schrecken die Rechte 
zwar keinen Zweifel, aber die Darstellung tragt erhebend . . . Der Schwan hat mit dem Schnabel 
einen mehr ornamentalen als mythologischen ihr Gewand, wo sio es mit der Linken halt, 
Charakter, vgl. Heibig, Wandgemälde S. 43. ergriffen um sie festzuhalten. Im Schofse trägt 
Overbeck a. a. 0. S. 508. Ähnlich steht es mit sie etwas Kugelförmiges." Ferner FröTmer, 
den Mosaiken, vgl. Ann. d. Inst. 1873 S. 131. Coli, de feu M. Joly de Bammeville. Antiquites 
Neben diesen Darstellungen des Liebes- 40 p. 10 nr. 25 PI. 1 L,Ucytheen forme de groupe"]; 
mythus sind nur wenig andere Denkmäler er- p. 17 nr. 74. Drexler.] Jahrb. d. a. I. 1894, 1 ff. 
zählenden Charakters zu nennen. Leda begeg- Milchhöfer, D. Museen Athens p. 44 p. 86 irr. 378 
net uns zum ersten Male in einem schwarz- p. 85 nr. 391. Arch. Epigr. MiUeil. aus 
figurigen Vasenbilde des Exekias im Vatikan Österr. 10, 126 nr. 21. 18, 68 f. Urlichs, Würz- 
(Klein, Meistersignaturen S. 40; abgeb. Mon. burger Antiken 2- p. 9 nr. 67. OhdbouiUet, Cat. 
d. Inst. 2 Taf. 22. Mus. Gregor. 2 Taf. 53; gener. des camees 599, 3878. [Höfer.] [Bloch.] 
Wiener Vorl.-Bl. 1888 Taf. 6, 1) bei der Heim- Ledon (Aedcov), Autochthon in Phokis; nach 
kehr der Tyndariden, durch Namensbeischrift welchem die phokische Stadt Ledon den Namen 
kenntlich. — Leda mit Tyndareos und ihren hatte, Paus. 10, 38, 1. [Stoll.] . 
Kindern, von denen Kastor ein Ei hält, auf 60 Leherennus, keltischer (?) Beiname desMars. 
einem etruskischen Spiegel aus Orvieto, Not. Die Mehrzahl der im Gebiet des Depart. Ar- 
degli seavi 1876 Taf. 1 ; Gaz. archeol. 3 Taf. 3. diege gefundenen Votivsteine nennt- ihn einfach 
[Vgl. Heydemann, Antikensamml. Ober- und Leherennus (Leherenus) , tu weilen mit dem 
Mittelital. S. 116, 26. Höfer.] Leda, die Helena Zusatz von deus. Dio wichtigeren bei Oreüi- 
der Nemesis zuführend, war auf der Basis der Henzen 5894. 5895 und G ruter. 1074, 6. 7 
Kultstatue von Agorakritos in Rhamnus dar- (Orelli 2020); andere veröffentlichte P. Meri- 
gestellt nach Paus. 1,33, 7; die Reste s.'Ecprjii. mee, Revue archeol. 1844 1 p. 861 ff., das ganze 
ttQxuwl. 1891 Taf. 8 f. und bei Pattat, Jahrb. d. Material verarbeitete A. E. Barry m seiner 
Inst. 9 S. lff. mit Taf. 1—7. Über die rot- Monographie du dieu Leherenn d' Ardiige {2ssis- 
figurigen Vasenbilder strengen Stiles, welche 60 Toulouse 1859; aus don Mimoirt» de l'Acad. 
die Auffindung des Eies durch Leda darstellen, des sciences, inscriptions et belles-lettres de Tou- 
also der Überlieferung folgen, dafs Zeus sich louse); vgl. Revue archeol. 1860 1 p. 190. Die 
in Schwanengestalt nicht ihr, sondern Nemesis Inschriften sind alle kurz und geben für den 
genaht habe, siehe Bd. 1 Sp. 1955 f. Hinzu- Kult wenig aus. Es wird, wie in vielen an- 
zufügen ist die Trinkschale des Malers Xeno- deren Fällen, ein topischer Name in Lehe- 
timos (Brantegliem Colleetion Taf. 10; Antike rennus zu suchen sein. Mirimie a. a. 0. (tgl. 
Denkmäler 1 Taf. 59). Leda, inschriftlich be- auch Chaudruc de Crazannu, Revue archeol. 
zei^met, will von dem Altare fliehen, auf 1861 3 p. 312) suchte ein in Strafsburg" ge- 



1933 Leiagore Leinth 1934 

fundenes Relief, welches einen mit Panzer und Flucht und Verfolgung des Leimon durch die 

Schild bewafliieten Krieger darstellt, auf den Priesterin der Artemis dargestellt, Paus. .&, 

Gott zu deuten (Abbild, bei Schöpfin, Alsalia 53, 1. Die beiden feindlichen Brüder be- 

illustrata 1 p. 520 § 148 tab. 1 n. 4. Barry zeichnen die feuchte blumenreiche Au und 

a a 0. p 43 Merime'e a. a. 0. p. 251), indem das von der Sonnenhitze ■ verdorrte Land, 

er aus der Inschrift ganz willkürlich den Na- Welcher, El. Schriften 1, 18 ff. Preller, Griech. 

men LEHERENHVS herauslas. Schon Barry Myth. 1, 380; vgl. 2, 47 Anders. Curtius, 

(a. a. 0. p. 29) äufserte seine Zweifel, und in Peloponn. 1, 253. 271, 2. [Stoll.J 

Wirklichkeit hat das Denkmal mit dem kelti- Leimone(.4sjftc8i>j))oderLeimonis(.4«i/iooi;is; 
sehen Gott nichts zu thun; es ist das Grab- jo vgl. Callim. fr. 457 Sehn.), Tochter des Kodn- 

monument eines Soldaten, von dessen Namen den oder Medontiden Hippomenes von Athen, 

nur noch das Nomen LEONTIVS kenntlich ist, von der Aeschin. in Tim. 182 folgende Legende 

Brambach, Corp. inscr. rhen. nr. 1886. [M.Ihm.] erzählt: k»ij? dg räv itoXizcav, svg<ov xr\v > eav- 

Leiagore (Asiayögri), Tochter des Nereus xov 9vy cetera dietp&aQfievriv x<n zr\v yUmuv 

und der Doris, Hes. Th. 257. Sclwemann, Op. ov Kuläg Sicupvlä^aaav iis%qi jafiov, eyxaxm- 

Ac. 2, 172 (Popliconcia). Braun, Gr. Götterl. KoSöpyasv avxrjv fie»' tnnovdg tQntiov olxiav, 

§ 86 („bezieht sich auf den schön geebneten v<p' ov itQoSrjXwg tpsUsv üxoUte&ai Sia Xiaov 

.Marktplatz"). Lehrs, Popul. Aufsätze 120 (die 6vy%a»siqyuivrj. «al hi «ort vvv rijs ol%iag 

Sanftredende). [Stoll.] xavzr,g Sarn*^ xa olwnsS sv xa> tjusxhqü, 

Leianeira. (Amävciga): 7} notovea xovg av- 20 aazei, «at ö zonog ovzog xaXsixoii ngg mnov 

Saug yvvaiKäv iqäv, Hesych. — Schmidt warnt *vl nögav.' Der Schol. z. d. St. bemerkt dazu 

vor der naheliegenden Konjektur JrjiävsiQU (p. 25 ed. Baiter u. Sauppe): Iitjopevrig ceno 

und erklärt das Wort, in dem das Verbum Köägov Kuzuyöuivog , n äs »vyaxrjg Asifimvig- 

Xä oder XiXai'oaai stecke, für ein Epitheton ovzm KaXXijiaxog (vgl. Callim. fr. 457 ed ISchn.). 

der Aphrodite; vgl. Baunack, Studien auf d. 'I. *yocQ zo plv yevos xmv KoägiSwv, ßccailsvg 

Gebiete des Griechischen u. d. arischen Sprachen Ss Adrjvaüov, laßmv enl xy 9vyazg^iioixov 

1 34 der es = Xrjai-ävnga erklärt, vgl. Xijcig- xovzov ptv cdmeüusvog unexzHve^ ztjv Se 9vya- 

ßovXnaig- al'giaig, Hesych. [Höfer.] ztga va&i-täsv sv oÄMj(i<m ps* Oinov. o 6e 

Leibenos (Aeißrivos) Jiövvaog Hesych.; vgl. Xip.<öxz<av v.aza<faye ztjv av^gmitov . k. x. X. 
ebenda XiBsi ansvdu. Curtius, Etymöl.* 365 30 Weitere Citate s. b. Benseier- Pape, Wort. d. 

sieht in Leibenos ein Seitenstück zu dem itali- gr. E. unter *Innopivrig und Aeiacovr;. Busolt 

sehen Liber. [Höfer.] Gr. Gesch. 1, 401, 1. Töpffer, Att. Geneal. 

Leiber = Liber, Preller- Jordan, B. M. 2 401, 1. [Röscher.] 

p 48 Anm. 3 zu p. 47. Die Form Leiber be- Leimones (Aiiatovtg), Personifikationen des 

gegnet u a. als Beischrift des Dionysos auf Wiesengrüns, dargestellt durch adonisartige 

einer Münze des M. Aurel von Apameia in. Jünglinge, s. Philostr. 2, 4 und Baumeister, Denk- 

Bithynien, v. Bauch, Fünfundzwanzig uned. mäler p. 1294 r; vgl. Fröhner, Rhein. Mus. 47 

qriech. Münzen. Berlin 1846 p. 12 Taf. 2, 18. (1892), 307. Auf einem pompejamschen Wand- 

S Liber. [Drexler.] gemälde, welches die Hochzeit des Zeus und 

Leibethrades (Äsißrj&gäSig) , Beiname der 40 der Hera {Heibig, Wandgemälde 114. Campan. 

Musen oder Nymphen, genannt nach dem Berge Wandmalerei 117 ; vgl. Arch. Zeit. 23 (1865), 58. 

Le(i)bethrion in Böotien, wo sie eine Grotte Ovetbeck, Pompeji p. 251) darstellt, deutet man 

und Bildsäulen besagen; ihr Kultus war von die drei rechts unten gelagerten, mit Laub 

Thrakern, die aus Leibethra nach Böotien und Primeln bekränzten Jünglingsfiguren, m 

einwanderten, hierher verpflanzt worden, Strabo denen man früher die idäischen Daktylen zu 

10 -471. 9, 410, wo Aiißrj&QiSsg (vgl. Varro erkennen glaubte, neuerdings auch als personi- 

de'ling.' Lat. 7, 20. Verg. Ecl. 7, 21 und Serv. ficiette Leimones, Baumeister a. a. 0. 2133 

z d St) steht.' Patts. 9, 34, 4 nennt sie yufiqpai Abbildung nr. 2390. [S. besonders Hübig, 

Xi&ii&gmi und erzählt von einer nnyri Aißrj- Bhein. Mus. N. F. 24, 1869 p. 608ff — Die 
»gidg welche Ähnlichkeit mit einer Frauen- 50 Personifikation der Leimones bei Philostr. 2, 4 

brüst gehabt und milchähnliches Wasser ge- bestreiten Welcher zu Philostr. p. 422 Friede- 

spendet habe [Höfer.] richs, Diephilostratischen Bilder p.-98fl. Gerber, 

Leimon (Äeiacbv), Sohn des Tegeates*ünd Die Berge in der Poesie und Eunst der Alten 

der Maira (Paus. 8, 48, 4), Bruder des Skephros. p. 24 Anm. 38. Dagegen erkennen sie an u a. 

Als Apollon in das tegeatische Land kam, um Zoega, Bassirilievi 1 p. 230 Anm. 3. O. Jahn, 

we«en der Aufnahme seiner Mutter Gericht Arch. Beitr. p. 327. Brunn, Die phäostratt- 

zu°halten, hatte Skephros heimliche Unter- sehen Gemälde gegen E. Friederichs verteidigt 

redungen mit ihm und erregte dadurch bei (S.-A. aus Jahrbb. f. kl. Phil. Suppl. 4) p. 289 t. 

dem Bruder den Argwohn, dafs er ihn bei Drexler.] Vgl. Lokalpersomfikationen. [Höfer.] 
dem Gotte verleumde. Daher überfiel und 60 Leimoniades (AstamviäSsg), Name gewisser 

tötete er ihn. Deswegen wurde Leimon von Nymphen, Hesych. s. v. Isißmviag- ._. . . vvu- 

Ärtemis erschossen. Tegeates und Maira cpaf smidrj ai vvfiipai sv zaig Xsiuweiv, vgl. 

suchten Apollon und Artemis durch Opfer Soph. Phil. 1454 vvnyai x IvvSgoiX^mviaSig 

za versöhnen; aber das Land wurde von ün- [Serv. zu Verg. Ecl. 10, 62. Drexler.] [Höfer.] 

fruchtbarkeit heimgesucht, und von Delphi Leinth (lein»), etruskischer Göttername, 

kam der Spruch, man solle den Skephros be- gen. comm. Auf einem Spiegel von Perugia 

weinen- dazu wurde alljährlich am Feste des im dortigen Museum bezeichnet er eine Gottm 
Apollon Agyieus zur Ehre des Skephros die der Unterwelt, mit verhülltem Oberkörper, 



1935 Leiodes Lelex 1936 

die sich (zürnend?) abwendet, während links Leiriope (Auqiönri, Lilienantlitz), eine Quell- 

von ihr mean (s. d.) von rechts her den oder Flufsnymphe (caerula Liriope), welche 

hercle (= 'Hgaidrjg, s. d.) mit dem Lorbeer von dem böotischen Flufsgott Kephissos den 

bekränzt, weil er siegreich mit dem gebän- Narkissos gebar, Ov. Met. 3,342. Die Mutter 

digten Kerberos die Unterwelt verläfst; siehe des Narkissos heifst bei Eustath. p. 266, 8 

Inghir., Lett. ä. etr. erud. p. 7 — 24 t. 1. Stör. Leirioessa, Welcher, A. D. 4, 166. [Stoll.] 

d. Tose. t. 33, 1. Vermigl., Inscr. Perug. p. 9. Lei's (Arjig), Tochter des Oros, des ersten 

t. 4, 2. Gerh., Etr. Sp. 3, 135 t. 141. Gotth. d. Königs im troizenischen Lande, von Poseidon 

Etr. t. 5, 4. Amati, Giorn. arcad. 40, 216 ff. Mutter des Althepos, Nachfolgers des Oros, , 

Fabr., C. I. I. 1067. Dagegen heifst auf einem 10 Paus. 2, 30, 6. Völcker, Japet. Geschl. 169 Anm. 

clusinischen Spiegel (nach Corssen, Spr. d. Etr. Preller, Gr. Myth. 1, 480. [Nie. Scheu, De 

1, 264 aus Vulci) im Berliner Museum so ein Troezeneurbe II. Krakau 1868. 4°. (Gymn.-Pr.) 

speerbewaffneter Jüngling, auf dessen Sehen- p. 23ff. Drexler.] [Stoll.] 

kel ein Götterknabe maris halna (s. d.) sitzt, Lei'tis (Arfizig), d. i. BeuteBpenderin (= dyi- 

während ein anderer ähnlicher Jüugling (mit lenj),EpithetonderAthene; j;.10,460.[Roscher.] 

zerstörtem Namen) den maris husrnana (s.d.) Leiitos (Ar(Czog), boiotischer Anführer vor 

getragen zu haben scheint, den menrva Troia, Hom. £494. Z 35 (erlegt den Troer 

(= Minerva, s. d.) ihm abgenommen hat und Phylakos, ebenso Tzetz. Hom. 118). -N 91. 

über einen Krug mit "Wasser (oder Feuer?) P601 (von Hektor verwundet; hier Sohn, des 
hält; dabei steht noch turan (= 'Aygodizrj, 20 Alektryon genannt). Eur. Iph. Aul. 25Öf. (als ' 

s. d.); s. Vaved. u. Braun, Bullet. 1842 p. 173; Kadmeier yrjysvrjg). Diod. 4, 67 (Sohn des 

1843 p. 40. Ann. 23 = 1851 p. 151 ff. Gerhard, 'HXexzQveav). Hyg. fab. 97 p. 91, 1 Seh. (Alec- 

Etr. Sp. 3, 158 t. 166. Fried., Kl. Kunst u. trionis et Cleobules filius); fab. 118 p. 101, 4. 

Industr. 2, 53 n. 47. Fabr., C. I. I. 480; vgl. Er soll aus Troia die Gebeine des Arkesilaos 

noch Fabr., Gl. I. 1042. Corssen, Spr. d. Etr. gebracht haben, Paus. 9, 39, 3. Sein eigenes 

1, 300 ff. Da bei einer ähnlichen das Baden Grabmal wurde in Plataiai gezeigt, Paus. 9, 
eines Götterkindes (Mars) durch Minerva (wahr- 4,3. Im Argonautenverzeichnis bei Apollod. 
scheinlich zur Immortalisierung durch Styx- 1,9, 16 istL. (als Sohn des Alektor) mit angeführt; 
wasser oder Feuer) darstellenden Scene, auf einer zu den Freiern der Helena gerechnet bei 
pränestiner Ciste {Michaelis, Ann. 1873 p. 221 ff. 30 Apollod. 3, 10, 8 (Konjekt.). — Etymologie des 
Mon. ined. 9 t. 58—59) die örtlichkeit als Unter- Namens b. Schol. und Eustath. zu Hom. B 494 
weit durch den Kerberos angedeutet ist, so (p. 264). [Seeliger.] 

kann auch der männliche leinQ- als Unter- Lelante (Ar\Xavzr\), Gemahlin des Molosser- 

weltsgott aufgefafst werden; s. De., Etr. Fo. königs Munichos, eines Weissagers, dem sie 

4, 36 u. vgl. maris. Hierzu stimmt, dafs auf den Alkandros, Megaletor, Philaios und die 

etruskischen Grabschriften 7 mal leine, line Hyperippe gebar. Die ganze durch Frömmig- 

in der Bedeutung „starb" oder „stirbt" vor- keit ausgezeichnete Familie wurde, als Räuber 

kommt, vielleicht verwandt mit lat. le-tum ihre Wohnung in Brand gesteckt, von Zeus in 

„Tod"; s. noch. etr. Uscan letem = lectum Vögel verwandelt, Ant. Lib. 14. [StolLJ 
sepulcralem , Fabr., C. I. I. 346 t. 25; auch 40 Lelantos (ArjXavzog), 1) ein Titane, Gemahl 

leta; vgl. Corssen, Spr. d. Etr. 1, 522 ff. Fa., der Okeanide Periboia, Vater der Nymphe 

Etr. St. 5, 75; 99. [Deecke.] Aura (s.d.), die daher Arfkavziüg (Nonn. Dionys. 

Leiodes (AeKäSrjg), einer der Freier der 48, 245. 571. 917) heifst, Nonn. a. a. 0. 247. 

Penelope aus Ithake, Sohn des Oinops und 421. 444. Vgl. Wieseler, Giganten in' Erseh 

Opferpriester, der verständigste und besonnenste u. Gruber, Allgem. Encykl. 67 p. 174. — 2) 

aller Freier (Hom. Od. 21, 144ff. 168. Apollod. Ein König, nach dem die Ebene an der West- 

frgm. Sabbait. Mhein. Mus. 46 (1891), 180, 8. küste Euboias ArjXävzov oder Arfiüvxiov nsSiov 

Etym. M. 562, 21ff), von Odysseus getötet; genannt sein soll, Schol. Kallim. hymn. 4, 289. 

Hom. Od. 22, 310 ff. [Über die bildlichen Dar- Hesych. u. Phot. Arß.ävzov neSiov. Vgl. K.Fr. 
Stellungen seines Todes vgl. Robert im 50. Berl. 50 Hermann, Bhein. Jfw& 1 (1833), 88 Anm. 5 ; 

Winckelmannsprogr. p. 13 ff. Drexler.] [Höfer.] Baumeister, Euboia 9; vielleicht mit nr. 1 

Leiokritos (Asimxgizog), 1) Sohn des Arisbas, identisch. [Höfer.] 

Gefährte des Lykomedes vor Troia, von Ai- Lalegei'des ( Aslsyrjtösg) , Name gewisser 

neias erlegt, II. 17, 344. — 2) Sohn des Euenor, Nymphen, Ov. Met. 9, 652. [Höfer.] 

Freier der Penelope, von Telemachos getötet, Lelex (AsXb^), 1) Stammvater der nach ihm 

Od. 2, 242. 22,294. [Stoll] benannten Leleger,Autochthon und erster König 

Leiogsa? Auf Grund der Inschrift C. I. L in Lakonien, das nach ihm Lelegia hiefs, Vater 

2, 3097 L. eiosse | C Bessuca | pro filio \ v l r m des Myles und Polykaon. Der ältere SohnMyles 
d. i. Leiosse? C(ornelia)? Bessuca pro fdia erhielt von ihm die Herrschaft von Lakedämon, 
v(otum) l(ibens) r(eddidit) mferito) ? führt 60 die er später seinem Sohne Eurotas hinterließ ; 
E. Hübner im Index S. 759 zweifelnd eine der jüngere Polykaon, vermählt mit Messene, 
Göttin Leiossa an. [R. Peter.] der Tochter des Triopas aus Ärgos, erwarb 

Leipepnile (Aet.7isipti.rj), Tochter des Iolaos, sich die Herrschaft von Messenien, das von 

Gemahlin des Phylas, dem sie den Hippotes ihr den Namen hatte. Zu Sparta hatte Lelex 

und die Thero gebar, welche von Apollon ein Heroon, Paus. 3, 1, 1. 3, 12, 4. 4, 1, 2. 

Mutter des Chairon wurde, Hesiod (fr. 54 Lehrs) Steph. Byz. v. Aa%BSaCfia>v nennt ihn Sohn des 

bei Paus. 9, 40, 3. [Stoll.] Spartos. Nach Schol. Eur. Or. 616 zeugte Lelex, 

Leirioessa s. Leiriope. der erste König von Lakedämon, mit Peridia 



1937 Lelhunnus Lemures 1938 

den Myles, Polykaon, Bomoloclios und die The- Den Arnaviaig vviupuig und der Demeter opfert 

rapnej Myles aber ist Vater des Eurotas. Da- Medeia in Korinth, Schol. vet. Pind. Ol. 13, 

gegen ist bei Apollod. 3, 10, 3 Eurotas der 74. [Vgl. Lobeck, Aglaoph. 2 p. 1209. Drexler.] 

Sohn des Lefex und der Najade Kleochareia, [Höfer.] 

Müller, Dor. 1, 74. Curtius, Peloponn. 2, 123. Lemnios (A^viog), Beiname des Hephaistos, 

Deimling, Leleger 96. 117. Gerhard, Gr. Myth. s. Bd. 1 Sp. 2071 Z. 54 und aufserdem Stat. 

2 Stammtfl. p. 239 P. 1; p. 240, 3. Bursian, Theb. 2,269. Silv. 4, 6, 49. Myihogr. Lat. Bode 

Geogr. 2, 108. 159. — 2) Lelex wird auch ein 1 p. 224, 7; vgl. p. 223, 39. Oc. Met. 4, 185 

Autochthon von Leukadien genannt, Grofs- vgl. 2, 757 (Lemnicola); Ar/pvios iqyoitövog, 

vater des Teleboas, des Stammvaters der ke- 10 Norm. Dionys. 43, 103 (vgl. igyonövog Aqpvoio-, 

phallenischen Teleboer, Aristoteles bei Strab. ebend. 3, 133); Arjfiviog 'Afirpiyv^gig, ebend. 5, 

7, 322. Deimling 95f. 157ff. Curtius, Peloponn. 579. Als Vater des Eurymedon (s. d. 2) heifst 

2, 12. Bursian, Geogr. 1, 106. 126. — 3) Nach er Ar^tviog ysvsvrjg, ebend. 30, 65;'vgl. Arjfiviog 

megarensischer Sage kam Lelex, Sohn des kxjkov, ebend. 25, 37. 28,6. 37,126. Anth.Pal. 

Poseidon und der Libye, aus Ägypten nach 5, 286 und die antra Lemniaca, Stat. silv. 3, 

Megara, wo er König ward und über die Le- 1, 132; Lemniacae catenae, Mari. 5,7,7. Stat. 

leger herrschte (vgl. 0. Gruppe, Kulte und Theb. 3, 274; vgl. auch Nonn. 2, 224. 593. 

Mythen 1, 164). Sein Sohn hiefs Kleson (s. d.). 29, 341. 373. [Höfer.] 

Unter der Burg Nisaia am Meere befand sich Lemnos (Aijfiiiog). 1) Nach Steph. B. s. v. war 
sein Grabmal, Paus. 1,39,5. 1,44,5. Lelegeia 20 die Insel Lemnos benannt dito rjjs fisyälrjg 

moenia, Ov. Met. 7, 443. Lelegeia litora, ib. 8, 6. Sreov, yv Arjiivöv cptxor ■tuvvr) Ss xat kuq- 

Deimling 96. 155 f. Bursian, Geogr. 1, 371. &ivovg $&vov. Mit der „grofsen Göttin" ist 

Gerhard, Gr. Myth. 2 § 786 und p. 232. — Bendis (s. d.) gemeint, deren Kult auf Lemnos 

4) Lelex ein troizenischer Held zur Zeit des Photius p. 251, 7 bezeugt Msyähjv frsöv: 

Pittheus, Ov. Met. 8, 567. 623. Deimling 155. 'Agierocptivrig iv Arjfivtaig l'acog ztjv 'BivStv 

— 6) Kalydonischer Jäger aus Naryx in Lokris, und Hesych. (iiyälri &eög • 'Agiexotpaviig sq>rj 

Ov. Met. 8,312. Die Lokrer wurden Leleger zrivBsvSiv; vgl. Suid. m (a>) vvv &iqh,oI (3cof4ot. . 

genannt, Plin. n. h. 4,7; vgl. Hesiod bei Strab. 'AQiazowdvrjg iv Arjfiviaig' Tr\v %^aziazr\v 

7,322. Müller, Orch. 130. Deimling 141. Preller, öaifiov , jjg vvv degpög ie&' b ßa>(i6g. firjvvsi 
Gr. Myth. 1, 66, 2. Bursian, Geogr. 1, 144. so on ae( ziveg nagä zoig 'A&rivaioig £evoi Qeol 

[Stoll.] iviiimvTO. Vgl. Bd. 1 S. 779 Z. 50 ff. S. 782 

Lelhunnus, keltischer(?) Beiname des Mars Z. 57 ff. [Höfer.] Die lemnische Göttin, 

auf Inschriften aus Aire - sur - l'Adour (dep. welcher Jungfrauen geopfert wurden, war 

Landes), zusammengestellt von E. Taillelois, wohl identisch mit einer im Norden des ägä- 

Le temple de Mars Lelhunnus ä Aire -sur- ischen Meeres an verschiedenen Orten unter 

l'Adour et les inscriptions aturiennes. Dax verschiedenem Namen (Bendis, Chryse u. a.) 

1885 (aus dem Bulletin de la Societe de Borda, verehrten Göttin, die der Artemis -Iphigeneia 

August 1885). Hieraus mitgeteilt im Bulletin undHekat« verwandt war, Lobeck, Agl. 2, 1214. 

epigr. 5 p. 325 und in der Revue epigr. du Müller, Orch. 310 ff. Dor. 1, 381 ff. Gerhard, 
midi 2 nr. 564—568. Er scheint als Heilgott » Gr. Myth. 1 § 167,5. 390, 1. 395, 1. [Stoll.] — 

verehrt worden zu sein, daher Widmungen 2) [Das Brustbild der AHMNOC mit Turmkrone 

ob sanitatem suam et suorum, pro se et suis, und Schleier erscheint auf dem Obvers einer 

pro fiJio suo. Die Lesart einer Inschrift (Be- Münze von Hephaistia, Lmhoof, Griech. Münz. 

yue epigr. 2 nr. 566) MARTI//// | LELNO//// p. 6 (530) nr. 4 Taf. 1, 3. — 3) Name eines Satyrs 

ist nicht sicher. [M. Ihm.] auf einer Kylix der Sammlung Czartoryski, 

Leinnia (Arjiivia). 1) So heifst ohne weiteren De Witte, Descr. des coli, d'ant. conservees ä 

Zusatz Hypsipyle (s. d.) bei Stat. Theb. 4, 768. l'Hotel Lambert. Paris 1886. 4°. p. 93 nr. 77 

5, 588; vgl. Hypothesis Schol. Find. Nem. PI. 28. [Reydemann, 5. Hall. Winckelmanns- 

p. 424 f. Boeckh = p. 8. 12 Abel 'Ttpiicvlr/ ry progr. 1880 S. 32 Anm. 117. Röscher.] [Drexler.] 
Arjfivia; vgl. auch Nonn. Dionys. 30, 205. — 50 Lemures. Der altrömische Kalender setzt 

[2) Tr\v Arjjiviav nennt Lucian. imag. 4 die auf den 9., 11. und 13. Mai das Fest der Le- 

berühmte Bronzestatue der Athena von der muria, dessen von Ovid fast. 5, 419ff. beschrie- 

Hand des Perikles, welche die attischen Kle- benes Ritual dasselbe deutlich als eine nächt- 

ruchen von Lemnos vielleicht bei ihrem Aus- liehe Totenfeier, bestimmt zur Versöhnung der 

zuge von Athen gestiftet hatten, s. darüber abgeschiedenen Seelen, kennzeichnet: diewich- 

z. B. Brunn, Gr. Künstler g. 1 p. 182 f. Jahn, tigste Ceremonie ist die, dafs der Hausvater 

Ardli. Zeit. 1846 Sp. 63f. Preller ebend. Sp. 264 neunmal abgewandt schwarze Bohnen (über 

= Ausgew. Aufsätze p. 291 f. Preller-Bobert, die Bedeutung der Bohnen im Lustrationsritus 

Gr. Myth. I 4 p. 229. Overbeck, Gesch. d. gr. s: Crusius, Bhein. Mus. 39, 164ff.) hinter sich 
Plast. I 3 p. 256 p. 466 Anm. 16. Studniczka, 60 wirft (vgl. Paul. p. 87. Varro bei Non. p. 135). 

Vermutungen zur gr. Kunstgeseh. p. lff. Weiz- Alle drei Tage sind in den Kaiendarien mit N, 

säcker, Jahrbb. für Mass. Philol. 133, 1886 also als nefasti (tristes) bezeichnet, die Tempel 

p. 14f. Löschcke, Eist. Unters. A. Schäfer blieben, wie an den Peralia, geschlossen, und 

gewidmet p. 43, besonders aber A. Furtwängler, Hochzeiten durften nicht stattfinden ( Ovid. 

Meisterwerke der gr. Plastik p. 4 ff. p. 755 f. a.a.O. 485 ff.). Den etymologisch völlig dunkeln 

Drexler.] — Paus. 1, 28, 2. Osann, Arch. Z. Pestnamen Lemuria leiteten die einen von einer 

6 (1848), 65*ff. Panofka ebenda 7 (1849), 76. angeblich ursprünglichen Form Bemuria ab und 

Forchhammer ebenda 29 (1872), 132. — 3) sahen den Anlafs zur Einsetzung des Festes 



1939 Lenai Lenaios 1940 

in der Versöhnung der Manen des erschlagenen beigelegten von den mythischen Begleitern 
Remns (Ovid. a. a. 0. 451 — 482, nach Verrius des Gottes entlehnten Namen „Silene, Sa- 
Flaccus? Porphyr, zu Hör. epist. 2, 2, 209 tyrn" ü. s. w. gewisse Ämter innerhalb der 
schöpft aus Ovid; vgl. auch Serv. Aen. 1, 276. dionysischen Genossenschaften (•OVaeoi) na- 
292), während Varro aus dem Namen Lemuria mentlich in Kleinasien bezeichnet wurden, 
auf göttliche bezw. gespenstige Wesen Lemures wozu auch die mimische Darstellung jener 
schlofs, de vita pop. Rom. B. 1 bei Non. Begleiter gehörte (s. oben Bd. l_Sp\ 1086), so 
p. 135: quibus temporibus in sacris fabam sind auch die angeführten weiblichen, Aij- 
iactant ac dicunt se Lemures domo extra ia- vai u. s. w., als eine Art Rollen bei dionysi- 
nuam eicere. Daher wird seit der auguste- 10 sehen Festlichkeiten und Aufzügen, namentlich 
ischen Zeit der Name lemures gleichbedeutend zum Zweck der Darstellung des mythologischen 
mit larvae gebraucht (Hör. epist. 2, 2, 208 f. Thiasos aufzufassen, wie bei den dionysischen 
Ovid. fast. 5, 483 f. Fers. 5, 185 mit Schol.), und Anthesterien in Athen Hören, Nymphen und 
spätere Spekulation fafst sie als Gesamtbezeich- Bakchen auftraten (Philostr. vit. Apoll. 4,21; 
nung aller abgeschiedenen Seelen, deren Unter- vgl. auch die dionysische Pompa m Alexan- 
abteilungen dann Lares (s. d.), Larvae (s. d.) dria, Athen. 5, 28). Da „Mimallonen" die Be- 
und Manes sind (Apul. de deo Soer. 15 p. 15, Zeichnung für die den orgiastischen Frauen- 
15 ff. Lütj. = Serv. Aen. 3, 63. Augustin. c. d. kultus ausübenden Makedonerinnen bildet (Blut, 
9, 11; vgl. Apul apol. 64 p.74, b Krüger. Mart. Alex. 2), Thyiaden die attisch - delphischen 
Gap. 2, 162 und s. oben Sp. 1902). [Wissowa.] 20 Frauen hiefsen, welche die trieterische Feier 
Lenai (A^väi [so nach Herodian 1 p. 176, 13 auf dem Parnassos, dem Hauptsitz des theba- 
bei Lentz zu accentuieren], bei Hesych. Xr\va(, nischen Dionysoskultus für Mittelgriechenland_, 
Nebenform Xrivig, Etym. M.) = (Jäxjuai, Bak- begingen' (Paus. 10, 4, 3), so dürften die Lenai 
chantinnen, vgl. Hesych. s.v. Für die etymo- nach Hesychius (Xrjvai- ßuH%ai- 'AfnaSsg) als 
logische Erläuterung des Wortes wurde früher arkadische Bezeichnung für dieselbe Sache 
von üj/vög in der Bedeutung „Kelter" aus- aufzufassen sein, wofür auch daran erinnert 
gegangen (vgl. Welcher, Gr. Götterl. 2, 648. werden mag, dafs sie in der Regel mit den 
3, 143. Mommsen, Heortol. 340) und Ar\vai Satyrn verbunden erscheinen, welche ebenfalls 
alB die „Frauen der Weinbereitung" erklärt. dem Peloponnes angehörten, vgl. Furtwämgler, 
0. Ribbeck, Anfänge und Entwicklung des Bio- 30 Annali dell' Inst. arch. 1877 p. 449. Dafs die 
nysoskultus in Attika, Kiel 1869 S. 13 will da- Benennung Aijvai durch die Einwanderung des 
gegen das Wort von dem homerischen (t229) Melanthos aus dem Peloponnes nach Athen 
Xäeiv „packen, festhalten" ableiten (vgl. Curtius, verpflanzt und auf die attischen Thyiaden über- 
Griech. Etymologie 6 p. 362. Christ, Griech. Laut- tragen worden, und dafs davon das Lenäenfest 
lehre 272), so dafs Arjvrj die „packende", d.h. und der heilige Bezirk Lenaion benannt sei, 
die Mainade wäre, die wie der Jagdhund (a.a.O. ist eine Vermutung Ribbecks a. a. 0. S. 14, für 
t229) das Hirschkalb greift und zerreifst. Hier- welche freilich der Nachweis eines Zusammen- 
für erklärt sich auch Dilthey, Amh. Ztg. 31 hangs zwischen den orgiastischen Kulthand- 
S. 90, und allerdings spricht dafür die Vor- hingen der Thyiaden und dem Lenäenfest fehlt. 
Stellung, wonach die Mainaden (s. d.) als Jage- 40 Vgl. Lenaios. [Rapp.] 

rinnen gedacht und geradezu nvvsg genannt Lenaios (Arjvaiog und Arjvaiog), Beinam« 

wurden. Aus dieser vielleicht noch im späteren des Dionysos, gewöhnlich von Xrjvog abgeleitet, 

Altertum fortwirkenden Vorstellung würde sich Etym. M. 385, 41; vgl. Diodor. 3, 68 diövveöv 

auch die Überschrift von Theokrits Idyll 26: 8tää£ai vrjv %s cpvtsiav t?js auitiXov *al ttjv 

Arjvai r} ßä»j;ai erklären, da hier die Zer- iv taig i^ofs ditö&Xiipiv xäv ßotovmv, utp' 

reifsung des Pentheus durch seine Mutter und ov Arjvaiov avtbv övojiaa&ijvai und ebenda 

deren Schwestern dargestellt ist. Denn der 4, 5 Avvaiov . . dito rov nat^aai rag azatpv- 

Aasdruck Arjvai für Bakchantinnen kommt Xdg sv Xrjvm, Orph. hymn. 40 tit. u. v. 5 (ebd. 1 

überhaupt selten vor und ist uns nur aus spä- heifst er smXrjviog); Hesych. s. v. £nl Arivaia 
teren Schriftstellern überliefert. Er bezeichnet 50 dymv und Arjvaiog. Etym. M. 361, 40. Antfo. 

1) die mythologischen Mainaden im Gefolge Pal. 9, 619. 524. Steph. Byz. Arjvaiog. Verg. 
des Dionysos, die mit den Satyrn schwärmen Georg. 2, 4. 6. 529. Ovid. Met. 4, 14. 11, 132. 
(Anthol. Pal. 9, 248. Philostr. im. 1, 24) und den Columella 10, 430; vielleicht auch auf einer 
Gott auch auf seinem Zuge nach Indien be- Tessera im Brit. Museum, Kaibel, Inscr. Grate. 
gleiten, mit der Nebris umgürtet, Dionys. Sicil. 2414, 39 p. 622. Die Inschrift aus Amathus 
Per. 702 (vgl. Eustath. z. d. St.) und 1155; ergänzt Deecke bei Collitz, Dialcktinschriften 

2) die menschlichen Dienerinnen des Gottes, '1 , 43 zu [fiax]z<» fteä Arjval\<o] , während- 
weiche bei Kulthandlungen 'jene mythologi- Hoffmann in Beezenbergers Beiträgen 14, 273 
sehen Begleiterinnen desselben darstellten nr. 43 liest .... &ew Ar\vat(co) und in Arjvaiog 
(■%. u. Mainaden); vgl. Heraklit bei Clemens CO einen weit verbreiteten Eigennamen erblickt. 
Protrept. 2 p. 18 P. Strabon 10 p. 468. Bei Ein eultor Lenaei patris auf einer Inschrift aus 
der an letzterer Stelle gegebenen Aufzählung Nnmidia proconsularis , C. I. L. 8, 4681. In 
der Personen des orgiastischen Dionysoskults einer Opferbestimmung aus Mykonos (A&rj- 
stellt Strabon den ZeiXrjvot, Eärvqoi und TC~ vaiov 2, 237 = Dittenberger, Sylloge 873, 25 
TOgoi als weibliche Dionysosdienerinnen ((Jawort) p. 546) findet sich die Form Aryvevg (vgl. Steph. 
die Arjvai, &viai, MipaXXöveg, Nutäsg, Nvfitpat Byz. a. a. 0., wo Arjvauvg resp. Arivasvg steht): 
gegenüber. Wie wir von den genannten mann- frveTto . . dvcnSsnäzei (des Monates Lenaion) 
liehen Personen wissen, dafs mit den ihnen Aiovvgwi Arjvei sxr]aiov vnio xafjxtöv. Zur 



f: 1941 Lenaios Lenus 1942 

§ Ableitung des Namens von Xrpög s. Mommsen, 1 (1873/75), 103ff. nr. 108 = Revue archeol. 

|j Heortologie 339ff. — Ribbeck, Anfänge und Ent- 34 (1877) , 105 ff. = Dittenberger, Sylloge nr. 370 

1 Wickelung des Dionysoskultus in Attika 14 bringt p. 537, 26. 539, 94. 100. 540, 110. 121. 541, 

ff Afivccios in Zusammenhang mit dem Namen 160; in Kios, Lebas - Waddington , Inscr. 

'4. der Bakehen, Xr\vai, die er als die 'Packenden' d'Asie Mineure 1140; in Kyzikos, G. I. G. 2, 

I erklärt, eine Erklärung, die von Maafs, De 3664; vgl. Böckh zu 2, 3663 ( p, 920. ( Athen. 

f- Lenaeo et DeJphinio commentatio (Index schol. Mitteil, 16 (1891), 141 = 'EU.rjviy.6g <piXo- 

% Grypfliswald. 1891), 10 Anm. 5 gebilligt wird, Xoymog SvXXoyos 7 , 23. Ephem. epigr. 2, 

|i der p. 9 den Dionysos Lenaios mit dem D. 254. 'Eyrjfi. <xqz. 1890, 157. Bull, de eorr. 

V MeXitöptvog (s. d.) identifiziert. Gegen Ribbeck 10 hell. 6, 612; Athen. Mitt. a. a. 0. 438. 439 

und Gilbert, Die Festzeit der attischen Dionysien, (hier Arjvsoiv); in Lampsakos, G. I. G. 2, 

j der p. 41 den Dionysos Lenaios als „Sarg- 3641b add. p. 1131; auiMykonos, 'A&fivaiov 

Dionysos" (Xr\vög = Sarg; vgl. den Dionysos 2 (1873), 237 = Dittenberger 373 p. 546, 16; 

Liknites) auffafst, s. Miltelhaus, De Baccho in Neapolis, C. I G. 3, 5838; in Perinthos, 

Attieo 22f. Das Heiligtum des Dionysos Le- Hermann, Philpl. 2, 267; Bull, de corr. hell. 5 - 

f naiös hiefs Arjvaiov (Etym. M. 564, 13. Lex. (1881), 480; in Smyrna, Aristid. 1 p. 280 Dindf. 

Rheior. in Bekker, Aneed. 278, 8. Hesych. s. v. G. I. G. 2, 3137 p. 696 = Dittenberger 171 p. 268, 

xaXafihrjs rjgoog. Phot. s, v. Arjvawv) und ist 34; in Magnesia ad Maiandrum,' Mova. xol 

" trotz der gegenteiligen Ansicht von Oehmichen, ßißX. etc. 5 (1884/4), 70; vgl. Larfeld in Bursians 

:, Süzungsber. d. bayr. Akad. d. Wiss. phil.-hist! 20 J.ahresb. 66,65 (Suppl.-Bd). Bull.de corr. hell. 17 

•L Kl. 1889, 122 ff. mit dem dtovvaiov iv Aifiraig (1893), 32 (Arjvemv) und die von Riller von 

'■■ (Thuk. 2, 15, 3. Aristoph. ran. 217. Isaios 8, Gaertringen a. a. 0. 33 angeführte, von Winter 

35. Pseudo-Demosth. 59 (in Neaeram) 76) iden- 1887 kopierte, aber jetzt verlorene Inschrift 

. tisch. Über die Lage des Lenaions findet man INAIfiNOX PEMPT, wo die Ergänzung zu 

| eine Zusammenstellung und Kritik der feis jetzt Arjvaiävog woW sicher ist; wohl auch auf 

I aufgestellten Ansichten bei W. Judeich, Lenaion, Amorgos, da er sich auf einer Inschrift von 

I Rhein. Mus. 47 (1892), 53 ff., der die Annahme der unweit des Hafens von Amorgos gelegenen 

t von Maafs a. a. 0. 6 ff. und Dörpfeld, Berl. kleinen Insel Kuphonisi findet, Athen. Mitt. 

I philol. Wochenschr. 1890, 461, dafs dasLehaion 16 (1891), 180. Bull, de corr. hell. 15 (1891), 
t . im Nordwesten Athens in der Gegend des 30 291. Mit dem Arjvaioiv ist entschieden iden- 

t Dipylon zu suchen sei, verwirft und es mit tisch der Ar}vaioßäv.%iog von Astypalaia, 

| Wilamowitz, Hermes 21 (1886), 615ff. und G. L G. 2, 2483. 2484 = Dittenberger 338 

I Wachsmuth, Stadt Athen 2, 272 in der rechts- p. 446, 15 C. F. Hermann, Zur griech. Monats- 

I' seitigen Ilissosniederung außerhalb der The- künde 68. — Übertragen wird Lenaios auch 

| seusstadt, aber innerhalb des themistokleischen von der Gabe des Dionysos, dem Wein, ge- 

I Mauerringes, ansetzt; vgl. auch Milchhöfer bei braucht, Verg. Georg. 3, 510 latices Lenaei; 

I Baumeister, Denkmäler 189r. Über das Fest Aen. 4, 207 Lenaeus honos; , Stat. Süv. 4, 6, 80 

; der Arivam — G. I. G. 1, 230 = Kaibel, Jnscr. Lenaea dona; vgl. auch Jiövvaog, oxsco (i'airov- 

i Graec. Sie. 1098. Aristoph. Ach. 1155. Athen. TaiKalXrjvat^ovai,v,Clem.Alex.adm.adgentes 
■ff 4, 130d. 5, 218d. Orph. hymn. 54, 9. Aelian. 40 22b Sylburg und rovg Xrjvat^ovtag noirjTotg 

| hist. an. 4, 43. Fiat. comm. in Hesiod. 29. ebend. 2b. Vgl. Lenai. [Höfer.] 

6 Lex. Rhet. in Bekker, An. 235, 7; vgl. rbv Leneus (Anvevg), 1) Beiname des Dionysos 

fr äyäva täv Anvaimv, C. L. A. 3, 1160. i) = Lenaios (s. d.). — 2) Sohn des Seilenos, 

l Inl Anvaia itopitri, Demosth. in Midiam Nonn. Dion. 10, 400. 422. 14, 99 u. oft. [Höfer.] 

ig ■ 4 p. 517c;. vgl. Plat. Protag. 16 p. 327d. 6 Lenobios (Arjvößiog), Name eines Satyrs, 

| ini Arjvaim dytov, Arist. Ach. 504. Hesych. Nonn. Dion. 14, 111. [Höfer.] 

f s. v.; vgl. Ribbeck a. a. 0. 26 f. — s. Bd. 1 Lenus, keltischer Beiname des Mars, nur in- 

f Sp. 1071 Z. 12ff.; Mittelhaus a. a. O. S. 24; schriftlich bekannt; zuerst eingehender beachtet 

vgl. auch die Bestimmung bei Aristot. de republ. von I. Becker (Beiträge zur römisch -keltischen 
Athen. 57 p. 28 f. ö ßaaiXsvg . . . inifiilsnai 50 Mythologie), Bonner Jahrb. 27 p. 75— 80. Sicher 

. . diovvalatv räv inl AwvaCa- zavta Si sott, richtig ist des letzteren Deutung der Bronze- 

\noyMr\ Kai fiovai%r]g aywv. tr)v~\ psv ovv.mou.- tafel von Friessem (jetzt im Museum zu Trier) 

Ttrjv Koivy nsfiicoveiv o te ßaaiXevg Kai 01 im- auf den Gott, trotz des Widerspruches Th. Bergks, 

(leXrjTut, top ös äyäva Siaxi&rimv 6 ßccaiXevg. Bonn. Jahrb. 55 p. 245. Brambach, Corp. inscr. 

— Nach den Lenaien war auch der ionische rlien. 840. Hettncr, Korrespond. -Blatt der West- 

Monat Ar\vauov, der dem attischen Gamelion deutschen Zeitschr. 1888 p. 147. Zwei andere 

entspricht, genannt; vgl. Hesiod. op. 504 und Inschriften stammen aus dem Luxemburgischen, 

Schol. Hesych. und Suid. s. v. Flut. a. a. 0. Eust. Bonn. Jahrb. 27 p. 77 und 79; -eine weitere in 

ad Dionys. Per. 666. Etym. M. 564, 5. 11. Trier gefundene (Bücheier, Bonn. Jahrb. 58, 175) 
Etym. Gud. 368, 54; vgl. Ribbeck a. a. 0. 14. 60 bezieht Hettner wohl mit Recht gleichfalls auf 

Mittelhaus a. a. 0. 17 ff. Wir finden ihn auf den Gott. Und sehr ansprechend ist Kaibels 

Delos, Bull, de corr. hell. 5 (1881), 25 ff.; Vermutung (Korrespond.- Bl. der Westdeutschen 

in Ephesos, Joseph. Ant. 14, 10, 12. Wood, Zeitschrift 1889 p. 227), in der metrischen 

Discoveries at Ephesus, Inscriptions from the Bilinguisvonderüntermosel(.M<wra»jse»i,TFbcÄen- 

city and suburbs p. 12 f. Newton-Hicks, Anc. schrift f. Mass. Philol. 1884 nr. 1. Korrsp.-Bl. 

Greek inscr. in the Brit. Mus. 3 p. 111. Ditten- d. Westdeutsch. Zeitschr. 3 p. 12 f. Weifsbrodt, 

berger, Sylloge 3ii p.453, 70.72; inErythrai, Bonn.Jahrb. 77 p. 48ff.)seizu lesen JE*Sgaf4«j>os 

Mova. Hai ßißXiod. trjg iv Zybvqvn evayy. a%oX. Ar]vw nQocpvyiiv %aXsit' äXysa vovawv Aqtji 



1943 Leodakos Leonteus 1944 

■xQtxtsqä Siöqov töSi &ijitt oaca&stg (nicht wie pronte gemmarie cent. 3 nr. 52 p. 16 „Creduto 

bisher ' Irjvm). Kaibel, Inscr. Graecae Sicil. Bacco Leontomorfo ed alato, tiene nette mani 

nr. 2562. Die lateinischen Verse haben den un ramoscello ed un vaso bacchico ; •la.sua testa 

gleichen Inhalt wie die griechischen, aber der e calva e di carattere silenico". Über den 

göttliche Reiter (Mars als Heilgott) heifst hier löwenköpfigen Giganten am pergamenischen 

einfach Mars, ein Beweis dafür, dafs die Gigantenfries s. ob. 1 Sp. 1607. 1661. 1667. Den 

lateinischen Verse aus den griechischen, nicht Leon vermuten in ihm Overbeck, Gesch. d. gr. 

umgekehrt, übersetzt sind. Auf dreien der an- Plastik 2 3 p. 234. Puclistein, Zur pergameni- 

geführten Inschriften steht Leno an erster sehen Gigarttomachie 2 p. 17 Anm. 1 p. 20 

Stelle (Leno Marti). [M. Ihm.] 10 (= Sitzungsber. d. Berl. Ak. 1889 p. 339. 342). 

Leodakos und Agrianome, Tochter des Per- M. Mayer, Giganten und Titanen p. 188. 281 

seon, heifsen bei Hyg. f. 14 p. 40 Bunte die Anm. 37 und Arch. Zeit. 43 p. 123 Anm. 5. 

Eltern des Oileus. Sämtliche Namen scheinen In der Gigantomachie einer 'Eqp»jp. äq%. 1886 

korrupt zu sein. Wahrscheinlich Leodokos. Taf. 7, 1 und bei Mayer a. a. 0. Taf. 1, 1 ab- 

[Stoll.] gebildeten athenischen Schale bezieht sieh die 
Leodoke. Bei Hyg. f. 159, wo die Söhne Beischrift LHEON, wie Mayer p. 301 richtig 
des Ares aufgezählt werden, machen einige bemerkt, nicht auf einen gleichnamigen Gi- 
aus der korrupten Lesart Leodo ex Ce* Leo- ganten, sondern auf einen wirklichen Löwen, 
doce oder Laodice ; beides wenig wahrschein- — 4) Auf einer Vase in Paris mit Darstellung 
lieh, da nach dem Titel nicht Töchter, sondern 20 des Kampfes des Herakles gegen die Ama- 
Söhne aufgezählt werden. [Stoll.] zonen ist einer der Figuren beigeschrieben 
Leodokos {AimSoiiog) =- Laodokos, s. Lao- LEON, Dumont et Chaplain, Les ciramiques 
dokos und Leodakos. [Stoll.] de la Grece propre 1 p. 335ff. Corey, De 
Leogoros (Aimyogog), Sohn des Prokies, Amazonum antiquissimis figuris p. 10 Anm, 3 
eines Nachkommen des Ion, K£nig von Samos, bemerk^ darüber wenig überzeugend: „Nomen 
Paus. 7, 4, 2. 3. [Höfer.] ad Amazonem referendum videtur; nam viri 
Aed) xÖQai s. Leos. figura hoc loco -vix intelligi potest. Aimv pro 
Leokritos (Aiä%Qirog), Troer, Sohn des Poly- Xsaiva in Rom. II. P 133, <P 483 reperitur; 
damas, von Odysseus getötet. Auf dem poly- et forma masculina Amazonis indoli apta esf." 
gnotischen Gemälde des eroberten Troia in 30 Drexler.] — 5) S. Sternbilder. [Stoll.] 
der Lesche zu Delphi war er unter den Ge- Leonassa (Aicovaaaa), Tochter des Kleo- 
fallenen, Paus. 10, 27, 1. [Stoll.] daios, Enkelin des Hyllos, Gemahlin des Neo- 
Leon (Astav), 1) Sohn des Lykaon, Apollod. ptolemos, dem sie den Argos, Pergamos, Pan- 
3, 8, 1. — 2) Sohn des Kolonos in Tanagra, daros, Dorieus, Genoos, Eurylochos und die 
Bruder des Echemos und Bukolos, mit denen Danae (für duvdrjv schreibt Schwarte Xavvov) 
er den von ihrer Schwester Ochna verleum- gebar, Lysimachos nach Proxenos und Nikomedes 
deten tanagräischen Jüngling Eunostos, der von AJcanthos im Schol. Eur. Andr. 24 ; vgl. 32. 
später als Heros verehrt ward, tötete, Plut. Bei Plut. Pyrrh. 1 heifst sie Lanassa und von 
Qu. Gr. c. 40. [ — 3) Gigant, s. oben 1 Neoptolemos Mutter des Pyrrhos. lustin. 17, 
Sp. 1651 und Jif. Mayer, Giganten u. Titanen 40 3, 4 nennt sie eine Enkelin des Herakles und 
p. 188 f. — De Witte, Le geant de Milet, Ann. läfst sie in Dodona von Neoptolemos geraubt 
d. Inst. 6 (1834) p. 343 — 349 und Revue num. werden. [Höfer.] 

(1838) p. 417 — 421 will in dem sich nach einem Leonte (Aeovzfj), anderer Name der Helena, 
Stern umblickenden Löwen auf den Münzen die hier als Tochter des Helios und der Leda 
von Milet diesen Giganten Leon, den er für bezeichnet wird, Hephaist. bei Phot. bibl. 149 a ■ 
identisch hält mit dem von Paus. 1, 35, 5 s. Bd. 1 Sp. 1932, 30ff. Pott, Zahlen von tos- 
erwähnten Asterios (s. oben 1 Sp. 657 s. v. mischer Bedeutung, Zeitsehr. f. Völkerpsychol. 
Asterios 4) erkennen. Ihm folgt Ilberg oben 14 (1883), 18. [Höfer.] 

1 Sp. 1651. Mit mehr Wahrscheinlichkeit aber Leonteus (Asovtsvg), 1) Sohn des Koronos, 

deuten Head, Hist. num. p. 504. Gardner, 50 Enkel des Kaineus, Fürst der Lapithen (s. d.) 

Types of greek coins PI. 16, 5 p. 46. Imhoof- zu Gyrton in Thessalien. Er zog mit seinem 

Blumer und Keller, Tier- und Pflanzenbilder Verwandten Polypoites, dem Sohne des Pei- 

auf Münzen u. Gemmen Taf. 1, 12 den Löwen ritho'os, mit 40 Schiffen gen Ilion, wo beide 

und Stern (Sonnenstern) als Symbole des Apollon zu den stärksten und tapfersten Kriegern ge- 

Didymeus; für die spätere Zeit hält selbst de hörten, II. 2, 738 — 747. 12, 130ff. 23, 837ff. 

Witte eine solche Bedeutung für nicht unwahr- Hyg. fab. 97 p. 89. 114. Quint. Smyrn. 7, 

scheinlich. Vielleicht ist die Sage von Leon 484. Leonteus war auch in dem hölzernen 

und Asterios in Milet erst zur Erklärung des Pferde, Quint. Sm. 12, 323. Tryphiod. 176. 

nicht mehr verstandenen Münztypus erfunden Tzets. Posthorn. 646. Er war* unter den Freiern 

worden; vgl. über derartige Wappenlegenden 60 der Helena gewesen, Apollod. 3, 10, 8._ Hyg. 

E. Curtius, Üb. Wappengebrauch u.Wappenstil fab. 81. Nach der Eroberung von Troia zog 

». gr. Altert, p. 89. Über eine von mir als Gigant er nebst Polypoites und anderen Helden, die 

gedeutete löwenköpfige geflügelte Figur eines Schiffe in Ilion zurücklassend, mit Kalchas zu 

Staters von Kyzikos s. oben 1 Sp. 1607; andere Lande nach Kolophon, wo dieser starb und 

Deutungen geben Imhoof, Monn. gr. p. 242 von seinen Begleitern begraben ward. Bald 
nr. 71 und Greenwell, The electrum coinage of darauf kehrten Leonteus und Polypoites nach 

Cyzicus p. 79 f. nr. 57. Zum Vergleich sei hin- Troia und von da nach Hause zurück, Tzets. 

gewiesen auch auf den Karneol bei Codes, Im- Lyk. 427. 980 p. 896 Müll. 1047. Preller, Gr. 



1945 



Leontichos 



Leos 



1946 



Myth. 2, 482. Nach Aristot. Pepl. 27 (Bergk) 
starben Leonteus und Polypoites im Lande der 
Meder. Die Arguräer in Thessalien sollen nach 
Leonteus Asovtivoi genannt sein, Steph. Byz. 
v. "Agyovqa. Ein Bruder des Leonteus hiefs 
Andraimon, der mit einer Tochter des Pelias, 
Amphinome, vermählt war, Diod. 4, 53; eine 
Schwester Lyside, Steph. Byz. v. <$iXatSai. 
Müller, Orch. 203 Bei Hyg. f. 62 heifst Leoft- 



ryalos, Parthen. c. 3. Soph. fragm. ed. Nauck 
p. 141. Welcher, Gr. Tr. 1 p. 248. Vgl. Leon- 
tophonos. [Stoll.] 

Leontopolites s. Lokalgottheiten. 

Leontuchos (Aiovzovxog) , 1) Beiname des 
Asklepios zu Askalon, Marinus vita Prodi 
c. 19 p. 47 ed. Boissonade. Vgl. über diese 
offenbar orientalische Gottheit Movers, Phoen. 
1 p. 534. Stark, Gaza p. 591 — 593. Alois 



teus Vater des Ixion. — Müller, Orch. 194. 10 Müller, Esmun. Wien 1864 (S.-A. aus Sitzungs- 



197. 465. Gerhard, Gr. Myth. 2 § 669 Stamm 
tafel p. 227, 1. 3. [Schol. Bion. Perieg. 850. 
Bictys 1, 13, 17. Bares 14. Nach Bares 24 
wurde er von Hektor getötet. Nach Apollod. 
Epit. Vat. 21, 25 zog Leonteus mit Amphi- 
lochos, Kalchas, Podaleirios und Polypoites 
nach Kolopbon. Vgl. Lapithen. — S. auch Pott, 
Zeitschr. f. Völkerpsychol. 14 (1883), 18. — 2) 
ein Thebaner, Stat. Theo. 9, 133. Höfer.] [Stoll.] 



berichte d. ph. h. Kl. d. K. K. Akad. d. W. Bd. 45) 
p. 26. Letzterer hält ihn für Esmun. Viel- 
leicht ist er dargestellt auf Münzen des 3. nach- 
christlichen Jahrhunderts von Askalon teils 
als Brustbild mit ägyptischem Kopfputz, Scepter 
davor, Greifsei über der 1. Schulter, über 3 
neben einander gereihten Löwenköpfen, teils in 
ganzer Gestalt mit denselben Attributen auf 
3 Löwen stehend, Imhoof, Griech. Münz. p. 233 f. 



Leontichos (Ai6vxi%og). Zu Samos war am 20 nr. 771 Taf. 14 nr. 18. 19 (Num. Zeitschr. 16 



Wege nach dem Heraion ein Grabmal des 
Leontichos und der Rhadine, an welchem die 
unglücklich Liebenden zu beten pflegten, Paus. 
7, 5, 6. Es existierte über Rhadine und Leon- 
tichos eine Volkssage von unglücklicher Liebe, 
welche Stesichoros (fr. 44 Bergk) behandelt 
hatte; aber er hatte sie nicht von der ionischen 
Inselstadt Samos hergenommen, sondern von 
der alten triphylischen Stadt Samos, an deren 



p. 293 nr. 150 Taf. 5, 21) 20, wo weitere Litte- 
ratur über diesen bisher meines Wissens noch 
nicht gedeuteten Typus. — 2) Nach Bilthey . 
Rhein- Mus, 1872 p. 417, welchem ich oben 
s. v. Kyon gefolgt bin, Beiwort der Hekate, 1 
nach dem Briefe eines byzantinischen Gramma- 
tikers über die Lehren der Chaldaier in Gr amers 
Amed^Qxgn. 3_g, ,_182.. Dem Zusammenhang 
nach kann aber Xeovzov%og hier nicht Beiwort 



Stelle später Samikon lag, Strabon 8, 347. so der Hekate sein: zl ä' el Xsyoifii icsqi zmv rrjs 



Preller, Gr. Myth. 1, 396. [Stoll.] 

Leoiltis (MVIMOBY), Name einer Frau auf 
einem korinthischen Gef äfs, auf dem der Aus- 
zug des Amphiaraos und die Leichenspiele des 
Pelias dargestellt sind; es finden sich aufser- 
dem folgende Namen beigeschrieben 'EqiwvXa. 
dttft,o\J-\üvua0a. Alvlitnu. EvgvSha. 'Acpiagriog. 
Bäxcov. HiititotCcav. 'Haliprjärig, C. Robert, An- 
nali 1874 82 ff. Monum. 10, 1 tav. 4. 5. Furt- 



'Ev-dzrjg xuitmv, Kai zmv KQoräqimv kou zmv 
Xayövmv wizf/g Kai zmv itiQiKqaviwv TCTjymv 
Mai. £a>azqQ<av; iCg äXXÖKOza yocg d>g slnog 
e^ayäym zbv Xoyov, Kai izgüyiicixa Kalvor^iaza' 
Xeym är\ zr\v nvQncXrjziv jnjyj}»', Kai trjv fiez' 
&K£ivit}v SqaKvaKav [sie!] Kai ä(>aKOvz6£wvov 
r,v Kai G7ceiQod(iaKovT6£(ovov aXXoi icagasw- 
&8zaig itQoaayoQSvovai • Kai •njj' in' avxoig 
Xeovzov%ov. Vielmehr scheint hier dasselbe 



wängler, Berl. Vasen 1655 p. 207, wo Abvzig 40 gemeint zu sein, was die von Boissonade zu 



steht; vgl. F. Blaß, Bialektinschr. von Korinth 
bei Bezzenberger, Beiträge 12, 177 nr. 26 a. — 
Kretschmer, Bie korinth. Vaseninschr. nr. 35 
liefst Ascovlg; vgl. Blaß bei Collitz, Samml. 
d. griech. Biäl.-Inschr. 3, 3140 p. 71 f. [Höfer.] 

Leontodaina8(.4f ovzoSäfiag), einer der Namen 
des Askanios, Serv. ad Verg. Aen. 4, 169; vgl. 
Bd. 1 Sp. 614 Z. 30ff. 37. [Höfer.] 

Leontodame (AeovzoSdfirj), Nymphe im Ge- 



Marinus vita Prodi p. 108 angezogenen Scho - 
lien_äea _Pseüos_ zu den chaldäischen Orakeln 
( p. 77) also erklären: "Ev rmv iv ovqavm öca- 
öena ^mSiatv Xsyofisvmv sazlv 6 Xsmv, oiKog 
rjXiov Xeyopevog, ov zijv Tcrjyrjv, %zoi riyv alzlav 
%r\g XsovzoetSovg !§ äaziQmv ßvv&saemg, Xeov- 
zoi%ov 6 XaXäaiog KaXsi. [Drexler.] 

Leonymos (Aemvviiog), ein Krotoniate, von 
welchem Paus. 3, 19, 11 dasselbe erzählt, was 



folge der Artemis, Claudian, Be cons. Stilich. so oben von Autoleon erzählt worden ist. [Stoll.] 



249. 304. [Höfer.] 

Leontomenes (AsovzoiiivTjg), Sohn des Tisa- 
menos, Bruder des Daimenes, Sparton und 
Tellis, Paus. 7, 6, 2. [Höfer.] 

Leontophonos (Aeovzocpövog) , der Löwen- 
töter, ein Sohn des Odysseus und der Tochter 
des Königs Thoas von Aitolien, zu welchem 
ersterer geflüchtet, nachdem er von dem 
Schiedsrichter Neoptolemos wegen des Freier- 



worden war (s. Apollod. bibl. frag. Sabb. im Rh. 
Mus. 46, 1891 S. 181, 21 = R. Wagner, Myth. 
gr. 1 p. 237, 15). [Steuding.] Vgl. Leontophron. 
Leontophron (AeovzöyQmv) , ein Sohn des 
Odysseus, den er mit der Thesproterin Euippe 
zeugte, Lysimachos Alexandr. bei Eustath. 
p. 1796, 61. Eudoc. p. 74. 394. Nach anderen 
niefs er Doryklos; Sophokles nannte ihn Eu- 



# 



Leophontes (Asmqiovzrjg), ein anderer Name 
für Bellerophontes, Schol. II. 6, 155. Eustath. 
II. p. 632. [Stoll.] 

Leos (Aemg), 1) einer der Heroen, von wel- 
chen die attischen Phylen ihre Namen her- 
leiteten (Emaw^oi), deren 10 (später 12, zu- 
letzt 13) eherne Bildsäulen zu Athen am Markte 
in der Nähe der Tholos standen, Paus. 1, 5, 1. 2. 
10,10, 1. Suid. und Phot. v. 'Enmvvfioi. Et. M. 



mordes zum Verlassen seines Landes verurteilt 60 369, 19. Nach ihm. war die leontische Phyle 



benannt. Er war Sohn des Orpheus, hatte 
einen Sohn Kylanthos und drei Töchter Pha- 
sithea (Phrasithea, Phot. u. Arsen. Praxithea, 
Aelian.), Theope und Eubule. Während einer 
Hungersnot gab er auf Weisung des delphi- 
schen Orakels seine jungfräulichen Töchter, 
die Leoiden, zum Opfertode hin. Die Athener 
ehrten sie, indem sie ihnen mitten auf dem 



1947 Lepetymnos . Lernos 1948 

Kerarneikos ein Heiligtum, das Leokorion, 410 ff. tav. 4 mit Berufung auf Aelian. v. h. 
bauten, Schol. ThuJc. 1, 20. Suid. (und daselbst 1, 24 den Wettkampf des Herakles mit Lepreos 
Bernhardt/) und Phot. v. Atayuögiov. Et. M. erkennen, vgl. Preuner in Bursians Jahresher. 
560, 34. Aelian. ¥. H. 12, 28. Schol. Bemosth. 15 (1891), 314. Höfer.] [Stoll.] 
3, 12. Biod. 17, 15. Arsen, p. 333. Lex. Ehet. Lepsinos (Asipivog), 1) Beiname des Zeus 
p. 277. Schwende, Rhein. Mus. 6, 532 ff. [Vor auf einer Inschrift aus dem karischen Euro- 
allem ist jetzt zu vergleichen Wachsmuth, D. mos, Waddington, Asie min. 319. — 2) Viel- 
StadtAihen2, lAbt. 413ff.,der dieimLeokoriön leicht ist damit identisch der Beiname des 
verehrten drei weiblichen Gottheiten (Leokoren; Apollon Asipwg oder Asipisvg, LyJcophr.~120T. 
vgl. 9sr]Ti6Xos) als 'volkspflegende' Dämoninnen 10 1454; nach Tzetz. = o Ssiva xal yi.e%a1vp.fi.ha 
(Hören?) erklärt, die man später, als man die Xeymv. Pape-Benseler erklärt das Wort durch 
alte Symbolik nicht mehr verstand, zu Töch- ' Schmauser (?) ', Waddington a. a. 0. leitet es 
tern des in Hagnus verehrten Heros Leos von einer Örtlichkeit ab. [Das Beiwort des 
(s. nr. 2) gemacht habe. Koscher.] [Hesych. Apollon ist, wie F. Spiro, Hermes 23 p. 196 f. 
s. v. Aeio-nögiov. Aristid. or. 13 p. 191 Bindorf. erkannt hat, abgeleitet von der der karischen 
Schol. Aristid. p. 111. 112. Theodoret. Graec. Küste vorgelagerten kleinen Insel Lepsia (Plin. 
äff. cur. 8 p. 907 Schulz; vgl. 7 p. 895. Pseudo- n. h. 5, 133), dem heutigen Lipso. Unhaltbar 
Dem. Epitaph. (60), 28 p. 1398. Gregor. Nazian. ist Potts Ztschr. f. vergl. Sprachf. 9, 1860 p. 183 f. 
devirt. 676Bd.2.p. 449 ed. Gaillau. Dem.inConon. Deutung „von der dünnen Natur des Sonnen- 
(54), 7f. p. 1258f. Arist. resp. Athen. 18, 3. 20 lichts". Drexler.] [Höfer.] 
Hegesias bei Strabo 9, 396. Gic. de not. deor. Lepsios (-ieus) s. Lepsinos. 
3, 19, 50. — Asavriäog XQvraveig Atä vvx.fi- Lepsis (Afityig), Name eines Satyrs auf einer 
euvreg G. I. A. 2, 864 p. 337. Höfer.] — 2) Ein Schale des Brygos im Brit. Museum, abgeb. 
Mann aus Agnus in Attika, Herold der Pallan- M on. d. I. 9, 46. Vgl. Heydemann, Satyr- 
tiden, welche den Theseus in Attika wegen u. Bakchenn. 1880 S. 15 Anm. 57. [Röscher.] 
der Herrschaft bekriegten. Er verriet dem Leptis (Aemig). Das Haupt der Stadtgöttin 
Theseus einen Hinterhalt der Seinigen, wo- der Syrtenstadt Leptis erscheint mit der Mauer- 
durch dieser siegte, Plut. Thes. 13. Die kröne und der Beischrift AETTTII auf einet 
Agnusier opferten ihm, Steph. B. v. 'Ayvovg. Bronzemünze der älteren Agrippina, Eckhel, 
Gerhard, Gr. Myth. 2 § 779. [M. Mayer, Gig. 30 Boctr. num. vet. 4, 130. [Höfer.] 
u. Tit. p. 188 Anm. 67. Töpffer, Att. Geneal. Leptynis (Asiitvvig). Aemvviv of fisv zov 
p. 40 Anm. 1. p. 210. Drexler.] [Stoll.] "Atärjv, oi de tty nsQoecpövrjv q>ualv olov zrjv 

Lepetymnos (As7tivvjivos), Gemahl der Me- tsmvvovaav tu ecöfiata zäv uno&avövrwv 

thymna, Steph. Byz. v. Mri&vpvu, Vater des Tzetz. LyTc. 49. Etym. M. 560, 53. [Höfer.] 

Helikaon (s. d.) und des Hiketaon (s. d.), Leria(^fgior). In dem naQ&ivov Aeqias einer 

Parthen. erot. 21. Ein Heroon des Lepetymnos Inschrift von der Insel Thera erkennt Bofi, 

befand sich auf dem gleichnamigen Berg in Les- Inscr. ined. 3,249 die Artemis, die als Par- 

bos neben einem Tempel des Apollon (Antig. thenos auf der Insel Leros (Bofs, Insul. Aeg. 

Caryst. hist. mir. 17) und des Palamedes, Tzetz. mar. epist. 22 p. 120 f.) und unter dem Bei- 
Lyk. 384. [Höfer.] 40 namen IlaQ&ivog Aeqta auch auf Thera ver- 

Leprea(ytsjresa), Tochter des Pyrgeus, welche ehrt worden sei. [Auf dieselbe Göttin bezieht 

die Stadt Lepreon im triphylischen Elis ge- unter Zuweisung der Inschrift nach Leros mit 

gründet haben sollte, Paus. 5, 5, 4. [Stoll.] Beistimmung von E. Curtius, Stud. z. Gesch. 

Lepreos (Af-itQtog b. Paus., Aiitqtög b. Athen., d. Artemis p. 9 K. Keil, Philol. 9 p. 457 die im 
AiiiQeag b. Ael.), Gründer und Heros der Stadt G. I. Gr. 2661b unter Halikarnassos verzeich- 
Lepreon in dem triphylischen Elis, Sohn des nete Inschrift: Noaalg ©eoxIsos | xal Bixrovg | 
Pyrgeus (Paus.), oder des Kaukon (S. des Po- i\sqatsvaaaa | Ilaq&ha). Drexler.] [Höfer.] 
seidon) und der Astydameia (T. des Phorbas), Lerna (AiQva). Auf einer bronzenen etrus- 
oder des Poseidon (Schol. Kallitn. in Iov. 39). kischen Situla (abgeb. Gaz. arch. 7 [1881/82], 7 
Er gab dem Augeias den Bat, den Herakles zu 50 und pl. 1. 2), auf welcher einerseits eine Scene 
fesseln, als dieser den Lohn für die Ausmistung aus dem Abenteuer des Poseidon und dei 
seines Stalles forderte. Als Herakles später Amymone, anderseits die Ankunft des Hera- 
nach Vollendung seiner Arbeiten in das Haus kies in Lerna und seine Begrüfsung durch 
des Kaukon kam, beschwichtigte Astydameia Dionysos dargestellt ist, erkennt de Witte a. 
seinen Zorn gegen Lepreos, und die Versöhnten a. 0. 8; vgl. 11 Anm. 2 in der Frauengestalt, 
liefsen sich jetzt in einen Wettkampf ein im die fast völlig nackt unmittelbar hinter Po- 
Essen, Trinken, Diskuswurf, Wasserausschöpfen, seidon auf einem Felsblock sitzt, die Nymphe 
Lepreos ># ward in allem besiegt; da ergriff Lerna, 'la Nymphe de Lerne, la personnifica- 
er im Arger die Waffen und forderte den Uon de la localite'. [Höfer.] 
Herakles zum Zweikampf auf. Er ward be- 60 Lernäische Hydra s. Herakles, 
siegt und erschlagen und in Phigalia begraben; Lernaia (AsqvaCa), Beiname der Demeter 
doch konnten die Phigalier dem Pausanias sein von dem Haine Lerna, wo ihr zu Ehren My- 
Grab nicht zeigen, Paus. 5, 5, 4. Athen. 10, sterien gefeiert wurden Paus. 2, 86, 7. Ein 
411c. 412 a u. b. Aelian. V. H. 1, 24. Eustath. Weihrelief an Demeter aus Lerna 8. Arch. Zeit. 
p. 1523, 4. Müller, Orch. 373. Preller, Gr. Myth. 13 (1855), 57*. 142 f. [Höfer.] 
2, 265; vgl. Kalkmann, Paus. p. 169. 170. [Auf Lernos (Aigvog), l)Argiver, Sohn des Proitos, 
einer Amphora aus Altamura will Cr. Jatta, Vater des Naubolqs, Ap. Rh. 1, 135; vgl. Pa- 
La sfxda d'Ercole conLepreo, Annali 49 (1877), laephat. 39. — 2) Ätolier aus dem ätolischen 



1949 



Leron 



Lesbierinnen 



1950 



I 

i 



Olenos oder aus Kalydon, Vater des Argo- 
nauten Palaimonios, der übrigens auch, weil 
er von schwachen Füfsen war, ein Sohn des 
Hephaistos hiefs, also ein untergeschobener 
Sohn des Lernos, Ap. Bh. 1, 202. Orph. Arg. 
208. Hyg. f. 14 p. 43 Bunte. Bei Apollod. 1, 
9, 16 heifst der Argonaut Palaimon, Sohn des 
Hephaistos oder Axtolos. — 3) Ein Grieche 
vor Troia, von Penthesileia erlegt, Quint. Sm. 
1, 228. — 4) Vater des vor Troia von Paris 10 
ersehossenen Kleodoro», den ihm Amphiale auf 
Rhodos gebar, Quint. Sm. 10, 213.221. [Stoll.] 

Leron (Afeav), Heros Eponymos der Insel 
Leron, wo er ein Heroon hatte, Strabo 4, 10 
p. 185. [Drexler.] 

[Lerta (?) giebt Hygitms fab. 11 als Namen 
einer Tochter der Niobe, fab. 69 nennt er statt 
ihrer Theva. E. Bethe, Bamenta mythogr. im 
Genethliacon Gottingense p. 41—43 vermutet, 
gestützt auf die Notiz des Hyginus fab. 69, 20 
Amphion habe die 1 Thore von Theben nach 
seinen Töchtern benannt, und auf Grund der An- 
gabe des Schal, zu Eurip. Phoen. 1129 : ix 'Hii-n- 
xqaig nvXaig . . . ol Sc äno 'HXixTQUS fitäg zmv 
'Afufiovog &vyaT£Qa>v, dafs LERTA aus [H]AEK- 
TPA entstanden und THERA in ELE[CT]RA zu 
ändern sei. [Drexler.] 

Lesbierinnen, die sieben (Al snza Aeaßiäsg), 
eine schon bei Homeros (1) und der travestieren- 
den älteren Komödie (2), dann in lesbischen 30 
Lokalsagen bei dem eingeborenen Methymnäer 
Myrsilos und seinen Ausschreibern (3 — 5) auf- 
tretende Gruppe von Heroinen, die bald als 
Eponymen lesbischer Städte, bald als Musen, 
bald als Eignerinnen des später ' Haar der 
Berenike' genannten Sternbildes erscheinen 
und einer älteren Volksschicht anzugehören 
scheinen, als die aiolisch-acha'ische Besiede- 
lung darstellt. 

1. Homeros nennt a) in einem älteren Teile 40 
der Ilias ( I 128 ff. = 270 ff.) siczu yvvuixag 
äfivfiova tqycc lävfag Asaßiäag ... al %cäXsi 
ivi'xav yvlu yvvaitmv. Als Achilleus vor Ilion 
zu Schiffe 12 Städte eroberte (1328 f.), d.h. auf 
Tenedos eine (^625), die anderen 11 wahr- 
scheinlich gelegentlich seiner berühmten Unter- 
werfung von Lesbos [1129. 271: A., as, ozs 
Asaßov ivKTifiivjjv si.iv avxog (?A%iXXsvg), l§£- 
löiijjv (Aycctieiivwv); also in einer ähnlichen 
Trennung, wie auf der parallelen Eroberung 50 
des Festlandes Ilion den 11 anderen unter- 
worfenen Städten gegenübersteht], da hatte 
Agamemnon als Oberfeldherr als ysQag aus 
der Beute sich diese 7 (oder mehr?) Lesbierin- 
nen vorbehalten: darunter die lesbische Orts- 
eponyme (s. unt. 5) Chrysei's. Als er dann auf 
Kalchas' Geheifs diese ihrem Vater zurück- 
geben mnfs (A 430 — 487) , nimmt er sich zum 
Ersätze die lesbische Ortseponyme (s. unt. 1 c) 
Briseis, die ursprünglich dem Achilleus selbst 60 
zugefallen war, wie die Hekamede von Tenedos 
dem Nestor. Als Achilleus darauf sich zwar 
mit der Diomede (1664 f.), abermals einer Les- 
bierin, für den Verlust der Brisei's entschädigt, 
aber doch unversöhnlich sich vom Kriege zurück- 
zieht, bietet ihm Agamemnon zur Versöhnung 
anfser einer peloponnesischen Heptapolis, zwan- 
zig troischen Weibern und vielem Gold und 



Silber als Hauptsühngeschenk nicht blofs 'die 
eine Jungfrau' zurück, um deren Verlust er 
grollt (I638f. aXXrjxzav te xa*6v zs &vjiöv . . . 
stVsjta ■K.ovQ7ig\olrig [Briseig]), sondern gleich 
'die sieben edelsten (weil wegen ihrer Schön- 
heit prämiierten) Jungfrauen', wie Aias sagt 
(I 639 f. vvv äs toi sitza naQiaxofisv s£o%' 
dgiazag). Darunter ist, als eine der Sieben, 
Briseüs mit enthalten, da sie von Aias nicht 
gesondert genannt wird. Fehlen kann sie aber 
unter den von Aias in Agamemnons Namen 
versprochenen Geschenken nicht, da Aias aus- 
drücklich als Abgesandter Agamemnons spricht 
und also seine Aussage sich decken mufs mit 
dem Auftrag des Oberkönigs, der die Briseis 
epanaleptisch ausdrücklich hervorhebt (1 128ff. 
3 270 ff.: Scöcco ä' Ems yvvaixag ä. s. i. Aeaßi- 
&*s, ag, ote A. i. s. av., i^sXSjirjv, a't x. e. qp. y. 
tag psv ol Smaw fisza 8' Hausrat-, rjv nox' 
aniyvqmv %ovqtj Bgiarjog. Im Gesang I ist mit- 
hin Briseis eine der snxä A. — b) Im späteren 
Gesang T sind die 7 Weiber nicht ausdrück- 
lich als Lesbierinnen bezeichnet; auch ist Bri- 
sei's nicht mit eingerechnet, sondern als 'achte' 
ausdrücklich bezeichnet (T245 : ex ä' ayov altya 
yvvaiuag d. s. I. snx', äxag 6ydo«vr]v Beiarjtäa 
naXXijtägriov). Diese gilt hier als in einer 
(anonymen) nöXig Mvvrjrog (T296) gefangen, 
ist verheiratet und verliert den Gatten durch 
Achilleus. Dafs hier eine andere Vorstellung 
herrschend geworden ist, läfst sich vermuten 
aus B 689 , wo im jungen Schiffskatalog Bri- 
seis im festländischen Lyrnessos erbeutet wird 
(wie die Eyprien sie im festländischen Pedasos 
ansetzen: fr. 15 Ki. aus Schol. Vict. II. n 57). 
Es liegt nahe, diese Wendung mit demÜbertritt 
der aiolischen Kolonisten von Lesbos aufs Fest- 
land um 700 zusammenzubringen, welche die 
älteren Verhältnisse verwischte. — c) Diesen 
Widerspruch zwischen I und (dem jüngeren) T 
hinsichtlich der Zugehörigkeit der Briseis zu 
flen Sieben suchte die alte Gelehrsamkeit, 
statt ihn einfach zu konstatieren und zu er- 
klären, vielmehr aufzuheben; und zwar Ari- 
starchos (aus Didymos: Ludwich, Aristarchs 
homer. Textkritik 1, 448) in den Aristonikischen 
Scholien durch künstliche Interpretation, Zeno- 
dotos durch gewaltsame Textänderung. Jener 
erklärte, von T ausgehend, im älteren 1131. 
273 das (isrä sc. rag smä A. üooszai xovqtj 
Bqieijog (Schol Z130f. Eust. ebda, p.741, 4ff.), 
also '= aufser den Sieben, als Achte'. Dieser 
dagegen las, um in 1130 f. die richtige Er- 
klärung (Brise'is als eine der Sieben) einwand- 
frei zu machen, übereifrig statt i^glöfnjv 'e£ 
lildfijjf' (yvvaixag) und änderte in T246 das 
%7tr', dxag oySodxTjv k. Bq. in £§, dxaq sßäo- 
fiäxriv (Schol z. d. St. und A zu 1271. 638). 
Seine Methode ist natürlich verwerflich (Dün- 
tzer, De Zmodoti studüs homericis p. 123. 200). 
Es hätte genügt, darauf hinzuweisen, dafs nur 
peru äs sc zaiaiv iaesxai, «. Bq. ergänzt zu 
werden braucht (vgl. Ebeling- Gapelle, Homer- 
lexikon s. v. ytixiifii, pszä 1 1, wo freilich 1 131. 
273 ebensowenig richtig erklärt ist, wie bei 
Ameis-Hentse). Aber ebenso verwerflich ist 
Aristarchs pszä sc. xäg (vgl. Ebeling -Ca/peUe 
a. a. 0.). Warum Zenodotos recht hatte, die 



1951 



Lesbierinnen 



Lesbierinnen 



1952 



späteren 'Lyrnessierin' oder 'Festländerin' Bri- 
se'is unter den 7 Lesbierinnen mit eingerechnet 
zu sehen, zeigte v. Wüamowitz {Homer. Unters. 
409 f. 412) durch den Hinweis auf die lesbische 
Stadt ßrisa, Bresa (vgl. PMlol N. F. 2 1889, 
106 — 110) , deren Epo.nyme diese Kriegs- 
gefangene ist in dem Sinne, wie anch später 
noch Sklavinnen mit Ethnika benannt wurden 
(vgl. unt. 5). — d) Lokalisieren läfst sich der 



los bleiben (Hyginus), ja sie kamen um (Schol. 
German.J. Zur Entschädigung wurden sie als 
7 Sterne an den Himmel versetzt, woraus die 
Siebenzahl der verstirnten L., wenngleich im 
Text nicht angegeben, erschlossen wird (Philöl. 
N. F. 2 1889, 102 f. ; anders Robert a. a. 0. S. 5). 
Erst Konon fafste die 7 getrennten Sterne 
(vacuas a figura VII Stellas, Hygin:) zu dem 
einheitlichen Sternbilde 'Haar der ßerenike' 



Mythos von den 7 L. durch die Angabe des 10 zusammen und widmete dies der Berenike 
Scholiasten, das küXXsi Ivhtmv tpvXa yvvawmv 'EvsQysztg' durch ein »chmeichlerisches Hof- 

* ' poem. In diesem traten die Lesbierinnen als 

Bittstellerinnen vor der ägyptischen Königin 
auf und baten zum Trost für Konons Ent- 
ziehung ihrer Sterngruppe um Rückgewährung 
ihres an Achilleus verlorenen Brautschatzes, 
für dessen Verlust einst die Verstirnung sie 
hatte trösten sollen. (Conon mathematicus . . . 
dieit crinem (Berenices) inter sidera videri collo- 



gehe auf den KaXXiazeia genannten dyatv küX- 
Xovg yvvaiKwv nagd Asaßioig sv zä zfjg Hqag 
zsfievei. Der Scholiast ist gut orientiert, da 
auch der eingeborene Aristoteliker Tyrtamos- 
Theophrastos von Eresos (fr. 112 p. 192 Wimm. 
aus Athenaios 13 p. 610 A) nicht blofs für die 
schönheitsberühmten (Nymphiodoros ebenda) 
Tenedierinnen, sondern auch für die Lesbierin- 



nen HQtoeig yvvaiK&v nsql KaXXovg bezeugt, 20 catum et quasdam vacuas a figura VII Stellas 



und unabhängig ein (anonymes) Epigramm der 
Anthologie (9, 189) die Existenz dieses Hera- 
Temenos bestätigt, in welchem Sappho selbst 
an Tanz und Gesang von Jungfrauenchören der 
Lesbierinnen beteiligt war. Eine zugleich an 
Homers IvIkwv und Theophrasts xgicfts er- 
innernde Glosse Hesyehs fügt hinzu, dafs die er 
KaXXei XQivö(isvai zäv yvvaiK&v Kai vinäeai 
'Ilvlait8seg'h.iehen (s.v.). Das einem epischen 



ostendit, quas esse fingeret crinem. Eratosthenes 
autem dicit (sc. Gononem mathematicum, Robert 
p. 3 ff.) et <VIiy VIRginibus Lesbiis dotem, 
quam cuique relictam a parente nemo solverit, 
iussisse reddi et inter eas constituisse petitionem : 
Hyginus. — Seh. German.; stellae obscurae VII, 
quae vocantur crines Berenices Evegyszidog. 
Dicuntur et earVM <FI/> VIRginum, quae 
Lesbo perierunt). — 4. Abermals der Lesbier 



oder elegischen Texte angehörige Lemma kann so Myrsilos ist Zeuge für 7 lesbische Jungfrauen, 



nur von der lesbischen Örtlichkeit IlvXaiov 
bei den mytilenäischen Auoieauiai tcszqcci, d. i. 
den Felsen von Larisa, j. Larso, abgeleitet 
sein (der Lesbier Hellanikos bei Strabon 13, 621 ; 
vgl. Philol. N. F. 3 1890, 711 ff.), deren Epony- 
mos üvXaiog einst den Troern pelasgische 
Hülfsvölker aus lesbisch Larisa zuführte (72. 
B843ff.; vgl. Philol. a. a. 0. und 4 1891, 566 ff.). 
Zu diesem Volkstum stimmt auffallend, dafs 



welche Sklavinnen waren und Musen genannt 
wurden, a) Von dem snl zu itivftr] tpoizäv 
Kai Q-Qrjvsiv <ip,y.tXmq, s. unt. 4c> der ev Aiaßat 
ysvöfi.£vai xaQ&svoi Moveai (ohne Zahl) aus- 
gehend erklärt etymologisch die Bezeichnung 
fiilsa für gewisse Gesänge das. Frgm. 5 aus 
Cramer, An. Ox. 1, 285. = Et. Mag. 577, 16. 
F. H. G. 4, 458. b) Die Zahl nennt (M usas 
inducit Septem) das Frgm. (ohne Nummer) aus 



die im Hera-Temenos mitwirkende Sappho an 40 Arnobios adv. gent. 3, 46 p. 121 Galand. 
unabhängiger Stelle (Ovid. Heroid. 15, 27) als c) Vollständig giebt den etymologischen My- 

m ■. P °, ■ i i ■ J ■ -Pn. '• i.: " iV.„„ J„„ TT„^™ V,qI m„-, Alan- T>*Mr r, Q 9.A. 



Pelasgerm bezeichnet wird, in Übereinstim- 
mung mit den sonst über ihre Biographie und 
die Amtsfunktionen ihres Bruders Larichos be- 
kannten Thatsachen (Philol. N.F. 3 1890, 718 ff. 
4 1891, 567). — 2. Homers Verse über die 7 L. 
travestierte mit boshafter Ausdeutung des dfiv- 
jiova $oya ISviag auf den Aeaßiaafiög der He- 
tären Pherekrates (fr. 149. Koch, CA. F. 1 



thos das Frgm. bei Giern. Alex. Protr. p. 9, 24. 
F. H. G. 4, 457 wieder; er führt die (melische) 
Kunst der (7) Lesbierinnen, aäeiv jtai ki9cc- 
qi&iv rag jir^äi-sis zag jrcuÄouäg ifi^eXäg auf 
ihre Lehrerin Megaklo, Tochter des aus dem 
Hom. Hymn. Apoll. 37 berühmten Lesbiers 
Makar zurück. Diese habe bestimmt, dafs die 
Jungfrauen avä nävza za vsqä mittels eherner 



p. 192) in dem sonst auch Nikomachos oder 50 Stelen verehrt wurden; denn sie habe sich 



Platon zugeschriebenen Cheiron: 
<T<*\ S(6ae> Ss zoi yvvaiKag snza AsaßiSag 
(ß> KdXöv ys dägov, %nz' £%siv Xai-naazQiag 
(aus Eustath. zu II. I 128 ff. p. 741 , 22 und 
Schol Aristoph. Ran. 1308 p. 309, 36ff. Bübn.). 
— 3. Verstirnung hatten die 7 L. erfahren 
einem Mythos zufolge, der bis auf den alexan- 
drinischen Mathematiker Konon Geltung hatte 
und die homerischen Andeutungen ausführt. 



ihnen dankbar erweisen wollen dafür, dafs sie 
durch ihre Gesänge den unversöhnlichen Groll 
ihres Vaters Makar gegen ihre (unbenannte) 
Mutter besänftigten. Megaklo habe sie darum 
Mvaag, nach C. Müller (F. H. G. a. a. 0.) rich- 
tiger MoCaag (aiolisch) genannt; gekauft seien 
sie zu diesem Zwecke ursprünglich von Megaklo 
als Sklavinnen (worin ein Anklang an die Kriegs- 
gefangenschaft der homerischen Sieben liegt). 



Eratosthenes b. Hyginus (P. A. 2, 21 p. 67 Bu.) 60 Wir haben hier vielleicht die Legende zum 



und der Scholiast zu Germanicus (Arat. Phaenom, 
p. 72, 19 Breyfs.) übernehmen ihn nach Roberts 
Vermutung (Eratosthen. Gatasterism. reliq., Pro- 
leg, p. 31 65 , 3. 5) aus dem Methymnäer Myr- 
silos. Danach büßten die Lesbierinnen durch 
die (homerische) Gefangennahme bei Achills 
lesbischem Eroberungszug zugleich mit der 
Freiheit ihr Heiratsgut ein und mufsten ehe- 



Iqov Moveäv, das der Stein von Mesopotamon 
auf dem Kagjani Akroteri auf Lesbos bezeugt 
(b iv Kov6zavtivovnöXu '.EHijvixog (piXoXoyiv.bg 
avXXoyog 15 1884, 212). Führt der Name Me- 
gaklo (über die verschiedenen Megakles Arist. 
Pol. 5, 8, 3. F. H. G. 2, 158. 172. Longos 4, 35) 
und ebenso der des Makareus (Ailian. V. H. 
1 3, 2) nach Mytilene, so findet Bich andrerseits 



1953 



Lesbierinnen 



Lesbierinnen 



1954 



auch wiederum in Mytilene jene Muse des Les- 
biers Lesbothemis, die das vorgrieehische orien- 
talische Musikinstrument der cafißiSjAj trug 
{Bummler, Athen. Mut. 11 1886., 38 1 ). Der 
hellfenische Name der 9 Musen scheint hier 
ebenso willkürlich auf eine orientalische Sieben- 
zahl übertragen zu sein, wie dies bei den torrhe- 
bischen Teichnymphen Lydiens geschehen ist, 
den Lehrerinnen des Lyders Torrhebos, und 
durch ihn überhaupt der Lyder, in der torrhe- 
bischen Melik- {Nikol. Damask. 4 frg. 22 aus 
Steph. Bye. Töggtjßeg, einend. Buttmann, Myth. 
1, 275. F. R.G.S, 370). Der Sklavenstand 
dieser lesbischeh '7 Musen' oder 'Jungfrauen' 
sowohl im homerischen wie im myrsileischen 
Mythos verrät, dafs die Sieben den Achaiern 
des Achilleus und Agamemnon dort ebenso 
stammfremd gegenüberstehen, wie hier den 
Aiolern des Mäxue Alolimv : eine Beobachtung, 
welche bestätigend hinzutritt zu dem oben ld 
aus anderen Gründen vermuteten Pelasgertum 
der Sieben. 

5. Verwischt ist dieser ethnische Gegen- 
satz zwischen den 7 Pelasgerinnen und den 
jüngeren Aiolern Makars wie den noch jün- 
geren Überwindern Makars, den homerischen 
Achaiern in der offiziellen Gründungssage der 
Penthiliden, die an ihren 'Stammvater Aga- 
memnon' anknüpfen. Diese Sage geht, in 
3 Brechungen erhalten, abermals auf den ein- 
heimischen Myrsilos zurück, a) In dem jetzt 
von v. Wilamowits {Hermes 25 1890, 196 f.) 
wieder als echt plutarchisch anerkannten 
Symp. VII Sapient. 20 p. 163 erzählt der 
Mytüenäer Pittakos von der Landung der 
7 lesbischen Gründungsheroen im Meeoysiov 
SQfia (= IIvQQaicov iLolnog = nolnog rijs Kul- 
Xovfjg) von Lesbos zusamt ihren unverehelichten 
Töchtern. Diesen 7 Vätern ward vom Orakel 
befohlen, bei der Landung der Amphitrite und 
den Nereiden eine Jungfrau zu opfern. c Da 
nun aber ihrer 7 Archageten und Könige waren, 
der achte aber der vom delphischen Orakel 
zum Oberführer bestimmte Echelaos war, so 
war dieser zwar noch Junggeselle, von jenen 
losenden Sieben aber — soviele hatten unver- 
mählte Töchter ■ — traf das Los die Tochter 
des Smintheus.' Man wird annehmen müssen, 
dafs eben jeder nur eine Tochter gelost hatte, 
und den 7 Vätern, oaoig ayccfioi naiäsg fieav, 
7 jungfräuliche Töchter entsprechen: solche 
Erklärung des oeoig entspricht dem Geiste des 
Mythos. Es folgt nun die Sage vom Enalos 
(s. d.). b) Als Bürge für diese auch von ihm 
erzählte vxieig nennt Antikleides {Nöatoi 16) bei 
Athenaios 11p. 466 CD. 781 C ' pv&oXoyovvrig 
jtsgl t&v iv Mr}&vfLvr| , , d.h., wie unter 5c sich 
ergeben wird, Myrsilos von Methymna: I>ä 
stgA&eßov atsiXavzog avv äXXoig (s'^> ßuoiXsvaiv 
[dies ist jetzt gegen Meinekes {Anal. crit. 
p. 212) Änderung in AioXsvaiv durch das von 
ihm übersehene üqxriycxäv smä %al ßaoileav 
Plutarchs (s. ob. 5a) geschützt], c) Einen sehr 
kurzen und flüchtig (aus dem Gedächtnis) ge- 
gebenen Bericht über diese erste Landung des 
t#tji£<Bs (1. Epivd-goog) und der anderen Pen- 
thiliden auf Lesbos giebt Plutarchos de Sollert. 
animal. 36 p. 984E, wo die Jungfrau auf den 

Eoschee, Lexikon der gr. u. röm. Mythol. II. 



Rat des Orakels der Amphitrite (! statt des 
pythischen Apollon) in die 9aXaaea (den 
Kallonegolf) versenkt wird und abermals, wie 
bei 5 a und b, die Enaloslegende den Schlufs 
macht. Hier wird ausdrücklich der Lesbier 
Myrsilos als Gewährsmann genannt, aus dem 

. auch der Atthidograph Antikleides seinen» Be- 
richt haben mufs {Programm Neitstettin 1887 
S. 1 mit*). Die angebliche 'Rettung' durch 

10 den liebenden 'Wassermann' "EvaXog durch 
Umschlingung der Jungfrau beim tödlichen 
Wassersprung ist ein mifsverstandener oder 
umgedeuteter Brautraub des Tiefengottes 
(ebenda S. 6 ff.), und der ganze Wassermythos 
eine Variante von der e"benda abzusetzenden 
Liebesverfolgung der Xgvarjtg -'Aitgiättj {Eu- 
phorion bei Parthenios Erot. 26; s. Bd. 1 Nach- 
träge 'Apriate'). Wenn im Enalosmythos die 
aus der Siebenzahl' herausgerissene Jungfrau 

20 eine Tochter des (Apollon) Epiv&tvg heifst, 
so ist in Euphorions Form des Trambelos- 
mythos 'Aiteiüvri keine andere als Homers 
xovqt] cutQiäxr] Xgverjlg {II. A 98), eine Tochter 
des Smintheuspriesters Chryses, der selbst als 
Bewohner des Tempelortes Chryse eine hero- 
ische Hypostase seines Gottes, ein Sjiiv&evg, 
ist {Philol, N. F. 3 1890, 107 ff.). Chryseis war 
also, ehe Briseis ihre Stelle vertreten mufste, 
unter den 7 lesbischen Weibern gewesen, 

30 welche Agamemnon aus Achills lesbischer 
Beute sich vorbehielt. Denn unter dem ho- 
merischen Chryse des Gesanges A ist trotz 
Demetrios v. Skepsis keine festländische Stadt, 
sondern der alte lesbische Ort {Steph. Byz. 
v. Xqvarf) zu verstehen, gelegen am selben Me- 
eoysiov eefia {nvQQai'mv oder KaXXovrjg n6l- 
nog), an dessen Binnenstrand nicht nur die 
Landung der Penthilide» und der Wassersturz 
der Smintheustochter vor sich ging {Progr. 

40 Neustettin a. a. 0. 14 **. Philol. a. a. 0, 105), 
sondern auch, bis zur Zerstörung Arisbas, 
Smintheus Kult genofs {Philol. a. a. 0. 103 f. 
zu C.I.Gr. nr. 2190 b ). Die Chryseis dagegen 
eignet (wie z. T. die Sapphobiographie) dem 
ebenda anzusetzenden Kult der lesbischen 
Aphrodite -Xgver\ (vgl. Philol. 104ff. 116f. und 
über Sappho 719 u. ob. ld); Aphrodite aber 
ist pelasgisch wie Sappho, wie die Schönheits- 
wettkämpfe und Reigen, bei denen Sappho 

50 mitwirkte, und wie die Siebenzahl der lesbi- 
schen Musenjungfrauen, die in jenen Wett- 
kämpfen gesiegt hatten (vgl. Pauly, Meal- 
encyklop. 3 Art. 'Aphrodite'). Welche 6 Städte 
aufser Xpüejj (und Bgteu) durch die 7 Heroinen 
vertreten waren und in der Penthilidensage 
zu Töchtern des fremden anlandenden Neu- 
„Gründers" und Nachkommen Agamemnons ge- 
macht worden waren, ist nicht sicher auszu- 
machen; doch können es nur solche sein, die 

60 von Achilleus erobert wurden. Von diesen 
kommt nicht in Betracht die Stadt des Phor- 
bas, da dessen Tochter Diomede nicht in 
Agamemnons Besitz übergegangen war (unter 
den 7); eher (2) Peisidike, die Königstochter 
von Methymna, nach unbekanntem Epiker (bei 
Partiten. Erot. 21. Meineke, Anal. Alex. p. 324) 
bei Achills Eroberung ihrer Vaterstadt be- 
teiligt; oder (3) die Meropstochter Arisba (s.d.), 

62 



1955 Lesbos Lethe 1956 

Eponyme der gleichnamigen von Achilleus er- Osann; ein Monat As o%av6giog auf thessalischen 

oberten Stadt (Serv. Verg. Aen. 9, 264; vgl. Inschriften, Heuzey, Le mont Olympe Insc. 

Heyne z. d. St. und den Exkurs 1* in 3, l 4 p. 467." 469. 473. Mem. sur une mission au 

p. 521 ed. Wagner). Sicher gelten als von mont Athos 1,23; vgl. Lolling, Sitzungsber. d. 

Achilleus erobert noch (4) Hiera oder Hiera- K. Preuß. Ah. d. Wiss. 1887, 571. Fick'Bie 

polis und (5) Pyrrha bei Biktys 2, 16 (nach dial. Inschr, der Phthiotis bei Bezzenberger, 

der Fleckeisen, Jahrb. 17 1888, 829 f. gegebenen -Beiträge 6, 311. Bischoff, De fastis Graec. 

Textwiederherstellung), freilich ohne dafs zu antiqu. 319. 334. ^ [Bragumis, IIsqI Xse%<äv ■x.a.i 

ihnen eponyme oder sonstige Heroinen über- zfjg sv 'A&rjvcug ivaiialvtp&eiavg, Mitt. d. K. 
liefert wären, die als eine der 7 gelten könnten. 10 B. A. Inst. Ath. Abt. 17, 1892 [p. 147—155] 

An sonstigen Namen, die als 6. und 7. in Vor- p. 152 f. Drexler.] [Höfer.] 

schlag gebracht werden könnten, ist kein Lestorides {AeoxoQl8r\g), einer der Freier 

Mangel ; aber sowohl Mytilene wie Issa, Antissa der Penelope aus Dulichion,_ Apollod. frgm. 

(Methymna) und Agamede sind als 'Makar(-eus)- Sabbait. f. 121a. Bhein. Mus". 46 (1891), 179, 

töchter' nicht geeignet, unter 'Makars Sklavin- 27. Papadopulos-Kerameus a. a. 0. vermutet, 

nen' zu erscheinen. So gilt in diesem Punkte dafs NsazogiStjg, Wagner, dafs &sazoqiärjg zu 

wenigstens noch daB sciri nequit, das Valcke- schreiben sei. [Höfer.] 

naer, Haupt (Quaest. Catullian., Opusc. 1, 61),. ' Leta . . . (leta . . . ), etruskischer Götter- 

Bunte (zu Hygin, P. A. 2, 24 p. 67) und noch name im Genitiv auf der Bronzeleber von 
Meiert (Eratosth. reliq. Proll. 3) über Hygins 20 Piacenza, vielleicht zu letafs] oder letaßj zu 

und des Germanicus - Seholiasten c verBtirnte ergänzen; s.lein&; vgl. Beecke, Etr. Fo. 4, 79 

Lesbierinnen' ausgesprochen haben; vgl. über (auch 38). [Deecke.] 

die ganze Frage Phüol. N. F. 2 1889, 99—130. Lethaia (Arj9aia). Nach Ov. Met. 10, 68 ff., 

- 6. Die nccQ&ivoi f zi X ai. o^aroü bpoSCuzoi w0 es heila h O r P neus sei uber den Verlust 

bei Wessely, Ephesia grammata aus Papyros- semer Gattln s0 entsetzt gewesen, wie au% 

rollen, Inschriften, Gemmen etc. gesammelt 1886 fr™ 1 ] m se crimen traxit volmtque videri Ole- 

nr. 85 sind vielleicht eine letzte Erinnerung nos esse nocens, tuque, confisa figurae, 

an die lesbische Siebenzahl. Das ovgavoi Infelix Lethaea, tuae, lunchssima quondam 

kann auf die Verstirnung, buoSCaixoi, auf ihr Pectora, nunc lapides, quos umida susUnet Ide, 
gemeinsames wundersames Schicksal gehen; s° scheint es, dafs Lethaia, die Gattin des Olenos, 

auch die Jungfräulichkeit stimmt, und wer zu sich einer Göttin gegenüber ihrer Schönheit 

'Musen 'verwandelt werden konnte, kann eben- gerühmt und ihr Gemahl sich erboten habe, 

sogut im Volksaberglauben die Rolle von zv X oti die jener zugedachte Strafe auf sich zu nehmen, 

erhalten oder - behauptet haben. Denn als dafe aber belde "» Steine verwandelt worden 

ursprüngliche (eponyme) Stadtheroinen mufsten seien ; v gl- Lactant. Placid. fab. 10, 1. (Hoier.J 

sie ohnehin von je eine jede die Tv%n ihrer Lethaios (Arj&aiog), Flufsgott. auf Münzen 

Stadt gewesen sein. Unter diesem Gesichts- des L - Ve rus von Magnesia am Maiandros zu- 

winkel scheint Orusfus* Änderung in nzv%ai. sammen mit letzterem gelagert zu Füfsen des 

(Wochenschr. für klass. Phüol. 1888 S. 3 mit Kultusbüdes der Artemis Leukophryene (s. d) 

Rücksicht auf Euripides Phoen. 48: ovqccvov « dargestellt. Einen Flufs gleichen Namens gab 

vaioov mzvväg Zsvg), so sinnvoll sie ist, nicht es in Kreta und Thessalien; auch der Aa&mv 

_,. rT -.. „ , z ' ' - < in Libyen kommt unter dem Namen An&ulog 

notig. [Die na&svoi £ *« z «. ov 9aV oy o ? o- Pape-Benseler, Wb. d. gr. Eigennamen 

oCoazoi , über welche man auch Bteterich, „ ' »„„ rj) rex i er -1 

A.braxas V . 105f vergleiche, sind nur aus der £ eth m L ^ am; ; j etru8k i sc her Name einer 

ägyptischen Mythologie zu erklaren. Auf Gmin rf < e inem Spiegel von Corneto (Tar- 

Agypten weisen die Schlangenhaupter der- inii) bei d ^^ Marzi dessen ,\ ider 

selben, ferner die vier Säulen des Himmels, ^ e ; rlogchene Zeichnung die Geburt der Mi- 

welche sie bewachen, vgl. Brugsch Bei. u. dargestellt zu haben scheint, doch fehlt 

Myth. d alt., Ag. p 201f. 208f Auch die - &l ■ (= f " H og) s . Fabr C . 1. 1. Pr.Spl. 

Siebenzahl spielt in der ägyptischen Mytho- 395 D ^ erse i b £ Nam ^' kommt ' im Geni ti v auf 

logie ich erinnere nur an die 7 Hathoren, der Bronzeleber von Piacenz a 5mal vor: le»ms, 

eine Rolle. Drexler.] [Tümpel.] ^^ abgekürzt U&am, le&n (2 mal) für *le- 

Lesbos (Aseßog, o), 1) Sohn des Lapithes & a ms; s. Beecke, Etr. Fo. 4, 38 ff. — Bugge, 

(s. d.), eines Sohnes des Aiolos Hippotades, wan- E tr . p _ M- £j. 4) 227 ff. erklärt le9am = 

derte infolge eines Orakelspruches in Lesbos r'EezCav Q,' = Artikel); vgl. Beecke, Etr. St. 

ein, heiratete die Tochter des dort herrschen- 5 74^ [Deecke.l 

den Makareus, Methymna, und gab der Insel ' Lethe {Ari»rf), 1) die Vergessenheit (der Un- 

nach sich den Namen, Biod. 5, 81; vgl. Steph. dank), eine Tochter der Eris, Hes. Theog. 227. 

Byz. v. Alpoviu. [Vgl. Tümpel, Phüol. N. F. 60 ß raun> Qriech. Götterl. § 261. 262. Limhwg> 

2, 123 ff. R.] — 2) ri Aseßog, Gemahlin des Brouwer, Hist. d. I. civilis, d. Grecs ö^Sl. Die 

Makar (Makareus), der sich auf Lesbos nieder- Chariten nannte man Töchter der Lethe, ScM. 

gelassen, Schol. II. 24, 544. [Stoll.] jj_ u> 2 76. Ein Altar der Lethe stand zu 

Leschanorios s. Leschenorios. Athen in dem gemeinsamen Tempel der Athene 

Leschenorios (AiaxrjvÖQiog), Beiname des und des Poseidon (Erechtheion), Plut^ Qu. conn. 

Apollon, unter dessen Schutze die Xiex al 9-^fi^L [Ephesos: The coll.ofanc.gr. inscr, 

standen, Kleanthes bei Harpokr. s. v. Xse%ai. iniheBrit. Mus. Part. 3. Sect._ 2 p. 221_arj5ftQ 

Phot. Suid. Cornut. de nat. deor. 32 p. 201 Z. 2IL Drexler.] — 2) Quelle und Flufs der Ver- 



1957 



Lette 



Letinno 



1958 



gessenheit m der Unterwelt. Auj^ihm tranken ist hockst unwahrscheinlich. In einem in- 

die Verstorbenen nach ihrer Ankunft im Hades., schriftlich erhaltenen Priesterverzeichnis aus 

Vergessen der irdischen Lebens, und auchj&ä" " Ephesos, in welchem auf den im Genetiv 

Bach orphischer Lehre ans der Unterwelt^cjk stehenden Namen der jeweiligen Gottheit der 

lSÖ k » Z » u ™Me%enden tilgjÄcE' Name des Priesters folgt, ergänzen Uewton- 



die Erinnerung des" Vergangenen dufBE^eujgn 
Trunk aus der Lethe. Die %rsfellung von 
der Lethe in der Unterwelt ist erst längere 
Zeit nach Homer erdichtet und in den Volks- 



HicM 4 Am. Greek inscr. in the Brit. Mus 
3.&$>£,M1.-Mv]sla(g) . . Arftfrqg AXsl "Diese 
Ergänzung ist sehr ansprechend : die Zusammen- 
stellung von MvsCa (= Mvrj/ioaovrj) und Aföi) 



S}S^SS&,^ bei S e S^geri. Zuerst finden wir sie 10 erinnert an die Ceremonien im Orakel des 



erwähnt von Simanidex (Epigz.^i8i t ^Bexgk) 
^mülPoZJ^^J doch "wird die AuförSclaft 
des Sim. angezweifelt) und Aristoph . Bau. 186; 
von einem dramatischen Dichter b. PluLmmol. 
atLAp^&^lh, Plat. rep, ..10 j. j>21. Vera. Am. 
6^_IQJ. 715^ LuManu de luctu iS-rä. Mark D. 
UM-23^ Qv,Ep,_eg;P^A t J>&, Bei Schöl, 
Q/LMyÄL und Eustath. p. 1672, 42 ist, die Vor- 
stellung der späteren Zeit mit der des Unnu>r 

wiTnioiilit Hon TÄfn««**.. T«Al.« T_ :4- 



vermischt. 

der^'Hohle des Trophonios, fS&wie das der 
Mnemosyne, Paus: 9, 39, 4. Auch im Bereich 
des Schlafgottes spielt Lethe eine Rolle; vor 
dejMjrptta, in der er wohnt, fliefst ein äÜ- 
gezweigter Bach der Lethe, Qü^Met J.I, 6ÜS, 
In QxpKJHymn,.M,.& heifst er Bruder der 
Lethe und des Thanatos. Vgl. Y&rg^Aen. _5j 
854. Georg.1,87. K allim . inJDel. 234. \ Rohde, 
Psyche. P- 290_Ä_nm 2. p._67Ö An m~ 37 p . 67 7 f. 



Trophonios, wo die Besucher das ^jjö-jjg und 
dann das Mvrnioavvrjg vSwq trinken mufsten, 
Paus, 9^ 39^ 8 — entsprechend dem oben er- 
wähnten Ari&ris Q-Qovog gab es hier auch einen 
ftgövos MvTjfioGvvrie, Paus. 9, 39^ 13 — und 
an PlulLÄejil ap^JDelpfi.^lx nag' a> (AnöXXavt) 
fisv at MovGca xal ij Mvrjiioavvrj, na<[ q> 
(niovttovi) ds i) Arj&rj v.a.1 r) Siamr). Über 
das Lethetrinken s. CreuAer x _Symbplik JLMJJ^ 



Da ^_Wasser Leth^w^ar auch in 20 der eine Taf.T+JL abgebildete Gemme mit der 
m 1 •_«_ ■. , Darstellung eines Totenschädels, über welchem 

ein Schmetterling schwebt und neben dem 
ein Wasserkrug steht, hierauf bezieht, und 
H. D. Müller. Ares 110. Höfer.] [StolL] 
Lethms, Lethns, Lethn, s. Letham. 

[Deecke.] 
Lethos (Arj&og), ein Pelasger, Tevtafiiäag 
genannt, Vater des Hippothoos und Pylaios, 
welche den Iliern aus Larisa Hülfsvölker zu- 



Anm,Jj. Ettig, Acheruntica. p. 310 ÄnmJL. 30 führen, im troischen Schiffskataloa Homers- 

7l»«r<W/>Ji A^Z-*..'« ~ OC ftnOC TT CU TL. Ti ti n . « Tri", t.-»- t-i °, ...' 



Dieterieh, NeJc yia p . 86. . 90 ff. H. Stephanus 
Thes^_Gr. L. s. v. A^&rj, De^VU*J>nsmZjk 
P. lQ6_s^v. Lethejind Lethaeus. AiberLJahns 
Anmerkung 46 in seiner A us g a be„derJ5Wo£ae 
e_Proclo de pMlosophia chaldaica, ~Bj3SlSx. 
1.891- p, 21 f. IlQÖTtXov slg tov bv noXizti'oi tov 
nxäravog pv&ov vn6iivT]iia in den Analecta 
sacxa^eL dass. spjeü^i^ßolesmetm parata ed. 
Pitra 5^. 2 p. 139—141 und_J.n Anecdota varia 



II. B 846. Wie Pylaios Eponymos"des lesbi- 
schen Pylaion ist (Hellanikos nach lesbischer 
Lokaltradition bei Strabon 13, 621 ; vgl. Philöl. 
N. F. 3 1890, 708 ff.), so wird Hippothoos eben- 
falls nach Lesbos gehören. Da ferner nach 
demselben Hellanikos (frg. la aus Dion. Hai. 
1, 28 = frg. lb ans 1, 18) diese aiolischen Pe- 
lasger aus Thessalien stammten (vgl. auch die 
chiische Tradition über die thessalisch-chiischen 



Gr^etLai. edd. Bßhm^^tudmmnd__%^WCZ 40 Pelasger bei Strabon a. a. 0.), so wird Tsvta- 
Dreslfir-I TSehr durchsichtig ist Flut. Symp osA. piSug als Sohn jenes Teutamias oder Tevza- 
ö, 3. aXlu fioi doxoveiv ovn 6(>&<ög oi nuXcciol ' ' ' ■ - - 



itatSa Atf&rjg tov Jiövvoov igu yäg ita- 
■csQa itQooayoQevsiv: im Weine liegt Vergessen. 
D ionysos ^ giebt vnvov ts Xri&riv räv *u&' ripi- 
„quv Hccxtov. Em_. JBaccÄ,_282, daher Xa&iHrj- 
t^ijg Beiname des Dionysos, Kaibel. Epigr. 
Ifi35*_.5. 4A. Pal. 9, 524. Ebenso sagt 
vom Schlafe Orestes w q>üov vnvov &sXyrj- 



(litjg zu verstehen sein, der bei Dion. Hai. 1, 28 
aus ITsvictiiiärig in dem hellanikischen Stemma 
der thessalischen Pelasger herzustellen ist 
(Philol. a. a. O. 713). Mithin ist L., wie der 
nach Tyrrhenien auswandernde Nanas, über 
seinen Vater Teutamias oder -es ein Enkel des 
Amyntor, des Sohnes Phrastors, den König 
Pelasgos mit der Peneiostochter Menippe er- 



tqov, eni*.ovQov vöaov .. w nörvia A $ 9ri 50 zeugt hatte. L. mufs eine Zwischenstation auf 



xäv kuk(5v, mg sl Gotfii] Kai totai 8varv%ovaiv 
svxraia »säg; vgl. Spph. bei Stob.Flor. 26, 3 
At)&i]v ze ziyv anavt' äitsaTSQjjiisvriv, xmcprjv 
avavSov. Ursprünglich scheint Lethe als Göttin 
in der Unterwelt thronend, wohl als nägsSgog 
des Hades gedacht zu sein, so heifst es bei 
ApoMQd,JEpit. Vat. 6, 3, der an dieser Stelle, 
wie Wagner, Cur. myth. 156 zu erweisen sucht, 
dem Pmyassis. folgt, Theseus und Peirithoos 



der Wanderung aus Thessalien nach Lesbos 
vertreten, entweder den thessalischen Arj&awg- 
flufs, oder, da südliche Wanderung nach Boio- 
tien durch Ephoros {frg. 20 aus Strab. 9 p. 401. 
F. H. G. 1, 241) bezeugt ist, das Arj&aCov m- 
Siov, das bei Lebadeia Theognis (1216) erwähnt; 
vgl. die Lokalisierung der Lethe am dortigen 
Trophoniosheiligtum (bei Pausanias 9, 39, 8). 
Kultthatsachen bestätigen diesen Zusammen- 



hätten sich in der Unterwelt sv rm rjjs A'q&jjg 60 hang zwischen Lebadeia und Mytilene, in dessen 

frgovm gesetzt; auch der Ausdruck Arj&rjg "■•-■■-■ - - 

äopot, (Simonides a. a. 0. Tragiker bei Plut. 

Cms,_.MJi-SoU,_\b. Quint. Smyrn* 1 4, 167) 

scheint darauf hinzudeuten. — Die Vermutung 

von Mangate,JUh. .Müt.Jl, 331,_ dafs bei Plut. 

Qmest.^GQnv^A^& t _± iv a> (i. e. in Erechtheo) 

xal ßcofto's iaxi Ari&ris tSqvp,'iv6g nach Paus. 

9-1-35* 2. zu schreiben sei ßmiiög Jcrt ®aXlovg, 



Bezirk das früh untergegangene und aufgesogene 
Larisa mit Pylaion lag ; vgl. Philol. a. a. 0. 7 1 8 ff. 

[Tümpel.] 
Letinno, topische Gottheit (ob männlich 
oder weiblich ist unsicher) auf einer Basis im 
Museum zu Nimes: Letinnoni b(onae ?) opi- 
fferae ?) imper(anti ?) poni Nemausenses, 
C. I. L. 12, 2990 add. Hirschfeld setzt die In- 

62* 



4 

1959 Leto (b. Homer, H^iod etc.) ; Leto (b. Kallimachos etc.) 1960 

schrift nach den Buchstabenformen in Aas erste' Falls die Göttin ihr aber einen groben Eid 
nachchristliche Jahrhundert. Frühere lasen schwöre, dafs Tempel und Orakel nirgends 
fälschlich L • ET IVNONI. Seguier hat zuerst anders als auf Delos sein werde so sei sie 
die Gottheit mit dem nordöstlich von Nimes bereit zur Aufnahme. Leto leistete den ver- 
gelegenen Fundort Ledenon zusammengebracht, langten Schwur und wurde aufgenommen. Neun 
Hirschfeld, Westdeutsche Zeitschr. 8 p. 136. Tage und neun Nächte dauerten die Geburts- 

[M Ihm.] wehen. Alle Gottinnen, Artemis, ßheia, Ihemis 
Leto (AmÄ, dor. AtttA, lat. Lätöna, etrusk. Amphitrite und die anderen mit Ausnahme 
Letums d., Tochter des Titanen Koios und der der Here, kamen hülfreich herbei. Aber die 
Titanin Phöibe (zuerst bei .ffesjodTÄeo^404ff. 10 beste Helferin bei schweren Geburten Eilei- 
Hymn. Born. 1, 62 Arjtol, wSloxn My««>Q pe- thyia, hatte keine Kunde von der Not der 
ylxov-Kolow; AJcusilaos im Etym. M. v. Koiog. Leto. Sxe blieb auf der Hohe des Olympos, 
Apollod. Biblioth. 1, 2, 2. Paus. 4, 33, 6. Ap. zurückgehalten von der listigen Here, denn 
Mhod 2,712 u.a.), daher XoioysMjs (Pind. diese beneidete die Leto um den künftigen 
fr 88 Berqk), Komtg (Kallim. Hymn. 4, 150), herrlichen Sohn. Zuletzt schickten aber die 
Kcavtig to/ph. Hymn. 35, 2) genannt. Dieser auf Delos versammelten Göttinnen Ins aus, 
einstimmig feststehenden Genealogie steht um die Eileithyia zu hulfreichem Kommen zu 
völlig vereinzelt gegenüber der bei Hyginus bewegen. Durch das Versprechen eines neun 
als Name des Vaters überlieferte Titan Polus. Ellen langen goldenen, mit Elektron besetzten 
Die früheren Herausgeber, wie Bunte, nahmen 20 Haisgeschmeides gelang es Ins, sie willig zu 
wohl nicht mit Unrecht einen Fehler an, sei machen. Sie flog herbei und alsbald kam 
es des Hyginus, sei es in der Textüberlieferung. die Gebärende zum Ziel. Mit den Knieen sich 
Der neueste Herausgeber M.Schmidt hat Polus auf den weichen Basen stemmend und mit 
wieder aufgenommen (S. 11,7. 17, 16 = J^a&. 140). den Armen den Stamm der Palme umfassend, 
Als Schwester wird Asterie genannt (s. Asterie) kam sie zum Jubel aller Gottinnen mit dem 
und Ortygia (Schol. zu Apoll. Bhod. 1, 308). verheifsenen Sohne nieder. Die Gottinnen 
Der Mytnus der Leto wird fast völlig erschöpft wuschen den Neugeborenen, wickelten ihn m 
durch ihre Rolle als Mutter des Apollon und ein feines Linnen und umbanden dieses mit 
der Artemis, in den Erzählungen von der Ge- goldenem Wickelband. Als Nahrung reichte 
burt dieser ihrer Kinder, vom Frevel des Tityos 30 ihm Themis Nektar und Ambrosia. Kaum 
und der Niobe, wo sie in beiden Fällen von hatte ihn die Götterspeise gestärkt, so sprengte 
ihren Kindern gerächt wird. Als Mutter des der schnell erwachsende Gott seine Binden und 
Apollon und der Artemis durch Zeus kennt verlangte eine Kithar, Bogen und Pfeile und 
sie bereits das ältere Epos (A9. IT 849: A V tov S schritt so den Kynthos herauf, wahrend die 
aal Aiog vwg; A 36. T413. *318: ava% rbv ganze Insel in goldenem Glänze erstrahlte. 
ivTLouog T£»6 Anrm; Hesiod Theog. 918: A n rm Die Erzählung des homerischen Hymnus 
S' 'Arc6Ucovoc Kai'Aozepuv Io X ^qccv - ystvaz' blieb die Grundlage für die Darstellung der 
So' ulyiözow //lös ml&zriti, piy Üoa; Seut. Here. delischen Göttergeburt auch bei den spateren 
478 Anrotärig; vgl. Hom.hymn. 3,253. 321. 403. Dichtern und My thographen , wenn auch mit 
513 524 Artemis Tochter der Leto 504. 40 mannigfacher Abweichung und Bereicherung 
&603- vgl E447. Hes. Theog. 918). Im übrigen im Einzelnen. Eine durchaus eigenartige i Re- 
kennt' die Ilias die Sage von Niobe (fl 602 ff.) Produktion, zugleich der einzige uns erhaltene 
und die Odyssee jene vom Frevler Tityos (1576 vollständige dichterische Berieht neben dem 
— 581) Unerwähnt sind dagegen in den Ge- des homerischen Hymnus, ist der Hymnus des 
dichten Homers wie auch Hesiods Delos als Kallimachos auf Delos. Im allgemeinen be- 
Geburtsort und überhaupt irgend welche nähere treffen die Veränderungen und Ergänzungen 
Umstände der Geburtssage. Diese finden ihre der Späteren folgende Punkte. Die Irrfahrt 
erste Darstellung im ersten homerischen Apollon- der Leto wird motiviert durch den eitersucn- 
hymnus Weithin irrte die Göttin von Land tigen Zorn der Hera gegen alle, welche dem 
zu Land längs den Küsten und Eilanden des 50 Zeus Kinder gebären. Besonders aber zürnt 
ägäischen Meeres, einen Ort zu finden, wo sie sie der Leto, weil sie im Begriffe steht, einen 
gebären könne. Alle Länder und Inseln aber Sohn zu gebären, welchen Zeus mehr heben 
weigerten sich, sie aufzunehmen, aus Furcht wird, als den Ares {Kallim. 55 — 68). Durch 
vor dem gewaltigen Sohne, welchen sie ge- ihre Wächter Ares und Ins läfst sie Leto ver- 
bären sollte. Endlich gelangte Leto nach folgen und allen Ländern verbieten, ihr Aut- 
Rheneia und richtete von hier aus ihre Bitte nähme zu gewähren. Nur Delos furchtet den 
an Delos. Wenn die Insel einwilligte, das Zorn der Hera nicht, sondern ladet die von 
erste Heiligtum des künftigen Gottes zu tragen, Euboia herbeikommende Leto ein (Kallim. 60 
so werde sie reichen Gewinn finden. Delos -200). Nach einer anderen Erzählung (Hygin. 
war hoch erfreut, fürchtete aber noch immer 60 Fab. 140) wird der Drache Python ausgesandt 
den gewaltigen Gott. Wenn dieser das Licht zur Verfolgung. Hera schwört Leto solle nur 
der Welt erblickt habe, sagte es, werde er wohl gebären dürfen dort, wohin die Strahlen der 
sicher das unfruchtbare felsige Eiland ver- Sonne nicht reichen. Auf Befehl des Zeus 
schmähen und es mit dem Fufse weit ins trug Boreas sie fort zu Poseidon welcher 
Meer fortstofsen, vw»_ sich in einem anderen jenen Schwur beachtend, die Insel Ortygia mit 
Land niederzulassen, welches ihm besser ge- der Meeresflut, wie mit einem Dache, zudeckte, 
fallen werde als die Insel, die nur zum Aufent- So kann Leto, von Poseidon dorthin geführt, 
halt für Polypen und schwarze Robben tauge. endlich niederkommen. Python setzt seine 



Jf ...1,),.) "U, 



1961 Leto (b. Hygin. etc.) Leto (und Delos) 1962 

Verfolgung auch nach der Geburt fort, bis er am trat, um zu gebären, Wie sie mit vier Säulen 
vierten Tage auf der Stätte von Delphoi von dem an den Meeresgrund befestigt. Nach Kalh- 
KnabenApollonvom Arme der Mütter aus getötet machos (v. 30ff.) hatte Poseidon, mit dem Drei- 
wird (s Sp. 1975, 51 ff.). Wir haben hier eine zack aufs Meer schlagend, die Insel zum Empor- 
Verquic'kung der Geburtssage mit der delphi- tauchen gebracht. Noch hiefs sie aber nicht 
sehen Legende vom Drachenkampf, wie sie zuerst Delos, sondern Asterie, und schwamm aut dem 
von Euripides (Iph. Taur. 1250) bezeugt ist Meere umher. Bei Pindar (a. a. 0.) war Asterie 
(s Apollon Bd 1 Sp.428). Einflufs delphischer nicht der ältere Name, sondern der bei den 
Legende und der Hyperboreersage zeigt eine Göttern gebräuchliche, während die Menschen 
andere eigentümliche Version über die irrende 10 Delos sagten. Delos wurde die Insel erst ge- 
Leto. Um sich vor Hera zu schützen, soll sie nannt, seitdem sie nach der Geburt des Gottes 
sich in eine Wölfin verwandelt haben und in in goldenem Glänze erstrahlte (Kalhm.v. 260 ö.). 
zwölf Tagen und Nächten aus dem Hyper- Die Sage von dem unstät umhertreibenden M- 
boreerlande nach Delos gelangt sein. Deshalb, land findet sich_ bei spateren Schriftstellern 
fügte man hinzu, werfen auch die Wölfinnen noch mehrfach wiederholt. Die Urquelle dieser 
seitdem an zwölf Tagen des Jahres (Aristoteles, sonderbaren Fabel scheint eine alte Deutung 
Tierqeseh. 6 35 p.580A. Philostephanos fr. 32 des Namens Jfilog zu sein, deren Dichtigkeit 
bei Schal. Apoll. Bhod. 2, 123. Antigonos von indessen wegen der dorischen Form z/o^os zu 
Karystos, Mirab. 61. Jüan, Tiergesch. 4, 4. bezweifeln ist. Fuk, Vgl. Worterb.' 69 und 456 
10 26 mit Berufung: Jr,Uot <paeiv, Flut. Qu. 20 bietet einen im Altindischen, Litauischen, und 
Nat 38) Die delphische Herkunft dieser Fabel mehreren germanischen Sprachen erhaltenen 
scheint dadurch bewiesen zu werden, dafs man indoeurop. Verbalstamm del- dele- schwanken , 
sich auf ein ehernes Wolfsbild in Delphoi als dessen starke Form im Griechischen Srfl.- zu 
Zeugnis berief (Ael. a. a. 0. 10, 26). Anderer- lauten hätte. Eine verwandte Bedeutung geben 
seit? berief man sich auf das homerische Epi- andere c alte Namen', poetische Metaphrasen 
theton des Apollon Ivuoysvns (H- ^ 101. 119), wieder, wie das erwähnte A-ats^ir,, die nicht 
wofür man auch Unrrrsvjs gelesen zu haben feste', 'Og^y^, von dem allen indoeuropäischen 
scheint (vgl. Hesych. s.v.). So gewinnt es den Sprachen gemeinsamen Stamme vert- wenden 
Anschein, als ob die Interpretation 'wolfa- 'drehen' (vgl. als griechischen Vertreter fqa- 
geboren' den eigentlichen Ausgangspunkt jener 30 tiva, Pqcctccvcc). Die direkte Ableitung von 
ganze* Fabel gebildet habe. Andere freilich, Sqtv£, um deren willen Serv. Am. 3, 73 Leto 
wie die Scholien zur Ilias a. a. 0. (vgl. Etym. M. selbst als Wachtel nach Delos kommen lafst 
767 54 und Hesych. v. Xv^ysvri) wollen jenes ist zurückzuweisen*), die Wachtel selbst ist 
Epitheton davon verstehen, dafs der Gott in von ihrem tummelnden Fluge benannt. Jener 
Lvkien geboren war. So kannten die Lokali- etymologische Mythus, dafs Delos einst hin- 
sierung der Geburt in Lykien Hagnon (Schol. und herschwankend und nur durch ein gott- 
zur II a a 0.) und der Delier Semos bei Steph. liches Wunder befestigt worden war muH 
Bvs v Tivvga. Mit Lykien setzt die Geburts- sehr alt sein, weit älter natürlich als Pindar 
sage in eine gewisse Verbindung endlich die Dieses bezeugt die angeführte sprachliche lhat- 
Erzählung von der Verwandlung der lykischen 40 sache, der Reflex einer aus dem historischen 
Hirten oder Bauern (Anton. Lib. 35. Omä Met. Griechisch ausgestorbenen Wortfamilie. — 
6 313 ff) Nach der Entbindung kam die Dergleichen etymologische Fabeln, in einer 
Göttin nach Lykien, damals noch Tremilia älteren Sprachperiode entstanden und deshalb 
genannt Bei einem Quell oder Teich machte nur mit Hülfe der Sprachvergleichung erkenn- 
sie halt' um sich und die Kinder zu waschen bar, sind die Quelle von Hunderten von gne- 
oder um zu trinken. Hirten oder Bauern chischen Mythen gewesen, darunter einer Menge 
wehrten ihr das, worauf, nach Ovid, Leto er- der ehrwürdigsten, denen allen gegenüber die 
zürnt sie in Frösche verwandelte. Nach Anton. übliche, die Dienste der Sprachwissenschaft 
Liberalis wandte sie sich, von Wölfen geführt, verschmähende Mythenerklärung ratlos gegen- 
nach dem Flusse Xanthos, badete dort, weihte 50 übersteht. Auf jenen Glauben ging auch die 
den Flufs dem Apollon, benannte nach den allgemeine Ansicht zurück, dafs Delos, nunmehr 
Wölfen das Land Lykien und kehrte nach gefestigt, von keinem Erdbeben gerührt werden 
ienem Quell zurück, um die Hirten durch könne, eine Meinung welche freilich den That- 
Verwandlung in Frösche zu bestrafen. Aufser Sachen gegenüber nicht standhielt (nerod. 6,98. 
Xvyioyivfc bereicherte noch« ein anderer Bei- Thuh. 2, 8, 2. Macr. Sat. 3, 6, 7. Phn. 4, 66). 
name des Apollon seine Geburtsgeschichte um Nach einer abweichenden Tradition war die 
eine neue Fabel. Aus dem Kultnamen ilxräos Insel auf Befehl des Zeus hervorgetauent 
- es soll auch eine A n xa Ilzcia gegeben (Liban. narrat. 19 p. 1105). Endlich heifst es, 
"haben - wurde ausgesponnen, während der dafs Leto Delos von Poseidon gegen Kalauria 
Geburt sei die Göttin von einem grofsen Eber eo eingetauscht habe (Eph. fr. 59). 
erschreckt worden (Schol. Lykophr. 265; vgl. ,„„„-,« 
Flut Pel 16), ein WortspielmitZlTräa undwrosm. *) [Vgl jedoch auch Stark in den Ber. d. Sachs 0«s. 
wi«« 3«r P Frwf-iterunff des Mvthus ging ■*• Wi». 185« 6. 32ff. „Die Wachtel, Sterneninsel u. d. Ol- 
Eine andere Erweiter mg(U Mytnus ging ^.^ ^ ^ besonders 

die mit der Geburt des Apollon verbundenen g giff wo auf Gi|md yon MAen _ g p 892 der Nachwei8 

Schicksale der Insel Delos an. Findar (fr. 87. geführt i8ti daf8 n e i s Ortygia, d. h. wachteiinsei, ge- 

SSBergk) sang zuerst, dafs die Insel in ältesten nannt wuräe) -„eü die Scharen dieser Tiere sich auf 

Zeiten von Wind und Wellen unstät umher- thren weiten Flügen auf Delos niederzulassen pflegen. 

getrieben wurde.. Seitdem aber Leto sie be- Röscher.] 



1963 Leto (und Delos) Leto (und Delos) 1964 

Die Versammlung der hülfreichen Göttinnen sten Heiligtümer von Delos lagen, der Apollon- 
um die gebärende Leto ist bei Kallimachos tempel, das Ar\zmov und Ellii&viuiov. In 
fortgelassen. Als Athen die Herrschaft über diesem Tempelbezirke wurden auch die drei 
die Insel besafs, tauchte, wohl nicht ohne heiligen Bäume gepflegt, die Palme, welche 
Tendenz, die Erfindung auf, Athena, die Pa- schon in der Odyssee (£162) erwähnt und von 
tronin Athens, habe Leto einst von Sunion Theophrastos (Pflaneengesch. 4, 13, 2) als Bei- 
hinüber nach Delos geleitet (Hyperid. Del. spiel eines langlebenden Baumes hervorgehoben 
fr. 70 Blafs; vgl. Aristid. 1 p. 26. 157 und das wird, der heilige Ölbaum und der Lorbeerbaum. 
Schol. dazu). Auch dafs man die Eileithyia Alle drei verdankten ihre Heilighaltung wohl 
herbeigeholt habe, dieser höchst ehrwürdige 10 sicher ihrem immergrünen Laube. Dem Welken 
delische Mythus, ist von Kallimachos über- nicht ausgesetzt mufsten sie geeignet erschei- 
gangen. Dagegen stimmen bei ihm die vv(t- nen, ihre lebenerhaltende Kraft bei den Reini- 
q>ai dqUocäss, die Töchter des Plufsgottes gungsceremonieen auch anderen Wesen mit- 
Inopos, während der Geburt ein Lied an die zuteilen. Die ätiologische Sage suchte den 
Eileithyia an (v. 256). Beide Versionen, die Grund ihrer Heiligkeit in demselben mythi- 
homerische wie die kallimacheische, fufsen auf sehen Ereignis, welchem alle Heiligtümer der 
Thatsachen des delischen Kultes. Eileithyia Insel ihre Entstehung verdanken, in der Apollon- 
genofs bei den Deliern eine hervorragende geburt. An die Palme sollte, wie der home- 
Verehrung mit Opfern und einem von Jung- . rische Hf)mnus (v. 117) und auch Theognis (v. 6) 
frauen gesungenen Hymnus, welchen die von 20 berichten, Leto während der Geburt sich an- 
Pausanias (8, 21, 3. 9, 27, 2) wiedergegebene geklammert haben. Andere setzten zur Palme 
Sage auf den Lykier Ölen zurückführte. Zu oder anstatt derselben den Ölbaum (Aelian. v. h. 
Letos Wehen war aber diese Geburtshelferin 5, 4. Hygin. fab. 140. Catull. 34, 7), bei JZuri- 
nach derselben Überlieferung (Paus. 1, 18, 5) pides finden wir entweder den Lorbeer genannt 
von den Hyperboreern (s. d.) gekommen, wie ihr (Hek. 458), oder Lorbeer und Palme (Ion 919), 
auch die ersten Opfer für leichte Geburt von oder alle drei Bäume (Iph. Taur. 1102). 
den beiden hyperboreischen Jungfrauen Hy- Der wichtigste Nachtrag zum Mythus des 
peroche und Laodike (s. d.) dargebracht waren. homerischen Hymnus war indessen, dafs man die 
Hierbei erinnere man sich der Sage, dafs auch hier bei Seite stehende Geburt der Artemis 
Leto selbst von den Hyperboreern (s. d.) herkam. 30 mit der ihres Bruders vereinigte. Als Tochter 
Jener Hymnus des Jungfrauenchors an die der Leto kennt jene bereits das ältere Epos. 
Eileithyia sollte nun offenbar bei Kallimachos Hierin lag schon der Antrieb, sie in den Ge- 
mythisch begründet werden, während der ho- burtsmythus des Bruders einzufügen. Nach 
merische Hymnus, wie es scheint, überhaupt einer, wie es scheint, festen poetischen Tra- 
die Verehrung der Eileithyia auf Delos zu er- dition war der Geburtsort 'Ogzvyirj benannt, 
klären im Auge hatte. Wir werden weiter Homer nennt zweimal (e 123. o404) ein solches 
unten sehen, dafs ihre Funktion mit der der Land, von offenbar ganz unbestimmter Lage 
Leto eine gewisse Verwandtschaft hatte, wes- (vgl. a. a. O. 'Ogzvytrjg — o&i zgoital qilioio, 
halb die Verherrlichung und besondere Be- man erinnere sich der obenerwähnten Etymo- 
tonung der Geburtsumstände bei der Leto 40 logie von vert- 'wenden', 'Ogzvyirj wäre also viel- 
wohl nicht zufällig war. Preller (Gr. Myth. s leicht das Wendeland, wo die Sonne sich wendet). 
1 , 192 ) hat die ansprechende Vermutung ge- Realität besafs dieser Name an drei Orten, der 
äufsert, dafs auch das Halsgeschmeide im syrakusischen Insel, einem Hain bei Ephesos 
homerischen Hymnus eine reale Existenz ge- und in einer Berggegend von Ätolien (siehe 
habt, etwa das alte Bild der Eileithyia auf Artemis Bd. 1 Sp. 578). Aufserdem galt 'Og-cv- 
Delos ein ähnliches getragen habe. Wir fügen yh\ nach Zeugnissen, die freilich nicht älter 
hier ein, dafs der im homerischen Hymnus be- als die hellenistische Zeit sind, als alter (poe- 
richtete Zug, die Zurückhaltung der Eileithyia tischer?) Name von Delos. Dieser Tradition 
durch Hera und die dadurch erschwerte Geburt, haben wir keinen Grund zu mifstrauen. Man 
ein dichterisches Vorbild in der Ilias T 114 ff. 50 bezog also den Geburtsort der Artemis — Or- 
hatte , wo eine ähnliche Geschichte von der tygie — entweder auf Delos oder auf Ephesos 
kreifsenden Alkmene erzählt ist. Die Zeugnisse für beides sind nicht alt, ^enn 
Die genauere Örtlichkeit der Geburt war auch die Bezeugung von Delos bedeutend älter 
durch die Lage der delischen Heiligtümer vor- ist (Phanodemos bei Athen. 9 , 392 D. Kkllim. 
geschrieben. An den Fufs des Kynthos ver- Hymn. Apoll. 59. Epigr. 62. Apoll. Rhod.l,$bl; 
legt sie bereits der homerische Hymnus (v. 26 vgl. übrigens Aristoph. Vögel 870 : Ar\iol ögzvyo- 
nliv&iiaa ngog Kvv&og ogog) und in dem der firjzgoc). Im homerischen Hymnus (v. 16: zfjv 
Interpolation verdächtigen v. 18 in' 'ivwitoio pev sv 'OgzvyCn, zbv äs xgccvafj ivl Arß.to') 
gee&goig. Näher bezeichnet die Stelle Kalli- würde eine gewichtige Instanz gegen Delos 
machos (v. 206 ff.) als den Ort, wo der Inopos 60 entstehen, wenn nicht die betreffenden Verse 
aus dem Kynthos entspringt. In dem seines ver- der Interpolation aus dem orphischen Hymnus 34 
hältnismäfsig hohen Altertums wegen be- verdächtig wären. So wird es wahrscheinlich, 
merkenswerten Zeugnis des Theognis (5 — 7) dafs, wenn auch vielleicht nach einem alten 
wird noch angegeben inl xgo%otidel'Upvri, an Dichterzeugnis der Geburtsort der Artemis 
dem teichartigen, vom Inopos bei seinem Ausflufs 'Ogtvyii] genannt war, dennoch ursprüng- 
gebildeten Bassin. Die Lokalisierung der Geburt lieh darunter kern anderer Ort als Delos ge- 
gerade an diesem Orte erklärt sich dadurch, meint war. Die Geburt der Artemis wurde 
dafs hier, am Fufse des Kynthos, die vornehm- in Delos auf den 6. Thargelion gesetzt, einen 



1965 Leto (Sagen v. Tegyra, Zoster etc.) Leto (Kurtorte) 1966 

Tag vor den Geburtstag ihres Bruders, sodafs süchtige auflauernde Hera abzuschrecken und 

sie noch imstande war, als Geburtshelferin der die Geburt, wie die der Leto Beistehenden zu 

Mutter beizustehen (s. Artemis Bd. 1 Sp. 578). verbergen. Zum Gedächtnis an dieses Ereig- 

Der Ruhm als Geburtsort des Apollon und nis fand jährlich eine Pänegyris statt, mit 

der Artemis blieb Delos nicht unbestritten. prunkvollen Schmausereien verbunden. Im 

Die Geburtssage wurde noch an manchen an- ehemaligen Amtshause der Kureten (s. d.) 

deren Orten lokalisiert. In dem böotischen wurden dann ebenfalls Symposien und ge- 

Tegyra, wo noch vor den Perserkriegen ein wisse mystische Opfer aufgeführt {Str. 14, 639. 

apollinisches Orakel geblüht hatte, berief man 640; vgl. Tac. Ann. 3, 61). [Vgl. hinsichtlich 

sich auf den nahen Berg drjlog und zwei Bäche, 10 der allen diesen lokalen Geburtssagen zu Grunde 

<&otvi£, und 'Eilaia. Zwischen diesen beiden, liegenden Idee Röscher, Apollon und Mars 

nicht zwischen Palme und Ölbaum, nicht auf S. 36 ff. Schreiber, Apollon Pythoktonos. Leipzig 

der Insel, sondern auf dem Berge Delos sollte 1879 S. 46 u. 50 ff. und in Jahrb. f. kl. Phüol. 

Leto niedergekommen sein (Flut. Pelop. 16. 1880 S. 686. Röscher.]. 

De defectu orac. 5. Steph. Byz. v. Teyvga). Verehrt wurde Leto meist gemeinsam mit 
Auf dem attischen Vorgebirge Zoocrjjg ver- ihren Kindern, auf diese Weise einen Drei- 
ehrten die Fischer von altersher Leto neben verein von Gottheiten bildend. Schwerlich 
Apollon und Artemis. Der Name des Ortes wird es ein Apollonheiligtum gegeben haben, 
liefs -die Fabel erfinden, dafs Leto hier einst wo man nicht auch seiner Mutter Verehrung 
ihren Gürtel abgelegt habe, um zu gebären 20 zollte. Ausdrücklich bezeugt ist die gemein- 
(Paus. 1, 31, 1. JEtym. M. 414, 20. Steph. Byz. same Verehrung mit Apollon oder Artemis in 
v. Z<ogt»5<> und Tsyvgu. Hesych. v. Zoofirjjg). Athen (C.I.A. 3, 376 legsta A-qxovg uai. 'Ag- 
Auch einen kleinen See zeigte man, wie auf xspiäog. Demosth. in Mid. 52 p. 531). Auf dem 
Delos, in welchem Leto gebadet haben sollte. Vorgebirge Zoster opferten besonders die 
kai einen anderen unbestimmten, wohl atti- Fischer auf den Altären der drei Gottheiten 
sehen Geburtsort bezog sich die Erzählung (Paus. 1, 31, 1. Steph. Byz. s. v.), in Delion 
des Sokrates von Kos fr. 16 : Leto legte ihre (Paus. 9, 20, 1 Statuen der Leto und Artemis), 
Kinder (auf dem Hymettos ?) nieder. Sie wurden auf dem Berge Ptoon in Böotien (Schol. Lyk. 
von Hunden geraubt und von Hirten"der Mutter 365; vgl. Flut. Pelop. 16), in Tanagra (Paus. 
zurückgebracht. Diese Fabel ging vom Bei- so 9, 22, 1 Tempel des Apollon, der Artemis und 
namen des hymettischen Apollon Kvvvsiog(s. d.) Leto), Delphoi (C. I. G. 1688 Schwurformel 
' Hundsapollon ' aus. Die Epitheta Apollons im Amphiktyonengesetz naxa. xov 'Anöllcovog 
Avxeiog, Avnoyivrjg oder Avxrjysvtjg führten den xov IIv&iov xcä rag Aaxovg jtai. tag 'Agräpixog, 
akademischen Philosophen Hagnon und andere Aeschin. Gtesiph. 108 ff. Jeder Frevler gegen das 
darauf, die Geburt nach Lykien zu verlegen Heiligtum verfällt xm 'A. rä IIv&Cw xal'AQTspidt 
(Schol. /J101. Semos bei Steph. Byz. v. Ttyvga. nul Ar\xol xal 'A&rjvä Hoovolu, Bull. Corr. Hell. 
Etym. M. 767, 54. Hesyeh. v. Avurjysvii). Ins- 5, 164 = Dittenberger, Syll. 233 Stieropfer an 
besondere galt in Lykien als Geburtsstätte des Apollon, Artemis, Leto), Abai (Paus. 10, 
Apollon und der Artemis die Stadt Araxa 33, 4 Tempel mit ehernen Standbildern der 
(Benndorf, Reisen in Lykien S. 76). Von der Ge- 40 drei Gottheiten), Mantineia (Paus. 8, 9, 1 
burt des Apollon in Delphoi wufste Naevius Doppeltempel des Asklepios und der Leto mit 
bei Macrob. Sat. 6,5,8 sanetus Delphis pro- ihren Kindern, Kultbilder von Praxiteles), auf 
gnatus Pythius Apollon. Als Ammen des Gottes dem Berge Lykone in Arkadien (Paus. 2, 24, 5 
galten daselbst die weissagenden Nymphen ®giai Tempel der Artemis Orthia mit Marmorbildern 
(Philoch. bei Zenob. 5, 75. C. Par. 1 p. 150). des Apollon, der Leto und Artemis, Polykleitos 
Auch am triphylischen Amphigeneia haftete zugeschrieben). Zahlreiche Inschriften bezeugen 
die Geburtssage (Steph. Byz. s. v.). Endlich die gemeinsame Verehrung auf Delos: Dedi- 
erhob das berühmte Artemisheiligtum zu Ephe- kationen an Apollon, Artemis, Leto C. I. G. 
sos den Anspruch, Geburtsstätte des Apollon 2280. 2282. 2284. Bull. Corr. Hell. 2, 399; 
und der Artemis gewesen zu sein. Durch- 50 3, 151. 156. 160. 161. 367. 373. 379. 381. 470; 
schnitten vom Flusse Kenchrios, in welchem 4, 217. 218; 6, 43. 44 (über die gemeinsamen 
Leto nach der Geburt gebadet haben sollte, Dedikationen im allgemeinen vgl. HomoTle ebd. 
lag hier ein Hain, wie Delos Orty gia genannt. 6, 142). Weihgeschenke an Leto allein C. I. G. 
In einem Adyton dieses Haines hatte, nach 2283. B. C. H. 6,29 (ein Siegelring mit Apollon- 
dem Glauben der Ephesier, die Geburt statt- bild). In einer Abrechnung wird aufgeführt 
gefunden. Auch ein heiliger OlbaVim wurde Holz für die Altäre von Apollon, Artemis, 
gezeigt, an den sich die. Göttin gehalten oder Leto, Zeus Soter, Athena Soteira. [Mehrere 
unter dem sie nach der Geburt geruht hatte. Inschriften bezeugen die gemeinsame Ver- 
Ortygia, die Nymphe des Haines, hatte die ehrung von Artemis, Apollon und Leto für 
Neugeborenen gewartet. Man berief sich hier- 60 Euboia, 'Eqirjfi. ägz- 1892 Sp. 154 nr. 41. 42. 
für auf das Kultbild der Leto, ein Werk des Sp. 157—158 nr. 52. Sp. 160 nr. 54. 55. Drexler.] 
Skopas, welches die Göttin ein Skeptron tragend Auf L e s b o s sollte einst Achilleus den drei Gott- 
darstellte, neben ihr aber die Ortygia, auf heiten geopfert haben, um sich vom Morde des 
jedem Arm ein Kind haltend. Den Hain über- Thersites zu reinigen, wie in der Aithiopis er- 
ragte der Berg Splmissos, auf welchem während zählt war (Chrestom. des Proklos, Epic. Gr. Fr. 
der Geburt die Kureten (s. d.) gestanden und, ed. Kinkel p. 33). Dedikation Atjxol AgxifiiSi aus 
wie bei der Geburt des Zeus, einen lärmenden Halikarnassos (B. C. H. 4, 398). Der König 
Waffentanz ausgeführt hatten, um die eifer- Seleukos II. sendet Weihgeschenke an das 






1967 Leto (Kultorte) Leto (Kultorte) 1968 

Heiligtum des Apollon von Didyma bei Milet, der angeblich in der Höhle befindlichen das 
darunter eine Phiale an die Leto (C. I. G. 2852 Voropfer, sie fiv X Ca benennend. Plutarch in 
T oi«^ W 11 - 1 ™)- ^ den Bundesverträgen seiner verlorenen, im Auszuge bei Eusebios, 
der btädte auf Kreta erscheint Leto mit ihren Praep. evang. 3, 84 erhaltenen Schrift über die 
Kindern als Schwurgöttm {Gauer, Delectus* 116. platäische Dädalenfeier (Flut. Mor ed Dübner 
117. 121 = G. IG. 2554. 2555). In Eom 5 S. 18) fügte noch mehrere Theologumena 
opferte man Apollo, Latona und Diana an hinzu: einige behaupten, Antat MvvCa oder 
den Saecularspielen auf dem Marsfelde (Zosim. Nv%la sei Hera selbst, d. h. die Erde, deren 
2, 6, 2). Bilder der drei Gottheiten standen Schatten die Nacht (Nv%ia) oder die Ver- 
neben einander im palatinischen Tempel des 10 bergerin (Arirm) sei u. dergl m Wir fügen 
Apollo (Prop. .2 ,31), Latona ihre "Kinder hinzu, dafs Panofka (Gemmen mit Inschriften 
tragend, ein Werk des Euphranor, im Con- Taf. 4 nr. 40; vgl. Gl. G. 7361 d) eine Wiener 
cordiatempel (Phn. 34,77), Marmorbilder der Gemme veröffentlicht hat, einen Hahn dar- 
Latona und Diana beim Por-ticus der Octavia stellend mit der Umschrift AETO MVXI[A] 
(P/m 36, 34). Der Hahn war. nach Älian, Tiergesch. 4, 29 
indessen fehlte es der Leto auch nicht an das Lieblingstier der Leto, weil er ihr beim 
eigenen Heiligtümern. Ein A n zäov gab es Gebären beigestanden hatte. Man glaubte 
aufDelos. Aristoteles, Eth. Eud. c.l p. 1214 A nämlich, dafs der Hahn überhaupt den Ge- 
uberhefert den Spruch, der im Vorraum dieses bärenden zu einer leichten Geburt verhelfe 
Tempels angebracht war. An dieses Letoon so Einen Tempel hatte die Leto auch in der 
knüpfte sich folgende Legende (Semos von Delos kretischen Stadt Phaistos, wo ihr die Be- 
fr.8 bei Athen. 14 p. 614 A): Parmeniskos, ein wohner unter dem Namen Arjtä $vtiti Opfer 
vornehmer und sehr reicher Mann aus Meta- brachten. Die mythologische Veranlassung war 
pontion, war m die Höhle des Trophonios nach der siebenzehnten Verwandlungsgeschichte 
ninabgefahren und vermochte seitdem nicht des Antoninus Liberalis, die er dem Nikandros 
mehr zu lachen Das Orakel prophezeite, eine nacherzählt hat (Westermann, Mythoqr. p.217) 
Mutter werde ihm das Lachen wiedergeben, folgende: Galateia, die Tochter des Eurytios 
sie sollte er vorzüglich verehren. Lange konnte hatte in Phaistos Lampron, den Sohn des Pan- 
Parmemskos die verheifsene Hülfe nirgends dion, geheiratet. Als sie schwanger wurde 
fanden, bis er einst nach Delos kam und in 30 erklärte Lampron, wenn das Kind nicht männ- 
den iempel des Leto eintrat. Als er anstatt liehen Geschlechts sein werde so werde er 
eines schönen Bildes der Göttin, welches er es töten. In Abwesenheit ihres Mannes gebar 
zu beschauen hoffte, wider Erwarten ein un- aber Galateia eine Tochter, welche sie, um 
schönes Holzbild vor sich sah, konnte er sie zu retten, als Knaben aufzog und Leukippos 
sich nicht enthalten, laut aufzulachen. Da er- nannte. Als nun das Kind zu einer schönen 
kannte er den Sinn des Orakels und ehrte die Jungfrau erwuchs und sein Geschlecht sich 
Mutter Leto auf grofsartige Weise. Auch in nicht mehr verheimlichen liefs, begab sich 
Arg os gab es em eigenes Letoon mit einem die Mutter voll Angst in den Tempel der 
von Praxiteles gefertigten Bilde. Neben diesem Leto und flehte zu dieser, sie möchte das 
stand emBüd der Chloris, deren früherer Name 40 Mädchen in einen Jüngling verwandeln Die 
Meliboia gewesen sein soUte und die man für Göttin gab dem inbrünstigen Flehen aus Mit- 
die einzige am Leben gebliebene Tochter der leid nach und vollzog die Verwandlung Zur 
Niobe ausgab. Sie sollte nach der Legende Erinnerung daran, dafs die Leto der Jungfrau 
diesen Tempel gestiftet haben (Paus. 2, 21, 10). die männlichen Attribute hatte wachsen lassen 
ton Heiligtum der Leto gab es ferner in dem (jj«s fyvee MÖscc zjj k 6q V ), opferten nachher 
£ P 7 Z chen A , m V^igeneia, (Strabon 8 V /3M. die Phaistier ihr als «W& und nannten das 
Meph. Byz v. A^iyivna) und bei der Stadt Opferfest 'EhSvgici, weil das Mädchen nach 
Lete in Makedonien iJSteph. Byz. m. Arjtr,). In ihrer Verwandlung das Gewand ausgezogen 
einer merkwürdigen Verbindung mit dem Kulte hatte (i&Sv). Vor jeder Hochzeit wurde es 
der Mera stand die Leto in Plataiai. unter 50 aufserdem Brauch, dafs die Bräute vor dem 
dem Beinamen Mv%iu oder Nv%ia galt sie Bilde des Leukippos schliefen 
nämlich hier als Altar- und Tempelgenossin Die Erzählung des Antoninus Liberalis ist 
(ojtoftofuos xui^ Bvvvaog) ihrer Nebenbuhlerin, von nicht geringem Wert für die Erkenntnis 
sodals bei den Heraopfern an den Daidalen ihr des Wesens der Leto. Der Kultname QvzU 
das Voropfer gebracht wurde. Die mythologische 'die Zeugerin, Hervorbringerin' kann natürlich 
Begründung war folgende: Zeus hatte die nicht einer einzelnen Begebenheit entstammen 
jugendliche auf Euboia aufwachsende Hera sondern bringt offenbar eine allgemeine Funk- 
geraubt und sich mit ihr in einer Kluft (fiv X ög) tion der Göttin zum Ausdruck. Diese Ver- 
des Kithairon verborgen Die Erzieherin der mutung wird über jeden Zweifel erhoben durch 
beraubten die Nymphe Makns, kam auf der 60 die Anrufung Aara plv dotr, Aura ^ovgotgömog 
buche an diesen Ort und wollte in die Höhle v^iv Bvt^vCav im theokritischen Hochzeits- 
emtreten Der König Kithairon, welcher am liede auf die Helena (Theokr. 18, 50) Diese 
Umgang Wache hielt, gab, um sie am Eintritt Worte lassen sicher voraussetzen, dafs Leto 
zu hindern, vor Zeus habe sich dorthin mit nach verbreitetem Glauben als besondere Ge- 
seiner tremahlin Leto zurückgezogen und dürfe währerin des Kindersegens galt, was sich mit 
auf keinen Fall gestört werden. So entkam jenem Kultnamen <3Wo: durchaus deckt Be- ' 
Hera der Verfolgerin, und aus Dankbarkeit stand also darin eine der wichtigsten Funk- 
weihte sie ihrer mittelbaren Retterin Leto, tionen der Leto, so fällt auch ein gewisses 



•• M tm* . m*i 4m ,. 



1969 Leto (Bedeutung) Leto (Bedeutung) - 1970 

Licht auf ihre im Mythus so stark hervor- sammenstellung mit Xi^&co, XavQ-dva,, lateo ist 
gehobene Rolle als Mutter. Für den Kinder- aus sprachlichen Gründen für unmöglich er- 
segen entscheidend ist aufser einer fruchtbaren achtet worden (Curtius, Grdz d qr Etym 6 120) 
Zeugung auch dafs das Kind durch eine vielleicht mit Unrecht. Sachlich hat sie nicht 
schnelle und glückliche Geburt gesund und die geringste Stütze, es sei denn der übrigens 
lebend zur Welt kommt. Nicht ohne Grund selbst noch aufzuklärende Name NvrCa. Diese 
war deshalb im dehschen Kult und Mythus Form ist offenbar eine rein lautliche Variante 
die üileitnyia zu Leto m nahe Beziehung ge- znMvxiu, kann also schwerlich die 'Nachtliche' 
setzt, die Beschleunigerm des Kreifsens', wie bedeuten. Ältere Etymologen als Plutarch waren 
siclv das Wort MXu&via unschwer erklären 10 Plato (Kratylos p. 406 A) und Aristoteles bei 
läfst (aus *&vi« zu &sm, &oog, &oafr, »vm Tzetzes zu «9. Ersterer erklärte A n zt6 gleich- 
em schnelle Bewegung setzen' und *säse- sam für Aetrj&oS von Xswg 'sanft, milde', dieser, 
Windung, drehende Bewegung' zu IXXco, llvy- , wie auch Plato an zweiter Stelle und Aristarch, 
V vg,^av(o, etUeoco u. s. w.). Der Stillstand von Xä 'wollen', die allen Bitten gegenüber 
der krebsenden Bewegungen der Gebärerin ist Willige. In neuerer Zeit hat Döderlein, Homer. 
die häufigste Ursache der Totgeburten. Neben Gloss. nr. 96 die Herleitung von dXdoßoci, dtf- 
ae rEd el th y ia deren Ersche men auf Delos die zrjg n. s. w. vorgeschlagen, mit Berufung auf 
L°Ii C h « Geburt beschleunigt, läfst der das berühmte Umherirren der Leto. Indessen 
Mythus auch die Geburtshelferin Artemis zum erscheint die Etymologie nach den Gegen- 
ersten Male hier m Thätigkeit treten. Als 20 gründen Schweizer - Sidlers , Kuhns Z. 27 68 
ein ähnliches hulfreiches Wesen ist auch die lautlich unhaltbar. Wir vermuten, dafs der 
ephesische Gefährtin der Leto, die 'OQzvyir, Name A n z<6, als einer Gewährerin des Kinder- 
\ ^f/. 111 .'1 an ™ s , ellen - „Das Lieblingstier segens, mit dem indoeuropäischen Thema le 
der Gottin ist endlich der Hahn, welcher nach zusammenhängt, welches u. a. durch skr U 
dem Volksglauben leichte Geburten bewirkte. und rä geben, gewähren, überlassen, asl. let%, 
Auf den Geburtsakt sollten vielleicht auch die jesti es steht frei, got. letan, lit. leidmi lassen 
phänischen Opfer E*§veia, die 'Herausziehe- lat. lassus, gr. Xdzqov, vielleicht auch XnCov, 
Opfer , einwirken. Welche Beziehung der an- vertreten ist und von Fick, Worterb. i 1,120 539 
drogyneLeukippos, dessen Bild («yortfi«) offen- unter die allgemeine Bedeutung 'geben, ge- 
bar im Heiligtum der Leto stand, zu ihr und 30 währen, überlassen [freilassen!' gebracht ist. 
™ he l™ de r Brautschlaf vor diesem Es ist natürlich, dafs die Göttin, zu welcher 
natte, laist sich natürlich schwer enträtseln. man um die Gewährung ehelicher Nachkommen- 
Man sollte meinen, dafs es sich um ein In- schaft flehte, nicht immer den erbetenen Segen 
kubationsorakel handelte und dafs somit Asv-n- spendete, sondern im Gegenteil auch die Ur- 
WTTrosJder 'Ersuchter' mit gleichem Suffix heberin von Kinderlosigkeit werden konnte 
wie aav&innos, Kvvutnog), der Sohn des 'Er- Von dieser verderblichen Seite zeigte sie sich 
leuchters Aa^ ?a ,v, ein prophetisches Wesen z. B. in dem berühmten Mythus von der Niobe, 
war wie leiresias, der ebenfalls androgyne welche sie der Kinder beraubt. Auch eheliche 
Weissager. Hing es von dem doppelgeschlech- Unfruchtbarkeit und Fehlgeburten mögen ihr 
tagen Propheten der Leto ab, den Bräuten zu 40 zugeschrieben worden sein. Im Kult von Argos 
verkünden, ob sie Knaben oder Mädchen em- erscheint an ihrer Seite eine Dienerin oder 
plangen wurden? Erschien er ihnen vielleicht Gefährtin XXmQi'g, die Gelbe oder Blasse, auch 
im Iraume je nachdem als Mann oder Weib? MeXC$oiu genannt. Letzteres war auch eine 
Intubationen mögen einst auch in anderen Bezeichnung der Zerstörerin Persephone. Wir 
Heiligtümern der Leto üblich gewesen sein. denken an piXtog, was mit dXaög, aäzmog er- 
Aus ihnen erklart sich ungesucht der Name klärt wird und *ßoi- die vorauszusetzende Ab- 
lhrer Mutter $oißr , em durchaus mantischer lautung zu ß t - leben. Diese Nebengestalt der 
Name, und ihres Vaters, des 'Schläfers' Kotog. Leto wäre also ein Wesen, welehesdas Leben 
Diesem wenigen, was sich etwa über die vergeblich, nichtig machte. Nun kehrt genau 
b unktionen und das ursprüngliche Wesen der 50 die gleiche Wurzelvariation, wie in Mvvüc und 
Göttin Leto ausmachen läfst, widerstreitet die» Nv X Ca im lateinischen mug-inor neben nuq-ae 
übliche moderne Deutung, die, wie viele ihres- wieder. Wir dürfen also wohl in jenen alten 
gleichen, von einem wenig vertrauenswürdigen griechischen Worten, wie in den lateinischen 
Autor des spateren Altertums mit leichter Hand den Begriff des nichtigen, fruchtlosen Thuns 
in Umlauf gebracht, vermöge des Trägheits- voraussetzen, wie er auch in skr. moqha 'ver- 
gesetzes aus einem modernen Handbuch der geblich' und muh 'irre werden, fehlgehen 
Mythologie ins andere, von Natalis Comes bis mifsraten, fehlschlagen' hervortritt. Kenn- 
Preller, heruberwandert. Wir meinen die Her- zeichneten also jene Namen die Leto wahr- 
leitung des Namens Arjzca von X^&<o, Xav&dvm scheinlich als die Verursacherin von fehl- 
und, was sich daran knüpft, ihre Deutung als so gehender Zeugung und Geburt, so konnten 
die Verborgene, Dunkele .oder die Verbergerin, sie vermutlich in einer anderen Auslegung 
die Nacht Diese Deutung erecheint zuerst auch die 'Fehlgehende, Irrende' bezeichnen, 
bei Plutarch, JDatd. c. 3. 4, der sich auf den Hieraus denken wir uns die Erzählung von 
Kultnamen Nv X ta, beruft. Neuere Mythologen dem vergeblichen Irren der Leto entstanden, 
sehen meistens im Letomythus den feierlichen ein Zug, welcher sonst jeder verständlichen 
Gedanken ausgedruckt, .dafs die Nacht das Motivierung entbehrt 

Licht gebiert (vgl. Natal. Comes 3,17. Welcher, Die griechische Göttin Leto ist, wie wir 

Gr. G. 1, 513. Preller, Gr. M* 1, 191). Die Zu- zum Schlufs erwähnen, im Auslande mehreren 



1971 Leto in der Kunst Leto in der Kunst 1972 

Fremdgottheiten angeglichen worden. Herodot wenig Gelegenheit gehabt, die Göttin ge- 

2 , 155 ff. bezeichnete bereits mit Ar\zä eine trennt von ihren Kindern oder aufserhalb eines 

ägyptische Göttin, welche in der Stadt gröfseren Göttervereines darzustellen In der 

Bootco, von anderen Autoren Arjtovg nöXig älteren Zeit ist das „formlose" Holzbild des 

genannt, an der sebennitischen Nilmündung delischen Letoons das einzige ausdrücklich er- 

emen Tempel mit einem Orakel besafs. (Vgl. wähnte Beispiel (Semos fr. 8); ein ähnlich pri- 

Brugsch Bei u. Myth. d. Agypt. 326 ff.) Auch mitives wird man sich auf Grund von Strabon 

Apollon fand sich daselbst im Horos, Artemis 14 p. 640 im ephesischen Ortygia zu denken 

in der Bubastis wieder. Da beide als Kinder haben; sonst sind nur aus dem 4. Jahrhundert 
des üsins (Dionysos) und der Isis (Demeter) 10 dem die meisten Letodarstellungen namhafter 

galten, so konnte Leto hier in Ägypten nicht Künstler angehören, zwei sichere Einzelbilder 

Mutter beider sein. Man betrachtete sie als bekannt: das von Praxiteles gearbeitete Kult- 

lhre Amme (Herod. 2, 156. Flut. Is. Osvr. 38. bild im Letoon von Argos (Paus. 2, 21, 9) und 

Strabon 17, 802 u. a.; siehe Buto). Auch auf ein später nach Rom gebrachtes Werk seines 

ägyptisch - griechischen Inschriften wird die Sohnes Kephisodotos (Plin. 36, 24 das wohl 

Leto genannt G. I. G. 4700, die Sphinx als ausAttika stammte, übrigens aus einer Gruppe 

jrpocrjtoiosderLeto, ebd. 5039, auf emerinNubien herausgerissen sein konnte. Das praxiteliache 

gefundenen Inschrift ist Leto Mutter des viel- Werk wird uns veranschaulicht durch verschie- 

namigen Gottes Manduhs. Der ägyptischen dene Münzbilder von Argos (Imhoof- Gardner 
Leto war das Ichneumon heilig (Alian, Tier- so Journ. of Rell.Stud. 6 S. 87 mit Taf K36— 38)' 

geschickte 10, 47) [welches sich auf den Münzen deren eines (abgeb. OverbecJc, Plastik 2 4 S 44a) 

des Nomos Letopolites dargestellt findet, J. de das Bild in eine Tempelfaeade setzt und damit 

Mouge Monn., des nomes de l'Egypte p. 66. als Nachbildung eines Kultbildes sichert. Die 

ieuardent L Egypte ane. 2 p. 327 f. St. Poole, nicht in allen Zügen übereinstimmenden Typen 

tat. of the coms of Alexandria and the nomes lassen mit Sicherheit folgendes erschliefsen 

p. 345. Drexler.]; von ihrer Verwandlung in Die Göttin, im Schmucke langer Locken und 

eine Spitzmaus (iivyaXij) berichtet Antonmus wie es scheint, unbedeckten Hauptes trug 

Ltberahs 28 Weit verbreitet war der Name einen Chiton mit gegürtetem Überschlag; den 

der Leto als hellenistische Benennung einer rechten Arm erhebend (mit Fächer oder Scep- 
grofsen Gottin bei den Völkern Kleinasiens. 80 ter?), den linken Unterarm leicht aufgestützt, 

bie wurde als 'Mutter' angerufen, anstatt der stand sie in der schönen, schwungvollen Hal- 

Leto häufig auch der Artemis gleichgesetzt. tung da, die Praxiteles seinen Gestalten zu 

Als ihr Sohn und Kultgenosse erscheint ein geben liebte, und blickte herab zu der ver- 

emheimischer, dem Apollon gleichgesetzter mutlich aufblickenden Chloris, durch deren 

Gott, m Dionysopolis am Mäander und Um- Figur zugleich die Stütze des 1. Armes der 

gegend als AitoXXmv, AaiQpsvög oder Aaigßsvög Göttin fast ganz verdeckt war. Die Kompo- 

(s. d.) bezeichnet, auch Men, Sozon, Sabazios sition spricht für Marmor, 

genannt (Hogarth, Apollo Lermenus, Jowrn. of Für Megara arbeitete Praxiteles eine Gruppe 

ReU. Stud. 1887 p. 376 ff. Eamsay, Artemis- der „Leto und ihrer Kinder", die neben der 
Leto and Apollo Lairbenos, ebd. 1889 p. 21 6 ff.). 40 Kultgruppe derselben Gottheiten im Tempel 

Die Verehrungsstätten der Artemis-Leto reichen des Apollon Prostaterios stand (Paus 1 44 2)- 

von Perga an der pamphylischen Küste bis die Beschreibung ('AnölXav . . &iag «|ios 

Dionysopolis und Satala im Norden und Ephe- *al "Agrepig xal Anrä, *al aXXa dyäXu,arä satt, 

sos im Westen (eine vollständige Topographie ngafrrsXovg noifaavzog A n zm xai of naCSsg) 

dieses Kultes hat Barmay in dem Aufsatz läfst die Möglichkeit offen, dafs im Gegensatz 

Antia. of S. Phrygia im Amer.' Journ. Arch. zu den nur äufserlich verbundenen drei'Kult- 

1887 gegeben). Selbst der ephesische Kult statuen das praxitelische Werk Mutter und 

der Artemis war zweifellos ein frühzeitig hei- Kinder in innigerer Wechselbeziehung etwa 

lenisierter asiatischer Dienst. Der frühen Kultur- die neugeborenen Kinder auf den Armen der 

Verbindung mit den Hellenen verdankte auch 50 Leto, darstellte. So würde die Gruppe an die 

Lykien den Namen des Apollon und der Leto skopasische in Ephesos erinnern, wo Leto sich 

An der Küste gegenüber Rhodos nennt Stra- feierlich auf das Scepter stützte, während Or- 

bon 14, 651. 652 zweimal einen Letohain (Arj- tygia als Wärterin die Kinder auf den Armen 

Tcpov aXaog). Am Flusse Santhos in der Nähe hielt (Strab. 14 p. 640), eine anscheinend wenig 

der gleichnamigen Stadt war ein berühmtes glückliche Komposition, die sich wohl so er- 

Letoon (Strabon 14, 665). Die lykische Leto klärt, dafs die von Strabon erwähnten alten 

war eine Beschützerin der Gräber, jeder Schä- Kultbilder wenigstens in der Gesamtanlage für 

diger wird für sündig vor Leto erklärt oder die jüngeren maßgebend blieben, 

mit ihrer Rache bedroht, auf Inschriften von Sonst finden wir die kleinen Kinder auf den 

Pinara (0. 1. G. 4256), Patara (4300 h) und Myra 60 Armen der Leto in einigen interessanten Dar- 

(4303. 4303 e )• Stellungen der einzigen Scene, in der die Mutter, 

Die Mythen von Niobe und Tityos sind in wenn nicht dem Gedanken nach, so doch ma- 

besonderen Artikeln behandelt, die zu ver- teriell die Hauptperson ist, der Erlegung 

gleichen sind. Vgl. auch Letun. [Enmann.] des Python durch den kleinen Apollon oder 

Leto in der Kunst b ? ide ß escnwister - Die frühesten Darstellungen 

. ,, , ■, ' dieses Mythos begegnen uns etwa gleichzeitig 

Wie wir von selbständigen Heiligtümern in einem streng-rotiigurigen Vasenbild (Abb. 1) 

der Leto selten hören, so hat auch die Kunst das nur aus einer Tischbeinschen Zeichnung be- 



X 



1973 



Leto in der Kunst 



Leto in der Kunst 



1974 



kannt ist (oft abgebildet, z. B. Lenormant-de 
Witte, El. ceramogr. 2, 1. Müller-Wieseler 2, 13, 
144), auf einer s.-f. Lekythos (El. ce'ram. 2, 1 A), 




1) Leto mit den Zwillingen flieht vor dem Python (rotflg. 
Vasenbild nach Müller- Wieseler, Denkm. 2, 13, 144) 

jenes verwahrlosten Stils, den die im mara- 
thonischen Soros entdeckten aufweisen, und 
einer flüchtigen r.-f. Lekythos (Berlin 2212; 




50 



2) Marmorstatnette im Museo Torlonia (nach 
Overbeck, Plastik 2' S. 117, Kg. 172 a). 

abgeb. Overbeck, Eunstmyth. Apollon S. 378). 
Ersteres zeigt Leto fliehend, während sie im 
s.-f. Bild dem Drachen zugewandt steht, auf 



der r.-f. Lekythos ihm sogar entgegeneilt; 
man wird darnach annehmen dürfen, dafs die 
Lekythoi einen noch im 6. Jahrhundert erfun- 
denen Typus wiederholen bezw. abwandeln, 
während uns in dem Tischbeinsehen Bild 
eine neue, viel geschicktere Erfindung deB 
5. Jahrhunderts entgegentritt. Von beson- 
derer "Wichtigkeit ist es, dafs der neue 
Typus auch in einem statuarischen Werke 
wiederkehrt, einer vielleicht bronzenen Sta- 
tuette, von der uns zwei Marmorkopieen 
erhalten sind, eine leidlich ergänzte, die den 
Eindruck des Originals in den Hauptzügen 
zur Geltung bringen mag, dafür aber sti- 
listischer Treue entbehrt, und eine uner- 
gänzt gebliebene, die etwa auf der Stilstufe 
der olympischen Giebelskulpturen steht, beide 
publiciert von Schreiber, Apollon Pytholctonos 
Taf. 1, der unter Zustimmung von Overbeck 
(Plastik 2 3 S. 87. iKunstmyth. Apollon S. 371 
und noch Plastik 2 4 S. 117) diese Werke auf 
die Latona puerpera des Euphranor zurück- 
führen wollte. Dafs das unmöglich ist, hat 
neuerdings Beisch ausgeführt (Ein vermeintl. 
Werk des Euphranor im Festgruß aus Inns- 
bruck an die Wien. 
Philologenversamml.) , 
dessen eigene These, 
dafs eine in Delphi 
) angeblich genau auf 
dem Schauplatz des 
mythischen Vorgangs 
aufgestellte Erzfigur 
(Elearch von Soloi, F. 
B. Gr. 2 fr. 318) das 
Original der beiden 
marmornen sei, sehr 
ansprechend , aber 
doch nicht genügend 
) begründet ist. Jenes 
frisch erfundene, wohl 
etwas derbe Werk des 5. Jahrhunderts ist 
in der Kaiserzeit wieder zu Ehren gekommen, 
indem sein Typus für Münzen verschiedener 
kleinasiatischer Kultstätten der Letoiden und 
ihrer Mutter verwendet wurde; vgl. Schreiber, 
Apollon Pythokt. S. 79 ff. mit Taf. 2 und 
Overbeck, Apollon S. 373 f. mit Münztafel 5, 
17—20; auch auf einem Grabstein des Museo 
Chiaramonti (abgebildet Müller - Wieseler 2, 
880) kehrt der alte Typus wieder, und von 
einem Terracottahochrelief gleichen Gegen- 
standes und gleicher Komposition hat sich 
der auf der 1. Hand der Mutter sitzende Apol- 
lon (ohne Kopf, h. 0,41) erhalten (Museum von 
Arezzo). Die 'Latona puerpera Apollinem et 
Dianam infantis sustinens' des Euphranor, die 
nach Rom in den Tempel der Concordia ge- 
bracht worden war, jenem Werk des 5. Jahr- 
hunderts verwandt zu denken, liegt kein Grund 
vor, wahrscheinlicher (Beisch S. 30 ff.) stand die 
Göttin, mit den Kindern auf den Armen, ruhig 
da. Vereinzelt steht in der hellenistischen 
Epoche (Mitte des 2. Jahrhunderts) das kyzi- 
kenische Stylopinakion ( Anth. 3, 7), das ebenso 
wie ein etruskischer Spiegel (Gerhard, Spiegel 
4, 291 A) beide Geschwister das Ungeheuer 
erschiefsen läfst. Ein Relief von Gelduba am 




3) Münze von Ephesos, ge- 
prägt unter Hadrian (nach 
Overbeck, Plastik 2 a S. 117 
»ig. 172 b). 



1975 



Leto in der Kunst 



Leto in der Kunst 



1976 



Ehein (in Berlin; Schreiber S. 94) kann nicht 
mit Sicherheit auf Leto bezogen werden; doch 
stammt gewifs aus einer Letodarstellung, die 
der von Klearch berichteten Version und damit 
dem delphischen Bronzewerk folgte, der be- 
sondere Zug, dafs die vom Drachen bedrohte 
Göttin auf einem Steine steht. 

Die wenigen Darstellungen der von Ti- 
tyos bedrohten und von Apollon oder von 



für schwer denkbar hält (Jahrb. a. a. 0. S. 221 
Anm. 6). Im rechten Drittel desselben Reliefs 
ist, im einzelnen nicht ganz klar, dargestellt, 
wie Iris die Hülfe der Eileithyia anruft, wäh- 
hrend in der Mittelscene die feierlich gewan- 
dete, sceptertragende Leto in Gegenwart der 
Athena das Zwillingspaar dem Vater vorführt. 
Weitaus die häufigsten, wenn auch, mit 
wenigen Ausnahmen, nicht die charakteristisch- 



diesem im Verein mit Artemis gerächten Leto 10 sten Letodarstellungen zeigen die Göttin im 



werden unter Tityos besprochen werden. 

Aus späten Monumenten ersehen wir, dafs 
auch die irrende Leto, die dank der Hülfe 
des Poseidon endlich Unterkunft findet, dar- 
gestellt worden ist, schwerlich allerdings vor 
der hellenistischen Zeit. Ein Mosaik von Portus 
Magnus in Algier {Jahrb. d. Inst. 5 Taf. 5 und 



Dreiverein mit Apollon und Artemis, 
Vor allem sind dies eine grofse Anzahl s. -f. 
Vasenbilder, in denen Leto ohne besondere 
Kennzeichen erscheint, von gewöhnlichen Füll- 
figuren also nicht zu unterscheiden wäre, wenn 
nicht die Nachbarschaft ihrer Kinder die Be- 
nennung sicherte. Eine Aufzählung solcher 
Bilder ist zwecklos; es genügt auf die 
Kataloge der gröfseren Sammlungen zu 
verweisen und als inschriftlich gesicher- 
tes Beispiel das Vasenbild mit dem 
Lieblingsnamen Pasikles (Würzburg 3, 
86 ; Klein, Vasen mit Lieblingsinsehrißen 
S. 19; abgeb. Gerhard, A. V. 1, 25. El. 
ceram. 2, 23 B) und A. V. 20. 21. El. 
ceram. 2, 50 (Leto vor dem Wagen, den 
Apollon besteigt) zu nennen. Die ein- 
zigen charakteristischen Züge, die schon 
in diesen allgemein gehaltenen Typen 
auftauchen, sind das schleierartig um- 
genommene Himation (A. V. 1, 26. El. 
ceram. 2, 27. A. V. 1, 20/21), und die 
stattliche Krone (A. V. 1, 26. El. ceram. 
2, 36 B), und diese beiden Züge sind es, 
die von der neuen r.-f. Technik über- 
nommen und weitergebildet werden: die 
Krone wird zum einfacheren, manch- 
mal mit Zacken verzierten Reif (A. 
V. 1, 28 [nicht unverdächtig]; vgl. 
die Tityosbilder Overbeck, Atlas 23, 
3 — 5. 6. 7), das über den Hinterkopf 
gezogene Himation wird auch durch 
einen besonderen Schleier ersetzt (A. 
V. 1, 28 und unter den angeführten 
Tityosbildern 7). Vereinzelte Attribute 
sind daneben Zweig und Schale (El. 
ceram. 2,24. 26. 36. 36 A. Mon. d. Inst. 
9, 17) oder Kanne (El. ceram. 2, 33. 34). 
In der jüngeren Vasenmalerei wird Leto 
S. 216) zeigt in schlagender Übereinstimmung 50 auch in diesem engeren Kreise immer mehr 




fc2_ük 



4) Leto mit Apollon und Artemis, "Weihrelief des Sohnes des 
Bakchios (nach Overbeck, Atlas 20, 16). 



mit Hygin fab. 140 (s. Sp. 1960) den mit dem 
1. Bein niederknieenden geflügelten Boreas, von 
dessen Schultern Leto zu der schwimmenden 
Ortygia, die jener den 1. Arm hinstreckt, herab- 
steigen soll, während Poseidon mit dem Drei- 
zack die Pythonschlange bedroht. Durch diese 
von Bobert a. a. O. ausgeführte Deutung wird 
auch die von demselben Gelehrten gegebene 
Erklärung eines Sarkophagdeckelreliefs in Villa 



Nebenfigur; Erwähnung verdient Berlin 2641. 
El. ceram. 2, 44. In der grofsen Kunst hören wir 
von Darstellungen dieses Dreivereins im 6. und 
5. Jahrhundert wenig Sicheres; doch wird man 
die von den Thessalern' nach Abai geweihten 
Bilder (Herod. 8, 27) mit den ög&ä ayaX^ra 
bei Pausanias 10, 13, 7 gleichsetzen (vgl. Sauer, 
Statuar. Gruppe Anm. 105 und über die Zeit 
der Weihung ebd. Anm. 63) und die Gold- 



Borghese bestätigt (abgeb. Arch. Zeit. 1869 60 elfenbeinbilder im Heraion zu Olympia (Paus. 



Taf. 16. Bobert, Hermes 22 S. 460 ff.), aller- 
dings nur, wenn man auch dort die von dem 
Riesen getragene vollgewandete Figur Leto, 
das fast unbekleidete, schreitende Weib, nach 
dem jene bittend die Hände ausstreckt, Or- 
tygia nennt, was Bobert, hauptsächlich weil 
der Riese hier ungeflügelt erscheint, also eher 
ein Meerwesen als einen Windgott vorstelle, 



4, 17, 3) als ursprünglich zusammengehörige 
Werke spätestens des 5. Jahrhunderts (sg zu 
(läXiata äQ%o>ia, Paus.) betrachten dürfen, die 
bei der neuen Aufstellung im Heraion wie 
andere lose verbundene altertümliche Figuren- 
komplexe auseinandergerissen wurden. In die 
zweite Hälfte des 5. Jahrhunderts gehört die 
östliche Giebelgruppe des delphischen Apollon- 



1977 Leto in der Kunst Leto in der Knnst 1978 

tempels, in der Praxias, ein Schüler des Ka- Gattung von Darstellungen des göttlichen Drei- 
lamis Artemis Leto, Apollon und die Musen Vereines : die Kitharödenreliefe (Overbeck,Kunst- 
darste'llte (Paus. 10, 19, 4). Aus derselben oder myih. Apollon S. 259 ff.). Auf die Frage, wann 
nur wenig, späterer Zeit sind einige Weihreliefe das Vorbild dieser stilmischenden Monumente 
erhalten, die Leto mit ihren Kindern darstellen, entstanden sei, ist eine befriedigende Antwort 
das vom Sohne eines Bakchios geweihte (s. bisher nicht gegeben; jedenfalls scheint die 
Abb 4) dessen Letofigur allerdings keine freie Annahme ausgeschlossen , dafs die wesent- 
Sehöpfüng ist, sondern sich an Demetertypen liehen Züge der Darstellung in einem archa- 
(vgl das grofse eleusinische Relief, Schöne, Gr. ischen Bildwerke gegeben gewesen und nur 
Reliefs hl, München Glypt. 85) anlehnt, ein 10 nach hellenistischem oder römischem Zeit- 
jüngst nach Dresden gelangtes „kitharodisches" geschmack umgebildet worden seien {Betseh, 
Relief (Arch. Am. 1894 S. 26), von dessen Gr. Weihgesch. S. 26 f. Herrmann, Arch. Ann. 
Leto Ähnliches zu gelten scheint, und das 1894 S. 27). Vielmehr ist im AnschluTs an ar- 
jüngere Baraccosche, in dem Leto ganz schlicht chaische Prozessionsdarstellungen und mit Be- 
und schmucklos erscheint, wie sie, neben ihren nutzung der archaistischen Modetypen eine neue, 
stehenden Kindern auf einem Felsen (schwer- relativ selbständige Kompoaitiongeschaffenwor- 
lich Omphalos) sitzend, das Gebet der Weihen- den, deren Göttergestalten innerlich jenen des 
den anhört, Collect. Baracco Taf. 80; S.41 (Ba- 4. Jahrhunderts verwandt waren. So vertritt 
raeco). Bedeutende Darstellungen des Apollon auch die Leto dieser Reliefe, eine feierliche 
mit Mutter und Schwester mufs die Kunst des 20 Gestalt in hochgegürtetem Chiton mit Diploi- 
4 Jahrhunderts geschaffen haben. Praxiteles, dion, mit schleierähnlich verwendetem Hima- 
und zwar sicher der jüngere (vgl. jetzt Over- tion, Krone und Scepter — die langen Schulter- 
beek Plastik^ S. 61), schuf die Kultgruppe locken sind ein archaisierender Zug— , die Typik 
im Letoon zu Mantineia, Leto zwischen ihren der Letobilder des 4. Jahrhunderts, mit denen 
hier gewifs erwachsenen Kindern {Paus. 8, 9, 1), die Gestaltung des Ideals dieser Göttin im 
und das schon erwähnte Weihgeschenk, eine wesentlichen vollendet war. — Zwei etrus- 
Gruppe der Leto mit ihren (kleineu oder er- kische Werke, die Townleysche Ciste (Ver- 
wachsenen?) Kindern im Tempel des Apollon hard, Spiegel 1, 15/16: Leto legt die R. auf 
Prostaterios zu Megara. Von Polyklet, wahr- Apollons Schulter) und ein Spiegel (Gerhard 
scheinlich dem jüngeren, war die Marmor- 30 1, 77: Letun (s. d.) in derselben Haltung, aber 
gruppe der drei Gottheiten auf dem Berge etruskischem Geschmack zuliebe mit nacktem 
Lykone bei Tegea {Paus. 2, 24, 5). Die Leto Oberkörper) knüpfen an Letotypen des 5. oder 
des jüngeren Kephisodot, die mit dem Apollon 4. Jahrhunderts an. 

des Skopas und der Artemis des Timotheos Auch sonst erscheint Leto oft mit ihren 
in dem von Augustus gegründeten palatini- Kindern vereint als Zeugin ihrer Thaten. In 
sehen Apollotempel stand {Plin. 36, 24. Prop. erster Linie kommen hier die Darstellungen 
3 28 151'.), stammte gewifs aus Attika, ob aus der Niobesage m Betracht, deren älteste 
einer Gruppe bleibt ungewifs. Unbekannt sind ein s.-f. attisches Vasenbild (Ant. Benkm. 1, 22. 
Künstler und Entstehungszeit der Gruppe von Löscheke, Jahrb. 2 S. 275) ist. In den Niobiden- 
Delion {Paus. 9, 20, 1; Apollon ist nicht ge- 40 vasen des 5. Jahrhunderts fehlt Leto; umso wicn- 
nannt durfte aber nicht fehlen) und der in tiger ist das Zeugnis eines Gemäldes viel späterer 
der Po'rticus der Octavia aufgestellten Marmor- Zeit, das ein höchst bedeutendes Letobild des 
gruppe die, wie der delphische Tempelgiebel, 5. Jahrhunderts wiederholt. Das auf Marmor ge- 
die drei Gottheiten mit den Musen vereinigte malte herkulanensische Bild des Alexandros von 
(Plin. 36, 34; das item bezieht sich auf den Athen (Heibig, Wandgemälde 170 b ) — die In- 
Aufstellungsort, nicht auf den zuvor genannten schrift nennt den Kopisten, nicht den Meister 
Künstler Philiskos). Besser als die Münze von des Originales^ — zeigt aufser zwei Knöchel- 
Mecara, die man mit der dortigen praxite- Spielerinnen ('Aylairi und 'lliaiQa) eine aus- 
lischen ' Gruppe ohne genügenden Grund in drucksvolle Gruppe dreier Frauen: die statt- 
Zusammenhang bringt (Overbeck, Kunstmyth. 50 lichste (AHTß) steht, die Arme vor die Brust 
Apollon Münztafel 5, 3), da sie die" Kultgruppe gelegt, mit geneigtem Haupte da; nach ihrer 
des Prostateriostempels wiedergeben kann, giebt Rechten greift mit der Rechten, wahrend die 
uns von den feierlichen Gruppen des 4. Jahr- Linke in gleicher Richtung ausgestreckt ist, 
hunderts eine Vorstellung das Relief einer Mar- NIOBH , die in ziemlich starrer Haltung m 
morbasis von Sorrent (Rom. Mut. 4 Taf. 10 a), vollem Profil n. 1. erscheint. Von rechts end- 
mit dem sich ein sehr zerstörtes Relief an einer lieh schreitet eifrig die jugendliche <POIBH 
Dreifufsbasis von Nabulos vergleichen läfst, wo heran , schiebt mit der Linken an Niobes 
die vom Pfeil durchbohrte Pythonschlange der linker Schulter und winkt (nicht weist) über 
durchaus ruhigen Göttergruppe ganz äufserlich die rechte Schulter jener hinweg der Leto. 
beigefügt ist (Ztschr. d. dtsch. Palästinavereins 60 Stil, Komposition, Stimmung und die iorm 
7 Taf 3 S 136 [Schreiber]). Die thronende der Inschriften beweisen, dafs Alexandros ein 
Göttin in dem von Schreiber, Bull. Com. di Born. Gemälde oder ein Stück eines Gemäldes aus 
1891 Taf 11 (Una sacra conversazione S. 3) dem polygnotiBchen Kreise kopierte, das emen 
publicierten Reüef ist schwerlich Leto, da das Zwist zwischen Leto und Niobe und den Ver- 
Relief sich auf den Wettstreit zwischen Apollon such einer Versöhnung darstellte (vgl. Stark, 
und Marsyas bezieht und die Göttin zur Partei Niobe S. 158). Eine weitere hierher gehörige 
des Marsyas zu gehören scheint. Sonst giebt es Letodarstellung des 5. Jahrhunderts giebt ein 
aus späterer Zeit nur noch eine bedeutendere unediertes Relieffragment der Vüla Albani 



1979 



Leto in der Kunst 



Letoides 



1980 



(Fea-Morcelli- Visconti 118) wieder. Hier steht 
neben der forteilenden und schon in den Köcher 
greifenden, aber noch einmal zurückblickenden 
Artemis die imponierende Gestalt ihrer Mutter, 
die mit dem gehobenen r. und gesenkten 1. Arm 
den Mantel lüftet, sonst aber in Ruhe verharrt. 
Der Typus der Göttin entspricht ziemlich genau 
dem im Relief des Bakchiossohnes; die Dar- 
stellung im ganzen hat man sich ähnlich den 



Gegenwart der Mutter die Würde der Letoiden 
erhöht, so ist Leto zugegen beim Dreifufs- 
streit zwischen Apollon und Herakles (Erz- 
gruppe des Diyllos, Chionis und Amyklaios in 
Delphi, Paus. 10, 13, 7; Vase des Andokides 
Berlin 2159, Gargiulo, Baccoltä 101 ; meist nicht 
sicher zu benennen, vgl. Overbeck S. 395 ff.), 
beim Streit um Marpessa (Münchener Vase 
745; abgeb. Overbeck 26, 6), beim Wettkampf 



bekannten friesförmigen Niobidenreliefen vor- 10 zwischen Apollon und Marsyas (nur in 
zustellen, die auf den Thronschmuck des phi- späteren Vasenbildern, vgl. Overbeck S. 430. 
diasischen Zeus zurückgehen (vgl. über diese 435 und Atlas 24, 20; 25, 5, während 24, 25 

unsicher ist; auf Sarko- 
phagen ist die auf Apol- 
lons Seite, der Kybele 
gegenüber, thronende 
Göttin jedenfalls nicht 
Leto zu nennen [Over- 
beck S. 463 f.]). Bnd- 
lich begegnet sie uns 
zuweilen, wo eine 
gröfsere Götterver- 
sammlung aufgeboten 
wird: ein einziges Mal 
bei der Athenage- 
burt, und zwar in 
einer Darstellung der- 
selben, die pelopon- 
nesischer Typik folgt 
(Mm. d. Inst. 6, 56, 
6 ; vgl. Lö'schcke, Arch. 
Zeit. 1876 S. 110), fer- 
ner in der Götter- 
prozession der So- 

philosvase (Athen. 
Mitt. 14 Taf. 1; zur 
Deutung vgl. Stwi- 
nicska im Eranos 
Vinäobon. S. 233 ff.) 
und schliefslich in aus- 
führlichen Darstellun- 
gen der Giganto- 
ma c h i e , vielleicht 
schon in der Parthe- 
nonmetope Ost 10 
(Mayer, Giganten und 
Titanen S. 370; anders 
Robert, Arch. Zeit. 42 
S. 53), durch Namens- 
beischrift gesichert am 
grofsen pergameni- 
schen Altar (Mayer 
S.372. Puchstein,Sits.- 




5) Leto, Niobe, Phoibe, Aglaie, Hileaira, Marmorgemälde des Alexandras toh 
Athen (nach Photographie). 



jetzt Fttrtwängler, Meisterwerke S. 68f.). Ob 
die thronende Göttin auf der Jattaschen Nio- 
bidenvase (Stark, Niobe Taf. 2) Leto zu nennen 
sei, ist nicht ganz sicher ; Heydemann (Ber. d. 
Sachs. Gesellsch. 1875 S. 218) hat sich für diesen, 
Stark (Niobe S. 153), dem Bloch (Zuschauende 



Ber. d. Bert Ak. 1888 S. 1232 Taf. zqfS. 1242, 
unpubliciert), wo sie, zwischen ihren Kindern 
mächtig ausschreitend, die in der älteren Kunst 
ihr nie zukommende Fackel einem geflügelten, 
mit Vogelkrallen und Schlangenschweif aus- 
gerüsteten Giganten (Tityos nach Puchstein, 



Götter S. 17 f.) folgt, für den mir weniger wahr- 60 Sitmngsber. d. Berl. Akad. 1889 S 344, Alkyo 



scheinlichen Namen Hera entschieden; sicher 
ist Leto in der lieblichen Gruppe mit ihren 
noch unerwachsenen Kindern auf der Niobe- 
vase Neapel 3246, Ber. d. sächs. Gesellsch. 1875 
Taf. 4. Auf Niobidensarkophagen kommt Leto 
nicht vor. 

Der Rest der Letodarstellungen kann als 
ganz episodisch bezeichnet werden Da die 



neus nach Mayer, Arch. Zeit. 1885 S. 123, 5; 
beides sehr fraglich) ins Gesicht stöfst. Der 
Name Leto für die schleiertragende, mit 
2 Fackeln kämpfende Göttin, die neben Arte- 
mis in dem bekannten vatikanischen Relief 
(Müller -Wieseler 2, 848) erscheint, wird damit 
mindestens wahrscheinlich. [Sauer.] 
Letoides (Arjto'Cärjs) = Sohn der Leto, Etym. 



1981 Letois Leucetius 1982 

ifcf.166,9. Bekker,Anecd. 861, 9 = 1) Apollon, äol. Arjzmv (s. lat. Lätöna), auf einem clusini- 

(absolut) Hom. Hymn. Merc. 158. 263. 403. sehen Spiegel de_r. Sammlung Casn£cinL^Pa- 

608. 513. Anth. Pal. 9, 357. Plato lun. in leano); links vftn {Sfartumefs] = "Agre/iig und 

Anih. Pal. 9* 751. Paul. Silent. ebend. 7, 4. aplu = 'AnöXXmv, rechts fralna ( s. d.) ; s. Mus. 

Philipp. Thessal. ebend. 7, 237. 9, 307. Apoll. CMus. t. 1Q8, Gerhard , E&,JZp. 3, 30 t, 77 . 

Bhod. 1, 66. 144. 439. 484. 2, 181. 700. 773. Buvsm^ Ann. 8 = 1836 p. 172 ff. Bull. 1843 

4, 1704. Palladas in Anth. Pal. 11, 324. pJää. JFabr., C. I. 1. 478. Cnrssen. Sp r. d. Mr. 
Artemon ebend. 12, 55. J.n'st. eg«. 1081. Jfcmw. 1 + 82JL Deeeke in Bezzenbergers Beitr.ß, 164 
Dionys. 16, 180. C. 7. 4. 3, 171 a add. p. 488. nr. 17.' VgLLeto. [Deeeke.] 

C. I. Cr. 1, 511 = C. I. A. 3, 171. C. I. G. 3, 10 Letus als göttliches Wesen erscheint in dem 
6208 = Kaibel, Inscr. Graec. Sic. 1424. — Grabgedicht O. I. L. 6, 19007 v. 20 f. (= G.Wil- 
'AnöXXmv ArjTotär]g Hom. hym. Merc. 524. Apoll. manns, Exempla inscr. lat. nr. 569; zuerst ver- 
Rhod. 4, 610. Hesiod. scut. 479. 'AnöXXtov 6 öffentlicht von E. Bormann, üngedruckte lat. 
A., lustin. Martyr. Afaoll. 1, 25. &sog A., Inschriften, Programm des Gymn. z. grauen 
Simonides in Anth. Pal. 6, 212 = frgm. 164 Kloster. Berlin 1871 S. 5f. nr. 3): quam mortis 
Bergk*. 0oißog 'AnöXXmv A., Theognis 1120. acerbus | eripuit Letus teneramque ad Tartara 
b /isyaXiövvitog A. lustin. Mart. or. ad gent. 2. duxit. c In dem Letus . . . finden wir das neu- 
KXÜQiog A., Corr. hell. 10, 554 = Athen. Mitt. trale Letum zu einer Persönlichkeit umge- 
ll, 428. Ein ztfievog xov AjjtoiSov Tatian. wandelt Letus mortis ist der Todesdämon' 

or. 8. Die Form AazotSag findet sich Pind. 20 Bormann (a. a. O. S. 6). Vielleicht ist ein 

Pyth. 1, 12 (21). 3, 67 (118). 4, 259 (461). Letus auch in der Grabschrift C. I. L. 6, 22203 

9, 5. Nem. 9, 53 (125). Alkman fr. 17 Bergk*. anzunehmen, welche mit den Versen schliefst 

G. I. Cr. 3, 4720. Meleagros in Anth. Pal. hunc leges leti (d. i. Leti?) praeposterae eripuere\ 

5, 141. AazoCSag ava% Exasgyog 'AnöXXmv am matri quae ut annis morte quoque esset prior. 
Kypseloskasten, Paus. 5, 18, 4; vgl. Stat. Theb. Vgl. Letum. [R. Peter.] 

1, 663. 695. Anth. Pal. 9, 761. Der Plural Leucetius, Loucetius, Beiname des kelti- 

AaTol'Sai (vgl. numina Letoidum , Auson. epit. sehen Mars auf einigen Inschriften, Brambach, 

27, 2 p. 81 Peiper) bei Pind. Pyth. 4, 3 = Corp. inscr. rhen. 925 aus Kleinwinternheim, 

Apollon und Artemis, während das Schol. dazu jetzt im Mainzer Museum; die beiden Frag- 
es nur für Apollon gelten lassen will. Ahn- 30 mente gehören unmittelbar zusammen, sind 

lieh heifst Apollon Arjvoysvrjg, Anth. Pal. neben einander, nicht unter einander zu setzen, 

9, 525, 12 oder Atizäog , Anth. Pal. 6, 54; vgl. Zangemeister, Korresp.-Bl. d. Westdtsch. 

ein Tempel des Apollon Aatäog stand auf Zeitschr. 7 p. 116 Anm. 1; von dem Namen 

megarischem Gebiete unweit der korinthischen des Gottes sind nur die Buchstaben VCETIO 

Grenze, Paus. 1, 44, 10; vgl. Aazms jtöps %qvbo- erhalten). 929. 930 (aus Marienborn = Orelli- 

xöfia Isyllos, Paian 48; bei Eur. Iph. Taur. Renzen 5899: Curtelia Prepusa Marti Loucetio 

1260 ist Aaxäog von Nauck ergänzt; s. ferner v. s. I. m. und Marti Leucetio T. Tacitus Cen- 

Ov. Met. 11, 196. Stat. silv. 1, 2, 220 und die sorinus »..«. I. m.). 1540 (Frauenstein bei 

Weihinschrift aus Menschieh(Ptolemais)7Tatä* , a Wiesbaden: Marti Leucetio pro salute imp. 
%Xvzö(irjzi,v äsiaats v.ovqoi Arjtoiänv skcctov, 40 d. n. . . . Aug. Pii Q. Voconius Vitulus). Eine 

Rev. arch. 13 (1889), 71. — 2) Asklepios, Inschrift aus Bath (England), C. I. L. 7, 36 

Hesiod bei Athenag. Suppl. pro Christ. 29; nennt ihn zusammen mit der Göttin Neme- 

vgl. Meineke, Anal. Alex. [Höfer.] tona; der Dedikant, ein civis Trever, ver- 

Letois (ArireaCg) , Beiname der Artemis, ehrt in der Fremde seinen heimatlichen Gott : 

Kallim. hymn. 3, 45 = Schol. Nik. Ther. 549. Peregrinus Secundi fd(ius) civis Trever Lou- 

Alex. Aetol. bei Macrob. Sat. 6, 22. Nonn. cetio Marti et Nemetona (sie!) v.s.l.m. Jüngst 

Dionys. 46, 347. Apoll. Bhod. 3, 877. 2, 938 fand man in Worms eine weitere Inschrift an 

und Schol. 4, 346. Poet, bei Euseb. praep. ev. den Gott MARTI LOVCETIO SACRVM (Zange- 
5, 7, 5; vgl. ebend. 5, 7, 6. Anth. Pal. 6, 272, 1^ meister, Korrespondenzblatt d. Westdeutschen 
Stat. Theb. 9, 834. Inschrift aus Sidyma, Benn- 50 Zeitschrift 1888 p.115). Der Dedikant AMANDVS 

dorf-Niemann, Reisen etc. p. 77 nr. 53e. — Sie VELVGNI (filius) DEVAS dürfte ein Kelte 

heifst auch Ar\zma, Soph. El. 570; vgl. Nonn. und in Devas seine Heimat zu suchen sein 

Dionys. 48, 440. 829. Aazäa Anth. Pal. 6, (Deva in England, das heutige Chester?). Die 

128. 280. 7, 421, 9 (lat. Latonia, Stat. Theb. Inschriften bespricht kurz R. Mowat, Revue 

4, 425. 749. 9, 679. 820; vgl. Silv. 1, 2, 115. archeol.ii. s. 35, 1878p. 103f., der zu der Reihe 

Columella 10, 288. Auson. p. 259 Peiper), noch eine Inschrift aus Angers fügt, deren 

Arjzcoiäg, Kallim. hymn. 3, 83. Coluth. rapt. Lesung aber nicht ganz sicher scheint (Marti 

Hei. 32. Oppian. Gyn. 1, 109. Aazoysvrjg, Louc. Aug. C. Iulius Tri . . .). Mars im Verein 

Eur. Ion. 465. Aazoyevsia, Aesch. Sept. mit Nemetona angerufen auch in Altripp (im 
133 Kirchhoff. [Höfer.] 60 Lande der Nemeter) Brambach nr. 1790, Neme- 

Letopolites s. Lokalpersonifikationen. tona allein auch in Kleinwinternheim, Keller, 

Letrens (Abtqsvs), Sohn des Pelops, Oikist Korresp.-Bl. d. Westdeutsch. Zeitschr. 3 p. 86 

der Stadt Letrinoi in Elis, Paus. 6, 22, 5. und Zeitschr. d. Vereins zur Erforschung der 

[Stoll.] rhein. Geschichte u. Alterth. in Mainz 3 (1887) 

Letum, der Tod als göttliches Wesen zu- p. 518 nr. 82a. Vgl. des weiteren De Wal, 

samen mit Lues, Labor, Tabes und Dolor bei Mythol. septentr. monum. epigr. p. 243 und Bonn. 

Senec. Oed. 652; vgl. Letus. [Höfer.] • ^ Jahrb. 17, 166; 18, 243; 27 p. 75; 29, 169; 

Letufl (letun), etruskischer Name der At[xm, 63 p 72. Ich erwähne schließlich die Legende 



1983- Leucimalaeus * Leukarion 1984 

einer keltischen Münze LVCOTIO, Hucher, Th. v. Grienberger, Z. f. deutsches A. u. deutsche 
L'art rnaulois 2 p. 151. tfarthelemy, Revue L. 35, 1891 p. 391-393 nr. 3 leitet von einem • 
numismatique 1885 p. 148. Es kann wohl kein angenommenen Verbum leuduyan mit dem Be- 
Zweifel sein dafs wir es mit einem keltischen griffe des Herrschens den Bemannen Leudisjo 
Beinamen des römisch-keltischen Mars zu thun her, dessen germanische Qativform Leudisjan 
haben Zu dem Lautwechsel eu und ou vgl. mit angehängter lateinischer Dativendung -o 
Teutates neben Toutates n. a. (Zeufs, in der in Rede stehenden Inschnft vorliege. 
Gramm. Celt.* p. 34f. Bonn. Jahrb. 83 p. 19). Nach ihm ist Mercurius Leudisio „der regnator 
Corssen hält das Epitheton für lateinisch unter omnium, im germanischen Sinne, offenbar 
Berufung auf den Iuppiter Lucetius (alt 10 Wodan". Einfacher ist es wohl, den Bei- 
Loucetius),er deutet daher Mars als „Sonnen- namen von einer Ortlichkeit herzuleiten. [ V gl. 
gott" Sprachlich mögen die beiden Beiwörter Zeufs, Gramm. Celt* p. 35. Bonn: Jahrb. 1 
(Leucetius [Mars] und Lucetius [Iuppiter] p. 124. M. Ihm.] [Drexler.] , 

verwandt sein, der geschichtliche und sach- Leukadia (^£uxo:.Ka), 1) Beiname der Hera in t 

liehe Zusammenhang beider wird dadurch Sybaris, Flut, de sera num. vind. 12. IVg 1 ; 
nicht erwiesen. Vgl. E. Jordan, Krit. Beiträge Bd. 1 Sp. 2087, 39, wo Aivwvla vermutet 
p 33 f Preller- Jordan, Böm. Myth. I 3 p. 189. wird. Röscher.]— 2) Eine Artemis Leukadra wird 
334. Es ist immerhin fraglich, ob das Epi- erwähnt Gaz. arch. 7 [1881/82], 83. [Höfer. J 
theton des Mars eine funktionelle Bedeutung Leukadion (AsvnaSicov), s. u. Leukarion. 

hat- zu verweisen ist auf Namen, die denselben 20 Lenkadios [AevxüSiog), 1) Sohn des Ikanos, 
Stamm enthalten, Leucimalaeus (ebenfalls des Vaters der Penelope. Ikanos war, mit 
Beiname des Mars\ Leucitica, und beson- seinem Bruder Tyndareos von Hippokoon aus 
ders die bekannte Völkerschaft im belgischen Lakedaimon vertrieben, zu Thestios nach Atollen 
Gallien, die Leuci. [M. Ihm.] gekommen. Tyndareos kehrte später m die 

Leucimalaeus, Beiname des Mars auf einer Herrschaft von Lakedaimon zurück; Ikanos 
bei Demonte (im Thal der Stura, See -Alpen) aber gewann einen Teil von Akarnamen und 
westlich von Borgo s. Dalmazzo (dem alten herrschte dort mit seinen zwei Söhnen Alyzeus 
Pedd) gefundenen Inschrift, G. I. L. 5,7862a. und Leukadios, welche ihm Polykaste, die 
Auf einer zweiten in derselben Gegend ent- Tochter des Lygaios, nebst der Penelope gebar, 
deckten heilst die Widmung nur ZeVClMALaco, 30 Von den beiden Brüdern erhielten die Städte 
C I L. 5, 7862. Zu dem PLOSTRALIBVs Leukas oder Leukadia und Alyzia in Akarna- 
DEDICÄVIT der letzteren bemerkt Mommsen: nien ihre Namen, Ephor. b. Strdb. 10, 452. 461. 
'Plostralia feriae nescio quae mulionum nunc Eustath. p. 1964, 52. [— 2) Beiname des 
primum opinor innoteseunt.' Vgl. auch B. Mo- Apollon, Ov. Trist. 3, 1 42. 5, 2, 76. Prop. 4 
wat, Bevue archeologigue n. s. 35, 1878 p. 105. (3), 10 (11), 69 = Leukates, Strabo 10, 452. 

[M. Ihm.] Seinen Tempel sollte Leukos, einer der Ge- 

Leucitica. Eine bei Rovigno (Istrien) ge- * fährten des Odysseus, gegründet haben, Ptol. 
fundene Inschrift — nach Mommsens Vermu- Seph. 7 p. 198 Westermann. Höfer.] [btoll.J 
tune die älteste bis jetzt in Istrien zu Tage Leukai Korai s. Bd. 1 Sp. 2810. . . 

gekommene — lautet SEIXOMNIAI | LEVCI- 40 Leukaios (Asvnaiog ?), Beiname des Zeus m 
TICAI I POLATES. Die Gottheit, die den der elischen Stadt Lepreon, Paus. 5, 5, 5, wohl 
Beinamen Leucitica führt, ist nicht weiter identischmit^'xatos. jltÄ. Mi«. 16, 260. [Höfer.] 
bekannt C I.L. 5, 8184. [M. Ihm.] Leukane (Aev*uv n ), Gemahlin des lasos in 

LeucuUos oder Leucullosos (?). Eine gal- Argos, Mutter der Io, Schol. Eur. Or. 920. 
lische Inschrift von Neris - les - Bains : BRA- Gerhard, Gr. Myth. 2 p. 234 Stammtfl. K2; 
TRONOS I NANTONICN | EPADATEXTO| s. Io. [Stoll.] 
RIGI • LEVCVLLO | SVIOREBE • LOCITOI Leukania (?) s. Leukadia. 

wird von B. Mowat, Bev. arch. 35 1878 [p. 94 Leukaria (AivwQia), Gemahlm des_ Italos, 

— 1081 p 107 erklärt als „un ex-voto dedie Mutter des Auson nach Taetz. zu Lykophr. 702, 
par Bratronos, fils de Nantonios, ä un dieu 50 oder Mutter der Rhome, der Gemahlm des 
Epadatextorix LeucuUos, variete de Mars gau- Aineias, nach Flut. Bomul. 2, oder des Rhomos 
low" Whitley Stolces, Bev. celt. 5 p. 116 — 119 nach Dion. Hai. 1, 72: stal äs rivce,oi, xi\v 
dagegen , welcher nicht, wie Mowat, Leucullo 'Pä^v exTÜ&ui Xiyovoiv vxo Pwpov zov Italoy, 
suiorebe sondern Lencullosu iorebe abteilt fir^ös de AevxaQiag t»js Äazivov &vyatQog, 
und Leucullosu als Dativ von Leucullosos fafst, wo Kiefsling aus Cod. Urbinas AsvKtQag, 
deutet: „Bratronos, son of Nantonios, for Epa- Schwegler, B. Gesch. 1 p. 400 Anm. 1 aus Eus. 
datextorix Leucullosos made (this) acceptably." Chron. 1, 45, 3. Sync. p. 193 b Aevv.r\g her- 
Aber auch er hält Epadatextorix Leucullosos stellt. Cauer, De fdbuhs Graects ad Momam 
für eine Gottheit. Stolces' Erklärung giebt den conditam pertinentibus. Berlin 1884 p. 24 
Vorzug Flor.Vallentin, Bull, epigr.de la Gaule 1 60 Anm. 43 erklärt: „Sive AivKrj sive Asvxrga 
p. 245. Ob in den fraglichen Namen eine Gott- sive Asvxaoia legitur, Alba Longa momini 
heit zu suchen ist, mögen die Kenner des Kel- inest." [Drexler.] 

tischen entscheiden. [Drexler.] Leukariou {Aevwquov), mit Pyrrha zu- 

Leud ...anus, Beiname des Mercurius in sammen genannt im Frgm. anon. n 130 
einer sehr verstümmelten Inschrift von Weis- Callimach. 2, 735 f. Schneider ans Etym. llor. 
weiler Kr. Düren, Rgbz. Aachen, C.I.Bh. 592. p. 204; vgl. Et. M. p. 561, 54. Smd. 2, 1 
Die drei fehlenden Buchstaben schlug Lersch p. 543): IIvqq las A. (Hs. IIvqqu jj A. corr. 
vor durch im oder ehi oder ici zu ergänzen. Söhn.); nach übereinstimmender Angabe der 



1985 



Leukas 



Leuke 



1986 



Zeugnisse ein Eigenname und zwar nach dem 
Fragment der desDeukalion (nach 0. Schnei- 
ders Vermutung aus den Aitia des Kallimachos 
2, 5); diese Namensform spricht vielleicht für 
H. Lewys (Griech. Etymologien 1 in den Indo- 
german. Forschungen 2, 446) Herleitung von 
dev-AuXitav aus *Aivk-ccI-uov (im Gegensatz 
zur Farbe der IIvQQct). Das Et. M. a. 0. giebt 
als dritte Namensform Aiv%aSCatv; und wirk- 
lich kennt die (ovidianische) Epistula Sapphus 10 
{Herold. 15, 167 ff.) die (von Weizsäcker [s. o. 
1, 994 ff.] übersehene) Nachricht, dafs vom 
leukadischen Felsen hine se Deucalion Pyrrhae 
suecensus amore misit et illaeso corpore pressit 
aquas. — Birt (Ehem. Mus. 32, 1877, 432) ver- 
mutet darum, dafs in Ambrakia die alexan- 
drinische Wissenschaft obige Namen für Den- 
kalion vorfand und danach die Deukalionsage 
erneuerte. Da Comparetti (sulV autenticitä 
della epistola ovidiana di Saffo in den Publieaz. 20 
del B. Inst, di studi super, in Firenze 2, disput. 1 
1876) eine alexandrinische Sammlung der popu- 
lären Sagen von Lesbos wahrscheinlich ge- 
macht hat, und auf Lesbos gerade eine Stadt 
Pyrrha liegt, so ist de Vries (Epistola Sapphus 
134) geneigt, eine echt lesbische Form der 
Deukalionsage zu erkennen in jenen Versen 
167 ff. der ovidianischen Epistel (die dort einer 
naiadischen Nymphe in den Mund gelegt sind: 
162. 179). Da aber der Name Asvhbqoq für 80 
einen Akarnanen bezeugt ist (Aristoteles frg. 
261) so scheint der (Kallimachische?) Asvita- 
Qiesv mit Pyrrha sich schon von selbst als 
Akarnane, genauer als Einwohner oder Epo- 
nymos der akarnanischenlnsel Leukas, 
zu erkennen zu geben. Ob in dieser leukadi- 
schen Deukalion-Pyrrha-Sage'(des Kallimachos) 
auch der leukadische Sprung vorkam, wie 
ihn in lesbischem Zusammenhang das ovidi- 
anische Zeugnis berichtet und die kürzlich 40 
wieder von M. Mayer (s. o. 2, 1535, 51 ff. über 
den 'Weinbauer Deukalion', doch wohl = 
dvuXog-diovvcoq) angedeutete Etymologie von 
4ev(K)alicav aus dv-al- nahelegen würde, 
bleibt problematisch, wie überhaupt die Be- 
ziehungen zwischen dem Flutmann, und dem 
Weingott, anklingend auch in der Glosse z/si5- 
imXläui = SäxvQoi HesycJis. Vgl. den eigen- 
tümlichen Meersprung des Dionysos in der 
Ilias Z 135f.: Aiävveog öveet' älög und das 50 
Meerbad der Statue des Aiövveog 'AXisvg (bei 
Philochoros frg. 194. F. H. G. 1, 416. Philo- 
logus N. F._ 2, 1889, 682 ff.), überhaupt den Aiö- 
vveoe 7isi.ayt.og. [K. Tümpel.] 

Leukas (Aevxdg), 1) Personifikation der Insel 
Leukas, als weibliche Figur dargestellt auf 
einem korinthischen Spiegel, Dumont in Corr. 
hellen. 2, 561 und Anm. 4. 562. [S. die oben 
2 Sp. 1382 s. v. Korinthos 1) verzeichnete Litte- 
ratur. Drexler.] Auf Münzen von Leukas er- 60 
scheint, vor einem linkshin gewendeten weib- 
lichen Kopfe, welcher mit einer über der Stirn 
zulaufenden Stephane, mit Ohrgehänge und 
Halsband geschmückt ist, die Beischrift AEYKAE, 
Imhoof -Blumer, Die Münzen Äkarnaniens 130, 
47. Nach Imhoof a. a. 131 haben wir hier 
die personifieierte Lokalgottheit, fj 
Aevxdg, vor uns; a. a. 0. 131 Anm. 101 weist 

Boscher, Lexikon der gr. u. röm. Mythol. II. 



Imhoof auf K. Purgold, Archäol. Bemerkungen 
zu Claudian und Sidonius hin, wo p. 13 ff. an- 
geführt wird: Korinthos von der als idealen 
Frauengestalt gebildeten Leukas bekränzt. — 
2) Eine Nymphe (Nereide?), auf einem Meer- 
ungeheuer sitzend, C. I. G. 3, 6784 = Kaibel, 
Inscr. Graec. Sic. 2519. [Höfer.] 

Leukasia s. Leukosia. 

Leukaspis (Aemaamg), 1) einer der Gefährten 
des Aeneas, der im Sturme (Verg. Aen. 1, 113 ff.) 
umkam, Verg. Aen. 6, 334. — 2) Einer der An- 
führer der Sikaner, welche sich dem durch Si- 
cilien ziehenden Herakles zum Kampfe entgegen- 
stellten und besiegt wurden. Er fiel in der 
Schlacht mit mehreren anderen Führern und 
erlangte mit diesen heroische Ehre, Diod. 4, 23. 
[Eine Münze von Syrakus\ mit der Legende 
ZvQaKoetcov AevKaamg zeigt einen stürmenden 
Heros, den Helm auf dem Haupt, in der Rechten 
eine Lanze, in der Linken einen Schild, Eckhel, 
D. N. 1, 246. Read, Hist. num. 154. Gat. of 
greek coins in the Brit. Mus. p. 169 nr. 162. 
p. 180 nr. 226. Gardner, The types of greek 
coins pl. 6, 5. 35; vgl. B. Weil, Die Künstler- 
inschriften d. Sicil. Münzen 18. Baoul-Bochette, 
Lettre sur les graveurs des monnaies grecques 8. 
Höfer.] [Stoll.] 

Leukatas -es {Asvndxag -rjg), 1) ein Knabe, der 
sich, als Apollon ihn rauben wollte, von dem Fel- 
sen Leukatas, der Südspitze der Insel Leukas, ins 
Meer hinabstürzte und dem Felsen den Namen 
gab, Serv. V. Aen. 3, 279. — 2) Apollon Leukatas 
(Strab. 10, 452) hatte auf diesem Vorgebirge ein 
Heiligtum, und man stürzte hier an einem Feste 
des Apollon jährlich zum Opfer einen Menschen 
zur Sühne hinab. [AI~IOAAßN AEYKATHC ist 
dargestellt auf einer Münze des Trajan, welche 
man auf Grund des Titels CßTHP TTOAEQC 
des Kaisers dem epirotischen Nikopolis zu- 
weist. Der Gott erscheint auf einem Piede- 
stal von vorn, 1. h. schauend; über der 1. 
Schulter ragt der Köcher hervor. In der L. 
hält er den Bogen, in der ausgestreckten R. 
eine Fackel, J. Friedländer, Arch. Zeit. 27, 
1869 Sp. 103 Taf. 23, 21. Imhoof, Monn. gr. 
p. 141 nr. 45. Über den von Strabon mitge- 
teilten Opferbrauch s. Müller, Dor. 1* p. 233. 
329. E. Gurtius, Ges. AbK. 1 p. 296. Mercklin, 
Die Talos-Sage p. 22. Toepffer, Thargelien- 
gebräuclie, Bh. Mus. 43 p. 142 — 145. Dieterich, 
Nekyia p. 27 Anm. 5. Drexler.] [Imhoof-Blumer, 
Die Münzen Äkarnaniens 32. Head, Hist. 
num. 272. Höfer.] [Stoll.] 

Loukathea (Aevxu&ia), dialektische Neben- 
form für Aevx-o&sa (s. d.) auf einer thessalischen 
Inschrift 'Aylalg 'InnoXvtila Asvxa&tai, Fick, 
Die Quellen d. nordthessal. Didl. bei Bezzen- 
berger, Beitr. 5, 11. Fick weist auf das offen- 
bar der Ino Leukothea zu Ehren gefeierte Fest 
der Asv%ä»ea in Teos (C. I. G. 3066) hin und 
auf den nach einem gleichnamigen Feste be- 
nannten Monat Atvy.a&icov in Lampsakos, 
C. I. G. 3641b add.; vgl. Bischoff, De fastis 
Graec. ant. 398 f. [Höfer.] 

Lenke (Asvxrj), 1) eine Nymphe, Tochter 
des Okeanos, von Pluton aus Liebe zur Unter- 
welt entführt und, als sie nach Ablauf der 
ihr bestimmten Lebenszeit starb, als Silber- 

63 



1987 Leukerea Leukippiden (in den Kyprien) 1988 

pappel (Isvttri) in das elysische Gefilde ver- Thestor, Schwester des Kalchas und der Theo- 
setzt; mit ihrem Laube bekränzte sich Herakles, noe, Hyg. fdb. 190; s. Thestor. — 6) Gemahlin 
als er aus der Unterwelt zurückkehrte, Serv. des Euenor in der Atlantis, Plat. Kritias 113 b. 
Verg. Ecl. 7, 61. Die Silberpappel heilst u%s- — 7) Mutter des Eurystheus, Schol. Tl. 19, 116. 
gmig, II. 13, 389. [Boetticher, Baumkultus der — 8) Von_ Hephaistos Mutter des Aigyptos, 
Hellen. S. 441 ff. R.] — 2) Asv%ri, mythische Insel Königs in Ägypten, Plut. de fluv. 16. [Stoll.] 
im westlichen Pontus Euxinus, wo Achilleus Leukippiden. (Litt.: Preller, Gr. Myth. 2* 
(nebst anderen Helden) nach seinem Tode, S. 97 f. Bursian, Arch. Ztg. 1852, 433 ff.). Unter 
vermählt mit Helena oder Medeia oder Iphi- den drei Töchtern des Leukippos (s. d.) treten 
geneia, ein seliges Leben führte, daher auch 10 in Mythos und Kunst nur die Gemahlinnen der 
A%iXXsiu vfjGos; s. Achilleus. Find. Nem. 4, 49 Dioskuren, Hilaeira und Phöibe, hervor, und 
(79) u. Schol. Eur. Iph. T. 436. Strab. 2, 125. sie allein werden in der Regel unter dem 
7, 306. Paus. 3, 19, 11. Dionys. Per.. 543 und zusammenfassenden Namen Leukippiden ver- 
Eustath. zu 306. 543. Skymn. v. 790. Pomp. standen. Die uns geläufige Form der Sage, 
Mel. 2, 7. Steph. B. v. 'A%(XXsiog dgöpog. Tzetz. welche die beiden mit den Aphariden Idas 
Lyk. 186. 188. Ant. Lib. 27. Kon. 18. Köhler, und Lynkeus verlobten Mädchen von den 
Sur les iles et la course d'Achille, Mem. de Dioskuren geraubt werden und darauf zwischen 
l'Aead. d. S. Petersb. 10, 581 ff. Boeekh, C. 1. I. den Gegnern einen Kampf auf Tod und Leben 
2 p. 87 nr. 2076. 2077. 2080. 2096b— f. Preller, sich entspinnen läfst, ist eine jüngere. Die 
Gr. Myth. 2, 438. [A. v. Muralt, Achilles u. s. 20 ältere brachte den Kampf der Bruderpaare 
Denkmäler aus Süd- Bußland. Petersburg 1839. mit einem viel harmloseren Ereignis, einem 
Bohde, Psyche p. €60 Anm. 1. Drexler.] [Stoll.] Rinderdiebstahle, in Verbindung. So war 

Leukerea (Asvv.sgsaT), eine Göttin odar der Streit nach Proklos in den Kyprien motiviert 

Nymphe, der die Blume drjauov heilig war: (vgl. Schol. Pindar. Nem. 10, 114. Tzetz. Ghil. 

&Tjauöv &' änaXbv (irjXcp ivaXtyxiov av&og, Asv- 2, 48) und ebenso ist es der Fall bei Pindar 

xsging [Aevxodörig'} R.] isgbv nsgmaXXsog, o (Nem. 10,60 ä/wpl ßovolv %oXa>9s{g), welcher in 

ga ixäXie-ca ipiXaro, Timachidas bei Athen. 15, seiner ganzen Erzählung sich vollständig an 

684 f. Für As vxs gsrg . wollte Casaubonus die Kyprien anschliefst. (Über die ia-cogCa im 

Asvxo&sag lesen, schwerlich richtig, wie Schol. II. r 243 vgl. Schwarz, Fleckeis. Jahrb. 
Kaibel zu Athen, a. a. O. bemerkt. [Höfer.] so 1881 Suppl. S. 446.) Die Form unserer Sage 

Leukiane (Asvkiuvtj), Beiname der Artemis in den Kyprien können wir infolge einer ge- 

auf eitfer Inschrift aus dem Tempel des Zeus schickten und wie mir scheint gelungenen 

Panamaros bei Stratonikeia, Gorr. hell. 12, 269. Kombination Wentzels (&säv smvXrjeug V,18ff.) 

Liegt in dem Beinamen eine Beziehung zur jetzt bestimmter erkennen: bei Lykophron ist 

Mondgöttin vor? Vgl. Leukophrys. [Höfer.] sie uns erhalten. Dieser erzählt, dafs bei dem 

Leukios (Asvviog), 1) Heros Eponymos der Gastmahl, welches die Dioskuren zu Ehren des 

Stadt Leukane(?) in der Landschaft Lukanien, Paris bei dessen Aufenthalt' in Lakonien yer- 

Eust. zu Dionys. Per. 362. Etym. M. s. v. Asv- anstalteten, die Söhne des Aphareus ihre Wirte 

%uvCa. — [2) Name eines Hundes bei der kaly- schmähten, weil sie ohne Brautgeschenke dem 
donischen Eberjagd auf der Vase des Archikles 40 Leukippos die Töchter entführt hätten. Der 

und Glaukytes, G. I. Gr. 8139. Boecker, De Streit mit Worten ging in einen Kampf mit 

canum nominibus graecis p. 56. Klein, Die Waffen über, in dem der eine Dioskur und 

griech. Vasen mit Meistersignaturen p. 77 nr. 4, beide Aphariden fielen, 

wo weitere Litteratur. Drexler.] [Höfer.] Auch in den Kyprien folgte der Kampf auf 

Leukippe (Asvitinmf) , 1) Okeanide, in' der das dem Paris gegebene Gastmahl, wie aus 

Umgebung der Persephone, als diese von dem Excerpt des Proklos hervorgeht: wir 

Hades geraubt ward, Hom. H. in Cer. 418. sehen jetzt genauer in den Zusammenhang. 

Paus. 4, 30, 3. — 2) Eine der drei Minyas- Eine genügende Motivierung des Kampfes auf 

töchter in Orchomenos, welche die Göttlich- Tod und Leben fehlt bei Lykophron; von 
keit des Dionysos nicht anerkennen und an 50 einem Streit um die Mädchen kann natürlich 

der Feier seines Festes nicht teilnehmen wollten. nach dem oben Auseinandergesetzten nicht die 

Zur Strafe wurden sie von dem Gotte in bak-. Rede sein. Die Scholien geben, ohne Zweifel 

chantische Raserei versetzt, in welcher sie den richtig, den Grund an, dafs die Dioskuren 

Sohn der Leukippe, Hippasos, zerrissen, und gereizt durch die Reden der Aphariden deren 

in Nachtvögel oder Fledermäuse verwandelt; Rinder raubten und sie dem Leukippos als 

s. Alkithoe. Aelian. V.E. 3, 42. Plut. Qu. Gr. 38. Geschenk brachten. Dieselbe Motivierung fand 

Ant. Lib. 10. Ov. Met. 4, 1 — 415, wo jedoch v. 168 sich nach Proklos in den Kyprien: iv zovtm 8s 

Leukonoe (s. d:) statt Leukippe genannt wird. Käarmg /istä IloXväevxovg tos "IScc x«l Avy- 

— 3) Gemahlin des troischen Königs Laomedon, -nimg ßovg vyaiQOvfisvoi iqxoQa&rjaav ■ nal 
Mutter des Priamos, Apollod. 3, 12, 3 (s. Heyne, 60 Käarcog ptsv vito-rov "Jöa ccvaigsizai, Avynsvg 

Not. crit.). Tzetz. L. 18 u. Argum. poem. p. 266 ds xal'lSag vno üoXvdsvKOvg- Kai Zsvg avtolg 

Müller. Pherekydes bei Tzetz. Exeg. in Iliad. szsqtj[isqov vifiti tijv ä&avccaiav.. Es gab nur 

p. 38, 11 (Müller, Fr. Mst. gr. 1 p. 95 fr. 99). die zwei Begiündungen des Kampfes durch 

Bei Hyg. fdb. 250.heifst sie Gemahlin des Ilos, den Raub der Mädchen oder der Herden; die 

Mutter des Laomedon. — 4) Gemahlin des bei Lykophron vorliegende Version der Sage 

ätolischen Königs Thestios, Mutter des kaly- geht also auf die Kyprien zurück. Ebenfalls 

donischen Jägers und Argonauten Iphiklos, den Kyprien ist Pindar gefolgt, wenn er den 

Hyg. fdb. 14 p. 42 Bunte. — 5) Tochter des Idas apyl ßoveiv jraig jjolrairsis den Kastor 



-a^jpw ijipippiiii.il, i u . 



1989 Leukippiden (in den Kyprien) Leukippiden (im jüngeren Mythus) 1990 

töten läfst. Die Aphariden verfolgen bei ihm (147 JE). Verlockt durchreiche Ges<*enkeder • 
die Dioskuren, die sich in einer hohlen Eiche Dioskuren brach er den Eid, mit welchem er 
verstecken (vgL das #«prienfragment bei den Söhnen des Aphareus seine Tochter ver- 
Wentzel S. 26); Idas tötetKastor mit einem sprechen hatte. Kaum erhielten diese von der 
Speerwurf durch den Baum. Polydeukes ver- Entführung Kenntnis, als s» eiligst den Dios- 
folgt die Brüder, welche das Bild vom Grabe kuren (ihren Vettern, 170) nachsetzen; beim 
hrfs Vaters auf ihn schleudern, doch ohne Grabmal ihres Vaters holten, sie die Räuber 
ihn zu verletzen, und ersticht den Lynkeus, ein. . Jeder Versuch, die Dioskuren umzustam- 
während Idas durch einen Blitzstrahl des Zeus men, scheiterte; man einte sich auf : des Lyn- 
zerschmettert wird. Die ältere Sage wufete 10 keus Rat dahin, dafs die jüngeren Brüder im 
also nients davon, dafs die MädchenWüng- Zweikampf die Entscheidung herbeiführen 
lieh Verlobte der Aphariden waren und von den sollten Doch als Lynkeus unter dem töd- 
Dioskuren diesen entrissen wurden; sie kann hchen Streiche Kastors zu Boden sank, ver- 
mithin die Schwestern nur als Gemahlinnen der gafs Idas das Übereinkommen, und nfs die 
Dioskuren gekannt haben, bereits bevor diese Stele vom Grabe seines Vaters, um damit den 
den verhängmsvollen Rinderdiebstahl begingen. Mörder seines Bruders zn zerschmettern : da, 
Dafs dies in der That so war, können wir fuhr aus der Rechten des Zeus ein Blitzstrahl 
nicht nur für Lykophron aus dem 562/63 an-, hernieder, welcher ihm die Marmorplatte aus 
gedeuteten Verhältnis des Idas zur Marpessa der Hand schleuderte und ihn selbst zer- 
schliefsen, sondern lesen es auch bei Apollodor 20 malmte. ,,„,,. . ~ , „,, 

(3, 11, 2; vgl. Schal. Nem. 10, 114), der Kastor bleibt hier im Gegensate zu a er 

unberührt von späteren Einflüssen nur anderen Überlieferung^eben; das Idyll sollte 
die ältere Überlieferung bietet. Zwar erzählt in diesem Teile ein Lobgesang speziell auf 
er, dafs die Dioskuren des Leukippos Töchter ihn sein (135 ff.). Die schmähliche Bolle des 
aus Messene raubten (ipatavtic. W»). Leukippos ist offenbar der Absicht entsprungen, 
doeh setzt dieser allgemeine Ausdruck natür- das Vergehen der Zeussohne möglichst zu mil- 
lich nicht das Bestehen eines Verhältnisses dem; freilich wird auf diese Weise gerade 
zwischen den Mädchen und anderen Helden das Gegenteil erreicht. 

voraus, wovon auch kein Wort verlautet; die Welches Alter diese ; andere Gestalter Sage 

Entführung ist ia eine nicht ungewöhnliche so hat, können wir nicht mehr feststellen, dals 
Weise, auf die Heroen sich ihrer Auserwählten es ein hohes ist ergiebt sich aus des Pausamas 
bemächtigen. Von Lykophron weicht Apollodor Überlieferung hz a v»a (im Dioskurenheiligtum 
darin ab, dafs er die verwandten und eng in Athen) nolvyvtotoe ... sygaye yccfiov xmv 
befreundeten (3, 10, 3; 1, 9, 5) Brüderpaare 9vyariQa>v xe>v Aswiiiitov 1, 18, 1 Jime uoen- 
einen gemeinsamen Raubzug nach Arkadien zeitsfeier ist nur bei der Sagenform möglich, 
unternehmen und den Streit bei der Teilung nach welcher die Aphariden mit den Madchen 
der Beute entstehen läfst; dafs wir diese Über- verlobt waren und auf dem Fries des Heroon 
lieferung aber nicht etwa für die Kyprien von Gjölbaschi dessen Abhängigkeit von 
vorauszusetzen haben-, sondern die bei Lyko- Polygnot feststeht, finden wir mitten unter 
phron vorliegende, folgt aus des Proklos iycu- «. den Vorbereitungen zur Hochzeit die Enttuh- 
oov>3*o t , dem wir ohne den Beweis des Gegen- rung der Leukippiden durch die Dioskuren 
teils wohl vertrauen dürfen, sowie aus der für und deren Verfolgung durch die Söhne des 
das Epos erschlossenen Entstehung des Streites Aphareus dargestellt Auch für die Tragödien 
bei dem zu Ehren des Paris veranstalteten des jüngeren Sophokles und des PatroMes von 
Gastmahl, welche mit der apollodorischen Thurioi zu Timesitheos vg\.Welcker,Gr. Trag. 
Version unvereinbar ist. 3, 979 u. 1048) müssen wir d.ese Sagenform 

Die beiden Schwestern Hilaeira und Phoibe annehmen. Aus dem Zusammenhang, m 
galten dem Dichter der Kyprien als Töchter welchem sich diese Notiz bei Clem Alex. 
Apolkms (Paus. 3, 16, 1). Der Name 'Leu- (Protr. p.25) findet, folgt, dafs wenigstens der 
kippiden' war aber ohne Zweifel damals schon 50 eine der Dioskuren bei den Tragikern für 
gewöhnlich; es kann nur fraglich erscheinen, sterblich galt und sein Tod erzählt wurde; 
ob er von Äpollon Ae™*«o S abgeleitet wurde, der Inhalt dieser Tragödien kann a lso, ^ wie 
oder ob bereits ein Heros Leukippos geschaffen schon Heyne {Apollod.i, 290) und Welcher 
war, der als Stiefvater und Namengeber der (978) ausgesprochen haben, nur die Leutop- 
Mädchen betrachtet wurde. Für den *az<i- pidensage in ihrer jüngeren Gestatt gewesen 
loyeg zäv AevunntSav ist das letztere sicher: sein. Die beiden Mitteilungen der Pmdar- und 
hier war die Vernichtung der Kyklopen durch Homerscholien gehen auf dieselbe Quelle ein 
Apollon erzählt, natürlich bei Gelegenheit der mythologisches Handbuch zurück, w . el ~ 
Asklepiossage (v. Wüamowitz, Isyllos S. 79/80). (ähnlich wohL wie flj^n) die verbreiterten 
Da also Apollou hier Gemahl der einen Leu- 60 d. h. die durch das Drama geschaffenen Sagen- 
kippide Areinoe war, nmfs Leukippos als der formen zu Grunde lagen. Die Dioskuren sind 
Vater der Mädchen gegolten haben. Von der von den Aphariden zu deren Hochzeitsfeste 
Behandlung der Sag'e haben wir keine Kenntnis. eingeladen; kaum erblicken sie die jungfrau- 
Alle anderen litterarischen Überliefe- liehen Bräute, so ergreift sie eine so heftige, 
rungen bieten uns die schon oben angedeu- Liebe zu ihnen, da f? * ie ™^" mmert ™» 
tete jüngere Form unserer Sage. Voran Verwandtschaft und Sitte die Madchen an sich 
steht VtoWte 30. Idyll z^xo^ot. Leu- reiften und mit ihnen entfliehe^ Die Apha- 
kippos spielt hier die Rolle eines Verräters nden verfolgen sie und töten Kastor; beide 
vv * 63* 



1991 Leukippiden (Heimat) Leukippiden (Wesen) 1992 

aber werden unter Zeus' Beihülfe von Poly- Heroinen. Wie alle Heroengestalten, welche 

deukes erschlagen, nicht lediglich der Phantasie eines einzelnen 

Ovid (Fastib, 699 ff.) stimmt im ganzen Dichters ihre Existenz verdanken, waren auch sie 
mit Theokrit überein, bis auf die Rolle des natürlich Göttinnen: das Volk kennt keinen 
Leukippos und Kastors Ende; er, der keine durchgreifenden Unterschied von Gott und 
Verherrlichung des jüngeren Dioskuren beab- Heros. Ihr Kult allerdings war auf ein ganz 
sichtigte, folgte der verbreiteten Tradition, kleines Gebiet beschränkt; in dieser geringen 
welche ihn durch Lynkeus getötet werden Verbreitung erkenne ich eine Ursache dafür, 
liefs. Mygin (fab. 80) andererseits läfst zwar dafs solche Gottheiten von der epischen Dichtung, 
den Lynkeus durch Kastor, diesen -aber dann 10 welche sie nur von Hörensagen kannte, ihren 
durch die Hand des Idas fallen. Der Sieg Göttern nicht gleichgestellt wurden. In Sparta 
Kastors über Lynkeus hat also nicht bei Theo- allein kennen wir ein Heiligtum der Hilaeira 
krit allein gestanden, da er von hier aus und Phoibe (Paus. 3, 16, 1), neben welchem 
schwerlich in Hygine Fabeln gelangt sein kann; sich ein Heroon des Odysseus befand, ein Um- 
vermutlich gehörte er einer Költuslegende an. stand, der eine unglaubliche, in den Quaest. 
Der Vollständigkeit halber seien noch Teetzes graecae 48 mitgeteilte Kombination veranlafst 
(Chil. 2, 48), welcher auch den Polydeukes im hat. Die jungfräulichen Priesterinnen dieser 
Kampfe fallen läfst, und der Mythogr. Vatic. Göttinnen (doch wohl zwei) wurden ebenfalls 
1 (77) erwähnt, der von einem wunderbaren Leukippiden genannt; aus der Wendung bei 
Speere des Idas erzählt, dem niemand ent- 20 Paus. 3, 13, 7 geht hervor, dafs sie nicht allein 
gehen konnte. Dianisa ist hier selbstverständ- diesen Göttinnen zu opfern hatten, sondern 
lieh in Hilaeira zu korrigieren. auch, wie die Dionysiaden, dem Dionysos Ko- 

Als Heimat der Leukippiden nennt Steph. lonatas, und vor jedem diesem Gotte dar- 

Byz. "AtfiSva rjjg Aati.caviyi.rjg (vgl. Oeid fast. 5, gebrachten Opfer dem Heros , welcher der 

708). Furtwängler hat Bd. 1 Sp. 1161 die Ver- Sage nach dem Spender des Weines den Weg 

mutung ausgesprochen, dafs diese Angabe auf nach Sparta gewiesen (vgl. S. Wide, Lahm. 

eine Verwechslung mit dem Kampfe der Dios- Kulte S. 160). [Der 'Dionysos' KmXmvdzag 

kuren im attischen Aphidna zurückzuführen scheint sich hier, wie öfter an die Stelle eines 

sei. Vgl. S. Wide, Lnkon. Kulte S. 329. Leu- älteren Helios geschoben zu haben, der hier 

kippos ist König in Messenien, nach Paus. 4, 30 seinen (zuerst von Maafs, Gott. Gel. Anz. 

2, 4; vgl. Apollod. 1, 9, 5.3, 11, 2. [Und schon 1880, 346 1 richtig bezogenen) westpeloponne- 

in den Kyprien war nach G. Wentzel ('Em- sischen Beinamen AtvinTcnog getragen haben ' 

■xlrjeeig, V, de scholüs Lyeophronis 26 ff.) die wird, und zwar später in der niederen Würde 

von Pindaros (Nem. 10, 66 ff.) übernommene eines Heros: Wide a. 0. 160 f. Tümpel.] Eine 

Angabe enthalten, dafs der Schauplatz des gemeinsame Verehrung der Leukippiden mit 

Kampfes das Grab des Aphareus mit dem den Dioskuren wird bezeugt durch den iiQtvg 

Aidas-ayalfia war; vgl. Theoerit. Id. 22, 207. AsvaimciSav nai TvvSagiääv, [welcher der 

Wenn nach Ocid. Fast. 5, 708 der Kampf- Artemis Bcog&ia = 6q&(cc ein Votiv stiftet] 

platz Aphidna war, d. h. die lakonische Stadt einer spartanischen Inschrift (zweites Jahrh. 

des Steph. Byz. s^v., so ist das nichts anderes; 40 n. Chr., Bull, dell' .inst. 1873 S. 188); [Auf 

denn man wird "Aq>i$va(i) mit S. Wide (Lak. diese Verbindung mit Artemis orthia möchte 

Kulte 322) als die Burg des Gegners Kastors, 8. Wide jene Statue einer Göttin beziehen, in 

des Königs "AtpiSvog, ansehen dürfen, den E. deren Nähe auf der Meidias-Vase und den 

Maafs (Gott. Gel. Anz. 1890, 356) gut von V. B. M. d. I. 12, 16 und Areh. JB. 1 T. 10 

(peiS- als den 'schonungslosen' Unterweltsgott der Leukippidenraub stattfindet, allerdings 

(= Nrjlevg) erklärt hat. Der 'AfiSag des Grab- zweifelnd: 320 f. Tümpel.] vielleicht deutet 

agalma ist also kein anderer als dieser 'Acpcläag auch die Aufstellung ihrer Statuen im Dios- 

(vgl. den tegeatischen 'AcpsiSävrsiog xXiJQog, kurentempel zu Argos (Paus. 2, 22, 5) auf ge- 

Paus. 8, 4, 3 und Wide a. 0. 321. 329). Wenn meinsame Verehrung dieser Gottheiten. 

Leukippos messenischer König heifst, so vgl. 50 Für die Erkenntnis des Wesens dieser 

man dazu das gleichfalls messenische 0agai, Gottheiten ist von Bedeutung ihre Abstam- 

dessen Eponymos 'Ayagevg ist (v. Wilamowitz, mung von Apollon IstJKtjrjtos, in besonderer 

Isyllos 55 29 ), und den pylischen Hadeskult WeiBe die in dem kürzlich gefundenen Antiope- 

(Crusius, Kaukonen in der Hallischen Allg. fragment von Euripides den Dioskuren ge-f 

Encykl. 2. Sekt. 35, 24 ff.). Tümpel.] gebene Bezeichnung als livxai ncöXm (vgl.} 

Zur Gemahlin wird dem Kastor bei Properz v. Wilamowitz, Hermes 26, 1891 S. 242). Der' 

1, 2, 15 Phoebe, dem Polydeukes Hilaeira ge- Name Sot'ßjj erklärt sich durch Qoißog (vgl. 

gegeben 1 1 umgekehrt Apollodor 3, 11, 2, 2. Als Preller S. 98); [und entstammt ebenso wie 

Söhne dieser Ehen nennt Pausanias an zwei die Leukippiden- Väter Asvximiog und 'Apollon' 

Stellen Anaxis (s. d.) und Mnasinos, wofür 60 dem alten vordorischen Helioskult von Tai- 

Apollodor a. a. 0. die Namen Anogon und Mne- naron (Taleton, Thalamai): vgl. Wide 160 ff. 

silaos bietet. 215 ff. Tümpel.]; 'IXcisiga wird bei Steph. Byz. 

über die dritte Tochter des Leukippos, und Schol. Find. Nem. 10, 112 'EXäuoa ge- 
Arsinoe, s. oben Bd. 1 Sp. 557; auch sie hatte schrieben; die Meidiasvase zieht zu 'EXtga zu- 
einen Tempel zu Lakedaimon (Paus. 3, 12, 8), sammen. Zur Bedeutung vgl. iXdsiQu asXr]vr} 
scheint indessen vor allem in Messene verehrt (und q>X6l-) bei Emped. in Flut. Moral. 170 (St.) 
worden zu sein, Paus. 2, 26, 7. 4, 31, 6. und 240 [auch Boscher, Selene und Verw. S. 18 

Der Mythos kennt die Leukippiden nur als A. 50. 100. R.]. 



1993 Leukippiden (in der Kunst) Leukippiden (in der Kunst) 1994 

Die Leukippiden in der Kunst. 2 S. 274 vor dem Bekanntwerden des Reliefs 
Von den ältesten Darstellungen unseres von Trysa annahm) zurück — dasselbe, welches 
Raubes, den Reliefs auf der Athene Chal- in letzter Linie auch das Vorbild für die Meidias- 
kioikos und dem Throne des Apollon zu Amy- vase (Wien. Vorlegebl. 4, 1) und den kürzlich 
klai können wir une leider bei den kärglichen von Heydemann ( Mon. d. I. 1885 tav. 16, 
Andeutungen des Pausanias (3,17,3; 18,11) Annali S. 158ff. publicierten Jattaschen Krater 
keine Vorstellung bilden. Unter den erhal- war. Klarer ist die in zwei Reihen gegliederte 
tenen Denkmälern sind die altertümlichsten Darstellung der Jattaschen Vase; unten sitzen 
zwei rf. Vasenbilder attischer Arbeit, das sorg- vor einem Götterbilde zwei Mädchen, deren 
fältig und zierlich ausgeführte Gemälde eines io eine dasselbe hülfeflehend fafst. Um diesen 
Kraters (ehemals in Coghüls Besitz, Arch. Ztg. Mittelpunkt bewegen sich angstvoll hier- und 
1852 Taf. 41) und das flotte Bildchen auf einer dorthin fliehende Mädchen, aus deren Kreise 
Garnrolle ('EepTj/i. uq%. 1885 Taf. 5,1a). Beide der eine Dioskur seine Geliebte davonträgt; 
Gemälde stellen denselben Moment dar; die sein Gespann ist nicht abgebildet, vgl. Heyde- 
Dioskuren haben sich der Leukippiden be- mann a. a. 0. Auch in der oberen Reihe 
mächtigt und fahren mit ihnen auf Vier- hat der zweite Dioskur bereits sein Mädchen 
gespannen davon. Dazwischen bewegen sich ergriffen und zieht es nach 1. zu dem von 
mit den Zeichen höchster Bestürzung die Ge- seinem Wagenlenker gezügelten Viergespann; 
fährtinnen der Geraubten; mitten im Spiele nach der anderen Seite enteilt eine Gefährtin 
waren die Zeussöhne plötzlich unter sie ge- 20 der Geraubten. R. oben sitzen Aphrodite und 
treten. Auf dem Krater fahren die Wagen Eros, 1. unten sieht Athena mit Speer und ^ 
nach verschiedenen Richtungen auseinander; Schild dem Raube zu."' So "wenig geschickt 
vor dem 1. fahrenden eilt ein Mädchen, den auch die Komposition dieses Vasenbildes sein 
Blick zurückwendend, zu einem auf einem mag, der Ausdruck der einzelnen Gestalten 
Felsen sitzenden lorbeerbekränzten Mann, der ist (abgesehen von den wenig sagenden Ge- 
mit der L. sein Scepter staunend erhebt: kein sichtszügen) der Lage, in der sie sich befinden, 
Zweifel, dafs Leukippos in ihm zu erkennen angemessen — im Gegensatz zur Meidiasvase, 
ist (vgl. Jahn, Arch. Aufs. 106). Hinter dem die zwar durch ihre äufserst gewandte Zeich- 
anderen Viergespanne aber erscheint Apollon, nung und die geschmackvolle, prächtige Ge- 
mit Lorbeerkranz und langem Lorbeerzweig, so wandung der Figuren besticht, bei der aber 
Jahn fafste ihn als Hochzeitsgott (Arch. Ztg. die ganze Handlung mehr den Anschein einer 
1845 S. 28); indessen scheint er hier vielmehr Spielerei hat und die Bedeutung einzelner Ge- 
zugegen zu sein als der wahre Vater der bei- stalten der unteren Reihe aus ihrer Darstellung 
den Mädchen, für den er in den Kyprien galt hier allein unklar bleibt. Es hat für uns kein 
(Sp. 1689); er begünstigt denRaub seiner Töchter Interesse, bei einer Komposition von so wenig 
durch des Zeus Söhne. Der dem r. Gespann voran- präziser Ausdrucksweise den Intentionen eines 
eilende Jüngling ist gewifs richtig für einen Vasenmalers nachzugehen, welchem selbst seine 
Begleiter der Dioskuren erklärt; er wie Apol- Gruppe 1. unten so wenig klar war, dafs er 
Ion fehlen auf dem kleinen Bilde der attischen sie nicht besser zu gestalten vermochte; kein 
Scheibe, auch findet sich hier ein Mädchen 40 Wunder bei einer Darstellung, welche ein Jahr- 
weniger. Der Entführung sieht ein kahl- hundert hindurch in Vasenwerkstätten durch 
köpfiger Greis in seinem Chiton poderes und die bessernden Hände von Handwerkern ge- 
darübergeworfenem Himation zu, an einen gangen ist. Unsere Aufgabe ist es vielmehr, 
Palmbaum gelehnt, während er mit der vom ohne Rücksicht auf Inschriften die ursprüng- 
Gewande freien L. einen Stab Bchräg vor sich liehe Bedeutung der einzelnen Typen festzu- 
zur Erde hält. Auch in ihm ist Leukippos zu stellen — und da wird die Situation mit einem 
erkennen, um so sicherer, als auf ihn (wie auf Schlage klar. In der sitzenden Gestalt 1. er- 
dem Krater) das vorderste Mädchen zueilt. kennen wir Leukippos wieder ( Coghillsches 

Hoch über dem einfachen Aufbau der be- Gef.), auf den eine der Jungfrauen (Agaue, 
sprochenen Vasengemälde stehen die Frag- 50 vgl. das im Winde flatternde Tuch) hinzueilt, 

mente des im Jahrb. des Arch. Inst. 1 Taf. 10, 2 um ihm das Geschehene zu melden; eine andere, 

publicierten attischen Vasenbildes, welches, Chryseis, spielt noch mit einer Blume, während 

wie ich ebenda 2 S. 270 ff. nachgewiesen zu eine dritte (Ilei&d, vgl. Heydemann a. a. 0) 

haben glaube, gleichfalls den Raub der Leu- in einer für den Charakter der Darstellung auf- 

kippiden darstellte. An heiliger Stätte, dicht fallend heftigen Bewegung enteilt. Aus einem 

bei einem altehrwürdigen Idol, geschieht hier hülfesuchend an den Altar geeilten Mädchen 

der Raub: ein Dioskur hat bereits die eine endlich (vgl. Jattasche Vase) ist hier Aphrodite 

der Königstöchter in seiner Gewalt; der andere, geworden. Ich möchte es dahingestellt sein 

hinter einer Palme versteckt, sieht gespannt, lassen, ob solchen späteren Umdeutungen 
auf eine Gruppe ihm nahender Mädchen, um 60 immer ein Mifsverständnis einer Vorlage zu 

im nächsten Momente emporzuspringen und Grunde liegt; im einzelnen Falle mag wohl 

die Geliebte zu ergreifen. Zu beiden Seiten eine bewufste Umdeutung stattgefunden haben, 

halten Viergespanne; ein Mädchen ist schnell Hier freilich ist letzteres wenig wahrscheinlich: 

enteilt, um die unerwartete Entführung der denn wenn Bich auch für die Darstellung der 

einen Königstochter zu melden. Peitho eine nicht üble Erklärung finden läfst 

•Diese lebendige, packende Komposition geht — ganz verunglückt ist Aphrodite und die 

auf ein uns unbekanntes Original (nicht auf Gruppe Zeus -Agaue. 

das Gemälde des Polygnot, wie ich im Jahrb. Einige Vasenbilder , die vielleicht gleich- 



1995 Leufcippiden (in der Kunst) Leukippos 1996 

falls auf den Leukippidenraub zu beziehen sind, weitere Exemplare von dieser Gattung nicht zu 

bieten auch bei dieser Deutung noch so viele finden sein wird; anLeukippos ist gewifs nicht 

Schwierigkeiten t .dafs sie hier nicht erwähnt zu denken. In den Kämpfenden 1. aber glaube 

werden können. Ich mache nur noch den ich mit Sicherheit Lynkeus und Kastor (Theokr. 

Holzsarkophag aus dem Kul Oba, auf dem mit 20, 183 ff.) zu erkennen. Auch unsere Sarko- 

höchster Wahrscheinlichkeit der Leukippiden- phage enthalten, wie so viele andere, mehr 

raub zu erkennen ist, wofür ich auf Bursian, als eine Scene, nicht nur den Raub, sondern 
Arch. Ztg. 1852 S.435 verweise, und das Relief auch die Folge desselben, den Zweikampf der 

der etruskischen Urne bei Baoul-Bochette, beiden jüngeren Brüder. 

M. J. 75 namhaft. io Mit Ausnahme der Bntführungsscene bot 

Eine plastische Darstellung unseres Raubes der Leukippidenmythos der bildenden Kunst 

(JioaKovQcav äyäliiaiaq>iQ0VTis tag AevKtitxov), keinen geeigneten Stoff; aufser den Darstel- 

die man nicht vor das vie'rte Jahrhundert setzen lungen des Raubes kennen wir daher nur noch 

wird, sah Baus. (4,' 31, 9) zu Messene. Erhalten Statuen der Leukippiden zu Sparta und Argos 

ist uns eine analoge in den kleineren Statuen {Paus. 3, 16, 1. 2, 22, 5) und die Bilder des 

des Nereidenmonumentes, wie zuerst Furt- Omphalion im Tempel der Stadtgöttin zu Mes- 

wängler, Arch. Ztg. 1882 S. 347 ausgesprochen sene {Paus. 4, 31, 12), auf denen unter den 

hat. Ob diese freilich den AkroterienBchmuck Herrscherfamilien des Landes auch Leukippos 

bildeten, ist mir zweifelhaft, weil ich mir eine mit seinen Töchtern dargestellt war. Das Ge- 

solche Scene ungern in zwei Gruppen auf der 20 mälde des Atheners Alexandros zu Herculaneum 

einen und der entgegengesetzten Spitze des (Pitture d' Ercol. 1 Taf. 1; s. ob. 8p." 1978f. 

Heroon zerrissen dächte. Auch die Nereiden, unter Leto in der Kunst) hat noch keine be- 

deren bisherige Deutungen mir verfehlt er- friedigende Deutung erfahren; sind unter Hi- 

• scheinen, halten mich davon ab. Täusche ich laeira und Phoibe, was doch am nächsten 

mich nicht, so können aufgeregt fliehende liegt, die Leukippiden zu verstehen, so wird 

Meermädchen in einem Werke griechischer ihre Verbindung mit Leto durch die epische 

Kunst nur zu einer Darstellung des Raubes Tradition zu erklären sein, nach welcher Apol- 

der Thetis gehören; auch hier haben wir die Ion der Vater der Jungfrauen war. Für Niobes 

Entführung der Leukippiden mit derjenigen der Verhältnis zu Leto wäre dann auf Sappho bei 

Thetis vereint, wie auf den beiden Scheiben 30 Athen. 13, 4 zu verweisen und unter Aglaia 

der att. Terracotta ('Egpq/i. 1885 Taf. 5, 1), und vielleicht eine Tochter der Niobe zu verstehen, 

ich dächte mir daher am liebsten beide Gruppen Vgl. Leto. [Ernst Kuhnert.] 

am gleichen Platze aufgestellt. Lenkippos (Asv-ntnnog), 1) Sohn desPerieres 

Die bisher besprochenen Darstellungen zei- (des Amyklas, Aristid. Miles. bei Sehol. Find. 

gen, wie es nach der oben dargelegten Ent- Pyth. 3, 14) und der Gorgophone, einer Tochter 

Wickelung der Sage zu erwarten war, nur den des Perseus, Bruder des Aphareus, Tyndareos 

Raub durch die Dioskuren, ohne die Aphariden. und Ikarios, König in Messenien. Seine Ge- 

Das älteste Denkmal, welches die jüngere Sagen- mahlin Philodike (Phylodike?), Tochter des 

Version zeigt, ist der Fries am T. Teile der Inachos, gebar ihm die Hilaeira und Phoibe 

Nordwand des Heroon zu Gjölbaschi (Das 40 (die Leukippiden, welche, den Apharetiden 

Heroon von G. v. Benndorf und Niemawn ldas und Lynkeus verlobt, von den Tyndariden 

Taf. 16). L. von einem Antentempel entführen Kastor und Polydeukes geraubt und geheiratet 

die Göttersöhne auf Viergespannen die beiden wurden, s. Leukippiden) und die Arsinoe, welche 

Mädchen, verfolgt von einer Anzahl bewaff- dem Apollon den Asklepios gebar, Stesichoros 

neter Krieger. Unter diesen fallen zwei mit bei Apollod. 1, 9, 5. 3, 10, 3. 4. Tzetz. L. 511. 

Petasos und Chlamys bekleidete Jünglinge, Paus. 4, 2, 3. -4, 31, 9. 2, 26, 6. Hyg. fab. 80. 

hoch zu Rofs, in die Augen, deren jeder einem Ov. fast. 5,702. Theokr. 22, 137. Sehol. 11.3, 243. 

der Gespanne nachsetzt; kein Zweifel, dafs wir Der Vf. der Kyprien nennt Hilaeira und Phoibe 

in ihnen die Aphariden • zu erkennen haben. Töchter des Apollon, Paus. 3, 16, 1. Vielleicht 

In der anderen Frieshälfte r. vom Tempel er- 50 geht auf diesen Leukippos Hom. H. in Ap. 

blicken wir Leukippos, dessen Gemahlin und Pyth. 34; s. Baumeister z. d. St. Schneidewin, 

einen kleinen Sohn, von dem die Sage nichts Die hom. Hymnen auf Apollon, abgedruckt 

berichtet, weiter eine grofse Anzahl von Frauen aus den Götting. Studien 1847. Nach messe- 

und auch Männern, die in verschiedenartigster nischer Sage war die lakonische Stadt Leuktra 

Weise diese ihr Erstaunen, jene ihren Schmerz oder Leuktron eine Gründung des Leukippos, 

über das unerwartete Ereignis äufsern — oben was dem Pausanias deshalb glaubhaft erschien, 

darüber Vorbereitungen zu einem Opfer, welche weil dort Asklepios, der Sohn der Arsinoe, 

von den Beteiligten mit einer Ruhe und Ver- Tochter des Leukippos, besonders verehrt 

tiefung betrieben werden, als ob nichts vor- wurde, Paus. 3, 26, 3. Leukippos wird unter 

gefallen wäre. 60 den kalydoniBchen Jägern genannt, Ov. Met. 

Die drei erhaltenen Särkophagdarstellungen 8,306. Beimling, Leleger 118 ff. Preller, Gr. 

(Mus.Piocl. 4,44. Gall. Giust. 2,138. Winckel- Myth. 2, 90. 97 f. Gerhard, Grieeh. Myth. 2 

mann, M. I. 61) wie ein Terracottarelief (Arch. Stammtafel p. 240 P. 2. Schwenek, Andeu- 

Ztg. 1852 Taf. 40, 3), dessen Figuren ein ge- tungen 194. Pott, Studien zur grieeh. Myth., 

naues Negativ der entsprechenden bei Winckel- Jahrb. f. Philol. 1859 Suppl. 3 p. 330. 331. 

mann 61 bilden, stellen den Vorgang überein- [Mehr unter Leukippiden. S. auch Wide, 

stimmend dar. Für den r. forteilenden Krieger Lahm. Kulte S. 123. 160. 191, der mit Maafs, 

der Sark. fehlt noch eine Deutung, die ohne Gott. Gel. Anz. 1890, 346, 1 AsvKimios als 



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1997 



Leukippos 



Leukippos 



1998 



Hypostase des Helios fafst, wozu die Namen Stellen der Alten die Reiterei bei den Mag- 
der Leukippiden Hilaeira und Phoibe, die sich neten des Mäanderthaies spielte. Drexler.] — 6) 
auch als Epitheta der mit Helios so oft ge- Sohn des Makareus, Königs von Lesbos, den 
paarten Selene nachweisen lassen (Rascher, der Vater mit einer Kolonie nach Rhodos 



Sehne S. 18 Anm.50. S. 19 Anm. 54. S. 26. S. 100; 
vgl. S. 97 ff.), trefflich passen würden. Röscher.] 
Vgl. auch die Petersburger Vase nr. 2188. — 
2) Sohn des Oinomaos in Pisa. Er liebte die 
Nymphe Daphne, die Tochter des arkadischen 



schickte, Diod. 5, 81. — 7) Sohn des Naxos, 
Königs der auf Naxos angesiedelten Karer. 
Unter der Herrschaft seines Sohnes Smer- 
dios kam Theseus mit Ariadne auf die Insel, 
Diod. 5, 52. — 8) Sohn des Eurypylos, 



Flufsgottes Ladon (oder des Amyklas); da die 10 Königs in Kyrene, eines Sohnes des Poseidon 
jagdliebende Jungfrau aber allen Umgang mit und der Atlantide Kelaino, Bruder des Lykaon. 
Männern floh, so brauchte er, um ihr zu nahen, „Die Mutter war Sterope, eine Tochter- des He-' 



die List, dafs er sich die Haare nach Art der 
Frauen wachsen liefs und in weiblicher Klei- 
dung als Tochter des Oinomaos sich der Ge- 
liebten als Jagdgenossin anbot. Er erwarb 
sich bald die Liebe der Daphne j Apollon aber 
yeranlafste aus Eifersucht, dafs Daphne und 
ihre Gefährtinnen zum Bade in den Ladon 



lios, Schwester der Pasiphae, Akesandros bei 
Tzetz, Lyk. 886. Schal. Find. Pyth. 4, 57; vgl. 
Schol. Ap. Rh. 4, 1561. Gerhard, Gr. Myth. 2 
Stammtfl. p. 228 D 4 b. El b. Studniczka, 
Kyrene S. U9ff. — 9) Ansiedler der Achäer 
in Metapontion, Strabon 6, 265. Klausen, 
Aeneas 459. 1159f. Gerhard, Gr. M. 1 § 557, 



stiegen und auch den Leukippos sich zu ent-20 3c; 2 § 854, 1. 858, 3. [Auf dem Obv. 



kleiden zwangen, worauf sie ihn töteten, Paus. 
8, 20, 2. Parthen. 15. — 3) Sohn des Thuri- 
machos, König in Sikyon. Mit seiner Tochter 
Kalchinia zeugte Poseidon den Peratos, der 
von Leukippos, welcher keine Söhne hatte, 
auferzogen und zu seinem Nachfolger bestimmt 
wurde, Paus. 2, 5, 5. Mit Rücksicht auf Pau- 
sanias und Find. Ol. 6 , 28 (46) ff. nebst Schol. 
schlägt Bunte, Hyg. fab. 167 (Neptuni ßii) 



von Silbermünzen von Metapont ist sein be- 
helmtes Haupt bald mit der Beischrift AEY- 
- KIPPOZ (Cat. of the gr. c. in the Brit. Mus. 
Italy p. 248 nr. 79—81. Coli. Santangelo p. 43 
nr. 4161—4167. Leake, N. H. Eur: Gr. p. 129. 
Coli. Bompois p. .17 nr. 219), bald ohne die- 
selbe (Brit. Mus. It. p. 247f. nr. 75—78. 82. 
Coli. Santangelo nr. 4142. 4159. 4160. 4168— 
4172.. Leake, N. H. Eur. Gr. p: 129 u. Suppl. 



statt der korrupten Worte: Euadne ex Lena, so p. 134. Coli. Bompois nr. 220) nicht selten. 



Leucippi filia vor zu schreiben: Euadne ex 
Püane, Eurotae fiuminis filia; Peratus ex Cal- 
chinia, Leucippi filia. Muncker vermutete: 
Euadne ex Pitana, Leucippi filia. Gerhard, 
Gr. Myth. 2 Stammtfl. p. 238 N. 2. Curtius, 
Peloponn. 2, 482. — 4) Sohn des Herakles und 
der Thespiade Eurytele, Apollod. 2, 7, 8. Hyg. 
fab. 162. — 5) Ein Karer (oder Sohn des Kar?), 
welcher -mit den Magneten aus Kreta in Klein- 



Auch auf dem Obv. einer Goldmünze erscheint 
es, bedeckt mit einem korinthischen Helm, 
an welchem die Skylla als Zierat angebracht 
ist, begleitet von der Beischrift AEYKIHHOI, 
Brit. Mus. Italy p. 238 nr. 1. Nach Klausens 
(Aeneas 2 p. 1159 f.) Vorgang hält Lübbert, 
Commentatifi de Diomede heroe per Italiam in- 
feriorem divinis hpnoribus culto. Bonn. Ind. 
schol. W.-Sem. 1889/90 p. 10—12 den Leukippos 



asien die Stadt Magnesia am Mäander grün- 40 von Metapont für identisch mit Diomedes 
dete, Schol. Ap. Rh. 1,584; vgl. Hock, Kreta Drexler.] [Vgl. auch Imhoof -Blumer , Monn gr 
2, 409 ff. [Dieser Leukippos wird mit dem p. 5. RJ — 10) Gemahl der Graia, der Tochter 
unter 12 verzeichneten identificiert von Boeckh des Medeon, nach welcher Tanagra früher Graia 
zu C. I. Gr. 2910 und Rayet, Milet p. 141. Die (II. 2, 498) hiefs, Schol. LI. 2, 498; vgl. Steph. B. 
Inschrift C. I. Gr. 2910, ein Beschlufs der v. Tdvaygct. Bursi'an, Geogr. 1, 219, 1. — 11) In 
Panhellenen zu Ehren der Magneten, gefunden Phaistos auf Kreta wurde ein Mädchen von der 
in ^ Athen , beginnt mit den Worten 'Aya&rii Mutter (Galateia) zum Schein, um den Vater 
Tv%r\L Abvxiimos. Boeckh nimmt an, dafs hier ' Lampros zu täuschen, unter dem Namen Leukip- 
der mythische Gründer Magnesias gemeint sei, pos auferzo.gen und, als es herangewachsen, auf 
an dessen Statue in Athen man das Dekret 50 Bitten der Mutter von Leto in einen Jüngling'ver- 
angebracht habe. Rayet p. 112 und Froehner, wandelt. Es war in Phaistos Brauch, dafs man 
Les inscr. gr. [du musee du LouvreJ nr. 66 bei Hochzeiten sich zuerst bei der Bildsäule 
p. 140 billigen diese Ansicht. Aber mit Recht des Leukippos lagerte, Ant. Lib. 17; s. Galateia 

nr. 2 u. Leto. — 12) Sohn des Xanthios in Lykien, 
aus dem Geschlechte des Bellerophon, hatte 
geschlechtlichen Umgang mit seiner Schwester 
und tötete den Vater, der sie überraschte. 
Deshalb ging er an der Spitze einer thessa- 
- . . _ ^ lischen Kolonie nach Kreta und gründete von 

Fig. 37 den letzteren erkennen in dem mit 60 da aus Kretinaion im Gebiet von Ephesos, 



bezweifelt Ross, Hell. 1, 1 p. 41, dafs der in 
diesem Beschlufs aus dem 2. nachchristlichen 
Jahrhundert genannte Leukippos mit dem 
mythischen Helden etwas zu thun habe. Irrig 
ferner will Rayet, Milet p. 132 'Anm. 1 zu 
Fig. 31, p. 138 Anm. 4 zu Fig. 36 und p. 142 



eingelegter Lanze einhersprengenden Reiter 
der Münzen von Magnesia am Mäander. Dieser 
geradezu zum Wappen der Stadt gewordene 
Reiter, der nach Kern, Wochenschr. f. Mass. 
Phil. 1893 Sp. 782 auch auf Inschriftsteinen 



Hermesianax bei Parthen. 5. — 13) Sohn des 
Polykrithos, von Poimandros, dem Gründer 
von Tanagra, durch einen Stein wurf getötet, 
Plut. Qu. Graec. 37. — 14) Bei Apollod. 3, 12, 3 
ist Aevv.initrjv zu schreiben für Aevxtenov, siehe 



von Magnesia erscheint, erklärt sich zur Genfige Leukippe nr. 3. — 15) [L. = im westlichen Pelo- 
aus der hervorragenden Rolle, welche nach ponnes bald Beiname bald heroische Hypo- 
den von Rayet p. 144 Anm. 2 angezogenen stase des Helios: E. Maafs, Gott. Gel. Am. 



1999 Leukolenos Leukophrys 2000 

1890, 346; S. Wide, Lahm. Kulte 216. 260; Lenkophanes (Asvyiotpävrjg) , Sohn des Ar- 

vgl. auch oben nr. 1 und unter Leukippiden. gonauten Euphemos und der Malaehe (La- 

Tümpel.] [Stoll.] mache), Ahnherr des Battos von Kyrene (Schol. 

Leukolenos (Aswx,(öX,svog), Beiname der Hera; Find. Pyth. 4 , 465. Tzetz. Lykophr. 886; vgl. 

s. Bd. 1 Sp. 2097 Z. 53 ff. Charit. Aphrod. O. Müller, Orch. S. 301 ; mehr bei Studnicska, 

amat. narr. 4, 1. [Höfer.] Kyrene S. 110, 54). [Schirmer.] 

Leukon (Aevxmv), 1) Sohn des Athamas und Lenkophrye (AevKoq>Qvrj?), Tochter des Man- 

der Themisto, einer Tochter des Hypseus, Bruder drolytos, die aus Liebe zu Leukippos, dem 

des Erythrios, Schoineus, Ptoos, Apollod. 1,9,2. Sohne des Xanthios, diesem ihre Vaterstadt 
Herodoros bei Schol. Ap. Bh. 2, 1144. Nonn. 10 verriet (Sermesian. bei Parthen. erot. 5). Vgl. 

Dkm. 9, 312 ff. Ein Sohn des Leukon hiefs Leukophrys. [Schirmer.] 

Erythras, nach welchem die böotische Stadt Leukoparyene (Awx.o<pqvtiv ij) s. Leukophrys. 

Erythrai benannt war, Paus. 6, 21, 7; eine Leiikophryne (Asvnotpgvvrj) , 1) = Leuko- 

Tochter Euippe, Gemahlin des Andreus, Paus. phryene uDd Leukophrys (s. d.). — 2) Eine 

9, 34, 5; ferner Peiaidike, die Mutter des Ar- Nymphe oder Priesterin der Artemis Leuko- 

gynnos, Steph. B. v. "Aqyvvvog. Bei Hygin (fab. phryene , in deren Tempel ihr Grab gezeigt 

157),wo unter denSöhnen des Poseidon aufgeführt wurde (Zenon bei Arnob. adv. g. 6, 6. Theodoret. 

wird: Leueonoe ex Themisto, Hypsei filia, ver- serm. 8 p. 598 a). Vgl. Leukophrys. [Sehirmer.] 

mutet man Leueon ex Th., so dafs also manche Leukophrys (AswxöcpQvs), Beiname der Ar-, 
den Leukon als Sohn des Poseidon angesehen 20 temis in Magnesia am Maiandros, Nikander 

hätten. Leukon scheint auf den alten Namen bei Ath. 15 p. 683 C (nach Schneider) und (ab- 

des kopaischen Sees Leukonis zu deuten solut, ohne Zusatz von Artemis) auf Münzen 

(O. Müller), oder es bezeichnet den weifsen der Stadt, Mi. S. 6, 236, 1026 (autonom, doch 

Boden (Forchhammer, SellenikalSB; Gerhard). aus der- Kaiserzeit). Mi. S. 6, 237, 1034 (A€Y- 

Müller, Orch. 134. 170. 214. 465. Gerhard, Gr. KO0PIC, Domitian). Mi. 3, 147, 639 und S. 6, 

Myth. 2 § 701, 6. 702, 2; p. 224 Stammtfl. A3 237, 1035. 1036 (Trajan). Read, Catalogue of 

und p. 226 C. — 2) Einer der sieben Archa- the greek coins of Jonia p. 165 nr. 54 PI. 19, 7. 

geten der Platäer, denen vor der Schlacht bei Mi. 3, 148, 640 (A6YIKO0PYC, Hadrian). Mi. 

Platää auf Befehl des Orakels geopfert wurde, S. 6, 246, 1077 (Severus Alexander). Der Name 

Plut. Aristid. 11. — 3) Der Kreter Leukos 30 ist gleichlautend mit dem des Ortes in der 

(s. d. nr. 1) wird Schol. II. 2, 649 Leukon, Sohn Maiandrosebene, wo nach Xenoph. Seil. 3, 2, 19 

des TaloB, genannt. — 4) Hund des Aktaion, der Tempel der Göttin sich befand. Wohl mit 

Syg. fab. 181. Ov. Met. 3, 218. [Stoll.] Recht vermuten BoecM zu C.I. Gr. 2914. Baoul- 

Leukone (Aivkwvtj), 1) Tochter des Aphei- Bochette, Journ. des Sav. 1845 p. 580. Bayet, 

das, Königs in Tegea, nach welcher eine Quelle Milet et le golfe latmique p. 120. Heller, De 

in der Nähe der Stadt benannt war. Auch ihr Cariae Lydiaeque saeerdotibus, Suppl. Bd. 18 zu 

Grabmal befand sich nicht fern von Tegea, Jahrbb. f. kl. Phil. p. 235, dafs dieser Ort mit 

Paus. 8, 44, 7. Curtius, Peloponn. 1, 251. 262. dem neuen Magnesia identisch ist. 

Bursian, Geogr. 2, 223. — 2) S. Kyanippos nr. 3. Eine andere Form des Namens der Göttin, ab- 

[Stoll.] 40 geleitet von dem des Ortes, ist AsvnotpQvrjv^, 

Leukones (Aevxcovrig), Sohn des Herakles welche Boeckh zu C. I. Gr. 2914 irrig für die 

und der Thespiade Aischreis, Apollod. 2, 7, 8. allein richtige hält. Sie findet sich in der 

[Stoll.] eben erwähnten Inschrift, ferner in der Bull, de 

Leukonoe (Asvxovöri), 1) Tochter des Po- Corr.Hell. 15 p. 539 mitgeteilten; auf sicherer 

seidon und der Themisto {Syg. fab. 157, wo Ergänzung beruhend -auch C.I. Gr. 2561b (da- 

Schm. mit Bunte nach Apollod. 1, 9, 2 Leukon gegen willkürlich ergänzt C. I. Gr. 2934 u. 3137 

(s.d.Jliest). Vgl.Leukotheaa.E.u.Ba6e?ow,iIf.c. Z. 84); ferner bei Strabon 14 p. 647. Paus. 1, 

2, 322. — 2) Tochter des Lucifer, von Apollon 26, 4 u. 3, 18, 9 sowie, absolut gebraucht, auf 

Mutter des Philammon (Syg. fab. 161, im Wider- einer Münze des Nero von Magnesia, Head, 

Bpruch mit fab. 200. Schol. Od. 19, 432. Conon 60 Jonia p. 146 nr. 52. 

narr. 7). [Vgl. Toepffer, AU. Genedl. 258, 1. Eine dritte Form ist Aev-no <p Qvvrj,Bull. de 

Röscher.] — 3) Tochter des Minyas, die sich Corr. Hell. 12 p. 269 nr. 54. App. b. c. 5,9 

mit ihren Schwestern von den Orgien des Tac. Ann. 3, 62 und, absolut gebraucht, aut 

Bakchos fernhielt. Während sie sich beim Münzen von Magnesia, Mi. 3, 146, 628. G. Gombe, 

Weben über die Liebesverhältnisse der Götter Mus. Sunter p. 184 nr. 8 (irrig AAYPO0PYNH 

unterhielten, wurden sie in Fledermäuse ver- gelesen). Sead, Jonia p. 164 nr. 49. 50. 51. 

wandelt (Ov. Met. 4, 168 ff. Abweichend Ael. • Diese Form des Namens ist auch für die Sterb- 

v. hist. 3, 42. Plut. qu. gr. 38. Ant. Lib. 10, liehe überliefert, welche im Tempel der Göttin 

wo die Minyaden Leukippe, Arsinoe (Arsippe) begraben lag, Zeno Myndius bei Arnob. adv. g. 

und Alkithoe heifsen). Siehe Alkith 08. [Hängt 60 6, 6 p. 496 Hildebr. Clem. AI. Protr. c. 3, 46 

der Name Leukonoe etwa mit der Hesych- p. 13 Sylb. Theodoretus,£fr. affect. curatio disp. S 

Glosse Xsvxal cpQevsg - naiv6[nvcci (vgl. Pind. (Opera omnia ed. loa. Lud. Schülee 4 p. 909, wo 

Pyth. 4, 194 u. d. Schol. sowie Boeckh z. d. das überlieferte Avhocpq6vt)v, wie schon Heyne, 

St.) zusammen?] [Schirmer.] Samml. ant. Aufs. 1. St. p. 110 Anm. u sah, in 

Leukopeus (Asv%a>nsvg), Sohn des Porthaon Asvxoq)Qvvijv zu ändern ist). Auch ist Bofs, 

und der Euryte, der Tochter des Hippodamas, Sellenika 1 p. 41 jedenfalls im Recht, wenn 

Bruder des Oineus, Agrios, Alkathoos, Melas er bei Parthenios Erot. 5 den in der Form 

und der Sterope (Apollod. 1, 7, 10). [Sehirmer.] AsvKocpqvrj überlieferten Namen der Tochter 



2001 Leukophfys Leukophrys 2002 

des Mandrolytos, welche mit der von Zeno Gtsch. d. Artemis p. 1174. Dilthey, Analecta 

Myndius erwähnten Herome offenbar iden- Callimachea p. 11. Haeberlin, Stud. z. Aphro- 

tisch ist, für eine irrige Lesart statt Leuko- dite v. Melos p. 45 f. Anm. **. Guhl, Ephesiaca 

phryne hält. p. 104. Bayet, Milet p. 141. A. Maury, Hist. des 

Den Namen wollte Baoul - Bochäte , Con- rel. de la Gr. ant. 3 p. 165. — Maury, Heyne und 
siderations archeologiques et architeetoniques sur Curtius bezeichnen sie als eine Jflymphe, Guhl 
le temple de Diane Leucpphryne recetmnent de- als Nymphe oder Priesterin der Artemis L. 
couvert ä Magnesie du Meandre, Joufn. des Sav. Aus der Notiz des Zenon geht diese Nymphen- 
1845 p. 580 erklären aus einem 'epithete hiera- natur Dicht hervor. Man hat sie woh.1 deshalb 
tique, liee ä la nature du culte de cette Diane 10 als Nymphe aufgefafst, weil man in dem Zuge, 
de Magnesie', wogegen Bofs, Hell. 1 p. 41 mit dafs sie im Tempel der Artemis begraben wurde, 
Recht bemerkt, dafs sich dabei nichts denke» eine Ähnlichkeit mit dem Mythos der Kallisto, 
läfst. Corcia, II mito di Marsia p. 19 läfst .gleichfalls einer Hypostase der Artemis, ent- 
Artemis dadurch bezeichnet werden als Göttin deckte, s. Maury a. a. 0. Anm. 3. Corcia p. 19. 
des weifsen Mondlichts. Bayet p. 126 f. giebt Leider ist uns über die Geschicke der Heroine 
dieselbe Erklärung neben der anderen, die Leukophryne aufser den dürftigen Notizen des 
Augenbrauen des Götterbildes seien weifs be- Parihenios und Zeno Myndius nichts überliefert, 
malt gewesen. P. Paris in Daremberg et Saqlios Dilthey, welcher Analecta Callimachea p. 11 und 
Dict. des ant. gr. et rom. Tom. 3 p. 153 über- Bh. Mus. 18T0 p. 330 Anm. 1 auf Leukophryne 
setzt Leukophryene mit „aux sourcils d'argent". 20 grundlos die von ihm fälschlich (s. Schneider, 
Ganz unwahrscheinlich bezieht Härtung, Bei. Callimachea 2 p. 233 zu fr. 76 und 2 p. 544 f. 
u. Myth. d. Gr. 3 p. 208 den Namen auf den zu fr. 333) dem Kallimachos zugewiesenen 
grauen Schaum des Meeres. * Verse vSeiv tonts tjj» <ps(>f£oo»> (oder* cpvalfcoov) 

Mit Recht leiten den Beinamen von der iiögrjv und TIsXCov ts Mäyvrjaaav koqccv bezieht, 
Stadt Leukophrys her Heyne, Samml. ant. vermutet (Anal. Call. p. 12), dafs. sie ebenso 
Aufs. 1. St. p. 109. Buttmann, Mythologus 2 wie Skylla, Tarpeia, Pisidike den "Verrat an 
p. 134. Haeberlin, Studien zur Aphrodite von der Vaterstadt mit dem Tode büfsen mufste. 
Melos p. 45 Anm. **. Claus, De Dianae anti- Vielleicht haben wir sie zu . erkennen auf 
quissima apud Graecos natura p. 46 u.a.m. Münzen von Magnesia am Maiamdros in der 
Hinsichtlich des Wesens der Göttin ist von so vor einer Kapelle oder einem Altar knieenden 
verschiedenen Seiten mit Recht auf ihre nahe Figur, oberhalb welcher Artemis (?) auf einem 
Verwandtschaft mit der ephesischen Artemis Pferde mit geschwungenem Speer, begleitet 
hingewiesen worden. Doch geht Guhl, JEphe- von einem Hunde oder Löwen dahinstürmt. 
siaca p. 104 zu weit, wenn er den Kultus der Leider liegt dieser auf Münzen des Caracalla, 
Artemis L. direkt aus Ephesos herleitet. Wenn Sestini, Mus. Hedervar 2 p. 180 nr. 10. Add. 
einige sie für eine Mondgöttin erklären, so Tab. 4,5, wonach Mi. S. 6, 241, 1052, vgl. 
heifst dies ihren Begriff zu eng fassen. Als Mus. Theupoli p. 796, 971, wonach Mi. S. 6, 
Parhedros giebt ihr, der echt asiatischen Göttin, 241, 1052, Severus Alexander, Mi. 3,153, 672 
Bayet p. 128 den Men (s. &.), welcher nicht selten und Maximinus, Vaülant, Num. Gr. p. 146, wo- 
auf den Münzen von Magnesia am Maiandros-40 nach Mi. S. 6, 250, 1011. Mi. 3, 154, 630 be- 
vorkommt. Ohne viel Gewicht darauf zu legen gegnende Typus noch in keiner zuverlässigen 
will ich beiläufig bemerken, dafs, wenn man Beschreibung und Abbildung, vor, vielmehr 
in Leukophryne, der Tochter des Mandrolytos, ■ gehen die einzelnen Beschreibungen so sehr 
eine Hypostase der Göttin sehen will, man auseinander, dafs es unmöglich ist, eine sichere 
auch den Geliebten derselben, Leukippos, für Vorstellung von demselben zu gewinnen, 
eine Hypostase des Men halten kann , da der Auf Münzen des Gordianus Pius von Mag- 
Name vorzüglich für den nicht nur in der nesia erscheint ein Monument, aus welchem 
phrygischen Mythologie als Reiter gedachten ein Baum herauswächst. Es wird von Mi. S. 
Mondgott pafst. Curtius, Studien z. Geschichte 6, 252, 1112 (nach Vaülant). Engel, Bev. num. 
der Artemis, Monatsber. d. Kgl. Pr. Ale. d. W. 50 1885 p. 11 nr. 9 und dem Verfasser des Cata- 
1887 p. 1180 hält Leukophryne für identisch logue Whittdll 1867 p. 33 nr. 417 als Pyramide, 
mit Kybele. Dies mag insofern Berechtigung von Imhoof, Griech. Münzen p. 116 zu nr. 289 
haben, als beide Göttinnen Erscheinungsformen Taf. 8, 24 als Turm, von Head, Jonia p. 171 
der grofsen vorderasiatischen Naturgöttin sind. nr. 87 — 89 als vier- oder fünf- oder dreistufiger 
Doch aus der Stelle des Strabon p. 647, auf flammender Altar bezeichnet. Davor steht ge- 
weiche er sich für die Identität beider beruft, wohnlich ein Widder, welchen wir wohl auch 
kann dieselbe nicht gefolgert werden, da hier in dem angeblichen Wolf des Exemplars der 
nur gesagt wird, dafs sich im alten Magnesia Sammlung Whittdll zu erkennen haben, auf 
ein Tempel der Dindymene, im heuen das einem Stück des British Museum (Head nr. 89) 
Heiligtum der Leukophryne befand. Die Iden- 60 ein Stier. Dieses Denkmal glaubt Baoul- 
tität jener sterblichen Leukophryne, welche Bochette, Journ. des Sav. 1845 p. 649 wieder- 
nach Parihenios die Stadt Magnesia &n Leu- .erkennen zu dürfen in einem „massif de con- 
kippos verriet und nach Zeno Myndius im struetion d'une forme carree et d'une äimension 
Tempel der Artemis L. begraben lag, und der considerable qui s'elevait ä la facade posterieure 
Göttin ist von vielen Seiten erkannt worden, du temple", welches von den Architekten Cler- 
s. z. B. Heyne p. 110 Anm. u. Buttmann, Myth. get und Huyot auf ihren Grundrissen des Tem- 
2 p. 133 — 135. Corcia, II mito di Marsia p. 19. pelsin verschiedener Weise rekonstruiert worden 
Bofs, Hellenika 1 p. 41 f. E. Curtius, Stud. z. ist. Baoul ■ Bochette schlägt dafür zwei Deu- 



mwjß<i nrnm-W- ■ ' • **«i'<w*><!» *' ' »■ ■ " ■ ... -— ■^g^«: 



2003 Leukophrys ' ' * Leukophrys 2004 

tagen vor: entweder (Journ. des Sav. 1845 bogen auf einen grofsen Dreifufs aufgestützt 
p.649f. Mem. d'archeol eomparee p.299f.) sei zeigen. Diese mit verschiedenen Beamten- 
darin zu erkennen eine Pyra, auf welcher der namen wie AvoUoSaQOS K a Ui«e«xov(Combe 
Artemis Leukophryene, ähnlich wie der Ar- Mus. Hunter p. 183 n^2 =, Mi. & 6, 231, 993) 
temis Lanhria in Patrai, lebende Tiere ver- *$Q&eimtoe Aoiarsov (Combe.Mus. Bunter p.183 
brZtÄei seien, oder (Journ. des Sav. nr. 1 Tab. 35, 9. Mi. 3 142 595 ^ ^«* 
1845 p. 650) es sei das Grabmal der Heroine TAomasp.300nr.2150. JW,ÄifcJp.«9Bg.80. 
Leukophryne. Letztere Ansicht findet den Bei- Head, JorKa p. 162 nr. 37 PI. 18, 10), ^w«* 
fall von JBo/s BeH. 1 p. 52. Sie ist indessen,* Ituvactviov (Mi. 3, 142, 596. Leake, JV. ü. ^s. 
winigsLTwas das üLkmal der Münzen be- „ flr. p. 77. . C*%rt»**l > 102 nr. im 
trifft -unzulässig, da ganz derselbe Typus auf Head, Jonia p. 162 nr. 36 PI. 18, 9. CoU.B om- 
einer Münze des Valeriana von Ephesos (Im- fois p. 123 nr. 1611 ; vgl Bumersan, Cal.AUier 
heof, Gr. M. p. U6 nr. 289 Taf. 8, 23) wieder-, de Hauteroche p. 85 PI. 15, 3 ^»wfw 
kehrt. Es ist deshalb Baoul-Bochettes Lieb- fiot>), Hpoyvjros Z«mt )( Ha>»<os (Mi. 3 143, 598. 
lingsdeutung auf eine Pyra, zu welcher Er- Coli, de M. Prosper Bupre p. 54 nr 295 PI. 2 
Uärunl auch Imhoof a. a. O. gelangt ist, der Froehner a. a. 0. Coli. Bompois p. 123 nr^510 
Vor Z ug g zu gebex! T Der neben der Pyr! stehende PI. 5. Cat. Whittalimi p 60 nr. 964 Head, 
Widder odfr Stier ist das Opfertier. Den Büffel, Jonia p 162 nr. 39 PI. 18, 11) n™«w II™- . 
genauer Buckelochsen (Zebu), welcher häufig eaviov (Eamus, Cat num. vet.Musei Begis Ba- 
lte Münztypus von Magnesia erscheint, hat 20 niae 1 p. 235 nr. 1 = Mi.S. 6 233, 1007 Cat 
schon K. O. Müller, Dotier 1 p. 396 für das Northwick 1 p 102 nr. 1061. Leake ,N. H.As. 
heilige Tier der Artemis Leukophryene erklärt. 6fr p 77) versehenen Tetradrachmen des dritten 
Wohl mit Unrecht aber habe ich Zeitsehr. f. vofbhnsthchen Jahrhunderts zeigen vielmehrdie 
Num 14 p. 114-118 den Typus, von Münzen echt griechische, von den Magneten aus der 
des CaracaUa (Fox, Engravings of rare and Heimat nach Asien mitgebrachte Artemis^ Dafs 
unedited greek coins 2 p 13 nr 80. Vaülant, wir es hier nicht mit der kleinasiatischen Göt- 
Num. Gr. p. 104 = Mi. 3, 150, 666. Head, tin zu thun haben durfte aus Bronzemunzen 
Jonia p. 166 nr. 59 PI. 19, 10 und Philippus sen., hervorgehen welche im- Obv die Büste der 
SesUni.B. N.V. P . 334 nr. 33 = Mi. 3, 157, 697) Artemis mit dem Köcher, im Rev. das Kultus- 
von Magnesia, welcher eine jugendliche mann- 30 bild der Artemis Leukophryene zeigen; ist es 
Uche Figur in kurzem Chiton mit Diplois hal- doch kaum anzunehmen, dafs ein und dieselbe 
tend einen auf, einem Knie knieenden Buckel- Gföttin zugleich im Obv und im Rev derselben 
ochsen am Eingange einer Höhle oder eines . Münze dargestellt ist. Die griechische Artemis 
Bogens zeigt, mit Artemis Leukophryene oder ferner ist es auch wohl welche auf Münzen 
Men in Verbindung gebracht. Es dürfte sich von Magnesia am Maiandros mit zwei Fackeln 
hier um ein Opfer In den Apollon handeln, in den Händen auf emem Schiffsvorderteil 
welchem nach Paus. 10, 32 in Hylai (oder stehend dargestellt ist Mi. 8 .6 236 1032 
wenn wir auf Grund des Beinamens AYAAI- v. Schlosser, Num. Zeitsehr 23 1891 ?•««•« 
THC, welchen Apollon auf Münzen von Mag- Taf. 2, wie wir denn auf Münzen der thessa- 
nesiä führt, eine Verderbnis im Texte des wüschen Magneten Artemis auf einem Schiffs- 
Pausanias annehmen, in Aulai) im Gebiet von Vorderteil sitzen'd finden Out ofgr.ctn iÄe 
Magnesia am JLethaios eine Grotte geweiht Bnt. Mut , Thessaly p. 34 nr 1-2 P1J.2. 3 
waf Ist doch auch einer von jenen diesem -die griechische Artemis auch, welche ahnlich 
Gotte geweihten Männern, welche mit los- wie auf den .Münzen von Ephesos (Heaa l Jonia 
gerissenen Bäumen von hoton Felsen herab- p. 77 nr. 230, p. 81 nr. 260 p. 85 nr 270, p^7 
fprangen, auf den Münzen von Magnesia dar- mr. 336, p. 99 nr. 343, p. 100 nr. 353) auf denen 
gSelft 'Cavedoni^BM. d. Inst. 1837 p. 37 f. von Magnesia auf emem von «T«..^JS 
Kenner] Die Münzsammlung des Stiftes St. Flo- 'gezogenen Wagen emherfährt Auch vermag 
rian p. 123. Mi. 3, 156f., 689. 700. S. 6, 252, ich nicht mit Boeckh zu C I. Gr. 3137 LigM- 
1116. Leake, N. H. Äs. Gr. p. 79. Head, Jonia 50 foot.ApostohcFathers Part2 Vol.2 Sect.1 p.101. 
p. 173 nr. 99 PI. 20, 9. Baker, Some eoin-types Bayet p. 129 die Verse des Anakreon 1, 4: 
of Asia min., Num. Chr. 1892 Part 2. Der rovvovpai a', iXcctprjßöle, 

Buckelochse mag in Magnesia allgemein als ^ccv&n nai dibg, ayqimv 

Opfertier gedient haben, wie er denn auch auf . äioicoiv' "AQtsy.i &r}gäv. 

einer von Kern, MM. d. Ksl. B. A. Inst. Ath. "Iiiov vvv.siA ArjfraCov 

Abt. 17 1892 p.277f. als Heroenopfer gedeute- SCvnai, »gaümiagSicov 

ten Opferscene eines Reliefs aus Magnesia vor- &vSqüv lyKuftöga nöXiv 

kommt. %g.iQOva'. ov yäp ävrjiisoovs 

Das Haupt der Artemis Leukophryene will • noipulvsiq noXiritas 

Froehner, Choix de monnaies grecques. Paris 60 . >, ^ v B n AIIp 

1869 p. 24 nr. 25 PI. 2 erkennen in der Ar- auf Artemis Leukophryene zu beziehen Alle 
Wsbüste mit Stephane auf dem Haupt, Bogen Epitfeta passen nur auf die j, ^lec^che Jagd- 
nnd Köcher auf dem Bücken, Gewandstück göttm, welche auf einer Münze des Augustus 
mit einer Agraffe befestigt an der Schulter, von Magnesia dargestellt ist kuKgewandet den 
auf dem Obvers der schönen Tetradrachmen Bogen m der L., die E. am Köcher, Leake, N. 
von Magnesia am Maiandros, welche im Rev. H. As. Gr. p. 78. . „„v,»a™,<. 

Apollon L h. stehend auf der Maiandroslinie, Das Standbild der Artemis Leukophryne 

in P der R. einen Zweig mit Binde, den 1. Ellen- erscheint, nur am Oberkörper menschlich ge- 



2005 Leukophrys Leukophrys 2006 

bildet, mit hermenartigem nach unten sich ver- N H. As. Gr. p. 78. Head, Jonia p. 166 nr 54' 
jungendem Unterkörper, auf dem Haupt einen PI. 19, 7; Antonmus Rus, Cohen, Cat. Greau 
Kalathos, von welchem ein langer Scheier p. 153 nr. 1784 = . Sabatur.Mf. rom. et imp 
herabfällt, an den Armen lange, bis zum Fufs- gr. ined Extr. dela Bevue de la num beige 
boden reichende Binden, auf dem Eev. auto- 4. sör. tom. 3 p. 21 nr 18 PI. 18; vgl, tat. 
l nomer Bronzemünzen von Magnesia, deren Obv. De Moustier p. 94 nr 1472 ; M. Aurel, Imhoef, , 
| zeigt das Haupt der hellenischen Artemis mit Griech. Münzen p. 119 nr. 311 ; Caraoalla M. 
I Stephane, dahinter ein Köcher, das Ganze in 3, 151, 657. Leake, N. S.A^Gr. p.TO; Mw- 
1" einem Kranze, Head, Jonia p. 163 nr. 42 mmus, Head, Jonia p. 169 nr.78; Jg. Mi 3, 
i PI 19 4 oder das Haupt derselben Göttin mit 10 154, 678 (Diane-L., avecses attributs); Maxi- 
Lorbeerkranz ohne Stephane und ohne die mus, Mi. S. 6, 251, 1103; Gordianus Pius, M* 
l- ■ Umschliersung des Ganzen durch einen Kranz, S. 6, 253, 1120 nach Vaülant Eine »Gans , ist 
i Eekhel, Cat. Mus. Caes. Vindob. 1 p. 169 nr. 3. beigegeben auch der Diana Tifatina auf einem 
- Fo7, Engravings 2 P . 13 nr. 79 PI. 4 (Es. Terraeotta-Antefix m Darembergs Ihc* des- 
\ Diana Ephesi%"). Mi. 3, 146, 630, welcher ant. gr. et rom Tom. 3 p. 1» E«. 2395 

* dasX.pt; ebenso wie Dumersan, Gab. AlUer Auf einer Münze des L Aelius. ersenemt 
I de HauteVoche p. 86 PI. 15, 5, für das des Apol- dieser letztere Typus vermehrt um eine Biene 

* Ion Ä oder eine strählengekränzte Büste im Felde, Dumersan, Cab. M% ^ E»uter<,che 
'>; mit Bogen und Köcher an der Schulter, welche p. 86 PI. 15, 6, wonach Mi S 6 239, 1246 

* gewöhnlich für die des Apollon, von Leake, 20 (beide unter L. Veras) wie ahnlich die Biene 
i 27 Gr p. 78, wie mir nach Eeads Abbildung neben dem Standbild der Artemis von Ephesos 
t scheint mit Recht, für die der Artemis erklärt auf Goldmünzen dieser Stadt aus der Zeit des 
I wird, Combe, Mus. Runter p. 184 nr. 7. Pellerin, Mithradates (Head, On the chronologtcal sequence 

Eec de mSd 2 PI. 57, 35. Mi. 3, 146, 629 (Rs. of the coins ofEphesus. London 1880 p. 69 nr 1. 

> JunTnPronuba" . Bayet p. 138 Fig. 33. Head, 2. 7 PI. 9,.2. 3) erscheint. Die Biene hat bei 

I Ä p 164 nr. 48 PI. 19, 6, oder endlich einen der Artemis Leukophryene jedenfalls dieselbe 

Hirsch mit Stern darüber, Mi. 3, 146, 631 Symbolik, wie bei der Artemis Ephesia. Doch 

* (Rs „Junon. Pronuba"). Head, Jonia p. 164 hat man es über die Bedeutung dieses auf den 
f nr 47 PI 19 6 Münzen von Ephesos so häufig vorkommenden 
f 'Auf Münzen des Trajan kommt sie in einem so Insekts noch zu keiner völlig, gesicherten Er- 
£ Typus vor, welchen Leake, Suppl. p. 66 be- klärung gebracht, vgl. f<*> wt 7 T ?**™?>V* 
\ schreibt als „Archaic statue adv., similar to apium mellugue apud veteres signijkattone et • 
:V Juno Samia, but veüed only above (Diana symbohea et mythologica. Berol 1893 p. b9. 

Leukophrys)", San demente {Mus. Sanclemen- 163ff. Newton, Essays on ^and^rcMeolog^ 

, tianitum. sei 2 p. 178) als „Diana Polymam- p. 214. Wemger ZurSymbohi c de, -Biene m 

mia cum tutulo in capite, alüsque adminicuhs", der antiken Mythol. 1. Breslau 1871. 4 £• "• - 

vffl Mi 3 147 639. S. 6, 237, 1035. 1036. Head, On the chronol. sequ. of the c. of Jiph.ip.V 

f Auf dem Rev. autonomer, doch der Kaiser- bemerkt, dafs sie „may have represented the 

• . zeit angehörender Münzen mit dem AYAAITHC ideas of virginity, of Organisation, ^o£the 

. im Obv. erscheint das Standbild der Göttin 40 poure nourishment ofhoney". Vgl. auch Mosener, 

von zwei Niken bekränzt, Head, Jonia p. 164 Selene 65. 108. ' «■• 

f . nr 49 vgl. nr. 50. 61 , wo nicht ausdrücklich Vaülant, N, Gr p,128 und nach ihm Mi 8. 

* die Niken erwähnt sind, Mi. 3, 146, 628. 8. 6, 6, 244, 1067 beschreibt eine Münze des Ela- 
235 1025 1029, ebenso, das Ganze von der gabal mit „Diana cognomtne Leucophrys cum 
Mai'anderlinie umgeben, Cat. Ivanoff y. 36 nr. 317 verubus et cervis, pro pedilus columbae, hmc 
TmEphesian Diana"), wo die Münze fälsch- ei inde Victoria voMans". Dagegen erwähnt 
lieh dir Stedt Leuke zuerteilt wird. Dieses Satini, Mus.Hedervar. 2 ^18 ; nr. 12 (=J*zay 
von den zwei Niken bekränzte Kultusbild er- nr.4942) und nach ihm M*. 8.6, 244, 1066 bei 
scheint zwischen den gelagerten Flufsgöttern einem von Sestim demselben Kaiser ^gewie- 
Maiandros und Lethaios angeblich unter M. 50 senen Stück, welches Wiczay -aber unter Cara- 
Aurel Mi 3. 148, 643 nach Vaülant, sicher calla beschreibt und auch Mionnet letzterem 
unter L Veras, Buonarruoti, Osservazioni istor. zuteilen möchte, bei sonst gleichem lypus 
™vra alc. medäglioni ant. V . 86-96 Tav. 6, 3, nichts von den Vöge * („^ £*»£$> 
wonach bei Müller -Wieseler, Dkm. d. a. K. 1 cum verubus [gemeint sind die Binden] et cervis 
r, 3 Taf 2 14 und aus diesem bei Panofka, advolante hine mde Victoria ad etus Caput J. 
Von d Einfi. d. Gottheiten auf die Ortsnamen Gleichfalls mit Hirschen zu Füfsen soll nach 
Taf 4 12 Mi. 3, 149, 647. Ch.Lenormant.Nouv. Sestini, Cat. num. vet.musei Arigoniam_casU- 
galmyth. p. 143 PI. 49 nr.16. Rayet,Milet V .1Z1 gatus p. 70 („Diana Ephesia )>^*»™> 
Fig. 26. Daremberg et Saglio, Diet. des ant. gr. et Lex. untv. reinum. ant. 3, 1 Sp. 96B nr. c jeden- 
rom Tom. 3 p. 154 Fig. 2393; häufiger umgeben 60 falls irrig mit Hunden, das Bildnis der Gottm 
zu Füfsen von zwei Vögeln, welche meist als eine Münze des Claudius tf^tV^fZ. 
Tauben, von L. Müller als Taube und Adler, von Arigom 2. Gr N. Impp Tab_^ Fig. 31 zeigeru 
ImhooflCohen und Mi.S. 6, 253, 1120 nach Vau- Das von Dilthey, Ehern Mw. 1870 p 330 
lltll Adler, von Bayet p. 127 als Raubvögel, Anm. 1 für Artemis Leukophryene erklärte 
ähnlicher Raben als Adlern, von fiead als Gänse Götterbild mit zwei Hunden zu Füfsen bei 
Sehnet werden, so unter Hadrian, Morellius, Gerhard Ant. Büdw. Taf 307, 17 kann schon 
^e C! me« M m .m; M m.p.l67f.Tab.l6,6(Paris). deshalb diese Göttm nicht darstellen weil <be 
Mi. 3, 148, 640. Bayet v 127 Fig. 27. Leake, betreffende Münze nach Magnesia ad Sipylum 



2007 Leukophrys Leukophrys 2008 

gehört. Die hei Gerhard, Ant. Bildw. Taf.308,7 des Philippus iun., Mi. S. 6, 255, 1137 nach 
abgebildete Münze mit der von 2 Niken be- Vaillant. Auf Münzen des Gordianus Pins er- 
kränzten Arterais Leukophryene und neben ihr scheint er gleichfalls und zugleich zwischen 
stehender Tyche scheint zu Füfsen der ersteren den einzelnen Buchstaben der Aufschrift MA- 
das Vorderteil je eines fast wie eine Ziege TNHTQN ein Stern, Sestini, Lett. num. cont. 2 
sich ausnehmenden Tieres zu haben. Doch er- p. 93 nr. 3 u. 5 p. 39 Tab. 1 Fig. 20 = Mi. S. 
wähnen Mi. 3, 155, 686, welcher den Typus 6, 254, 1127. Eead, Jonia p. 172 nr. 96. In- 
von Artemis L. neben Tyche auf einer Münze mitten von zwei Vögeln mit ausgebreiteten 
des Gordianus Pius mit demselben Beamten- Flügeln, welche hier auch von Eead als Adler 
namen wie bei Gerhard (€TTI • TP • AMAPAN- 10 bezeichnet werden, kommt dieses Symbol vor 
TOY • MOCXIJ2NOC • MArNHTQN ) und Leake, unter Severus Alexander, Mus. Sandern, n. s. 3 
N. E. As. Gr. p. 78, welcher ihn unter dem- p. 50 = Mi. S. 6, 246, 1076; Maximus, Mi. 3, 
selben Kaiser mit anderem Beamtennamen 155, 683; Philippus iun., Mi. 3, 157, 702. Ba- 
(eTTI TP AYP. 0IAOKPATOYC B. MArNHTQN) mm 1 p. 236 nr. 9. Sestini, Descr. delle med. 
beschreibt, von diesen Tiervorderteilen nichts. gr. e rom. del fu Berikowitz p. 22. Head, Jonia 
Auf einem Stück des Septimius Severus wird p. 173 nr. 102. Bayet p. 127 Fig. 28. 
das Standbild der Göttin („la statue de Diane Abgesehen von den Münzen wissen wir 
d'ßphese" sagt Mionnet) von dem thronenden wenig von Darstellungen der Göttin. Ein 
Zeus auf der R. gehalten, wie ähnlich auf Agalma derselben wurde von Bathykles nach 
Münzen von Ephesos das Kultusbild der Ar- 20 Amyklai, ein anderes von den Söhnen des 
temis Ephesia von Zeus Olympios auf der R. Tnemistokles nach Athen gestiftet, Paus. 3, 
gehalten wird, Eead, Jonia p. 75 nr. 215. p. 93 18, 9. Brunn, Gesch. d. gr. Künstler 1 p. 52. 
nr. 313 PI. 14, 7; auf einem des Gordianus Pius Wide, Ldkon. Kulte p. 116f. Paus. 1, 26, 4. 
soll vor dem auf einer Basis stehenden Götter- Auf einer nolanischen Amphora in Wien 
bild nach Cavedonis Erklärung der thessalische (Laborde 1 , 81) hat man Apollon Amyklaios 
König TTPO0OOC mit Schale und Lanze stehen, und Artemis Leukophryene erkennen wollen, 
Sestini, Lett. num. 9 p. 38. Cavedoni, Bull. d. aber schon Gerhard, Arch. Zeitung 12 Sp. 492 
Inst. 1837 p. 38. Da aber Sestini öfters un- findet diese Erklärung nicht überzeugend. Auf 
zuverlässige Lesungen giebt, auch die Mag- einem weifsgebrannten Karneol in Berlin will 
neten, wie Bayet p. 142 mit Recht bemerkt, so Tölleen, ErJcl. Vers. p. 172 3. Kl. 2. Abt. nr. 801 
gar keine Veranlassung hatten, jenen König, Artemis Leukophryene dargestellt sehen, leider 
- welcher ihre thessalischen Vorfahren ins Elend giebt er aufser der Notiz, dafs sich neben ihr 
gestofsen hatte, zu verherrlichen, mag Mionnet Sonne und Mond befinden, keine nähere Be- 
3, 156, 690 die Figur mit Recht als den Kaiser Schreibung, nach welcher sich die Richtigkeit 
bezeichnen. der Benennung kontrollieren liefse. Milchhöfer, 
Häufig sieht man das Kultusbild in dem Die Museen Athens, Nationalmuseum Saal III 
gewöhnlich viersäulig abgebildeten Tempel, so (Saal der Votivreliefs) nr. 22 p. 20 verzeichnet 
unter Nero, Eead, Jonia p. 164 nr. 52. 63 (von ein „Götterbild der 'ephesischen Artemis' in 
zwei Niken umgeben), Mi. S. 6, 237, 1033. griechischer Umbildung mit Bewahrung der 
L. Müller, Muse'e Thorvaldsen p. 260f. nr. 103 40 asiatischen Symbolik", dessen Attribute er so. 
(hier noch mit den beiden Vögeln zu Füfsen erklärt: „Die zahlreichen Brüste deuten die 
und der Beischrift MArNHTQN. | A£YKO<t>(PY)- nährende Naturkraft an, die Niken ihre sieg- 
NHN); Domitian,M'.S.6,237,1034nachW r iaza2/, reiche Macht. Die anderen Attribute, Löwen, 
Mus. Eedervar.ly. 215 nr. 4941 = Sestini, Mus. Greife mit Pantherköpfen, Sphinxe, Bienen 
Eed. 2 p. 179 nr. 9; vgl. Mi. 3, 147, 638 nach und die geflügelten weiblichen Halbfiguren sym- 
Cousinerys sehr fehlerhaftem Katalog („dans bolisieren Elemente und elementare Kräfte." 
un temple tristyle"); Hadrian, Mi. S. 6, 238, 1038 Von den Darstellungen der ephesischen Artemis 
nach Eamus 1 p. 236 nr. 6 (mit den schweben- auf den Münzen von Ephesos ist mir keine 
den Niken); Caracalla/ Mi. 3, 150, 653. S. 6, bekannt, welche sie mit Niken versehen zeigt. 
241,1054 („Junon-Pronuba"); Severus Alexan- 50 Dagegen wissen wir von dem Kultusbild der 
der, Mi. 3, 153, 669. Artemis Leukophryene durch die Münzen von 
Eine Münze des Trajan zeigt den Tempel Magnesia, dafs es von zwei Niken umschwebt 
zweisäulig und das Kultusbild „entre deux war. Vielleicht könnte man diesen Umstand 
femmes debout sur un cippe et tenant chacune dazu verwenden, das athenische Denkmal für ein 
une eouronne de la m. dr. et une haste de la g.", Bild der Artemis Leukophryene zu erklären. 
Mi. S. 6, 237, 1037 nach Bamus 1 p. 236 nr. 5. Doch geht leider aus Müchhöfers Beschrei- 
Zweisäulig ist ihr Tempel neben dem gleich- bung nicht hervor, wo sich an demselben die 
falls zweisäuligen der Artemis Epheaia auch Niken befinden, und andrerseits haben die- 
dargestellt auf einer Homonoiamünze von selben auch für ein Bild der ephesischen Ar- 
Magnesia und Ephesos mit dem Bild des 60 temis, wenngleieh nicht durch Münzen belegt, 
Caracalla, Eead, Jonia p. 174 nr. 106. An nichts Auffälliges. 

Stelle des Götterbildes tritt auf Münzen des Auch über den Kultus wissen wir wenig; 

Severus Alexander ein Stern in einem Halb- wir können nur vermuten, dafs er dem der 

mond mit der Beischrift A€YKO<t>PYC MArNH- Artemis Ephesia nicht unähnlich war. Das 

TÖN, Mus. Sandern, n. s. 3 p. 50 = Mi. S. 6, wenige bisher darüber Bekannte stellt Eeller, 

246, 1077. Derselbe Typus, aber ohne die De Cariae Lydiaeque sacerdotibus , Jahrbb. f. 

Beischrift A6YKO0PYC, begegnet auf Münzen Tel. Phil. Suppl. Bd. 18 p. 236 zusammen. Ob 

des Caracalla, Leake, N. E. As. Gr. p. 78 und die Ausgrabungen Kerns in Magnesia neue 



■ <V> ■f-WWPJ'W? 



2009 



Leukophrys 



Leukopoloi 



2010 



Funde, welche unsereKenntnis des Gottesdienstes 
bereichern, ergeben haben, ist mir leider un- 
bekannt. Feste zu Ehren der Göttin AsvKoygv- 
vsia werden erwähnt in der Bev. arch. 1866 
1 Pilo 4 mitgeteilten Inschrift. 

Über den prächtigen, von Hermogenes er- 
bauten, mit Asylrecht ausgestatteten Tempel, 
auf Grund dessen die Magneten sich auf Münzen 
der Kaiserzeit als vscoköqoi zr\g 'Ajgzifiidog be- 



lich zu sein, so wenig an sich bei der nahen 
Nachbarschaft von Tralleis und Magnesia das 
Vorkommen der Artemis Leukophryene in jener 
Stadt auffällig wäre. Mehrfach ist die Ver- 
mutung ausgesprochen worden, dafs der alte 
Name der Insel Tenedos, Asv*6<pQvg, mit Ar- 
temis Leukophryene in Zusammenhang stehe, 
so von Bucmarruoti, Öss. ist. p. 90. Gorcia, II. 
mitodiMarsia p. 19. Wide,Lakon. Zttfrep.117. 



zeicnnen s. die altere Literatur bei Forbiger, 10 StudniczJca, Kyrene p. 144. Dies ist aber unhalt- 



Handbuch d. alten Geogr. 2 p. 213 Anm. 13, 
ferner Texier, Asie Min. 3 p. 40, p. 91 f. und 
I/Univers p. 350. Baoul-Bochette, Considerq- 
tions archeol. et architectoniques sur le temple 
de Diane Leucophryne recemment decouvert, 
Journ. des Sav. 1845 p. 577—586. 641 — 655 
und die Kritik dieses Aufsatzes von Hofs, 
Hellenika 1,1p. 40 — 58. Bursian, Gr. Kunst 
in Ersch u. Grubers Allgem. EncyMop. 1, 82 



bar. Offenbar führt Leukophrys- Tenedos ebenso 
wie jenes Leukophrys, von welchem Artemis L. 
ihren Beinamen hatte, den Namen von Bodener- 
hebungen weifser Farbe. Eine Grenzregulierung 
der Städte Itanos und Hierapytna, in welcher 
auf Befehl des römischen Senats eine andere 
Stadt, deren Name in der Inschrift nicht er- 
haltenist, den Vermittler spielt,((7. 1. Gr. 2561 b), 
erwähnt Zeile 26 den Altar der Artemis Leu- 



----- -■ — — ~ j,-.... ^.wynwj,. i, u* oinmui« zjciic io neu .aimr uer Artemis iieu- 

p. 452. Mghtfoot, The Apostolic Fathers Part 2 20 kophryene. Boeckh folgert aus ihr, dafs Artemis 



Vol. 2 Sect. 1. London 1885 p. 101. Brunn, 
Gesch. d. gr. Künstler 2 p. 359. W. Klein, Ba- 
thykles, AEM. 9 1885 p. 179 Anm. 23. Ber- 
trand, Comptes - rendus de l'Acad. des Inscr. 
et B.-L. 1887, 9. Sept. O. Bayet et A. Thomas, 
Milet et le golfe latmique 1 p. 126. Über die 
Reliefs, darstellend Kämpfe zwischen Griechen 
und Amazonen, abgebildet bei Clarac, Musee 
de sculpt. 2 PI. 117, C — I, vgl. Hirschfeld, 
Arch. Zeit. 1875 p. 29. 

Ausserhalb Magnesias wird der Dienst der 
Artemis Leukophryene erwähnt in Milet von 
Appian, B. C. 5, 9. Doch vermuten Boeckh zu 
G. I. Gr. 2914 und Baoul- Bochette a. a. O. p. 583 
Anm. 1, dafs hier eine Verwechselung mit Magne- 
sia vorliegt. Im Tempel des Zeus Panamaros bei 
Stratonikeia ist eine Stele gefunden worden 
mit der Inschrift: Tv%rj mavqiSog *al ^[iitjzqi 



Leukophryene auch auf Kreta verehrt wurde, 
und _ hat damit viel Anklang gefunden. Es 
scheint aber eben aus der Erwähnung der 
Artemis Leukophryene hervorzugehen , dafs, 
wie Bayet p. 140 bemerkt, die Magneten, nicht, 
wie Boeckh und P. Viereck, De titulo Cretensi 
C. I. G. 2 add. 2561 b, Genethliacon Gottingense 
[p. 54—64] p. 60 vermuten, die Parier die Rolle 
des Schiedsrichters in dem Streite spielten. Die 
so Verhandlungen werden in Magnesia am Altar 
der Artemis Leukophryene geführt worden sein. 
Die nicht im dorischen Dialekte abgefafste In- 
schrift wurde vermutlich von den Abgesandten 
der beiden streitenden Städte aus Magnesia 
nach Kreta heimgebracht. Allerdings hatten 
nach einer anderen Inschrift (Cauer, Del. inscr. 
nr. 46) „kuxcc xä ap^atia" die Hierapytnier und, 
Magneten sich neben völliger Gleichstellung 
ihrer Bürger auch die &simv xal av&Qcanivmv 



tv^^.^-.x/x. „~n 1 'j / 1 nn 1 /» < "«er Burger aucn die 9suov Kai av&omnivrav 



Asvmavfj Kai \ 'Agziptdi Ka>qä£(av \ Kai 'Aqzi 
[iidi 'Ecpeaia %al \ AevKoyQvvr] Kai roig ivoi 
xidi'oig &soig di\l KzrjOim Kai Tv%r\ Kai I 'Aaxln 
ämb, i8Q£?g |§ | tnuyysUas sv 'HQai\oig Kleö 
ßovlog 'iaaovoy] | 'läemv, Ko «al ZzquzsCu 
AqzBfia 1 zov 'Aqzi{i,i\$(Öqov, Kco xadieomoav, 



Bull. deCorr. Hell. 12, 1888 p. 269f. nr 54 „ aZS* ™/r y 6 ■?. T -v^T* "^ 
Auf einem Medaillon d«. LIÜ, 5 ° ^^S' da ?._ e /., Bw t. aber m - T h * ben " ur 



Auf einem Medaillon des Septimius Severus 
und der IuliaDomna von Stratonikeia erscheint 
ein Götterbild mit Binden an den Armen, je 
einem Hirsch zu Füfsen, Sonnenstern und Halb- 
mond zu Seiten des Hauptes. Sestini, Lett. num. 
cont. 2 p. 97 nr. 1 erklärt dasselbe für Artemis 
Leukophryene, Neumann, Pop. etregum numi vet. 
anecdoti 2 p. 46—48 Tab. 2, 3 schwankt zwi- 
schen der Deutung auf Artemis Leukophryene 

lmH A ■*«4-j-i*v\ir< I^*\l<Ani n J „ „1. 2 i _"!_ 1 . f 



dafs Artemis Leukophryene in Hierapytna ver- 
ehrt wurde, Bondern nur, dafs die Magneten in 
Hierapytna und die Hierapytnier in Magnesia am 
Kultus der Stadtgottheiten teilnehmen durften. 

[Drexler.] 

Leukopoloi Theoi (Asvk6xw1.oi 0iot), 1) in 

Theben erwähnt, Eur. Phoen. 606 ; das Schol. 

Für. a. a. O. versteht darunter entweder den 

Kastor und Polydeuke3 oder den Zethos und 



S^^^^r&ZZZ'lZZ!» fr?*™ ?- ***■ bemerkt , st)K ^ ff 



um letztere handeln kann, zeigt Eur. Her. 
für. 29, wo Amphion und Zethos, die Isvko- 
ntölta iKyovm äiög, die Herrscher von Theben 
genannt werden; ferner heilst es von den beiden 
Schol. Hom. Od. 19, 518 ovzoi Kai &rjßag ol- 
Kovai TtQäzov Kai Kalovvzai Aiog kovqoi Isv- 
KÖTcmloi, vgl. Hesych. 4i6oxovqoi . .. Zfj&og xal 
A(iq>Cmv lev-KOTialoi KaXovpivoi; s. auch Pind. 
Pyth. 9, 83 (146) XevKijcTcoioi KuSfiziiov 



letztere Göttin zu. Beide Göttinnen wurden 
nach der oben angeführten Inschrift in Stra- 
tonikeia verehrt. Doch spricht das Fehlen der 
Niken und der Vögel eher für Artemis Ephesia. 
In der ganz fragmentarisch erhaltenen In- 
schrift von Tralleis C. I. Gr. 2134 ist die Er- 
gänzung von 0EOY AEYA in Zeile 11 zu 9sov 
Asv[KotpQvtivfjg zu willkürlich, um wahrschein- 



äh sine (Thebas) diä Zrjdov Kal'Afiq>£ova; vgl. F. 
Marx, Dioskurenart. Gotth., Ath. Mut. 10 (1885), 
87. — 2) Auch die Dioskuren (s. d.) heifsen lev- 
KÖitcoXoi, Pind. Pyth. 1, 66 u. ob. Sp. 1992. Vgl. 
F. Marx, Arch. Zeit. 43 (1885), 271 f. — 3) Kö^rj 
IsvKÜTtcoXog, Tzetz. ad Hes. Op. et dies 32 ; vgl. 
Pind. Ol. 6, 95 u. Schol. ebd. 156. 160 Boeckh. 
Stephani, Compte-rendu 1859 49. f Höfer.] 



er,-.-, t w Leufcothea 2012 

2011 Leukos ,, 

•r w , a- \ ~1\ cänV,« d PB Talos auf Qryh. hunm. 1, 35 ist sie von Ino unterschieden). ^ 

Leukos U«»iM>s), 1) Sohn des laios am }£»'♦•-;=» Verhaltnis zn ihrem Schwestersohne 

Kreta, als Kind ausgesetet und von Idomeneus Ober ihr ^^7^^% hek) T h em i 9 to 

• aufgewogen und als Sohn angenommen. Als Dionyso , zu ^ra Atnain^ £ h £ d u ' rich _ 

Idomenfus gen Troia zog, vertraute er ihm und "» d ™^ ?>*„*?. &ln \%id. 

die Herrschaft und sein Haus an Aber Leukos, wörtlich gewo f™*oZl p 463 L. [PUtarchi 

verleitet durch Nauplios, der den Tod L seines ^^^^^^Ä^ KMI« *ÄÖ« 

Sohnes Palamedes an den griechischen Fürsten d± J^Ä ^xanart o ^^ ■ ■ AWÄ 

rächen wollte, verführte die Gattin des Ido- ^g'^^g^ 6 . IlJ.j^jgd - 

meneus, Meda, zum Treubruch, tötete sie «£».-«■'. ^ f^fa 401 S s. BdTl SjT 670ff 
darauf samt ihren Kindern, namentlich auch 10 ^; ^/^ uk X ea 9 b * d e4 e i JiTweilsehim- 

die Tochter Kleisithera, welche Am Idomeneus ° er ^J^^d ^zieht sich, wie das 

zur Ehe versprochen, und machte «eh »um £™Jf ^ g^rSSm (kW bei StephMM- f 

Tyrannen von Kreta. Als Idomeneus von Troia ^Pitheton der beirene ^ der -f e reiden 

zurückkehrte, erhob Leukos die Waffen gegen ^f^lf, ^^^^üich lesbische 

ih Q n,m ir r ^ b l^Io93 Em ^1222 Sei Mythen "berichtenden Methymnäer %&** ". 

£eurvon 2 Le 4 ukos° f ^l getöV, 2**. I*fc so JA 107 YstoZT SSwSfi ' 

.r-d^%SmidinÄ e Ä|n £g:5bkte 

eines Pferdes des Herakles auf einer schwarz- ^^J-g^Äf Helferin im Sturme 

figurigen Vase; dagegen lesen de Wg, Ca*, ^üko&ea aU *™^ ^ L 

Durand nr. 334. Kefcufe, ^«Ä. Zeit 1866 ^muaysseus aus Welcher, Gr. Gmtefl. - 

p. 178 Taf. 209, 4 und tfe&e p. 1». G J. Gr ; ?*&/*£ ^ n \™ em anderen Dichter er- 

. 7642. Jtaatoiit ei Chaplmn.Les ceramiques de 1^44) ein von Keine sm charakteristiscnes 

la Grece propre 1 p. 327. ni^og, wahrend «f^' ( ^f *^ ^^ ^ofr 4, 67) verlieh 

Jeschonnek, De nominibus guae Graeei pect*- Attribut (vgl . C lern Alex rrotr , ; _ 

*6w domertW. «^nm* P- 64 IU«o e er- (OJ • y M f- »j^^^Spt» die SchutX 
kennt. Drexler.] [Stell.] #«£ *_ <«• s mit d aufser ten fcot ringenden 

Leukosia (.«lauxojffia), eine der Seirenen (s. d.), 40 gottm aer mu oer auise B 

. sie fälschlich Leucasjahdfsty^. v Zn- ^ h ™™ nde Qewalt über das Meer selbst 

Schrader, Sirenen S. 19. 46. 50 Jund i<f\.L,enor bo sie uu -n,»la| 

««*, 4 travers VApuRe et *1*™"* P" 275 " S^S I ^D mS ^schützenden Hafen- 
Drexler.] Vgl. Leukos 4. [Schirmer iSÄu8£i}idei(Üfl«^(i^iSa»flfc»- 

Leukothea, -thee (At-vyiodea, -8-etj), JSame goiteiariu^u »Lv J Ose Tmsc. 1, 28. 

der nach ihrem; Sprunge von der Molunschen f.*™ " ■ f ^ «^ J 1 ^ ^ ^. 2 
Klippe zwischen Megara und Kormth (nach Nat <ieor ■ *,**■<£' f ^ *• ö ^ F J| Geor 

rnjeaA.?,..!* ÄÄ ^ s J 9<; ^/lHd e i 437 sfSuf'S&i 

V^SSS 2 -^rlM4äS Ken und Korinth. Tümpel.] weit über d«, 



2013 



Leukothea 



Leukothea 



2014 



Grenzen seines ursprünglichen Gebietes hinaus der Sage galt Leukothea als die verwandelte 
(vgl. Cic. «oi.deor._3, 89 cuncta Graeeia). Zu-, Halia, eine Schwester der Teichinen, welche 
nächst fand natürlich in Theben die Kadmos- «dem Poseidon eine Tochter Rhodos (nach 
tochter Verehrung (Pmd.^Pyth. 11, % Plut. Apollo d. 1, 4, 6 ist diese di« Tochter der . 
apopMHegm,_Lä& Lykwrgos^M [ p. 22&F; da- Amphitrite) und sechs Söhne gebar, [und er-, 
selbst die Frage der Thebaner an Avnovoyog, schien in einer Parallelversion unter dem 
wohlApollon, wie es mit tsqovqyCa und nev&og' Namen Kapheira (s. d.). «Tümpel.]. Als die 
zu halten sei und dessen spöttische. Antwort Söhne, von Aphrodite zur Strafe für die Zu- 
über den Widerspruch: Wehklagen um eine rückweisung der Göttin in Raserei versetzt, 
Göttin und die Opfer für ein menschliches Weib. 10 der -eigenen Mutter Gewalt angethan hatten, 
Tümpel.]; dann im benachbarten Chairo* stürzte sich diese im "Sehmerze hierüber ins 



neia ( Plut. Qu. Born . 16), auf dem korinthisch- 
megarischen Isthmo s , wo ihr und ihrem Sohne 
Melik ertee (s. d.) der Moluüsche Felsen (LucjMal. 
mar. 8 und Sohn. 7, 17 sind die Skironischen 
Felsen genannt, Luc, a. a . 0. auch der Kithäron; 
vgl. den Kaiijs öpdfios bei Plut. symp. 5. 3. 1 ) 
geheiligt und beiden im heiligen »Bezirke des 
Poseidon Statuen gesetzt waren. Denn an 



Meer. Seitdem hiefs sie Leukothea und wurde 
göttlich verehrt (Diod^b^öQ, s. Ha lia. [Ihren 
Kultus auf Kos bezeugt die Inschrift bei 
Pgton and Hieks, The inscript. of Cos jir^ 37a 
£.88, Dibbelts Quaest. Cpaemytfaj>Jli7. Drexler.] 
An der pamphylisch-kilikischen Küste erinnert 
das Vorgebirge AcvköS-siov an die Schutzheilige 
der Seefahrer ( Geoar. min, ed. Muller 1 p. 488> 



geblich waren die Leichname beider, nachdem 20 In Milet scheint man ihr hymnische Knaben- 



sie ein Delphin an die Küste getragen, zu 
Sisyphos nach Korinth gebracht worden, der 
sie durch Opfer und den isthmischen Wett- 
kampf ehrte { Paus. 1, 44, 7 f. 2, 1, 9. 2. 2, 1 . 
2.,. 3,4, » XmcI de Salt. 42. Ne r. 3. Philostr. 
imqg. 16. Schal. Find. Isthm. p. 5*5 B. Tseti. 
Lyk- 107^229)7 Nach Angabe der Megarer 



wurde . die 'Unglückliche an die Küste ihres 

Landes getrieben, und, nachdem ^ie von den u __„_-, ._._. 

Töchtern des Eteson, eines Sohnes des Lelex, so Öeilis [?] den Paktolos geboren habe. Der im 



spiele gefeiert zu haben (Com. narr. 33.) S a m o s 
hatte nach Plin. ng^üf.6iS7 ^135 eiae Quelle 
Leukothea, deren Name auf die Wassergöttin 
sich beziehen könnte. Im lydischen Teos gab 
es ein Fest Asv-KÜ&ia, der Leukathea__S;_d.) = 
Leukothea zu Ehren, wenn dialektische Modi- 
fikation angenommen werden kann (G^J.. Gr. 
nr. 3066). Nach Lydien deutet auch die An- 
gabe bei Plut,fiuv,'J l %, dafs Leukothea dem 



aufgefunden und bestattet worden war, bei 
ihnen zuerst Leukothea genannt ; deshalb war ihr 
in Megara ein Heroon mit jährlichen Opfern 
geweihtT Paws..l,42, 7. Menec rat. b. Zenob.i, 38). 
[In Athen begegnet die [Aevxo]&ea SärrjQd 
MXinpla,C, 1. 4«. 3, 368. Drexler.] Ander 
lakonischen Küste bei Epidauros Limera 
war der Ino als weissagender Meeresgöttin ein 
Wasser geheiligt, an dem orakelhafte Cere- 



mysischen Lampsakos übliche Mqnatsname 
^Aevxu&upv (CJ_ I.Jxr. nr,_3_641) kann ebenfalls 
unter der Voraussetzung dialektischer Färbung 
auf die Göttin zurückgeführt werden. In Te- 
nedos, wo Palaimon verehrt wurde ( Teetz . 
Lyk. 22 9 ff.), machte der Lokalmythus Leuko- 
thea zur Tochter des Kyknos uud Enkelin des 
Poseidon ( Sehol.Ven.A.I l. 1,38; im Schol. Y en. 
B. z. i. St. heifsfe sie 'Hiii9iaj. Der alte Name 



monien stattfanden (Psus-J,^ _23__8), und in 40 von Samothrake, Aevxoafa, und der Um- 

Brasiai zeigte man die Grotte, in der Ino den -*■ — J J ~ r ~ — -J - J — i1 — - *--•--*- — ' tlT --•<- -- 

kleinen Dionysos gewartet haben sollte (Paus. 
3^_24__JL; vgl. Duris bei Tzetz. Lyk. 103 . wo- 
nach Helena ihr und dem Bakchos opferte, 
als sie mit Paris zog). An der Westküste Lako- 
niens hatte' sie zwischen Thalamai und Oitylos 
ein Traumorakel, wenn die Lesart 'Ivovg ( Paus. 
3 , 26, 1 ) riehtig ist [was Wulffs De novissima 
oraculorum_aetate p. 31ff., der dafür 'lovg lesen 



■stand, dafs mit den samothrakischen Weihen 
ganz ausdrücklich «der durch das Kredemnon 
gerettete Odysseus in Beziehung gesetzt wurde, 
giebt einen weiteren Fingerzeig (Schot. Aj). Eh. 
1*313, Wäcker,_Gr. Götter}. .1, 644)." Das Tm 
fernen Kolchis nach Strab. ,11, 498 von Phrixos 
gegründete Leukotheaheiiigtum mit einem Ora- 
kel erklärt sich ans den alten Beziehungen zu 
Orchomenos. Aber auch nach dem Westen 



will, bestreitet. Drexler.]- [vgl. Wide, Lok. Kulte 50 verbreitete sich der Leukotheakultus ,. nach- 



246 ff. und dagegen JRpscher x Selene S. 6^ Anm 20, 
Berl. Philol. Wochenschr, ,1893 "S._989_j s. auch 
die Artikel Pa siphae und Selene], und im lako-' 
nischen L,euktra sah Pmusanias (a. a. 0. §4) ihr 
Bild. Nach messenischer Sage war sie in der 
" Nähe von Koroneals Göttin ans Land gestiegen 
( Paus. 4, 34, 4 . Welcher. Gr, Gotterl. 1, 645 be- 
zieht auch den messenischen Flufsnamen Asvxcc- 



C, I. Gr . nr. 67 71 sogar bis nach Massalia. 
Wichtige Stätten desselben waren Elea, wo„ 
wie in Thöben, der Göttin zu Ehren Trauer- 
gebräuche stattfanden (Aristot. rhet. 2, 23 
p. 1 400 b , 6) , und Pyrgoi, die Hafenstadt von 
Agylla (Caere): O. Müller, Etrusker 1\ 189, 
31. Hier hatte sie -einen reichen Tempel, 
den Dionysios von Syrakus plünderte (Aristot. 



c Ca auf sie). In Kreta fand angeblich das Fest "ose. 2 p. 1349 b , 34. Polyaen. 5, 2^2_L Ad. 



der 'Ivä%sia Clvovg a^rj?) ihr zu Ehren statt 
( Hesych. s. v.; vgU Speekj Kreta 2^62^ Lobeck. 
Aglaoph. p. 1186 ). Die urbs Leucötheae in 
Ägypten ( Plin. not. hist. 5. 11. 60 [vgl. Antimon. 
M irab. c. 164 (149 Westerm .)_ 3. Gr. 2 p. 396 
Amometus fr. 2: Rata §s tt}v Zlgufiiav iv 
nölsi Aevxo&ea, x. i. X. Drexler.]) läfst ver- 
muten, dafs ihr Kult bis #n die Ufer des Nil 
sich verbreitete. Nach rhodischer Umbildung 



h. ii_2<L mit unbestimmter Öotebezeich- 
nung. Biod. 15. 14 und Serv. Vera. Aen. 10, 184 
mit dem Kamen Pyrgoi,. aber ohne Nennung 
der Göttin; bei Strab. 5j 226 heifst diese Eilei- 
thyia). Auch der Name der Insel Leukothea 
an der campanischen Westküste (Plin. n.h- 3, 
1 3, 8 3. Pgmß.Mel _2__7__ Mart, Gap. 6^144) 
deutet auf die griechische Göttin. In Rom 
und Ostia verband sich, mit ihrem Gottes- 



2015 . Leukothea Leukothea 2016 

dienste der von PJut- Quatxt. B orn. 16 auch für kertes ins Meer stürzt (Bitschi a. a. 0. T. 2, 4. 

Chaironeia bezeugte Brauch, dafs keine Magd 5. 6. Imhoof- Blumer, Monnaies gr. p. 160, 

ihr Heiligtum betreten durfte. Die einzige,- 18. 19; p. 161, 21). Als Leukothea ist jeden- 

der dies . gestattet war, wurde von einer der falls die auf einem Blacasschen Vasenbilde 

.anwesenden Frauen gezüchtigt, angeblich, weil sichtbare, als Katf bezeichnete (vgl. oben 

"ino aus Eifersucht auf eine aitolische Sklavin Kaltig Sq6(i,os) weibliche Figur zu deuten, vor 

(Antiphera) ihren »Sohn getötet hatte (Quid welcher Odysseus (dieser Name ist ebenfalls 

faxt, fi, 551 ff. PlutCamilLS^ Nach PluLa,. beigeschrieben) mit einem zu einer Schlinge 

a,. 0. u nd fratr. am. 21 wurden ferner an ihrem zusammengelegten Riemen, wohl dem hqtj- 

Feste von den Frauen die Kinder ihrer Ge- 10 äsiivov, steht (Overbeck, Gal. 31, 1. Ritschl 

schwister geliebkost zur Erinnerung an die von T. 2, 3). Ein monochromes Mcrsaikbild des 

Ino ihrem Schwesterkinde Bakchos zu teil ge- Braccio nuovo im Vatikan {Bitschi T. 2, 2) 

wordene liebevolle Pflege. Über die Verbrei- zeigt Leukothea mit einem Schleiertuche (vgl. 

tung'des Leukotheakultus vgl. 0, Müller, Orch. Bitschis Auseinandersetzung S. 20 ff.) auf einem 

5L_lS9ff. Prillez^GluMyäL. .l+JkäAf. und beson- Seegreifen reitend. Besonders bemerkenswert 

ders Bitsc h i, Ino Leuk otheaJBoiaa. 1&S& iL 12 ff. aber ist die schöne^ jedenfalls auf ein nam- 

[Die älteste Heimat ihres Kultus war nach haftes griechisches Original zurückgehende 

S,_Wide, Lakonische Kulte 228 vielmehr. Neuwieder .Bronze, das unten durch einen 

eher Thessalien wegen der inschriftlichen Delphin abgeschlossene Brustbild der Lenko- 
Zeugnisse zu Pherai und Pagasai: CoUitz^m thea mit Stirnkrone und Schleier, den sie im 

Bechtel^ Samml. gr. Di alekti nschr^SM.- Ein Begriff ist vom Haupte zu ziehen (Bitschi 

Aevw9iöi'm'J)eloä (Bull, decorr, ML .6, 25) T. 1, 1 und 2, 1; hierzu S. 24ff.), und die 

und den Monatsnamen Äivtta&s mv (ebd. 3, 242) Münchener Bronze, welche Leukothea auf einem 

weist Wide a^ja^O. nach. Für Lesbos kommt Seewidder reitend darstellt (Bitschi Taf. 3; 

in Betracht, dafs der eingeborene Myrsilos dazu S. 32 ff.). Mit gröfster Wahrscheinlich- 

( s. o. im Eingang) die Nereiden Asvno&eai keit wird auch die weibliche Gestalt auf dem 

nannte. Zu diesen lesbischen Meergöttinnen 0. Müller, Denkm. 2 Taf. 6, 75 abgebildeten 

gehörte eine (also wohl auch Leukothea Wiener Cameo (Bitschi T, 1, 2; hierzu S. 38 ff.) 

heifsende), in unseren Quellen unbenannte als Leukothea gedeutet. Erwähnt seien schliefs- 
Smintheustochter, die mit Enalos (statt Meli- 30 sich noch die Abbildungen, auf welche sich die 

kertes) lynschlungen den Wassersprung in die Inschriften C. I. Gr. nr. 6784 (Ino und Palaimon 

Mittelbucht von Lesbos that: Myrs ilos frq. 12 . unter anderen Meergottheiten) und nr.7591(Leu- 

bei A ntikleides fr q. 7 (A thenaios 9, 466 cd . kothea neben Herakles, der den Triton bändigt) 

781c) und Plutarchos (soll. anim^36_p^984e beziehen.- [Das von Cavedoni, . Ann. d. Inst. 

= ^7„soß._cpnw7"20 leC^sK F- H_G. 4, 459 f. 1839 p. 309 f. als das der Leukothea gedeutete 

Vgl. Phüolj$± F.^J^^ 114f,3 t JL890 J _103jL. Haupt mit Delphin dahinter auf Denaren des P. 

rüLAnm. 40. Über die Identität der aus dem Plautius Hypsaeus ist später mit Bezugnahme 

Schaume dem Odysseus auftauchenden L. mit auf Hygin.Fab. 157 richtig als das der Leukonoe 

Aphrodite, und ihres rettenden Schleierlinnens erkannt worden, s. Babelon, Monn. cons. 2 p. 322 
(ö&övri) mit der genau entsprechenden aog- 40 — 323 nr. 12. Auf dem Obv. der Denare der gens 

q>v$lg des Geheimdienstes von Samothrake Crepereia ist dargestellt eine weibliche Büste 

Aemoeld (= Aevxo&ia) vgl. Cru sius, Pr ogr. mit langheiabflutendem Haar und um die 

Thoman-- Leipzig 1886, 22 6 , 2 3 1 /*) u. o. "Art. Schultern geschlungenem Gewandstück; da- 

Kpmbe 2 X 1277. Tümpel.] [Vgl. auch die von hinter bemerkt man ein auf den verschiedenen 

Geizer ergänzte Inschrift Mvno&sag Smz^Qag Exemplaren verschiedenes Seetier. Eckhel, 

iUt-iievCag O. I. A.JS, Ü68. Eine von Clermont- D. N. V. 5 p. 198 bezeichnet sie vorsichtig 

Ganneau, Bev. cri*."l886 i ...232_(vgl. Larfeld, allgemein gehalten als eine Göttin des Meeres. 

Bur&iansJahresb. 66 (1891), 175 f.) mitgeteilte Die meisten, wie auch Babelon, Monn. cons. 

Inschrift aus Syrien ohne nähere Ortsangabe 1 p. 439. 440 erkennen in ihr Amphitrite. 
lautet vtcsq emzri^iag avzoKQaioQog TgaCavov 50 Auch Cavedoni, Saggio p. 146 giebt diese 

. . . Mivveug Bselidßov zov Bssliäßov nazgbg Deutung, daneben aber die andere auf Leu- 

jyszEiQov zov uno&ew&ivzog iv zw [J.]£{3»jti kothea, indem er für diesen Fall in der auf 

äi' ov ai (s)oQtal äyovzai, sizioxoxog ■aävzmv "einer Hippokampen-Biga einherfahrenden ge- 

xwv Svdüds ysyovöztav Hgyrnv, xaz' ivaeßeiag wohnlich für Neptun • erklärten Gottheit des 

uvi&rinev &eä Asvxo&sa äveys^cov. Der Bev., welche nach Babelon unbärtig ist, ihren 

Herausgeber vermutet, dafs' sich der Ausdruck Sohn Portunus erkennt, vgl. Biecio, Le monete 

änodi-m&evzog — uyovzui auf Menschenopfer delle ant. famiglie di Borna 2 da ed. p. 76. — Gatty, 

beziehe. Höfer.] . Cot. of the engr. gems and rings in the coli, of 

Die monumentale Überlieferung ist J.oseph Mayer p. 28 nr. 149 und p. 73 nr. 497 
im Vergleich mit dieser Gröfse des Sagen- 60 bezeichnet ein nach diesen Münzen wieder- 

gebiets sehr dürftig. Zwei auf Ino, die Gattin- gegebenes Haupt auf einem Karneol -und auf 

des Athamas, bezügliche Bildwerke sindJB(Ll einer weifsen Paste als das der Leukothea, des- 

Sp, 673 erwähnt. Aufser den Kultusbildern in gleichen das Haupt auf einem Amethyst nr. 150. 

Korinth und in dem lakonischen Leuktra nennt Nach King, Handbook of engraved gems p..273 

Paus, 3^19,4 noch eine Darstellung der Ino Anm. *, welcher das in Bede stehende Haupt 

mit Semele und Dionysos am Amyklaiischen der Münzen der gens Crepereia und der Gemmen 

Thron. Auf drei korinthischen Münzen ist Ino gleichfalls für das der Leukothea erklärt, ist 

dargestellt, wie sie sich mit dem kleinen Meli- die Darstellung dieser „bust, cleaving the waves" 



2017 AsvKo&iai Leusdrmus 2018 

auf Gemmen sehr häufig. Die grofse Häufig- incidentibus gwej maxime videatur esse prae- 
keit dieser Darstellung auf den geschnittenen gnans tenuissimusque tendi cortex. Röscher.] 
Steinen hebt auch Baron v. Kühne, Leandros [Schirmer.] 
und Hero, auf Münzen, geschnittenen Steinen Leuktrides (AevnxQiSeg), d. i. Mädchen von 
und anderen Denkmälern (Mim. de la soc. imp. Leuktra in Boiotien, hiefsen die beiden Töchter 
d'archeol.* Vol. 5, 1851 p. 273—278) p. 275 her- des Skedasos (oder Leuktros), deren aruicczu in 
vor, welcher als Beispiel die Steine bei Tölken, der Ebene von Leuktra gezeigt wurden: sxsi 
Erhl. Verz. nr. 306 nr. 414 — 417 anführt und yug avxolg vtco %£vmv Sitagzunzäiv ßias&si- 
selbst einen Präs der Kgl. Samml. d. Ermitage eaig avvißrj xacpijvai (Plut. Pel. 20). Da Ske- 
p.271 abbildlich mitteilt. Er behauptet indessen, 10 dasos die Bestrafung der Übelthäter in Sparta 
dafs auf mehreren Gemmen „ das Brustbild nicht durchsetzen konnte, tötete er sich aus Ver- 
deutlich als ein männliches erkenntlich" und zweiflmig selbst an den Gräbern seiner Töchter, 
deshalb als das des Leandros zu deuten sei. Aus den Erzählungen bei Plut. Pel. 20 ff. und 
In den Impronte di monumenti gemmarj tornati Amat. Narr. 3, lff. (wonach die Töchter Hippo 
in luei del 1835 in poi pubblicate doli' incisore und Miletia(?) oder Theano und Euxippe heifsen) 
Tommaso Codes Cent. 4 nr. 2 p. 11 wird ver- sowie aus dem vielfachen Schwanken der Über- 
zeichnet „Ino-Leucotea allattante Bacco bam- lieferung (vgl. d. Art. Leuktros und die weite - 
bino. SardonicafasciatadellacollezioneKestner." ren Citate)geht, wie schon Otfr. Müller (Orchom. 
Drexler.] [Auf einer Gemme der Sammlung 419) gesehen hat, ziemlich deutlich hervor, 
B. Hertz wird der auf Pelsgrund sitzende 20 dafs es sich um eine historisch nicht zu fixie- 
Dionysos von der Nymphe 'Leukothea' ge- rende mythische, später mit der Schlacht von 
tränkt, die ihm eine Schale reicht, Arch. Am. Leuktra- verbundene Legende handelt. Vgl. 
9 (1851), 99. Eine andere Gemme zeigt 'Leu- auch Plut. de Herod. mal. 11 (wo sie Aevxxgov 
cothee, deesse de la mer. Büste, les cheveux &vyaT£gee heifsen); Diod. 15, 54 (wo von Asv- 
flottants sur les epaules, dans l'action de nager' »tpoo v.a\ 2-neSäcov frvyaxsgsg die Bede ist, 
Chabouillet, Cat. gener. des camees p. 230 nr. 1697, und die Mädchen sich selbst töten) ; Paus. 9, 
der p. 231 bemerkt, man habe die Darstellung 13, 5 f. (hier heifsen die T. des Skedasos Molpia 
früher auf Leandros (s. d.) bezogen, Lenor- und Hippo, die beiden Spartaner Phrurarchi- 
mant aber habe durch Vergleichung mit der das und Parthenios; vgl. über diese Namen 
Darstellung auf Denaren der gens Crepereia 30 0. Müller a. a. 0.). Apostol. 15, 53 Sxtödoov 
(Cohen, Medaill. consul. pl. 16, 1) die richtige naxciga und Deutsch z. d. St., wo noch weitere 
Deutung gegeben. Über die sogenannte Leu- Litteraturangaben zu finden sind. Vgl. auch 
kothea in München s. d. Art. Eirene, Friederichs- Xenoph. hell. 6, 4, 7 : 6 xgrjofibg b Isyöusvog 
Wolters, Gipsabgüsse nr. 1210; Stephani, Compte cäs Ssoi ivxav&a AaHsdaiiioviovg rjTxr]&rivc:i 
rendu 1860, 102 Anm. 4 und die dortige Litte- tvfra xb xwv 7caQ\revav fjv {ivfuio:, a'l Xcyov- 
ratur. — 2) Schwester des Kyknos = Hemithea xai diu xb ßiuo&rjvca. vitb AuHsäatjioviwv xiväv 
Eust. ad Dion. Per. 536. Schol. Hom. II. 1, uno-Hxtlvai tavxäg. [Röscher.] 
38. Höfer.]^ [Schirmer.] leuktros (Atvtixgog) , Gründer und Epony- 

Aevxo&iiU' naaui ul itovxiai (Hesych.) ; s. mos von Leuktra in Boiotien (Diod. 15, 54. 
Leukothea. 40 Et. M. s. v. Aevy.xga), "Vater der Leuktrides 

Leukothoe (Aewxo&örj), 1) — Leukothea. (s. d.). [Röscher.] 

[Vgl. den von G. Boissier, Bev. de phil. 8, 1884 Leukyanites (AcvKvavixrjg), Beiname des 

p. 55 — 74 mitgeteilten römischen Kalender Dionysos vom Nebenflusse des Alpheios Leu- 

p. 73: Iunius V. Id.: et matrale festum Leu- kyanias. an welchem ein Heiligtum des Gottes 

cothoae. Haec festa dicuntur Matralia quia stand, Paus. 6, 21, -4. Bursian, Geogr. v. Gr. 

solae matronae colunt ea. Drexier.] — 2) Eine 2 p. 287. [Drexler.] 

Nereide (Syg. praef.). — 3) Tochter des Leusdrinus , keltischer Beiname des Mars 
Königs Orchamos in Persien und der Eury- oder vielmehr Name eines keltischen Gottes, 
nome, Geliebte des Apollon. Als ihre neidische der mit Mars identificiert wird, auf der In- 
Nebenbuhlerin Klytia sie ihrem Vater verriet 50 schritt C. I. L. 12, 2 mit Additam. S. 803 (aus 
und dieser die Tochter lebendig begrub, wurde La Penne in den Seealpen, in der Nähe von 
sie von Apollon in eine Weihrauchstaude vei'- Vintium = Vence): Deo \ t Marti. Leusd\rtno. 
wandelt (Ov. Met. 4, 208 ff. nach Hesiod, wie pag.Beriti\ni de suo sibi\posuerunt, besprochen 
Lact, arg.' Ov. Met. 4, 5 angiebt); s. Klytia. von J. Becher, Beiträge zur römisch -keltischen 
[Bei dem Anonymus in Westermann, Mythogr. Mythologie, in Jahrbb. d. Ver. v. Alterthums- 
gr.$. 348, 5 ff. heilst L. Tochter des Orchomenos Freunden im Bheinlande 50/51 (1871) S. 161 f., 
und Klytia ihre Schwester; vgl. Maafs, Ind. dem die Lesung Ieusdrtno vorlag (im C. I. L. 
Schol. per sem. aest. hob. Gryphiswaldae 1894 bietet die ursprüngliche Publikation ebenso 
p. XIHf. Der Name A. hängt offenbar mit wie E. Blanc in Revue areheol. n. s. 35 [1878] 
der besten Sorte des Weihrauchs zusammen, 60 S. 161 f. nr. 4 die Lesung Ieusd\rino). 'Zeile 2 
die von Dioskm: 1, 82 und Plin. n. h.- 12, 60 und 3 ist ohne Zweifel mit Vertauschung von 
als levxög (candidus) bezeichnet wird ; in -irojj T und I zu les*en Ieusdrino, wenn nicht viel- 
steckt wohl dieselbe Wurzel, wie in &v-og leicht auch dieser Name des keltischen Mar"s 
und di-siov = S-sf-ciov (Curtius, Grdz. d. gr. noch einer kleinen Verbesserung bedarf, welche 
Etym. b 259). Die Beziehungen der Weihrauch- um so leichter vorzunehmen ist, als sie nur 
staude .zum Helios erklären sich aus Plin., in der leicht übersehbaren Anlegung eines 
der 12, 58 sagt: Prior atque naturalis vin- Halbkreises an den Buchstaben V bestehen 
demia circa canis ortum flagrantissimo aestu würde, die in den Stand setzte Iedusdrino zu 

Kosohbr, Lexikon der gr. u. röm. Mythol. XL 64 



2019 Leusibora Libanitis 2020 

lesen', Becker (unter Hinweis einerseits auf deus est, sed Christus lesus . . .", vgl. Paret, 

die keltische Weihformel Ieuru, andererseits Priscillianus ein Reformator des vierten Jahr- 

auf keltische Namen wie Iessilus und be- hunderte. Würzburg 1891 p. 219. Die Namen 

sonders Iedussius, welcher Name gerade An- der von Hieronymus angeführten überirdischen 

lafs zu der Annahme der Form ledusdrinus Mächte sind bis auf Leusibora auch aus ande- 

gebe). Da die neueste Untersuchung der In- ren Notizen bekannt, vgl. Migne, Patrol. Lot. 

schrift jedoch Leusd\rtno ergiebt, mufs man 22 col. 687 Anm. b und speziell über Barbelo, 

zunächst an der Form Leusdrinus festhalten. Hilgenfeld a. a. 0. p. 232 ff. Zur Erklärung 

[R. Peter.] des Namens Leusibora wird in der eben er- 

Leusibora. Hieronymus im Briefe 75 an 10 wähnten Anmerkung bei Migne wenig be- 

Theodora, die Witwe des Lucinius (Patrol. friedigend bemerkt: „Denique Leusiborae, quod 

Lat. 22 col. 687 ed. Migne), rühmt den Ver- meditul(l)ium lucis expowi potest, illud idem 

storbenen als treuen Anhänger des katholischen putamus esse quod Irenaeus ex haereticorum 

Glaubens „qui, spurcissima per Hispanias sententia Magnum Lumen vocat, a Patre unc- 

Basilidis haeresi saeviente, et instar pestis et tum, ut perfectum fieret; indeque Christum 

morbi, totas intra Pyrenaeum et üceanum appellatum." Welche übernatürliche Macht die 

vastante provincias, fidei ecclesiasticae tenuit Ketzer mit dem Worte bezeichnet haben, wird 

puritatem nequaquam suscipiens Armagil, Bar- uns vielleicht ewig verschlossen bleiben. Wo- 

belon, Abraxas, Balsamum et ridiculum Leusi- her sie den mystischen Namen aber genommen 

boram, caeteraque magis portenta, quamnomina, 20 haben, können wir vermuten. Priscillianus 

quae ad imperitorum et mulier cularum animos p. 11 ed. Schepps citiert die Worte des Herrn 

excitandos quasi de Hebraicis fontibus hauriunt an Hiob cap. 38 vs. 39, die in der Septuaginta 

barbaro simplices quosque terrentes sono; ut ( Vetus Test, iuxta LXX Interpretes ed. Tischen- 

quod non intelligunt, plus mirentur". Im dorf Tom. 2 p. 33) lauten: &rjQsvasig öh Xiov- 

Folgenden bezeichnet er die erwähnte Ketzerei oi ßoqäv, ipv^ctg äs dgatiovrojv epnlriesig; in 

näher als ausgegangen von einem gewissen folgender Gestalt: „tu capies Leosiboram, ani- 

Marcus „de Basüidis Gnostici stirpe descendens" , masque draconum timore implebis." Mit Hecht 

der zuerst Südgallien, dann Spanien mit seiner hat Schepps als Parallele zu dieser Form Leosi- 

Irrlehre erfüllt habe. In der Schrift gegen boram den Leusibora des Hieronymus heran- 

Vigilantius c. 6 (Patrol. Lat. 23 col. p. 345) 30 gezogen. [Drexler.] 

erwähnt er dieselbe Ketzerei mit den Worten: Levana s. oben 2 Sp. 201 s.v. Indigitamenta. 

„Quid enim neeesse est in manus sumere, quod Lexis (?), zweifelhafter Gott, den einige in 

Ecclesia non recipit? Nisi forte Balsamum mihi, Lez (dep. Haute -Garonne) gefundene Steine 

et Barbelum, et Thesaurum Manichaei, et ridi- nennen (Dativ Lexi deo). Sacaze, Les andern 

eulum nomen Leusiborae proferas-. et quia ad dieux des Pyrinees p. 25 n. 77 (Revue de Com- 

radices Pyrenaei habitas, vicinusque es Iberiae, minges, octobre 1885) hält die Inschriften für 

Basüidis antiquissimi haeretici et imperitae verdächtig, E. Mirimie, De antiquis aquarum 

scientiae incredibilia portenta prosequeris, et religionibus (Paris 1886) p. 70 nimmt sie in 

proponis quod totius orbis auctoritate damnatur." Schutz. Den Gott zu den Heilquellen von Lez 

Und nochmals kommt er darauf zu sprechen 40 in Beziehung zu setzen, lag nahe, Barry, Les 

im Kommentar zum Jesaias Buch 17 c. 64 eaux thermales de Lez (Toulouse 1857). 

(24 col. 622 f.): „Et per hanc occasionem, mul- [M. Ihm.] 

taque huiuscemodi, Hispaniarum et maxime Libaniüs (Aißavirig), Beiname der Aphro- 

Lusitaniae deceptae sunt mulierculae . . . ut dite von ihrer Verehrung auf dem Libanon, 

Basüidis, Baisami atque Thesauri, Barbelonis Lucianadv.indoct.S. AnecdotavariaGr.et Lat. 

quoque et Leusiborae, ac reliquorum nominum edd. Schoell et Studemund 1 p. 269 (Anonymi 

portenta susciperent. De quibus diligentissime Laurentiani XLI deorum epitheta 10. 'Eni- 

vir apostolicus scribit Irenaeus, episcopus Lug- 9sra 'AepQoälzrjg 1J). Larcher, Mim. sur Ja 

dunensis etmartyr, multarum origines explicans diesse Venus. Paris 1776 p. 23. Mari hält sie 

haereseam, et maxime gnosticorum, qui per 50 für identisch mit der AcpQoäitr] 'AyaKizig des 

Marcum Aegyptium Galliarum primum circa Zosimus 1, 58 (s. Engel, Kypros 2 p. 438. Ger- 

Bhodanum, dcinde Hispaniarum nobile» feminas ftard, Gr. M. 1 p. 394 § 368, 5, c), in welcher 

deceperunt . . ." Die» in ihren Anfängen weit Baudissin, Stud.z.semit.Rettgionsgesch.2 p.160. 

zurückreichende Ketzerei (vgl. Hilgenfeld, 196 die Baaltis erkennt. Das Heiligtum der 

Ketzergeschichte des Urchristentums p. 370. Aphrodite von Aphaka v/ar sehr berühmt. 

Cdvedoni, Dichiarazione di due antiche gemme Aphaka lag am Adonisflusse. Aphrodite 40II 

incise provenienti dalle partidi Beggio. Modena hier den Adonis zum ersten- oder letztenmale 

1852 p. 9 f.) war, wie aus den Angaben des umarmt haben, Et. M. p. 175 Gaisf. Nach 

Hieronymus hervorgeht, noch zu dessen Zeit in Meliton ( Cureton,- Splcil. syr. p. 44 = Vitra, 

Spanien im Schwange. Aber darin mit Zöckler, 60 Spicil. Solesm. 2 p. 43. Renan, Mim. de VAc? 

Hieronymus -p',230 die priscillianistische Irrlehre , d. I. et'B.-L. 23, 2 p. 323 und Miss, de Phin. 

zuerkennenistnichtzttlässig. Dehn Priscillianus p. 293) lag Adonis in Aphaka begraben. So- 

p*. 29 ed, Scliepps erklärt in seinem Liber zomenos, Hisf. eccl. 2, 5 (Tom. 1 p. 122 ed. Hus- 

apölogeticus: „Nobis autem scientibus quoniam sey) erzählt, an einem bestimmten Tage sei 

■ non est aliut nomen praeter Christum Iesum auf eine gewisse Anrufung hin eine Feuer- 

sub caelo datum hominibus, in quo oporteat masse, ähnlich einem Stern, .von den- Höhen 

saluos fieri, neque Armaziel neque Mariame des Libanon in den Flufs herniedergetaucht; 

neque Ioel neque Balsqmus nique Barbilon und man habe diesen Feuerball für die Urania 



2021 Libanos . t Liber 2022 

erklärt, vgl. Baudissin^ p. 160. — Zosimus 1, 58 verbundene Göttjn Liberi^ (s. d.) leer ausgehe, 
erwähnt gleichfalls, dafs bei den festlichen verweist R. ReitzensteindEpigramm u. Skolion 
Zusammenkünften Feuer in Gestalt einer Fackel S. 216) auf den* Kult crer Artemis Avala zu 
oder einer Kugel in der Luft sich zeige, doch Syrakus. Aber der vollgültige Beweis dafür, 
berichtet er nichts vom Niedersinken desselben dafs es vor dem'Eindringen griechischer Ele- 
ins Wasser. Auch befand sich nach Zosimus mente in den römischen; Staatskult einen ein- 
beim Heiligtum ein See, ähnlich einem künst- heimischen Dienst des Liber (und der Libera) 
lieh angelegten Fischteich. In diesen warfen gab, liegt darin, dafs die älteste römische 
die Verehrer der Göttin kostbare Gaben von Festtafel („der Kalender des Numa") ein Fest 
Gold, Silber, Linnen und ßyssos. Waren die- 10 dieses Gottes, die Liberalia am 17. März, ent- 
selben der Göttin angenehm, so sanken sie hält und dieses Fest mit dem später unter 
nieder, selbst die Gewebe; wurden sie ver- dem Namen Liber in Rom verehrten griechi- 
schmäht, so blieben selbst die Metallarbeiten sehen Dionysos nie etwas zu thun gehabt hat. 
an der Oberfläche , vgl. Baudissin 2 p. 160 Wahrscheinlich ist Liber, oder wie er im Kult 
Anm. 3. Auch ein heiliger Hain befand sich gewöhnlich heilst Liber pater (vgl. z. B. das 
bei dem Tempel, Eusebius, De vita Constan- bekannte Luciliusfragment 8 Baehr. bei Lact, 
tini 3,55 und De laude Const. c. 8. Baudissin inst. div. 4, 3, 12 uti nunc nemo Sit nostrum, 
2 p. 210. Constantin liefs den Tempel, eine quin aut pater optumus divom aut Neptunus 
Stätte der gröbsten Unzucht, zerstören (Euse- pater, Liber, Satumus pater, Mars, Ianus, 



a. a. 0. p. 216 — 218 und p. 442 ed. Hei- 20 Quirinus pater siet ac dicatur ad unum, unter 

nicken. Burchhardt, Die Zeit Gonstantins d. Gr. lauter Göttern des altrömischen Religions- 

p. 406), doch mag der Kultus, vielleicht unter kreises), in ähnlicher Weise wie Quirinus, aus 

Julian, wie Renan, Miss, de Phen. p. 297 ver- einem Attribute einer anderen Gottheit zum 

mutet, wieder aufgelebt sein, da Zosimus a. a. O. selbständigen Gotte erwachsen. Es ist zum 

von ihm wie von etwas noch Bestehendem redet. mindesten sehr wahrscheinlich, dafs der für 

Die Reste des Tempels zu Afka beschreibt die oskisch-sabellischen Stämme Italiens mehr- 

Renan, Miss, de Phen. p. 296 f. Siehe auch fach bezeugte Kult des Iuppiter Liber (aus dem 

Fr. Lenormant, La Vinus du Liban, Gaz. arch. Gebiete der Frentaner, Zvetajeff, Sylloge in- 

1 1875 p. 97 — 102 PI. 26. [Drexler.] Script. Ose. nr. 3; aus dem der Vestiner das 

Libanos (Aißuvog) göttlich verehrter Berg, so Tempelstatut der aedes Iovis Liberi von Furfo, 
Nach Etym. M. s. v. Atßavog hätten ihn die C. 1. L. 9, 3513; aus dem ager Sabinus die 
Juden für etwas Geistiges und eine Gottheit Inschrift bei H. Jordan, Analecta epigraphica 
gehalten und ihm Verehrung erwiesen. Bau- latina, Ind. lect. hib. Regimont. 1886 p. 3f.; aus 
dissin, Stud. z. semit. Beligionsgesch. 2 p. 236 Capua, C. I. L. 10, 3786, wo die Ergänzung 
läfst diese Notiz nicht für die Juden, wohl Iovi Liber(o) näher liegt als die von Momm- 
aber für die Syro-Phöniker gelten. Nach des sen vorgeschlagene Iovi Liber(tati), s. Jordan 
Philo Byblius {Fr. Mist. Gr. 3 p. 566. frgm. a. a. 0. p. 4) auch den Römern nicht fremd 
2, 7) euhemeristischer Erklärung waren Liba- war, wenn uns auch hier die Bezeichnung 
nos, Antilibanos, Kasios und Brathy Ursprung- Iuppiter Liber nur durch den Kalender der 
lieh durch Gröfse hervorragende Menschen, 10 Arvalen (zum 1. September: Iovi Libero, lu- 
deren Namen später auf die Berge übertragen noni Beginae in Aventino) als Nebenform zu 
wurden. Einen Baal vom Libanon kennen wir Iuppiter Libertas (s. oben Bd. 2 Sp. 663 f.) be- 
dureh die Weihinschrift einer von Hiram, dem zeugt ist. Wenn die griechische Fassung des 
König der Sidonier, gestifteten Bronzeschale, Monumentum Ancyranum (10, 11) Iovis Liber- 
C, I. Sem. 5. Baethgen, Beitr. p. 20. Doch tatis mit zJtos 'EIsv&sqiov wiedergiebt, so trifft 
glaubt Ohnefalsch- Richter , Kypros, die Bibel das sieber nicht die ursprüngliche Bedeutung; 
und Homer p. 21 nr. 47. p. 39. p. 165 und aber auch eine spezielle Beziehung des Iup- 
Anm. **, dafs mit diesem Baal Libanon ein piter Liber auf den Weinbau, als dessen Be- 
auf dem Berge Muti Schinoas auf Kypros ver- Schützer ja Iuppiter verehrt wird (oben Bd. 2 
ehrter Berggott gemeint sei. [Die Notiz aus 50 Sp. 704f.), läfst sich nicht nachweisen. Viel- 
Etym. M. findet sich ziemlich wörtlich wieder mehr scheint das Wort Liber (Leiber auf der 
im Etym. Gttd. 369, 43 f. Höfer.] [Drexler.] praenestinischen Ciste, Ephem. epigr. 1, 21, auf 

Libentina s. Indigitatnenta. der sabinischen Inschrift bei Jordan a. a. 0. 

Liber, altitalische und altrömische Gottheit, und der Inschrift aus Narona, C. I. L. 3, 1784 

deren ursprüngliche Bedeutung in früher Zeit = 1, 1469, auch C. I. L. 8, 2632; Dativ Lebro 

durch die Gleichsetzung mit dem griechischen in Pisaurum, C. I. L. 1, 174; osk. Genet. Luv- 

Dionysos derart verdunkelt wurde, dafs neuere freis, Zvetajeff a. a. 0.; Loebasius angeblich 

Gelehrte die Existenz eines in Italien einhei- sabinische Form nach Serv. Georg. 1,7; vgl. 

mischen Liber ganz in Abrede gestellt haben. Paul. p. 121: Loebesum et loebertatem antiqui 

V. Hehn (Kulturpflanzen u. Haustiere 5 S. 66) «o dicebant Liberum et libertatem; ita Graeci loi- 

hält mit Grafsmann (Kuhns Zeitschr. f. ver gl. ßr\y et leißsiv; Placid. Corp. gloss. 5, 30, 9 

Sprachf. 16, 107) den Namen Liber nur für Libassius, Liber pater), etymologisch von Wz. 

eine Übersetzung von griechischem Avaiog oder Hb (libare, leißsiv u. s. w., vgl. Vanicelc, Etymol. 

'ElEv&egiog (so auch 0. Gilbert, Gesch. u. Topogr. Wörterb. d. lat. Sprache* S. 237. Curtius, Grieeh. 

der Stadt Rom 2, 209 f., dessen Ausführungen Etymol. 1 ' S. 365; anders Buecheler, Lexic. Ital. 

ganz verkehrt sind), und gegen den Einwand p. XVI. 0. A. Danielsson bei G. Pauli, Altital. 

Jordans (zu Preller, Rom. Myth.' 2, 48 Anm.), Studien 4, 1885 S. 156 ff.) nicht zu trennen, all- 

dafs dabei die im Kult mit Liber untrennbar gemein das Schöpferische, Spendefrohe zu be- 

64* 



2023 Liber , Liber 2024 

zeichnen, so dafs der .Bedeutungsübergang von kuchen (liba) feilboten, von denen sie ein 
liber zu liberalis derselbe ist, wie von genius Stückchen (sacris pars datur inäe focis, Ovid 
zu genialis „freigebig* 1 (antikfe Etymologieen : a. a. 0. 734) auf einem tragbaren Opferherde 
quod ex nobis natos LiSeros appellamus, idcirco (foeulus) im Namen des Käufers opferten; 
Cerere nati nominati sunt Lioer et Libera, Cic. aufserdem bezeugt Tertullian (Apolog. 42), dafs 
de n. d. 2, 62; Liber . . . ideo sie appellatur, man an diesem Festtage auf offener Stral'se zu 
quod vinö nimio usi omnia liber e loquantur, speisen pflegte. Wie alt der Brauch ist, den 
Paul. p. 115). mannbar gewordenen Knaben die toga virilis 
Mit dieser Auffassung des Liber als einer oder libera gerade an den Liberalia zu er- 
schöpferischen Naturgottheit (enger als 10 teilen (Ovid a. a. 0. 771 ff.), läfst sich nicht 
den „Gott des befruchtenden Nasses" fafst ihn feststellen; er bestand in Ciceros Zeit (Cic. ad 
A. Preuner, Hestia-Vesta S. 398), die eben- Alt. 6, 1, 12 Quinto togam puram Liberalibus 
sowohl über die Fruchtbarkeit der Erde wie cogitabam dare), ohne aber Ausnahmen aus- 
über die Fortpflanzung von Mensch und Tier zuschliefsen (vgl. Marquardt, Privatl. d. Rom. 
wacht, läfst sich das wenige, was von den 122f.); an ihn denkt wohl Mommsen, wenn er 
Kultformen des altrömischen und altitalischen {Born. Gesch. 1, 162) die Liberalia als „das 
Liberdienstes bekannt ist, wohl vereinigen. Fest des Kindersegens" bezeichnet. Das Fest 
Nach dem Zeugnisse des Varro bei Augustin. gilt dem Götterpaare Liber und Libera (Libero 
de civ. dei 7, 21 ist Liber der Gott, quem li- Lib(erae), fast. Caer.) und nur diesem, u. zw. 
quidis seminibus ac per hoc non solum liquori- 20 war die Stätte ihrer Verehrung ein Heiligtum 
bus fruetuum, quorum quodamtnodo primatum auf dem Capitol (Libero in Ca [pitolio] ', f. Farn., 
tenet, verum etiam seminibus animalium prae- die Ergänzung gesichert durch das Militär- 
fecerunt, und sein Name wurde erklärt a libera- diplom vom J. 70, C. I. L. 3 p. 849 = 10, 1402: 
mento, quod mares in coeundo per eius beneß- descriptum et recognitum ex tabula aenea, quae 
dum emissis seminibus liberentur; hoc idem in fixa est Bomae in Capitolio in podio arae gentis 
feminis agere Liberum (August, c. d. 6, 9; vgl. Iuliae latere dextro ante signu(m) Lib(eri) pa- 
7, 2. 3. 16. 4, 11). Von besonderem Interesse tris, vgl. Mommsen, C. I. L. 1, l 2 p. 312). Im 
sind die Mitteilungen, die aus derselben Quelle 4. Jahrb.. n. Chr. wurde das Fest durch Circus- 
Augustin. de civ. dei 7, 21 über die in Italiae spiele gefeiert (f. Philoc. u. Polem. Silv. Auson. 
compitis begangenen Feiern des Liber macht, 30 de fer. 29) , scenische Autführungen haben an 
bei denen die pudenda virilia eine grofse Rolle ihnen niemals stattgefunden; was man von 
spielen: nam hoc turpe membrum per Liberi angeblichen Zeugnissen dafür angeführt hat, 
dies festos cum honore magno plostellis imposi- bezieht .sich entweder auf die griechischen 
tum prius rure in compitis et usque in urbem Aiovvaia, die man mit Liberalia übersetzte 
postea vectabatur. in oppido autem Lavinio (so namentlich in dem bekannten Fragmente 
unus Libero totus mensis tribuebatur, cuius des Naevius com. 113 = Paul. p. 116: Libera 
diebus omnes verbis flagitiosissimis uterentur, lingua loquemur ludis Liberalibus; mehr bei 
donec illud membrum per forum transvectum Marquardt, Staatsverw. 3, 363, 1), oder auf die 
esset atque in loco suo quiesceret. cui membro römischen Cerialia (19. April), die ebenso wie 
inhonesto matrem familias honestissimam palam m der Tempel der Ceres, dessen Stiftungsfest an 
coronam necesse erat imponere (s. dazu 0. Jahn, diesem Tage begangen wurde (s. unten), in 
Ber. d. sächs. Gesellsch. d.Wiss. 1855, 71 f.); sie zweiter Linie auch dem Liber und der Libera 
videlicet Liber deus placandus fuerat pro even- galten (Cic. Verr. 5, 36: ludos sanetissimos ma- 
tibus seminum, sie ab agris fascinatio repel- xima cum cura et caerimonia Cereri Ubero 
lenda. Hier eine Übertragung der griechischen Liberaeque faciundos. Serv. Georg. 1, 7: ideo 
Phallophorien nach Italien anzunehmen , liegt simul Liberum et Cererem posuit, quia et templa 
kein Grund vor, da Plinius (n. h. 28, 39) be- eis simul posita sunt et ludi simul eduntur. 
zeugt: fascinus, imperatorum quoque non solum Cyprian. de spect. 4: dum urbem fames oecu- 
infantium custos, qui deus inter Sacra Bomana passet ad advocationem populi adquisiti sunt 
Vestalibus colitur. Das römische Staatsfest des 50 ludi scaenici et Cereri et Libero dicati post- 
Liber, Liberalia genannt, fiel auf den 17. März, modum reliquisque idolis et mortuis; vgl. Ovid. 
zufällig (vgl. Wissowa, Be feriis anni Born, vetust. fast. 3, 785 f. : lucesua ludosuvae commentor hdbe- 
p. XI f.) zusammen mit einem Feste des Mars, bat, quos cum taedifera nunc habet ille dea). 
dem agonium Martiale (Macr. S. 1, 4, 15: Ma- Eine völlige Hellenisierung der einhei- 
surius etiam seeundo fastorum: Liber alium dies, mischen Gestalt des Liber trat ein, als im Be- 
inquit, a pontifieibus agonium Martiale appel- ginne der republikanischen Zeit auf Grund 
latur; vgl. Varro de l. I. 6, 14); einige Stein- der sibyllinisehen Bücher der Kult einer grie- 
kalender (/. Caer. u. Vatic, s. C. I. L. 1, l 2 chischen Göttertrias in Rom Aufnahme fand, 
p. 312) setzen daher der Tagesbezeichnung der sich der Namen Ceres Liber Libera be- 
LIB(ERALIA) noch AGON(IVM) hinzu, andere 60 mächtigte; der im J. 258 = 496 vom Diktator 
aber (f. Maff. Farnes.) geben nur die erstere, A. Postumius gelobte, 261 = 493 vom Konsul 
die auch, wie erhaltene Datierungen zeigen Sp. Cassius eingeweihte Tempel in der Nähe 
(BellHisp. 31. Cic. epist. 12, 25, 1; ad Att. 9, des Circus maximus (s. über ihn oben Bd. 1 
9, 4), allein praktisch verwendet wurde. Von Sp. 862. E.Aust, De aedibus sacris p. B. p. 5), 
den Festgebräuchen kennen wir nur den einen der bald zu grofser Bedeutung, namentlich für 
(Varro de l. I. 6, 14. Ovid. fast. 3, 713ff.), dafs die Plebs, gelangte, galt der griechischen De- 
überall in der Stadt alte Frauen (vilis anus, meter mit ihren Kindern Iakchos(- Dionysos) 
Ovid a. a. 0. 726), mit Epheu bekränzt, Opfer- und Köre (Cic. de n. d. 2, 62 : hunc dico Libe- 



2025 Liber Liber 2026 

rum Semela natum, non eum quem nostri ma- änäeag iniulvaai fiäXlov % ngötegov, Dion. Hai. 
iores auguste sancteque cum Cerere et Libera 6, 17,4), so nehmen auch in der Folgezeit 
consecraverunt; quod quäle sit ex mysteriis in- Ceres und Liber als die Beschirmer des Ge- 
tellegi potest. sed quod ex nobis natos Liberos treide- und Weinbaues unter den lottern des 
appellamus, idcirco Cerere nati nominati sunt Landmannes eine hervorragende Stelle ein 
Liber et Libera; quod in Libera servant, in (bei Varro de r. r. 1, 1, 5 bilden sie unter den 
Libero non item). Die eigentliche Tempel- vom Verfasser zusammengestellten ländlichen 
Inhaberin war Demeter, die anderen beiden Zwölfgöttern das dritte Paar)., Als Spender 
nur ihre Hausgenossen; darum wurde das des Weines (Arnob. 2, 65. August, c. d. 4, 22. 
Stiftungsfest des Heiligtums auf den alten 10 6, 1) und Beschützer der Weinpflanzungen 
Festtag der italischen Ceres, an deren Stelle (Colum, 3, 21, 3. August, c. d 4 11. Libero 
sich die griechische Demeter setzte, die Ce- patri viniarum eonservatori , G. 1. L. 5, 5543, 
rialia am 19. April, gelegt (das hat E. Aust vgl. auch 3, 3294) wird er insbesondere bei 
a a 0. p.39f. postuliert und ein nachher auf- der Weinlese gefeiert (daher verzeichnen die 
gefundenes Bruchstück der fast. Esquil. mit menologia rustica im Oktober sacrum Libero, 
der Notiz CER(IALIA). Cereri Libero [Liberae] vgl. Mommsen, C. I. L. 1,1* p. 332) und er- 
bat das bestätigt; s. jetzt G. I. L. 1, l s p. 315). hält hier, zusammen mit Libera (Colum. 12, 
Wie neben der offiziellen Bezeichnung aedes 18, 4: 4m« sacrificia Libero Liberaeque et vasis 
Cereris Liberi Liberaeque (Liv. 3, 55,7. 41,28,2; pressoriis quam sanctissime castussimeque fa- 
vgl Dion.Hal.i,9i. Tae. ann. 2, 49. Liv. 33, 20 cienda), eine Spende von neuem Most die 
25 3) auch die kürzere aedes Cereris (z. B. Liv. dem der Ceres zukommenden ersten Ahren- 
2 41 10 10 23 13 27, 6, 19 u. a. m.) ganz schnitt, dem praemetium, entspricht und den 
geläufig 'ist, ebenso heifsen auch die seit dem Namen sacrima führt (Paul. p. 319: sacrima 
zweiten punischen Kriege an den Cerialia stän- appellabant mustum, quod Libero sacnficabant 
dig gefeierten Festspiele, obwohl sie allen drei pro vineis et vasis et ipso vmo conscrvandis, 
Gottheiten gelten {Cic.Verr. 5, 36; s. o. Sp.2024 sicut praemetium de spicis, quas primummes- 
43 ff) schlechtweg ludi Ceriales. Man wird daher suissent, sacnficabant Cereri); auch die Wem- 
auch ohne Bedenken annehmen dürfen, dafs die händler verehren ihn, so C. IL. 6, 467 m Born 
in Rom von Staats wegen bestellten sacerdotes A.a,&coll(egium)Velabremium(Beosancto,nummi, 
publicae Cereris (Marquardt, Staatsverw. 3, 364) so deo magno Libero patri adstatori et conserbaton 
auch den Dienst von Liber und Libera mit h(uius) l(oci)), vielleicht auch idie caupones von 
versahen (in dieser Richtung ist auch die Er- Caesarea Mauretamae (C. I. L. 8, 9409, wo rur 
klärung für die sonderbare sacerdos Cerialis cultores Doripatri wahrscheinlich cultores Liberi 
Deia Libera zu Aesernia, C. I. L. 9, 2670, zu patris einzusetzen ist), und die negotiantes cel- 
suchen); die Angabe Ciceros (pro Balbo 55), larum vinariarum novae et Arrunüanae bilden 
dafs man für diesen Dienst insbesondere Frauen ein collegium Liberi patris et Mercuri (G. I, L. 
aus Neapel und Velia, denen man dann das 6, 8826; ein coll(egium) Liberi patris auch 
römische Bürgerrecht verlieh, heranzog, zeigt, C. I. L. 6, 8796); auf dem Lande erscheint 
dafs wir die Heimat der ganzen Göttertrias Liber in Weihinschriften oft vereinigt mit 
in Campanien oder dem grofsgriechischen Unter- » Silvanus oder auch mit Hercules, die beide 
Italien zu suchen haben, wo neben dem Dienste als Beschützer der Ländereien verehrt werden 
derCeres (s.dnrüberNissen,Pomp.Stud.S.3WS.) (G. I. L, 6, 707: Soli Serapi Iom Libero patri 
auch der des Liber verbreitet und angesehen et Mercurio et Silvano ; 3,3923 aus 1-annon. sup. : 
gewesen zu sein scheint, ohne dafs wir im- Silvano aug.sac(rum) et L(tbero) p(atri);3,3Vb7 
stände wären festzustellen, inwieweit hier ur- ebendaher: Libero patri et [SilvanoJ domfesti- 
sprünglich einheimische Religionsvorstellungen co); 9, 3603 aus Aveia: Signum Liberi patns 
oder Iber römischer Einflufs mafsgebend ge- et Silvani; 12, 3132 aus Nemausus : deo Sü- 
wesen sind; das fAuchtbare Campanien galt vano et Libero patri et Nemauso; ^ auch 6, 462: 
als der Gegenstand des Wettstreites zwischen Hie fuit horridus ante locus, Asten consüio 
Liber und Ceres (summum Liberi patris cum 50 coeptus Liberi ter Bromio silvigeri dei auxi- 
Cerere certamen, Plin.n.h. 3,60 = Flor. 1, 11; Uum renovatum in urbe ist wohl so zu ver- 
vgl auch Auson. Mos. 208 ff.), und römische stehen; Herculi Libero Silvano dns saneüs, 
Dichter bildeten die griechische Sage von der C. I. L. 6, 294; Weihung von Statuetten des 
Einkehr des Dionysos bei Ikarios mit Beziehung Liber, Hercules, Silvanus, Mercurius 3, 633 
auf den aqer Falernus um (Sil. Ital. 7, 162ff.). aus Philippi) und führt, wie diese Gotter in- 
ünter der Einwirkung der griechischen dividualisierende Beinamen nach dem Besitzer 
Kultvorstellungen hat die Bedeutung des des betreffenden Grundstückes (Libero Kalhm- 
Liber insofern eine Veränderung erfahren, ciano, C. I. L. 6, 463; Libero patri Prochano, 
als er immer ausschliefslicher als spezieller 6, 466; Libero Gratilhano, 9 2631, aus Aeser- 
Beschützer des Weinbaues gefafst 60 nia ; in et was anaerem Sinne Libero patn Oom- 
wurde. War die Gründung des Tempels von modiano, 14, 30, aus Ostia). 
Ceres Liber und Libera durch eine Hungers- Die Verbreitung des Liberkultes im 
not veranlaßt worden, deren Abwendung römischen Reiche ist eine ganz allgemeine. In 
man von den neu eingeführten Gottheiten Italien begegnen uns Weihinschriften aulser 
erhoffte (ot Ss vxa*ovecxvTes ryv ze ynv.naq- in Rom (0. /. L. 6, 461fl.) m Ostia (14, 27— 
icwvctaav äveivcti nXovrtovg «ccgnovs, oi 30; vgl. Ephem. epigr. 7, 1195), P"jenmm (10, 
u,6vov triv exöoifiov [Ceres], äUu x«l *¥ äsv- 6435), Aquinum (10, 5422 = 1 1182, eine sa- 
Sgoyögov [Liber], k«1 ras ljm<ra*Toai S ayo e «s cerdos Liberi publica Aqumas), Atma (aedes, 



2027 Liber Liber 2028 

10, 5045), Amitemum (9, 4513), im Vestiner- Zug und Triumph des Dionysos geläufig als 

lande (9, 3571. 3603), in Aesernia (9, 2631. Idealvorbild siegreicher Peldzüge, und die 

2670 eine sacerdos Cerialis Deia Libera, s. ob. Machthaber liefsen sich als neuen Liber feiern 

Sp. 2025, 33), Telesia (9, 21 97), bei den Hirpinern (über Marius Val. Max. 3, 6, 6 = Plin. n. h. 33, 

(9, 1500), in Puteoli (10, 1586), Venusia (9, 459 150; Pompeius Plin. n. h. 8, 4; M. Antonius 

cultores Liberi), auf Sardinien (10,7556); ferner Vell. Pat. 2, 82, 4; Elagabal Hist. aug. Elag. 

in Arretium (11, 1822), Luna (11, 1335 sac(er- 28, 2). Wenn Caesar einen neuen Dionysoskult 

dotes) arar(uvt) [. et Libejri patris), in Rom einführte (Serv. Ecl. 5, 29: hoc aperte 

Ariminum (11, 358), Bononia (11, 698. 715 = ad Caesarem pertinet, quem eonstat primum 

6, 460), Aquileia (5, 793. 8235), Parentium 10 Sacra Liberi patris transtulisse Romam), so 

(5, 326), Tarvisium (5, 2110), Verona (5, 3260) handelte es sich dabei wahrscheinlich um 

und sonst im transpadanischen Gallien (5, 5543. einen orientalischen Kult, und auch der von 

6956). Von den Provinzen sind Spanien (Ö.I.L. Septimius Severus erbaute Tempel (Cass. Dio 

2, 799. 1108. 1109. 2105. 2611. 2634. 3264) und 76, 16) galt wohl nicht mehr dem griechisch- 

das narbonensische Gallien (12, 250. 502. 593. römischen Dionysos -Liber, sondern einer der 

1075. 3078. 3132) durch eine mäfsig'e, die afri- mystisch - orgiastischen Religionen des Orients, 

kanischen Provinzen (Byzacena, C. I. L. 8, 73; die sich den alten Götternamen angeeignet 

Africaproconsularis,8, 1178. 1268 porticumtempli hatte. Vereine zum Geheimdienste des Liber 

Liberi patris. 1337 ; Suppl. 14546. 15520 templa lassen sich aus den späteren Jahrhunderten 

Concordiae, [Frjugiferi, Liberi patrfis]. 15578 20 der Kaiserzeit mehrfach nachweisen, so die 

in templo Liberi patris et Veneris; Numidia, thiasi Liberi patris Tasibasteni in Philippi 

8, 2632. 5293 sacerdotes Liberi patris, mann- (C.I.Lj. 3,703. 704; auch die in der dacischen 

lieh 8, 4681. 4682. 4887. Ephem. epigr. 5, 931, InschriftvonArnpelum,C.I.i.3,1303,genannten 

weiblich 8, 4883; Mauretania, 8391. 9016. 9325. Hercliani und cervae fafst Mommsen wohl mit 

10867) und vor allem die Donauländer durch Recht als Kultgenossenschaften des Liber und 

eine sehr grofse Zahl von Inschriften vertreten: der Libera, denen die Weihung gilt), emthiasus 

vielfach erwähnt wird ein Tempel des Liber Placidianus in Puteoli (CLL. 10,1685), ins- 

und der Libera (so CLL. 3,1790 = 6362) in besondere Genossenschaften, welche sich als 

Narona in Dalmatien, der noch in republika- spirae bezeichnen (C. I. L. 6, 461. Kaibel, 
nische Zeit zurückreicht (CL.L. 3, 1784. 1785 30 Inscr. graec. Steil, et Ltäl. nr. 925. 977. CLL. 

= 1, 1469. 1470; vgl. 3, 1786. 1787. 1789 = 6363), 10, 6510 aus Cora: spira TJlubrana; in den In- 

aufserdem besitzen wir zahlreiche Weihungen schritten C. I. L. 6, 76 und 261 bezeichnet sich 

aus anderen Orten Dalmatiens (C I. L. 3, 1951. die spira zwar nicht ausdrücklich als dem 

2730. 2815. 2903. 3046. 3065. 3093; Suppl. 9752), Dienste des Liber geweiht, es steht aber dieser 

sowie aus Dacia (C. I. L. 3, 792. 896. 930. 1065. Annahme auch nichts entgegen, zumal da die 

1091— 1094. 1261.1303. 1355. 1411. 1548; Suppl. letztgenannte Inschrift auf der Basis einer 

7682— 7684. 791 6) und Pannonia (C I. Z. 3,3234. Hekatestatue steht und diese Göttin mit Liber 

3267. 3294. 3295. 3298. 3329. 3464 — 3466. 3506 oft verbunden erscheint, s. unten) und unter 

= Suppl. 10433. 3923. 3956. 3957. 4297. 4363; einem spirarches stehen (CLL. 6,2251. 2252); 
Suppl. 10343. 10432. 10910), vereinzelte auch 40 Priestertitel, wie sacerdotes orgiophantae (Pu- 

aus Moesia (C. I.L. 3, 750. 6317) und Noricum teoli, CL.L. 10, 1583), parastata (ebd. 1584), 

(3, 5122). Da die sonst ziemlich seltene Ver- hierophantes Liberi patris (6, 507), archibueolus 

einigung von Liber und Libera (s. unter Libera) dei Liberi (6, 504. 510; s. dazu A. Dieterich, 

hier verhältnismäfsig häufig auftritt, so ist De hymnis Orphicis capitula quinque, Habil.- 

wahrscheinlich ein einheimisches Götterpaar Sehr. Marburg 1891 p. 3 ff.), weisen deutlich 

dieser Gegenden mit den römischen Gott- auf den Mysteriendienst. In dieser Auffassung 

heiten Liber-Libera gleichgesetzt worden. tritt Liber pater in enge Beziehung zu ver- 

Wiewohl die knappe Fassung der Weih- schiedenen anderen Frenldkalten, wir finden 

inschriften über die ihnen zu Grunde liegende ihn verbunden mit Isis und Serapis (C. J. L. 3, 
Auffassung des Gottes keinen Aufschlufs giebt, 50 2903, Dalmatien), Sol invictus Mithras (C L. L. 

wird man sie doch in der überwiegenden Mehr- 2, 2634) , häufig mit Hekate (6, 500. 504. 507. 

zahl als Denkmale der Verehrung des Wein- 510. 11, 671 ans Forum Cornelii), insbesondere 

Spenders Liber in Anspruch nehmen dürfen. aber mit Magna Mater (Ephem. epigr. 7, 75 aus 

Daneben, aber hatte in verhältnismäfsig früher Zama maior in Afr. Byzac), an deren Tauro- 

Zeit mancherlei aus griechischenDionysos- bolien die Priester des Liber pater beteiligt 

mysterien, wenn auch in stark gebrochener sind (C L. L. 12, 1567); im 4. Jahrh. finden wir 

und getrübter Form, in Italien Eingang ge- häufig die Priesterwürden der Magna Mater, 

funden, und die Ablehnung, die diese Geheim- des Mithras, des Liber pater und der Hekate 

kulte von Seiten der Staatsreligion erfuhren, in einer Person vereinigt (C I. L. 6, 500. 504. 
vermochte sie im privaten Leben nicht völlig 60 507. 510). Entsprechend erscheint auch Liber 

niederzuhalten. Im Anfange des 2. Jahrh. v. Chr. pater in Bildwerken mit den Attributen ver- 

waren bakchische Geheimdienste in ganz Italien schiedener Götter ausgerüstet als Liber pan- 

wie in Rom verbreitet (Liv. 39, 15, 6), bis die theus (C. I. L. 14, 2865 : Signum Liberi paftris] 

argen damit verbundenen Skandale und Aus- 'panthei cum suis parfergis], aus Praeneste. 9, 

schreitungen im J. 568 = 186 zu einem allge- 3145» aus Corfinium; vgl. Auson. epigr. 48. 49 

meinen Verbote der Bacchanalia führten (Liv. p. 330 f. Peiper). 

39,8—19. C.L.L.l, 196; vgl. Cic. de leg. 2, 37). Bildliche Darstellungen des Liber pater 

Am Ausgange der Republik war der indische werden in den Weihinschriften sehr häufig 



2029 



Libera 



Liberalitas 



2030 



(Wähnt (C. I L. 3, 160. 633. 9, 2197. 3603. 10, 
6435. 11, 358. 715=6, 460. Ephem. epigr. 7, 75), 
und wir jdürfen in dem Statuettenvorrate un- 
sbrer Museen eine etwa ebenso grofse Zahl 
vbn Bildern des Liber voraussetzen, wie von 
solchen des Silvanus, Hercules u. a. Aber 
ihre Aussonderung ist unmöglich, da die rö- 
mische Sakralkunst nicht durch Modiflcierung 
der griechischen Dionysosdarstellung einen 
eigenen Libertypus geschaffen, sondern den 10 
ersteren einfach herübergenommen hat. Die 
zufällig im Zusammenhange mit den zuge 
hörigen Inschriften erhaltenen statuarischen 
oder Reliefdarstellungen des Liber pater (siehe 
C. I. L. 3,930. 3295. 4297; Suppl. 7916. 6, 8796. 
9,3571; vgl. auch den Altar Arckäöl. Zeit. 1851 
Taf. 35 S. 385 ff. mit der Inschrift C. I. L. 11, 
3361) unterscheiden sich durch nichts von 
solchen des griechischen Dionysos; Kranz, 
Thyrsos, Becher (vgl. C. I. L. 11, 358, aus Ari- 20 
minum: Liberum patrem cum redimieulo auH 
III et thyrso et cantaro arg. p. IIS), sowie 
der Panther zu den Füfsen des Gottes sind 
die regelmäfsigen Attribute. Der epheu- 
bekränzte Kopf auf den Denaren des L. Cas- 
gius (um 675 = 79, Babelon, Mann, de la 
republ. Born. 1, 329 nr. 6), des M. Volteius 
(um 666 = 88, Babelon a. a. O. 2, 566 nr. 3) 
und des P. Petronius Turpiliants (um 734 
= 20, Babelon a. a. 0. 2, 293 ff. nr. 1. 4. 8. so 
10. 14) ist trotz des Fehlens einer Beischrift 
für Liber gesichert, da auf den zuerstgenannten, 
Denaren hinter dem Kopfe ein Thyrsus als 
Beizeichen erscheint und die Rückseite einen 
entsprechenden, mit Weinlaub und Trauben 
bekränzten Frauenkopf zeigt, der als Libera 
gedeutet werden mufs. [Wissowa.] 

Libera, Kultgenossin des altrömischA Gottes 
Liber (vgl. Faunus : Fauna, Iovis : Iovino u. a.), 
mit dem sie gemeinsam an dem Feste der « 
Liberalia (17. März) ein Opfer erhält (f. Caer.: 
Libero Lib(erae), s. ob. Sp. 2024, 17), am Beginne 
der Republik bei der Gründung des Tempels 
von Ceres Liber Libera mit der griechischen 
Kore-Persephone gleichgesetzt (Cic.de nat. 

d. 2, 62 ; vgl. Verr. 5, 187 : Ceres et Libera , 

quatum sacra populus Bomanus a Graecis ad- 
scita et accepta tanta religione et publice et 
privatim tuetur, ut non ab Ulis huc adlata, sed 
ut ceteris hinc tradita esse videantur). Die nr- 50 
sprüngliche Bedeutung der Göttin, die nach 
Varro (bei August, c. d. 4, 11; vgl. 6, 9. 7, 2. 
3. 16) feminarum seminibus praeerat, ist dar- 
über völlig vergessen worden, und die römi- 
schen Schriftsteller ersetzen, wenn sie von der 
griechischen Kore-Persephone reden, deren 
Namen einfach durch Libera (z. B. Cic. Verr. 
4, 106ff. Arnob. 5, 21. 35 u. a.); vereinzelt wird 
Libera auch mit Ariadne (Ovid. fast. 3, 512 = 
Hygin. fab. 224; so wohl auch bei Plin. n. h. 60 
36, 29 satyrus . . . Liberum patrem palla vela- 
tum umeris praefert, alter Liberam similiter), 
irrtümlich von Augustin. c. d. 7, 3. 16. 19 mit 
Ceres oder Venus (doch vgl. C. I. L. 8 Suppl. 
15578: in templo Liberi patris et Vencris, wo 
vielleicht Venus für Libera eingetreten ist) 
identificiert. Im römischen Kulte geschieht 
des Paares Liber-Libera nur an den Liberalia 



und im Dienste des Tempels von Ceres Liber 
Libera (nebst den zugehörigen ludi Cereri 
Libero Liberae faciundi an den Cerialia, Cic. 
Verr. 5, 36) Erwähnung, Weihinschriften fehlen 
in Rom vollständig und in Italien fast gänz- 
lich (Amiternum, C. I. L. 9,4513: Iovi o(ptimo) 
m(aximo) Libero Lib(erae); Bononia, 11, 698: 
Libero patri et Lib(erae); Aesernia, 9, 2670: 
sacerdos Cerialis Deia Libera); ebenso ver- 
einzelt sind die Zeugnisse für das Paar Liber- 
Libera aus Aquileia (CLL. 5, 793) und aus 
Mauretanien (8, 9016), dagegen sehr zahlreich 
aua den Provinzen Dada (C. I. L. 3, 792. 1093. 
1094. 1303; Suppl. 7916. 7684), Dalmatia (3, 
17 90 _ 6362. 2903) und Pannoöia (3, 3234. 
3267. 3298. 3466. 3506 => Suppl. 10433. 4297; 
Suppl. 10343), wo wahrscheinlich ein einhei- 
misches Götterpaar in die römischen Namen 
Liber-Libera umgesetzt worden ist(s. Liber). 'Ein 
paar zu diesen Inschriften gehörige Reliefdarstel- 
lungen (C. I. L. 3, 4297; Suppl. 7916) zeigen 
beide Gottheiten in völlig paralleler Bildung 
mit Kranz und Thyrsus und dem Panther als 
Begleiter; ebenso sind die Köpfe von Liber 
und Libera mit Sicherheit erkannt worden auf 
Vorder- und Rückseite der Denare des L. Cas- 
tus um 675 = 79, der Gott mit Epheu be- 
kränzt und durch das Beizeichen eines Thyr- 
sus gekennzeichnet, Libera mit einem Kranze 
von Weinlaub und Trauben (Babelon, Monn. 
de la rep. Born. 1, 329 nr. 6). Die Zahl der 
Inschriften, welche die Göttin allein, ohne 
Liber, anreden, ist eine ganz verschwindend 
kleine (C. 7. L. 6, 469. 3, 1095. 3467 = Suppl. 
10434. 8, 860), u. zw. scheint hier der Name 
Libera zum Teil fdr den anderer Göttinnen 
eingetreten zu sein; die Inschrift wenigstens 
C. I. L. 3, 1095 (aus Apulum in Dacia) ist der 
triformis Libera gewidmet, es ist also die in 
späterer Zeit mit Liber häufig zusammen ver- 
ehrte Hekate (s.ob. Sp. 2028, 51) gemeint. Die 
Benennung einzelner bakchischer Frauengestal- 
ten unserer Museen als Libera (z. B. München 
Glyptothek nr. 112. British Museum, Guide: 
Graeco-Boman Sculpt. 1 nr. 198 u. a.) ist will- 
kürlich; statuarische Bildungen dieser Göttin 
dürfen wir bei der untergeordneten Rolle, die 
sie in historischer Zeit im Kulte von Rom 
und Italien spielt, überhaupt kaum erwarten. 

[Wissowa.] 
Liberalitas, die Freigebigkeit, insbesondere 
diejenige der römischen Kaiser gegen Volk 
und Soldaten. In halber Personifikation findet 
sich L. zuerst inschriftlich auf Augustusmünzen 
der Stadt Ebora iu Lusitania (Cohen, Med. imp. 2 
1 S. 148 Oetave Auguste nr. 583 f.), welche auch 
selbst den Beinamen Liberalitas Iulia führte 
(Plin. n. h. 4, 21, 117), und dann auf Münzen 
des Hadrian (Cohen 2 S. 181 ff. Adrien nr. 908. 
912. 930). Auf anderen Münzen dieses Kaisers 
wird sie aber bereits als stehende Frau mit 
einem zum Empfang von Getreide oder Geld 
berechtigenden Täfelchen (tessera) in der Hand 
(ebenda 2 S. 181f. nr. 910. 913f.), oder ein Füll- 
horn (2 S. 182 nr. 916 ff.) in die Hände oder 
denSchofs eines Bittenden (2 S. 183 f. nr. 931 ff. 
945. 950. S. 207 nr. 1197) leerend, oder endlich 
tessera und Füllhorn haltend (2 S.183 nr.934ff.) 



2031 



Liberias 



Liberias 



203S 




Münze des Marcus 

Aurelius (nach Cohen, 

Med. impP- 3 S. 42). 



dargestellt. Dieselben Typen finden sich auf 
den sehr zahlreichen Münzen des Antoninus 
{Cohen 2 S. 316ff. nr. 80ff. S. 360 nr. 940); zu- 
weilen führt sie hier aber auch neben dem Füll- 
horn oder der tessera eine Standarte (2 S. 318 
nr. 490. S. 320 nr. 613. S. 360 nr. 939) oder 
einen Stab (2 S. 321 nr. 620). Auf den Münzen 
vieler anderer Kpjser wiederholen sich die 
gleichen Darstellungen: Cohen, Med. impJ* 3 
S. 10 Marc Aurel nr. 74ff. S. 41ff. nr. 401ff. — 
Lucius Verus, 3 S. 182. — Commodus, 3 S. 266 

— 271. S. 309 nr. 587 mit Stern. — Pertinax, 
3 S. 392 f. — Sept. Severus, 4 S. 32 — 35. — 
Caracalla, 4 S. 156—159. — Geta, 4 S. 260. — 
Macrinus, 4 S. 294. — Heliogabal, '4 S. 331 

— 333. — Alex. Severus, 4 S. 412—417. — 
Maximinus, 4 S. 507f. — Balbinus, 5 S. 9f. — 
Pupienus, 5 S. löf. — Gordianus, 5 S. 33 — 36. 

— Philippus maj., 5 S. 102f. 134. 137. 141. — 
Philippus min., 5 S. 162. — Trajan. Decius, 
5 S. 192f. — Trebon. Gallus, 5 S. 244. — Vo- 
lusianus, 5 S. 271. — Valerianus, 5 S. 307 — 9. 
338. — Gallienus, 5 S.394ff. 492. — Saloninus, 

5 S. 521. — Postumus, 6 
S. 35. — Tetricus, 6 S.99f. 

— Claudius IL, 6 S. 144. 

— Quintillus, 6 S. 169. — 
Carinus, 6 S. 387. — Ca- 
rausius, 7 S. 18. — Con- 
stantinus, 7 S. 265. — 

Neu erscheint in späterer 
Zeit neben der Umschrift 
Liberalitas Aug. einmal 
eine stehende und sich auf 
eine Säule stützende Frau 
mit Mütze und Füllhorn in der Hand (a. a. 0. 5 
S. 210 Etruscille nr. 15), und ähnlich stützt die 
mit entblöfstem Oberkörper dargestellte L. ihre 
Rechte auf eine hinter ihr stehende Vase, 
-während sie in der Linken, wie gewöhnlich, 
die tessera hält, auf einem Wiener Chalcedon, 
(v. Sacken und Kenner, Die Samml. d. Münz- 
u. Ant.-Kab. zu Wien 9, 3, 31). Vgl. auch 
Eckhel, D. N. V. 8 S. 544 f. [Die ältere Litte - 
ratur über Liberalitas verzeichnet Hasche, 
Lexic. univ. rei num. veterum 2, 2 Sp. 1664, 
der selbst die Münzen mit dem Typus der L. 
Sp. 1645—1696 verzeichnet. Von Neueren s. 
M. Engelhard, De personificationibus quae in 
poesi atque arte Romanorum inveniuntur. 
Gott. 1881 p. 58. Den antiken Typus der ein 
Füllhorn ausschüttenden Liberalitas ahmt nach 
eine Münze Leos X., Piper, Mythol. u. Symb. 
der ehr. Kunst 2 p. 695. Drexler.] [Steuding.] 
Libertas, göttliche Personifikation der bürger- 
lichen Freiheit (Cic. de nat. deor. 2, 61), welche 
seit der zweiten Hälfte des 3. Jahrh. v. Chr. 
einen von Ti. Sempronius Gracchus (Cos. 516 
= 238) aus Strafgeldern erbauten Tempel auf 
dem Aventinbesafs ^.PaMZ. p.121. Ziu.24,16,19 
erzählt von dem Sohne des Stifters, dem Sieger 
von Beneventum 540 = 214: digna res visa, ut 
simulacrum celebrati eins diei — es handelt sich 
um die Feier des vorwiegend durch Sklaven, 
die nunmehr mit der libertas belohnt werden, 
erfochtenen Sieges — Gracchus, postquam Bo- 
tnam rediit, pingi iuberet in aede Libertatis, quam 
pater eius ex multaticia peeunia faciendam cura- 



vit dedieavitque). Der Stiftungstag war wahr- 
scheinlich der 13. April, denn die Angabe Ovids 
fast. 4, 623f.: hac quoque, ni fallor, populo 
dignissima nostro atria Libertas coepit habere 
sua setzt aller Wahrscheinlichkeit nach fälsch- 
lich das atrium Libertatis (s. unten), das Sa 
kein gottesdienstliches Gebäude war und desspn 
Stiftungstag nicht in den Kalender gehört, in 
die Stelle der minder bekannten aedes Liber- 
ia tatis (Ovids Fastenvorlage enthielt offenbar 
nur die Beischrift LibertatiJ. Nicht völlig 
aufgeklärt ist das Verhältnis dieses Tempels 
zu dem ebenfalls auf dem Aventin gelegenen 
und von Augustus wiederhergestellten Tempel 
des luppiter Libertas (Mon. Ancyr. 4, 6) oder 
luppiter Liber (fast. Arval. z. 1. Sept.; s. oben 
Sp. 663 f.). Letzterer Name schliefst die u. a. 
von Jordan (Ephem. epigr. 1 p. 237) angenom- 
mene Identifikation beider Tempel aus; da- 
20 gegen würde der Stiftungstag am 13. April — 
sofern die eben ausgesprochene Vermutung 
richtig ist — , da alle Iden dem luppiter heilig 
sind, darauf hinweisen, dafs der besondere 
Kult der Libertas aus dem des luppiter Liber- 
Libertas hervorgegangen und gewisserroafsen 
aus ihm losgelöst worden sei, u. zw. zu einer 
Zeit, wo sich die ursprüngliche Bedeutung von 
liber, libertas (s. darüber ob. Sp. 2022, 67 ff.) bereits 
verschoben %atte. Viel häufiger genannt wird 
80 seit der Zeit des 2. punischen Krieges (Liv. 
34, 44, 5 erwähnt eine Wiederherstellung und 
^Erweiterung des Gebäudes durch die Censoren 
des J. 560 = 194) das atrium Libertatis (Sero. 
Aen. 1, 726: alii atria magnas aedes et capa- 
cissimas dietas tradunt, unde atria Licinia et 
atrium Libertatis; C. 1. L. 6, 10025 : post atrium 
Liber [tatis ]), ein geräumiges Profangebäude, 
das zu verschiedenen officiellen Zwecken dient, 
namentlich als Amtslokal der Censoren (Liv. 
40 43, 16, 13. 45, 15, 5), aber auch zur Verwahrung 
von Gefangenen (Liv. 25, 7, 12), zur Anstellung 
peinlicher Befragungen (Cic. pro Müone 59), 
zum Aushang von Gesetzespublikationen (Fest. 
p. 241 : lex fixa in atrio Libertatis cum multis 
aliis legibus incendio consumpta est; daher ist 
auch die Erzählung des Gran. Licin. p. 14 b , 3 
ed. Bonn, vom Konsul des J. 592 = 162 P. Len- 
tulus formamque agrorum in aes incisam ad 
Libertatis fixam reliquit nicht auf den Tem- 
50 pel, sondern auf das Atrium der Libertas zu 
beziehen). Das Gebäude, welches durch Asi- 
nius Pollio eine Wiederherstellung erfuhr (Suet. 
Aug. 29) und zum Sitze der ersten öffentlichen 
Bibliothek gemacht wurde (Ovid. trist. 3, 2, 71 f.; 
vgl. M. Ihm, Centralbl. f. Bibliothekswesen 10, 
1893, 515f.), lag bis auf Vespasians Zeit nörd- 
lich vom Forum (Cic. ad Att. 4, 16, 14, und 
besonders die Erzählungen der Kämpfe beim 
Sturze des Galba, Tac. hist. 1, 31. und Suet. 
so Galba 20), wahrscheinlich wurde" es durch die 
Anlage des Trajansforums verdrängt, wofür 
nach Ausweis eines Fragmentes des capito- 
linischen Stadtplanes (Libertatis) an einer an- 
deren Stelle dieses Forums ein der Libertas 
bestimmtes (sakrales oder profanes?) Gebäude 
errichtet wurde (Material bei Jordan, Topogr. 
1, 2, 267 f. 460 f.); am letzten Ausgange des 
Altertums (6. Jahrh.) haftet der Name atrium 



2033 



Libertas 



Libitina 



2034 



Libertatis an der Kurie (Mommsen, Hermes 23, 
631 ff. Hülsen, Mitt. d. arch. Inst. Born 4, 240 f.). 
Kapellen oder Bilder der Libertas als Denk- 
mäler wirklicher oder angeblicher Befreiung 
des Volkes von seinen Bedrückern sind in 
Rom wiederholt errichtet worden, so von Clo- 
dius auf der Stelle des zerstörten Hauses des 
Cicero (Flut. Cic. 33. Cass. Bio 38, 17. Cic. de 
domo 108 ff ; vgl. Cic. de leg. 2, 42), im J. 708 
= 46 zu Ehren des Caesar als Volksbefreiers 10 
(Cass. Dio 43, 44), nach dem Falle des Nero 
(C. I. L. 6, 471), zur Feier der Thronbesteigung 
des Nerva (0. 1. L. 6, 472, dazu Mommsen, Ber. 
d. sächs. Gesellsch. derWissensch. 1850, 300 f.), an 
Stelle der umgestürzten Statue des Commodus 
(Herodian. 1,14, 9); auch die spanische Inschrift 
C. I. L. 2, 2035: Libertatis aug. Signum cum sua 
basi C. Fabius C. f. Quir(ina) Fdbianus pecunia 
sua d. d. knüpft jedenfalls an eine ähnliche 
Veranlassung an. Der Kopf der Libertas, teils 20 




1) Kopf d. Libertas, Münze 

tl. Cassia (nach Babelon, 

Xonn. C. 1, 331, 8). 




2) Münze der lunia 
(nach Babelon 2, 119, 51). 




durch Bflischrift, teils durch das redende Bei- 
zeichen öes pileus libertatis (Marquardt, Privatl. 
d. Bö'm. 554 f.) sichergestellt, ist häufig auf 
Münzen des letzten Jahrhunderts der Republik 
(Babelon, Monn. de la re'publ. Born. 1, 331 nr. 8. 
474 nr. 2. 493 f. nr. 1. 2. 2, 148 nr. 2), besonders 
nach der Ermordung Cäsars (Babelon a. a. 0. 
i, 334 ff. nr. 12 ff. 2, 112 ff. 
nr. 31ff.), wo auch die Denare 
des Brutus und L. Plaetorius 40 
Cestianus mit dem Reversbilde 
des pileus libertatis zwischen 
zwei Dolchen und der um- 
schriftEID. MART. geschlagen 
3) ^cT^r worden (Babelon*. a. 0. 2, 119 
2, 369, 3). nr. 52). Weiter zurück reichen 
die Reverstypen der Denare des 
M. Porcius Laeca (um 625 = 129) und C. Cassius 
Longinus(um 645 = 109), welche die Libertas auf 
einer rasch dahinfahrendenQuadriga stehend und so 
von einer schwebenden "Victoria bekränzt zeigen 
(Babelon a. a. 0. 2, 369 nr. 3. 1, 325 nr. 1 ; ähn- 
lich, aber auf einer im Schritt fahrenden Biga, 
die Denare des C. Egnatius Maximus um 685 
= 69 , Babelon 1, 474 nr. 1). Die Göttin hält 
hier in der einen Hand ein Scepter, in der 
änderen den pileus, und diese Darstellung ist 
auch auf den Münzen der Kaiserzeit, auf denen 
Libertas häufig erscheint, die eigentlich typische 
("vgl. Heibig, Sitzungsb. d. Münch. AJcad. 1880 60 
1 , 490 f.) , wenn auch einzelne Abweichungen 
vorkommen (B. Engelhard, De personificatio- 
nibus, quae in poesi atque arte Bomanorum in- 
veniuntur, Diss. Gottingae 1881 p. 52 f.). Un- 
sicher bleibt die Deutung des Reversbildes 
eines Denares des C. Egnatius Maximus (Ba- 
belon a. a. 0. 2, 474 nr. 3), welches innerhalb 
einer Tempelfront zwei Gottheiten zeigt, eine 



männliche, über der ein Blitz sich befindet, 
und eine weibliche, über der der pileus er- 
scheint; Cavedoni, dem sich Babelon anschliefst, 
erkeimt luppiter und Libertas mit Beziehung 
auf die aventinische aedes Iovis Libertatis; 
aber diese Erklärung fällt mit der falschen 
Voraussetzung, dafs jener Tempel dem lup- 
piter und der Libertas, und nicht vielmehr 
dem luppiter Libertas, geweiht gewesen sei 
(s. oben Sp. 664). [Wissowa.] 

Libitina, römische Göttin der Bestattung 
(snio%oitos t&v itsql rovs dvfioxovtas belmv, 
Blut. Numa 12), die ihren Sitz in einem 
heiligen Haine (lucus Libitinae, Obsequ. 12 u. a. ; 
vestiar(ius) ab luco Libitina, C. I. L. 6, 9974. 
10022) ungewisser Lage (auf dem Esquilin 
suchen ihn Becker, Topogr. S. 537 und O. Gil- 
bert, Gesch. u. Topogr. d. Stadt Born 1, 176) 
hatte. Hier war, angeblieh auf Grund einer 
Anordnung des Servius Tullius (Piso bei Dion. 
Hai. 4, 15), die Centralstelle für das städtische 
Begräbniswesen; von jedem Sterbefalle kam 
eine Gebühr in die Kasse der Libitina (lucar 
Libitinae, auch aufserhalb Roms, vgl. die In- 
schrift von Bergomum, C. I. L. 5, 5128 cuius 
eximia liberalitas post multas largitiones hucus- 
que enituit, ut lucar Libitinae redemptum a re 
p(ublicaj sua universis civibus suis in perpe- 
tuum remitieret; s. Mommsen z. d. St. und Böm. 
Staatsr. 2 2 , 59, 4), hier wurden Listen über die 
Sterblichkeit geführt (triginta milia funerum 
in rationem Libitinae venerunt, Suet. Nero 39 
= Oros. 7, 7, 11), hier hatten die Begräbnis- 
unternehmer (libitinarii) ihren Sitz (Marquardt, 
Privatl. d. Bömer 371 f.) und wurden die Be- 
gräbnisgerätschaften aufbewahrt und vermietet 
(Ascon. p.29 K.-S. Plut. Q.B. 23 zä jrpög ras 
taqjag mnQaCKOveiv iv %& TEfievEi t<5 Aifyi- 
vi'vrjg; vgl. Horaz serm. 2, 6, 19: Libitinae 
quaestus aeerbae; Phaedr. fab. 4, 21, 26: qui 
circumcidis omnem impensam funeri, Libitina 
ne quod de tuo faciat lucrum; auch die bei 
grofser Sterblichkeit gebrauchte Wendung 
Libitina non sufficit, Liv. 40, 19, 2. 41, 21, 6, 
gehört hierher). Daher ist der metaphorische 
Gebrauch von Libitina für funus ein ganz ge- 
läufiger, in Wendungen wie Libitinam facere 
(lex. Iul. munic, C. I. L. 1, 206 Z. 94) oder 
exercere (Val. Max. 5, 2, 10), Libitinam vitare 
(Hör. carm. 3, 30, 7) oder evadere (luven. 12, 
122), Libitina struitur (Martial. 10, 97, 1), una 
Libitina duos ferit (Mart. 8, 43, 4), tori Libi- 
tinae (Quintil. decl. 9, 6) u. a. m.; vgl. auch 
die porta Libitinensis in der Arena, durch 
welche die Leichname der Gefallenen fort- 
geschafft wurden (Hist. aug. Commod. 16, 7; 
vgl. Friedländer bei Marquardt, Staatsverw. 
3, 564). Der Kult der Göttin mufs sehr früh 
in Vergessenheit geraten sein, und darum 
waren auch die Gelehrten der ausgehenden 
Republik über Deutung und ursprüngliches 
Wesen der Libitina im unklaren und nur auf 
Vermutungen angewiesen. Einige hielten sie für 
identisch mit Persephone (Plut. Numa 12), 
die meisten aber, insbesondere Varro (de l. I. 
6, 47 und bei Non. p. 64) brachten sie mit 
Venus zusammen (völlige Vermengung bei 
Placid. Corp. gloss. 5,30, 14 f.: Libitina est dea 



2035 Libs 



Libye 2036 



paganorum. Libidinis deam, quam quidam Ve- Lebenskeime geborgen sind, von wo das Leben 

oaa f ^»t, C 901 n andererseits der Um- von den ionischen Geographen, auf den ganzen 

!fid"- d°a b fe im P HS'deT L bXa ein alter Erdteil ausgedehnt (IB. Meyer, Forsch z.a 

TVmnel de • itaHschen Gartengöttin Venus stand 10 Gesch. 1, 81 Anm. 2) und = Afnca gesetzt. Dm» 

JfTj, 26 t Z TüTZtL VinaUa: eodem Bedeutung der Libye als reiner Eponyme von 

auUm Me Veneri templa sunt consecrata, alte- Libyen im enge ren Sinne _ tritt schon m der 

rum ad circum Maximum, altemm in luco wohl ältesten Erwähnung l™^Wp 

Libitinensi, quia in eins deae tutela sunt horti. mkion ^ d en Eyrenaier Telesikrates von Ul. 

Daher nennt Dien. Hai. 4, 15 die Libitina selbst 75 oder 76. Pmi. Pyth 9 55 (95) vvvä 

Ä. p. 64 spricht verkehrt von einem Zwc«s ™f*<P«** - nämlich die XL yrene «^""* «» 

F^fe iuS^tm.«;,- auch die Analogie der z ^«'o. e ««oy«?«»- »« 0l v Z !°:° S " "bend 69 

Griechischen 'AmooShr, 'EmzvaäCa zu Delphi evvwtifciv fvvopov Sa Q r,astca; vgl. ebend 69 
SÄ^StVpm In der 20 (123) » ttl ^» « ^ ^Z ^mif 

That beweist diese Hypothese nichts weiter, Mßiat, sowie das oben Sp. 1727 Z 7 ff mit- 

Ils dafsTede wirkliÄnntnis vom Wesen geteilte Epigramm und den Art Lib^satode. 

der Libitina verschollen war. Auf ihr auf- Libye erscheint also als die urs P™"* e 

et sat. s,sa ä^ä i « 

v ° of - i is«9 n \f rWiqqowal Forschungen z. a. (xesch. 1, »i Anm. a, o*. 

V L b ; Bd ii., [ SÄ. tfe «. 8, 12 * VolMändfger lernen :££^Äp£ 
fo 161 P«p«ri wird der lateinisch sonst Africus Späteren kennen. Als ihre Muttei von Epaphos 
SV 22! 12) griechisch U* genannte Wind nennt Apoll 2, 1, 4 die Memphis, de 1 echter 
SVott beziich g net: /«L — eo» des Nei os - h^u vgLman P^PytU 

653 Ms 'XI k£ 39 So In dem Tu™ 1Ä rechnet; vgl Z*. bei Pfcjj B* 

fer Winde zu Ath n ist er, durch Beischrift Griechen in ihrem VerMUnis zu den Gopten 

W kenntlich, als Jüngling gebildet, mit beiden fremder Völler ,J^ Danzvg 1 76 16 Anm 

Händen den Schiffszierat (aplustre) haltend, -, Bpn. f. 149. MA Lat 2 75 p. 1UU 

Baumeister, Denkmäler p. 2115, abg. ebenda die KasBiopeia; s. Bd. 2 S 987 A«£ 

nr. 2370 p. 2116 nach Stuart und Eevett, Antiq. 50 Nach Schal. Für. Or ^2 f lelegonos, 

of AtheJ 1 chap 8. Vgl. Lip. [Höfer.] der be, Apolloä 2 13 Gern ah ^^unM, 

SSTS&Ä ^Sninkation.des ^^^/pezijl l^he^^ • 

ÖTarAlbti CmefdesäbenT LfoV -'^^angeführten SteUen 

Libye?, der Lebu oder Rebu der Ägypter f. 157. Tzetz Chd ^'f°h eD hai 8 to S einen 
„eltlieli«. Land aufgetaut wie»«», ,,«o alle (^8«- H. ß. *, 8«, Tgl. Llarax. jwjom. 



2037 



Libye 



Libye 



2038 



fr. 19 = Frgm. H. G. 3, 640) macht sie 
direkt zur Tochter ' der Io von Jlfxos 6 Kai 
Ztüs und läfst sie- dem Poseidon aufser dem 
Belos und Agenor noch den Enyalios ge- 
bären, genau ebenso Eust. ad Dionys. Per. 
912. Ferner werden als Söhne der Libye und 
des Poseidon noch erwähnt Busiris, Isohr. 
11, 10. Hygin. f. 157; Lelex, Paus. 1, 44, 3; 
Phoinix, Steph. ~Byz. s.v. 
<5oiWx7j p. 669; ohne Be- 
zeichnung des Vaters 
Atlas, Plin. n. h. 7, 56, 
203. Nach Goerres a. a. O. 
soll Libye auch Mutter des 
Prometheus sein; doch 
giebt er keine Quelle hier- 
für an, und auch ich habe 
keine Belegstelle finden 
können. Mit Ägypten brin- 
gen den Prometheus in Zu- 
sammenhang Diod. 1, 19. 
Flut, de Is. et Os. 37. Eine 
weitere Variante ist die, 
dafs als Eltern der Libye 
Okeanos und Pompho- 
lyge genannt werden — 
ihre Schwester ist Asia, 
ihre Halbschwester Eu- 
rope und Thrake — , 
Andrem. Halicarnass. im 
Schöl. Aesch. Pers. 185. 
Tzetz. Lyk. 894. 1283. 
Schol. ad Exeges. in Hom. 
II. 9, 27 p. 135. Hermann. 
Eudocia p. 439 nr. 1018. 
Apostol. 16, 19, wo Thrake 
fehlt. Bei Hygin. f. 160, wo 
unter den Söhnen des Her- 
mes aufgezählt wird Liby s 
ex Libye, Palamedis ^filia, 
liest Bursian (s. Schmidt 
a. a. 0. p. 15) ex Libye, 
Epaphi et Memphidis filia; 
aber immerhin bleibt Her- 
mes als Vater der Libye 
auffallend; vielleicht läfst 
sich hierher die Notiz des 
Pausanias ziehen, der 5, 
15, 11 den Hermes (= 
Parammon) zu den ev Aißvy 
&soC zählt. 

Dargestellt war Li- 
bye, den Battos bekrän- 
zend, auf einem von Kyrene 
(oben Sp. 1731) gelenkten 
Wagen, in einer von den 
Kyrenaiern nach Delphi ge- 
weihten Bronzegruppe, 
Paus. 10, 15, 6, vgl. hierzu 



schenMarmorrelief, wo nur nachzutragen ist, 
dafs an der Seite der Libye ein Tier, leider 
mit abgebrochenem Kopfe, aber höchst wahr- 
scheinlich eine Gazelle, steht. Aus der Über- 
einstimmung der Haartracht der auf dem 
erwähnten Relief dargestellten Libye und des 
auf Münzen von Kyrenaika vorkommenden 
Hauptes schliefst L. Müller, Numismatique de 




Kyrene im Löwenkampfe von Libya bekränzt, Marmorrelief aus Kyrene im 
Brit. Mus. (nach Smith-Porcher, Diswv. at Cyr. Taf. 76). 



K. Purgold, Arehäol. Bemerkungen zu Claudian 6ol' ancienne Afrique, Supplement 13, dafs auf 



und Sidonius 47 f. und 0. Schulz, Die Orts- 
gottheiten in der griechischen u. römischen Kunst 
28 f. vgl. 80, der mit Recht die Ansicht von 
A. Gerber, Naturpersonifikation in Poesie und 
Kunst {Suppl. d. Jahrbb. f. Mass. Phil. 13) 
252, dafs Libye hier die Personifikation der Be- 
völkerung sei, zurückweist; ferner auf dem oben 
Sp. 1 726 abgebildeten und besprochenen kyrenäi- 



letzteren gleichfalls 'la Libye c. ä. d. la per- 
sonnification du pays oü habitaient les Cyre- 
niens' dargestellt ist und er bezieht daher die 
von ihm früher a. a. 0. 1 p. 140 nr. 366 (mit 
Abbildung) nr. 367 p. 155 nr. 395 (Abbildung) 
nr. 396 auf Apollon resp. Berenike gedeuteten 
Münzen auf Libye, a. a. 0. Suppl. 26. 31. Das- 
selbe Haupt der Libye findet sich auf Münzen 



2039 Libye Libye 2040 

von Ptolemaios I, Catal. of greek coins in the Kornähre und ein Pflug dargestellt ist, Eckhel 

Brit. Mus. The Ptolemies, lcings of Egypt 38 a.a.O. 5,206. Cavedoni, Bulletino 1843, 6,2. 

nr. 11 pl. 6,7 nr. 12 pl. 6,8. 39 nr. 17 pl. 6, 10. 7, 2 und auf den Goldmünzen des L, Cestius 

76 nr. 83 pl. 18, 4 nv. 84—94. 77 nr. 95 nr. 96 und C. Norbanns, Eckhel a. a. 0. 5, 169. Diese 

pl. 18, 6 nr. 97—99. 83 nr. 27 pl. 19, 4. Die ver- beiden Attribute, Elefantenfell resp. Elefanten- 

chiedenen Ansichten über dieses Haupt s. ob. 2 zahn und Ähren, sind typisch für die auf 



Sp. 517 Z. 32 ff. und Sp. 1727 Z. 1 zusammenge- Münzen dargestellte Africa, um sie einerseits 

stellt, ebenso auf Münzen von Alexandreia, Gat. als Erzeugerin wilder Tiere, andererseits als 

of greek coins in the Brit. Mus. Alexandria 20, Spenderin der Fruchtbarkeit (fertibs Africa 

163 pl. 24, 163. 21, 180. 24, 198. 212. 33, 10 Hör. Od. 3, 16, 31) zu bezeichnen. Schon Pind- 

271. 38, 309. 47, 382. 78, 653. 139, 1170 pl. 24, Pyth. 9, 58 (101) bemerkt, ^dafs Kyrene der 

1170; Vgl. jedoch auch Furtwängler (Jahrb. 4 Libye Teil an ihrem Lande ovts nayii.a.Qit<o_v 

[1889], 83) der lieber Isis hierin erkennen möchte. tpvi&v vr\%oivov, ovx äyvära d-riQmv 

— Sonst ist gewöhnlich das charakteristische geben werde. So tritt die personificierte Africa 

Merkmal der Libye das über • den Kopf ge- auf spicis et dente comas illustris eburno bei 

zogene Elefantenfell mit demRüssel und den Claudian de consul. Stilich. 2, 256 und an einer 

beiden Stofszähnen, wie sie schon eine unique anderen Stelle erscheint die wehklagende 

Goldmünze von Agathokles im kaiserlichen Africa mit zerrissenem Kleide, zerzaustem 

Münzkabinett zu Wien zeigt, Torremuzza, Ährenkranze und zerbrochenem Elefantenzahn 
Siciliae num. vet. Tab. 101, 4. Eckhel, Boctr. 20 im Haare, Claudian. de bell. Gildon. 136; vgl. 

num. vet. 1, 261. [Eine gute Abbildung dieser Sidonius 5, 53. Cavedoni, Bulletino iL Purgold 

Münze giebt Imhoof-Blumer , Num. Ztschr. 3 a. a. 0. 10. Öfters wird ihr Tierreichtum auch 

Taf. 5 nr. 2 p. 4. 43. Vgl. über dieselbe Kenner, noch durch andere Tiere charakterisiert. Eine 

Die Münzsamml. des Stifts St. Florian p. 15 f. Goldmünze des Hadrian zeigt die am Boden 

Read, Coinage of Syracuse p. 46 — 48. Gh. sitzende 'Africa', die mit der Rechten das 

Lenormant, Num. des rois grecs PI. 1 nr. 2 Haupt eines Löwen berührt, während sie sich 

p. 2 und pl. 23 nr. 8 p. 47. Holm, Gesch. mit der Linken auf einen mit Ähren gefüllten 

Siciliens im Altertum 2 p. 483. Drexler.] Eine Korb stützt, Vaillant 2, 137. Eckhel 6, 488, 

Bronze in Wien (». Sacken, Die antik. Bronzen d. auf Bronzemünzen desselben Kaisers (abg. 
k. k. Münz-u. Antik.-Kab.in Wien Taf. 13, 11; 30 Daremberg - Saglio , Diction. etc. s. v. Afrique) 

vgl. p. 89) zeigt denselben Typus, nur daft unter hält die gleichfalls mit dem Elefantenfell be- 

der Elefantenhaut noch ein feiner Schleier sieht- deckte liegende 'Africa' in der Hechten einen 

bar wird; v. Sacken a. a. 0. 89 Anm. 2 er- Skorpion, in der Linken ein Füllhorn; ihr zu 

wähnt ähnliche kleine Büsten in den üffizien Füfsen steht ein Scheffel mit Ähren, Eckhel 

und im Britischen Museum; eine hat an der a. a. 0. Borchardt, Katalog d. griech. u. röm. 

linken Seite einen Löwen, an der rechten Münzen d. Samml. d. Gymnas. zu Danzig, 

einen Elefantenzahn; damit ist wohl die im Progr. 1893 p. 57, 548; vgl. Wellenheim, Catal. 

A guide to the bronze room p. 55 bezeichnete de sa grande collection de monn. et med. 1, 

Bronze gemeint. Interessant ist die 1829 10785. Dan. Meyer, Verzeichn. röm. Eaiser- 
bei Tusculum gefundene Doppelherme der 40 münzen, bei Widenhub . . . entdeckt p. 16; oder 

Libye und des Triton, Gerhard, Berlins antike sie hält, dem an einem Altar stehenden Kaiser 

Bildwerke p. 132, 388 fabgeb. Conze, Beschreib. gegenüber, in der Rechten eine Schale, in der 

d. antik. Skulpturen im K. Museum zu Berlin Linken Ähren; zu ihren Füfsen liegt ein Opfer- 

p. 90, 207; vgl. Drefsler, Triton 2, 35 Anm. 6); tier (Legende: Adventui Aug. Africae), Eckhel 

auch hier trägt Libye das Elefantenfell und auf 6, 488. Vaillant 1, 58; oder der Kaiser,, hebt 

die Schultern fallende Locken. Auch mit dem die das Knie beugende, in der Linken Ähren 

Ammonkopf erscheint ihr Haupt auf Gemmen haltende Africa, auf (Legende: Bestituton 

vereint, P. Knight, Priap. 12, 7. Müller, Africa*), Eckhel 6, 489. Münzen des Antoninus 

Handbuch* 622. Dieselbe Darstellung der Pius zeigen sie in der Rechten mit einem 
Libye findet sich auf folgenden Gemmen, 50 Kranz, in der Linken mit einem Füllhorn, 

L. Müller, Description des intailles et camees Vaillant 1, 72; oder mit einem Korb von Ähren 

antiqu. du Muse'e Thorvaldsen p. 81 nr. 641 und einem Füllhorn, ihr zu Füfsen ein Löwen- 

—643. Chabouillet, Cat. gen. des camees 235 köpf, Eckhel 7, 4; oder mit beiden Händen einen 

nr. 1748. Winckelmann, Description despierres grofsen Kranz tragend, vor ihren Füfsen ern 

gravees du feu Baron de Stosch p. 36 nr. 21. Drache, hinter ihr drei Ähren, Eckhel 7, 4; 

22 und auf zwei Gemmen der Sammlung B. oder sie ist dem in der Rechten einen Stab, 

Hertz, Arch. Anz. 9 (1851), 101. Auf dem in der Linken eine Lanze haltenden Kaiser 

Fragment einer Gemme hält sie aufserdem in gegenüber gelagert, auf eine Felsklippe ge- 

der L. ein Büschel Ähren und Mohn, während stützt, die Rechte auf dem Kopf eines Löwen, 
ihre R. wahrscheinlich den vor ihr stehenden 60 in der Linken Spolien oder wohl vielmehr 

Kaiser bekränzte, Purgold a. a. 0. 10 Anm. 6. Ähren haltend ; in der Mitte steht eine Victoria, 

0. Müller, Handbuch % 622.' Vor allem aber Vaillant 3, 123. Auf einer Münze des Com- 

häufig ist ihre Darstellung auf Münzen , so modus sitzt sie zurückgelehnt vor dem Kaiser, 

auf einer Goldmünze des Pompeius, Cohen, das rechte Bein über das linke gekreuzt, legt 

Monn. de la republ. rom. p. 260 nr. 11. Müller, die Rechte auf den Rücken eines Löwen 

Numismatique etc. 3, 44; auf den von Eppius, und hält in der Linken Kornähren, Boman 

dem Legaten des Q. Metellus Scipio, geschlage- Medaillons in the Brit. Mus. (1874) p. 27 

nen Münzen, auf denen aufserdem noch eine nr. 29 pl. 33, 3. Auf Silbermünzen des Sep- 



2041 Libye, Libyrnos 2042 

timius Severus liegt zu ihren Füfsen ein Löwe, Personifikationen der drei Erdteile erscheint 

sie selbst trägt in der Tunica (Eckhel 7, 171 = Africa, r. von der Europa stehend, in dunkel- 

Vaillant 2, 214) oder in der rechten Hand Korn- brauner Hautfarbe, mit schwarzem wolligen 

ähren, Vaillant 1, 111. Eine Münze des M. Haar, _in,weifsen Schuhen und rötlichem Chiton 

Aurelius Valerius Maximianus zeigt zu ihren mit Überwurf, einen Elefantenzahn in den 

Füfsen neben dem Löwen noch einen Stier, Eckhel Händen tragend, Bonucci, Bulletino 1829, 193. 

8, 25. Auch auf Münzen von Numidien und Helbig, Wandgemälde 1113. untersuch, über 

Mauretanien erscheint das mit der Elefantenhaut d. Campern. Wandmalerei 219. Purgold a. a. 0. 

bedeckte Haupt der Libye mit auf den Nacken 17 f. Vielleicht ist auch Helbig 1115 mit 

herabfallenden Locken, L. Müller a. a. 0. 10 Cavedoni, Bulletino 10 Anm. Matz-Buhn a. 

Suppl. 13, so auf Münzen von Iuba I., Müller, a. 0. 2, 3095 p. 335 Anm. Purgold a. a. 0. 

Numismatique etc. 3, 43, 58 (Abbildung); von 17 Anm. 1116 auf Africa zu deuten; letzterer 

Iuba IL, Müller 3, 103, 18 (Abbildung); 107, 71 zieht auch Reibig 1116 hierher. Vgl. auch die 

(Abbildung: hinter dem Haupte noch zwei Wurf- Bd. 1 S. 1015 nach einem pompeianischen Ge- 

spiefse ; aufserdem vor dem Haupte noch eine mälde abgebildete Africa. Ebenso wollte Robert, 

Kornähre, Müller 3, 103, 19 vgl. 119; genau die- Arch. Ztg. 42 (1884), 139 auf einer kreisför- 

selbe Darstellung auf einer Münze des Königs migen Platte im Brit. Mus. (abg. Arch. Ztg. 

Ptolemaios von Mauritanien, Müller 3, 130, a. a. 0. Taf. 2, 2) den Okeanos und die Per- 

196 [Abbild.]; vgl. p. 134); vgl. ferner die Bonifikationen der Libye, Asia und Europe 
Münzen aus der Zeit des Interregnums zwischen 20 erkennen; s. dagegen Engelmann, Arch. 

Bocchus III. und Iuba IL, Müller 3, 100, 15, Ztg. a. a. 0. 209ff. — Schliefslich sei noch 

die autonome Münze von Caesarea in Mauii- erwähnt, dafs die von Tatian. or. ad Graec. 

tanien, Müller 3, 138, 209 sowie die Münzen 53 p. 132 erwähnte Glaukippe (Alkippe, Plin. 

mit der Legende L. Clodi, Macri. Liberatrix, n. h. 7, 3, 34, mit deren Bild Pompeius das 

Müller 2, 171, 384—386, woselbst sich auch Theater schmückte), welche einen Elefanten 

weitere Litteraturangaben finden; endlich die geboren haben soll, von Löschcke, Borpater 

nicht näher zu bestimmenden numidischen Progr. 1880, 10 als Asia oder Africa gedeutet 

Münzen bei Müller 3, 73, 86 (Abbildung). 87. 88. wird. Auch sei noch hingewiesen auf Plin. 

— Von Reliefdarstellungen sind zu er- n. h. 28, 5, 24: in Africa nemo desünat aliquid, 
wähnen 1) ein Sarkophagrelief, auf dem die 30 nisi praefatus Africam; in ceteris vero 

durch Inschriftreste kenntliche 'Africa', das gentibus deos ante obtestatur, ut velint; hier 

Haupt mit Elefantenexuvien geschmückt, in erscheint die Africa als Göttin, deren Beistand 

der R. Ähren hält, Matz-Buhn, Antik. Bildw. man für das Gelingen eines Unternehmens 

in Born 2, 3095; — 2) das Bruchstück einer anruft. — 2) Nach Mythogr. Lat. 2, 69 p. 98 

Basis zeigt die 'Africa' in amazonenhafter Bode soll Libye ein anderer,Name der Arachne 

Tracht; ihre Haare fallen in gedrehten Locken (s. d.) sein. Ist vielleicht Lydie zu lesen? 
vorn über die Stirn, das' Haupt ist mit dem [Höfer und X.] 

Elefantenfell bedeckt, Matz-Buhn a. a. 0. 3, Libykos (Aißvwg). 1) Der Aißvnos &sög 

3624; — 3) auf dem Relieffragment einer Base bei Bionys. Per. 212 ist Ammon; vgl. Eust. 
sitzt eine Frauengestalt, nachr. gewandt, in tiefer 40 z. d. St. Libycus luppiter Ob. Ibis 313 und 

Betrübnis einem vor ihr stehenden Imperator Schol. 313. 491. Aißvg tu-kItjiiivos "Apjicov, 

gegenüber; sie ist in einen Ärmelchiton gekleidet, Nonn. Bion. 40, 392; vgl. 3, 291. Zsvg Aißvrie 

legt die R. in den Schofs und stützt den mit "Aupwv Xf-earjjcjpdeos Phaestus im Schol. Pind. 

Elefantenexuvien geschmückten Kopf auf die L. ; Pyth.i,1h. 9, 89. Libyae deus Hammon, 

es ist höchst wahrscheinlich die 'Africa capta', Auson. epigr. 95 p. 347 Peiper. — 2) Herculi 

Matz-Buhn 3, 3630. Vielleicht ist auch mit Libyco, Legende einer Münze des Kaisers Postu- 

Baumeister, Benkm. 12981. v. Sacken a. a. 0. 88 mus, auf der Hercules den in die Luft erhobe- 

die Taf. 27, 2 abgebildete Bronze, eine Figur nen Antaios erdrückend dargestellt ist, Eckhel, 

in Kleidung von fremdem, orientalischen Boctr. num. vet. 7, 443. Be Witte, Medailles 
Schnitt, die den linken Fufs auf den Kopf 50 inedites 344f. Taf. 9, 11. Cohen, Postume pere. 

eines Krokodils stellt, während sie mit trüb- 59. Vgl. Solinus 27 p. 121, 15 Mommsen: 

sinnig und nachdenklich gesenktem Kopfe die Africam ab Afro Libyis Herculis fdio dictum. 
Hände über den Schofs gekreuzt hält, die [Höfer.] 

stehende Libye (Africa) capta zu erkennen. Libyphoites 2 Die Glosse des Besychms: 

[Eine Marmorbüste der Africa in Broad- AißvcpohrjV zbv £iciyiv6fi,£vov (so Musurus) 

lands beschreibt Michaelis, Anc. Marbles in Alßvoiv. 'lößag hat man, wie Müller, F. H. Gr. 

Gr. Britain p. 222 nr. 19 als „A graceful Utile 3 p. 4751 Iubae fr. 38 bemerkt, auf Herakles- 

head, somewhat in the character of a Venus, bezogen, weshalb Müller auch übersetzt: „Aißv- 
inclined gently towards its own l. This head is (poitrjv, eum qui ad Libyes venu (Herculem), 
framed in abundant curly hair, which is duply 60 Iuba dixit." Schmidt liest statt smyivöfisvov: 

undercut with the drill. An elephant's hide lies snifiiyvvfiivov. Wie mir scheint mit Recht. 

on the hair . . . in thick furrows, the large ears Nehmen wir diese Änderung des handschrift- 

hang down at the sides. The fertility of that liehen to eTtiyxvfisvov an, so werden wir statt 
quarter of the world is indicated by the wreath AißvtpoLrrjv lesen AtßvyoCviyia. Iuba meint 
of com lying on the hide, and bound together wohl einen Mann von dem Mischvolk der Liby- 
behind by a piece of riband." Drexler.] Auf phöniker. [Drexler.] 

einem pompeianiBchen Wandgemälde aus Libyrnos (Aißvgvös) , Heros Eponymos der 

der Casa di Meleagro mit der Darstellung der Liburner und Erfinder der schnellsegelnden 



2043 Libys ^™ 2044 

Met. 3, 617. 676). üj/^n. faD- "*- öcu^ .j yolkg8age hat SophoMes in ael nen Trachime- 

AI. 6, 225; vgl ffi ^, i{y«_«ffl5rj W^e Ä zu verbergen, bis ein anderer 

dvyargis, Apoll. Mhod. 4, ld^ — , ' S -' ,:~ entdeckt- auch übersendet Deianeira dem 

1307 SctoZ. 1309 y W oeot ** «i I^o. ^ ge ent^ckt, aucb uoer e ^ 

^ß^ S , r) fe.^.^ «p«. ? w« W w« % und Herak Jes da «upwr, je Licha8 wurde ferner 

hohen ^pw»! Affeije) «CO» '«9««» bv xg Kies vergiftete Gewand, Arch. 

Agyti, sv XagdSoa ovxca y.alov[i,svcp roncp, ras ™ n " 1 f, 1 „. e 7 ,,7 TTfirW 1 Wirt kostbares 

Eur. ßacch. 989 Hofer.] [Drexler.] «*• 1 Pj,Sl -I 2) Sohn des Hallos nnd 

sehen) Flottenmannschaft am Vorgebirge Pachy- Ameias getöteter Latmer {Verg. *£™j" B >- 

»um durch die Pest, Macrol. Sath^U. . ^ L , 

IJhpatia , Tibvsatides Gemahl der Telethusa, welche ihre Tochter 

ssvää. 'ps&'S.iär. Ä*r=Ä ä 

„ M«r. 78. [Vgl «oh mr. ca. 1, 1., 3 I» ^J™^ Lmpt™ »nd ÄÄ 



2045 Ligeotes Liknites 2046 

Byz. TsQTjva und ZsiQrjvoveai. Solin, 8. heimischen Avlsärai. genannt wurden, dafs eine 
Eust. ad Bion. Per. 358. Schol. ebda. 3?8. solche Bildung des Ethnikon auf -eÖTrjg auch 
Tzetz. Chil. 6, 715. Schol. Rom. 12,39.8,254; bei den auf -tu endenden Wörtern nicht un- 
an letzterer Stelle heifst sie eine Muse. Münzen denkbar ist. Die weite Entfernung des kili- 
von Terina zeigen auf dem Obvers das Haupt der kischen Aigai von Epidauros würde nicht gegen 
Nymphe Terina, auf der anderen eine geflügelte meine Vermutung sprechen , da auch eine 
Frauengestalt sitzend mit KAnz und Caduceus, Widmung an den Asklepios des thrakischen 
oder stehend und einen Kranz gebogen mit Pautalia in Epidauros gefunden worden ist 
beiden Händen über dem Kopfe haltend, abg. ('JEqoJjft. ccqx- 1884 p. 23). Drexler.] [Höfer.] 
Cat. of greek coins Brit. Mus. Italy 386. 387; 10 Ligyron (AiyvQcav), Name des Achilleus, 
es ist wahrscheinlich die Seirene Ligeia, bevor er zu Cheiron gebracht wurde (Apollod. 
Eckhel, Boctr. num. vet. 1, 182 ; vgl. 1 13. Read, 3, 13, 6. Frgm. Sabb. suppl. im Bhein. Mus. 
Hist. num. 97. Höf'er.] [Vgl. Fr. Lenormant, 49 (1891) p. 618 zu 185, 26. Tzetz. Lyhophr. 
Gaz. Arch. 8 p. 292 f. — Avellinos (Opuscoli 1 178); s. Achilleus Bd. 1 Sp. 25. [Schirmer.] 
p. 182) Erklärung der Flügelgestalten auf Ligys {Aiyvg), Bruder des Alebion, Stamm- 
Münzen von Terina als Ligeia, welche er selbst vater der nach ihm benannten Ligyer. Als 
(p. 211) zurücknahm, wird verworfen von Herakles auszog, um die Kinder des Geryoneus 
Stephani, C. r. p. l'a. 1866 p. 50. Friedländer, zu holen, wollte ihm Ligys den Weg verlegen; 

A. Z: 1869 p. 101. Imhoof -Blumer , Numism. Herakles hatte schon alle seine Pfeile ver- 
Zeitschr.3 p. 18 ff., welche ebenso wie Wieseler, so schössen und rief in seiner Bedrängnis seinen 
Gott. Gel. Anz. 1873, 2 p. 1830 Nike erkennen, Vater Zeus um Hilfe an, und dieser liefs Steine 
während S. Birch, On the types of Terina, regnen, mit denen sich Herakles seines Gegners 
Num. Chron. nr. 26 p. 142 ff. an Iris denkt. erwehrte; der Kampf fand in der Nähe von 
Hinsichtlich des Grabmals der Ligeia bemerkt Massilia statt, und die Örtlichkeit hiefs infolge, 
aber Imhoofp. 19: „Will man aber Andeutungen des Steinregens X&ivOv niSov, Schal, und Eust. 
auf das Grabmal der Ligeia finden, so sind ad Bionys. Per. 76. [Vgl. E. Besjardins, 
solche nicht in den weiblichen Wesen, welche Ge'ogr. de la Gaule rom. 2, 58 ff. Drexler.] 
uns die Münzen von Terina vorführen, zu [Höfer.] 
suchen, sondern einzig in den Wassergefäfsen, Likmaia {AMfiaCcc) , Beiname der Demeter, 
und in der Quelle oder dem Brunnen, welche so weil sie das Getreide mit der Worfschaufel 
auf denselben Monumenten entweder als Sitz (hxfiog) reinigt, Biodoros Zonas in Anth. Pal. 
der Frau, oder neben derselben, oder auch -6, 98. Suid. s. v. Amiviog p. hl'iBernhardy. 
auf ihrem Schofse vorkommen". Drexler.] [Höfer.] 
[Vgl. Seirenen und Schröder, Bie Sirenen 19, Liknites (Aiyivitrig) , Beiname des Dionysos, 
46, 50. R.] — 2) Eine Nereide (Verg. Georg. Orph.hymn. 46, tit. u. v. 1, 52, 3. Hesych. (s. o. 
4, 336. Hyg. praef. p. 10 Schm.). [- 3) Bak- Iakchos Sp. 7 Z. 32 ff). Plut. de Is. et Osir. 35. 
chantin, Reydemann, Paris. Antik. 12. Hall. Serv. ad Verg. Georg. 1,166; vgl. Compte-rendu 
Winckelmannsprogr. p. 83. Drexler.] 1859 46ff. Stephani ebend. 1861 23. 25 Anm. 4 

[Schirmer.] und die Anm. 1 atigeführte Litteratur über die 
Ligeotes (Aiyemvrig), Beiname des Asklepios 40 erhaltenen Denkmäler, auf denen eine Mänade 
auf einer Weihinschrift aus Epidauros 'Aaiiln- und ein Satyr den jungen Gott in einem Liknon 
Kiwi Aiysmrrii b leqocpävtrig ■x.al [egsvg roü (Darstellung eines Imvov s. z. B. Schreiber, 
ÄatTJgos Mvaeiag . . . %at' ovaq, Baunaek, Bildwerke der Villa Ludovisi 46 p. 72) schwen- 
Studien 1, 99 nr. 62. — Kabbadias, Ephem. ken (iysiQsiv xbv AiKvhrjv, Plut. a. a. O.). 
arch. 1884 21 leitet den Namen von einem O. Jahn, Sitzungsber._ d. K. Sachs. Gesellsch. d. 
Orte (vielleicht AiyovQia, Aiysia, Aiysu), wo Wiss. 1861 p. 324. Über Münzen mit der Dar- 
Asklepios einen Tempel gehabt habe, ab und Stellung des Dionysos L. s. Imhoof- Blumer, 
zieht den Namen einer jetzt in Trümmer lie- Abhandl. d. philos. Klasse d. K. Bayr. Akad. 
genden Burg AiyovQiö (ungefähr eine Stunde d. Wiss. 18 (1890), 602. Vielleicht ist auch 
von dem Asklepiostempel in Epidauros ent- 50 mit C. Müller bei Ps.-Kallisth. 1, 46 p. 52 ö de 
fernt, vgl. auch Ghandler, Reisen in Griechen- (Zeus) jieoov tov nvqbg xöv siQacpitaTnv dnwirj- 
land, Leipzig 1777, 316 f.) hierher.' [Die von os v Xivio %r\ v zu schreiben \mvtxr\v. [S. auch 
Kavvadias vorgeschlagene Erklärung findet Voigt oben 1 Sp. 1043. Luebbert, Be Pindaro 
Wide, Be sacris Troezfiniorum , Hermionen- theolßgiae Orphicae censore. Bonn. Ind. Lect. 
sium, Epidauriorum. Upsaliae 1888 p. 56 mit 1888/89 p. 13 f. H. Heydemann, Bionysos' Ge- 
recht wenig wahrscheinlich. Mit aller Reserve burt u. Kindheit. 10. Hall. Winckelmannsprogr. 
sei die Vermutung gewagt, dafs der Beiname 1885 p. 52. 55. Dionysos, in der Wiege sitzend 
Alysätrig lautet; der Mittelstrich des A mag erscheint aufser auf den von Imhoof a. a. O. 
> entweder durch die Zeit verwischt oder von und von Wroth, Cat. of the gr. c. in the Brit. 
dem Verfertiger der Inschrift vergessen worden 60 Mus. Ponius etc. p. 157 nr. 35 PI. 32, 7. p. 158 
sein. Eine besonders berühmte Kultusstätte des nr. 43 PI. 32, 14 angeführten Münzen von 
Asklepios war das kilikische Aigai, s. Eckhel, Nikaia auch auf einer Münze des Severus 

B. N. V. 3 p. 37, dessen Bewohner freilich Alexander von Magnesia am Mäander, Head, 
nach den Münzen Alyeawi. heifsen, wie denn Cat. of the gr. coins of Jonia p. 168 nr.. 68. 
nach Steph. Byz. s. v. AvlaC die Wörter auf Drexler.] [Vgl. auch Bd. 2 Sp. 1617/18 Abb. 4, 
-at das Ethnikon gewöhnlich nicht auf -mtjjs wo der kindliche Dionysos in seinem Liknon 
bilden. Doch zeigt eben das Beispiel des kili- auf einen Thron gesetzt erscheint und • von 
kischen Aulai, desfeen Bewohner von den Ein- Korybanten umtanzt wird. Röscher.] [Höfer.] 



2047 Likymnios Lilleus 2048 
Likvmnios (M«vu,vlos), Heros eponymos von solle nur für die Sühnfrist eines Jahres den 
LikymnTder AkropoHs von Tiryns ( Strabon Ort meiden; da sie ihn jedoch hierzu nicht 
8 37?) Öheim des Herakles {Hai. II. 2, 662), bewegen konnten wanderten sie mit ihm aus. 
Halbbruder Ter Alkmene als Sohn des Elek- Eurystheus' Einladung nach Tiryns befurwor- 
trvon und der Mideia (einer Phrygerin nach ten sie und werden daher, als Herakles 
KU 2 4 5 4 Seil. Find. Ol. 7, 36. 46. ihrem Rat folgend dahin gezogen irt bald 
49 50) Sein Grab ward noch in später Zeit mit Eurystheus befreundet. Nach *to, 
[n Argos gepflegt und verehrt, Pausan. 2, 22, 8. 38 2 gingen Likymnios und Maos als He- 
Plut plrrh 34; und fest haftete hier die alte rakles unter dem vergifteten Gewände litt, 
WedafsTlepölemos ihn erschlagen und eben 10 zum delphischen Orakel und brachten von 
dfeses Mordes wegen nach Rhodos habe aus- dort die Weisung über die letzten irdischen 
wandern müsseT Schon Homer II. 2, 662 Pflichten des Helden. As Herakles gestorben, 
wefft davon zu e rz ählen, ausführlicher so- teilt dann Likymnios mit seinen Kmdern das 
dann PMar Ol 7, 27 ff. im aufwallenden Geschick der Herakliden: mit diesen siedelt 
Zorn hatte Tlepolemos ihn mit einem Oliven- er nach Trachis über mufs auf Eurystheus' 
stecken letroffen in Tiryns, gerade als er kam Drängen (Diod. 4, 57, 3) von dort weiterziehen, 
aus Mideas Gemächern (die Scholl, schwanken, wird in Athen aufgenommen und macht den 
ob aarunte dTr Palast seiner Mutter, oder, ersten Heraklidenzug mit; eine Weile nach 
wie oTZJlO 66, der Ort Midea zu verstehen diesen Ereignissen wird er mit seinen Kindern 
S- hXhXi.5,58,7. Schal. Pind. 02.7,46 20 und Tlepolemos, während die übrigen Hera- 
uf wo von einem Streit ««,;«,«., r^&v kliden der Heimat fernbleiben müssen von 
die RedTist Nach anderen war die That ein den Argxvern freiwillig aufgenommen (Dtod 
unfSlSer Totschlag, JDeinias Fr. H. G. 3, 4, 58, 5) und findet bald darauf seinen Tod 
25 fi Derkulos Fr. H. G. 4, 387, 2. Schal. Pind. (4, 58, 7 . Ähnlich lost Apollod 2 8, 2 die 
Ol 7 48 50 Biädor t 59, 5 vielleicht nach chronologische Schwierigkeit dafs Likymnios 
VI. 7,4a. ou. ■" m ""' ' ' v . T i eD0lem0g einerseits in Argos sein Leben beschliefsen, 
fX W m\ sSm^ eS'en 'nur ein' RindTS. andererseits doctf das Schicksal der Herakliden 
pSd OV 7 3 4™ ; vgl. Elektryons Tötung durch teilen mufs ; er verlegt das Lebensende m die 

Sf SZ v n 'L?kymnts Si 1Üiefet' wird, ischen Dramas 'Likymnios' bildete läfst sich 

steht entweder mit Herakles' Thaten im Zu- nicht entscheiden, Welcher, Gr. Trag. S. 696 f. 

ammenhrn? od« ergiebt sich aus der Korn- Nauck, Trag. Gr. fr. 473 - 479 ; die von Har- 

WMon mit anderen Sagen. Bei dem Einfall tung, Eurip. restit 1, 534 vermutete Beziehung 

def ShSr der in seine erste Jugend fiel, als zur 'Alkmene' ist haltlos, s Engelmann, Bei*. 

der eir£e Sohn Elektryons gerettet (Apollod. zu Euripid., Progr. d Friedrichs -Gymn. Berlin 

2 4 Hfwar er nach dem Tode seines Vaters 1882 S.U. Selbst die Notizen, die sich aus 
mit Amphitryon und Alkmene nach Theben 40 Aristoph. Vög. 1242 nebst Schal und Eesych 

gewanÄ und hatte sich dort mit Amphitryons AxWo« flolafc ? u ergeben fernen smd 

Srhw P sterPerimedevermählt(4poZZo<i2,4,6,6 . unsicher, vgl. Kallm. fr. 100 d, 3. v. Wilamo 

Setne Söhne Xren Oionos, der Sieger bei den wüz - Möllendorff, Observationes cr t t «« cor,i. 
von Herakles gefeierten olympischen Spielen Gr. sei. p. 12 f. Nauck 1 rag. Gr. /*•» P- ™. 
(Pind Ol 10 65), dessen Ermordung durch [Stephani, Der ausruhende Herakles p,222-224 
(Tina ui. iu ooj, u des Herakles eesen will ihn wenig wahrscheinlich auf einem viel 
Hippokoons Sohne .den Zug ^des^Herakles gegen verscMe | en edeutet en Vasengemälde 

Lakedaimon veranlaf e (^fcman /r. 15. Mu ^ ^ inM pL m ^ghirami 

f 33 5 f p!us\ isTAtQuaest. Born. 90. Vasi ßtüi Tav. 248. KO. Müller, Gott. Qu. 
Schal Pind Ol '10 76 Eustath. Eom. p. 293, 14), 50 An. 1834, 1 p. 182. Fnedenchs Praxtteles 
ferner Arge os und Mlfas , die, von Herakles und die Niobidengruppe?. 117 S vgl. Stepham 
■ auf den Zugegen Eurytos mitgenommen, vor Mel. greco-rom. 2 p. 31 fl. und C. r. p. la. 1860 
^\i*Ti a r4r:nllnJ'i'll£welckerEr>. p. 80) erkennen. Drexler.] [Jessen.] 
S a i a 232 vÄgSo.' berioEÄ " Lilala ( AW) , 1) eine Malade Tochter des 

nios, der seinen Sohn nicht ziehen lassen S. 35). - 2) Line Mainade (O. J. WjW ^*«;.. 

wollte er werde ihn sicher wieder heim- 60 ,,••■,• u l TT L, 

mhren- da Tun Argeios gefallen, verbrannte Lilaios (Aücuos), ■ em indischer Hirt der 

S; die Teiche und" führte, den Schwur von allen Göttern nur die Seene durch nacht- 

Heiakles die Leicne unu ^ Feier ^3 Die aierabe r erzürnten 

zu erfüllen wenigstem die AscM «™ schickten zwei gewaltige Löwen die 

JrThe^^^Ät JV-LltL^. den Lilaios zerrissen; Selene aber verwandelte 

Fr Ä ff 3? 369, 20: als Herakles nach der ihn in den Berg A(l<uov. PseMo-Plut. de fluv. 

Tninnff spinp'r Kinder Theben verlassen wollte, 24,4. [Höfer.] 

redeten flnu^pÄ und Likymnios zu, er Lilleus? Auf Grund der Inschnft C. I. L. 8, 



2049 Lima Linmatis 2050 

4673 Lüleo. Aug. \ pro. sälute. imp. Caefs] \ (Wassernymphen) bei Artemidor. 2, 38; vgl. 
M. Aureli. Severi [AJ\lex[andri AugJ | u. s. w. 2, 34, wo sie unter den &sol daXäeeioi auf- 
führt Mommsen im Index S. 1084 zweifelnd gezählt werden; vgl. Krenai. [Höfer.] 
einen Gott Lilleus Aug. an. [R. Peter.] Limnaia (Aifivaia) , Beiwort der Artemis 

Lima s. Indigitamenta. wegen ihres Waltens an Seen und Sümpfen. 

Linien (Aifirjv). Nach Boberts Vermutung Unter diesem Beinamen wurde sie verehrt in 
Areh. Zeit. 35 (1877), 3 ist auf den zwei Bil- Sikyon, Paus. 2, 76 und am ambrakischen 
dem Heibig, Wandgemälde 1018 (Atlas Taf. IIa) Meerbusen; Polyb. 5, 5. 6. 14. Von Sparta be- 
und 1019 in der vom Beschauer abgewandten, richtet Paus. 3, 14, 2: snavil&ovei ^ Ss omaco 
dem Flufsgott (Sarnus?) zugewandten Jung- w itgbg xr\v Xea%rjv sexiv 'Agtifiiäog 'iaacägag isgöv . 
lingsfigur eine Personifikation des Hafens, tnovoaä^ovai äs avtrpi nal Aifivaiav , oveav 
wahrscheinlich desjenigen von Pompei, zu er- ovn AQxefiiv, BQizöfx,aQxiv Ss xrjv Kgrjxäv. 
kennen. Vgl. den als weibliche Figur dar- Doch vermutet Wentzel, 'Emy.Xr[eeig &smv 6 
gestellten, durch Insehriftreste bezeichneten p. 16 und ihm folgend Wide, Lak. Kulte p. 109, 
Portus (Traiani) auf einem Sarkophagrelief, dafs die Worte nach Isqov nicht zur Lokal- 
der in der erhobenen R. einen Leuchtturm periegese gehören, sondern aus einem mytholo- 
mit oben brennender Flamme hält, unten ist gischen Handbuch stammen, worin "Agxsfiig 
Wasser, und auf diesem das andeutende Vorder- 'laamgia, Aifivaia und Bgixöfiagzig zusammen- 
teil eines Schiffes, Matz-Buhn, Ant. Bildw. standen. Über das Walten der Artemis über 
in Born 2, 3095. S. Lokalpersonifikationen. 20 die Gewässer und ihre Verehrung an den- 

[Höfer.] selben s. u. a. Streber, Numismata nonnulla 

Limenia (Aifiivia), Beiname der Aphrodite Graeea ex Museo Begis Bavariae hactenus 

in Hermione, wo sie auch noch JJovxia hiefs, minus accurate descripta p. 138 ff. Schreiber 

Paus. 2, 34, 11. [Höfer.] oben 1 Sp. 559 — 561. Claus, De Bianae anti- 

Limenios (Aifieviog), Beiname des Zeus (= quissima apud Graecos natura p. 60—64. Jos. 

Xift.svoev.6itog). Vita Arati p. 275 c Petav. Murr, Die Gottheit der Griechen als Natur- 

[Roscher.] macht. Innsbr. 1892 p. 21 f. Boscher, Selene 

Limenitas (AifisvCxag), Beiname des Priapos und Verwandtes S. 51 f. Um nur ein Bei- 

(s. d.) Leonid. Anthol. Pal. 10, 1, 7. Vgl. den spiel anzuführen, so sind vor einiger Zeit In- 

Priepos 'svogfiixrjg bei Antip. Sid. ib. 10, 2, 8 30 Schriften bekannt geworden, welche ihre Ver- 

und Agath. Schol. ib. 10, 14, 9, den novxofis- ehrung an den Seen Egerdir Göl und Hawiran 

äwv «Kt bgfioäorrjg Ilg. bei Theaet. Schol. ib. Göl in Pisidien, im Altertum vermutlich Aifivai 

10, 16, 11 u. s. w. Wahrscheinlich ist auch genannt, belegen, s.Bamsay, The graeco-roman 

Anthol. P. 10, 17, 1 Priapos (oder Fan) ge- civilisation in Pisidia, Journ. of hell. stud. 4 

meint (s. Jacobs z. d. St. u. z. 6, 105, 1). 1883 p. 23—25. Eist. Geogr. of Asia Min. 

[Röscher.] p. 409 ff., sowie bei S. Beinach, Chroniques 

Liinenitis (Aifisvixig), wohl Epitheton der d'Orient p. 317. Sterrett, The Wolfe Expedition 

Artemis bei Apollonides Anth. Pal. 6, 105, 1; to Asia Minor, p. 226 ff. Vgl. Limnatis. 

vgl. Jacobs z. d. St. [Koscher.] [Drexler.] 

Limenoskopos (AifitvoaY.önog) , Beiname 1) to Limnaios (Aipvaiog), Beiname des in Limnai 

der Artemis, Kallim. hymn. 259; vgl. 39 [und verehrten Dionysos {Nver\iov zJtös Aiövveov 

zu beiden Stellen Spanheims Kommentar in sv Aifivatg la%riaafisv, Arist. ran. 217), 

Ernestis Ausgabe 2 p. 196 ff. p. 360 f. Drexler.]. Kallim. beim Schol. zu Arist. a. a. ü. Phano- 

AufMünzenvonMassilia,Obv.HauptderArtemis, demoshei Athen. 11, 465a. 8,363b. Steph. Byz. 

Rev. Seekrebs, abg. Saussaye, Numism. de la s. v. Aifivai. Eust. ad Hom. II. 871, 41. Nonn. 

Gaule Narbonnaise pl. 1, 6 — 10, will Read, Dionys. 27, 307; vgl Thuk. 2, 15. Demosth. 

Hist. num. 7 die Artemis L. erkennen; Creuzer, 59, 76. Isaios 8, 35 u. den Artikel Lenaios. 

Symbolik 2, 171 zieht hierher auch die a. a. 0. Mommsen, Heortologie 362 Anm. 2. Über die 

1 Taf. 5 nr. 7 abgebildete Münze der Bruttier, neuesten Ansetzungen des Bezirkes iv ACfn.va.ig 

die auf der einen Seite das Haupt einer Göttin 50 vgl. Poland, Bas Prytaneion in Athen, Festschr. 

mit dem Seekrebs und daneben die Wasser- für Lipsius (1894), 82 ff. S. auch Wochenschr. 

schlänge, auf der anderen den Seekrebs allein f. klass. Philol. 1894 S. 581. [Höfer.] 

zeigt. [Head sagt aber nur: „The crdb may be Limnatis, Limnetis (Aifj.va.Tig, Aifivrjxig), 
here a Symbol of Artemis as the Protectress of Beiname der Artemis, gleichbedeutend mit 

Ports Aifisvoaiiöxog." Im übrigen vgl. über die Limnaia (s. d.), Artemidor 2, 35. Pap. Paris. 2853 

Artemis von Massilia A. Brückner, Hist. rei- (lifivixi) = Wessely, Hymn. in Bian. vs. 35. 

publica« Massiliensium. Gott, 1826.4°. p. 47—50. Anth. Pal. 6, 280. Häufig führt die Göttin 

L. Geisow, Be Massiliensium republica. Bonn den Beinamen nach ihrer Verehrung an einer 
1865. p. 42 f. Drexler.] — 2) des Apollon in bestimmten Örtlichkeit, welche wegen ihrer 

Kephallene, Antipater in Anth. Pal. 10, 25; 60 sumpfigen Natur den Namen Aifivai, erhalten 

— 3) des Zeus, Kallim. fr. 114 p. 383 Schneider. hat. Das bekannteste Heiligtum ist das zu 

[Höfer.] Limnai an der Grenze von Lakonien und Messe- 

Limentimis s. Indigitamenta. nien, Paus. 3,2,6. 4,4,2. Strabo 8, 362. Tac. 

Limi s. Indigitamenta. Ann. 4, 43. Die Reste desselben hat Boß, 

Limnades (Aifwaäsg), Beiname gewisser • Reisen und Beiserouten durch Griechenland 1 

Nymphen, Theökr. 5,17. [Höfer.] p. 1 ff. in einem nördlichen Seitenthal des Nedon 

Limnai (Aifivai), Personifikationen der Seen bei der Kapelle der Ilavayia BmXifiviäxiaaa 

neben noxapoC, Nvfiyai, und 'EcpvdQiäig am Fufse des Berges Btöhfivog entdeckt. Paus. 

Eoscheb, Lexikon der gr. u. röm. Mythol. II. 65 



i 



2051 Limnatis Lindia 2052 

4, 4, 2 nennt die Göttin "A^zsuig nuXovpein) auf dem Wege von Boiai nach Epidauros 

Aipväzi.g, Tacitus Diana Limnatis, die In- Limera im Gebiete der letzteren Stadt, Paus. 

Schriften bei Le Bas-Foucart, Pelop. nr. 297 3, 23, 10. Wide a. a. 0. p. 106; in Tegea, 

—300 bezeichnen sie als fti-a Aiftväxig (bez. Paus. 8, 53, 11. Immerwahr, Kulte u. Mythen 

299 &ea Aeiaväxig). Limnatis absolut wird Arkadiens 1 p. 152. 155; in Patrai, Paus. 7, 

sie genannt in der Inschrift eines Bronze- 20, 7. Wide a. a. 0. p. 348 Anm. 1. Baoul- 

beckens im Berliner Antiquarium (OticoqIs Bochette, Journ. des Sav. 1836 p. 617. Für 

dve&rjKS Aifiväxi), welches Fränkel aus dem Troizen findet sie Fränkel a. a. 0. p. 29 durch 

berühmten Grenzheiligtum stammen läfst, s. das Schol. zu Eurip. Hippol. 1133 (Ai'avr] 
Fränkel, Weihgeschenke an Artemis Limnatis 10 xönog TQO^rjvog ['Aztitfis] sv&ct Aipväxig 

und an Kora, Arch. Zeit. 1876 p. 28ff. Taf. 5. "A^xsuig naXeixai, vgl. Schol. zu vs. 228) nicht • 

Bohl, Inscr. Gr. Amt. 61. Cauer, Del. 2 6. genügend belegt. [S. besonders auch Ad. 

Wide, Lakon. Kulte p. 104. Eben diesem Wilhelm, Athen. Mitt. 16 (1891), 350 und 

Heiligtum weist Fränkel zu die von Le Bas Anm. 2; vgl. ebend. 7 (1882), 168 Anm. 2. 

in Misthras erworbenen in Le Bas-Foucart, Höfer.] [Drexler.] 

Pelop. 161. 162 unter Sparta verzeichneten Limne (Aipvjj), Mutter der sogenannten 

Bronzegefäfse mit der Aufschrift Aipväxig und Melampygen, lügenhafter und geschwätziger 

II . . . v&ig dve&sxe xät Aipväxi. Vielleicht Menschen; sie hatte ihre Söhne gewarnt, je- 

darf man von dort auch stammen lassen ein mala einem SaavTtQmtivog zu begegnen. Als 
Terracottagefäfs im Museum der archäologi- so sie nun einst auf Herakles stiefsen, wurden aie 

sehen Gesellschaft in Athen mit der Aufschrift von ihm gefesselt ; als Herakles Bie aber dabei 

At,fivcctiog, M. Collignon, Cat. des vases peints lachen sah, fragte er nach der Ursache. Sie 

du musee de la soc. arch. d'Athenes. Paris 1878 teilten ihm die Warnung ihrer Mutter mit, und 

p. 210 nr. 793. In Aiavdziog wird man den lachend entliefs er sie, Apostol. 11, 19. Suid. 

Genetiv von Aifiväztg zu sehen haben, wie in MsXafntvyov. S. d. Art. Kerkopen, bes. Sp. 1168, 

Aiaväti den Dativ. — In Messene wurden 58ff. Sp. 1171, 67f. [Höfer.] 

gefunden die Inschriften Le Bas-Foucart, Pelop. Limnoreia (AipvwQiiu), eine der Nereiden 

311: | ScateXrig | d<>%ol | Aipvdzi | isqu- (s. d.): II. 18, 41. Apollod. 1, 2, 7. Suid. Eust. 

xevoccvze [= Athen. Mitt. 16 (1891), 351, 3; z. II. p. 1130, 61: A. äh naQ(ävv\iog Xi\x,väy v.al 
— ebend. 349, 2 findet sich auf einer Frei- 80 oqsav, d SriXaärj noXXa%ov &dXcteouv vnogvovei. 
lassungsurkunde die Widmung xäi Aijiväzi. [Röscher.] 
Höfer.] u. 311a: A nöXig I a zäv Meeea\yi(ov Limopoios (Aiaonoiög) , Beiname des Zeus, 
$Xuoviuv KXsL . . .\t]dv tsQiiuv Aifiv[dviSog Euseb. praep. ev. 6, 7, 37. [Höfer.] 
'AgziaiSog Kam ys[vog \ ägi-zäg v.al si)ys[j>s7as Limos (Aipög), der peraonificierte Hunger, 
%uqiv. Foucart vermutet, dafs der Kultus nach Sohn der Eris (Hesiod theog. 227 ;_vgl. Verg. 
Messene aus dem berühmten Grenzheiligtum Äfft. 6^276, .Q»...Met ! _8 J _790ffi). Ihm war bei 
übertragen worden ist. Danach nr. 311a das einer"Himgersnot das Aifioi neSiov bei dem 
Priestertum der L. in Messene in einer Familie Prytaneion in Athen geweiht worden (Hesych. 
erblich war und von einer Frau bekleidet s j. JPhit. prov. 30. Zenob. 4, W.JDiogen, 6,13.. 
wurde, vermutet er, dafs die in 311 genannten 40 Apost. 10, 69). [Bekker, Anecd. 278, 3ff. — 
Priester nicht dem Heiligtum in Messene, son- Bei Luc. Tim. 3 erscheinen in seinem^ Gefolge 
dem dem an der lakonisch-messenischen Grenze IJsvia, Ilovog, Kagzegia, Zoqiia und AySgsia. 
angehören. In Innern von Messenien erwähnt S. ferner Godinus p. 60 ed. Bonn. AJkiphr.Ji, 
einen Ort Limnai mit Tempel der Artemis 6fii. e( (*ij dga . xoig^ (jrv yvvcu'oig 'AtpqoSiz^ 
Limnatis Paus. 4, 31, 3. — Das messenisch- itoXiov%og, xolg de dvS^üaiv b Aipbg v.u&i- 
lakonische Grenzheiligtum der Artemis L. hält Sqvxcli. In dem Tempel des Apollon zu Sparta 
E. Curtius, Studien z. Gesch. d. Artemis p. 4 war dargestellt Aifibg i%e>v yvvaiv.bg tiOQcprjv, 
für „ein filial der Limnatis am Eurotas". Athen, 10, 452b. Höfer.] . [Schirmer.] 
Umgekehrt läfst Strabon 8, 362 nach Limnai Limyros (Aifivgög). Der Ftafsgott L. er- 
im Taygetos das Limnaion in Sparta benannt 50 scheint gelagert und durch Umschrift kennt- 
sein {inb äs xmv Aifirmv xovxcov xal xb h lieh auf einer Münze des Gordianis von Limyra 
tfl SnÜQzri Aijivcciov el'grizui zijg 'Agzeuiäog in Lykien, Eckhel, D. N. 3, 4. Head, Eist. 
[squv). Gestützt auf diese Notiz behauptet www. 577. [Mi. 3, 436, 30. Cat. Ivanoffy. 49 
Wide, Lakon. Kulte $. 116: „Strabon berichtet, nr. 440. Nach dem von Babelon, Bev. num. 
dafs in Sparta Artemis Aiaväxig ein Heiligtum 3« se'r. 11, 1893 p. 332 nr. 9, PI. 9, 7 mitgeteil- 
hatte"; und Welcker, Gr. Götterlehre 1 p. 584 ten Exemplar hat er auf dem Haupte Hummer- 
(vgl. Bofs a. a. 0. p. 21. Le Bas, Bev. arch. scheren. Ohne die Beisehrift AIMYPOC er- 
1844, 2 p. 721) läfst die Limnatis in Sparta scheint er auf einem Exemplar der Sammlung 
den Namen Orthia führen, offenbar, weil Paus. Whittall, Cat. Whittall 1884 p. 76 nr. 1190. 
3, 16, 7 bemerkt: xb äe %wq(ov xb enovofia- 60 Drexler.] [Höfer.] 

gofisvov Aipvaiov 'Ogfriag tegov iaziv Agzifiiäog. Lindia (AivSia) , Beiname der Athena von 

Hiergegen erheben mit Recht Einspruch Foucart der rhodischen Stadt Lindos, C. I. G. 2103 c 

a. a. 0. zu nr. 162 a und Fränkel, A. Z. 1876 = Latyschev, Inscr. orae sept. Ponti Eux. p. 217 

p. 30. Letzterer bemerkt sehr richtig, dafs nr.243; ferner Corr. hell. 9 p. 106 nr. 9; p. 109. 

aus dem Vorkommen des Ortsnamens Lim- 10 p. 264 nr. 1. Hypoth. Schol. Find. Ol. 7. 

naion in Sparta noch nicht auf einen Kultus Ael. nat. anim. 9, 17. Meliteniotes 1735; vgl. 

der A. Limnatis daselbst zu schliefsen ist. — auch Sehneidewin zu Biogen. 8, 4. ^ Öfter fin- 

Ferner besafs Artemis Limnatis Kultusstätten den sich Widmungen A&dvcu AivSicu %al ACi 



2053 Lindos Linos (argiv. Sage) 2054 

noXiei, Corr. hell. 9, 97. 102 nr. 4. 5. 103 nr. 6. Linoslied 1862. [Manrihardt, Wald- u. Feld- 
Corr. hell. 10, 264 nr. 2; vgl. auch Corr. hell. 9, kulte 281 ff. B.] [Datier, Mem. d. l'Ac. d. I. 
85. 10, 266. Arch.-epigr. Mut. aus Österr. 7 et B. L. 47, 1809 p. 289—293. J. Stammer, 
(1883), 130. 136 nr. 70, sowie Bofs, Inscr. De Lino. Diss. Bonn. 1855. Kalkmann, Paus, 
ined. 3, 271. Auf einer anderen rhodischen p. 227—29. Baudissin, Stud. z. sentit. Beli- 
Inschrift werden Ilava&avaCazal Aiväiaezai gionsgesch. 1 p. 302—304. Drexler.] 
erwähnt Bofs a. a. 3, 282 Der hochbe- axgivische Sage, 
rühmte Tempel der Athena Lmdia (Plut. Marc. • & & j 
30. Anth. Pal. 15, 11. Paus. 10, 28, 4. Bofs, die entschieden das altertümlichere Gepräge 
Arch. Zeit. 2 (1844), 304. 9 (1851), 282f. und 10 zeigt, bei Paus. 1,43,7: Linos, Sohn des Apoll 
Taf. 35) galt entweder für eine Stiftung des und der argivischen Königstochter Psamathe, 
Danaos, Apollod. 2, 1, 4. Diod. 5, 58. Schol. wird von seiner Mutter aus Furcht vor ihrem 
Hom. II. 1, 42, oder der Danaiden, Herod. 2, Vater Krotopos ausgesetzt und von Hirten- 
182. Strabon 14, 655. Eust. ad Hom. II. 315, hunden des Königs zerrissen (Schol. Hom. II. 
16. Nach Ed. Meyer, Forschungen z. a. Gesch. 18,569 Dind. Kallimach. frgm. 315, nach- 
1, 82, 3 stammt diese Erzählung von der Lan- geahmt bei Ovid in Ibin 478). Apoll sendet 
düng des Danaos und seiner Töchter in Lindos aus Zorn ein ungeheuer (Poine), das den Müttern 
vielleicht aus Hesiod. Zum Athenakultu's auf die Kinder aus dem Schofse reifst. Koroibos 
Lindos, der mit der Wegführung des Kult- tötet die Poine; da schickt Apoll eine Pest, 
bildes durch Theodosius aufhörte, s. Arch. Anz. 20 die erst aufhört, als Koroibos freiwillig nach 
zum Jahrb. 8 (1893), 132 f. Das Bild der Athena Delphi geht und sich dem Gott zur Strafe dar- 
selbst war ein Werk der Bildhauer Skyllis und bietet. Pythia verbietet ihm, nach Argos zurück- 
Dipoinos und von dem ägyptischen König zukehren; er mufs einen Dreifufs aus dem Tem- 
Sesostris dem Tyrannen von Lindos, dem Kleo- pel nehmen und tragen, bis er ihm entfällt; 
bulos, zum Geschenk gemacht worden, Georg. an dieser Stelle soll er einen Tempel für Apoll 
Cedren. 1, 564. Der König Amasis sandte als bauen und dort wohnen. So gründet Koroi- 
Geschenk für die Athene in Lindos zwei stei- bos Tripodisköi in Megaris. Auf dem Markte in 
nerne Statuen und ein feines linnenes Panzer- Megara war sein Grab, darauf eine Elegie auf 
hemd, Herod. 3, 47. Plin. n. h. 19, 1. 2. 12. Psamathe und Koroibos (Anth. Pal. 7, 154; die 
Ael. a. a. O. A. Wiedemann, Gesch. Ägypt. 185. so Verse sind aber verhältnismäfsig jung, vgl. oben 
Auch auf der Insel Karpathos, besonders in Keren nr. 42) und ein Bild, darstellend die Tö- 
der Stadt Brykonte, wird Athena unter dem Bei- tung der Poine durch Koroibos. Dies Bild be- 
namen Lindia verehrt, Corr. hell. 4, 278 nr. 10. zeichnet Paus, als das älteste griechische Werk 
8, 355, eine unedierte Inschrift spricht von aus Stein, das er gesehen habe (vgl. die Ar- 
einem Tempel der Athena L. in einer der tikel Krotopos, Koroibos und Keren nr. 41). 
Städte von Karpathos, Corr. hell. 4, 279, und Nach Konon 19 wird das Kind von einem 
auf einer Inschrift aus Pompeiopolis findet Hirten aufgezogen (Kallimach. fr. 11 Bergk), 
sich ein Priester t% DoXiäSog ncä AivöCag, aber von Hunden zerrissen (als Namen des 
Corr. hell. 4, 76; vgl. Bofs, Arch. Aufs. 2, 686ff. Hirten überliefert Lactant. Plac. ad Stat. Theb. 

[Höfer.] 40 1, 581 Helenus; die richtige Lesart der Stelle ist 

Lindos (AivSoq), Sohn des Kerkaphos, Enkel von Kiefsling nach Codd. Monac. hergestellt), 

des Helios, Bruder des Ialysos und Kameiros, Krotopos tötet seine Tochter (Ovid Ib. 576), 

Gründer der gleichnamigen rhodischen Stadt aber Apoll schickt eine Pest. Das Orakel 

(Find. Ol. 7, 137. Diod. 5, 57. Steph. Byz. giebt den Bat, dafs Weiber und Mädchen Psa- 

s. v.). [Seine Mutter heilst Kydippe , Strabon mathe und Linos versöhnen sollen, was durch 

14, 654. Schol. Pind. Ol. 7, 34. 135; vgl. 131. Gebete und &qtjvoi geschieht, in denen sie 

140 oder Lysippe, Eust. ad Hom. II. 3l5, 28; jene und ihr eigenes Geschick beklagen. Dieser 

vgl. auch Cie. de nat. deor. 3, 21, 54. Annali &Qnvog sei so berühmt geworden, dafs von den 

1841, 146» Nach anderer Sage hatte Tlepole- späteren Dichtern als Ttavzbg nd&ovg nagsv- 

mos (s. d.) die drei rhodischen Städte Lindos, 50 ö'/jxt) Linos gesungen wurde. ^ Auch ein Fest 

Ialysos und Kameiros nach gleichnamigen und Opfer wird eingerichtet (ägvig), bei dem 

Töchtern des Danaos benannt, Strabon a. a. O. alle Hunde erschlagen werden, die man antrifft 

Eust. 315, 14. Über den Zusammenhang des (v.vvorpövzig bei Athen. 3, 66); der Monat wird 

Danaos mit Lindos s. ob. d. Art. Lindia. Höfer.] 'Agvslog genannt (vgl. auch Klearch bei Aelian. 

[Schirmer.] hist. anim. 12, 34: iv äs zotig fiiisQaig, ag *k- 

£. Lingeus (Aiyyevg) = Lynkeus (s. d.), der Ge- lovoiv aQvrjiSag oi uvzot, iav *vq>v ig zr)v 

mahl der Hypermnestra, Apost. 13, 29. [Höfer.] äyogav nagaßälri, dvaigovaiv avzöv). — Da 

Linonoe (Aivovöri), zweifelhafter Name einer das Übel trotzdem nicht aufhört, verläfst Kro- 

Mainade — andere lesen Aivovör\ — Welcher, topos auf einen Orakelspruch hin Argos, grün- 

Annali 1829, 399. [Höfer.] 60 det Tripodiskion und siedelt sich dort an. — 

Linos (ACvog; l ist als falsch zu ändern, wo Welcher hält Krotopos hier für einen offen- 
es sich noch findet). Litteratur: 0. Müller, baren Irrtum statt Koroibos; der Irrtum liegt 
Dorier* 1 p. 349 ff. Ambrosch, De Lino. Berlin aber schwerlich in einer einfachen Namens- 
1829. Welcher, Kl. Schriften 1 p. 8ff. und Allg. Verwechslung, sondern Konon erzählt den 
Schulzeitung von Zimmermann 1830 nr. 2—5. Schlufs überhaupt abweichend. 
Lasaulx, Die Linoshlage. Würzburg 1842. Statius Theb. 1, 562 ff. stimmt mit Paus. 
Preller in Pauly's, Bealencykl. s.y. u.MythoUl Erzählung überein, doch läfet er den Schlufs 
p. 377 ff. Brugsch, Die Adonisklage und das (Gründung von Tripodisköi) fort; Apoll schenkt 

65* 



2055 Linos (theban. Sage) ' Linos (theban. Sage) 2056 

bei ihm dem Koroibos das Leben. Erwähnt Pieros als Vater wird beim Schol. Hesiod. p. 32 
wird von ihm die Tötung der Tochter durch Gaisf. genannt. Endlich noch Hermes und Ura- 
Krotopos, wie bei Konon; er malt die Poine nia (Diog. Laert. prooem. 4 und Suidas a.a.O., 
aus und nennt auch des Sirius verderbliche vermutlich nach ffenwodor, vgl. JVai. Com.-p.36l), 
Dünste. Die Trauer Apolls um Linos' Tod zweifellos eine ganz späte genealogische Spie- 
beschreibt Silv. 5, 5, 55. Ovid lälst den Vater lerei, worüber später. — Infolge dieser grofsen 
der Psamathe durch Apoll sterben (Ibis 575). Verschiedenheit in den Genealogieen wird 
Bei Natalis Comes p. 351 endlich ist Psa- schliefslich eine Differenzierung in mehrere 
mathe eine Nymphe, Tochter oder Enkelin des Linos versucht von Paus., Photius, Suidas, 
Krotopos, die das Kind Linos benennt, quod 10 Eustath. (und Eudokia) a. a. 00. 
antiqua Argivorum lingua spurium significat. Der Sinn dieser Genealogieen ist ebenso 

— Psamathe als Mutter wird noch erwähnt klar, wie ihre Wertlosigkeit für den Mythus; 
bei Phot. v. Aivog und Serv. ad Verg. ecl. 4, 56. sie sind nur der Ausdruck für den Gedanken: 

— Über verwandte Sagen vgl. Preller, Mythol* der Sänger (resp. das Lied) ist das Kind der 
p. 379f. [u. Mannhardt a. a. 0. B.]. Sangesgottheit. — Linos ist demnach in dieser 

Version der berühmte Saitenspieler, der die 

II. Die Sage in Mittelgriechenland, dreisaitige Laute von Apoll empfangen hat 

& ' (Grammat. bei Censor. 12); er erfindet eine 

zumal in Theben, zeigt eine wesentlich andere neue Saite (li%uvog), Diodor 3, 59 Bekk.; vgl. 

Form. Die Hauptstelle ist Paus. 9, 29, 6 — 9. 20 Plin. 7, 204; er ist Erfinder des Liedes und 

— Linos, Sohn des Amphimaros und der Urania Rhythmus (Dicmysios bei Diod. 3 , 67 , Epi- 
(Suid. ACvog), der gröfste Musiker unter seinen gramm bei Eustath., Schol. Hom. a. a. 0. und 
Zeitgenossen und den Meistern der Vorzeit, wird Append. Anth. Pal. 390. Suidas v. ACvog und 
von Apoll getötet, weil er sich ihm im Liede Eudokia 622; iiovoiHrjv 8h ACvog . . . mqmtog 
(■xaTccrrjvaiS^v) gleichgestellthatte. Das Trauer- i^rjvsyxs, Alkid. a. a. 0. ; &grivovg itBitoirj^svai 
lied um ihn sei sogar zu allen Barbaren gedrun- (Xsysi^HgaKlsCärig), Plutarch. it. fiova. 3), gröfster 
gen(Maneros). DiesenLinos hätten Homer, Pam- Musiker seiner Zeit und der Vorzeit (Paus. 9, 29. 
phos und Sappho besungen. Sein Grab sei in Calpurn. Sicul. ecl. 8, 24 ( Wernsd. 2). Hieronym. 
Theben (so auch Philoehoros bei Gramer, Anecd. chron. 587 u. 597. Synkell. 126), Hirtensänger 
Par. 3 p. 289) beim Helikon; vor seinem Bilde 30 zur Flöte (Vergil. ecl. 6, 67), erster griechischer 
in einer Grotte würden jährlich Opfer gebracht Dichter (Tzetzes exeg. in II. 14, 13); Erfinder der 
vor dem Musenopfer. (Philipp habe die Ge- svsTista (Nonn. Dionys. 41, 376); endlich nennt 
beine nach Makedonien bringen lassen, aber ihn Clem. Alex, ström. 1, 205 navioCag aocpCag 
infolge eines Traumes zurückerstattet.) Taeia- SeSarpiöva. — „Musendiener" heifst Linos in 
frruiata xov ratpov Kai 'öea eijfiEt«; alla r\v, der angeblichen Grabinschrift: 

ivi zqövov q,aalv äqMmaaröun. - Später sei R , 6 &s6v „ vS A( Movg£v & d _ 

ein anderer Linos gewesen, Sohn des ismemos v " novrcc 

(wohl der von Paus, mißverstandene Beiname ^ „olv&tfvnTov Atvov u'CUvov ijie *«^a 

£ Ä hlT ftteÄ tidTnicTt so *»*"* fr"" « ■"*" «**"" 

verfal'st oder sie seien nicht auf die Nachwelt beim Schol. Victor, ad II. 18, 570 p. 513, 26 Bekk. 

gekommen. und Gramer, Anecd. 3, 289. 

Bemerkenswert ist in dieser Version die enge Also auch hier wird Linos von Apoll ge- 

Verbindungdes Linos mit den Musen, die nicht tötet (erschossen), wie bei Pausanias. Dieselbe 

nur in der Genealogie sich ausprägt, sondern Erzählung findet sich noch bei Suidas a. a. 0., 

vor allem in dem Zusammenhang von Musen- Diog. Laert. a. a. 0., Philoehoros bei Cramer, 

opfer und Linosfeier. — Urania als Mutter nennt Anecd. Par. 3, 289 (nach Böckh in der 'At&ig), 

auch Hesiod fr. 97 Göttl. (Eustath. ad Hom. II. Eustath. (der Linos zu einem ayqoinog veaviag 

18, 570). Apollod. beim Schol. ad Eurip. Bhes. macht) und Schol. zu Hom. II. 18, 570 Venet. B 
347 Ddf. und Epigramm b. Diog. Laert. prooem. 50 Dind. An den letzten 3 Stellen wird als Grund 

und Anth. Pal. 7,616. Als Vater erscheint meist der Feindschaft hinzugefügt, dafs L. statt der 

Apoll, so Hygin. 161 (filius Apollinis ex Urania bisherigenlinnenenSaitenDarmsaitengebraucht 

Musa) u. 273; Apoll allein genannt: Theocrit. habe, ersichtlich eine Gelehrtendichtung, stam- 

24, 104. Vergil. ecl. 4, 57. Ovid. amor. 3, 9, 23. mend aus der falschen Auffassung der Homer- 

Martial. 9, 86, 4. Phaedr. fab. prooem. 3, 57. Verse, wo man Uvov = Faden schrieb (vgl. 

Nonnus Dion. 41, 376; auch Paus. 9, 29, 9 (Is- darüber Ambroschp. 18 f. und Welcker a. a. 00.). 

menios = Apoll). Weitere Genealogieen : Apoll Saiten von Tierdärmen seien in alten Zeiten 

und Kalliope (Asklepiad. im Schol. Vatic. zu nicht gottgefällig gewesen (Schol. ad Hom. 

Bhes. 825) ; Oiagros (resp. Apoll) und Kalliope a. a. 0. Venet. A). Selbst Zenodot, Philoehoros, 
(Apollod. 1, 3, 2); Kalliope allein genannt: 60 Herald. Pont, (bei Phot.) huldigten dieser thö- 

Alkid. e. Palam. 8 p. 75 Reisk.; Apoll und richtenErklärung,welcher^iriStarcAentschieden 

Terpsichore (Suid. v. Aivog); Apoll und Aithusa widersprach. Dafs selbst in neuerer Zeit sich 

(Suid. v. "Ofirj^os und Cert. Hom. et Hesiod. init., Verteidiger dieses Unsinns gefunden haben, darf 

wo Thoosa zu emendieren ist, da beide Stellen wunder nehmen. Im Argum. Pind. P. 1 end- 

auf Charax zurückgehen) ; Apoll und Alkiope lieh wird die Fabel dahin variiert, dafs Hermes 

(Phot. v. ACvog und Eustath. a. a. 0., wo jeden- den Linos weggeschafft, d. h. die Fadensaiten 

falls Chalkiope zu ändern ist); Magnes, als Vater durch Erfindung anderer beseitigt habe, 

des Pieros, und Kleio (Tzet zes adlycophr. 831); Die Trauerlieder um Linos heifsen beim 



2057 Linos (Lehrer des Herakles) Linos (Lehrer des Herakles) 2058 

Scholiasten zu Homer XivmSCcci; von den Dich- langt, so „gehören deren Quellen einerverhältnis- 

tern wurde er dgrjvwSeaiv ciitag%aig geehrt mäfsig späten Zeit an und weisen bestimmt 

(»6. und bei Eustath. und Cramer a.a.O.). An auf die attische Bühne zurück". (0. Jahn, 

denselben Stellen werden auch die Verse (vgl. Ber. d. sächs. Ges. d. W. phil. hist. Cl. 1859 

auch Anth. Pal. 390) überliefert, die in den S. 145 ff.) Aus der alten Sage von Linos, welche 

Anecd. smygacprj iv &rjßaig, bei Eustath. sni- aus dem Refrain des Klageliedes den Namen 

yga/ificc, beim Scholiasten Musenklage genannt eines beklagten Sängers gebildet hatte, war 

werden: nur dessen gewaltsamer Tod herübergenommen 

<o ACvs icäai ftsoiei. zizifisvs, eol ydg sdancxv und neu motiviert: Als Mörder vor Gericht ge- 

cc&ccvazoi icgmtcp fisXog äv&gcönoioiv asiaat 10 stellt, beruft er sich auf die Satzung des Rha- 

sv noSi ds&zsgm • Moveui 8s es 9gr)vsov avzal damanthys (welcher also wohl als Lehrer des H. 

fivQÖfievai tioXnjjeiv, snsl Xiicsg f/Xiov avyäg. — schon feststand), dafs Abwehr von Realinjurien 

Andererseits aber beklagt Apoll den Tod des straflos sei. Diesen Stoff behandelten ein 

Linos, Ovid. amor. 3, 9, 23 und Martial. 9, 86, 4. Satyrspiel ACvog des Achaios (bei Athen. 15 

Spuren dieser thebanischen Version finden p. 688 c Nauch frg. fr. 8 p. 752), in welchem die 

wir auch in Argos wieder, wohin sie nach Satyrn die Schönheit des Heraklesknaben beim 

Welcher und Schulz p. 31 erst in späterer Zeit Kottabosspiele priesen. Ein gleiches des Dio- 

gebracht wurde, als man auch hier den Sänger nysios N p. 794 (Schol. Mom. A 515 AwvvaCm 

Linos nicht entbehren wollte. So wurde ein nsitour\xai svAifim zäv vöecav'HgaxXrig, EtiXrjvbg 

zweiter L. angenommen und ihm ein zweites 20 äs xXvgsiv itsigäzai zbv'Hg.). Meineice, Hist. er. 

Grab gewidmet, Paus. 2, 19, 8. Propert. 2, 13, 8. ■ p. 420 verbesserte sv Aivm voamv 'HgaxXrjg 

Dieser Linos kommt dann als Sieger im Ge- und vermutete (frg. com. 3 p. 564) wegen der 

sang neben Orpheus als Kitharöden in der Einführung des Seilenos ein Satyrspiel. In 

Fabel von den Wettspielen des Akastos in der Komödie Linos von Alexis (Meinehe, com. 

Argos vor, Hygin. fab. 273. 3 _p. 443. Koch 2 p. 345) führte der Lehrer 

Nicht immer jedoch macht die Linossage seinen Schüler vor den mit allen Klassikern 

ihren Helden zu einem Thebaner. Apollod. 2, wohl versehenen Bücherschrank, damit er sich 

4, 9 läfst ihn wahrscheinlich aus Euböa nach wähle, was seiner Natur am meisten zusage, 

Theben kommen und Thebaner werden. Denn und dieser greift zuerst nach dem Kochbuche 

Herahleides (bei Flut, de mus. 3) nennt ihn zbv so des Simos. Auch noch aus diesen Fragmenten 

e| Evßoiag, Suidas a. a. 0. einen XaXKiSsvg, geht hervor, wie einerseits der komische Kon- 

Stephan. Byz. v. Ol%aXia und Eustath. a. a. 0. trast, der durch Übertragung des späteren 

einen Ol%aXt,äzrjg. Diog. Laert. kennt sein Bildungsganges auf das reckenhafte Heroen- 

Grab auf Euböa mit der Inschrift: *SlSs Aivov Zeitalter hervorgegangen ist, andererseits der 

&7]ßociov edsgazo yala davövza Movarjg Ovga- attische Spott über die Derbheit ihrer böoti- 

Wjjs vlbv svazscpävov (= Anth. Pal. 7, 616, sehen Nachbarn in die Jugendsage des Hera- 

a. Lesart svazscpävov). Bei Stephan. Bye. lesen kies diese vor- und unzeitige Kraftäufserung 

wir noch s. v. 'AnoXXmviu .... nöXig Kgtfzrig, r\ eingeführt haben. Ganz im Stile der attischen 

■jtüXcu 'EXsv&sgva, Aivov itatgig, eine Notiz, Komödie ist es, dafs die schliefsliche Ent- 

die ganz vereinzelt dasteht. 40 Scheidung durch eine Gerichtsverhandlung her- 

beigeführt wird. Und wenn der geprügelte 

m. Linos als Lehrer des Herakles. Schuljunge das allgemeine Menschenrecht der 

Theohrit. 24, 103 ygd^ifiaza . . . ysgcov ACvog Wiedervergeltung für sich in Anspruch nimmt, 

llsSlSctlsv. Eustath., Suidas, Eudohia a. a. 00. so gleicht das völlig der Deduktion des ge- 

Nicomach. härm. 2, 29. Clem. Alex, ström. 1, 323. lehrigen Schülers der Sophisten in Arütophanes' 

Tatian. contra Graecos 41. Hieronym. 752. Syn- Wolken, dafs wir hierin wohl eine parodische 

kell. 130. — Weil er den Knaben Herakles wegen Blüte demokratischer Autklärung sehen können. 

Ungeschicklichkeit beim Unterricht in der Musik Hierher gehört auch das mit Inschriften versehene 

straft, wird er von diesem erschlagen, und zwar Vasenbild des Pistoxenos (Sp. 2059/60). 

mit der Zither (Apollod. 2, 4, 9. Bioäor 3, 67), 50 Die hier eigentümlich erweiterte Handlung, 

oder mit dem Plektron, Aelian. var. hist. 3, 32. worin Iphikles als wohlgesitteter Schüler als 

Nach Suidas v. sfißaXövza warf Herakles ihn Gegenbild des Herakles eingeführt wird, 

mit einem Steine tot. Die Tötung wird auch geht wahrscheinlich auf das Drama zurück, 

erwähnt bei Alhidam. a. a. 0. Paus. 9, 29 (die F. A. Voigt.] 

Thebaner wollten diesen Linos, %aXov(isvov Jedenfalls zeugt das Vasenbild für ein 

'Iaftrjvtov, von dem bei ihnen verehrten unter- hohes Alter der Version, denn Pistoxenos 

scheiden). Nikomach. a. a. 0. Plaut. Bacchid. war Zeitgenosse des Euphronios und Duris. 

155. Tsetzes exeg. in II. p. 17, 7 ed. Herrn, (vgl. Freilich wird im Citat bei Athenaios (a. a. 0.) 

24, 11, wo er die Erzählung anzweifelt) und Herakles nicht genannt, aber eben das Vasenbild 

145, 24 mit der Begründung, ozi ata%gcög zbv 60 läfst die Annahme wohl als gerechtfertigt er- 

'Hga-uXia sitsiga£sv. — Ambrosch p. 9 hält die scheinen. Der Stoff lag dem Achaios als gebore- 

' Tötungfür alte Sage; die weitere Ausschmückung nem Euböer nahe. Welcher (Schulzeitung p. 33) 

schreibt er dem Linos des Alexis zu. Welcher wirft die Frage auf, ob die Tötung durch Apoll 

sucht die Quelle der ganzen Erzählung im Satyr- (resp. Herakles) vielleicht in Chalkis aufgekom- 

drama des Achaios. [S. auch K. Schwenck, men sei, da dort in alter Zeit nach Hesiod poe- 

Herahles und Linos, Rh. Mus. N. F. 20, 1865 tisch -musikalische Wettspiele gefeiert wurden 

p. 457 — 459. Drexler.] und ein Linosgrab sich dort befand. „So diente 

[Was den Linos der Heraklessage an- diese Dichtung, so wie ohnehin der Name des 



2059 



Linos (als Schriftsteller) 



Linos die Anagraphe der Spiele vermutlich er- 
öffnete, zugleich als dichterische Einleitung für 
die Geschichte der Spiele und als dichterische 
Erklärung des Grabes." 

XV. Linos als apokrypher Schriftsteller 

ist die späteste Umformung und Entstellung der 
Sage. Aus dem Sänger wird ein Dichter, ein 
ygafifiatixos, ein philosophischer Schriftsteller, 
wie Orpheus u. a. — Nach Dionysios bei Diod. 
3, 67 wendet er die von Kadmos eingeführten 
phönikischen Buchstaben auf die griechische 
Sprache an; sie heifsen auch pelasgische. Nach 
Zenöbius Gent. 4, 45 tötet ihn Kadmos, weil 
er i'Sia yQÜfifiara einführen wollte (Tzetzes exeg. 
145, 24. Tacit. ann. 11, 14), aber die Thebaner 
vertrieben Kadmos (Kadfiita vinrf). Bei Suidas 
v. Aivog hat er zuerst die Buchstaben aus Phö- 
nikien nach Griechenland gebracht. — Welcher 
p. 47 möchte die phönikisoh - pelasg. Schrift 
des Linos aus der Grabschrift auf Orpheus bei 
Älkidam. entstanden sein lassen. — Dionysios 
a. a. 0. erwähnt eine Schrift („in pelasgischer 



Lrnos (als Schriftsteller) 2060 

4, 55. Er soll die Olympiaden eingerichtet 
haben, Theophil, ad Autolyc. 3, 29. — Das 
grofse Jahr von Heraklit und Linos führt 
Censor. 18 an, während Flut, de plac. pJiil. 2, 32 
nur den ' ersten nennt. „Vermutlich ist aus 
diesem Jahr, als einem Höchsten der Zeit- 
rechnung, der gelehrte Satz entstanden, Linos 
habe den Kultus des Kronos eingeführt, Theo- 
phil, ad Autol. 2, 139, oder heifst es, Linos sei 

10 uralt" (Welcher, Kl. Sehr. p. 45 Anm. 90). Nach 
Welcher ist hier auch der Ursprung der Genea- 
logie, die Linos zum Sohn des Hermes (Gott 
der Wissenschaft) und Urania (Umfang der 
Kosmogonie) macht, zu suchen. Zum Schrift- 
steller sei er wohl erst durch die Verbindung 
mit Orpheus und Musaios geworden; dieselbe 
gehe nicht über die alexandrinische Zeit hinaus, 
da bei Aristophanes, Plato u. a. noch keine Spur 
sich finde, wohl aber später oft. — Linos er- 

20 scheint nun 1) als Lehrer des Orpheus, Diodor. 
a.a.O. Suidas v. 'Ogcpivg. Tzetzes exeg. 24, 11; 
2) als sein Bruder, Apollod. 1, 3, 2 u. 2, 4, 9. 
Martial. 9, 86, 5. Hygin. fab. .14. Schol. ad 




Linos, Iphikles, Herakles und Fti^oipäi (?), Vasenbild des Pistoxenos (nach Annali d. I. 1871 Taf. F). 



• Schrift") über die Thaten des ersten Dionysos 
von Linos ; Diogen. Laert. a. a. 0. kennt eine 
Kosmogonie (vgl. Paus. 8, 18, 1), eine Schrift 
über Sonnen- und Mondlauf (vgl. Censorin. de 
die natal. 18), über Erzeugung der Tiere und 
Früchte. Dasselbe findet sich bei Natal. Com. 
p. 351 (vgl. Vivis zu Augustin. de C. D. 18, 14), 
der Hermodor als Gewährsmann angiebt, dessen 
Name bei Diogenes ausgefallen sein dürfte. — 
In Verbindung mit Pythagoras erscheint Linos 
bei Damascius cutoQiai %al Ivans, Jifgi. läv 
iiQwxcav ÜQ%äv p. 64 u. 67 ed. Kopp, indem der 
Satz ov yaQ saxi %v zi, ccXlä mxvra %v einem 
von beiden zugeschrieben wird. Damascius 
scheint die bei Stobaeus ecl. phys. 1, 10, 5 
Mein, überlieferten Verse im Auge gehabt zu 
haben; vgl. den Vers bei Diog. Laert. a. a. 0. 
Theologumena arithm. ed. Ast p. 51. Stobaeus 
floril. 5, 22 Mein, (auch bei Iamblich. de 
Pythag. vita 139 Westerm. und Apostol. 7, 9 a). 
Fünf Verse, angeblich von Linos, bei Apostol. 
7, 59 h (Paroem. gr. 2) und Euseb. praepar. 
evang. 13, 12; vgl. auch Apostol. 17, 99a; theo- 
logiam scripsit bemerkt Servius ad Verg. ecl. 



Pind. Pyth. 4, 313. Tzetzes chil. 1, 307; 3) als 
sein Urgrofsvater , Certam. Hom. et Hes. p. 3; 
4) neben Orpheus gestellt, Calpurn. Sicul. ecl. 
8, 24. Censor. de die nat. 18. Nonnus Dionys. 
41, 376. Sextus Emp. adv. grammat. 1, 10 p. 204. 

50 Euseb. chron. a. 749. Celsus ap. Origen. 1, 16. 
Theodor, serm. 2 p. 741. Clem. Alex, ström. 1, 323. 
Schol. in Dionys. Thr.gramm.18h; 5) als Schüler 
des Orpheus, Nicomach. härm. 1, 2 init.; 6) an 
der Spitze der Weisen, Hippobot.bei Diog. Laert. 
1, 1, 14. Quintil. 1, 10, 9. Celsus bei Orig. c. Cels. 
1, 14; 7) als Vater des Musaios bei Servius ad 
Aen. 6, 667; 8) als Lehrer des Musaios auf dem 
Vasenbild Annal. 1856 t. 20 (vgl. unten). — 
Die Schriftstellerei des Linos bezweifelt schon 

60 Paus. 8, 18, 1, wo angebliche Verse des L. über 
die Styx erwähnt werden; Orig. c. Cels. 1, 14 
und Grammat. bei Behher, Anecd. 2, 185. Den 
Pythagoreern schreibt Iamblich. § 139 die Autor- 
schaft zu. Aus Euseb. praep. evang. 13, 12 a ist 
zu ersehen, dafs der Jude Aristobulos solche 
Fälschungen mindestens förderte; vgl. Valche- 
naer, Diatr. in fragm. Eurip. p. 282 und Diatr. 
de Aristöb. lud. p. 84. 



2061 



Linos (Linoslied) 



V. Das Iiinoslied. 



Linos (Bedeutung) 



2062 



Das Alter des Linosliedes in Griechenland 
bezeugt schon Hom. 11. 1 8, 570 ', wo im Bilde 
der Weinernte auf dem Schilde des Achilleus: 
nuig tfOQfiiyyi Xiysin | ifisgosv xi9ccqi£s, Aivov 
S vnb iictXbv asiSsv \ XsitxuXsrj tpavfi • zol Ss q^a- 
aovrsg cftagTj | tiolnfj %' Ivyfim ts noal a%ai- 
govzsg enovzo. — Nach Hesiod a, a. 0. singen 
alle Sänger und Kitharisten Linos sv siXani- 10 
vaig ts %oqotg ts. Herodot 2, 79 kennt das 
Lied als weitverbreitet. Samphos und ßappha 
besangen ihn als OhöXivov = Weh -Linos, Paus. 
9, 2, 9. Fragment von Pindar b eim ßchol. zu 
Bhes. 895 JjBergh , Poet, lyr. 253). Über den 
Linos des Kallimachos vgl. Knaach^Analssta 
AMmndriw.--Boman<L„^l£JL, wo auch die 
Fragmente gesammelt und geordnet sind. 
[Nach Knaack ist Kallim^, sowohl für Psms, 
als auch für Statius die Quelle gewesen. 20 
Darauf gestützt will er Krotopos nach ßiai. 
zu einem rusticus machen; erst Paus., habe 
ihn mifsverstandenerweise mit dem König 
Krotopos identifiziert. Allein die Erklärung 
des Wortes rusticus erscheint mir zu geprefst 
und die Behauptung, dafs KaMm, einzige 
Quelle des Paus, gewesen sei, unbewiesen. 
Wie sollte auch Herodot den Linos für die- 
selbe Person wie Maneros erklären, von dem 
er ausdrücklich bemerkt: tov ngmtov ßaai- so 
Xevovzoq Alyvnzov italSa fiovvoysvsa? Und 
Herodot hat doch zweifellos die argivische 
Sage im Auge!] — Vgl. noch Kallim. in 
Apoll. 20 fr. 11 BergJc. Moschus 3, 1 u. s. w. 
Ob die oben citierten Verse (m Aivs etc.) ein 
wirkliches Volkslied sind oder ob ein solches 
in ihnen steckt, ist sehr fraglich, zumal wegen 
der Zusätze smiygacpr] sv ©rjßoug oder l&Qr]- 
vslro ttccqu täv Movomv ovrmg; über die zwei- 
fache Überlieferung der Verse vgl. Bergk, Poet. 40 
lyr. p. 878. Über das älteste Versmaß der 
Griechen. Freiburg 1854. Welcher, Kl. Sehr. 
p. 40 Anm. 83. 

Zweifellos war der Charakter des Liedes 
ein trauernder. Wenn es trotzdem bei fröh- 
lichen Anlässen, wie bei der Weinlese (Hom.) 
oder sv siXunivuig rs %of>oig rs etc. gesungen 
wurde, so erklärt sich dies leicht aus der Vor- 
liebe vieler Völker für melancholische Weisen 
selbst bei froher Stimmung. Man vgl. u. a. die 50 
ägyptische Sitte bei Herod. 2, 78. Plut. de Iside 
et Osir. 17. (Anders, aber nicht ausreichend, 
deutet Mannhardt, Wald- u. Feldkulte 2 p. 282 
diese Sitte.) Damit widerlegt sich auch Wel- 
ckers (KT. Sehr. p. 39 ff.) Erklärung der Worte 
poXiirj t Ivyfiw ts. Wenn Aristophanes bei 
Athen. 14, 10 meint, Linos sei nach Euripides 
sv svtv%si fioXnä gebraucht, so mag er wohl 
Hercul. für. 348 mifsverstanden haben, aber 
sein Versehen ist nicht unbegreiflich. — Nach 60 
Pöllux 1, 38 waren Xtvog Kai XtTVSQOrjg GHana- 
vscov mSal Kai yscoQyäv. — Das Mifsverständ- 
nis bei Athen. 14, 10 (Eustath. a. a. 0.), Epi- 
charm habe in der Atalante Linos als Weber- 
lied bezeichnet, ist längst von Welcher (Schul- 
zeitung 39) klargelegt. Schon lange ist mit 
Recht bemerkt worden, dafs das Lied wohl 
nur in der Melodie, im wiederholten ai Aivov 



bestanden habe. So konnte es allen mög- 
lichen Liedern als Anfang und Ende angepafst 
werden: aq^öasvot de Aivov iial Xrjyovzsg %a- 
Xiovaiv. Der Ruf ctiXivov ist sehr gewöhnlich, 
z. B. Aeschyl. Agam. 120. 137. 164. Soph. Ai. 627. 
Eurip.Hel.n^. Orest. 1395 etc.; daher auch al- 
Äivog als Bezeichnung des Liedes (z. B. Hesych. 
v. aüXivog; Tryphon bei Eustath. ad II. 21, 280 
u. a.), ja auch des Linos selbst. 

VI. Bedeutung des Namens. 

Schon die Alten sahen in dem Worte cel- 
Xivog etwas Fremdes, 8nh.nl. ad Eur. Orest. 1 395 
eiw&uoiv ol ßccQßagoi tov ai'Xivov sv äQ%rj 
&Qrivov Xsysiv. Dafs der Name eine Personi- 
fikation des semitischen Klagerufes ai lanu 
(lenu) — „wehe uns" ist, wird nicht bezwei- 
felt; vgl. Bruasch p. 18 ff. Baudissin , Studien 
zur s emit. Bdi^ionsgeschichte .1 _.._p,_3Ö2 .— 304; 
ebenso Maneros (Brugsch Vi.JLi)* der schon von 
Herodot mit Linos identifiziert ward. 

VU. Deutung des Mythus. 

Linos ist also semitischen Ursprungs und zu- 
nächst der „personifizierte Klagegeßang", wie 
Lityerses (s. d.), Ialemos, Evoia u. a.; dann der 
Repräsentant des sprossenden,blühenden Lebens, 
das dahinsterben mufs, des zarten Lebens der 
Natur, das der Gluthitze des Sirius (Hundes) er- 
liegt,(argivische Version), vgl. Schwende, Myth. 
d. Griechen p. 120. Daher das Totschlagen der 
Hunde zur Festzeit (vgl. die Sage von Thasos 
bei Hygin. 247 und Schol. Ovid. Ib. 479, sowie 
die römische Sitte bei Lyd. de mens. 3, 12. 
De ostent. 8 p. 26), das Hinsterben der Kinder 
in der ungesunden heifsen Zeit, dargestellt in 
der mordenden Poine und der Pest; daher das 
Lämmerfest und Sühnopfer, das dies Unheil 
abwenden sollte (Welcher, Kl. Sehr, p.17 denkt 
auch an Opferung von Kindern zur Beschwö- 
rung der Hitze). Psamathe ist wohl nicht, wie 
es meist geschieht, von ipäpuQ-og = Sand 
(Trauerzeichen) abzuleiten; es ist ein mehr- 
fach vorkommender Name von Quellen (auch 
in Theben, Plin. 4, 25): die aufblühende Vege- 
tation ist das Kind der Quelle. — Über die 
zahlreichen verwandten Sagen vgl. Welcher, 
Ambroseh, Preller, Mannhardt a. a. 00. — Mit 
Ialemos wird Linos geradezu identifiziert beim 
Schol. Orest. 1390. — Wenn aber Eustath. a. a. 0. 
(und Eudoh.) als letzten seiner 3 Linos „Nar- 
kissos" anführt, so ist dies ein arges Mifs- 
verständnis von Photius v. Xivov nach Theo- 
phrast, wo zweifellos Xigiov zu schreiben ist; 
der Fehler freilich kann schon von Photius 
stammen. Damit fallen alle weitgehenden 
Folgerungen, die daran geknüpft sind, be- 
sonders von Ambroseh p. 19ff. 

Linos' Tod durch Apoll infolge eines Wett- 
kampfes (theban. Version) stammt wohl erst aus 
einer, immerhin alten, Zeit, wo L. bereits der 
Sänger war, in dem jedenfalls noch ein nicht- 
griechisches Wesen durchgefühlt wurde (vgl. 
Thamvris). — Herakles ist wohl, wie öfters, 
der Stellvertreter Apolls, der Vollstrecker 
seines Willens (vgl. Müller, Dorier* 1 p. 349 f.). 



2063 Linos (in der Kunst) Litavi 2064 

„.,,,. . _ . „ Lips s. Libs, wo in Bezug auf die Wind- 

vm. Bildliche Darstellung. gött( f r am Tur ^ der winde in &ihen nach . 

l)VasedesPistoxenosimSchwerinerMuseum zutragen ist K. Purgold, Arch. Bemerk, zu 
(s. Sp. 2059/60). Der greise Linos lehrt den Claudian u. Sidonius 43 f. [Höfer.] 
jungen, schüchtern- aufmerksamen Iphikles das Liriope (AiQiönrj) = Leiriope (s. d.) Myth. 
Zitherspiel; hinter letzterem der junge Herakles Bat. 1, 186 p. 56 Bode. [Höfer] 
in trotziger Haltung, gefolgt von einer alten Litai {Anal), Personifikation der reumütigen 
häfslichen Wärterin (rsgotpacö oder 'Asgocpow Abbitten als der Töchter des Zeus (II. 9, 502 ff. 
[= rrjpo^o)? R.]). Das äufserst charakteristisch Orph. Argon. 109, wo sie faeotov Zrjvbg kovqixi 
und trefflich ausgeführte, in vieler Beziehung 10 heifsen; Qu. Smyrn. 10, 300 ff. Anth. 11, 361; 
interessante Bild ist publiciert in Ann. d. In. neben den'Egideg auch genannt Plut.amat. 18). 
1871 p. 86 ff. t. F (vgl. auch 1872 p. 305 nr. 2). Nach Homer a. a. O. hinken sie und schielen 
Schreiber, Bäderati. Tf. 90.9. Baumeister, Benkm. seitwärts; sie folgen der kräftigen und hur- 
tig. 2138; dazu Klein, Gr. Vas. mit Meisters. 2 tigen Ate, besorgt, deren Verschuldung wieder 
p.149. Smith im Journ.of Hell. stud. 1883 p. 106 gut zu machen. Wer die Töchter des Zeus 
Anm. 1. Hauser im Philol. 50 (N. F. 4) 2 p. 190 ehrt, den fördern und erhören sie; wenn sie 
Anm. 6. Hartwig, Griech. Meistersch. p. 375 f. aber jemand mit Härte zurückweist, so er- 

2) Münchener Vase nr. 371 bei Jahn: He- flehen sie von ihrem Vater Bestrafung des 
rakles erschlägt seinen Lehrer mit einem Stuhl- Frevlers. Über die Bedeutung dieser leicht 
bein; publ. von Jahn, Ber. d. sächs. Ges. d. 20 verständlichen allegorischen Züge handelt Eust. 
Wissensch. 1853 p. 149 ff. Tat'. 10. z. Hom. p. 768, 2 ff.; vgl. die Alxai (= AixuC) bei 

3) Vase aus Caere, Sammlung Campana, Hesych. Preller, Gr. Myth. 1, 438 und den Art. 
jetzt im Louvre, publ. An. e. Mon. 1856 t. 20 Ate. [Cornut. de nat. deor. 12 p. 37 f. Osann; 
und Jahn p. 95: Linos mit einer grofsen be- vgl. ebenda p. 261. Clem. Alex. p. 37c Sylburg. 
schriebenen Rolle lehrt den jungen Musaios Gramer, Anecd. Paris 3, 239, 32 ff.; s. auch 
(MOZAIOI). Litaios nr. 2. Höfer.] [Schirmer.] 

4) Relief des Mus. Pio-Clement. 4, 38 (Miliin, litaios (Attaiog), 1) auf einer im ionischen 
Gal. myth. 110,431. Gerhard, Beschr. d. Stadt Magnesia geschlagenen Münze des Kaisers Geta, 
Born 2, 2 p.206. Jahn a.a.O. p. 149 u.Taf.10,2), die den Apollon mit einem Lorbeerzweig in 
Linos als Zitherlehrer des Herakles. 30 der R. und dem Bogen in der L. darstellt, findet 

Die früher mehrfach hierhergezogene Vase sich die Umschrift Aacctog, die ohne Zweifel 

in Berlin (Levezow 855. Furtwängler 2210) hat auf Apollon zu beziehen ist, Mionnet 3, 152, 

sich in den Beischriften (Nike und Linos) als 664. Lambros in Oorr. hell. 2, 509 und ebend. 

gefälscht erwiesen, vgl. Furtwängler, Vasens. Anm. 4. Cavedoni, Bull. 1837, 41. Panofka, 

a. a. 0., woselbst die Litteratur. — Nicht über- Arch. Zeit. 3 (1845), 52 Anm. 11. [Nach 

zeugend ist die Beziehung auf Apoll und Linos Imhoof, Griechische Münzen p. 120 nr. 312 ist 

hei Müller-Wies., Benkm. 2, 139 a (auf einem ge- aber auf dieser Münze Zeus dargestellt und 

schnittenen Stein). Ebenso entbehrt Panofkas zwar mit der Beischrift AKPAIOC. Drexler.] 

Deutung einer Glaspaste (Arch. Zeit. 1845 — 2) Auf dem Revers einer Münze des Kaisers 

p. 196) der genügenden Begründung. — In der 40 Nero aus Nikaia befindet sich ein Altar mit 

Berliner Marmorgruppe nr. 53 wird jetzt mit der Inschrift diag Aixcttov, Gorr. hell. a. a. 0. 

Recht Anoll und der kleine Hermes (Rinder- 508f. PI. 24, 1. Das Epitheton bezeichnet den 

diebstahl) gesehen. [Apollon und Linos soll Zeus als den Vater der Litai (s. d.). [Höfer.] 

nach de Witte, Müdes sur les vases peints. Litavi (Dativ), keltischer Beiname des Mars 

Paris 1865 p. 91 auf einer nolanischen Amphora auf einigen in Cote-d'Or gefundenen Steinen, 

der Sammlung des Duc de Luynes, Krotopos welche Bob. Mowat (nach früheren nicht ganz 

und Linos nach demselben p. 92 auf einer sol- zuverlässigen Publikationen) in der Revue 

chen der Sammlung Torrusio dargestellt sein. archeologigue 1889 2 p. 372 und Lejay, In- 

Drexler.] [Greve.] scriptions de la Cote-d'Or (Bibl. de l'Ecole des 

Lipara (Atnäga), beigeschriebener Name 50 hautes-etudes 80. Paris 1889) nr. 1. 203. 204. 

einer der Hesperiden auf der Meidiasvase, '206 verzeichnen. Eine der Inschriften lautet: 

abg. Bd. 1 Sp.2602. Bd. 2 Sp. 287, woselbst AVG SAC | DEO MARTI CI ! C OLL VI ET 

weitere Litteraturangaben; vgl auch Bd. 1 LITAVI | P. ATTIVS PATERCVLVS | V S L M. 

Sp. 2598 Z. 12 Sp. 2600 Z. 14. [Höfer.] Desselben Stammes der Name des Aduers 

Liparas (Atnägag), Herrscher der liparischen Litavicus, Caes. bell. gall. 7, 37 u. ö'^auf wel- 

Inseln, der den flüchtigen Aiolos aufnahm, chen verschiedene Legenden gallischer Münzen 

Schol. Bionys. Per. 461; vgl. auch Eust. ad bezogen werden (LITA, LITAV); Buchalais, 

Dionys. a. a. 0. und d. Art. Liparos. [Höfer.] Bescription des me'daüles gauloises (Paris 1846) 

Liparos (MitctQOg), Sohn des Auson, Vater p. 115. 116. Hucher, L'art gaulois 1 pl. 2 n. 2. 

der Kyane, der Gemahlin des Aiolos, der, von 60 Bictionnaire archeol. Epoque celtique^ monnaies 

seinen Brüdern aus der Heimat vertrieben, gaul. nr. 67; (vgl. auch das Verzeichnis von 

nach der von ihm benannten Insel Lipara ge- A. de Barthelemy , Bevue celtigue 1 p. 293 ff.). 

flohen, später aber mit Hülfe des Aiolos nach Litavia bedeutet nach Glück, Keltische Namen 

Italien zurückgekehrt sein soll, wo er in der bei Caesar p. 120 das sich längs dem Meere 

Gegend von Surrentum als Heros verehrt wurde ausbreitende Land, das Küstenland (terra 

(Biod. 5, 7. Steph. Byz. v. Ainäga. Plin. n. h. litoralis), Litavicus (oder Litaviccus) danach 

3, 14, 93, wonach er der Nachfolger des Aiolos e terra litorali oriundus. Der Beiname des 

war). Vgl. Liparas. [Schirmer.] Mars ist also wohl ein topischer. Zu dem von 



2065 Lithesios Lityerses (Überlieferung) 2066 

Glück a. a. 0. p. 84 besprochenen Namen Aischylos' Perser 370 f.), können uns also nicht 
Convictolitavis (aus Caesar bekannt) füge als Zeugnis dienen. ^ 
man noch den Namen Litavicrari (Orts- 2. I. Von verschiedenen SeiteÄst die Li- 
name?) in dem von einem Gallier herrühren- tyersessage als Stoff für die Qsgiazai (T.G.Fr. 
den Testament bei Bruns, Fontes iuris Bomani p. 476) des Euripides vermutet worden, s. 
5. edit. p. 299. [M. Ihm.] Argum. Eurip. Med. säiSdx&rj snl JIv&oSwqov 
Lithesios (Ai4hqaiog), Beiname des Apollon, &q%ovtos oXvfinidäog aij' szsi ngäzm . . . zgizog 
Steph. Byz. Ethn. p. 416 Mein.: Ai&rjOiog, b Evgntiörjg Mrjäsia, ^iXo-nz-^zn, JiktvC, &sgi- 
'AuälXwv iv zä> MaXia Xi&cp ngoaiägvfisvog ßzaig aazvgoig. Vgl. Härtung, Euripides rest. * 
i*ci. 'Picevog 'HXianäv 'zgizeo.' Wide, Lakon. 10 1 p. 374. G. F. Hermann, Archäol. Zeitung 
Kulte -p. 71 denkt an das lakonische Vorgebirge N. P. 6 (1848) S. 237. Jahn ebd. 11 (1853) 
Malea. Nach Meineke, Anal. Alex. p. 185 f. S. 167. Euripides hat auch die eng ver- 
stammt der Beiname von dem der Sage nach wandte Busiris- und Syleussage in einem 
von einem gewissen Maleas erbauten Stein- Satyrdrama behandelt; den Chor des Stückes 
dämme (Xföog) vor dem Hafen von Phaistos. müssen (Satyrn als) Schnitter gebildet haben, 
Statt Malta ist nach Lobecks (Aglaoph. p. 586 und dafür bietet schwerlich eine andere grie- 
Anm. m) von Meineke gebilligter Vermutung chische Sage einen gleich passenden Anlafs. 
der Genetiv Malsa herzustellen. [Drexler.] Die Hypothese darf als durchaus gesichert 

Lithophoros (Ai&oq>ögog), auf einer im Dio- gelten. 
nysostheaterzuAthengefundenen Sesselinschrift, 20 3. Von der übrigen, auf Sositheos (II.) 

Bulletino 1862, 116, 6, 3. C. I. A. 3, 296, zurückgehenden Überlieferung trennt sich, wie 
steht Isgsmg Xid-ocpögov; es ist fraglich, ob Mannhardt richtig bemerkt hat (S. 5), ein 

hierin der Name eines Gottes oder Heros Ai&o- Excerpt bei Pollux 4, 54 p. 155 Bkk. : all 

cpögog enthalten ist. Dittenberger C. I. A. a. a. O. Atyvnzioig fihv b Mavsgmg yswgyiag svgszrjg, 

z. d. St. stimmt der Ansicht Vischers bei, dafs (lovamv (la&rjzrig, Aizvsgeag äs $gv^iv 1) ol 

mit tsgivg Xi&ocpögog das Amt eines Priesters ä' avzbv Miäov naläa slvai Xiyovaiv, slg 
gemeint sei, ebenso wie er in dem isgscog nvg- tgiv äs äfirjzov 7CQOY.alovfi.svov (taazi- 
yögov Ig äxoonöXscos, G. I. A. a. a. O. 264, nicht yäaai zovg sväiäövzag, ßiaioxsgm äs d fin- 
den Priester eines Heros oder Gottes Tlvgcpogog, zr\ nsginscövza &dvazov ica&stv 2) oi äs 
sondern einen isgsiig itvgcp6g,og erblickt. 30 HganXsa ysysvfjO&ai zbv dnoKZSLvavta avzov 

[Höfer.] Isyoveiv. 3) yäsxo äs b dorivog itsgl zag uXcog 

Litros (At'zQog), Führer der Kyprier und «al zb frsgog ini Miäov nagafiv&ia. Lityerses 
Begleiter des Dionysos auf seinem Zuge nach ist danach Sohn des Midas, läfst eine Heraus- 
indien, Nonn. Bionys. 13, 432. [Höfer.] forderung zum Wettmähen ergehen (an wen?), 
Lityerses (Aizvsgerjc, u^/__). pflegt die Unterlegenen durchzupeitschen, bis 
Litteratur: Von Altern bes. Welcker, Kl. ihm ein gewaltigerer Mäher — nach einigen 
Sehr. 1, llff.; die früheren Darstellungen sind Herakles — das Handwerk legt. Das würde 
verarbeitet und ersetzt von W. Mannhardt, etwa der Inhalt der euripideischen 'Schnitter' 
Wald- und Feldkulte 2, 282 — 286. Mytholo- gewesen sein; doch wäre die Notiz nicht aus 
gische Forschungen lff.; für die litterarhisto- 40 diesem Stück allein abzuleiten; Euripides wird. 
rischen Probleme B. Beitzenstein , Epigramm — nach einer alten Herdklee? — , wie im 
undSkolion. Busiris und Syleus, dem Herakles die ent- 
scheidende ßolle zugeteilt haben (2). Die 
A. Die Überlieferung. ers * e Partie (!) i 8 * die einfachste erreichbare 

Form der Legende; sie wird aus einem Schrift- 
1. Das älteste sichere Zeugnis ist nach steller stammen, der Lokalüberlieferungen auf- 
Mannhardt u. A. eine Stelle aus den 'Aya&ot: nehmen konnte (Xanthos?). 
des Pherekrates bei AthenAO ^.ithe {=C. A.Fr. i. II. Genauer bekannt ist ein verwandtes 

1 p. 145 K.) in dem bei Aelian wiederholten Satyrdrama, der Jdtpvie n Aixvsgerjg des Sosi- 
Verzeichnis der dörjrpdyot. (Var. hist. 1, 27). 50 theos ans Alexandreia Troas, eines Mitgliedes 
Vorher überliefert Athen, allerdings ein auf der tragischen Pleias von Alexandrien (Suse- 
Lityerses bezügliches Fragment; dafs aber die mihi, Griech. Litteratur d. Alexand. 1, 270 f.). 
Pherekrates- Stelle nicht auf denselben däy- Ein anonymer mythographischer Traktat (Kata- 
yäyog geht, zeigt die Einleitungsformel zoiov- löge verwandter Gestalten), zuletzt bei Wester- 
zög sazi %al b nagu ^egstigäzsi ij Ezgäzziäi ytzX. mann, Mythogr. p. 346, hat uns aus einer ge- 
Die 'Aya&oi gehören zu den griechischen Schla- lehrten, wohl auch von Athenaios 10 p. 415. 
raffenkomödien, in denen solche Genüsse und Tzetz. CHI. 2, 595 u. a. benutzten Sammel- 
Leistungen mit Vorliebe ausgemalt werden (Zie- schrift charakteristische Stücke jener Dich- 
linski, Die Märchenkomödie in Athen S. 23 ff.). tung und ihre Hypothesis erhalten (s. Her- 
Das Fragment hat mit Lityerses nichts zu thun. 60 mann, Opusc. 1, 59 ff. Welcker, Die gr. Tragödie 
Mit mehr Berechtigung könnte man Phrynichus 3,1256. Tr.Gr.Fr.rj.82lf.Nck.*): Aizvsgarjg 
fr. 13. T. G. Fr. p. 723 N.* zd ys /ifiv %sCvia Miäov vlbg rötfos, ov ö 'HgaKlrjg dvsiXsv övxa 
äovaag (so ist zu schreiben), Xöyog mansg Xs- kuho&voV rjvdyiia^s ydg zovg £ivovg ayv&i- 
yszai, | Ölsaat, Kanozsfisiv b£h %ulv.«> Kfqpa- gtgsiv avzm, sha svto%£>v unsnscpüligs, 
luv auf die Enthauptung der Fremden durch zd äs aäftaza sxöiiigsv ev zoig ägäyfia- 
Lityerses beziehen. Aber die Verse lassen civ ras ■nagalsloyiafisviav (= V. 21). •iazogsl 
sich auch in den Persertragödien des Dichters zavza v.azd usgog Hcoeißi-og iv dacpviäi, Xsymv 
passend unterbringen (vgl. Herodot 7, 35 und ovzmg- — 5. 'zovzm KslaivaC nazgig, dg%ala 



2067 Lityerses (Überlieferung) Lityerses (Überlieferung) 2068 

noXig | MiSov ysgovzog . < . | ovtog 8' sksIvov einer Wette auf Leben und Tod, keine Rede, 

ttaig jtaxaL nXaetbg vo&og . . . | 6 str&si psv sondern Lityerses schlägt hinterlistig selbst 

ägtcov tgsW oi>o«s Kav&rjUovg kzX. (als Beleg auf dem Felde den Fremden das Haupt ab; 

der däärjyayia bei Athenaios und Lykophron wenn 0. Jahn deshalb eine Lücke bei Sositheos 

ausgeschrieben) ] sgyä^stai ä' iXaypa ngbg ta annimmt, so vergifst er, dafs Lityerses bei 

aitia (im Gegensatz zu der älteren Fassung). | Sositheos keineswegs als tüchtiger Schnitter 

oypov •S'sptgat . . . | %cozav_ zig sX&r/ S-eivog »j geschildert war. In dem Serviusscholion sind, 

nags^in | cpaysiv HäcoKsv sv rs K.ans%6gtaasv | wie auch der zwiefache Name für die Geliebte 

Kai tov nözov ngovzsivsv äg kv sv &igsi j des Daphnis zeigt, mehrere Quellen zusammen- 

itXsov cpfrovsiv ydg toig &avov\isvoig oxvsf. | 10 geflossen; der Sositheos - Text ist also nicht 

15. sniezaxäv ol Xfja (? ol'Srja Hds.) Maiäv- nach ihm zu korrigieren, sondern mufs als der 

Sgov goaig | Kagnsvpatmv ägSsvtd SaipiXsi reinere Vertreter einer selbständigen Über- 

nötcp | tbv afdpofMjxjj nvgbv rjKovrjfisvrj | dg- lieferung gelten. 

irr] •frspijsr tbv £svov Ss Sgdyfiati] | 20. avtm 8. III. Zu diesen beiden Hauptstücken 

HvXtoag v.gatbg dgcpavbv tpsgst | ysXmv &s- kommen einige kürzere Notizen aus helleni- 

Qiarijv äg avovv rjgiezrieev' . | oti 8' dns&avsv stischer Zeit, die Manrihardt in ihrer Bedeu- 

v<p' 'HQaxXsovg tpj]al Xiycov: '&aväv fisv slg tung unterschätzt hat. Theökrit 10, 41 &äcui 

MaiavSgov sggitprj iioSög \ waitsq eoXog zig. 8rj Kai zavza tu zw &slw Aitvsgaa: darauf 

r\v 8' b Sionsvßocg avriq . . . tlg ydg dv&' folgen durchaus volkstümlich gehaltene Bauern- 

'HgaKXsovg'. 20 regeln, die also als Verse des Lityerses gelten. 

6. Über die sprechenden Personen und die Vgl. das Sehol. zu der Stelle: ovtog b A. . . . 

Art, wie Sositheos die Daphnissage mit der v69og toi MISov ... zovg nagiövtag täv 

Lityersessage verband, läfst Mannhardt S. 9 ££va>v evw%äv rjväyKags &sgl£siv (ist' av- 

den Leser im Unklaren. Aber schon Otto Jahn, rov' sitae sansgag dnozsfivwv avzcöv ras 

Hermes 3 (1869) S. 180 ff. hatte eine von Mann- KscpaXäg tb Xoiitbv cäna sv toig Sgdypaai 

hardt übersehene Tradition nachgewiesen, die avvsiXäv ySsv. ^HgaxXfjg 8s ... zovzov dno- 

diese Punkte aufhellt, Serv. zu Verg. Bucol. Ktslvag sggiipsv slg tbv MaiavSgov nozapöv. 

8, 68: alii hunc Daphnin Pimpleam amasse "O&sv Kai vvv ol ftsgiatal Kazu $>gvyiav aSov- 

dieunt , quam cum a praedonibus raptam eiv avzbv syKcaiii,cc govzsg äg dgiazov 

Daphnis per totum orbem quaesisset, invenit so frsgiaztfv, mitBezugauf Theökrit Eust. p.1164, 

in Phrygia apud Lityersem regem servien- 10.1236,60. — 9. Phot. v. Altvsqouv (aus einem 

tem, qui hac lege in advenas saeviebat, ut cum Lexikon): a>8r\v tiva tjv aSovaiv ol &eai£ovtsg, 

multas segetes haberet, peregrinos advenientes äg . . tbv Aizvigeav üvaKaXo-öfisvoi- tjv 8' ovzog 

secum metere faceret victosque iuberet oeeidi. MCSa vibg ro^ros, oIkcov 8s sv KsXaivaig . . . zovg 

seä Hercules miseratus Daphnidis venit ad naowvtag Tjvayv.a%,sv evv avzm fteoigeiv, slza 

regiam et audita condicione certaminis anoKOTtzoav zag KsrpaXccg zw Sgsnävm, zb Xoi- 

faleem ad metendum aeeepit eaque regi ferali Ttbv eätia toig Sgäyfiaoiv svsiXtov rjSsv dvrj- 

sopito metendi carmine caput ampu- pe^ij Ss vnb 'HouKXsovg. r\ 8s ci8rj ßaoßaoog' 

tavit. ita Daphnin a periculo liberavit et ei ^gvysg yag avtrjv r/Sov. Aus einem ähnlichen 

Pimpleam, quam alii Thaliam dieunt, reddi- 40 Artikel verkürzt Hesych. s. v. Aitvsgaag. — 

dit, quibus dotis nomine aulam quoque regiam 10. Phot. s. Aizvsgarjg' sl8og codijg, MsvavSgog 

condonavit. — 7. Für den Schlufs vgl. Schol. (fr. 264. G. A.Fr. 3 p. 76 K.) . . "AtSoyta^ Ai- 

Theocr. 8 argum. (vgl. Schol. 8, 93) Etoßi&eog zvsgarjv an' dgiatov tscog' Mi'Sov äs rjv b A. 

8s Aatfviv (slg $gvyiav ol8sy ysvöpevov,*) — vnb 'HganXiovg (wie der vorhergehende 

i><p' ov viKTj&rivai MsvüXkbv aSovta Tlavbg Photius - Artikel mit kleinen formellen Ab- 

[■xal Nvytopäv] Kgivavtog, yapri&rivai äs avtcö weichungen), slg tipriv 8s rov Mi8ov &sgwtt- 

©dXsiav. 'AXi^avägog 8s (prjoiv b AltcoXbg vtco Kog vpvog sn' avzm avvsts&r]. Wörtlich gleich 

dcicpviSog fiafrsiv Magavav zfjv avXrjziKTjv. Für Suidas s. v. Aizvegarjg. 

die Daphnissage (Stoll oben Bd. 1 Sp. 957 ff. Diese Zeugnisgruppe (III) erzählt die Le- 

hat nicht einmal die Darlegungen Pohde's ver- 50 gende fast ebenso, wie die vorhergehende, 

wertet und ist auch sonst veraltet) sei jetzt nimmt aber ausdrücklicher Bezug auf das Li- 

auf die anregende Untersuchung Beitzensteins tyerseslied und kennt den Lityerses selbst als 

a. a. 0. S. 193 ff. 243 S. verwiesen. Klar ist, trefflichen Schnitter und Sänger; doch erzählt 

dafs Daphnis der Sprecher der oben mitge- sie von dem Wettkampfe _ ebensowenig, wie 

teilten Bhesis ist; dafs er, als berühmter die Sositheos - Excerpte. Über Aixvsgar\g als 

Sänger, das Carmen ferale vortrug und dem Name des Liedes vgl. Apollodor Schol. Theokr. 

Herakles dadurch die Arbeit erleichterte (vgl. 10, 41 . . . täv fi-sgiozäv taSr) Aitvsgaag. Pol- 

die Rolle des Kadmos beim Typhoeuskampfe, lux 1, 38 Alvog 8s xai Attvsgarjg Gxuituvscov 

Nonnos 1, 410 ff., oben Sp. 847). Wahrschein- äSal Kai yscogymv. Pollux oben nr. 3. Athen. 
lieh haben in dem Stücke des Hellenisten 60 14 p. 619 a. 

nicht Satyrn, sondern Schnitter den Chor ge- 11. Von einem Verhältnis des Daphnis zu 

bildet. In einem Punkte freilich stimmt das Lityerses wissen die meisten mythographischen 

Serviusscholion nicht zu dem Fragmente des Artikel nichts. In der That kann es nicht be- 

Sositheos. Bei Sositheos ist vom Wettkampf, zweifelt werden, dafs der Hirtenheros erst in 

„, „ . . . .,,.,, ^ . der Alexandrinerzeit, wahrscheinlich von Sosi- 

*) So etwas wird zu ergänzen sem : Meineke setzt eine „ -.. T , . #.-t._j. • . 

Lücke hinter J<i<p m , Nauci u. a. scheinen den Text für theos , m Ale Legende eingeführt ist; wenn 

unversehrt zu halten; die Klammer um r.a\ Wvfiifmv nach Mannhardt auch diesen Zug für alter hielt, 

Bücheier, Rhein. Mus. 39, 275. da der Dichtung dieser Zeit „die schöpferische 



2069 Lityerses (Deutung) Lityerses (Deutung) 2070 

Kraft in hohem Mafse abging" (S. 9), so unter- ätiologische Tendenz den Träger der Sage 
schätzt er die Hellenisten. Das ferale Carmen, geschaffen hat, so wird sie auch bei der Bil- 
durch das der Unhold gelähmt wird , nrafs düng der Sage selbst der mafsgebende Faktor 
Daphnis gesungen haben (so schon 0. Jahn gewesen sein. 'Deuten' ist in solchen Fällen 
und jetzt auch Meitgenstein S. 259), es ist also nichts anderes, als die Bräuche und Anschau- 
gleichfalls eine Erfindung des Sositheos. Über- ungen nachweisen , für welche die Legende 
haupt ist es fraglich, ob die mythographischen eine Erklärung bieten will. 
Notizen unter III nur auf Sositheos zurück- 16. Es ist bemerkenswert, dafs zwei schon 
gehn, wie Manriharät annahm. — 12. Wenn von Mannhardt verglichene Parallelsagen gleich- 
bei Theohrit und in einigen Sätzen der Scholien 10 falls von Euripides behandelt und aus einer 
xm&LexiJca der &siog A. als Ideal des strammen altenBera&Zeeentlehntsind(s.ob.Sp.2066,12ff.). 
Mähers, als aqiarog &sqiaxrjg und Erfinder des Busiris opfert die Fremden oder die 'Vorüber- 
Schnitterliedes gilt, so scheint hier die ältere, gehenden' {Apollod. 2, 5, 11. Agath. F. H. Gr. 
oben vermutungsweise dem Euripides vindi- 4, 291), um einen Mifswachs abzuwenden, und 
eierte Form der Sage vorausgesetzt zu werden, Syleus zwingt die Vorübergehenden (srapioV- 
bei der eine Mähwette die Entscheidung brachte ; ras, Apollod. 2, 6, 3), seinen "Weinberg umzu- 
auch das Singen des Unholdes wird in die vor- graben, bis Herakles ihnen das Handwerk legt 
hellenistische Form der Sage gehören. Theohrit (Eurip. fr. 313ff. p. 452f. N. fr. 687ff. p. 575ff.; 
hat entweder ohne Kenntnis des sositheischen s. v. Wüamowitz, Eur. Serakies 38. 315 f.). Es 
Dramas, also vor Sositheos, oder — was dem 20 sind also Griechen, wahrscheinlich Dorier, die 
Vf. weniger wahrscheinlich ist — im Gegen- diese Legenden geprägt haben; Herakles pafat 
satz zu ihm geschrieben; dafs er mit seinem trefflich unter die Bauern und Winzer, ist er 
Milon Sositheos gemeint habe (Beitzenstein 241), doch selbst der Vorsteher der lakonischen 'Eq- 
ist auch hiernach nicht wahrscheinlich. — yüzsia. Man kann daher, obgleich das Wort 
13. Bei Sositheos (II) ist aus dem jtafs des AuvseGys barbarisches Gepräge trägt, nicht 
Midas, dem &siog A., ein vö&og von unbe- einmal mit Sicherheit behaupten, dafs die 
kannter Mutter geworden, der sich nur durch übrigen Elemente der Legende barbarisch sein 
seinen riesigen Appetit auszeichnet; dafs ein müfsten; in diesem Punkte geht Mannhardt 
richtiger Prinz mit der Sense hantierte, mochte zu weit. — 17. Dem ganzen Zusammenhang 
dem Hellenisten als angsTieg erscheinen. Seine so nach haben wir die in der Legende verarbeiteten 
Arbeitsleistungen stehen zu seinen Fourage- Voraussetzungen in alten Erntebräuchen 
ansprächen in keinem Verhältnis. Wenn ein zu suchen. Leider läfst uns hier die antike 
Fremder vorbeigeht, bewirtet er ihn mit einem Litteratur, die freilich auch unter diesen Ge- 
Henkersmahle, dann veranlafst er ihn, mit aufs sichtspunkten noch nicht durchgearbeitet ist, 
Feld zu gehen und ihm beim Getreideschneiden im Stiche. Um so ergiebiger ist die von 
zu helfen, haut ihm dabei den Kopf ab, bindet Mannhardt erschlossene moderne Überliefe- 
den Körper in eine Garbe und wirft ihn in rung: Für die ältere Form der Legende — 
den Maiander, wie Mannhardt 'S. 8 f. richtig Wettmähen und Auspeitschen des Erlahmenden 
aus der Erwähnung des Flusses V. 16 und der (nr. 3) — hat Mannhardt schon in den Wald- 
Strafe des Unholds geschlossen hat. — 14. Dafs 40 u. Feldkulten 2, 166 Analogieen nachgewiesen; 
diese ausführliche Form der Legende schon wie in dem 3. Kapitel der Myth. Forschungen 
vom attischen Theater ausgebildet sei {Mann- ausgeführt ist, ist das Auspeitschen des zurück- 
hardt S. 9), ist nicht wahrscheinlich, und würde bleibenden Mähers noch jetzt stehende Sitte 
unmöglich sein, wenn wir das Schweigen Theo- (s. bes. S. 146), und auch die antiken Feld- 
hrits richtig gedeutet haben. Über Sositheos kalte kennen ähnliche Begehungen (S. 115 ff.; 
führt keine sichere Spur hinaus. Aber die in Abzug kommt aber der schwerlich richtig 
überaus wunderlichen Einzelheiten , die wie behandelte Demeter - Festbrauch S. 121 ). In 
etwas Bekanntes und Selbstverständliches er- dem „Letzten" sah man nach Mannhardt den 
zählt werden, sind schwerlich Erfindung des Vertreter des Korndämons; dem ursprünglichen 
hellenistischen Dichters. Er hat sie entweder 50 Sinne nach entsprach die Ceremonie, die Mann- 
aus einer gelehrten Sagensammlung, oder — hardt S. 154f. ausführt, dem Schlagen mit dem 
wozu er seiner Herkunft nach wohl imstande Februum. Auch wer sich dem ganzen inein- 
war — aus kleinasiatischer Volksüberlieferung andergreifenden System seiner Deutungen nicht 
herübergenommen. anschliefst, wird doch den Wert der gebotenen 

Einzelbelege anerkennen müssen. 

B. Zur Deutung. 18> Nocü überzeugender und durchsichtiger 

15. Lityerses war ein Schnitterlied; wie mit ist die Deutung der zweiten Legendenversion, 

Bormos, Maneros und Linos (s. d.) scheint man wie sie Mannhardt, Myth. Forsch. 18 ff. 60 ff. 

mit dem Namen sowohl eine volkstümliche gegeben hat. Nach niederdeutscher wie nach 
threnodische Weise, wie die bei der Arbeit ge- 60 fränkisch - schwäbischer Sitte wird der letzte 

sungenen Improvisationen bezeichnet zu haben; Schnitter, oder ein vorübergehender Fremder 

die Überlieferung nimmt darauf Bezug, indem (S. 32 ff.), hie und da auch der Gutsherr in eine 

sie bald von einem Threnos nach dem Tode Garbe eingebunden; an seinen Hals legt man 

des Lityerses , bald vom Singen des Lityerses die Sense oder den Dreschflegel und singt ent- 

bei und nach der Arbeit spricht. Der Name sprechende Verse dazu, z. B. 'Wir wollen den 

des Liedes wird von einem Eponymos , einem Herrn bestreichen Mit unserm blanken Schwert, 

Heros abgeleitet, wiederdesLinos(s.d.),desBori- Womit man Felder und Wiesen schert.' Jetzt 

mos, des Maneros, des Hymenaios. Wenn also löst sich der Betreffende aus der nicht gerade 



2071 Lityerses (Deutung) Locheia 2072 

behaglichen Situation mit einer Gabe. Ur- etruskisch erklärten lituus (Etrusker 2 ' S. 211 f.) 

sprünglich aber ging er einer noch fataleren berührt. [0. Crusius.] 

Prozedur entgegen. In Tirol und Kärnthen Livicus, Livius oder Livix? In der von 
taucht man die eingebundene Person, nach deren Freudenberg in Jdhrbb. des Vereins v. Alterth.- 
L'änge die Halmlänge der nächsten Aussaat Freund, im Eheini. 39/40 (1866) S. 181 f. nr. 2 
vorausbestimmt wird, in den Inn oder den und Brambach, C. I. Bhen. 463 in folgender 
Dorfbach; dadurch meint man eine gute Ernte Form mitgeteilten, jetzt verschollenen Wid- 
förs nächste Jahr zu erwirken. Hier gilt der mungsinschrif't Apollini. Livici. j Cn. Cornelius j 
Hauptakteur ganz unverkennbar als Vertreter Aquilius Niger | u. s. w. schwankt die Über- 
des Kornes, als „Kornalter", wie der volks- 10 lieferung bei dem Beinamen des Apollo aufser 
tümliche Terminus lautet; seine angedeutete der angeführten Form zwischen Livic und Livio 
Tötung ist die Vollendung der Ernte, seine (vgl. die Angaben bei Freudenberg und Bram- 
Wassertaufe ein Regenzauber für das kom- back a. a. 00., wo auch die übrigen Publika- 
mende Jahr. Die zweite Form der Lityerses- tionen der Inschrift aufgeführt sind). Danach 
legende deckt sich so vollständig und in so nahm man einen Apollo Livius an (OreUi 2021 
vielen Gliedern mit diesem Erntedrama, dafs mit Eckhart, De Apolline Granno S. 8, als 
man zweifellos das Recht hat, ähnliche Bräuche topische Gottheit, deren Beinamen von dem 
für sie als Grundlage vorauszusetzen. — 19. Her- Orte Linn [zwischen Kaisers werth und Her- 
vorgehoben sei zum Schlufs, dafs unsere For- dingen am Rhein] abzuleiten sei, aufgefafst; 
derung, in den Bericht des Sositheos die Mäh- 20 J. Becker in Jahrbb. d. V. v. A.-F. im Bhlde. 
wette nicht einzuschieben (nr. 7), durch diese 17 [1851] S. 168 'Schutzgottheit der gensLivia'; 
Nachweise eine willkommene Bestätigung er- zweifelnd Freudenberg a. a. 0. und Brambach im 
hält. Die Aufforderung zum Wettmähen hat Index S. 380 s. v. Apollo), oder e. Apollo Livicus 
nur in der ersten Form der Legende (nr. 3) (E. Sersog, Gälliae Narbonensis prov. rom. 
eine verständliche Beziehung. An ihre Stelle Tiistoria. Lips. 1864. Appendix S. 149 nr. 653) 
tritt in der zweiten Form das Heranlocken der oder einen Apollo Livix (Soltzmann, Deutsche 
itaQiövTsg durch gastliche Bewirtung, an die Myih. Leipz. 1874 S. 79 : 'Dabei ist an das Bad 
Stelle der Bufse der heimtückische Überfall. Leuc zu denken; vielleicht zu gothisch lekeis 

20. Nur ein Zug der sositheanischen Le- Arzt'; zweifelnd Brambach im Index a. a. 0.). 
gende findet in den bei Mannhardt überreich- 30 [Der Dedikant Cn. Cornelius Aquilius Niger 
lieh beigebrachten modernen Erntebräuchen ist leg(atus) leg(ionis) I Mfinerviae) p(iae) 
kein Gegenbild: die Bewirtung des Fremden; ffidelis) item proconsul provinciae Galliae Narbo- 
der Hinweis auf „die Efslust, die in allen nensis item sodalis Hadrianalis. 'An Livius 
Zeiten und Zonen die unausbleibliche Folge hält auch fest Glück, Keltische Namen bei 
kraftverzehrender Erntearbeit gewesen sei", Caesar p. 106. da Livius ein gallischer Name 
genügt nicht (S. 18). Gerade hier aber _ läfst ist, li ir. = color, aplendor, also Apollini Livio 
sich vermutungsweise ein Stück antiker Über- = Apollini splendido. Vgl. Zeufs, Gramm. 
lieferung einfügen. Für die dritte horazische Celt? p. 20. 57. M. Ihm.] [R. Peter.] 
Epode von den schlimmen Wirkungen des Livor, der personifizierte Neid bei Claudian. 
ländlichen Knoblauchgerichtes hat man meist 40 in Bufinum 1, 28ff.: glomerantur in unum || 
die Hypothese in Bereitschaft, dafs Maecenas innumerae pestes Erebi, guaseumque sinistro\[ 
dem Horaz die Schüssel vorgesetzt oder zu- nox genuit foetu; nutrix Discordia belli, || im- 
geschickt habe; aber der Schlufs, der das be- periosa Farnes, leto vicina Senectus, \\ impa- 
weisen soll (V. 18), widerlegt es. Wo Horaz tiensque sui Morbus, Livorque seeundis anxius 
das furchtbare Gericht hat geniefsen müssen, etc. Vgl. Invidia und Phthonos. [Höfer.] 
zeigt V. 4: o dura messorum ilia: als Guts- Lixo? Einen Gott dieses Namens nahm man 
herr, bei den Schnittern auf seinem Felde. Hat auf Grund der Inschriften OreUi- Sensen 5897 
er sich der Sitte gefügt, die verlangte, dafs (Bagneres- de -Luchon) Lixoni deo Fab. Festa 
am letzten Erntetage der vorübergehende Guts- v. s. I. m. und Bevue archeol. ann. 13 Bd. 2 
herr die Kost der Schnitter teilte und mancherlei 50 (1860) S. 487: Deo Lixoni Flavia Bufi, f. Pau- 
verwandten Schabernack über sich ergehen lina v. s. I. m. an. Es hat sich jedoch ergeben, 
liefs? Diese Hypothese kann aber umsomehr dafs auf der ersten dieser beiden Inschriften 
Anspruch auf Beachtung erheben, als Soraz Ilixoni steht, und dafs die zweite eine Fäl- 
Sat. 1, 7, 28 auf einen verwandten Wein- schung ist, vgl. oben Sp. 119 s.v. Ilixo und 
gärtnerbrauch anspielt (Mannhardt S. 53 f., die daselbst angegebene Litteratur. Merimee (an 
wo Aristoph. av. 507 nachzutragen ist). Ist dem s. v. Ilixo a. 0. S. 65) erwähnt eine weitere 
das zutreffend — und Vf. hat so erklärt, ehe Fälschung mit dem Namen Lixo. [R. Peter.] 
er auf das Zusammentreffen mit der Lityerses- Lixo* (Ai^og), Sohn des Aigyptos und der 
sage aufmerksam geworden war — , so haben Nymphe Kaliadne, dem die Dana'ide Kleodora 
wir hier das Vorbild für das Henkersmahl, 60 als Gattin zufiel (Apollod. 2, 1, 5). [Schirmer.] 
das der mythische Schnitter dem Fremden zu- Lobes (Aöß-qs), Sohn des Astakos (s. d.). 
kommen läfst. Lobrine s. Kybele Sp. 1653 und Mater 

21. Alles in allem ist Lityerses das Proto- magna. 

typ des Schnitters mit seinen Liedern und Locheia, -ia (Ao%sia, -Ca), 1) Beiname der 

Bräuchen. Eine überzeugende Etymologie des Artemis als der Geburtshelferin, Orph. hymn. 

wahrscheinlich barbarischen Wortes ist noch 36, 3. Eur. Suppl. 958. Iph. Taur. 1097. Blut. 

nicht gelungen; denkbar ist es, dafs der erste Symp. 3, 10, 3. Luc. Dial. mer. 2, 3 (sv^aito 

Bestandteil sich mit dem von 0. Müller für zy Ao%sCa). Creuzer, Meletemata p. 28. Menan- 



2073 Locus sanctus Lokalpersonifikationen (älteste) 2074 

dros bei Spengel, Ehet. Graec. 3, 404. Aristid. — Der Plural Aöyoi erscheint — gleichfalls 

or. 1 p. 9 Bindorf; vgl. or. 2 p. 21. Bio Chrys. personificiert — bei Theodor. Hyrtak. bei 

or. 7 p. 269 B.; vgl. "A^xspig ■ ■ lo%eCr\g paia, Boissonade, Anecd. Graec. 1, 265. [Höfer.] 

Anth. Pal. 9, 46. 'A^xtpidog Xo%lav %u§us, ebend. Loimos (/fotfiog), die Pest als unheilbringen- 

9,311. äSCvmv y.siXi%m 'AqxsjuSi, ebend. 6, 242. der Gott gedacht (xäg xov äicoxgoitalov &sov 

— Ao%Cu steht absolut C.I. Gr. 4, 7032. 'Aqxs- Aoifiov xsigag äno%aiXvuv), Eust. ad Hom. II. 

(iiSi Xo%ela xä svaeysxiäi, C. I. Gr. 1, 1768 56,26. [Höfer.] 

= Newton, Anc. greek inscr. Brit. Mus. 2, 164; Lokalpersonifikationen, Ortsgottheiten. 

vgl. auch Gauer, Bei. 1 289. Collitz, Bialektinschr. Unter Lokal- oder Ortsgottheiten werden 

2, 1473. Eine Inschrift aus Gambreion in der 10 die göttlichen Personifikationen des Meeres, 

Nähe von Pergamon erwähnt einen vecbg zfjg der Flüsse, der Quellen, der Erde, Länder, 

'A^xspiäog t% Ao%iag, C. I. Gr. 2, 3562 = Bitten- Gegenden, Inseln, Ortschaften, der Berge und 

berger, Bylloge 470 p. 658 = Antike Skulpturen vereinzelt auch die einiger anderer Örtlich- 

in Berlin 1176 p. 455; auf einer Grabinschrift keiten, wie der Wege, Plätze, Häfen und 

aus Neapolis Boiorum 'Agtsfiitog nctXiig, zoip- Bergwarten zusammengefafst. Gemeinsam . ist 

<f6$ov, Xo%£rjg, Corr. hellen. 9 (1885), 519, und ihnen allen, dafs sie an die bestimmte Ört- 

vielleicht ist auch die Inschrift aus Halmyros, lichkeit, welche sie verkörpern, fest gebunden 

Corr. hellen. 15 (1891), 566 nr. 6, zu [!4ot]sf«6\ sind, und dafs sie gewöhnlich, wenn über- 

[Ad]%i-Ca zu ergänzen, vgl. Bevue arch. 19 (1892), haupt, auch nur an dieser selbst göttliche 

411. Lochia Biana, Gruter, Inscr. 1011, 3. Vgl. 20 Verehrung geniefsen. 

ferner Plato, Theaet. 18 s p. 149 b. Eur Hipp Ursprung und Entwicklung 

166 wo sie »low heifst, und Bd 1 Sp 572 dep ^^^ von Ortsgottheiten. 

Z. 47 ff. Nach dem Schol. rec. Pmd. Ol. 3, 54 .. & .*° 

(AQtifiidi) xjj ÖQ&ovoy rüg yvvainag iv xä *• Altere Gottheiten. 

toxstöI. ecpoQog yäg Xo%sCag ist der Beiname Eigenschaften und Thätigkeiten, die eigent- 

Orthosia (s. d.) = Xo%siu, vgl. auch Baunack, lieh nur lebenden Wesen zukommen, auf die 

Studien «69. — 2) Vgl. Aristid. or. 2 p. 21: 17 leblose Natur zu übertragen, ist der Mensch 

plv "AQTspig Xo%la Talg aXXaig iaziv, avzrj überhaupt geneigt; vor allem aber legt der 

{'A&jjvä) Se xy 'Aqtejjnöi Xo%Ca 3190s tag noch nicht prüfend erwägende Geist der Natur- 
yovag V &sog ysysvrjxai. [Höfer.] 30 Völker, ebenso wie der des Kindes, den Dingen 

Locus sanetns als Name eines göttlichen seiner Umgebung unmittelbar die Eigenschaft 

Wesens erscheint in der Inschrift G. I. L. 8, des Lebens bei, sobald sie irgend eine Thätig- 

10589 (Bordj Eheläl) Baribus Aug. et Loco keit auszuüben scheinen. Es ist dies der Stand- 

saneto Primus Aug. lib. u. s. w. und auch punkt des Märchens, in dem alle Dinge noch 

das. 2605 (Lambese) Loco sancito Genio vici empfinden, reden und handeln, und der Dich- 

sacru[mj. [R. Peter.] tung im allgemeinen, wenn sie von der Per- 

Locntins s. Indigitamenta u. Aius L. Bonifikation Gebrauch macht. 

Loebasins, angeblich sabinischer Name des Erst auf einer höheren Stufe der Entwick- 
römischen Gottes Liber (Serv. Georg. 1, 7 ; vgl. lung gelangen Naturmensch und Kind zu der 
Paul. p. 121. Placid. Corp. gloss. 6, 30, 9), s. ob. 40 Erkenntnis , dafs bei jeder Thätigkeit eine 
Sp. 2022. [Wissowa.] wirkende Kraft vorhanden sein mufs, welche 
"Logismos (Aoyionög), die personificierte Be- für beide aber auch nur dann erkennbar ist, 
rechnung, zusammen mit Tokos (Zins) Wächter wenn sie von belebten Wesen ausgeht, da 
des Plutos, Luc. Tim. 13. [Höfer.] sich alle Kraftquellen anderer Art ihrem Ver- 

Logios (Aöyt.og), Beiname des Hermes (s. d.) ständnis entziehen. Durch einen notwendigen 

als des Gottes der Rede, steht absolut bei Luc. Analogieschlufs werden sie deshalb dazu ge- 

Apolog. 2: xä Aoylm dvoopsv ; vgl. Luc. Gall.2: führt, für jede Kraftäufserung ein lebendes 

'Eqjiov . . Xcdiozdzov Kai Xoyuozärov &scöv Wesen als Urheber vorauszusetzen, auf dessen 

ccTtüvtcov. Aristid. or. 2 p. 22 Bindorf. Creuser, besondere Art sie aus der Beschaffenheit der 
Melemata p. 32 ; vgl. Orph. hymn. 28, 3 'Egfislcc 50 Kraftwirkung im einzelnen Falle schliefsen. 

.. Xöyov &vqxolai nqocpijza. Vgl. Böm. MM. 7 So ruft das Gebrüll (s. ob. Bd. 1 Sp. 1489, 10 

(1892), 226. [Höfer.] und ßoa Zy.ä[t,avSgog, Eurip. Troad. 29), der 

Logos (Aöyog), die personificierte Rede in wilde Lauf (s. ob. Bd. 1 Sp. 1489), die unbän- 

deni bekannten Wettstreit zwischen dem A. dige, die Erde aufwühlende Kraft und die be- 

di-Actiog und A. "Adixog bei Arist. nub. 889 ff. fruchtende Wirkung (s. ob. Bd. 1 Sp. 1488, 7ff.) 

Bei Bio Chrys. or. 1 p. 68 B. ist der A. 'Ogftög des Bergstromes den Glauben hervor, dafs ein 

gleich •dem als lo%vQÖg avfa, itolibg »al psya- Stier (auch wohl ein Rofs oder Eber; s. Ken- 

XötfQoiv gebildeten Nöpog, und Menandros bei tauren IX und Erymanthischer Eber unter Hera^- 

Spengel, Bhet. Graec. 8, 341 sagt jjöj; äs Kai kies im Anhang), bei dem man dieselben Eigen- 
rjpsig xov Aöyov zov Ai hg däsXqiov ävsitXd- 60 Schäften beobachtet hat, Urheber dieser Thätig- 

cafisv, mg iv ri&Mij avvötpsi; vgl. Schol. Aristid. keit des Wassers sei und in diesem seinen Wohn- 

pro Quatuorvir. 1 p. 173 Jebb. Znzsize, wäg sitz habe (vgl. die Stiergestalt der Flufsgötter, 

Xiysv zov Tiäva Xöyov, rj Xöyov dSsXcpöv. Bd. 1 Sp. 1489, 6 ff.), während ein in Win- 

Xcyofiev, ort xa itavxa 8iä Xöyov ovvsazrj. xa düngen zischend dahinfliefsender Bach die Vor- 

Ö£ nüvxa iaxl 6 näv däsX(f>bg £qcc 6 Iläv Stellung erweckt, als ob er einem schlangen- 

xov Xöyov. jiäXXov de 6 näv Xöyog, Siö iial artigen Wesen seine Lebensthätigkeit verdanke 

'Eqjiov vibg 6 Xöyog 6 £vre%vog, kuI kuqcc (s. ob. Bd. 1 Sp. 1489, 27. 1490, 2). 

&£ov8i,Sö(i,£vog elg'tociäsvaiv (s. Plat. Erat. 408). Doch die Kraftäufserung ist eine gröfsere, 



2075 Lokalpersonifikationen (älteste) Lokalpersonifikationen (jüngere) 2076 

als sie- bei einem gewöhnlichen Stiere und der- Seilenos, Okeanos, jGaia u. s. w.), während 
gleichen vorkommt, auch dauert sie länger man in die Vulkane feueratmende (Typhoeus, 
fort als ein solcher lebt, deshalb schreibt man Giganten) oder mit Feuer arbeitende Gewalten 
diesem Flufsstier übernatürliche Gröfse und (Kyklopen, Hephaistos) versetzte. Andere Berge 
Kraft, sowie unbegrenzte Fortdauer zu; damit zeigten an sich zunächst keine Eigenschaften, 
wird aber sofort aus dem Stiere der stier- die sie als belebt erscheinen liefsen, und so 
gestaltige Flufsgott , zunächst freilich noch werden sie in älterer Zeit auch nur als Wohn- 
ohne höhere geistige Macht. Doch sobald ort der Nymphen aufgefafst, welche die auf 
diese Stufe einmal erreicht ist, empfindet man, ihnen entspringenden Quellen sowie die Lebens- 
dafs ein Wesen, welches in körperlicher Be- 10 kraft der auf ihnen wachsenden Bäume und 
Ziehung das menschliche Mafs überragt, auch Pflanzen überhaupt verkörpern. Daneben er- 
geistig nicht unter dem höchst entwickelten scheinen allerdings einige besonders hohe Berge 
irdischen Wesen, dem Menschen, stehen kann. als Träger des Himmels, und obwohl auch diese 
Damit beginnt die Beilegung menschlicher Thätigkeit nicht notwendig Belebung voraus- 
Eigenschaften , die sich zwar anfangs noch setzt (vgl. Find. Pyth. 1, 19: %i<av 8' ovquvCu 
den tierischen einfach anreihen (ausgedrückt <svve%si, vufösad' Ahva), so wird doch Atlas, 
durch die Bildung des Tierkörpers mit Men- dem Hauptvertreter derselben (s. unt. Sp. 2109 f.), 
schenantlitz, s. Bd. 1 Sp. 1489, 60 ff.), aber mit menschliche Gestalt verliehen, wie ja auch 
dem zunehmenden Verständnis für die alles die Germanen die Berge als Riesen dachten 
Tierische weit überragenden Vorzüge des 20 (E. H. Meyer, Germ. Mythol. § 206 ; vgl. Alpos 
menschlichen Wesens führt dies notwendig oben Bd. 1 Sp. 2861 f.). 
zur vollen Vermenschlichung der ursprünglich ^j.xj.1- 
in tierischer Gestalt vorgestellten Götter, eine 2 - Jüngere ürtsgottheiten. 
Entwicklungsstufe, wie sie uns in den hörne- Bei der Entwicklung der älteren Reihe 
rischen Gedichten bereits entgegentritt (s. ob. von Ortsgottheiten stimmt naturgemäfs das 
Bd. 1 Sp. 1487, 19). , Geschlecht des Namens der betreffenden Ört- 

Einfacher ist der Gang, wenn von Anfang lichkeit mit dem ihres göttlichen V#rtreters, 
an die vermeintliche Thätigkeit des Natur- des ihr innewohnenden Lebewesens, überein, 
gegenständes sich aus menschlichen Eigen- weil beide derselben Form der Anschauung 
schatten zu erklären scheint, wie dies bei den 30 ihr Dasein verdanken. So sind sämtliche no- 
Nahrung spendenden Quellen und dem junges- zctfioi als Männer, die Kqrjvai oder nriyal als 
Leben hervorbringenden, fruchtbaren Erdboden Mädchen (ivüfujpat), yuia. als Frau gebildet, 
der Fall gewesen sein dürfte, die man sich während oqos ein Neutrum ist, da man sich 
deshalb als jugendkräftige Frauen gedacht die Berge ursprünglich in der Regel unpersön- 
hat (s. Gaia und Nymphen und vgl. den Ge- lieh vorstellte. Nachdem aber die naiv gläu- 
brauch von Ihjyr) als Frauenname, C. I. Gr. bige, mythenbildende Zeit geschwunden war, 
1195. 4, 9109). Bei diesem Gang der Ent- wurden in der Periode des Hellenismus, dem 
wicklung ist es selbstverständlich, dafs die jetzt hervortretenden Hang zum Sentimentalen 
Gottheit von dem Naturkörper, dessen Lebens- entsprechend, nach dem Vorbild jener älteren 
äufserung sie vertritt, nicht getrennt werden 40 Ortsgottheiten in der Dichtung sowohl wie in 
kann, dafs sie mit demselben entsteht und der bildenden Kunst neue Gestalten ohne wirk- 
vergeht und überhaupt sein Schicksal teilt. liehen Glauben an ihr thatsächliches Vorhanden- ' 
Mit der versiegenden Quelle stirbt deshalb die sein geschaffen, indem man bewufst und ab- 
Nymphe, durch Regulierung und Überbrückung sichtlich die Hauptmerkmale gewisser Örtlich- 
des Flusses wird der Flufsgott selbst gefesselt. keiten persönlich gedachten Wesen beilegte, 
— Doch hier trennt sich das Schicksal der sie dieser Vorstellung entsprechend gestaltete 
Ortsgottheit von dem der übrigen Götter. Das und sie so künstlich mit Hülfe des eigenen 
Hauptmerkmal des ihr zu Grunde liegenden überströmenden Gefühls belebte, wie man ja 
Naturkörpers ist die unverrückbare örtliche auch früher schon bei erregterer Empfindung 
Gebundenheit, die trotz aller sonstigen Ahn- 50 (vgl. z. B. Sophokl. Aias 856 ff. Philokt. 1452 ff. 
lichkeit jedeifeeinzelnen Flufs, Quelle, Gegend, Oed. tyr. 1391 ff.) geneigt gewesen war, Ort- 
Berg von allen anderen gleicher Art bestimmt lichkeiten und andere unpersönliche Dinge 
unterscheidet. Deshalb bleibt auch die Orts- menschlichen Denkens und Handelns (s. unten 
gottheit an der Scholle haften; es bildet sich Sp. 2079. 2082. 2108f.) für fähig zu halten. So 
nicht eine alle Flüsse u. s. w. belebende Gott- personificierte man jetzt auch die Berge, und 
heit, sondern ein ganzes Heer von Flufs-, zwar wurden sie, jedenfalls wegen ihres mehr 
Quell-, Berggöttern und Lokalgenien, die sich an männliche Eigentümlichkeiten erinnernden, 
hauptsächlich nur durch ihren Aufenthaltsort rauheren Charakters, unter Anlehnung an das 
von einander unterscheiden. Vorbild der in den Bergen wohnenden Flufs- 

Je augenfälliger aber die scheinbare Lebens- 60 götter als ältere oder jüngere Männer gebildet, 
thätigkeit eines Naturgegenstandes ist, desto wie ja ebenso die Eigennamen der meisten 
früher wird er der Phantasie Veranlassung bieten, Berge männlichen Geschlechtes sind, weiblich 
eine Gottheit dafür auszubilden. Die charakte- benannte Gebirge aber wurden, offenbar zu- 
ristischen Merkmale des Lebens sind nun Be- gleich in Rücksicht auf ihre Quellen, Wälder 
wegung, Thätigkeit und Fruchtbarkeit, und und Weideplätze, als Nymphen aufgefafst. 
so erhalten auch die Flüsse, Quellen, das Meer Aus der Gestalt der Gaia gingen nunmehr 
und der fruchtbare Erdboden zunächst be- durch Beigabe von unterscheidenden Merk- 
lebende Gottheiten (s. Flufsgötter, Nymphen, malen mancherlei Art die Vertreterinnen der 



2077 Lokalpersonifiiationen (jüngere) 

einzelnen Länder, Inseln und Stadtgebiete 
hervor, so dafs bei jeder Klasse von Orts- 
gottheiten zwei Entwicklungsstufen zu unter- 
scheiden sind: 

1) Die eigentlich mythischen Ortsgottheiten, 
welche für die Menschen ihrer Zeit reales und 
persönlich - individuelles Leben besafsen und 
der schöpferischen Thätigkeit gläubiger Phan- 
tasie ihr Dasein verdanken; 

2) die mit dem Schwinden des alten Glau- 
bens in hellenistischer Zeit sich aus den ersteren 
entwickelnden oder nach Analogie derselben 
durch reine Verstandesthätigkeit gebildeten 
Lokalpersonifikationen, welche hauptsächlich 
auf Gemälden und Reliefs an Stelle der für 
die Künstler jener .Zeit noch nicht real dar- 
stellbaren Landschaft zur Andeutung des Schau- 
platzes der vorgeführten Handlung Verwendung 
finden, daneben aber auch besonders auf Münzen 
als symbolische Vertreter von Ländern und 
Städten gebraucht werden. 

Die Scheidung dieser beiden Klassen ist bei 
Gestalten der bildenden Kunst nicht immer 
leicht durchzuführen; jedenfalls sind aber Orts- 
gottheiten als wirklich mythische Personen zu 
betrachten, sobald sie selbstthätig in die dar- 
gestellte Handlung eingreifen. Erscheinen die- 
selben dagegen als blofse Zuschauer, die etwa 
nur durch Hebung der Hand andeuten, dafs 
sie an einem Ereignis inneren Anteil nehmen, 
so ist eine sichere Entscheidung nicht zu treffen, 
da die Ortsgottheit selbstverständlich bei jedem 
beliebigen Vorgang, der sich in ihrem Bezirk 
abspielt, als Zuschauerin anwesend gedacht 
werden kann, und diese Vorstellung auch 
historisch den Übergang der einen Klasse in 
die andere vermittelt. 

Zuweilen findet sich noch eine dritte Art 
von Vertretern von Örtlichkeiten, wenn diese 
in Form der Metonymie durch ihre mythischen 
Gründer (vgl. z. B. Korinthos, Taras, Zakynthos, 
Trinakos; s. Bd. 1 Sp. 2473, 46 ff.) oder die in 
ihnen hauptsächlich verehrte Gottheit bezeich- 
net werden, wie dies z. B. bei Athen immer 
der Fall war, offenbar weil Athene in ihrer 
späteren Auffassung als Göttin des Weisheit 
und Tapferkeit der Personifikation der «unter 
ihrem Schutze stehenden Stadt selbst voll 
entsprach. *) 

Ott freilich bleibt es überhaupt zweifel- 
haft,' ob die eponyme Heroine oder die Per- 
' Bonifikation einer Stadt oder eines Landes 
gemeint ist, besonders da erstere_ ganz all- 
mählich durch Beigabe der für die Örtlichkeit 
oder ihre Bewohner charakteristischen Zeichen 
in die Form der abstrakt gefafsten Ortsgöt- 
tinnen übergehen, wenn nicht etwa, wie bei 
Kyrene (s. d.), die Verflechtung mit wirklichen 
Mythen auf diesen Vorgang hemmend einwirkt. 
Da also die Vertreter von Flüssen und Quellen 

*) So erscheint sie auf einem Urkundenrelief aus 
dem Jahre 356 v. Chr. neben der die Stadt Neapolis ver- 
tretenden Artemis - Parthenos bei Schoene, Griech, Reliefs 
nr. 48 und ähnlich ebenda nr. 49. 50. 53. 54. 62. 94. Ebenso 
vertritt aber Herakles die Stadt Heraklea (ebenda nr. 52 
und 113?) und Apollon Apollonia (C.I.Gr.l nr. 90). Vgl. 
auch das Fragment eines Reliefs, welches die etruskischen 
Bundesstädte darstellte, im Lateran (Benndorf u. Schoene 
nr. 212 S.130ff. Selbig, Führer durch Rom 1, 650). 



Lokalpersonifik. (i. d. Sprache etc.) 2078 

am frühsten und vollständigsten zu wirklichen 
Gottheiten geworden sind, so müssen sie als 
eigentlich mythische Wesen für sich besonders 
behandelt werden, wie dies in den Artikeln 
Acheloos, Camenae, Flufsgötter, Föns, Nym- 
phae, Lymphae u. s. w. geschieht. Lediglich 
ihre Verwendung als Lokalbezeichnung würde 
hier zu betrachten sein, gerade die Flufs- und 
Quellgottheiten hat aber O. Schultz in seiner 

10 Monographie über die Ortsgottheiten in so her- 
vorragendem Mafse berücksichtigt, dafs ich nur 
das, worin ich ihm nicht beistimme, gelegent- 
lich zu erwähnen brauche. Sonst möchte ich 
noch auf die lehrreiche Zusammenstellung 
der auf griechischen Münzen dargestellten 
Flufsgötter bei Head, Hist. nwm. S. 801 f. hin- 
weisen. — Eine Mittelstellung nehmen die 
Personifikationen des Meeres ein, die deshalb 
auch schon unter Amphitrite, Thalassa und 

20 Qkeanos besprochen werden. Nach einer kurzen 
Übersicht über diese mufs ich dagegen näher 
auf die Vertreter der Länder, Inseln, Städte, 
Berge, Wiesen, Häfen, Wege und dergleichen 
eingehen, da diese bis jetzt nirgends ausführ- 
lich und im Zusammenhang behandelt worden 
sind. 

Personifikation von Örtlichkeiten 
in der Sprache, Dichtung und der bil- 
„„ denden Kunst. 

Uralte Vorstellungen bewahrt die Sprache 
fast unverändert in ihren Bildern und Redens- 
arten, und immer wieder schöpfen besonders 
die Dichter aus diesem reichen, seit Urzeiten 
aufgespeicherten Schatze, daher sich aus den 
in der griechischen und römischen Dichtung 
auftretenden Metaphern, abgesehen von ein- 
zelnen subjektiven, aber eben deshalb meist 
auch rasch wieder verschwindenden Neubil- 

40 düngen, die Anschauungsweise, die das Denken 
dieser Völker in ihrem Kindheitsalter beherrscht 
hat, wie in einem Spiegel erkennen läfst. So 
beweisen eine grofse Anzahl Dichterstellen, in 
denen eigentlich nur lebenden Wesen zukom- 
mende Eigenschaften Örtlichkeiten verschie- 
denster Art beigelegt werden, dafs die persön- 
liche Auffassung von Naturgegenständen dem 
Geiste der alten Völker zu allen Zeiten eine 
durchaus natürliche war. Unbestimmt und in 

50 flüchtigen, vielfach wechselnden Umrissen ge- 
zeichnet ist das Bild, welches sich durch die 
Beilegung von personifizierenden Attributen 
füs die einzelnen Örtlichkeiten ergiebt, deut- 
lich aber tritt das allen Dichtern gemeinsame 
Streben hervor, auch die umgebende Natur 
als ihresgleichen zu erfassen und sie an der 
eigenen Empfindung teilnehmen zu lassen. 
Ihre natürlichen Eigenschaften und ihre Thä- 
tigkeit wird nach dem Vorbild des eigenen 

60 Wesens innerlich motiviert, so dafs sich, da 
diese Erscheinungen selbst unveränderlich sind, 
für jede solche örtlichkeit und ihren persön- 
lichen, mit ihr in der Vorstellung wechseln- 
den Vertreter ein fester und bleibender Cha- 
rakter herausbildet, der dann auch der vollen 
Personifikation, wenn sie sich von der Örtlich- 
keit gänzlich losgelöst hat, für immer anhaftet. 
Bei Betrachtung der einzelnen örtlichkeiten ist 



2079 Lokalpersonifikationen (Meer) Lokalpersonifikationen (Meer) 2080 

daher auch auf diese poetische Personifikation ideale in ihren Formen erläutert. München 1893 

Rücksicht zu nehmen. S. 68ff.: Die Personifikationen d. Meeres in grie- 

chischer Plastik) als reine Verkörperungen der 

A. Das Meer. Örtlichkeit nur dann zu betrachten, wenn sie 

Bei Homer schwankt die Vorstellung noch einem Vertreter des festen Landes gegenüber 
zwischen dem wirklichen Meere und der Meer- erscheinen. So werden Amphitrite und Posei- 
gottheit hin und her. Gewöhnlich ist der don mit Hestia verbunden (s. Bd. 1 Sp. 320,21 ff.), 
Okeanosstrom das Weltmeer selbst, zugleich und Okeanos (s. d.) lagert häufig, besonders auf 
aber doch &smv yeveoig (IL 14, 201. 302; vgl. Sarkophagreliefs, der Gaia gegenüber (s. Bd. 1 
246. 7, 99; vgl. Verg. Georg. 4, 382) und oft 10 Sp. 1584, 57 ff. und vgl. Cohen, Med. imp* 2 
auch ein völlig persönlicher Gott (s. Okeanos) ; S. 232, Adrien 1503) ganz in der bei Flufs- 
mit deutlichem Wechsel der Anschauung wird göttern gebräuchlichen Auffassung (siehe Bd. 1 
Eurynome (11. 18, 399) eine Tochter dipofäoov Sp. 1492f.), nur wird er stets als bärtiger Greis 
'Slxeuroto genannt. Ebenso werden der Am- dargestellt, auch durch Anker, Delphin und 
phitrite in der Odyssee nur solche Eigen- Krebsscheren von den Flufsgöttern geschieden 
schaffen und Thätigkeiten beigelegt, die auch (Cohen, Med. imp. 2 2 S. 198, Adrien 1109). Im 
dem Meere selbst zukommen (s. Bd. 1 Sp. 318 Schofse der Tethys ruht er auf einem Sarko- 
Z. 28 ff.). Pontos, Pelagos, Thalassa und Hals phagrelief mit Parisurteil bei Bobert, Die ant. 
bezeichnen dagegen bei Homer nur den Natur- Sarkophagrel. 2 Tf. 5, 11 S. 16. Der Aiyutos 
körper; das Meer selbst aber erhält mittelst 20 itovtos trägt als knieender Riese die um- 
poetischer Personifikation Busen (II. 21, 125 herirrende Leto auf der Schulter nach Delos 
u. öfter), Rücken (Od. 4, 560 u. ö.) und Nabel (Sarkophagdeckel in der Villa Borghese, Arch. 
(Od. 1, 50); es brüllt (II. 1, 482. 14, 394 u. ö.) Zeit. 27 1869 Tf. 16 S. 2lff.; vgl. Robert 
und freut sich (11. 13,29; vgl. Catull. 31, 13). Bei im Arch. Jahrb. 5 1890 S. 220 f. Hermes 22 
Hesiod ist jedoch nicht nur Amphitrite (Iheog. 1887 S. 460 ff. Overbeck, Kunstmyth. Apoll. 
243. 254), sondern auch Pontos (Theog. 131 f. S. 369 f. Heibig, Führer durch Born nr. 914; 
233) bereits eine wirkliche Gottheit geworden. s. unt. Sp. 2118 u. Abbild. 5). Früher deutete 

Nach der Anschauung der älteren Lyriker man auch die Figur T (nach Michaelis) im 

und Tragiker hat das Meer Arme (Aesch. Choeph. Westgiebel des Parthenon als Thalassa, seit- 
586 u. ö.) und Nacken (Fers. 72); es klagt (Pin- so dem jedoch die nackte Gestalt auf ihrem 

dar fr. 113) und lacht (Theogn. 9. Aesch. Prom. Schofse als Jüngling erkannt worden ist, wird 

90; vgl. Satyrios in der Anth. Pal. ed. Bubner diese Benennung hinfällig (Overbeck,, PI. 3 1 

10, 6), ist taub (Alkman fr. 6; vgl. Ovid Met. S. 297. Petersen, Die Kunst d. Pheidias S. 193. 

13, 804. 14,711. Herold. 8, 9. Ars am. 1, 531) Walz, Progr. d. Sem. Maulbronn 1887 S. 31. 

und hört (Eurip. Med. 29); es plaudert (Anakr. Furtwängler im Arch. Anz. 1891 2 S. 70f.). 

fr. 90), ruft (Eurip. Herc. für. 1296) und schweigt Eine der Ge Kurotrophos gegenübersitzende 

(Theokr. 2, 38), seufzt (Aesch. Prom. 432. Soph. Thalassa will aber Br. Sauer, Das Göttergericht 

Aias&lö; vgl. Verg. Aen. 3, 555), ist stolz (Aesch. über Asia und Hellas in „Aus der Anomia" 

Agam.liO; vgl. Ovid Met. 11, 524 ff.), verschwört S. 110 Tf. zu S. 96 ff., in der Figur 10 des Re- 
gien (Aesch. Ag. 651), wird besänftigt (Soph. 40 liefs vom Ostfries des Niketempels (Bofs, Tempel 

Aias 674) und schläft (Aesch. Ag. 566). der Nike Apteros Tf. 11) erkennen, obwohl sie 

In hellenistisch-römischer Zeit wird endlich nur als lang bekleidete, stehende Frau von 

auch Thalassa (s.d.) völlig personificiert, sodafs kräftigen Formen charakterisiert ist (vgl., je- 

sie zur Mutter der Teichinen und der Aphro- doch Pallat, Arch. Jahrb. 9 (1894) S. 22). Sicher 

dite wird. Bei den Dichtern aber erhält das bezeichnet tritt Thalassa als Statue erst im 

Meer dann auch Lippen (Antip. Sid. in der Weihgeschenk des Herodes Atticus zu Korinth 

Anthol. Pal. ed. Dübner 9, 407) und Antlitz auf, \»o sie aufserdem an der Basis in Nach- 

(Verg. Aen. 5, 848); es murmelt ( Verg. Aen. 10, ahmung der den Erichthonios emporhaltenden 

212. 291) und fürchtet sich (Anyte in der Anth. Gaia die Aphrodite als Kind auf den Armen 
Pal. 9,144. Val. Flacc. 2, 201. Verg. Aen. 1, 280. 50 trägt (s. Bd. 1 Sp. 320, 40ff.), sonst kommt auch 

3, 673. 10, 210); ist unempfindlich (Philodem. sie regelmässig in der bei Ortsgottheiten ge- 

in der Anth. Pal. 5, 107, 5. Philipp. Thess. wohnlichen Lagerung vor, durch Ruder und 

ebenda 9, 267, 5), erbarmungslos (Diodor. Sa^d. Delphin kenntlich gemacht; vgl. z. B. die 

in der Anth. Pal. 7, 624) , zornig (Horat. carm. Phaetonsarkophage bei Matz - v. Duhn, Ant. 

3, 4, 30. 9, 22. Ovid Met. 14, 471 u. sonst oft), Bildw. in Born 2, 3315. Fröhner, Not. d. I. 

grausam (Ovid Met. 11,701), feindlich (Julian sculpt. ant. du Louvre 1, 21, 425 S. 390. Auf 

"in d. Anth. Pal. 9, 398), übermütig (Xenokrit. Münzen von Corycus (Head, Hist. num. S. 602), 

ebenda 7, 291), trügerisch (Antip. Sid. ebenda Perinthus (Catal. Thrace S. 157) und vielleicht 

7, 407. Verg. Georg. 1, 254) und lügnerisch auch auf solchen von Iotape (Head S. 603) hat 
(Senec. Ag. 558), aber auch wieder mitleidig 60 sie Krebsscheren am Kopf, Ruder und Schiffs- 

(Plato el. 12 Bergk. Horat. ep. 1, 1, 84. Ovid knauf in den Händen. 

Met. 5, 557), sanft (Verg. Aen. 5, 848) und treu Als ftulaiTai werden von Philostrat. im. 1,27 

(Antip. Sid. in d. Anth. Pal. 7, 289). Endlich S. 402 Kayser, der wirklichen Farbe des Meeres 

erzeugt es auch die Seetiere (Verg. Georg. 3, entsprechend, grünlich - blau gefärbte Nymphen 

541; vgl. Tacit. Germ. 17); vgl. poixüv rr^v (yluvy.ee yivaia; vgl. Heibig, Wandgem. nr. 1184) 

üälazxav bei Xenoph. Hell. 1, 6, 15. bezeichnet, wie ja auch Horaz (Carm. 3, 28, 1) 

In den Werken der Kunst sind die Meer- von dem grünen Haar der Nereiden, Ovid (Ars 

gottheiten (vgl. H. Brunn, Griechische Götter- am. 1, 224. Met. 11, 158) von der coma caerula 



2081 Lokalpersonifik. (Erde, Länder etc.) Lokalpersonifik. (Erde, Länder etc.) 2082 



des Tigris und des Tmolos redet. Ebendahin 
gehört der männliche gehörnte Kopf (eines 
Flufsgottes?) mit blauem Gesicht und lauch- 
grünem Haar im Karlsruher Museum (Ar eh. 
Anzeiger 1890 1 S. 2), denn alles dies beweist, 
dafs der Künstler die Eigentümlichkeiten des 
Meeres selbst an der Meergottheit hat zum 
Ausdruck bringen wollen. Demgegenüber sind 
die den Isthmos bespülenden Meere (Phüostr. 
im. 2, 16 S. 419 Kayser) als schöne, heitere 10 
Frauen gebildet. 

Endlich ist eine reine, nicht mythisch auf- 
gefafste Personifikation des Meeres in der neben 
Gaia, der Luftgöttin (s. d.) gegenüber auf einem 
Meerungeheuer sitzenden Nymphe mit flattern- 
dem Gewände und Kranz in den Locken auf 
einem hellenistischen Relief in Florenz (Dütschhe, 
Ant. Bildwerke in Oberitalien 3, 353 S. 175 f.) 
zu erkennen, während auf dem ähnlichen kar- 
thagischen Relief im Louvre (Schreiber, Hell. 20 
Belief bilder Tf. 31. Fröhner, Not. d. I. sculpt. 
ant. du Louvre 1, 21, 414 S. 381; vgl. Arch. 
Zeit. 16 1858 Tf. 119, 2 und 22 1864 Tf. 189, 
sowie oben Bd. 1 Sp. 1575) das Geschlecht der 
entsprechenden, in ein schleierartiges Gewand 
gehüllten Figur den Abbildungen nach zweifel- 
haft bleibt. Heydemann, 12. Hall. Winckel- 
mannsprogr. S. 15 sieht in ihr einen triton- 
artigen Meergott; da jedoch der Unterkörper 
im Wasser verborgen ist, kann man von einem 30 
Fischschwanz nichts bemerken. 

Bei späteren Dichtern findet sich künstlich 
durch blofse Metonymie die erste Stufe der 
Anschauung wieder häufig vertreten, sodafs 
der Name der Gottheit für das Meer selbst 
gesetzt wird: Amphitrite (s. Bd.l Sp.318,49ff.); 
Thetis (Verg. bue. 4, 32. Mart. 10, 30, 11. Stat. 
silv. 4, 6, 18. Claudian 33, 149 u. ö.); Nereus 
(Ovid Her. 9, 14. Met. 1, 187. Tibull. 4, 1, 58. 
Butan. Phars. 1, 554. 2, 588. 713 u. sonst oft). 40 

B. Erde, Länder, Inseln, Ortschaften, 
a) Personifikation in Dichtnng und Sprache. 

Der Hauptgrund für die Personificierung 
der Erde und ihrer einzelnen Teile ist ihre 
Fruchtbarkeit, die man als eine wesentliche 
Eigenschaft des Lebens kannte. S.o entwickelte 
sich gewifs schon zu einer Zeit, als man sich 
noch nicht auf den Ackerbau verstand, in 50 
Griechenland die Vorstellung von den in dem 
Wachstum der Bäume und Wiesen wirksamen 
Nymphen (s. d.), in Italien diejenige von der 
zahllosen Schar von Ortsgenien ( siehe Bd. 1 
Sp. 1622). In dem trockenen Süden ist nun 
die natürliche Fruchtbarkeit eines Ortes durch 
die Bewässerung bedingt; und so erhalten diese 
Ortsnymphen oft den Namen der Quelle selbst, 
wie z. B. Kamarina(s. o. Sp. 943), Larissa, Mesma, 
Trikka; oder man legt ihnen auch, da sie sich so 
eben nur durch ihren Aufenthalt von allen 
übrigen ihrer Art unterscheiden, den Orts- 
name.n ohne weiteres als charakteristische Be- 
zeichnung bei, wie dies unter anderen bei 
Nemea, Messene, Aigina (s. d.), Ortygia, Li- 
para, Euboia (s. d.), Kerkyra (s. d.), Thebe, 
Harpina (s. d.) der Fall sein mag. 

Beim Auftreten des Ackerbaus erhält dann 

Koscher, Lexikon der gr. u. röm. Mythol. 11. 



auch die sich im Ackerland zeigende Frucht- 
barkeit ihre persönliche Vertreterin, sodafs 
die gsiScoQos &QOv<fa selbst den Erechtheus 
gebiert und den Otos und Ephialtes ernährt 
(Hom. II. 2, 548. Od. 11, 308 f.), oder das 
schwarze Ackerland, die yij piXuivu, zur Mutter 
der olympischen Götter wird (Solun bei Bergk, 
Poet, lyr. 3 fr. 36, 3), die der Ackerbau treibende 
Mensch ermüdet (Soph. Ant. 338; vgl. Eurip. 
Ion 542). Da nun aber die einzelnen Strecken 
des fruchtbaren Erdbodens nicht so scharf wie 
etwa die Flüsse und Quellen von einander ab- 
gegrenzt sind, so konnten die Vorstellungen 
der das Leben der einzelnen Ortlichkeiten ver- 
tretenden Wesen infolge ihrer Ähnlichkeit unter 
einander auch leicht zu der von ganze Länder 
belebenden Gottheiten und endlich zu der Ge- 
samtvorstellung einer einzigen mütterlich schaf- 
fenden Erdgottheit, der Gaia (s. d.), zusammen- 
fliefsen. Aber noch hei Homer scheint die 
Personificierung der letzteren nicht über die 
erste Stufe, auf der man sich der vollen Gleich- 
heit des Naturkörpers und der Gottheit stets 
bewufst war, hinausgekommen zu sein, da weder 
die Erwähnung von Söhnen der Erde (Od. 7, 324. 
11, 576), noch die Anrufung derselben als Schwur- 
zeugin (II. 15, 36; vgl. 14, 272. Od. 5, 184) eine 
andere Auffassung nötig macht. Und auch 
später legen die Dichter, aus deren Darstel- 
lung man die in der Anschauung des Volkes 
selbst lebenden Vorstellungen erkennen kann, 
mit demselben Doppelsinn sowohl dem ge- 
samten Erdboden als seinen einzelnen Teilen 
wohlwollende (Pindar Ol. 7, 64. Aesch. sept. 
17. 901. Suppl. 20. Ag. 411. Eurip. Phoen. 939. 
Tibull 1, 3, 62. 3, 3, 6) oder schlimme Gesin- 
nung (Eurip. Ion 919. Simm. Bhod. in d. Anth. 
Pal. 15, 24, 4) und überhaupt Verständnis bei 
(Eurip. Herc. für. 369. Agath. in d. Anth. Pal. 
9, 631. Val. Flacc. 1, 69. Ovid. Met. 14, 2. 
Aetna 84. Seneca Thyest. 633), sodafs er auch 
jetzt noch als Zeuge angerufen wird (Eurip. 
Hipp. 1025. Phoen. 626. Ardb. in d. Anth. P. 
16, 39, 3. Horat. carm. 2, 1, 30. Prop. 3, 11, 63), 
und alle anderen Eigenschaften belebter Wesen 
werden auf die Erde in ihrer Gesamtheit wie 
auf die einzelnen Länder übertragen. Die Erde 
oder eine Landschaft ist demnach Mutter von 
Menschen, Tieren und Pflanzen (Aeschyl. Prom. 
90. Verg. Aen. 12,900. Georg. 1, 13. 2, 173. 
Aen. 11, 71) und nimmt dieselben auch wieder 
auf (Verg. Ed. 8, 93. Aen. 11, 22); sie seufzt 
(Aesch. sept. 901. Verg. Aen. 9, 709. 12, 334), 
zittert vor Schreck (Verg. Aen. 7, 722. 10, 102. 
12,445. Georg. 1, 330), trauert (Verg. Aen. 11, 
287), weint (Verg. Georg. 4, 461), wehklagt 
(Ewrip. Troad. 826), liebt und sehnt sich 
(Aesch. fr. 44. Eurip. fr. 898, 7. Verg. Aen. 
8, 38. Horat. carm. 4, 5, 15), hafst aber auch 
(Soph. Aias 459. Eurip. Ion 919); sie erinnert 
sich (Soph. Oed. tyr. 1401), gehorcht (Philipp. 
in d. Anth. Pal. 9, 778. Verg. Aen. praef. 8), 
dient (Verg. Georg. 1, 30. Ovid. Met. 1, 516), 
herrscht (Horat. Ep. 1, 11, 26) und urteilt 
(Verg. Ecl. i, 58); verbündet und verschwört 
sich (Aench. Pers. 792. Horat. carm. 1, 16, 7), 
flieht (Verg. Aen. 0, 29. Ol); iit treu (Tibull. 
2, 6, 22. Ovid. rem. am. 174. Aetna 263) oder 

06 



2083 Lokalpersonifik. (Erde, Städte) Lokalpersonifik. (Länder, Inseln) 2084 

untreu (Horat. carm. 3, 1, 30. Ovid. ars am. (Pind. Pyth. 10, 1. Isthm. 6, 1. Soph. Oed.Kol. 

1 401 450 Prop 2, 15, 31), feindselig (Verg. 282 und sonst oft) und unglücklich genannt 

Aen 10, 295) und unwillig (Vera. Georg. 1, 224); (Alph. Mit. in der Anth. Pal. 9, 101. 104), sie 

sie freut sich und wird begrüfst {Soph. Phil. lieben (Pind. Pyth. 12, 1. Isthm. 7, 22. fc 

1464 Aias 859 Aristoph.Georg. 13 bei Meineke 7, 9. Eurip. Here. für. 467), hassen (Soph. Aias 

fr com 2 S 990 Afewa»d 8,1 ebenda 4 S. 76. 459) und werden gehafst (Horat. epod. 7 5. 

Macedon. in d. .Antf*. P. 7, 566. Catull. 31, 12. -Bp. 1, 16, 7), sie werden als Nachbarinnen be- 

Verg Ecl 4, 50. Georg. 2, 173. Ovid. Met. 3, 24) grüfst (Eurip. CyU. 281. Plato in d Anth. Pal 

und wird glückselig genannt (Pind. Pyth. 10, 1. 7, 256), als Bundesgenossmnen bezeichnet i (Anth. 

Soph Aias 596 Eurip. Bakch. 565. IjA. 2'awr. 10 Graec. app. 53 CWgny; und häufig als Mutter 

1482' Meleaqer in d. Anth. Pal. 12, 256, 11). betrachtet (Verg. Aen. 6, 784. 10, 172. 200. 

Sie lächelt (Rom. hymn.inAp. 118. Theogn. 9), Anth. Pal. 7, 18, 6. 78, 3. 428, 14. 573. 15, 47. 

wundert sich (Verg. Georg. 1, 38. Ecl. 6, 37), 16, 296 u. sonst oft). 

brüstet sich (Verg. Georg. 1, 102. J.e«. 6, 877) Noch entschiedener nahern sich einer vollen 

und tanzt (Eurip. Bakch. 114); sieht (Eurip. Personifikation von Ländern, Inselu oder Ort- 

Med 1251 Suppl. 322. Ovid. Met. 15, 53. Ate. schatten folgende Stellen. Zugleich Lokal und 

Messen in d Anth P. 7, 5, 4), hört (Euripid. Person ist Leios in der Unterredung mit Leto 

Med 57 Electr.m. Androm. 105. Verg. Georg. (Hom.hymn. 1, bl&), die svQvlsitiaviiGTviueoi 

1 474) spricht oder ruft (4escÄ. SttppJ. 584. ^tßäa (Pind. Pyth. 9, 56), Akragas (Pind. Pyth. 
Soph Oed tyr 47. Ewrip. Herc. für. 1295. 20 12, lff.), Theben (Pind. Ol. 6,85) und ya pars? 
TfteoÄr 17 71) bringt Kunde (Eurip. Heraklid. Ililuayiu (Eurip. Iph. Aul. 1498). Als zwei in 
748) oder schweigt und ist stumm (Eurip. ihre Nationaltracht gekleidete Jungfrauen er- 
Bakch 1084 Moschion fr. 6, 13 bei Nauck, scheinen Asia und Hellas der Atossa (Aesch. 
Trag Gr fr" S 814) Pers. 181ff.; vgl. unten Sp. 2087 u. 2091), und 

Die Erde hat eine Stirn (Pind. Pyth. 1, 30), später kniet die 'Aata % &cov nieder (Aesch. Pers. 

Brust und Busen (Hesiod th. 117. Pind. Nem. 929); die yaia. MSpov eilt zum Grabhügel der 

9 25 7 33 Pyth 9 101 u. sonst oft), Euter Kinder (Eurip. Herc. für. UM), Sicilia gut als 

(Hom II 9, 141. Verg. Aen. 3,95. 7, 262), Mutter ihrer Berge (Ewrip. Troad. 222) die 

Rücken (Pindar Pyth. 4, 26. 228 und öfter. tellus Italia erschrickt (Verg. Aen. 3 673), und 
Eurip. Iph. Taur. 46), Rückgrat (Agath. in d. so bei Stat. Theb. 2, 13 sieht sich Tellus sogar 

Anth Pal 6, 41, 5), Nabel (Pind. Pyth. 4, 74 mit Verwunderung zur Rückkehr geöffnet (%p- 

u sonst oft), Knochen (Choeril. fr. 2. Nauck, saque Tellus Miratur patuisse retro). Der 

Trag Gr fr 2 B 719. Ovid. Met. 1, 383), Adern liQog yaftog wird regelmäfsig in diesem Doppel- 

(Choeril. fr. 3 a. a. O. Verg. Georg. 2, 166), Ein- sinn geschildert (Aeschyl. Dan. bei Athen. \3 

geweide (Fero. ^«w. 6, 833. Owd. Jfet. 1, 138. S. 600 B, frg. 44 Nauck* Eurip bei .Aftan. 13 

2 274) Arme (Juftan in d. Anth. Pal. 9, 398). S. 599 F, /ty. 898 Nauck*. Lucret. 1, 250 f Verg. 
Länder und Inseln besitzen Augen (Pind. OL Georg. 2, 324 ff.; vgl. unten Sp. 2129). Ahnlich 

2 10 Aesch Eum 1025. CaiwZZ. 31, 1 u. sonst steht es mit Britanma, Germania, Hispania, 
öfter) Nacken (Pind. Ol. 3, 27. Agath. in d. Lydia, Maeotia terra, Henna parens , fertilis 
Anth Pal 9, 641), Brust (Pind. Pyth. 1, 19), w Hybla bei Claudian (m Ruf. 1, 131. De tert. 
Knie (Ovid. trüt. 4, 2, 2), Nabel (Callim. hymn. cons. Hon. 18. De quart. cons. Hon.VZl. De 
6 15 Cic Verr 4, 48, 106), Leib (Verg. Aen. cons. Stil. 3, 62. De sext. cons. Hon. 338. 

4 229 5 31), Haare (Catull. 29, 3. Ovid. am. 1, X>e rapt. Pros. 2, 72ff.). Gaia aber selbst die 
14 4ö' iVoioert 2 15 46). bei Hesiod theog. 124 als Mutter der den Göttern . 

' Auch die Städte werden in Rücksicht auf zum Wohnsitz dienenden Berge noch in 

das zu ihnen gehörige Gebiet ganz wie die dieser älteren Auffassung erscheint, tritt 

Länder und Inseln behandelt, so dafs die yij v. 163 ff. zum erstenmal m wirklich mensch- 

&soaia (Soph. fr. 825 bei Nauck, Trag. Gr.fr.* licher Gestalt klar vorgestellt auf. Nachdem 

5 323) und die Zvoqsvtov TQn%sia .... Kovin sie jedoch einmal von der immer weiter 
Kai noXlevrivmv yala (Macedon. in der Anth. 50 schaffenden Phantasie als Person voll ausge- 
Pal 11 27 1) gegrüfst wird. Die Stadt hat staltet ist, beginnt sie sich auch von der 
ein Haupt (Soph. Oed. tyr. 23. Verg. Ecl. 1, 24. Scholle, mit der sie vorher eins war loszu- 
Ovid fast 1,209. 4,256. Am. 1, 15, 26. Propert. winden; sie hört auf reine ürtsgottheit zu 

3 11 26) Augenbrauen (Hom. II. 22,411. Anth. sein und wird zur mythischen Person, zur 
Pal V, 478, 2. Orakel bei Herodot 5, 92, 2), Göttin Gaia (s. d.) und Tellus mater (s. d.), 
Augen (Eurip.Herc. für. 221. Suppl. 32b. Tibull. die freilich später, nachdem der Glaube an 
17 19) Schlund (Verg. Georg. 1, 207), Busen ihr göttliches Dasein wieder geschwunden 
(Pind Ol 14, 23 Em. Troad. 130), Rücken war, auch selbst wieder als blofse Lokal- 
(Aeschvl. Ag. 830), Nabel (Pind. dithyr. fr. Personifikation verwendet wird (siehe Bd. 1 
46 3 Bergk), Knöchel (Pind. Isthm. 6, 12). 60 Sp. 1582 ff.). Ebenso steht auf dieser zweiten 
Städte sprechen (Aeschyl. Ag. 1106. Aristoph. Stufe voller Personifikation die Insel Delos 
pac. 539 Acharn. 34. Theokr. 15, 126), erzählen (s. d.), die, wie Salamis (G. I. A.2, 962) und 
und beklagen ihr Schicksal (Ant. Arg. in der die thrakische Chersonesos, auch wirklichen 
Anth Pal 9 102 Ioann.Barbuc. in der Anth. Kultus hatte (Dittenberger, Syll 367 L. 173 und 
Pal 9 425 ff Önest. ebenda 9, 250), seheu 252 Z. 50), die Landesgöttin Kommagene (s.d.), 
(Verg Georg. 1, 490), trauern (Verg. Aen. 2, 26. Jj Acc^äcü^v (C. I. Gr. 1298»), Massaha ( Th. 
11 26) fürchten ( Verg. Aen. 9,473), sind mein- Beinach, Inscription de Phocee im Bull, de 
eidig (Verg. Aen. 5, 811), werden glücklich corr. hellen. 17, 34), Lipara (s. ob. Bd. 1 Sp. 2602 



2085 Lokalpersonifik. (i. d. Kunst) Lokalpersonifik. (Ortsnymphen) 2086 

u. Bd. 2 Sp. 287), Theben als Mutter mit golde- Wellen und Seetiere oder durch die Anwesen- 

nem Schild (Find. Isthm. 1, 1) , Aigina (Pind. heit von Satyrn, Nymphen, Bakehantinnen an- 

Isthm. 7, 18;. vgl. oben Bd. 1 Sp. 148), Hellas gedeutet, doch kommen schon auf schwarz- 

(Eurip. Hei. 370 ff.), Lerna (Eurip. Her. 419), ügurigen Vasen hin und wieder Gestalten vor, 

Arkadia, die Peloponnesos , Aonia - Boiotia die man wegen ihrer Ähnlichkeit mit sicher 

(Kallim. hymn. in Del. 70 ff.), die Insel Kos, als Ortsgottheiten bezeichneten Figuren auf 

die bei der Geburt des Ptolemaios jauchzt späteren Darstellungen selbst als solche in 

und den Knaben mit segnenden Worten in Anspruch nehmen mufs. 

ihren Armen wiegt (Theokrit. 17, 64ff.), Ai- Häufig erscheint eine Gestalt der be- 

gyptos und Europa (Antip. in der Anth. Pal. 7, 10 schriebenen Art auf den den Löwenkampf des 

241, 6), Aricia als Mutter des Virbius (Verg. Herakles behandelnden Gefäfsen, die jedenfalls 

Aen. 7, 762) und Populonia als Mutter des Abas mit Recht Nemea genannt worden ist (Ger- 

(ebenda 10, 172), Kerkyra (s. d.), Salamis und hard, A. V. 2, 93 f. 4, 308. Stephani, Petersb. 

die übrigen Töchter des Asopos (siehe Bd. 1 Vasensamml. 1,25. 68. Heydemann,Vasensumml. 

Sp. 643), sowie manche andere gewöhnlich als d. Mus. naz. z. Neapel nr. 2820, abgebildet bei 

eponyme Heroinen von Städten oder Ländern Baumeister, Denkm. 1 S. 655, 722. Eurtwängler, 

(s. z. ß. Atthis) betrachtete G estalten. Kommen Vasen im Antigu. z. Berlin nr. 1890. Walters, Gat. 

doch selbst unter den Bakchennamen Personi- d.Brit.Mus.m:.319. Heydemann, Griech.Vasenb. 

fikationen wie Lemnos, Delos, Euboia und Tf. 5, 3 S. 5), während die Bezeichnung ähn- 

Chione vor (Heydemann, 5. Hall. Winckel- 20 lieh gebildeter, beim Kampfe des Herakles mit 

mannsprogramm S. 44 f.). Geryoneus und Kyknos zuschauender Frauen als 

In späterer Zeit werden, dem natürlichen Erytheia und Ortsnymphe (Gerhard, A. V. 2, 

Streben, die Götter überhaupt mehr von ihrer 104 B. Furtwängler a. a. 0. nr. 2007. — Heyde- 

• begrifflichen oder elementaren Seite aufzufassen mann, Mitteil., 3. Hall. Winckelmannsprogramm 

entsprechend, solche Prosopopoiieen häufiger S. 84, 2) und die' einer bei dem Kampfe mit 

verwendet, daher bei Dichtern wie Clau- dem kretischen Stier sitzenden, bekleidetgn 

dian und Sidonius Wesen von der Art der Frau mit Stab, welche die linke Hand erhebt, 

Roma, Oenotria, Hispania, Gallia, Britannia, als Ortsnymphe (Furtwängler a. a. 0. nr. 1898) 

Africa eine bedeutende Rolle spielen (Purgold, noch bezweifelt wird. In Rücksicht auf 

Arch. Bern, zu Claudian u. Sidonius S. 9 ff.). 30 letztere kommt jedoch der Vergleich mit einer 

Besonders auffällig ist die Vorstellung, dafe langbekleideten,jugendlichenundunterZeichen 

die Insel Delos der Latona freundschaftlich der Überraschung und des Schreckens mit rück- 

die Füfse leckt (Claudian 1, 189). Die Schil- wärts gewendetem Blick flüchtenden Gestalt, 

derung dieser Gestalten schliefst sich sonst die sich bei der gleichen Kampfscene auf einer 

aber ganz an die inzwischen von der Kunst, schwarzfigurigen Vase der Sammlung Castellani 

zu der wir nun übergehen, entwickelten Typen (de Witte, Catal. nr. 31 S. 11)*) und auf einer 

an. Über die Weiterbildung dieser Personi- rotfigurigen mit der Überwindung des Talos 

fikationen in christlicher Zeit ist Piper, Myth. (Baumeister, Denkm. flg. 1804) findet, in Be- 

d. christl. Kunst 1, 2 S. 585 ff. zu vergleichen. tracht. Diese wird aber sicher mit Recht für 

40 die Nymphe Kreta erklärt, 

b) Personifikation in der bildenden Kunst. Unsicherer ist die Deutung der als Orts- 

1. Altere Zeit. gottheiten betrachteten Gestalten beim Kampfe 

Vor allem hat die bildende Kunst dazu des Theseus (s. d.) mit dem marathonischen 

beigetragen die in der Phantasie des Volkes Stier, obwohl auf späteren Gefäfsen auch bei 

lebende persönliche Auffassung von Örtlich- Theseuskämpfen Ortsgöttinnen sicher bezeugt 

keiten zu voller menschlicher Gestalt zu ent- sind (s. unten Sp. 2087). 

wickeln. Nur Gaia, selbst findet sich in einer Ganz ebenso wie auf den schwarzfigurigen 

die Übergangsstufe zur reinen Personifika- Va.sen sind diese Ortsgottheiten auf denen mit 

tio"h darstellenden Bildung, bei welcher eine roten Figuren behandelt, wie besonders die 

mütterliche Gottheit mit dem übeifkörper (siehe 60 Nemea bei Heydemann, V t äs. z. Neapel nr. 2861, 

Bd. 1 Sp. 1577 ff.) oder ein kolossaler Kopf, wie zeigt; hier wird aber einigemal durch bei- 

er der iisyälrj &eös zukommt (Furtwängler im gegebene Inschriften die Deutung sicher ge- 

Arch. Jahrb. 6 1891, 2 S. 113ff.), aus der Erde stellt. So erscheint Eleusis (inschriftlich) als 

hervorragt. Länder, Gegenden, Inseln und junges, vollbekleidetes Mädchen mit Diadem 

Städte sind immer in vollkommen menschlicher und Schleier, stehend, ohne Attribute neben 

Gestalt aufgefafst, und zwar treten dieselben Triptolemos, Demeter und Persephone auf 

a) in früherer Zeit, ihrer Grundbedeutung ent- einem Krater des Hieron, aus der Mitte des 

sprechend, stets als voll bekleidet» Frauen oder 5. Jahrhunderts v. Chr. (Mon. d. Inst. 9 Tf. 43, 1. 

Nymphen auf, die, wenn sie mit anderen Per- Klein, Griech.Vasen m. Meistersign. 2 S. 171,18; 

sonen verbunden sind, ihre Teilnahme an der eo vgl. Rubensohn , Die Mysterienheiligtümer, in 

Handlung meist nur durch Erheben einer Hand, * Eleusis u. Samothrake S. 32 und oben Bd. 2 

den Gestus der Klage und der Ermunterung, Sp. 1369 Fig. 16), und bei einer Darstellung 

bekunden. Da sie jedoch durch-kein besonderes der Leichenfeier des Archemoros (Heydemann 

Zeichen charakterisiert sind, bleibt ihre Be- a.a.O. nr. 3265; vgl. Stephani a. a. 0. nr. 523. 

nennung, wo cter Name nicht beigeschrieben Abbildung bei Overbeck, Bildw. z. Thcb. und 



ist, meist zweifelhaft. 

' . y ,, , ■ ) y |ji. uiBariuu as»i»i>uiiuu(£ ttui einer sunwariGiigungeil 

In der ältesten Kunst ist die Ortlichkeit Lekytho» in Wiun bei v. Sacken u. Kcnmr, hie Samml. d. 

freilich meist nur durch einen Baum, Felsen, Münz- u. Ant.-Kab. 1,2,2,47 s. «go. # 



*) Vgl. dieselbo Darstellung auf einer schwarztigorigen 
Kcnm 

66" 



2087 Lokalpersonifik. (Ortsnymphen) Lokalpersonifik. (Ortsnymphen) 2088 

Troisch. Heldenkr. Tf. 4, 2; s. ob. Bd. 1 Sp. 2687 nahe steht. Die hinter Daidalos und Ikaros 
Z 57) NEMEA als reich bekleidete Frau mit sitzende Frau mit Schale ist jedoch schwer- 
erhobener Rechten hinter Zeus. Ähnlich sitzt lieh mit Heydemann, Vasen z. Neapel nr. 1767 
0HBH beim Drachenkampf des Kadmos auf und in der Arch. Zeit. 26 1868 S. 65 für Kreta, 
einer Vase des Assteas {Heydemann a. a. 0. oder die bei der Übergabe des Iakchos an 
nr 3226) mit einem modiusartigen Diadem Hermes auftretende mit Stephani, Petersburger 
geschmückt, oberhalb der Schlange und blickt, Vasensamml. nr. 1792 für Eleusis, oder die der 
sich nach Art späterer Darstellungen von Orts- Aphrodite gegenüber auf einem Kasten sitzende 
gottheiten auf einen Felsen stützend, zu KPH- Nymphe eines Kraters aus Ruvo {Mmum. d. Inst. 
NAIH hin die ebenso wie der Flufsgott Ismenos 10 4, 23. Brunn, Ann. d. Inst. 21 S. 330. Papas- 
(vgl. unt. Sp.2137) beweist, dafs wir hier wirk- liotis in d. Arch. Zeit. 11 1853 S. 41) für Olym- 
liche Ortspersonifikationen vor uns haben. Auf pia zu erklären. 

einem anderen Gefäfs thront 0HBA in ähnlicher Solche nicht näher charakterisierte Orts- 
Gestalt unterhalb der Schlange dem Ismenos nymphen finden sich jedoch schon frühzeitig 
gegenüber {Furtw&ngler&.&.O.mc. 2634. Abgeb. auch auf Münzen: Aus der Zeit von 550 — 
o Bd 2 Sp. 837 f.); vgl. auch Kadmos und Thebe 479 v. Chr. Velia, Kyme (P. Gardner, The types 
auf einer rotfig. Hydria des Louvre (B. Bochette, of greek coins Tf. 1, 7. 8), Segesta {Read, Hist. 
Mon. ined. 4, 2. Miliin, Gal. myth. 98, 395. num. S. 144); dann (479 — 431 v.Chr.): Terma 
Heydemann, 13. Hall. Winckelmannsprogramm (P. Gardner a. a. 0. 1, 23; vgl. 5, 20. 23. Head 
S 52 45 Arch. Zeit. 29 1871 S. 36 f.). Auf 20 a.a.O. S. 97), Pandosia (P. Gardner Tf. 1, 29; 
der Perservase (Mon. d. Inst. 9 1873 Tf. 50 f. vgl. Head S. 90), Trikka {Head S. 263) und 
Wiener Vorlegebl. Ser.7 Tf.6) sind Hellas (s. d.) später (431—336) Rhodos {Head S. 539), Olym- 
und Asia als vollbekleidete Frauen einander pia (Münzen von Blis bei P. Gardner Tf. i S, 27; 
gegenübergestellt, aber nur durch hochmütige Catal. of gr. coins, Peloponn. Tf. 13, 3 ff.), Nola- 
Haltung, etwas reicheren Sohmuck und durch- (P. Gardner Tf. 5, 21), Sinope {Head S. 434), 
scheinende Kleidung ist letztere vor ersterer Buboia (Münzen von Eretria bei P. Gardner 
ausgezeichnet. In gleicher Art sitzt Hellas Tf. 7, 15. Head 8.301), Salamis {Head S. 329). 
als Schutzflehende in der Versammlung der Hierher gehören endlich auch die als be- 
Olympier auf zwei Vasen {Tischbein, Engravings kleidete Frau mit grofsem Kalathos und er- 
2, 1 und danach Arch. Am. 1892 3 S. 126, und 30 hobenen Händen gebildete Messene auf einem 
eine Neapeler Vase, nr. 3256, Monumenti 2, 30), Urkundenrelief aus dem Ausgang des 5. Jahr- 
deren Vorbild in das fünfte Jahrhundert zu hunderts v. Chr. {Michaelis in der Arch. Zeit. 
gehören scheint {Koepp im Arch. Ans. 1892 3 34 1876 S. 104) sowie Kerkyra und Peloponne- 
S 124ff)*) Vgl. die Ortsnymphen o. Bd. 2 Sp. 841. sos (?) auf ähnlichen Reliefs aus den Jahren 
Die alte Frau endlich, die auf sieben rot- 375/74 und 362 v. Chr. Sie erscheinen als 
figurigen Schalen bei dem Kampfe des Theseus vollbekleidete Frauen mit emporgezogenem 
mit der krommyonischen Sau vorkommt und Schleier; die letztere trägt ein Scepter in der 
angstvoll für das Tier um Schonung bittet Linken {v. Duhn in der Arch. Zeit. 35 1877 
(s Theseus) ist auf einer Vase in Madrid in- S. 170 Tf. 15. v. Sybel, Eatdl. d. Skulpt. zu 
schriftlich als KPOMYQ sicher gestellt {Bethe 40 Athen nr. 3999 S. 289. nr. 3989 S. 286). Ein 
im Arch. Anzeiger \W$ S.8; vgl. Antike Benkm. solches Scepter ist jedenfalls auch der für 
2 Tf. 1). eine Fackel erklärte Stab in der Hand der Ver- 
Wahrscheinlich sind demnach Ortsnymphen treterin von Sicilien oder Syracus auf einem 
auch in den beim Kampf des Theseus mit Skei- Urkundenrelief aus dem Jahre 393 y. Chr. 
ron {Heydemann, Vasen z. Neapel nr. 2850) und {B. Schoene, Griech. Bei. Tf. 7, 49. C. I. AU. 2, 8. 
bei dem des Pelops zuschauenden Frauen zu v. Sybel a. a. 0. nr. 3907 S. 280), welche Deutung 
erkennen {Brit. Mus. Catal.nr. 1434), besonders Schultz, Ortsgotth. S. 29 wohl mit Unrecht be- 
da letztere "sich mit der Rechten auf einen zweifelt. ■,,.,,. 
Felsen stützt. Zweifelhaft bleibt dagegen die Derselben Gattung dürfte endlich die Statue 
Benennung der Frau mit Lorbeerzweigen in 50 angehört haben, welche^ die Lindier^ als n\v 
de"a Händen bei einem Stierkampf {Heydemann XannQozätrjv mar^lSu xr\v xcdrjv PöSov der 
a. a 0. nr. 2413; vgl. aber 11. Hall. Winckel- Athana und dem Zeus weihen (Inschr. im 
- mannsprogr. S. 13), sowie der Palmenträgerin N. Bhein. Mus. 4 S. 189), sowie diejenige, 
bei einem Parisurteil {Furtwängler, Vas. i. Ant. welche zu der von B. Meister in Bezzenbergers 
z. Berlin nr. 3290), welcher allerdings die einen Beitr. 6 S. 17 veröffentlichten Inschrift: a ya 
Palmenzweig tragende Nemea des Albanischen lagä Jiovovaio xij ras nöliog &£ieitslatv av 
Marmorsefäfses {Miliin, Gal. myth. 112, 434) avi^rpis Ssvsag IIov9covos gehörte. Vgl. auch 

. oben Bd. 2 Sp. 2077 Anm. 

*) Br. Sauer (Aus der Anomia S. 96 ff.) erkennt (bei x • 

Besprechung zweier spätem Eeiiefs, die Rotiert in den g) Ortsnymphen in symbolischer Handlung, 

mmi. d. athm. imt. Tf. i und 2 veröffentlicht hat) auf so aber olm g bestimmtere Charakterisierung. 

dem Eelief vom Ostfries des Niketempels (Sauer a. a. O. ' 

S. 96) eben dieses Göttergericht. Die von Schmerz ge- Den Darstellungen der Vasen waren jeden- 

beugte, auf ihrem Sessel zusammengesunkene weibliche falls die Hellas und Salamis auf dem Gemälde 

Gestalt (Fig. 23) ist die angeklagte Hellas. Ihre in ^ es PanainOS in Olympia (s. Bd. 1 Sp. 2067, 60) 

ruhiger Haltung dasitzende Gegnerin Asia (Kg. 7) ist ähnlich da sie ihnen ja auch zeitlich nahe 

gröfstenteils zerstört. Das Ganze bildet eine attische stellen .' w i e a t, e r schon auf der Perservase 

Gerichtsverhandlung. Auf einem der späten Eehefs wird ' p , „ on«? 1 ! TTpllaa linrl Asia nicht 

Asia als thronende Herrseherin aufgefafst (Sauer a. a. 0. («• oben Bd 2 Sp 2087) Hellas und Asia , nlCM 

S.106). S. dagegen l. Paiiat im Arch. Jahrb. 9 1894 S. 22. mehr als blofse Zuschauerinnen aultreten, so 



2089 Lokalpersonifik. (Ortsnymphen) 

überreichte hier Salamis der Hellas den Schmuck 
eines persischen Schiffes (Paws.5,11,5). Dieser 
Fortschritt in der Belebung der Ortsgottheiten 
zeigt sich ebenso in der Gruppe des Amphion 
zu Delphi (Paus. 10, 15, 6), in welcher Kyrene 
als Wagenlenkerin des Battos, Libya als Kranz- 
spenderin auftritt. *) Auf dem einen der etwa 
zu .gleicher Zeit entstandenen Gemälde des 
Aglaophon oder Aristophon (Brunn, Gesch. d. 



Lokalpersonifik. (Ortsnymphen) 2090 

des röm. Münsw. S. 326; vgl. Eckhel, D. N. V. 1 
S. 176). *) 

Theba hält einen Helm (Theben, nach 447 
v.. Chr., Head S. 296 ; im Gatal. of the gr. coins 
in the Brit. Mus., Centr.-Greece S. 72, 42 wird 
die Gestalt jedoch als Harmonia gedeutet; vgl. 
ebenda nr. 41); Trikka öffnet eine cista (Trikka, 
480—400 v. Chr., Catdl., Thessaly to Aetolia 
S. 52); Istiaia erhebt auf dem Hinrcrteile eines 



firiech. Künstler 2, 54) bekränzen Olympias und 10 Schiffes sitzend eine Trophäe (Histiaia, 313 
Pythias den Alkibiades, auf dem anderen hält 265 v. Ckr., Head S. 308. P. Gardner a. a. 0. 
ihn Nemea auf den Knieen (Satyr, bei Athen. Tf. 12, 11; vgl. oben Bd. 1 Sp. 2696). 
12, 534 D. Plut. Ale. 16). Auf derselben Stufe Als Nachbildung eines Weihgeschenkes der 

steht aber schon die von dem Parier Aristan- Leukadier in Korinth ist die Zeichnung eines 
dros gefertigte und zur Feier des Sieges von der ersten Hälfte des 4. Jahrhunderts v. Chr. 

Aigospotamoi zu Amyklai um 400 ^ — — — ~_ angehörenden Spiegels (s. Abb. 1) 

v. Chr. aufgestellte Statue der ^^M\n. Jbsm>~:^ zu betrachten, auf der AEYKAI 




Sparta mit einer Lyra in 
der Hand (Paus. 3, 18, 
8. Overbeck, Plastik" 
2 S. 386), die von 
Arete (s. d.) be- / 
kränzte Hellas in 
der Gruppe des 
Euphranor, des 
Nikias Nemea 
aufdemLöwen 
(Brunns,, a. 0. 
2,194. Plin.n. 
h. 35, 11, 131) 
u. die kranz- 
spendende 
Hellas (s. d.) 
und Elis in 
Olympia. Von 
Werken glei- 
cher Art sind 
noch zu erwäh- 
nen: die von Se- 
leukos und Anti 
ochos bekränzte Ty- 
che von Antiochia, d 
als Nachbildung der Sta- 
tue des Eutychides zu l 
trachten ist (Joh. Malalas 
1 u. 276, 5. Wolters in d. Areh. 

Zeit 42 1884 S. 162); die von Ar- l) Korüithos von Leukas be . . .. 

temisia gebrandmarkte Rhodos kränzt, Spiegel (nach zw»* <* welche auf gallischen Schilden 
(Vitruv. 2, 8, 15); die den Kitharö- ™»; f ™ g ^ ■**" ™**™A Har«, B telH i«t ß™.. SW 



als jugendliche, langbeklei- 
dete Frau mit Locken- 
-t x haar und Hals- und 
^ ,\ Armschmuck den 
zeusartig gebilde- 
ten, vor ihr sitzen- 
den KOPIN0OI 
bekränzt (Du- 
mont et Cha- 
plain, Les 
ce'ram. d. I. 
Grece propre 
2 Tf. 31 
S. 188 ff.). 
Ebenso zeigt 
eine Münze 
aus der Zeit 
von 279 — 168 
v.Chx.(Imhoof- 
Blumer, Monn. 
gr. S. 145 und 
Choix de monn. 
r. 2 Tf. 1, 39. P. 
Gardner, The types 
coins Tf. 12, 40) 
die von den Aitoliern 
zum Andenken an ihren 
Sieg über die Gallier nach 
Delphi geweihte Statue der ge- 
rüsteten Aitolia (Paus. 10, 18, 7), 



den Anaxenor mit Purpur schmü- 
ckende Magnesia (Strabon 14, 1, 
41 S. 648); Ortygia als Wärterin der Kinder der 
Leto (Strabon 14, 1, 20 S. 639 f.) und Troia als 
Gefangene (Libanios 4 S. 1093). 

Auf älteren Münzen findet sich in derselben 
Auffassung Messana, die in Rücksicht auf 
dort stattfindende Spiele auf einem Maultier- 
gespann stehend von Nike gekrönt wird (aus 
der Zeit von 480 — 396 v. Chr. bei Read, Eist, 
num. S. 134 f.); auch Terina und Nikopolis 60 die beiden ersteren sitzen, Libya liegt in der 

werden von Nike gekrönt (Catal. of gr. coins, * "' "" ^ 

Italy S. 392; Thrace S. 44). TTIITIZ bekränzt 
dagegen die mit Schild und Lanze dasitzende 
PQMH auf einem Didrachm. von Lokroi aus 
der Zeit vor 274 v. Chr. (Th. Mommsen, Gesch. 

*) Vgl. o. Bd. 2 Sp. 1726 f. u. 2037, sowie die Bekränzung 
des Demos (Demosth. de Corona S. 256. Pulyb. 5, 88 ; Dumont 
et Ohaplain, Les ce'ram. de la Grece propre 2 S. 176). 



sitzend dargestellt ist. Ganz ähn- 
lich ist Bithynia auf Münzen 
des Nikomedes I. gebildet (Im- 
hoof- Blumer, Mon. gr. S. 146). — Dieser Auf- 
fassung der Landespersonifikationen steht im 
allgemeinen auch ein schönes Bronzerelief 
der besten Zeit, das sich jetzt im Britischen 
Museum befindet, nahe (Arch. Zeit. 42 1884 
Tf. 2, 2. Robert ebenda S. 139); hier ruhen 
Europa, Asia und Libya, als fast nackte Mäd- 
chen aufgefafst, an der Brust des Okeanos, 



bei Ortsgottheiten gewöhnlichen Stellung. Da 
diese Erdteile ebenso als zwei liegende und 
eine stehende nackte Frau auf einer Münze 

*) In ähnlicher Weise bekränzt auf einem bekannten 
Cameo zu "Wien {Müller - Wieseler, Denkm. 1, 69, 377) die 
Oikumene, mit Mauerkrone und Schleier geschmückt, den 
Augustus und auf dem Belief des Archelaos von Priene 
den Homer (Baumeister, Denkmäler Fig. 118). 



2091 Lokalpersonifik. (Ottsnymphen) Lokalpersonifik. (Stadigöttinnen) 2092 

mit der Umschrift Befensor orbis (Cohen, Med. Taube nachfolgt, in deren Gestalt sie Zeus 

imp. 2 6,71 Victorien 29) erscheinen, so ist verführt haben sollte (Athen. 9, 51 S. 395 A. 

schwerlich mit Engelmann in der Arch. Zeit. Aelian v. h. 1, 15). 

a a. S. 212 an Pontos, Hellas, Peloponnesos .. , ,, ..... ., ,, , 

und Kreta zu denken. In ganz ähnlicher Weise *) Stadtgothnnen mit Mauerkrone, 
sitzt auf einem späteren Werke die Vertreterin Zuletzt kommt, anfangs vereinzelt, dann 
der vom Meere umhergetragenen Insel Delos immer häufiger und allgemeiner als Kenn- 
auf der Schulter des als knieender Biese auf- zeichen der Stadtgöttinnen die Mauerkrone 
gefafsten A%aios Pontos, falls nicht besser in Gebrauch, da die Mauer das wesentlichste 
diese Gestalt alsLeto und das vor ihr stehende 10 Merkmal der Stadt ist. Die Beigabe dieses 
Mädchen als Delos zu erklären ist- (Sarko- Symbols war jedoch schon längst durch die 
phagdeckel in der Villa Borghese, Arch. Zeit. Dichter vorbereitet, denn bereits Homer nennt 
27, 1869 Tf. 16 S. 21 ff.; vgl. Bobert im Arch. die Stadtmauern Tgoir]$ Xinaqä KQridepva (Od. 
Jahrb. 5 1890 S. 220f. Hermes $2 1887 S. 460ff. 13,388 und die eingeschobene Stelle der Bios 
Heibig, Führer d. Born nr. 914; s. unt. Sp. 2118 16, 100; vgl. Hom. Hymn. in Cer. 151. Hesioä. 
u. Abb. 5). seut. 105. Bacchyl. fr. 27 bei Athen. 2, 39 F), 

und Sophokles (Antig. 122) sowie Euripides 
y) Genauer charakterisierte Ortsgöttinnen. (Hecub. 910. Troad. 508. 784) sprechen von 
Einen weiteren Fortschritt in der Bildung einem Kranz von Türmen; auch wirkte be- 
von Ortsgottheiten bildet die Beigabe von 20 sonders in Kleinasien die Analogie von alten 
Symbolen. Wo der Name der Stadt selbst Göttinnen, die als Herrinnen und Schützerin- 
von dem der Stadtquelle abgeleitet war, wird nen von Städten die Mauerkrone trugen, wie 
auch die Vertreterin der Stadt mit den Sym- die Ephesische Artemis (s. Bd. 1 Sp. 592, 47 
holen der Quellnymphe . dem Wassergefäfs u. die Abb. Sp. 588), Astarte (s. Bd. 1 Sp. 651), 
(Mesma, um 344 v.Chr., Head, Hist. num. S.89), Kybele*) (s. Bd. 2 Sp. 1647, 30ff.) und Tyche 
der Schale (s. Himera) oder dem Ball (Larissa, (s.d.),mitwelcherGestalter,,wiediealsdenGelas- 
430 — 400 v. Chr., Head S;253f.; Trikka, 480 stier krönende Frau mit Mauerkrone gebildete 
— 400 v. Chr., Catal. of the greelc coins in the Sosipolis (Münzen von Gela, 466—415 v. Chr., 
Brit. Mus., Thessaly to Aetolia S. 52) dar- Head, Hist. num. S. 122), verwandt sind, 
gestellt. Ähnlich steht es mit der Nymphe so Infolge ihres abstrakten Wesens erhält ins- 
des Sees und der Stadt Kamarina, die auf besondere Tyche allmählich eine Mittelstellung 
einem Schwane sitzend gebildet wird (461 — zwischen einer Schutzgöttin und einer Personi- 
405 v. Chr., Head S. 112). Sonst deutet man fikation der Stadt selbst. In diesem Sinne 
häufig die Fruchtbarkeit der Gegend entweder fafste sie um 295 v. Chr. Eutychides auf, in- 
allgemein durch Beigabe von Ähren (Halbinsel dem er sie Ähren und Palmenzweig haltend 
Pelorias auf Münzen von Messana, 420—282 und mit der Mauerkrone geschmückt, der Lage 
v.Chr., Head S. 135 f.; Segesta, seit 415 v. Chr., der Stadt Antiochia entsprechend, auf einem 
HeadS.libG.; Halbinsel Pallene (?) auf Münzen Felsen sitzend darstellte, während zu ihren 
von Potidaia, 500 — 429 v. Chr. , Head S. 188) Füfsen der Gott des Flusses Orontes nach 
oder durch ein charakteristisches Produkt, wie to unterirdischem Laufe aus dem Felsen hervor- 
das Silphium in Kyrene (530 — 480 v. Chr., bricht (Paus. 6, 2, 4. Brunn, Gesch. d. gr. K. 
Head S. 727; vgl. o. Bd. 2 Sp. 1728ff.) und die l,412f. Overbeck, Plastik 2 3 S.135. Chabouillet, 
üppig blühende Myrte Siciliens (Sikelia mit Cat. des camees nr. 1749 ff.). Dieser Typus ist 
Myrtenkranz, Münzen von Aläsa, Herbessos, dann mehrfach auf andere ähnlich gelegene 
Morgantina, um 340 v. Chr., Head S. 110. 125. Städte übertragen worden (s. ob. Bd.l Sp. 1493 
138)° an. Auf den Honigreichtum von Hybla Z. 32 ff.). Auf Münzen wird zuweilen eine mit 
(Strabon 6, 267) bezieht sich die Biene neben dem Mauerkrone versehene Göttin inschriftlich als 
Bilde der Stadtgöttin (s. Bd. 1 Sp. 2767, 41V Tv%n (s. Head, Register S. 773) oder Tv%ri itö- 
Aber auch die Eigentümlichkeiten der Be- tecog (Attaea bei Head, Hist. num. S. 449) oder 
wohner selbst, die ja durch ihr verschieden- 50 als die Tyche einer einzelnen Stadt (Tccqcov 
artiges Wesen und ihre mannigfaltigen Be- 'ASqcztivwv, Head S. 618. 686) bezeichnet, viel 
schäftigungen an erster Stelle zum besonderen häufiger aber bleibt es zweifelhaft, ob die 
Charakter eines Landes beitragen, werden zur Tyche der Stadt oder die ihr nahe verwandte 
genaueren Bezeichnung der Ortspersonifika- Personifikation der Stadt selbst gemeint ist, 
tionen verwendet, wie ja bereits Aeschylos die nur selten durch die Beischrift TTOAIC 
(Perser 181 ff.) das asiatische Weib und die (Ephesos, Friedländer in der Arch. Zeit. 27 
Griechin als Vertreterinnen ihrer Völker in 1869 S. i03; Prostanna, Imhoof-Blumer, Griech. 
diesem Sinne einander gegenüberstellt. Schon Münzen nr. 501) oder MHTPOTTOAIC (Sardes, 
seit dem 5. Jahrhundert v. Chr. kommt so Libya Head, Hist. num. S. 553), häufiger durch Bei- 
mit krauslockiger Haartracht, welche an den 60 fügung des Stadtnamens (Ephesos, Kyzikos, 
Eingeborenen vor allem auffällt, auf Münzen Temnos, Sardes; Head, Hist. num. S. 455. 482. 
vor (Kyrene, 431 — 321 v~ Chr.; Ptolemaios IL, 553) entschieden gekennzeichnet wird. So finden 
Head S. 729 f. 714; vgl. o. Bd. 2 Sp. 2038f.), sich schon im 4. und 3. Jahrhundert v. Chr. 
häufig aber wird diese Art der Bezeichnung Frauenköpfe, die ein mit drei turmartigen Auf- 
erst in römischer Zeit (s. unten Sp. 2094. 2100ff.). Sätzen verziertes Diadem tragen, auf Münzen 

Rein mythologisch Charakterisiert ist da- „, Dle loka i e Auffassung der Kybele zeigen ihre 

gegen Phthia, wenn sie auf einer Münze von Beinamen läägäateia, Jivdv^ijvtj, 'ISaia, Ileotmovrda, 

Aegium (146 — 43 v.Chr., Head S. 348) der SiTtv}.^, <t>Qvyia u. a. 



2093 Lokalpersonifik. (Stadtgöttinnen) Lokalpersonifikationen (Provinzen) 2094 

von Heraklea Pontika (364—347 v. Chr., Catal. Sueton. Nero 46; vgl. Gilbert, Gesch. u. Topogr. 

of gr. coins, Pontus S. 140 f. Tf. 29, 16. 19 f.; ä. St. Born 3 S. 326) waren jedenfalls den eigent- 

30, 1), Kromna und Amisus (330 — 300 v. Chr., liehen Ortspersonifikationen entsprechend und 

Head', Hist. num. S. 433. 424. Catal. a. a. 0. nach dem Vorgange der pergamenischen Kunst 

Tf. 2, 10 ff. 21, lff.). Sinope (306—290 v. Chr., sowie der oben erwähnten Münzen (s. Sp. 2091) 

Catal. a. a. 0. S. 98, Tf. 22, 11 ff. Imhoof -Blumer, mit Hervorhebung der nationalen Eigentümlich- 

Monn. gr. S. 230; vgl. S. 461, 8), Marathus keiten gebildet (Brunn, Gesch. d. gr. Künstler 1 

(226 v. Chr., Head S. 670), Syracus (nach 212 S. 602. Overbeck, Plastik* 2. 434). Auch Au- 

v. Chr., Catal., Sicily S. 226, 688); im 2. Jahr- gustus stellte eine Beihe solcher Personifika- 
hundert v. Chr. aber Magnesia am Sipylus, io tionen (simulacra gentium) in der porticus ad 

Therroae Himerenses, Kremna in Pisidien, na,tionesimS(Serv.Verg.Aen.S,121;\g\.Plin.h.n. 

Sidon (Head, Hist num. S. 551. 128. 590. 673. 36, 5, 39. Gilbert, Gesch. u. Topogr. d. St. Born 3 

Imhoof -Blumer, Mon. gr. S. 336f), Pyranthos S. 250), und zu Lugdunum wurde ihm ein Altar 

auf Kreta, Byblos in Phönizien (Imh.- Blumer mit den Darstellungen von sechzig gallischen 

S. 220 f. 442 f.), Hierapytna, Aegiale (Catal. of Völkerstämmen geweiht (s. Bd. 1 Sp. 1592, 37ff.); 

gr. coins, Crete S. 48. Aegean islands S. 84). In hei seinem Leichenzug aber führte man die 

der Kaiserzeit ist dieser Typus so häufig, dafs Bilder aller von ihm unterworfenen Völker in 

die Anführung einzelner Beispiele überflüssig einheimischer Tracht und Bildung vor (Bio 

ist (s. Imhoof - Blumer a. a. 0. S. 495, sowie Cass. 56, 34, 3), wie später den Leichenzug 
Griech. Münzen S. 271 unter Tyche). Über die 20 des Pertinax die Erzbilder aller Länder des 

Auffassung der Marmorstatue der Stadt Theben, «Teiches überhaupt verherrlichten (Bio Cass. 

die Damophon um 370 v. Chr. in Messene auf- 74, 4, 5). In derselben Weise sind die beiden 

«teilte (Paus. 4, 31. 10. Brunn a. a. 0. 1, 288. Vertreterinnen unterworfener Länder (Sigam- 

290), sowie derjenigen der Stadt Megalopolis bria? und Celtiberia?) auf den Reliefs des 

von Kephisodot und Xenophon. in Megalopolis Panzers der Augustusstatue im Vatikan (Hel- 

(Paus. 8,30, 10. Brunn 1,269) ist nichts über- big, Führer durch Born 1 nr. 5; s. oben Bd. 1 

liefert, doch stellen Imhoof - Blumer u. P. Gard- Sp. 1592, 23 ff.) gekennzeichnet, daher wir eine 

ner in ihrem Num. comm. on Paus. S. 66 die ähnliche Auffassung vielleicht auch für die 

ebenda auf Tf. P 2 abgebildete Münze von Provinzen und Nationen des römischen Reiches 
Messene, welche den Kopf einer Stadtgöttin so voraussetzen dürfen, die auf den Reliefs des 

mit Mauerkrone und Schleier zeigt, mit dieser sogenannten Arcus Pietatis vor dem Pantheon 

^chricht zusammen, sodafs vielleicht schon einen Kaiser um Beistand anflehend darge- 

fur diese Statuen dieses Symbol in Anspruch stellt waren (0. Bichter, Topogr. v. Born in 

genommen werden darf. I. Müllers Handb. 3 S. 867. Gilbert a. a. 0. 3 

Zur Zeit Alexanders ist somit' nach allen S. 193, 4. Ist die zugehörige porticus etwa mit 

Richtungen hin der Weg bereits vorgezeichnet, der porticus ad nationes identisch?). Jeden - 

welchen die spätere Kunst bei der Personifikation falls erscheint so auf dem zu Mainz aufgefun- 

von Ländern und Ortschaften eingeschlagen hat. denen Schwert des Tiberius Vindelicia als 

In der Periode des späteren Hellenismus und Jungfrau mit Schwert und Doppelaxt (Bergk 
der römischen Kaiserzeit werden die alten 40 in d. Jahrb. d. V. v. A. im Bheinl. H. 14 S. 185 f. 

Typen, der herrschenden verstandesmäfsig ge- Klein u. Becker, Schwert des Tiberius). In die 

lehrten Richtung entsprechend, hauptsächlich Zeit der ersten Kaiser gehört auch die früher 

nur durch Beigabe von änfseren Zeichen füaden als Thusnelda bezeichnete Germania devieta 

massenhaften Einzelgebrauch weitergebildet. in der Loggia dei Lanzi in Florenz, die als 

Muster der typischen Darstellung eines Landes 
2. Hellenistisch -romische Zeit. ^ der idealgestalt der Bewohnerinnen des- 
a) Bildsäulen und Reliefs. selben gelten kann (s. Bd. 1 Sp. 1629). 
In dem Festzuge Ptolemäos' II. Philadelphos Im Jahre 20 n. Chr. errichteten zwölf durch 
stellte eine mit goldenem Diadem geschmückte ein Erdbeben geschädigte Städte Kleinasiens 
Frau Korinth und solche mit goldenen Kränzen 50 zum Dank für eine Unterstützung dem Tiberius 
die von den Persern unterworfenen Städte und in Rom eine Statue, welche von den Bildern dieser 
Inseln an der Küste Kleinasiens dar (Kallixen. Städte selbst umgeben war; später wurden 
bei Athen. 2 S. 201 D; vgl. Overbeck, Plastik* 2 noch zwei andere Städte aus gleichem Anlafs 
S. 197), und ebenso wurden in Rom bei Triumph- hinzugefügt (Tacit. ann. 2, 47. 4, 13). Von einer 
zügen neben den Bildern von Flüssen*), Seen Nachbildung dieses Denkmals (Jahn in den 
und Bergen auch die von besiegten Ländern Ber. d. Sachs. Ges. d. Wiss. Phil. - hist. Kl. 3 
und Städten aufgeführt (Ovid. ars am. 1, 220ff. 1851 S. 127 ff. Overbeck, Plast. a 2 S.435. Bau- 
Trist. 4, 2, 37f. 43ff; vgl. Tacit. ann. 2, 41). meister, Benkm. Fig. 1441a— d S. 1297), die m 
Ptolemäos IV. umgab in dem von ihm erbauten Puteoli im Jahre 30 aufgestellt wurde, ist die 
Tempel des Homer den Thron des Sängers mit 60 Basis erhalten, an welcher sich jene Städte- 
den Statuen seiner angeblichen sieben Vater- bilder, in Relief übertragen, noch vorfinden' 
städte (Aeltan. v. h. 13, 22). Die von Coponius (s. Abbildung 2»» auf Sp. 2095f.). 
gefertigten Bildsäulen der vierzehn von Pom- Tmolos und Temnos werden von Jünglingen 
peius (Plut. Pomp. 45) besiegten asiatischen vertreten, deren Beziehung zu den Städten durch 
Völkerschaften (Varro bei Plin. n. h. 36, 41. die Mauerkrone angedeutet wird. Da Tmolos, 
, . . ™ r „„„ wie die Berggötter in einen Baum, so in einen 

*) Vgl. den auf einem ferculum getragenen Mulsgott tu - i«„l» „;«. J«_W„ .„„1,1 

de» Jordan am Triumphbogen de B Titn 8 (jKihr-HtaAr, baumartigen Weinstock greift, durfte wohl 

Denkm. i, es, 3« a). eigentlich der Berg Tmolos hier gemeint sein, 



2095 Lokalpersonifik. (Stadtgöttinnen) 

wie dieser ja auch auf Münzen der Stadt er- 
scheint {Head, Hist. num. S. 554).*) 

Auffälliger ist die Vertretung von Temnos 
durch einen Jüngling, falls nicht auch hier 
an den Gott des nahe gelegenen Temnon- 
gebirges gedacht werden darf. Jahn a. a. 0. 
meint, dafs die Gestalt einer in der Stadt be- 
findlichen Statue des Dionysos nachgebildet 
sei, die sich auch auf Münzen der Mammaea 
und Gordianus III. finden soll (vgl. Dionysos 
mit Mauerkrone auf Münzen von Teos bei 
Inihoof- Blumer, Gr. Münzen nr. 369 Tf. 9, 16), 
während sonst auf Münzen von Temnos eine 
gewöhnliche Städtepersonifikation als Frau 
mit Mauerkrone vorkommt {Head, Hist. num. 
S. 482).**) Die hohe Verehrung des Dionysos 
daselbst beweist allerdings der Umstand, dafs 
auf den älteren Münzen der Kopf desselben, 
sowie Weinlaub und Trauben dargestellt sind 
{Head S. 481). Von den übrigen Städten er- 
scheinen sieben als reich bekleidete und meist 
auch mit Polos oder Mauerkrone und Schleier 



Lokalpersonifik. (Stadtgöttinnen) 2096 

rina in Rücksicht auf das damals zu seinem 
Gebiete gehörige {Strabon 13 'S. 622) Orakel 
von Gryneia durch den Dreifufs, und Ephesos 
durch das Bild der Artemis charakterisiert 
wird (vgl. Amphipolis mit der Statue der Ar- 
temis Tauropolos auf einer Münze aus der 
Zeit des Valerianus I., Catal. of gr. coins, 
Macedon. S. 60 und unten Sp. 2124). Aufser- 
dem erscheint der Kopf des Kaystros unter 

10 dem, linken Fufse der Ephesos ; in der R. hält 
sie Ähren und Mohn, wie die Fruchtbarkeit von 
Mostene durch Früchte in ihrer Hand und im 
Schurz gekennzeichnet wird. Die Flammen, 
welche aus der Mauerkrone der Ephesos em- 
porlodern, deuten vielleicht auf die Flammen, 
welche während des Erdbebens aus dem Boden 
hervorbrachen {Tacit. ann. 2, 47). Kibyra ist 
durch Helm, Schild und Lanze ausgezeichnet, 
wohl deshalb, weil sie als Hauptstadt eines 

20 Städtebundes und dann eines conventus für 
besonders kriegerisch galt, während Hyrkania 
zur Erinnerung an ihre Besiedelung durch 




r 



j-aa^sr.? 




2 a und b) Philadelpheia, Tmolus, Cyme, Mostene, Aeg*e und Caesarea auf der Basis von Puteoli 
(nach Baumeister, Denkmäler Kg. 1441 S. 1297). 



geschmückte Frauen, fünf sind als Amazonen 
aufgefafst (vgl. die Stadtgöttin von Stoboi auf 
einer Münze des Geta, Catal. of gr. coins, Maced. 
S. 106). Das reiche Sardes hat einen nackten 
Knaben , Plutos {Nonn. Dion. 13 , 466 f.) oder 
Tylos (s. d. und vgl. den nackten Knaben auf 
dem Knie des Flufsgottes auf Münzen von 
Sardes bei Imhoof- Blumer, Griech. Münzen 
nr. 619 f.), neben sich, die seefahrende Kyme 
und die den Erderschütterer Poseidon ver- 
ehrende Aegae führen den Dreizack, letztere 
auch den Delphin; die wegen ihrer vielen 
Feste und Tempel Kleinathen {Io. Lyd. de 
mens. 4, 40) zubenannte Stadt Philadelphia er- 
scheint in priesterlicher Tracht, während My- 

*) Crusius im Phüol. 52, 1898 S. 711 vergleicht mit 
diesen huldigenden Städten die weiblichen Mügelfiguren 
auf der oben Bd. 2 Sp. 1729 f. abgebildeten Kyren. 
Schale, indem er sie für die Schutzgenien der Tochter- 
städte der Metropolis Kyrene erklärt. 

**) Ähnlich ist die Bronzestatue eines Heros Ktistes 
mit Turmkrone des cab. de Janze im cab. des med. zu 
Paris {FurtwängXer in der Arch. Ges. zu Berlin nach der 
Berl. Phil. Wodtenschr. 1891 37 Sp. 1183). 



Macedonier {Plin. h. n. 5, 29, 120. Tacit. ann. 
2, 47. Strabon 13, 1, 13) die diesen eigentüm- 
lichen Kausia trägt. Das Attribut der Mag- 
nesia ist nicht mehr kenntlich. 

50 Dieser puteolanischen Basis ist eine Relief- 
platte aus Cervetri mit den Bildern oder Ver- 
tretern von Tarquinii (bärtiger Mann mit über 
den Kopf gezogener Toga), Volci (bekleidete 
Frau auf einem Thronsessel) und Vetulonia 
(nackter, bärtiger Mann mit Ruder) ähnlich, 
die vielleicht von einem Throne- des Claudius 
stammt {Benndorf u. Schoene, Die ant. Bildw. 
d. lateran. Mm. nr.212 S. 130f.). 

Auf der piazza di Pietra zu Rom sind Säulen- 

60 postamente mit den Reliefdarstellungen von 14 
römischen Provinzen gefunden worden, welche 
zu der von M. Agrippa erbauten Basilica Nep- 
tuni (vgl. Dio Cass. 66, 24) gehört haben {Lan- 
ciani in der Arch. Zeit. 41 1883 S. 187); drei 
derselben, die sich in den Pal. Odescalchi und 
Farnese befinden, sind bei Matz-v. Duhn, Ant. 
Bildw. in Born 3 nr. 3623 und a beschrieben, 
wo auch die ältere Litteratur angeführt ist, 



2097 Lokalpersonifik. (Länder etc.) Lokalpersonifik. (Länder etc.) 2098 

sieben andere sind jetzt im Hofe des römi- Da jedoch bei dieser Gattung von Denk- 

schen Konservatorenpalastes {Heibig, Führer malern Ortspersonifikationen nur dann (jrkennt- 

d. Born nr. 533, daselbst die neuere Litteratur), lieh sind, wenn sie in den hergebrachten Formen 

drei im Mus. nazion. zu Neapel aufgestellt. vorkommen, so brauchen wir hier die einzelnen 

Wahrscheinlich ist aber auch das Bruchstück nicht weiter aufzuführen. Inschriften sind nur 

einer Africa auf dem Capitol (Matz-v. Duhn selten beigefügt, wie z. B. auf dem Relief des 

a. a. 0. 3 nr. 3624) zugehörig. Die Bildung der Archelaos von Priene (Kaibel, Inscr. Graecae 

Köpfe und insbesondere der Augen deuten auf Sic. et Ital. nr. 1295. Baumeister, Denkmäler 

spätere Zeit als die des Agrippa, sodafs die Fig. 118), wo bei der Apotheose Homers die 

Reliefs als eine vielleicht im zweiten Jahr- 10 OiKovßivrj erscheint, und auf einem Sapphir 

hundert gemachte Zuthat zu betrachten sind. mit einer Jagd des Kaisers Constantius: Ksacc- 

Die Haartracht, Ausrüstung und Fufsbeklei- p«x KcMnuSotia , die als liegende Frau mit 

düng der Provinzen ist offenbar derjenigen Füllhorn dargestellt ist {Müller - Wieseler, 

ihrer Bewohner nachgeahmt; der Gesichts- Denkm. 1, 72, 416 S. 100). Hierzu sind die 

ausdruck zeigt bei allen die Trauer der Be- Einzelartikel zu vergleichen, deren Verzeichnis 

siegten, der Schnitt ist meist ideal, nur zwei unten Sp. 2100ff. bei Behandlung der Münzen 

lassen deutlich individuelle Züge erkennen. geboten wird. 

Bemerkenswert ist ferner der Torso der ,. n ..,-,„ ,,„ A •m-„„„,-Vo„ 

„, . . c, ,, ..,,. j TT- - •. b) Gemälde und Mosaiken. 

Statue einer Stadtgottm aus der Kaiserzeit ' 

zu Athen (0. I. Att. 3, 423. Sybel, Katal. d. 20 Auch die Malerei stellte mehrfach Länder- 
Skulpt. zu Athen nr. 422 S. 77), welche durch und Städtepersonifikationen dar, ohne jedoch 
bildliche Darstellungen (Skylla, Seetier, Wind- irgend eine neue Auffassung hervorzubringen, 
götter, Sirenen) als Seestadt (Unteritaliens?) So erscheinen auf einem Gemälde zu Pompeji 
bezeichnet wird. Als Verfertiger derselben {Heibig nr. 11131 die drei Brdteile in Rück- 
nennt sich Iason aus Athen. Vgl. Sybel ebd. sieht auf ihre Bewohner und Produkte cha- 
nr. 423. — In der Villa Hadrians hat man die rakterisiert: Buropa blondlockig, von einer 
jetzt in Ince Blundel Hall befindliche Kolossal- Dienerin mit einem Sonnenschirm beschattet, 
statue der Phrygia mit Mauerkrone, Binde und Africa mit schwarzem wolligem Haar und Ele- 
Tympanon gefunden (Michaelis in der Arch. fantenzahn, Asia, braunlockig mit Elefanten- 
Zeit. 32 1875 S. 25), welcher Zeit aber der 30 kopfschmuck (vgl. ebenda nr_ 1114). Africa (?) 
als besiegte Provinz bezeichnete verschleierte trägt Elefantenkopfschmuck, Ährenkranz, Bogen 
Frauenkopf trauernden Ausdrucks bei Fröhner, und Köcher, Sicilia die Mauerkrone, Ähren, 
Not. d. I. sculpt. ant. du musee du Louvre 1 S. 424 Speere und zur Andeutung der triquetra (siehe 
nr. 463 angehört, ist mir nicht bekannt. Vgl. unten Sp. 2104) über jedem Ohre ein Bein 
endlich die Darstellungen derLibye oder Africa (ebenda nr. 1115). Auch Heibig nr. 1116, eine 
o.Bd. 2 Sp. 2037 ff. Über Roma auf den Reliefs weibliche Figur mit Elefantenkopfschmuck 
der Triumphbögen siehe den Art. Roma. Ihr und Scepter, unter ihrem Fufs Elefantenkopf, 
ältestes Kultbild wurde zu Smyrna 195 v. Chr. neben ihr ein Löwe, ist Libye oder Africa (siehe 
aufgestellt (Tacit. ann. 4, 56). Die Provinzen an unten Sp. 2100) zu benennen; siehe oben Bd. 1 
den Säulen des Theodosius u. Arkadius zu Kon- 40 Sp. 1015 f. Africa neben Dido. Auf einem den 
stantinopel beschreibt Strzygowski im Arch. Theseus neben dem getöteten Minotauros dar- 
Jahrh.% 1894 S. 245. stellenden Gemälde {Heibig nr. 1214) ruht Kreta 
Auf späteren römischen Reliefs, besonders mit Bogen, Pfeil und Köcher, die ihr wohl in 
an Sarkophagen, findet sich als Vertreterin Rücksicht auf die Berühmtheit der kretischen 
des Erdbodens häufig eine gelagerte Frauen- ' Bogenschützen beigegeben werden, in der Höhe 
gestalt , doch ist dieselbe wahrscheinlich all- als Zuschauerin auf einem Felsen. Neben He- 
gemein als Gaia oder Tellus (s. Gaia und vgl. rakles und Telephos sitzt ebenso zuschauend 
Matz-v. Duhn a. a. 0. S. 257. Dütschke, Ant. Arkadia mit Rosenkranz und Fruchtkorb, hinter 
Bildw. in Oberital. 5 S. 436 unter Ge) aufzu- ihr ein jugendlicher Pan {Heibig nr. 1143), und 
fassen. Seltener treten hier einzelne Erdteile, 50 auch beim Tode des Adonis (ebenda nr. 340) 
Länder oder Städte auf, wie z. B. Europa und ist eine solche Lokalgöttin zugegen, die durch 
Asia, mit Turmkrone geschmückt und inschriftl. Aufstützen des Kopfes ihre Trauer kund giebt. 
bezeichnet {Matz-v. Duhn 3 nr. 3599), Aegina, Ägypten in d